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Full text of "Zur Diagnostik der Lungen- und Herzkrankheiten mittlest physicalischer Zeichen"

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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 

MEDICAL CENTER LIBRARY 

SAN FRANCISCO 





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Zur Diagnostik 

der 

liun&en- und Herzkrankheiten 

mittelst 

physicallscher Zeichen« 

Mit besonderer Berücksichtigung 
der 

Auscultation und Percnssion. 

V 

% 
Von 

Dr. P. ^(pfc^lipp, 

pnct. Ant« in Bftrlia. 



AJmi crfaM» «tat fimi profetsorü est. 



Mit einer Tafel. 



Berlin, 1836. 
Im y erläge tob August Hirscbwald, 

(Borg -Straf«« Wo. 96 ) 



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Berlin, gedruckt bei Petsch. 



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Dem Herrn Professor 

Schönlein, 

seinem Lehrer, 

i 
in lief er Verehrung 



gewidmet 

> 



Verfasser. 



131742 

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Vorrede* 



jnUs ich, nach einem längeren Aufenthalte im Aus- 
lände, und namentlich in der Häuptstadt Frankreichs 
im Jahre 1832 nach Deutschland zurückkehrte, war 
ich tief betroffen von der Geringschätzung und Ver- x 
nachlässigung, die deutsche Aerzt,e in Bezug auf jene 
Entdeckungen an den Tag legten, an deren Verbrei* 
tung und Ausbildung unsere Nationalehre geknöpft 
sein sollte. Wären, sagte ich, die Methoden der 
pbysicalischen Exploration rein franzosischen Ur- 
sprungs, so könnte man vielleicht unsrer Abneigung 
gegen das Ausländische den geringen Anklang zu- . 
schreiben, den dieselben bei uns gefunden haben; 
aber die ersten Spuren dieser Methoden werden 
schon bei H/ppocrates angetroffen, und der Ent- 
decker der Percussion, Auenbrugger, war ein Deut- 
scher, obwohl nicht gerade die Deutschen sein Ver- 
dienst am meisten anerkannt haben. Woher also 
dieser Mangel an Interesse für einen Gegenstand, der 
Franzosen und Engländer seit mehreren Jahren, fast 
mochte man sagen , ausschliefslich beschäftigt hat, l 
dem Coreisart, Laennec, Louis, Andrai, Bouilläud, 
Magendie, Forbes, Hope, Stockes, JVilliams etc. 
Jahre des Fleifses und der Arbeit gewidmet haben, 
über dessen Vortrefflichkeit kein Wort mehr zu ver- 



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VI 

Heren ist? Unsere Privatärzte erröthen fast, wenn 
sie das Ohr an die Brust eines Kranken anlegen sol- 
len; sie machen Einleitungen, als handle es sich 
darum, eine blutige Operation zu vollziehen, oder 
sie flöfsen durch ihr linkisches Benehmen dabei dem 
Kranken Milstrauen gegen die Methode selbst ein. 
In den Hospitälern und Kliniken begnügt man sich 
damit, inmitten des Tumultes die Kranken flüchtig 
zu* stethoskopiren, nnd nimmt dann weiter keine 
Rücksicht • auf diel Resultate der Untersuchung , denn 
mein hat keine erfjaltei), und aüdi keine erhalten 
können *). Anleitung/ wi* man diese Exploration*^ 
methoden . auszuüben habe , ' zuerst bei Gesunden, 
dann bei Kranken, in einer Stufenfolge, die der 
Schwierigkeit der Auffassung eines jeden Zeichens 
entspricht, wird derti Studierenden gar nicht gegeben, 
noch'vielivehiger werden Versuche am Cadaver -ge- 
macht» die doch so unerläßlich sind.! Ueberhaupt 
i$t das Wifstraucn gegen diese Methoden bei den 
rweist^n dn serer klinischen Lehrer tief eingewurzelt, 
und geht auf: Ihre Zuhörer über. Und doch koiirtnt 
*o viel auf die tnedicinische Erziehung unserer Sinne 
ah, und doch lafst sich so schwer nachholen ^ tfas 
früh iq dieser Beziehung versäumt ifct Ehe man 1 die 
angehenden Aerfete von jenem Etwas, von jenem Un- 
sagbaren unterhält, was ärztlicher Takt oder ärztli- 
eher Instinkt genannt wird, und wovon sie nichts ver- 
stehen; noch ahnen können, weil selbst die Erleuchte^ 



*) SfhBnMn, Np^e und KrukenbiTg haben «war die Aus- 
eultation uxid die Percussion in den Unterricht angeführt, doch 
fand ihr Beispiel wenig Nachahmung, auch haben sie diesen 
Explorationsmethoden nicht die specielle Aufmerksamkeit wid- 
men können, durch die allein man zu einer wahren Virtuosität 
darin gelangt. 



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rn 

ten keine Rechenschaft darüber abzulegen im Stand« 
sin'd 9 solfee man sie sehen, hönefty fühlen und riechen 
lehren. Der Sinn des Gesichts, durch den Tastsinn 
berichtigt, ist von der Natur dam bestimmt, uns eine 
vollkommenere Kenntnifs der Aufsenwelt zu verschaff 
fen, als die übrigen Sinnesorgane dieses zu thun im 
Stande sind. Aber, nur die Oberfläche des Korpers 
und die .Mündungen von Gängen in das Innere sfind 
dem Auge zugänglich; die grofse Mehrzahl der 
Krankheiten fällt' nicht in das Bereich des Gesichts. 
Nur wenn die > physicalischen Verhältnisse inne- 
rer Organe in dem Grade verändert sind, dafs 
dadurch irgend ein äufserer Theil aus seiher Lage 
gebracht wird , (z. B. Wölbung der Praecordialge* 
j^end bei starken Hypertrophie des Herzens), so las- 
sen sie sich mittelbar durch das Gesteht wahrnehmen» 
obwohl die Kenntnifs, welche .. wir. aus solchen Zei* 
ohein schöpfen, immer nur unvollkommen ist; In 
eben diesen Fallen giebt uro der Tastsinn noch nä- 
here Belehrung über die Form, die Substanz und die 
Beschaffenheit: eines krankhaften Theils. Ist er durch 
Erfahrung ausgebildet, so ersetzt er oft ein Auge, das 
durch die Gebilde hindurch bis in die Tiefe der Or- 
gane zu dringen im Stande wäre. Der Gerüchssinn 
ist bei der grofsen Mehrzahl der civilisirten Menschen 
zu stumpf, als dafs er bei der Erkenntnifs der Krank- 
heiten nützen könnte; doch kommet Fälle vor, in 
denen auch dieser Sinn zur Diagnose behülflich isb 
Was das Gehörorgan anbetrifft, so werden die Be- 
ziehungen desselben zu den Eigenschaften der äufse» 
ren Gegenstände im gewöhnlichen Leben weniger be- 
rücksichtigt, als die des Tast- oder Gesichtssinn». 
Doch wissen wir gleichsam instinktartig, dafs die Sub- 



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vm 



stanz oder die Dichtigkeit der Körper einigermaafsen 
im Verhältnifs zu dem Ton steht, den sie beim Ah* 
schlagen von sich geben. Auch entdecken wir bald 
die verschiedenen Arten des Schalls, je nachdem die 
Luft auf feste K$rper von verschiedener Form trifft, 
oder mit anderen Worten, wir erkennen aus dem 
Schatte die Beschaffenheit seiner physicaliscben Ur- 
sache; man denke nur z. B. an das Rauschen schwe- 
rer Seidenstoffe, an das. Rascheln von Papier, Per* 
gament und. Blech, an das Pfeifen des Windes durch 
ein Schlüsselloch! an das Murmeln des Baches, 'das 
Heulen des Sturmes etc. Der Schall. wird uns also 
ein treffliches Mittel zur Untersuchung der dem Ge~ 

, sichts* und dem Tastsinne entzogenen Theile darbie- 
ten (vorausgesetzt nämlich, dafs der Gegenstand der 

' Untersuchung einen hörbaren Schall hervorzubringen 
lind fortzuleiten im Stande ist), und dies wird um so 
mehr der Fall sein , da er in allen Cohäsionsformen 
der Körper, in der festen, flussigen und luftformigen 
hervorgebracht und fortgepflanzt werden kann. Wir 
müssen also bei den innern Krankheiten es den Blin- 
den gleichzuthun suchen, denen es so ofl gelingt, den 
Mangel der Augen durch Verfeinerung ihres Tast* 
und Gehörorgans fast ganz zu ersetzen. Eine solche 
Ausbildung hängt aber allein von der Uebuug eines 
Jeden ab ; die Beschreibung allein genügt hier nicht. 
Durch eine blofs beschreibende Geschichte der physi- 
calischen Zeichen würde das Studium der physicali- 
sehen Diagnose wenig gefordert und angeregt werden, 
denn sie käme nur dem Eingeweihten zu Gute, und 
dieser bedarf ihrer nicht. Worauf es ankam, das war 
einestheils die Zeichen überall auf ihren Mechanismus 
zurückzuführen, und dem Mechanismus wiederum 



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IX 



durch seine vielfachen Abstufungen hindurch bis zur 
Erzeugung der Zeichen nachzugehen, oder mitande* 
ren Worten, die Beziehungen zwischen den physi- 
calischen Zeichen und der Krankheit mehr hervorzu- 
heben, anderenteils aber diesen Zeichen den Platz 
anzuweisen, den sie in der Seraiologie einzunehmen 
berufen sind, ihr Verhältnifs zu den anderen J8ym- 
ptomeh festzustellen.. — 

Ob diese Aufgabe eine leicht zu lösende sei, 
überlasse ich der Entscheidung Anderer. Lange zö- 
gernd, meine Kräfte daran zu yersuchen, wagte ich 
es endlich, von vielen Seiten ermuthigt. und aufge- 
fordert. Alles, was sich auf die physicalischen Ex- 
plorationsmethoden bezieht, ist mir zur lebendigsten 
Anschauung geworden. In den Sälen der Pitie, der 
Charite', des Hotel -Dieu,^ der Enfans malades und der 
Salpetriere, in diesen grofsen Bazars des menschli- 
chen Elends, unter der Leitung von Loius> AndraL, 
Guersent, Chdmel, Piorry etc., bot sich überreicher 
Stoff zum Studium derselben dar. Laennecs Geist 
wehte, noch an allen diesen Orten und belebte mit sei- 
nem Hauche alle jene Männer, die sich bemühen, den 
von ihm gebahnten Weg weiter fortzuführen. Alles 
zeugt hier von Streben und Fortschritt, Alles ist hier 
Anregung. Auch dieses Werk soll nur anregen ; des- 
halb bestimmte ich es für den Unterricht für unsere 
deutsche, der französischen an Empfänglichkeit nicht 
nächstehenden Jugend ; deshalb gab ich ihm die di- 
daktische Form und vermied, so viel es anging, die 
polemische Richtung, obwohl diese dem Autor immer 
mehr Gelegenheit darbietet, Geist und Wissen glänzen " 
zu lassen. 

Das Werk von Collin, das sich bisher in den 



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Händen der Studierenden befand/ ist hur ein fluchti* 
ger Auszug aus dem Laennec, und bei dem grofsen 
Fortschritte, den seit der Zeit die physicalische Dia* 
gnose gemacht hat, beute fast veraltet. Als dfese Ar* 
beit fast vollendet war, erschien unter dem Titel: 
Neues und vollständiges Handbuch der 
Auscultation und Percussion, ein Werk von 
Raciborsky in Paris. Es wird interessant sein, die« 
ses Werk mit dem vorliegenden zu vergleichen, um 
zu sehen, wie verschiedenartig ein Gegenstand beai> 
Beitet werden kann, je nachdem ervoii verschiedenen 
Gesichtspunkten aus genommen wird. Jetzt eben, da 
ich dieses schreibe, erhalte ich die von Veiten ber 
sorgte deutsche Uebersetzung der dritten Ausgabe von 
Williams Pathologie und Diagnose der Krankheiten 
der Brust. Die neuen Versuche, die der hochgeschätzte 
Autor hinsichtlich der Erzeugung der Herzgeräusche 
in Gegenwart von Hope und mehreren anderen engli* 
sehen Aerzten angestellt hat, führten ihn zu folgenden 
höchst merkwürdigen Resultaten : 

1) Dafs das erste Herzgeräusch allein durch die Zu- 
sammenziehung der Muskelsubstanz der Ventri- 
kel entstehe. . ' < / 

2) Dafs der zweite Herzton durch die Wirkung der 
arteriellen Blutsäule hervorgebracht werde, ^in- 
dem dieselbe bei der Diastole' der Kammern die 
halbmondförmigen Klappen anspannt. 

Möchten doch deutsche Physiologen, recht bald 
ihre Aufmerksamkeit diesem so wichtigen Punkte zu* 
wenden. 



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Uebersicht 

der abgehandeltes Gegenstände* 



... *, ' » 



Einleitung. 

.. • .; , . Seite . 
Von den Kratfkbeitsch'ardkteren; den Sympto- 
men und pbyBtcalisehen Zeichen, .w». .«.<*. ■ • 1 •«*— 12 

Erste Abtheilung....^..—.. 12 — 108 

Capttet I. Die Percus8ioo.. ....... ............ 12—35 

Erster Abschnitt Das Allgemeine von der Per« 

cusaiDn...« •••*»»•• *« «»•* 1»'* t <i«p"«'** •••••*••♦•>• »^ .. ;12.*-^ . 24 

§. 1. Erklärung, Geschichte der Percassion. •*..«,... 12 - — lf 

§.2. Methoden der Percassion.......... 14. — 15 

§. 3. Technik der Percassion.... ........... ,•..;•*.... 15 -7 19 

§. 4. Resultate der Percassion..... 19—22 

§. 5. Anwendung der Percassion....... .' 22 — 23 

Zweiter Abschnitt Percassion de s Thorax. ....... 24 — 36 

§.6. Vom Brustgewölbe, seiner Form, seinem Inhalte 

- ; ia Bezog auf die Percassion....... ............. 24 — 26 

§.7. Methoden der Percassion des Thorax, Gebrauch 

des Plessimeters. ;.......;.. ..*.,....,>..... ;26|.*-* 3Q 

. §. 8. Technik der Percassion des Thorax, Resultate 

derselben im normalen Zustande,. 30 — 35 

' §. 9. Resultate der Percassion im anormalen Zu- 
stande der Brostorgane....... r t& J± .35 

Capitel II. Die Auscultation 36 — 172 

Erster Abschnitt. Das Allgemeine der Aascful- 

tation....... .:.................... 1 ... 36—44 

§. 1. Erklärung, Geschichte der Auseuitatlon. .. 36 — 38 

§.2. Methoden £er Auscultation.. •.... 38—39 



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in 

Seite 
§. 3. Verhältnifs der mittelbaren zur unmittelbaren 

Auscultation 39—42 

§. 4. Tecbnik der Auscultation. 42—44 

Zweiter Abschnitt. Aascoltation der Respirations- 
organe... .,..* ., 44—85 

§. 5. Bau der Luftwege in Bezog anf die Auscul- 

tation 44—46 

§. 6* Theorie der Auscultation hiosichts der Ath- 

mungsorgane 46 — 50 

$.7. Auscultation des A&mens .*%.... 50 — 73 

§.8. » der Stimme... 73— 81 

§.9* » des Hustens > 81 — 82 

§. 10. » einiger besonderen respiratorischen - 

Geräusche „ 82—85 

Dritter Abschnitt Auscultation des Herzens 85 — 160 

§. 11. Diagnose der. Herzkrankheiten yor der Ent* 

deckung der Aascoltation 85 — 86 

§. 12. Anatomische Bemerkungen über das Herz in 

Bezog auf physicalischc Zeichen .86 — 93 

§.13. Percoesidn des Herzens. 93-/95 

§. 14. Von der Action des Herzens im Normalzustände 95 — 119 

§. 15. ThStigkeit des Herzens im anormalen Zustande 119 — 160 

Vierter Abschnitt Auscultation der Arterien..... 160 — 168 

§. 16. Aascoltation der Arterien im normalen Zustande 160 — 164* 
§. 17. 'Auscultation der Arterien im anormalen Zu- - . 

sUnde .......*.. ...k.. 164—168 

Fünfter Abschnitt. Auscultation der Schwan- . : 

geren ..............;...... • ••?••'•• 168 — 172 

§. 18. , -Von der Auscultation des Herzens leim Foetos 

und dem Flacentar - Blasengeräusch«. , 168 — 172 

Capitel HL Von der Besichtigung der 
. Brust , , 172 - 187 

§. h Von der Besichtigung der Brust in* Allgemeinen 172 — 173' 

§. 2. Ton der Ardutectur des Brustkastens«.... 173 — 175 

§. 3. Mechanik des Athmens...* 175 — 187 

Capitel IW Die Succussion 187 — 190 

Capitel V. Palpation des Thorax, Auf- 
legen der Hand auf denselben....... 190 — 194 

Capitel VI. Mensuration des Thorax.... 194 — 198 



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Zweite Abtheilung 199 — 856 

Capitel I. Krankheiten der Athwuiigs- ; 

orjaiLe...,....'.. •••...•. 199 — 319 

Erster Abschnitt. Von Air Pleuritis....*;.,..... 199 — 224 

§.1. Diagnose der Plen^i^s yor der Ansonltation und 

der pereussion. . .. • ..,,.,. .., » . r . ..,.«... ,, 199 — 2Ö1 

§. 2. Anatom. Charaktere der Pleuritis - hinsichtlich 

der physikalischen Zeichen 201 — 209 

§. 3. Physicalische Zeichen delr Pleuritis 1 . . 209 — 219 

§."4. -Bifferentielle Diagnose der Pieuritiff rücksichfe i! 

lieh der physical. Zeichen. ....;.... .. . /. 219 --- 220 

§. ?. Ausgange der Pleuritis in Bezug auf physical. .' 

Zeichen... '.'. ..........;.... i ; . . 220 — 224 

<* ' - - ' , , 4 ^ ,.'■'. ' ; i s 

Zweiter Abschnitt. Von dem Catarrh der Lungen. 224 — 235 

.§. 1. , Von der Diagnose Aea Lungencätarrlis vor der t 

Entdeckung der Auscultation und der Pereussion. 224 — ^25 

§. 2. Anatom:: Charaktere dei Lungencatarr hs. '. . . . . . 225 — 229 

§. 3. Physical. Zeichen des ; * . ' ! • 229 — 235 

Dritter Abschnitt Von der Pneumonie.*,. .' r ."v<* S 35 T" * 77 " 
§. L, Diagnose. der. Pneumonie V«* 4er Anwendung - ,/ 

der physical. Explorationsmethoden. . 235 — 240 

§. 2* Anatom. Charaktere der Pneumonie mit Rück* 

sieht auf die physical. Zeichen 240 ■-*■ 249 

§. 3. Physicalische Zeichen der Pneumonie 249 — 258 

§. 4. Einige Falle von Pneumonie 258 — 277 

Vierter Abschnitt. Von der Phtfaisi 277 — 319 

§. 1. Ton der Phthisis pulmonum im Allgemeinen vor 

Bayle und Laennec. 277 281 

§. 2. Anatom. Geschichte der Phthisis hinsichts der 

physical. Zeichen 281 —301 

§. 3. Physical. Zeichen der Phthisis % 301 — 3J9 

Capitel IL Krankheiten des Herzens... 319 — 358 

Erster Abschnitt. Allgemeine Betrachtungen über 
die Diagnose der Herzkrankheiten durch 

physical. Zeichen 319 — 328 

Zweiter Abschnitt. Von der Pericarditia. 328 — 334 

§. 1. Von der Diagnose der Pericarditis vor unserer 

Zeit. .-. k 328 — 331 

§• 2. Physicalische Zeichen der Pericarditis. 331—334 



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OT 

Seite 
Dritter Abschnitt Von der Hypertrophie d» 

Herzens - ..... 334 - 342 

§.1. Allgemeine Bemerkungen über die Hypertrophie : 

•de» Herzens.. v.»«8* -^ 338 

, t §. 2. Physicalische Zeichea der Hypertrophie des , . ; 

Herzens im. Allgemeinen . ..... r 338 — 341 

§. 3. Physicalische Zeichen, die der Hypertrophie 
1 einer jeden Höhle des Herzens im Besonderen ; ' *' 

eigen 8ind.;.:......t...::.; f v;. A ..:^./ r i ? .'...•" 341 ± 342 

Vierter .Abschnitt Von der jDi).aJa,Uon /de*;.B:e,rjB- ,,; .• ; 
höhlen...;.-..,...-^ -r ?*8 

§. 1. Allgemeine Bemerkungen $bfp , 4ie Düa£atJou 4fr ,';■/'! 

Herzhöhlen* ....... .,.,.* ......................... . ß42 -j^ .345 

t , §. 2, »Diagnose der Erweiterung durch physicalische ; A 

Zeichen und Symptome.. 3^5 — 34$ 

Fünfter Abschnitt. Von den Klappen -Krankhei- . 

ten, des Herzens.. ....... . P .......'.V f ........ .349 — 358 

,,$•!• Allgemeine Bemerkungen über, die Klappen-, t r .<- > , 

Krankheiten des Herzens - * i,. n . ,a,.' * *> v ft v - • W^ TT *^* 

§. 2» Physicalische Zeichen der Klappenkran^heiten. 3^1 — $53 

7 $.3, Differentielle Diagnose der ; Verengerung der ' -»->' : 

# yerschiedenen 'Herzorificieni..i...J «.•*iv?..v. ; i* 853 — 358 






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Einleitung. 



Von den Kjr*mIiJhelt*ehÄrÄlUeren, den Symp*»- 
phyalcaliaehen Zeichen. 



§ 1 

Mßie Krankheiten treten ins Dasein durch ihre Charak- 
tere. Die Gesammtheit der Charaktere einer Krankheit 
gieht mit der Geschichte ihres Verlaufes das Bild derselbe^. 
Zusatz. So wenig sich eine Pflanze, ein ffinerat, ein 
Thier definiren läfst, eben So wenig ist es mög- 
lich, die Definition einer Krankheit zu geben. Sa 
wie aber aus der Beschreibung der Charaktere eines 
Thiers, einer Pflanze, des Erdkörpers der Begriff 
dieser Pflanze, dieses Thiers, des JErdkörpers her- 
vorgeht, oder besser, so wie diese Charaktere und 
der Begriff eins und unzertrennlich sind, so liegt in 
den Charakteren einer jeden Krankheit auch ihr 
Begriff, ihr 2 weck, ihre Neth wendigkeit. 

! §• > .-.: • ' 

Die Krankheitscharaktere beriehen sich auf die Le- 
bensMufserungen (Functionen)^ oder auf dm anatomischen 
Bau, oder auf die ehemische Zusammensetzung des Orga- 
nismus, oder endlich auf den Körper insofern er, abgese- 
hen von seinem Leben, eine Masse darstellt, die, wie jede 

1 



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körperliche Masse, von allgemein' physicalischen (mecha- 
nischen) Gesetzen abhängig ist. 

Die Krankheitscharaktere sind also, der angegebenen 
Ordnung nach, physiologischer, anatomischer, che- 
mischer oder physicalischer Natur. 
Zusatz. Die chemischen Charaktere sind noch zu we- 
nig bekannt und zu sehr vernachlässigt, um den 
andern Charakteren zur Seite gesetzt werden zu 
können. 

§. 3. 

Sehr selten giebt sich eine innere oder medizinische 
Krankheit während des Lebens durch Charaktere aus allen 
genannten Klassen zu erkennen; die anatomischen werden 
bei ihnen immer erst am Leichname erkannt. Worauf es 
daher bei den Innern Krankheiten vorzüglich ankommt, 
das ist, die Beziehungen aufzufinden, in denen 
die vorhandenen physiologischen und physikali- 
schen Charaktere zu den unbekannten anatomi- 
schen stehen, und umgekehrt die anatomischen Ver- 
änderungen auf das Leiden zu beziehen, das 
ihnen in der Wirklichkeit entspricht. Anatomie 
und Physiologie sind, die Grundpfeiler, auf denen das Ge- 
wölbe unsrer Wissenschaft ruht . 
Zusatz. Die chirurgischen Krankheiten fähren zum 
großen Theil anatomische und physkalische Cha- 
raktere mit sich, ihre Brkenntnifs ist aus diesem 
Grunde leichter. Die Baut- und Augenkrankheiten, 
die Anginen, die Krankheiten der Harnröhre, der 
Blase, der Scheide, der Gebärmutter, des Mastdarms, 
der Natien-, Ohr- und Mundhöhle bilden deshalb 
dem Uebergang, die Brücke zwischen den medizini- 
schen und chirurgischen Krankheiten, weil sie ent- 
weder von sichtbaren anatomischen Charakteren bfe 
gleitet sind, die man alsdann Phaeaoniene nennt, 



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der Ausschlag hei den; Exanthemen, die getrübte 
Linse bei der Cataraet, die Geschwulst, die Köthc 
und Ausschwitzung bei der Angina, oder weil sie 
pkysicalische Zeichen in ihrem Gefolge führen, die 
Am ton direktesten Zusamnienhange^ mit organischen 
Veränderungen stehen, z. B. die Zeichen die dar 
Catheter in Krankheiten der Harnröhre und Blase, 
das Tonehiren, der Mutterspiegel bei denen der 

• Scheide, des Uterus, die Sonde bei Knochenübeln 
giebt. Bfier kantt nicht allein darüber kein Zweifel 
mehr entstehen, weiche Fwictionssiönii%en r jnaii als 
den Ausdruck der nach dein Tode gefundenen Or* 
ganenveranderung anzunehmen habe, sondern es 
sind selbst mit der Entwicklung, dein föiHstande 
und der Rückbildung des anatomischen- Leidens 
seine verfcshiedenen Beziehungen zu den Stadien, 
dem Verlaufe, der Dauer der Krankheit gegeben; 
Als Gegensatz betrachte man nun einmal die jetzt 
in so bebest Grade das Interesse der Aerzte fiessein* 
den Typhen. Wie wenig weift man nock von den 
, Beziehungen der constantesten Organefcivfränderiin- 

gen dieser Klasse, nämlich der Geschwüre, 4uf der 

' Schleimhaut des Darmkanals, ich will nicht sagen 
' zu dem Verlaufe und der Dane*, Sondern nicht ein- 

. mal zu den Bauptsymptonten dieser Krankheit ! 

Es ist daher sehr richtig, wenn man bekanntet, 

' das Studium der Medizin müsse Ton dem Studium 
der Hautkrankheiten, der Geschwüre nankentlioh, 
und von den Augenkrankheiten ausgehen. In letz- 
teren h*t man in der That einen bewundcrnswer- 
then Grad diagnostischer Sicherheit erreicht 

§. 4. '"< 

Am Lebenden werdenwir es also bei den innen» Krank- 
heiten nur mit den physiologischen oder vitalen und mit 

1* 



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den physikalischen Charakteren zu thun haben, Erstere 
nennt »an vorzugsweis Symptome, letzterere physi- 
caliscne Zeichen. 

Die Symptome bestehen sieh auf Störungen in den 
Functionen; diese Beziehung ist unmittelbar oder 
mittelbar. 

Unmittelbar ist sie; wenn die Functionen des Organs 
leiden, das krankhaft rerändert ist* mittelbar, wenn das 
krankhaft-' ergriffene Organ zu allgemeinen Störungen im 
Blut- und Nervensystem und in Folge davon zu Stör an* 
gen in den Se- und Excretionen Veranlassung gfobt. Die 
ersteren nennt man rein vitale, die letztem institu- 
tionelle oder Reactionssymptome. Das I>elirium 
bei der Meningitis, die Stiche bei der Pleuritis sind rein 
vitale Symptome, dagegen das Fieber, der sparsam abge- 
hende dunkelrothe Urin, die wetfsbelegte Zunge, die bei 
beiden vorkommen, constitutionelle oder Reactionssym- 
ptome sind. Erstere sind die örtlichen, letztere die allge- 
meinen Symptome. Die eonsensuellen Symptome oder die 
Störungen der Functionen eines mit dem krankhaft er- 
griffenen (n Oonsens stehenden Organs können füglich als 
Unterabtheilung der rein vitalen Symptome ihre Stelle 
einnehmen. 

Die physicalischen Zeichen beziehen sich auf den 
materiellen Zustand der Organe; diese Beziehung ist aber 
ebenfalls eine unmittelbare oder mittelbare. Unmit- 
telbar ist sie, wenn es nicht einer Function als 4 Zwischen- 
gliedes bedarf, um dem Organe das Zeichen zu entlocken, 
mittelbar hingegen, wenn das Bestehen des Zeichens von 
der Ausübung der Function abhängt Die ersteren nen- 
nen wir rein physicalische, die letzteren vital -phy- 
sicalisehe Zeichen. Die Zeichen der Percussion, der 
Suceussion, der Palpation, der Mensuration sind rein phy- 
sicalische. Die Lunge tönt beim Anschlage anders als das 
Herz, dieses anders als der Magen,' ganz abgesehen davon, 



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ob die erstere Luft aufhimmt und ausstöfst, das zweite 
dem Blutumlaufe vorsteht, und der letztere verdaut Wird 
der Herzton in einem gröfseren Umfange gehört als die- 
ses Organ normaler "Weise einnehmen soll, so hat das 
Herz auch wirklieh an Gröfse zugenommen. Die Zeichen 
der Auscultation sind vital -physicalitiche. Damit man wisse, 
ob ein Theil der Lunge für die Luft durchgängig sei, 
mufs der Kranke athmen, der ttutümläuf mufs Statt ha- 
lben, wenn* man die Herzgeräusche oder die Herzschläge, 
diö Glieder müssen sich bewegen, wenn man- das Knistern 
der Gelenke hören soll. 

Die rein physicalisehen Zeichen hören daher nicht 
mit dem Leben auf, sie lassen sich gleich gut am Cada- 
daver beobachten^ die vital -physicalisehen erlöschen mit 
dem Eintritte des Todes, obwohl, wie später gezeigt wer- 
den soll, einige derselben sich künstlich am Leichname 
hervorrufen lassen. 

Die physicalisehen Zeichen Oberhaupt (die rein- und 
die vital- physicaliselwn) können direct oder indirect 
sein. Direct sind sie, wenn das Organ, das .sie giebt, 
selbst das leidende ist; indirect, insofern sie sich nicht 
auf das primitiv kranke, sondern auf ein anderes nach- 
barliches Organ beziehen, dessen physicalische Verhält^ 
nisse durch das kranke Organ gelitten haben. So kann 
z. B. ein Ergufe in die linke Pleura das He*z nach rechts 
hinüberdrängen. Die indirecten möchten sich zu den 
direct-physicalisehen Zeichen verhalte», wie die consen- 
suellen zu den rein vitalen Symptomen. 
Zusatz^ Dafs sich gegen die obige Eintheilung man- 
ches einwenden liefse, wissen wir sehr gut. Es 
kommt aber einmal auf Einteilungen und Classifi- 
eirungen überhaupt wenig an, dann ist immer der 
Zweck zu berücksichtigen, den man dabei vor Au« 
gen hat, und für den unsrigen ist diese Eintheilung 
die bequemste. 



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6 



§•5. 

Wie verhalten sieh nun ihrem absoluten Werfte nach 
die physicalischen Zeichen zu den Symptomen 1 Zur 
Beantwortung dieser Frage ist es ndthig, den Haafsstab 
anzugeben*, wonach wir beide schätzen. Je näher, je in- 
niger, directer das Verhältnifs ist, in dem ein Symptom 
(in der allgemeinsten Bedeutung des Worts) zu den ana- 
tomischen oder physicalischen Veränderungen eines Or- 
gans steht, desto werthvoller ist es. Hieraus geht als 
eine nothwendige Folge hervor, daß, absolut betrachtet, 
die physicalischen Zeichen einen bei weitem größeren 
Werth haben müssen als die Symptome. 

Schon in der Bedeutung, der physicalischen Zeichen 
liegt es, dafs sie objectiver, begrenzter, stättiger sein 
müssen als die Symptome. 

1) Objectiver; der Husten, die Dyspnoe bei- der 
Pneumonie, das Erbrechen, der Leibschmerz bei der Ga- 
stritis, das Delirium bei dar Encephalitis sind auch ob» 
jective . Symptome 9 aber sie werden erst durch eine ört- 
liche oder allgemeine Reaction hervorgerufen, denn kein 
Mensch, mögen jene Krankheiten auch einen noch so ho- 
hen Grad, erreicht h&ben, hustet und. bricht weder in 
einem fort, noch ist er beständig in Ersticknngsgefahr, 
noch spricht ras fortwährend irre, sondern es treten diese 
Symptome mit der örtlichen oder aUgeineinen Reaction 
anfaJUswefce ein. Das Mittelglied der Reaction aber, als 
ein nach der Individualität so sehr variireudes, trübjt die 
Objectivität dieser Symptome unendlich.: Der matte Ton 
einer Stelle, des Thorax, da wo an einer entsprechenden 
, Steile der Lungen Tuberkeln oder Hepatisation sieh finden, 
der helle Ton mit fehlendem Respirationsgeräusche beim 
Pneumothorax sind, wie überhaupt alle rein physicali- 
schen und die große Mehrzahl der vital -physikalischen 
Zeichen, von einer Reaction ganz unabhängig, also objec- 



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tiver. Aus dem Gesagten geht aber auch hervor, dafs die 
physicalischen Zeichen 

2) St&tiger, permanenter sein müssen. Der Man- 
gel an Stabilität in den Krankheitssymptomen, der in ge- 
radem Verhältnisse zu dem mehr oder minder schnellen 
Verlaufe der Krankheit steht und es dem Arzte, welcher 
den Kranken nur zu einer bestimmten Zeit sieht, so schwer 
macht, kein wesentliches Material bei der Aufführung des 
Krankheitsgebäudes zu übersehen, hängt allein von der 
Reaction ab, und bezieht sich- meistenteils nur auf die 
Symptome im engeren Sinne. Einen Stein in der Blase, 
den ein gut geleiteter Catheter fast immer findet, wer- 
den die andern Erscheinungen bald vermuthen bald be- 
zweifeln lassen; die eigne Art zu harnen, das Kitzeln an 
der Eichel, die Schmerzen sind keineswegs immer vorhan- 
den, eben weil es Symptome sind, die von einer Reac- 
tion abhängen. Nichtsdestoweniger kann man behaupten, 
dafs auch die physicalischen Zeichen nicht immer perma- 
nent "sind; die vital -physicalischen zumal sind oft der 
Wandelbarkeit unterworfen, zuweilen selbst die rein phy- 
sicalischen, was .dann aber mehr in der Subjektivität des 
Beobachters liegt. Findet man doch in manchen seltenen 
Fällen, um bei dem obigen Beispiele stehen zu bleiben* 
bei der zweiten und dritten Exploration mit dem Cathe- 
ter den Stein nicht wieder, den die erste so deutlich füh- 
len liefs, um wie viel weniger hört man zu allen Zeiten 
die Geräusche, entlockt man dem Körper immer die Töne, 
die als pathognomonisch für gewisse Krankheitsformen 
angesehen werden. Die physicalischen Zeichen sind ferner 

3) Begrenzter; nicht allein den Ort des Uebels ge- 
ben sie, sondern auch die Ausdehnung, und somit ein 
Mafs für den Grad derselben. Dadurch ist man im Stande 
in manchen Fällen eine Texturveränderung in den Lungen 
oder in dem Herzen anschaulicher zu hören, wenn man 
so sagen darf, als das Scalpel sie darlegen würde, Wenn 



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8 

der Kranke in dieser Periode stürbe. Wir «rinnern nur 
an die so häufigen Fälle von Pneumonie, wo die Entzün- 
dung zwar nicht den ersten Grad Überschritten hat, aber 
über viele Punkte der Lunge ausgedehnt ist, die durch 
gesundes Parenchym von einander getrennt sind 5 hier, 
wo die kranke Seite überall sdnor klingt, ein geübtes 
Ohr aber genau die von der Entzündung ergriffenen Stel- 
len, wenn sie nicht zu tief liegen, ausfindig macht, würde 
es schwer halten, im Falle die Leiche nur einige Zeit liegt, 
mit dem Messer alle jene Punkte zu verfolgen. 
Zusatz 1. Je gröfser der absolute Werth eines Sym- 
ptoms oder phvsiealischen Zeichens ist, desto mehr 
beschränkt sich sein Vorkommen auf eine bestimmte 
.Krankheitsform. Wenn irgend Krankheitscharak- 
tere den Namen der pathpgnomonischen verdienen, 
so sind es die phvsiealischen Zeichen. Die physio- 
logischen Symptome allein, selbst die rein vitalen, 
geben, ihrer grofsen Verbreitung halber, selten kla- 
res Licht über eine Krankheitsform. Von wie vie- 
len verschiedenartigen Krankheiten des Magens und 
Darmkanals, änderet Organe gar nicht zu gedenken, 
ist nicht das Erbrechen ein Symptom! Und nun 
gar erst die allgemeinen oder constitutionellen Sym- 
ptome! Es soll die Gebärmutter zur Zeit der Pe- 
riode leiden, das Product der Coneeption soll sie 
aufregen, ein Polyp darin haften, Hydatiden sich in 
ihr entwickelt haben, sie soll sich deplaciren, eine 
. organische Entartung, eine wahrhafte Entzündung 
sollen sie heimsuchen, in allen diesen Fällen wird 
man Uebelkeit, Erbrechen, verschiedene Nervenzu- 
fälle, zuweilen Paroxysmen von Hysterie wahrneh- 
men, aber alle diese Symptome werden nur sehr 
wenig zur Erkenntnifs der Krankheit beitragen. % 
Zusatz 2. Was «wir hier von der Taxation der Sym- 
■ ptome gesagt haben, gilt nur für ihren absoluten 



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9 

Wertk Ib ihrer Beziehung zu den einzelnen Krank- 
heitsformen sind die physiologischen Symptome nickt 
minder werthvoü als die physicaMschen Zeiehen; 
die einen erhalten erst ihre Bedeutung, ihre Bestät- 
igung durch, die anderen; beide ergänzen sich ge- 
genseitig. Die einen oder die anderen rorzugsweis 
berücksichtigen,, würde gleich einseitig sein. Dies 
ist so klar, dafs es keines Beispieles bedarf, um es 
zu erläutern. 

§• & 
Wenn irgendwo physicalisehe Zeichen nöthig sind, 
um das Chaos zahlreicher und in einander übergehender 
Formen zu. entwirren, so ist dies wahrlich bei den Krank- 
heiten der Brnstorgafte der Fall. Diese Krankheiten bil- 
den unter den örtlichen bei Weitem die grofse Mehrzahl 
(man denke nur an Catarrh, Schwindsucht, Lungen-, 
Brustfell-Entzündung); hinsichts der Gefahr werden sie 
nur von denen des Gehirns übergroßen. So gefahrvoll 
aber auch die Krankheiten der Brustorgane sind, so stel- 
len sie doch auch wieder unter allen schweren inneren 
Krankheiten diejenigen dar, welche am öftersten gebeilt 
werden können. Von diesem zweifachen Gesichtspunkte 
ausgehend, haben die Aerzte aller Zeiten bemüht sein 
müssen, Zeichen aufzufinden, die geeignet waren, diese 
Krankheiten erkerinen und von einander unterscheiden zu 
lassen. Dafs ihre Anstrengungen bis auf die neueste Zeit 
Yen so geringem Erfolge gekrönt waren, hotte darin sei- 
nen Grund, dafs man nur die physiologischen Symptome, 
die Functionsstörungen berücksichtigte. Mit diesen allein 
aber raufst e die Erkenntnifs der Brustkrankheiten, wie 
schon BagHvi bemerkt, ungleich dunkler bleiben, als die 
der Krankheiten aller anderen inneren Organe. Die or- 
ganischen Krankheiten des Gehirns, nicht so zahlreich, ha- 
ben im Allgemeinen constante, bestimmt sich aussprechende, 



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10 

nicht sehr variirende Symptome m ihrem Gefolge. Wir 
erinnern nur an die Symptome des gestörten Nerrenein- 
flusses, deren Beziehung zu den sie begründenden Orga- 
nisationsveränderungen des Gehirns so gut bekannt ist 
Eine plötzliche, auf einen Schlag eintretende £lhmung 
einer Körperhöfte ist das fast untrügliche Symptom eines 
Blntaustritts in die der gelähmten Seite entgegengesetzte 
Hemisphäre des Gehirn« u. s. w. 1 ). Die weichen und 
dünnen Bauchwände gestatten es, dafs man die unter ihnen 
liegenden Organe befühlt, dafs man ihren Umfang, ihre 
Lage, ihre Empfindlichkeit i>eurtheilt, oft sogar dafs man 
Afterprodukte erkennt, die sich in ihnen entwickelt ha- 
ben. Die Krankheiten der Bruttorgane im Gegentheüe, 
sehr zahlreich und sehr verschiedenartiger Natur, haben 
fast alle dieselben oder ähnliche Symptome. Husten, 
Dyspnoe, Auswurf sind die vorzüglichsten, die her- 
vortretendsten unter ihnen; aber wie wenig entsprechen 
sie auf eine constante Weise den organischen Veränderun- 
gen, durch die sie hervorgerufen werden! 

Laännec, dessen Namen wir nie aussprechen, ohne 
uns ganz von der Bewunderung durchdrungen zu fühlen, 
die ein hohes Genie einflöfst, hat durch seine Entdeckun- 
gen, denen, was die Wichtigkeit der Resultate anbelangt, 
nur die Ch. BelTs an die Seite gesetzt zu werden verdie- 
nen, dieses für die Brustkrankheiten so ungünstige Ter-- 
hältnifo durchaus umgekehrt 

In Folge der physicaüschen Zeichen, die uns die Ex- 
ploration* -Methoden der Auscultation und der Per- 
cussion gewähren, nehmen heut zu Tage diese Krank- 
heiten in diagnostischer Beziehung unter den innern Krank- 
heiten den ersten Rang ein; viel fehlt noch, dafs die des 



') Wie oft haben wir nicht bei Sectionen an Gehirnkrank- 
heiten verstorbener Personen die von unsrem verehrten Freunde 
Romberg gestellte und am Leichnam noch einmal fest ausge- 
sprochene Diagnose bis aufs Kleinste bestätigt gesehen! 



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11 

Gehirns, noch weit mehr, dafs die Unterleibskrankheiten 
es ihnen darin gleich thun. Durch diese Methode ist das 
Stadium der Herzkrankheiten, aus dem Nichts hervorge- 
hend, in kurzer Zeit zu einer hohen Vollkommenheit 
gelangt. 

Aber nicht allein auf die Diagnose übten jene Ent- 
deckungen einen so grofsen Einflufs aus, auch die patho- 
logische Anatomie und die Pathogen^ wurden dadurch ge- 
fördert, auch die Therapeutik gewann dabei Dem Em- 
pirismus für immer entrissen wurde die Behandlung auf 
eben so einfache als allgemeine Grundsätze zurückgeführt. 
Wir werden uns nun bemühen in einem allgemeinen 
Theile die Explorationsmethoden zu beleuchten, die unter 
dem Namen der Percussion, der Auscultation, der 
"Inspection des Brustkastens, der Succussion, der 
Mensuration und der Palpation bekannt sind. In 
einem zweiten, besonderen Theile werden wir von denv 
/ am häufigsten vorkommenden Formen der Lungen- und 
Herzkrankheiten in Bezug auf die physikalischen Zeichen 
sprechen, die diese Methoden gewähren. 
Zusatz. Es sind ohne Zweifel auch schon vor der 
Entdeckung physicalischer Zeichen die versohiedto- 
nen Species der Brustkrankheiten erkannt und auch 
wohl von einander unterschieden worden. Aber 
was damals nur den* seltenen Taete eines geübten 
Practikers glückte, liegt heute im Bereiche eines 
jeden, der nur Zeit und Mühe daran setzt, etwas 
zu lernen. 



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Erste Abtheilung. 



Capitel I. 
Die Percussion. 



Erster Abschnitt. 
Da« Allgemeine vmn' 



§ 1. 

Erklärung, Geschichte der Percutsion. 

"er Ansehlag gegen die Wandung eines hohlen Körpers 
entlockt demselben einen Ton und setzt dem anschlagen- 
den Finger oder Instrumente einen Widerstand entgegen, 
aus welchen beiden man auf die Beschaffenheit des in der 
Höhlung Enthaltenen schließen kann. Eine mit Flüssig- 
keit gefüllte Blase giebt, so angeschlagen, einen andern 
Ton, als eine andere, die nur von Luft ausgedehnt ist; 
mit Sand angefüllt tönt dieselbe anders, als wenn sie 
Quecksilber enthält; ganz eigentümlich ist wieder der 
Ton, wenn sie einen tropfbar -flüssigen und einen luftför- 
migen Körper zu gleicher Zeit in sich schliefst. * Verschie- 
den, wie die Töne, ist auch der Widerstand, den die Blase 
in diesen verschiedenen Fällen dem Finger leistet. Die 
Methode, nach welcher man den Wandungen einer Höhle 
des Körpers oder anderen Körpertheilen, natürlichen oder 



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\ 



13 

aftergebildeten (Geschwülste aller Art, Brüche etc.) einen 
Impuls mittheilt, um den materiellen Zustand der in ihnen 
enthaltenen Organe oder Körper zu leurtheilen, wird 
Perkussion genannt 

Die Percussion, zuerst von Auenbrugger in Wien im 
Jahre 1761 als diagnostisches Hülfmittel benutzt ') , zog, 
obgleich ran Swieten und Stoll ihrer Erwähnung thun, 
zur Zeit ihrer Entdeckung nicht die Aufmerksamkeit auf 
sich, die sie verdient. Corvi&art entrift sie der Verges- 
senheit, der sie während 47 Jahre anheimgefallen war, indem 
er das Werk Auenbrugger** übersetzte und auf die grofse 
Bedeutung der , neuen Methode aufmerksam machte '). 
La&nnec vernachlässigte sie nicht, während er sich seinen 
unsterblichen' Arbeiten über die Auscuttation hingab. 

Aber Piorry *) vor Allen gebührt das Verdienst j durch 
seine mit dem gröfsten Fleifse und Scharfsinne angestell- 
ten Versuche und seine eben so zahlreichen als schätzba- 
ren Beobachtungen an Kranken, dieser Methode, als einer 
der wichtigsten für die Erkenntnifs der Brust- und Unter- 
leibskrankheiten, die allgemeinste Anerkennung und Auf- 
nahme Verschafft zn haben. 
Zusatz. Die Percussion gründet sich also^ wie aus 
dem Gesagten hervorgeht, nicht allem auf die Töne, 
die die verschiedenen Theile beim Anschlag» von 



*) Leopoldi Auenbrugger. Inventum novum ex percussione 
thorafis hnmani, ut signe, abstrusos intern! pectoris mörbes 
detegendi. Vindob. 1761. 8. 

£ ) L. Auenbrugger? Methode pour connaftre les malades 
de poitrine par la percussion; trad. et commentö par «T. JV. Cor- 
visart Paris 1808. 

3 ) De la percussion to^diate et des signes obtenus ä Faide 
de se noäreaa moyen d'exploration dans les maladies thoraci- 
ques et abdominaux par M. Eiorry. Paris 1828; und von eben 
demselben: 

Du proc^de operatoire a suivre dans Fexploratiön des or- 
ganes par la percussion raidlate. Paris 1831. 



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14 

sich geben, sondern in eben dem Grade auf den 
Widerstand^ den der anschlagende Finger dabei er- 
leidet Es ist also dabei der Geföhlssinn nicht we- 
niger interessirt als das Gehör, und es kann daher 
nnr der Percutirende selbst alle Resultate aal der 
Pereussion ziehn. Auf dies aufmerksam gemacht 
zu haben ist ein nicht geringeres Verdienst Piörryp* 
als seine Erfindung der .mittelbaren Pereussion durch 
das Plessimeter. . 

§• «. 

Methoden der Pereussion. 

Die Pereussion ist unmittelbar, wenn man, ohne 
sich eines Zwischenkörpers zu bedienen, direct mit dem 
Finger die Theile trifft, deren pbysicaüsehe Beschaffenheit 
Gegenstand der Untersuchung ist. Ton Auenbrugger bis 
auf Piorry^u Zelt wurde so percutirt, obgleich LaBtmte 
schon sehr wohl das Mangelhafte dieses Verfahrens einsah. 
Die Pereussion ist mittelbar, wenn man den Im- 
puls einem festen und sonoren, genau der zu percutiren- 
den Fläche anliegenden Körper, und nicht dieser Flüche 
selbst mittheilt; 

Ptorry ist der Erfinder dieses Verfahrens.' Das In- 
strument, dessen er sich als Zwischenkörper bedient, ist 
von ihm Plessimeter (von nX^GGca ich schlage, und fii- 
r{*OP das Maafs) genannt worden. Man kann aber auch 
statt des Instruments die Finger der linken Hand oder ein 
Stück Geld dazu brauchen. 
Zusatz. Piorry kam auf die Idee zur mittelbarenPer- 
cussion durch das Geräusch, das er vernahm, als er 
mit dem Nagel auf einem festen und unebenen, dem 
Thorax anhaftenden Körper kratzte. Er stellte nun 
unausgesetzt Versuche mit Plessimetern aus ver- 
schiedenem Material an, aus denen sich ergab, dato 



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\ : 15 

das Elfenbein, wagen «einer Härte und Sonerität, 
der hierzu am meinten sieh eignende Körper sei 

Die form .anbelangend, so besteht das bequemste 
Plessimeter aus einem runden Stücke Elfenbein von 
zwei Zoll Durchmesser und eiöer -Linie Dicke, ohne 
Randleiste, mit zwei senkrecht an beiden Enden 
eines seiner Diaofreter sich erhebenden Vorsprängen, 
-' die 4; Linien hoch, ebensoviel breit und nach Anisen 
conear sind, um der Convexität der Finger zu ent- 
sprechen. (Siehe Fig. 2 der Tafel.) 

Dies Plessimeter läfot sich zwar nicht an ein 
Stethoskop anschrauben, aber 1 es gewährt den Vor- 
zug, deJfe man es besser als. jedes andere fhcireu 
"kann, dafs etil mehr Oberfläche darbietet als das 
gewöhnliche, und dafs es durch keine Randleiste 
dem' anschlagenden Finger hinderlieh ist Welches 
auch das Plessimeter sei, detosen man sieh bedient, 
immer ist es gut, einen der Diameter desselben nach 
dem Lintenmsfte emtheilen zu lassen. 

• '• §. 3/ * ; 

Technik der Percussfön. 

In keinem Falle lasse man bei der Percusston 4*ft m 
Percutirenden auf einer zu weichen Unterlage ruhen, noch 
lasse man Oeräusch in der Nähe stattfinden. Die von dem 
Kranken einzunehmende Lage hängt ton dem Organe- ab, 
da* man explorirt, und von der Krankheit, die zu erken- 
nen ist. Bei der Pereusslon des Thorax wird daran aus- 
führlicher gesprochen. Oft kann während der ganzen 
Untersuchung ein und dieselbe Stellung beibehalten wer». 
den, wenn kein Verdacht von JFlüasigkett, die ins eine 
Hohle ergessen ist, obwaltet} oft im GegentheOe wird 
dieselbe gewechselt Werden müssen. Man schlägt ferne* 
aus dem Handgelenke, nie mit steifem Arme. Hut schlägt 



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16 

stark .an, wenn das zu untersuehende Organ lief liegt 
oder wenig «onor ist, schwach dagegen, wenn die Lage 
des Organs eine oberflächliche, seine Bedeckungen schmerz- 
haft sind. 

Will man den Ton würdigen, den die verschiedenen 
Theüe beim Anschlage geben, daher die diese» Theilen 
beigebrachten Schwingungen so viel als möglich ausdeh- 
nen, so sei der Anschlag kurz und trocken, <L h. der' 
Finger falle eben so plötzlich nieder, als er schnell zu- 
rückgezogen wird; will man sich hingegen von der Dich- 
tigkeit der zu percutirenden Theile unterrichten, so mufs 
der Finger nicht in dem Momente des Anschlages zurück* 
gezogen werden, sondern er muffe noch einige Zeit dar- 
über ruhen bleiben, wobei das Gefühl von Härte oder 
Elasticität besser hervortritt. 

Dies sind die allgemeinen Regeln, die bei jeder Art, 
des Pereutirens ihre Anwendung finden müssen. 

Was nun aber das verschiedenartige' Verfahren bei 
den verschiedenen Methoden anbelangt, so ist hierüber 
folgendes zu merken: 

1) Bei der unmittelbaren Percussion. 

M}t dem Daumen und den zwei folgenden Fingern 
der linken Hand spannt man die Haut des zu percutirenden 
Theltes und die Gewebe unter derselben, wenn sie sehr 
schlaff sind. Dann schiigt man mit den ätafsersten Eftden 
der vier in ein Niveau gebrachten Fingerspitzen, nachdem 
man ihnen durch Anlegung des Daumens an den Zeige* 
flnger eine Stütze gegeben hat, perpendiculär «üf, indem 
man sich hütet, den pulpöseü Theil der Fingerspitze knit 
in Actfon zu setzen. Tönt die zu percutirende Gegend 
sehr sonor, ist sie selir schmerzhaft, oder will man nur 
schnell einen schon früher censtatirten Zustand bestätigt 
ieheti, so kann man sich begnügen,' mit der Platthand zu 
peremtiren, wobei die Finger gespannt und an einander 
gebracht sind. Ist ein seht 1 junges Kind oder ein sehr 



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17 

kleiner Raum zu percntiren, kommt es darauf an, einen 
Theil durch die Percussion genau zu umgrenzen, so kann 
man sich des Mittelfingers allein zur Percussion bedienen. 

i) Bei der mittelbaren Percussion 
ist das Verfahren verschieden, je nachdem sie 

a) auf dem Plessimeter oder 6) auf dem unter- 
gelegten Finger ausgeübt wird. 
a) Auf dem Plessimeter. 
Daf wir in dem Abschnitte über die Percussion des 
Thorax noch specieü Tön der Anwendung des Plessime- 
ters zu sprechen haben werden, so können wir darüber 
hinweggehen. 

^b) Auf dem unterbelegten Finger. 
Hierbei legt man die vier Finger der Unken Hand, in 
der gehörigen Entfernung von einander, auf den zu unter- 
suchenden Theil auf. Der, welcher den -Anschlag empfan- 
gen soll, wird besonders ^sorgfältig gegen die Haut oder 
die Kleider angedrückt, damit die Gewebe, aus denen er 
besteht, und die der zu untersuchende^ Theile gehörig 
comprimirt und gespannt seien, und sich keine Luft da- 
zwischen befinde. Nun schlägt man mit den wie bei dem 
unmittelbaren Percntiren geordneten Fingerspitzen der rech- 
ten Hand gegen die Dorsalfläche und den mittleren oder 
knöchernen Theil des Fingers, auf dem man percutirt, der 
Lfingenrichtung nach. 
Zusatz. Von dem Werthe und den Vorzügen der bei- 
den Methoden des Percutirens in Bezug auf den 
Thorax wird im folgenden Abschnitte die Rede sein. 
Hier sei vorweg nur folgendes bemerkt: Die un- 
mittelbare Percussion verursacht dem Kranken 
mehr oder weniger Schmerzen, weshalb auch schon 
Auenbrugger den Rath ertheüt hat, die Hand, die 
sie ausübt, mit einem Handschuhe zu bekleiden. 
Der Thorax der Kinder, der magerer, sensibler Per- 

2 



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18 



sonen^ Geacbwüraflächen lassen sich auf diese Weise 
gar nicht untersuchen. 

Bei grofeer Schlaffheit und beträchtlkher Dkke 
der Gewebe, giebt die unmittelbare Perenssion 
fast kein Resultat, während, bei der mittelbaren, 
der Körper, der den Impuls empfängt, zugleich dazu 
dient, die Theile zu spannen und zu comprimiren. 
Dies scheint uns der grofste Vortheil der letztge- 
nannten Methode zu sein» Denselben Vortheil ge- 
währt dieseJieÜiode, wenn der Thorax mit Kletdongs» 
stücken o£cr der Leib, mit Cataplasmaa bedeckt ist, 
unter welchen Umständen man bei der unmittel- 
baren PercussWn gar keinen Ton ethütt. Ans die- 
sem Grunde ist auch die unmittelbare Perenssion 
nur auf den Thorax anwendbar) und auel* hier nicht 
einmal üheraU, z. B. nicht in der Super- Clavic*Jju>, 
der Busen-, der Schulterblatt -Gegend, während die 
mittelbare auf die genaue und deteJUifcte Unter- 
suchung des Unterleibes eingehen kann, in dem nur 
sehr beträchtliche Ansammlungen von. Flüssigkeit 
oder die Gegenwart von vielem Gas durch die' un- 
mittelbare Methode entdeckt werden: konnten. 

Diese wenigen GnUnde , an die sieh: noch, viele 
andere anreihen tieften., sind mehr eis, hinneiohend, 
um der mittelbaren Percusston. de» uipbestreitr 
beiden Vorzug vor der unmittelbaren zuzusichern. 
Der einzige Vorwurf, den, man, der mittelbaren 
machen, kann.» daft sie dem, den verschiedenen Or- 
ganen, ejgenth«mUeben Tone noch einen firemden 
hinzufügt, nämlich den des« Plessimeters^ oder Fin- 
gers odev« Geldstück'** ist ohne Grund; denn mag 
dieser Ton, hohl oder massiv, hell oder matt sein, 
nichtsdestoweniger ist e» überall deeseU», an wel- 
chem, Körgenltmile man* auoh das. Plessimeter an- 
legt; Der Ton der Theile unter dem Plessimeter 



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19 

• 

ist alleM *5p, ^relctei; varifrt Setzen wir z.B. den 
Ton des Plessimeters = A, den der tungeti — B*, 
tmd den Leberfon =s C, 6ö unterscheiden sÜb B 
, uhd C nicht Weniger rött eulander, ob 4" A zu bei- 
den hinzukommt öder nicbf. 

§. 4. 
Resultate der Percuseion. 

Es könhöt, wie schon gesagt worden, bei der Perkus- 
sion auf den Ton an, den die Theile beim Anschlage ge- 
ben, und änf den Widerstand, den dabei der perculirende 
Finger empfhidfetr. In' beiden Beziehungen werden die Or- 
gane ein* Stufenleiter Vom Hehr zum Weniger darstellen. 
Andere Biodificationen, die sich' auf die» Natu* des Tones 
oder Widerstandes bestehen, sind nui* in' geringer Anzahl 
vorbänden, und lassen" sich sehr schwer ihit Worten 1 be- 
schreiben. Der Ton steht selkr Häufig im umgekehrten 
Verhältnisse' zu der flröfse' des Widerstandes 5 je sonorer 
ein Organ tönt, desto elastischer ist es, desto' geringer 
pfleg? de? Widerstand zu sein. 

Aitt* melfrteii tönend sind die am meisten hohlen, ilift- 
ffcngsreicben, oberflächlich gelegenen, am meisten Gas ent- 
hftKeridtti Organe, der Magen, das Coecum', die Backe, 
wenn mön viel tnft in den Mund nimmt. Den wenigsten 
Ton giebt de* fleischige Thell des 1 Seherikeis, des Ober- 
artnes. Will matt 1 dtese Stbfadettet durch Beiwörter be- 
zeichnen, sö kauft 1 ittati für dieselbe Reihefblge der Aüa- 
drffoke tympahitVsch, hohl, hell', dunkel, matt, 
massiv sich bedienen. 6anz auf dieselbe Weise kann 
man in B&ug auf den WideVstbtfd verfkhreri. Der größte 
Widerstand wird' dem 1 Finger' geleistet, wenn' man auf 
den gegen das Stirnbein fest abgedrückten Plessimeter, 
der geringste, wetftt man auf die von' Luft ausgedehnte 
Backe schlägt. Die Beiwörter , deren man sich bedienen 

2* 



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20 

kann, sind knöchern, trocken, halbtrocken, weich, 
matschig, elastisch. 

Einen eignen Charakter bietet der sogenannte Silber- 
oder Metallton (Son argentin, mätallique, Son humori- 
qvte von Piorry) dar. Er entsteht theils durch den Con- 
tact von Gas mit Flüssigkeiten, also im Epigastrium, 
wenn der Magen mit Getränk und Speisen angefüllt ist, 
an der Stelle, wo die angefüllte Harnblase mit einer Darm- 
schlinge in Berührung kommt etc., theils dadurch, dafs 
die Luft aus einer geräumigen Höhle durch eine enge OefF- 
nung treten mufs, wie dies bei manchen tuberculösen Ex- 
cavationen der Lungen stattfindet. Dieser Ton hat mit 
dem Aehnlichkeit, der sich hervorrufen läfst, wenn man 
an einen Topf anschlägt, der einen Sprung hat (bruit du 
pot feie). Wir wollen ihn seiner Bedeutung in der Mehr- 
zahl der Fälle nach den hydropneumatischen Ton 
nennen 5 er ist das für die Percussion, was das Tintemmf 
mitallique für die Auscultation ist. 

Um den hydropneumatischen Ton zu hören ist 
es zuweilen gut, im Moment des Anschlagens den Finger 
leicht über die Elfenbeinplatte hingleiten zu lassen, indem 
man die Action des Bogens auf den Saiten eines Streich- 
instruments nachahmt. 

Hält man ferner eine Repetiruhr in der Art, dafs sie 
mit dem Gehäuse auf der. Hohlhand ruht, und percutirt 
dann leicht das Glas mit den Fingern der rechten Hand, 
so empfindet man ein eigentümliches Gefühl von Vibra- 
tion, was von der Oscillation des Klöppels herrüht Ge- 
rade das empfindet der, der auf Hydatiden percutirt, die 
in einem grofsen gemeinschaftlichen Sacke eingeschlossen 
sind. Auch kann diese Empfindung mit der verglichen 
werden, wenn man mit dem Finger auf feste Fleisch- 
gelee schlägt. Ein Acephalocyst, den man auf der Hand 
schüttelt, bietet dieselbe Oscillation dar. Die Erschütte- 
rung hängt von den Wänden der kleinen Säcke ab, und 



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21 

die enthaltene Flüssigkeit trägt nur in sofern dazu bei, 
als sie diese Ideinen elastischen Taschen in ziemlicher 
Spannung erhält. ' 

Diese Empfindung, die ein so wichtiges Zeichen für 
die Diagnose der Hydatidengeschwülste abgiebt, ist mit' 
dem Namen der Hydatfden- Erschütterung, des Hy-- 
datiden-Tones (fremissement hydatiqne) belegt worden. 
Briaripon l ) vorzugsweise, aber auch Piorrif und Tarral 
haben das Verdienst, hierauf aufhterksam gemacht zu haben. 
Auch zur Hervorrufung dieses Phaenomens ist es nö- 
thig, den Finger nach dem Momente des Anschlages noch 
einige Zeit auf dem Plessimeter ruhen zu lassen. 
Zusatz. Piorry hat versucht, eine genaue Grenzlinie 
zwischen den verschiedenen Tönen zu ziehen, und 
hat ihnen Namen beigelegt, die von den Körper- 
theüen hergenommen sind, an denen sie gehört 
werden. Auf diese Weise hat er neun Töne be- 
kommen: 
den Schenkelton, den Intestinalton, 
» Leberton, »" Magenton, 

» Herzton, » Knochenton, 

» Lungenton, » Wasserton, und endlich 

den Hydatidenton. • 
Dies scheint uns unpractisch 1) weil man diese 
Bezeichnungen verdoppeln und vervierfachen könnte, 
ohne doch alle Töne benannt zu haben, deren Nüan- 
cirung überhaupt sich durch Worte nicht geben 
läfst, 2) weil die Percussion, und dies ist sehr der 
Beachtung werth, nicht von dem Grundcharak- 
ter, sondern nur von der Yergleichung der Töne 
abhängen kann, die bei demselben Individuum die 
verschiedenen Organe darbieten. Die Lunge des / 



*) Brümgon da fremissement hydatiqne. These de la faculte 
de Paris. No. 216. 



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n 

einen Menschen }canp matt ^Uitgejt gegpm giplpqge 
eines anderp Mepsc&jm, u^s4ef^yen|ger w^rd jm 
Normalzustände der Lungenton dieses Jfpfipchen (taßh 
hell klingen jm Vßrgjejch zu dem T<me, jfcm sein 
Her» beim Perc^tfreu giebt. 

Ptorrp j^ep-freit* auch *efor die Re^ilta^, dk 
ans «Jen verschiedene^ Graiku d«# ^idereta^de*, 

die plcbtfgkeU oder JSbptififöt der Organe ge?qpen. 
werden fcpfinej», wem* ep sagf: „*je (#e Empfin- 
dung des Widers^flss) $$t flicht allein 4»« D M*" 
v tigkeit 4er Organs beurteile«, auf de^en dasptaif 

sjmete? unmittelbar rufet, Ofler 4ie dpr Theiie, welejie 
Ton der PJatJe durqb ßH*G CWW? B*t?W$ wer " 
den, sondern sie fcfrit *icb auueh qQfife au/ Theiie 
aus, die vom Plessimeter po«sb ejne elastiflcbp Flüs- 
ftgkegt s^nderf. Sp flftlt der F^mjer sejir gut die 
Dichtigkeit der Haut, die er mittelbar pejcutirt, 
' erkennt die teber, Reiche vpp £en Tegumepten und 
den Rippen bedenkt ist, und urteilt ^ocb über die 
Härte iUfgef Qrgans, obwohl es vott den Rippen- 
wangnngen durch die von fi|ift angefüllte Lunge 
getrennt wird." — ! 

§.5. 

Djje Pe^ou^ion trifgt ajur Erkenjituifs $$x grofsen 
Mehrzahl de$ Bpj$t- un^i üpterl^ibaKrankbeiteu, der Was- 
seransammlungen ijj den Vaterleibs- und Gcle^khöJWen, der 
Hernien upd anderer £esc^wül£te bei Sie iifird zuweilen 
dadurch sehr nützlich, dafs durch den Schmerz, den sie 
verursacht, die krankhafte Empfindlichkeit der Theiie be- 
urtheilt werden kann, die man explorirt, und welche der 



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einfache Druck nicht immer darthut, der sich auch in vie- 
len Fällen gar nicht anwenden iäfst 

Amf dfeee WWm wM4e P ut M il i e u «ttfcltoii in «ini- 
gen Fällen ron acuter, selbst chronischer Pericarditis, bei 
der acuten und chronischen Rückenmarkentzündung. End- 
lich, wenn man sie bei der Untersuchung der Organe an- 
wendet, ist dadurch das so überaus wichtige Mittel ihrer 
Messung gegeben, die mit Geschicklichkeit ausgeführt, nie 
Utosefct. Dadarth umschreibt man nicht allein genau die 
Lttugea, 4as Herz, den Magen* die Lebe** die Mihi ete* 
man kann nicht allein dadurch wissen > efc diese Organe 
ihren normalen Plata einnehmen, oder ofc sie deplaclrt 
sind, ob sie atrophfech oder byßertn&fcfcisch (wenigstens tri 
einer Richtung) «ind, man mifst auch, um Wie viel eine 
entzündete Leber, ein erweitertes und von W*t ausge- 
dehntes Her* wreh den tu yerschiedentm leiten angettefr 
ten Aderlässen an Umfang abgenommen haben. Ohne daft 
man also nüthig hatte, das Verdienst der Percnsteien auf 
Unkosten anderer Methoden in erhaben,, reicht dte ttär-i 
ftäehlMbste Kenntftffb derselben hin, dem Unbe fange n e * 
dfe hohe Wertigkeit derselben Ar die Diagnose ehise- 
hen zu lassen. Im folgenden werden wir noch häoAg 
Gelegenheit haben , sie mit der Austialttttkfti, die ihr zu- 
nächst Hegt, k Parallele zu bringen. 



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Zweiter Abschnitt. 

Itant der PtrraMftm In Hera* «wf den Therra. 

§6. 

Vom Brustgeicölbe ^ seiner Form, seinem Inhalte in Bezug auf 
die Pereussion. 

Die Wandungen des Brustgewölbes «ud aus harten 
lind weichen Theilen zusammengesetzt, und stellen tost 
überall Unebenheiten, Erhöhungen und Vertiefungen dar« 
Die harten Tfaeile sind von verschiedener Dichtigkeit und 
bilde» vom Mehr iiun Weniger in dieser Beziehung fol- 
gende Stufenleiter.: Schlüsselbein, Rippen, Schulterblatt, 
Wirbel, Brustbein, Rippenknorpel, Schwerdtknorpei. Ton 
wie -gro&em Einflüsse dieses auf die Resonanz der Thtüe 
sei, wird jeder leicht einsehen,. Zwischen und über die- 
sen borten TbeÜeaa liegen die weichen in grösserer oder 
geringerer Fülle. Das Brustbein ist fast nur mit Haut 
bedeckt, die Muskelschichten zwischen den .Rippen sind 
dünn, während in der Gegend der Brustwarzen die dicken 
Lagen der Pectoraijmiskeln, über diesen die Brustdrü*e> 
und bei den meisten Menschen viel Fett sich befindet. 
Auf den Schulterblättern und in der Rinne, die der innere 
Rand derselben mit den Wirbeln bildet, befinden sich zahl- 
reiche Schichten starker Muskeln. 

Die Höhle selbst, deren Dimensionen so verschieden 
sind, je nachdem die zahlreichen Organe, die sie füllen, 
und die Wandungen die Functionen verrichten, «denen sie 
vorstehen, erstreckt sich hinten tiefer nach unten als vorn. 
Ton den darin enthaltenen Organen sind einige elastischer 
Structur und enthalten Luft im Uebergewicht, andere von 
musculösem Baue sind mit tropfbarer Flüssigkeit gefüllt. 
Aber die Organe sind nicht allein unter einander an Dich- 
tigkeit verschieden, sondern der Grad der Dichtigkeit 



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25 

variirt auch bei demselben Organe normaler Wette, je 
nach den verschiedenen Lebensaltern, nach dem Geschlechte 
und nach andern Umstanden, insofern dadurch das Ver- 
hältnis der den Organen zukommenden Luft- und Flüs- 
sigkeitsmengen bedingt wird, und überhaupt die physiea- 
lisehen Eigenschaften derselben sich Verladern. Hie Lunge 
eines Kindes enthält unter übrigens gftichen Umständen 
mehr Luft als die eines Greises, die Wandungen eines 
Kinderherzens sind dünner als die des Herzens von einem 
mannbaren Menschen, der Thorax des Weibes ist nicht in 
solchem Grade' der Expansion fähig, wie der des Hannes. 
Im anormalen Zustande finden nicht allein diese Ver- 
änderungen statt, sondern es können Höhlen, die gar keine 
tropfbare Flüssigkeiten oder 'Gase enthalten, sieh m|t einer 
grofsen Menge. davon füllen, weiche Thefle können hart, 
Organe von lockerem Gewebe dicht, der Bewegung fähige, 
bewegungslos werden. Bei Hhachistischen z. B.* giebt zu* 
weilen die Percussion, wegen der normwidrigen Consi- 
stenz der Knochen, oder wegen des Druckes, dem die 
Organe in Folge der Verschiebung des Brustgewölbes aus- 
gesetzt sind, gar keüte oder gatoz perverse Resultate. ' 
Zusatz. Der Ton, den die Lunge während des Actes 
der Inspiration, also in dem Znstande ihter gröfsten 
Luftanfüünng gieht, Ist. merkbar verschieden von 
dem, den sie während der Exspiration beim Am* 
schlage hören läfat; der letztere ist wahrhaft matt, 
hn Vergleiche zu dem ersteren. 'Es ist daher' rath- 
sam, beim Pereutiren darauf zu sahen, dato der An- 
sehlag in die Zeü des Einathmens fällt 



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g. 7. 

Von den Methoden bei der Percussion des Thorax, Gebrauch 
de» Plessimeters. 

In Bezug auf den Thorax g e bü h rt der mittelbaren 
Percu8«Mn unbesfleitbar der Voraug vor der unmittel- 
baren; denn abfiser den allgemeinen Vortheilen der erat« 
genannten Methode, von denen wir oben gesprochen ha» 
beu, knüpfen weh noch folgende an, die specfeU diese 
Höhle betreten : 

1) Bit mittelbare Pcrcussian geetattet nieht allein 
dasPereutiren der Rippen, sondern auch da* der Zwischen* 
rippenriume, die sie aus weichen Gebilden zu harten macht; 
sie gewinnt also für die Percussion die gana 
des Thorax, die den Intercestabnuskelu entspricht, 
kamt kein Irrthnm mehr daraus entstehen, daJb man anf 
einer Seite an eine Kippe, mi der andern an ein sputium 
infereestate schlägt 

2) Die den Brieten, den Schulterblättern, den 
culis s cal en iii entsprechenden flogenden lassen sich 
mittelbar perw a ii ren. 

3} Der Thorax kann mit einer dicken Lage, Laft oder 
Sernm enthaltenden, Zellgewebes bedeckt sein, immer wird 
man doch dnreh das mittelbare Percutiren imter sol- 
chen U mst an den Resultate erhalten, wenn man nur den 
Zwtsehenktrper mit einer gewissen Kraft gegendrickt. 

4) Ei ist kkhter, Vermittelst eines Zwischeukdrpers, 
als direct de» Thorax sn percutiren; denn die Fläche des 
Plessimeters, eines Geldstückes (weniger die des Fingers) 
ist eben, ohne Erhabenheiten und Vertiefungen; man kann 
sie leicht lothrecht treffen, wahrend die Unregelmässigkei- 
ten der Rippen die Methode von Auenbrugger immer 
schwer ausführen lassen. 

Ton den zwei Methoden der mittelbaren Percussion, 



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der wq &m ^4H#eir, mi *» wo du» Plejaunntor des* 
Zwischenkörper bildet, ist wiederum, die letztere, fite 1 den 
TJhp&x $e ^ejgff}p|$*e. 

Ufofl &fst du« FlefiwMer m de* beiden Vonprüngen ■ 
mit dem Dornte* und Zeige finger der Unken Hand und 
43$i£ es ip n^aUete Riehtutig «dt «den m untersuchenden 
Fljic^^ bfmgw^ Efl wird *uf djamnkta* Tfeeilc an- 
ffawandt« wenn der flnitmd des Ksanken und dieJSeschaf- 
fppjieit 4e? BUmt e? ertaubt; ein Zw**bwk£rper, wie 
a^e J^wwd ide* Baumwodle,, wird darunter gebracht, 
w#h* X}«e^#irtwt»ii *ps*ijgUucb<üi M Das Instrument 
wird auch zqwift d«*eh Auhaucfa wg erwärmt* weil, kalt 
a\rf 4fr iwfcteu Thfüß gebracht, es ContraeJionen der 
HlnA^^to rejtnitlejbi» Mm halt 4a« WeMwnrtUy so fest, 
4<& b^Miflitage ** W* wht wrahaabe*; und drückt 
e* jwmer *e stek 4#, dfcft Mne litft awiaefcest dasselbe 
und die Haut dringen kann^ wodurch ein tympanttischer 
qfä ntefel^wfear Xovl epteteben witedfe Hehr Druck ist 
erlftrfler4<efe, w<p ywd T egw a e nie, Bfnahflin, Eingeweide 
igtf erwtalfrn fptf , gm ft&r $ief liege»** Tabelle zu er- 
reioheq. 
- Will man «faem Organe viel 7<W entträten, m halte 
man die ffcgffp Itfg^fctowtfWH der Zeige- *nd Mittel- 
fttger liegen ftat an *i*ia*4*r, qrebeii, wegen seiner grö- 
ßer euJ-ftuga, 4& \$\ib&Q &*m gdtogftt «ein **ft, wenn 
W $Bft#> ftfrhj* wÄPT dje des mwtejen hinausragen soll. 
Gegen den Zeigefinger wird, wo dessen «weile Phalanx 
ntfft dijr fciHw, *M¥ y*5*M*d*t, der Daum kraftvoll ge-" 
stepimA. , So vereinigt hilda* diwe *ei Einger ein festes 
Gaules. Ip g^wobnüthen Falten» perenttrt der Zeigefinger 
allein; die Nagel aUer pe*eutire*<fru Finge* sind kurz ab- 
geschnitten, weil der eigentbümUehe Ton, den sie erzeu- 
gen, auf einp nwrkbare Weise die Resultate der Percus- 
sipn trübt. Die. Richtung, in der der Sehlag die eine 
Brusthälfte trifft, mufs auch beim Anschlage gegen den 



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38. 

entsprechenden Theil der andern Bratithälfte beibehalten 

werden. 
Znsatz. Die Anhänger der Percussion auf den Fin- 
gern der linken Hand bringen folgende Gründe ge- 
gen den Gebrauch des Plessimeters tot: 

1) Es ist nicht zu leugnen, dafs der Ton dieses 
Instruments ein wenig den normalen Ton der zu 
percutirenden Theile modäkirt; der Finger hat nicht 
diesen Nachtheil, da er aus Geweben besteht, die 
grofsentheils denen analog sind, die man untersucht, 
und da auch die knochigen und fibrdsen Elemente, 
die ihn bilden, vollkommen sonor sind. 

2) 'Es ist schwer, mit dem Plessimeter die In- 
tercostatzwischenräume zu untersuchen, besonders 
bei magern Personen; der Finger im Gegentheil 
wird mit der größten Leichtigkeit in diese Riume 
gebracht. 

3) Die ebene Fläche des Plessimeters entspricht 
genau nur auf sehr wenigen Punkten den im allge- 
meinen mehr oder weniger convexen Flächen, die 
man zu untersuchen hat, wahrend der Finger, ver- 

• möge der Zusammensetzung und Textur seiner Theile, 
vollkommen zu der Form jener Theile pafst. 

4) Die Percussion auf dem Finger verursacht 
weniger Schmerz; bei großer Empfindlichkeit ge- 
nügt es schon, mit der Platthand auf den Finger 
zu sehlagen. 

5) Sie verlangt weniger Geschicklichkeit, als die 
Percussion auf dem Plessimeter, nöthigt den Arzt 
nicht sich mit Instrumenten zu beschweren, setzt 
den Kranken nicht in Schrecken. 

Dagegen läfst sich nun aber einwenden: 
1) Das Plessimeter ist um so besser, je homo- 
gener die Substanz, aus der es besteht; der Finger 



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aber hat bei weitem nicht auf allen Punkten seiner 
Ausdehnung dieselbe Zusammensetzung. 

2) Je fester das Plessimeter ist, desto reiner/ 
desto mehr' im Verhältnisse zu den darunter liegen- 
den Organen sind die Töne, die man ihm entlockt. 
Der Finger aber wird sowohl auf der Seite, gegen 
die man schlagt, als auf der, der Oberfläche des 
Kranken anliegenden, von weichen Geweben be- 
kleidet. 

3) Je dünner die Platte des Plessimeters, desto 
mehr Ton erhält man,, desto markirter gteilt er sich 
dar; aber der Finger hat 6 bis 12 Linien Dicke, 
und diese Dicke ist nicht einmal überall dieselbe, 
sie nimmt von der Wurzel nach der Spitze des 
Fingers immer mehr ab. 

4) Je ebener die percutirte Oberfläche, desto 
leichter ist es, sie beim Pereutiren lothrechi zu 
treffen; der Finge* aber ist convex, und wenn' man 
nicht gerade die Kitte der Phalanx zum Ziele nimmt, 
so erhält man trügerische Resultate. 

5) Je breiter die Fläche des Instruments, desto 
schmerzloser ist das Pereutiren, denn der Impuls 
kann sich sehr vertheHen. Der Finger aber ruht . 
kaum in einer Ausdehnung von sechs Linien auf 
den Theilen, die man untersucht, während die Breite 
des Plessimeters achtzehn Linien beträgt. 

6) Der Finger läfst sich bei weitem nicht po 
gut fixiren als das Plessimeter. 

Abgesehen von allen diesen Gründen, lehrt die 
tägliche Erfahrung^ dafs das Plessimeter nie durch 
den Finger wird ersetzt werden können. Dafs, 
wer einmal gewöhnt ist, auf dem Finger zu pereu- 
tiren, sich schwer den Gebrauch des Plessimeters 
wird aneignen können, bedarf kaum der Erwähnung. 



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3* 



R. 8. 



Technik der Percussion des Thorax, Resultate derselben im nor- 
malen Zustande der Brustorgane. 

1) Vordere BrustWand. 
Bei der Perenssion des vordem Tbeüs der Brnst mit 
den Plessimeter kaatir der Kraulte sftzttt o#6r Hegten, die 
Schultern dem Stamme genährt und den Kopf etwas vorn 
tteigebengt, wodurch die IrschlaArag der Brust- und 
Inforcostalmnsfeelfr, so wie der Sterne -CleMo-lfastoidei 
errieW wird. Der Untersuchende wM abwechselnd auf' 
der rechten oder linken Steile des Kranken sich befinden, 
sitzend, wenn jener sitzt, stehend, wenn de* Kranke liegt, 
auf jeden Fall aber eine bequeme Stellung einnehmend. 
Bas Plessimeter, auf die angegebene' Weise gehalten, wird 
zuerst auf den oberen Theü des Brustbeins gesetzt, indem 
mani erst lefcht, dann stärker art&MIgfc Der Ton ist 
fast immer tympawitiseh, der Widerstand der eines 
ekrstischen Körpers. Man steigt nun, immer in der 
BBttellhiie des SteMoms bkibehd, abwärts', bis man auf 
einen gewissen Grad von Mattigkeit und' anf etw*s 
mehr' Widerstand triflE*, die die Gegenwart der rechten 
Berzhftfcl* andeuten. Die* ist irtg^fShr dt-ei ZWt über 
dem Stftwetfdtfenorpel. Biegen Funkt steh bezeichnend, 
geht man zn den Stetteawtttden der vordem Brtistfläche 
über, indem man den Kranken 1 seinen Kopf nach der der 
zu untersuchenden entgegengesetzten Seife wänden läfst. 
Her dreieckige Haum üfcer der Clavicula, det- der Spitze 
der Lungen in der Tiefe entspricht v giebt meisten theils 
überall einen' hellen' Ton, wenn irian nur das Iristhiment 
fest und zur beiden »feiten gleichmäßig anftetzt. Um die 
BIa«*iüit*t' der Lunge zu beurtheiten , lasse m*ti so tief 
als mdglkb iuspirtren, die Etifff ztirürkhatteti; lind percu- 
tire dann $ dieser Ton und dieser Widerstand, verglichen 



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mit dem bei efamr starken Exspiration an» denselben Thei- 
len erhaltenen Tose und Widerstände, giebt ftfoer de» da- 
stand der Lange die beste Auskunft; denn eine indurirfe 
Lunge gtebt nickt mehr Ten und nicht mehr EtastkRat 
in dem einen wie in den andere» Falle, während bei der 
gesunden der Unterschied sehr stark hervortritt. Von den « 
Schlüsselbeinen ans, beobachtet man dieselbe Richtung im 
Percutiren von oben nach unten und immer beide Seiten 
vergleichend; hier ist die Resonanz vollkommen auf der 
rechten wie aal der linken Seite, bis man au einem ge- 
wissen Punkte nach unten gelangt kt« Rechts nimlieh 
trifft man einigeren unter der Brustwarze bei star- 
kem Percutfren auf: mehr Widerstand und gr&fsere 
Mattheit cles Tons, die zunehmen, je mehr man hin* 
absteigt, so da£* ganz unten am Thorax die Charaktere 
angetroffen- werden, "die die* Gegenwart der Leber bezeich- 
nen. Nur ganz leicht braucht man anzuschlagen*, um> den 
Ton und das GefÄhl zu erhalten, die in so genauem 
Verbaltnisse zur Dichtigkeit des die «Wie absondernden 
Organe» stehen» 

Nun ist die Begrenzung- de* oberen Umfanges der Be- 
ber nach vor» von grofser Wichtigkeit für die Bestim- 
mung der Ausdehnung des Herzens. Hiervon« wird erst 
ausführlich im zweiten- €apitel bei der Auseiittation 'des 
Herzens die Rede sein, wo wir alle Untersttehungsmetbo* 
den, die auf das Herz ihre Anwendung finden, zusammen- 
gestellt haben, uns eine bequemere Uebereiehtzu'gewlhren* 

Auf der linken Seite wird im Normalzustände in 
der Gegend der Brustwarze, att«r nie tot? s*> tief 
unten als reoh.ts T der Ton' mattet», d^' Wider* 
stand geöfcer. Dies ruhrtvon der Gegen wart de» Herzen» 
her» Mant erkennt, es zuerst in der' Entfernung, später 
hat man es unmittelbar anter dem Fingern Irinks* von die- 
ser Gegend steig«» der Ton. und die BltistieitiV deT Lunge 
tief nacb unten hinab, o&Hs zur letzte» fidseben Rippe. 



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82 ^ 

Nur wettn der Magen roll, die IJilz nmftmgsreieh ist, im 
Ascites ist der Ton matt beim Pereutiren des unteren vor- 
dem Theils der linken Brust, im Fall nämlich, dafs man 
stark percutirt, denn ein leichter Anschlag giebt immer 
den der Lunge eigenthünüicben Ton. Bei Tympanitis des 
Magens und der Eingeweide wird im Gegentheile der Ton 
sehr hdl, die Elasticitat sehr grofs. x 

2) Hintere Brustwand. 

Bei der Exploration dar hinteren Brustwand mufs der 
Kranke, wenn er sitzt, den Kopf stark nach vorn über- 
beugen, den Rücken kugeln, und die Innern Ränder der 
Schulterblatter so weit als möglich von der Wirbelsäule 
entfernen. Man percutirt, in derselben Richtung von oben 
nach unten, erst ganz oben die Rippen, der Wirbelsäule 
so nfehe als möglich, rechts sowohl als links, und geht so 
lange nach unten, als man den eigentümlichen Ton und 
die Elasticität der Lunge antrifft. Die meisten Beobachter 
sind erstaunt, zu sehen, wie weit nach unten sich 
hier die percutorischen Charaktere der Lunge 
erstrecken. Oft findet man an der rechten Brusthälfte 
sechs Zoll unter der Höhe des oberen Leberrandes noch 
die dünne Platte des respiratorischen Organs, deren Er- 
kenntnifs und Exploration für die Diagnose der Lungen- 
krankheiten, namentlich der acut -entzündlichen, von so 
hoher Wichtigkeit ist. ^ 

Bei der Percussion des der Fossa supraspinosa ent- 
sprechenden Brusttheüs, senke der Kranke die Schulter, 
indem er sie zu gleicher Zeit stark nach Aufsen zieht; 
dieses Manoeuver ist nothwendig, wenn man nicht den ei- 
gentümlichen Ton des Schulterblatts statt des der Lunge 
hören wilL Aus ebendemselben Grunde lasse man bei der 
Untersuchung der Fossa infraspinosa den entsprechenden 
Arm nach oben und aufsen kalten. 

Unter den Schulterblättern wird auf der rechten Seite 
eine starke Percussion die Leber iri einer gsofsen Ate* 



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33 

dehnung entdecken lassen, indem sie sich von oben nach 
unten immer mehr den Rippen nihert, je mehr die sie 
bedeckende Lungensehicht, die, wie schon oft gesagt, durch 
einen leichten Anschlag erkannt wird, von oben nach 
unten sich verdünnt 

Auf der linken Seite verhält sich dies in der Art 
etwas anders, als die Milz, tiefer gelegen und von gerin- 
gerer Dicke, keinen so hohen Grad von Mattigkeit giebt, 
oft auch sich vom Magen und den Eingeweiden verdrän- 
gen läfst, deren eigentümliche mehr oder minder hohle 
Töne dann in der jenem Organe entsprechenden Gegend 
gehört werden. 

3) Seitentheile der Brust 
Bei der Percussion der Seitentheile der Brust stellt 
sich der Arzt vor die zu untersuchende Seite; die Schul- 
ter wird so viel als möglich in die Höhe gehoben und ein 
wenig nach hinten gerichtet, der Arm von der Brust ab- 
gewendet Die in der Achselgrube sich ibisfindenden Rän- 
der des grofsen Brust- und grofsen Rückenmuskels wer- 
den von einander entfernt mit den Fingern, die das Ples- 
simeter halten, und dieses ganz oben in der Grube appli- 
drt Man steigt nun auf die angegebene Weise abwärts, 
bis man nach unten rechts die Töne und den Wider- 
stand der Leber, links die des Magens, der Milz 
und des Darmkanals findet Aber auch hier mufs 
man sich die Punkte bezeichnen, wo diese Organe noch 
von einer Lungenschicht bedeckt, und wo sie frei liegen. 
Zusatz. Piorry hat den Thorax durch Linien, die er 

sich gezogen denkt, in folgende Gegenden eingetbeilt. 
t A m Vordere Brustwand. 

1) und 2) Rechte und linke Ueberlungen» Gegend. 

3) Bronchialgegend. 
4) und 5) Rechte und linke Vorderlungen -Gegend. 

6) Uebermagen- Gegend. 

7) Ueberleber- Gegend. 8) Herzgegend. 

3 



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34 

B. Hintere Brnstwand. 

1) und 2) Rechte und linke hintere Ueberlungen- 
Gegend. 
3) Hintere Zwischenlungen- Gegend. 
4) und 5) Rechte und linke Hinterlangen -Gegend. 

C. Seitentheile der Brust 

a) Auf der rechten ßeite. 

1) Rechte seitliche Lungengegend. 

2) Seitliche Lebergegend. 

b) Auf der linken Seite. 

1) Linke seitliche Lungengegend. 

2) Seitliche Hagengegend oder Darmgegend. 
Diese Eintheilung scheint uns unpractisch, weil 

sie zu künstlich, zu sehr auf die Spitze gestellt, die 
Namen zu colossal, dem Gedachtnisse gar nicht ein- 
zuverleiben sind. Die Schlüsselbeine, das Sternun, 
die Rippen, die, wo es auf Genauigkeit ankommt, 
nach der Zahl bestimmt werden können, die Brust- 
warze beim Manne, der Busen bei der Frau, der 
Schwerdtknorpel, die Schulterblätter und die Wir- 
bel gewähren Anhaltspunkte genug, um danach eine 
Gegend zu bezeichnen. Der Ausdruck, der fünfte 
Zwisehenrippenraum, ist viel verständlicher und 
präciser, als wenn ich sage, die Herzgegend etc. 
Zusatz 2. In der grofsen Mehrzahl der Fälle ist die 
Elasticität und der Ttai der Lunge sehr markirt 
Es giebt jedoch manche Menschen mit breiter Brust 
und von blühender Gesundheit, deren Gefafse viel 
Blut enthalten, und wo doch die Sonoritat der 
Lunge weniger grofs ist, als sie normaler We^pe 
' sein sollte. Von dem Grunde dieser Erscheinung 
soll später die Rede sein. 



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86 



§. 9. 

Resultate der Percussion im normalen Zustande der 
Brustorgane. 

Hier findet seine Anwendung, was wir von den Re- 
v guttaten der Percussion im Allgemeinen gesagt haben. 
Die Percussion giebt 

1) einen Begriff vom Leeren und Vollen oder vom 
Hohlen und Massiven, also von den Dichtigkeitsgra- 
den der Körper. Da nun die in der Brusthöhle einge- 
schlossenen Organe so sehr, ihrer Textur nach, von ein- 
ander abweichen, bo werden/ wir dadurch eigene percuto- 
rische Zeichen für die Lunge, eigene fftr das Hers, eigene 
für die Leber, den Magen, die Milz bekommen, welche 
letztgenannten Organe in so enger Besiehung zu denen 
der Brust stehen;- In der That ist nichts leichter, als, bei 
nur einiger Uebuhg, die Töne und den Widerstand, den 
die Lunge, das IJerz, die. Leber etc. geben, von einander 
xu unterscheiden. * In sofern nun aber durch Krankheiten 
herbeigeführte (oder, wenn man will, Krankheiten herbei- 
führende) Texturveränderungen der einzelnen Organe die 
Dichtigkeit derselben modificiren, werden auch die Re- 
sultate der Percussion durch Krankheiten modificirt wer- 
den. Durch Entriegelung von Tuberkeln, durch einen 
sie comprimirenden Ergufs in die Pleura, durch Hepatisa- 
tion und durch viele andere Krankheitsznstände wird das 
Lungenparenchym dichter, compacter, der Luft unzugäng- 
licher, es mufs also auch in eben dem Grade der Ton 
heim Percntiren matter, der Widerstand grofser werden. 
Durch das Luugeneuinbysein im Gegeniheil wird der Ton 
hohler, der Ansehlag elastischer, weil bei dieser Krank- 
heit die Luftzellchen erweitert, also mehr Luft enthal- 
tend sind. x 

2) Dadurch, dafs jedem Organe in der Brusthöhle ein 

3* 



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eigentümlicher Ton zukommt, dafs es einen eigenthüm- 
liehen Widerstand beim Anschlage leistet, ist uns ein Mit- 
tel gegeben die Organe ihrem Umfange nach zu messen. 
Wir haben schon oben auf die Wichtigkeit dieses Mittels 
der diagnostischen Technik aufmerksam gemacht. Wenn 
wir wissen, einen wie grofsen Umfang ungefähr im Nor- 
malzustande der Herzton an der vordem Brustfläche ein- 
nimmt, so werden wir auf eine Vergröfserung des Her- 
zens schliefsen können, wenn dieser Umfang bedeutend an 
Gröfse zugenommen hat, und umgekehrt 

3) Geht aus d$m Gesagten auch wohl deutlich her- 
tot, dafs Wir die Orts Veränderungen der Organe durch 
die Percussion zu beurtheilen im Stande sind. Wir ver- 
folgen die in der Brusthöhle ergossene Flüssigkeit, wenn 
sie mit der veränderten Stellung des Kranken gleichfalls 
ihre Lage verändert etc. . 



Capitel II. 

Die Auscultation. 



Erster Abschnitt. 
Ven 4er AuMultutlo» in* AJUgemebteit. 

§ 1- 

Erklßrung, Geschichte der Auscultation. 

Die Anwendung des Ohres bei der Untersuchung der 
Functionen des respiratorischen und Circulationsapparats 
in ihrem normalen und anormalen Zustande wird Aus- 
cultation (attscultare, zuhören, aushorchen) genannt 
Da die Centralorgane beider Apparate sich in der Brust 
befinden, so wird diese Methode vor Allem auf die Brust- 



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37 

höhle sich' anwenden lassen, mit der wir auteh hier nur 
allein es zu thun haben. 

Bei der Percussion haben wir gesehen, wie sie erst 
viele Jahre naeh ihrer Entdeckung zur allgemeinen An- 
wendung kam 5 noch mehr ist dies hei der Auscultation 
der Fall. Hippotrates ') schon, das Ohr an die.Brust des 
Kranken anlegend, glaubte ein Geräusch zu hören, durch 
das er den Hydrothorax vom Biterergufs unterscheiden 
wollte, üeber 2000 Jahre lag diese Beobachtung unbe- 
nutzt, keiner wiederholte, keiner verfolgte sie, bis Lä8n- 
nec, durch den Zufall begünstigt und von seinem Genie 
geleitet, die Wichtigkeit und Reichhaltigkeit dieser He» 
thode der Untersuchung auffafste und die unermefslichen 
Resultate, die daraus für die medicinische Praxis hervor* 
gehen, zu Tage förderte. Nach drei Jahren des unermüd- 
lichsten Beobachtens, des scharfsinnigsten Analysirens und 
Vergleichen« der in grofser Zahl gesammelten Thatsachen, 
wobei an hunderten von Leichen bestätigt wurde', was, 
auf diese Methode sich stützend; man zu diagnostieiren 
gewagt hatte, kam jenes Werk a ) zum Vorscheine, von 
dem seit der Zeit jede Seite, von allen Aerzten aller Lin- 
der' bestätigt, Gesetzeskraft in unsrer Wissenschaft erlangt 
hat. Dadurch und durch die Percussion wurden, wie 
schon gesagt ist, die eben so gefahrvollen als hiufig vor- 
kommenden Krankheiten der Brustorgane, deren Diagnose, 
so lange man sich nur an Functionsstörungen hielt, bei 
de* grofsen Zahl der Formen und der geringen Menge 
der Symptome, die noch. dazu für alle dieselben sind, un- 



*) Tövfö» av yvotyq on ov nvov, aXka vSag law aal yv notäov 

yoyog. De morbis II. §. 59. Vanderlmden. 

2 ) R. T. Laihmec de Fauscultation mediate ou traUe* de 
diagnestic des maladies des pomaons et da coenr. 2 Vol. in 8. 
Paris 1818; 2te Ausgabe 2 Vol., Paris 1826; 3te Ausgabe von 
Meriadec Loetmec 3 VoL, Paris 1831. 



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38 

verweichlich dunkler als die Krankheiten aller andern 
inilern Organe war, dadureh, sagen wir, wurde die Diagnose 
der Brasfkrankheiteii in kurzer Zeit nra «in Jahrhundert . 
gefördert 

§• 2 - , . '.' . 

Methode» der Auscujtation^ 

Wie die Percussion, so ist die Anscultation »mittel- 
bar oder mittelbar. Unmittelbar, wenn man mit dem 
blofsen Ohre hart, mittelbar, wenn man sieh eines Instru- 
ments zur VermHtelung zwischen Ohr und dem zu untersu- 
chenden Theile bedient. Latimec erfand zuerst solch ein 
Instrument und nannte es Stethoseop (oti&og die Brust, 
oxoaetv schauen).. 

Das Stethoseop von Laftmec ist zu grolfe, zu schwer- 
^ ffiltig und unbequem; ganz aufser Gebrauch gekommen 
hat es heute nur neeh einen historischen Werth. Das 
Pftprry'sche Stethoseop mit dem angeschraubten Plessime- 
ter ist bei weitem vonuziehn. Nur möchte der Rand sei- 
nes Brüstendes zu scharf und einschneidend, daher schwer, 
luftdicht aufzusetzen, der Obturafor zu schlecht schlier 
lisend, audt das Einsetzen und Herausnehmen desselben 
mit zu vielen Schwierigkeiten verbunden sein. Allen die- 
se» Uebelständen Scheint uns das Stethoskop von Levis 
abgeholfen zn haben, von dem auf der beigefügten Tafel 
eine Abbildung gegeben ist (Fig. 1. das Louü'sche Ste- 
thoseop im Ctanzen; Fig. 1. a. der Obturtrtor desselben; 
x Fig. 1. b. das Stethostop ohne Obturatar) *). 

Zusatz. La&'nnec, schon beschäftigt mit der unmittel- 
baren Auscultation, wurde im Jahre 1816 bei einer 
Dame censultirt, die im Allgemeinen Symptome einer 



f ) Xotttt'sche Stethotocope md Plesshwftfer sind ümter vor- 
räthig in der Bnchhandhmg des Herrn A. Btrschwald (Barg- 
strafte No. 25.). 



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39 

Herzkrankheit darbot, und bei der die Application 
der Hand und die Percussion wegen ihrer Fettigkeit 
keine Resultate gaben. Da daä Alter und Geschlecht 
der Kranken ihm nicht erlaubten, das Ohr an ihre 
Brust zu legen, und er sich in dem Augenblicke 
eines bekannten acustisehen Phaenomens erinnerte, 
.was darin besteht, dafs ein Stab, dessen Ende 
man an das Ohr legt, sehr deutlich die kleinsten 
Geräusche vernehmen lä{st, die am andern Ende 
etwa das Kratzen mit dem Nagel oder das Anschla- 
gen mit einem Nadelknopfe hervorrufen, so machte 
qpr aus einem Hefte Papier eine feste Rolle, von der 
das eine Ende an die Praecordtalgegend der Dame 
aufgesetzt wurde, während gegen das andere er sein 
Ohr anlegte. Er war eben so verwundert als er- 
freut, die Herzschläge auf eine viel klarere und 
ausgesprochenere Weise zuhören, als früher da 
er unmittelbar das Ohr an die Brust angelegt hatte« 
Nun machte er Versuche mit Instrumenten aus allen 
nur erdenkliehen Materialien, bis er bei dem stehen 
blieb, das heut zu Tage unter dem Namen des Lue**- 
nec'schen oder alten Stethoscops bekannt ist. 

§• 3. 

Verhältnifa der mittelbaren %ttr unmittelbaren Auseultation. 

Laennec hat ausschliefslfeh die mittelbare Ausculta- 
tkm ausgeübt und wenig fehlte daran, so hätte er die Re- 
sultate der Ansetdtaüon überhaupt vom Sfethoseope ab- 
hängig sein. lassen. Deshalb die genau vorgeschriebene 
Form und Verhältnisse, das bestimmte Material zur An- 
fertigung des Instruments , worauf er . einen so grofsen 
Werth legte. Alles dies ist menschliche Schwäche, Zärt- 
lichkeit eines Vaters für sein Kind. Die Geräusche in 
der Brust, welche die Actionen desAthmens und der Cir- 



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40 

ctdatioii begleiten, sind gegeben, so wie die ModifieaÜonen 
derselben im krankhaften Znstande. Aber diese Geräusche 
sind zu »schwach, als dalb die atmosphärische Luft sie 
nach Aufsen übertragen könnte; ein fester Körper, durch 
den die Luft streicht, und am besten einer von cylindri- 
scher Gestalt, thut dies in höherem Grade. Der äufoere 
Gehörgang stellt ungefähr einen solchen Cyiinder dar, das 
Stethoscop ebenfalls; auf die Länge des Cylinders kommt 
hierbei wenig an, daher man nicht besser hört, wenn man 
einen dieser Cylinder auf den anderen setzt, oder, mit an- 
deren Worten, wenn man das Ohr an das Stethoscop legt. 

Aber man kann das Ohr nicht unmittelbar an die 
Brust legen, ohne dafs nicht zu gleicher Zeit ein grofser 
Theil des Kopfes dieselbe berührt. Die Kopfknochen lei- 
ten jedoch auch den Ton, wie bekannte Versuche an tau- 
ben Personen darlegen; daher wird man mehr Ton, 
oder besser, Ton von einem gröfseren Räume durch, 
die unmittelbare Auscultation erhalten, ab wenn man 
sich des Stethoscopes bedient , das nur eine sehr begrenzte 
Fläche der Brust mit seinem Brustende, und kaum die 
ganze Ohrmuschel mit seinem Ohrende bedecken darf. 

Will man daher den Ton eines kleinen, scharf zu 
begrenzenden Raumes beurtheüen, so thut man besser 
das Instrument zu gebrauchen. Darin scheint mir vorzugs- 
weise der Vortheil der mittelbaren Auscultation zu be- 
stehen. 

Das Material, aus dem das Stethoscop verfertigt wird, 

ist, wie neuere Versuche gelehrt haben, von gar keinem 

Einflüsse auf die Resultate der Auscultation. Piorry hat 

Stethoscope aus Glas und Kupfer anfertigen lassen, der 

Ton blieb derselbe. 

Zusatz. Die anderen Vortheile, die die mittelbare vor 

der unmittelbaren Auscultation voraus hat, sind 

theils subjectiver Natur, theils von keiner so gro- 



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41 

fsen Bedeutung als der oben angeführte. Ea sind 
folgende: 

1) Man entgellt durch die mittelbare Ausculta- 
tion der Unannehmlichkeit, das Ctosieht an mehr 
toder minder schweifsige, nackte oder mit schmutzi- 
ger, übelriechender Wäsche bekleidete TheOe legen 
zu müssen, und bei Frauen dem Schamhaftigkeits- 
gefühl zu nahe zu treten. Obwohl rein subjectiv, 
ist dieser Vortheil doch unschätzbar. * 

2) Jüan wird dadurch in den Stand gesetzt, 
Theile zu untersuchen, an die es schwer hfilt, den 
Kopf anzulegen, z. B. die Achselhöhle, die Gegend 
des Acromjum's, der dreieckige Baum über der Cla- 
vicula bei magern Personen, der untere Theil des 
Sternums, ^renn er stark eingebogen ist, und sogar 
die.Ittterscapulargegend bei Personen mit sehr flü- 
gelförmigen Schulterblättern oder mit mifsgestalte- 
tem Brustgewölbe. Endlich 

3) Hängen einige auseultatorische Zeichen von 
dem Instrumente selbst ab, z. B. die vollkom- 
mene Höhlensttmme (Pectoriloquie), die sich in 
eine einfache Resonanz der Stimme verwandelt, 
wenn man das blofse Ohr anlegt; ebenso die Mek- 
kerstimme (Egophonie). 

Aber Laännec übertreibt zu Gunsten des von 
ihm vorgeschlagenen Verfahrens, wenn er behaup- 
tet, däfs die unmittelbare Aüscultation für den Kran- 
ken beschwerlich sei, dafs durch die Contraction 
der Muskeln am Kopfe des Beobachters fremdartige 
Gebüsche enstehen, dafis der Untersuchende immer 
eine gezwungene Stellung einnehmen mufs, die ihm 
das Blut nach dem Kopfe treibt etc. Das findet 
Alles in noch viel höherem Grade bei der mittelba- 
ren Aüscultation statt; hier verdoppeln sich sogar 
die Schwierigkeiten, denn es kommt darauf an, 



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42 

1) das .Stethoscop gut aufzusetzen, daüi kein 
Zwischenraum zwischen demselben und der Haut 
bleib! und es gut zu halten, damit die anliegenden 
Finger kein fremdes Geräusch erzeugen* 

2) Das Ohr gut an das Stethoscop zu legen, 
nicht zu fest, in welchem Falle Muskelgeräusche 
hörbar werden, und nicht zn leicht, weil man danri 
nichts hört 

Bequemer aber ist sicherlich die unmittelbare 
Auscultation; das wissen alle diejenigen, die, in bei- 
den Methoden gleich geübt, erfahren haben, mit 
welcher Schnelligkeit das Ohr, wenn es einmal an- 
gelegt ist, von einer Respiration zur andern über 
die Brustfläche hingleitet, so dafe keine verloren 
geht, und man in einer Minute zwanzig verschie- 
dene Punkte der Brust auscultiren kann. 

Auch mufs der Schreck und der Widerwille in 
Erwägung gezogen werden, den das Instrument bei 
Kranken hervorruft, die dessen Anwendungsart noch 
nicht kennen. 

Beide Methoden also, die mittelbare und die un- 
mittelbare Auscultation, haben ihre Vorzüge und 
Nachtheile; eine ist der andern nur vorzuziehen, je 
nachdem man in der einen oder in der andern mehr 
geübt ist 

§• 4. 

Technik der Auscultation. 

Es ist nicht nöthig bei der Auscultation, dafs die 
Brust des Kranken unbedeckt sei; ein Hemd oder ein 
flaneünes Camisol beeinträchtigen keineswegs die Resul- 
tate; seidcuto Stoffe und maschige Wollenzeuge sind aber 
aus leicht erklärbaren Gründen wegzulassen. Der Unter- 
suchende vermeide so viel als möglich eine gezwungene 



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43 

Stellung, wobei der Kopf sehr gesenkt oder nach hinten 
über geworfen werden müfsle. Bei der Untersuchung der 
vordem Bmstwand liegt der Kranke auf dem Rücken, 
oder er sitzt mit auf dem Rücken gekreuzten Armen, den 
Kopf abgewendet Ton der Seite, die man untersucht; wird 
die hintere Brustwand untersucht, so beugt sich der Kranke 
stark nach vorn, indem er die Arme Über die Brust zu- 
sammengeschiagenvbilt. Das Instrument, wenn man sich 
dessen bedient, mufs längsam und mit Sorgfalt aufgesetzt 
werden, so dafs keine Spalte zwischen dem Rande seines 
Brustendes und der Haut bleibt. Bei sehr magern Perso- 
nen, wo dies nicht möglich ist, wird man die Unebenhei- 
ten mit Charpie oder Baumwolle auszufüllen suchen. Man 
drücke den Cylinder nicht stark ait, besonders wenn er 
des Obturators beraubt und die Brust nicht sehr fleischig 
ist. Das Stethoscop wird nach Art einer Schreibfeder 
mit dem Daumen und den beiden ersten Fingern der lin- 
ken oder rechten Hand (je nachdem man mit dem linken 
oder rechten Ohr hört) gehalten, und zwar seinem Brüst- 
ende so nahe, dafs die Spitzen dieser Finger zu gleicher 
Zeit die Brust und das Holz berühren. Das Ohr ist nur 
leicht' an das Instrument, dagegen fest an die Brust anzu- 
legen, wenn man unmitfeelbbr ausctolUrt. Nifcht* ist ad 
leicht, als bei nur einiger Uehuagy die, Geräusche, welche 
die Contraetfonen der -Muskete veranlassen» von denen* zu 
unterscheiden j mröh wehren man Harscht, so wie über- 
haupt der Grad der Bildung, den das Ohr in auscuitato- 
nftc&er Beziehung? erlangen kann, unglaublich grofs iit. 
Znsatz 1. Das Auscnltiren erfordert einen eben so gro+ 
feen Aufwand von JHühe als von Zeit Je geübter 
• man im Auscultiren ist, desto langer wird man je- 
den Kranken auscnltiren, desto mehr wird man sich 
hüten, nach ein- oder zweimaligem Anlegen des 
Kopfes, seine Meinung auszusprechen. Verwundem 
mufs man sich daher, wie so manchmal in Kliniken, 



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44 



wo doch die Ruhe häufiger als, in den Wohnungen 
von Privatkranken gestört ist, man so schnell all 
der Auscültation fertig ist Statt pro forma zu aus- 
cultiren seilte man es lieber ganz >unterlatsen. 
2ns atz % Man gewöhne sich von Anfang an, mit bei- 
den Ohren .zu hören. Hat man einmal einem Ohre 
vor dem andern den Vorzug eingeräumt, wie dies 
leicht kommt, so wird es später ganz unmöglich, 
mit dem andern etwas zu hären. 



Zweiter Abschnitt 
ir*pi der Anstnltatien 4er 



§. 5. 

Bau der Luftwege, insofern die äußcuItatorUchen Zeichen dadurch 
erklärt werden. 

Das Organ, welches die Lunge aHein als Luftbehälter 
constituirt, ist eine glatte, äufserst feine, dichte, für die 
Luft undurchdringliche Sehleimhaut, die vom Schlünde au* 
fortgesetzt, eine geschlossene Röhre bildet, aus der bei dem 
weitern Verlaufe sich immer neue Aeste absetzen, die ver- 
hältnifsmäfsig enger, feiner und zahlreicher wer- 
den, bis sie endlich an der ämfsersten Zerästlung in eine 
blinde Endigung sich schliefen. Jedes sogenannte 
Luftbläschen oder Zellchen, das man an der Oberfläche 
der Lunge bemerkt, ist nichts anderes als ein solches blin- 
des Ende der Luftröhre. Die Form der Aeste oder Röhr- 
chen selbst ist cylindriseh. 

Damit diese membranöse Röhre zum Ans- und Ein- 
gange der Luft immer bereit sei, mufs sie 
1) eine Stütze haben, welche sie immer angespannt 
erhält; 



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Ä 

2) ihrer Länge nach sieh verengern und verkürzen; 

3) ihren Durchmesser erweitern und verengern können. 
Diesen Forderungen leisten dreierlei verschiedene Ge- 
bilde Genüge. 

1) Die Stütze* welche die Luftröhre ausgespannt er- 
hält, wird von Knorpeln gebildet. In dem Stamme und 
den beiden ersten Aesten, wo die Luftröhre blos liegt und 
daher vielen Ursachen ausgesetzt ist, welche sie compri- 
ren könnten, bilden diese Knorpel Reife, die nach hinten 
nicht geschlossen sind; diese stecken in einem äufoerst 
dichten, festen, ligamentösen Fasergewebe, welches sich 
nach hinten, wo die Reife unterbrochen sind, fortsetzt 
und so die 'Röhre ergänzt. 

So wie die Luftröhre sich in der Lungensubstanz ver- 
birgt, hören auch die Knorpel auf reifförmig zu sein, sie 
bilden jetzt nur noch unregelmäfsige Plättchen, 
die, immer in dem Fasergewebe steckend, um den ganzen 
Umkreis der Röhre hier und da sitzen, so dafs es unmög- 
lich ist, die Röhre ganz zusammenzudrücken, und daft 
sogar, je mehr sie sich verengt, um so mehr die Knor- 
pelplättehen sich in einander einfügen und die Röhre da- 
durch steifer machen; besonders sitzt an jeder Mündung 
eines neu abgehenden Astes ein mehr oder weniger ringför- 
miger Knorpel, welcher diese Mündung immer offen erhält. 

So wie nun die Luftröhrenäste enger und feiner wer- 
den, so werden auch die Knorpelplättchen klei- 
ner, dünner und seltener, und sind endlich nur noch 
an dem Vorsprunge der Aeste als halbe Ringe sichtbar. 
Auch diese verschwinden bei einem Durchmesser 
von | Linie ganz, wo sie auch nicht mehr nöthig sind, 
da die Luft, welche die Lunge nie ganz verläfst, diese 
kleinen Röhrchen immer ausgedehnt erhält. 

2) Zur Verlängerung der Luftröhre dienen die quer- 
liegenden Muskelfasern; diese verschwinden nicht mit den 
Knorpeln, sondern man kann sie mit der Lonpe so weit 



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iß 

verfolgt*, als es möglich ist ein Luftröhrchen mit dem 
Messer zu öfltoen. 

3) Die Luftröhre kann sich verkürzen, wenn sie aus- 
gedehnt war, theils schon durch das ligameniöse Faser- 
gewehe, indem dies schnell zurückspringt, wenn es aus- 
gedehnt worden; allein dies Gewebe verschwindet nach 
und nach mit den Knorpeln, es reicht daher auch nicht 
hin, um nach der ganzen Länge der Luftwege die Ver- 
kürzung zu bewirken. Dies thun die elastischen weifsen 
Fasern, Welche der Länge nach an der hintern Wand, der 
Schleimhaut sich festsetzen. Ueber die Natur dieser Fa- 
sern ist man noch nicht im Klaren. 

Die Luftröhre vertheilt sich also in immer 
verhältnifsmäfig an Durchmesser abnehmende 
und an Zahl zunehmende Aeste, bis sich ihr letz- 
tes Ende rund schliefst Sie geht nicht in Zellgewebe 
#ber und verwandelt sich nicht in solches, sondern sie 
• behalt ihre Organisation bis ans Ende und bildet durch 
ihre blinde Endigungen die sogenannten Luftzellen oder 
liuftbläsehen. Sie bleibt nur so weit knorpiieht, als die 
Feinheit ihres Baues eich mit der Knorpelsubstanz ver- 
trägt, alsdann ist sie menbranös und bleibt es bis an 
ihr Ende ')• 

§. 6. 
Theorie der Auseultation hinsichts der Respirationsorgane. 

Wie schon angedeutet worden, ist die Auscujtatioa in 
Bezug auf die Athnuingnwerkieiige von 2 Grundsätzen 
abhängig. 

1) Die Lungen erzeugen während des Actes . des Ein- 
und Ausathmens sowohl in ihrem jwnmjea, als in den 



Franc. Dan. Reifseisen de fabrica pulmonum Commen- 
tatie. BcroL 1822. FoL 



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4? 

meisten ihrer krankhaften Zustande gewisse Töne im In- 
nern des. Thorax, welche durch das Medium der ^atmo- 
sphärischen Luft allein fast gar nicht hörbar sind. 

2) Da aber feste Körper Töne überhaupt besser zu 
leiten im Stande sind als die atmosphärische Luft, so kön- 
nen auch jene durch Auflegung ^ines festen Körpers (des 
Kopfes mit oder ohne Stethoseop) vollkommen deutlich 
gemacht werden. 

Das Athmen geht meistentheiis geräuschlos vor sieh, 
wenn nicht Seufzer oder sehr tiefes Ein- und Ausathmen 
nach starkem Laufen oder Steigen oder während des 
Schlafes dasselbe nach oben (durch den Mund) hörbar 
machen; nach unten, d. h. auf dem Wege durch die 
Lungen, tönt es nur dem Stethoscopirenden. Die Stimme 
(so wie der Husten), immer von einem hörbaren, durch 
den Mund tönenden Schalle begleitet, ist ein fafslicheres 
Phaenomen, und daher wählen wir sie zur Erläuterung 
der Art, wie Geräusche in den Luftwegen entstehen, und 
wie sie sich nach dem verschiedenen, eben beschriebenen 
Baue der Luftwege modificiren. Alles, was von der Stimme 
gesagt wi*d, gilt dann auch vom Athmen. 

Die Stimme wird bei der Aafesathmnng erzeugt; die 
Luft steigt dabei durch eine Röhre, die Trachea, in die 
Höhe; diese Röhre hat oben eine bewegliche Mündung, 
die Stimmritze 4 die sich nach Erfordernifs erweitert und 
verengert. Die durch die Stimmritze hinausströmende' 
Luft bewirkt einen Ton, der, je nach der gröfseren "oder 
geringeren Eröffnung der Stimmritze, tiefer oder höher 
ist; bei verengter Stimmritze ist der Ton hoch, scharf 
oder fein, ist sie erweitert, so wird er tief, und diesen 
letzteren Ton kann man als Grund- oder Primitivton be- 
trachten, gerade wie man denjenigen Ton der Flöte Gramd- 
ton nennen könnte, der diesem Instramente heim Offen- 
stehen aller Löcher entlockt wird* Der* so erzeugte Ton 
dringt nach Aufsen und wird auf diesen» Wege durch die 



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48 

Wirkung des Pharynx, des Gaumensegels, der Zunge und 
der übrigen Mundtheile, wie wir wissen» articulirt tnri} 
modifieirt. Die dadurch gebildeten Sylben geben sich nach 
Aufsen in gröfserer oder geringerer Entfernung kund, je 
nachdem gröfsere oder geringere Kraft zur Bildung des 
Ctrundtons verwandt wurde; aber da die Trachea immer 
mit Luft gefüllt ist und in direeter Verbindung mit dem 
Munde steht, so ist nicht einzusehen, warum nicht die so 
gebildeten Wörter eben io gut hinunter als hinauf 
tönen und sich fortpflanzen sollten, und ist dies 
der Fall, und Ist es der Fall, dafs feste Körper Töne bes- 
ser übertragen als die atmosphärische Luft, so wird man 
zugeben müssen, dafs eine auf die Trachea, in dem Au- 
genblicke, wo Jemand spricht, aufgesetzte Röhre (Ohr, 
mit oder ohne Stethoscop) die Stimme des Sprechenden 
übertragen, und stärker übertragen wird, in einer glei- 
chen Ausdehnung, als die atmosphärische Luft. In der 
That wird die Stimme durch das an die Luftröhre ange- 
legte Ohr oder Stethoscop so deutlich gemacht, dafs sie 
die aus dem Munde kommende für den Auscultirenden 
ganz verdeckt. Allerdings tönt die Stimme heiserer, aber 
vollkommen deutlich, und diese nach unten zu sich hörbar 
machende Stimme ist der Typus von denjenigen Zeichen, 
welches Höhlenstimme (Pectoriloquie) genannt wird. 

Man wird jedoch leicht begreifen, dafs die Röhre 
einen gewissen Durchmesser haben mufs, um einen Ton 
zu bilden; so kann der dicken Röhre, der sogenannten 
Pan- oder Röhrenflöte, sehr leicht ein Ton entlockt wer- 
den, die Leichtigkeit vermindert sich aber, so wie wir in 
der Scala zu den dünneren Röhren aufwärts steigen, und 
angenommen, dafs diese Röhren immer dünner werden, 
allenfalls bis zur Capillarform, so wird gar kein Ton mehr 
entlockt werden können. Nun haben wir gesehen, dafs 
die Trachea die Stimme nach unten durchtönen läftt; in 
ihrer ersten Zertheilung ist der Diameter noch prob ge- 



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49 

nug, am dasselbe zu bewirken, so dafs, wenn man bei 
einem magern. Menschen das Hörrohr auf den 2ten oder 
3ten Rückenwirbel aufsetzt, man die Wörter des Sprechen- 
den noch durchtönen hört, obwohl schwächer; so wie 
aber die primitiven Bronchien sich in engere Aeste spalten, 
welche in die Lungensubstanz sich verlieren, so wird das 
Tönen der Wörter immer schwächer und wird ganz von 
dem Athmungsgemurmel verdeckt, und werden die Bron- 
ehialäste endlich capillarförmtg, hören die Knorpel auf, 
so ist von der Stimme nichts- mehr zu vernehmen. Aus 
diesen Praemissen ist der Schlufs zu ziehen, dafs, da die 
Masse der Lungen aus capillarförmigen Bronchiälverzwei- 
gungen und Luftzelleben besteht, an keiner Stelle der 
Brust, aufser bei magern Menschen, am 2ten und 3ten 
Rückenwirbel die Stimme vernommen werden könne 1 ). 

Wenden wir nun das Gesagte auf das Athmen an. 

Die Luft dringt beim Einathmen in die Luftröhre und 
ihre Zweige bis in die Zellen der sieh expandirenden Lun- 
gen. Dies geschieht so wie das Ausathmen, je naeh der 
Stärke und Schnelligkeit der In- und Exspirationen, mit 
einem mehr oder minder laut nach oben tönenden Ge- 
räusche; dies Geräusch pflanzt sich aber auch nach unten 
fort, nur wird es an Intensität abnehmen, in dem Mafse 
als das Caliber der Röhren kleiner und die Wände der- 
selben weniger fest werden. Am lautesten ist es am Kehl- 
kopfe und der Trachea und an den Stellen der Brust, 
die der Bifürcation der letzteren entsprechen, am 2ten und 
3ten Rückenwirbel, und hier stellt es den Typus der Art 
des Athmens dar, die wir mit dem Namen des flöhlenath- 
mens belegen; am schwächsten ist es in dem eigentlichen 
aus capillarförmigen Bronchien und Zellchen bestehenden 
Parenchvm der Lunge. Wenn es hier für den Ausculti- 



') Vergleiche Davids Vorlesungen, übersetzt in BehretuPß 
Repertajrinm No. 2 und 3. 1835« 

- 4 / 



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50 

renden hörbar ist, während doch die Stimme nicht durch- 
tönt, wenn man das Ohr bewaffnet oder unbewaffnet atf 
die Brust eine« Sprechenden anlegt, so ist der Grund, 
glaube ich, in Folgendem zu suchen: 

1) DasAthmungsgerausch oder das Geräusch der Lun- 
genexpansion beruht vorzüglich auf dem Acte des Einath- 
mens; die Stimme aber wird allein im Acte dw Ausath- 
mens erzeugt, wobei die Luftzellchen nicht so betheiligt 
sind, da' die Luft, welche die Lunge nie ganz verlttlst, 
diese kleinen Höhlen ausgedehnt erhalt. 

2) Um das Metallische in der Stimme zu erzeugen, 
mufs die Luft gegen einen mehr oder minder festen Kör- 
per anschlagen; die Knorpel der Luftröhre und der Bron- 
chien sind daher für den Mechanismus der Stimme not- 
wendig. Diese Knorpel hören aber, wie wir gesehen ha- 
ben, ganz auf, wenn die Bronchien einen gewissen Grad 
der Engigkeit in ihrer ZerMsthing erreicht haben; somit 
wird auch dw Stimme aufhören zu wiederballen, so wie 
die Bronchien in das Lungenparenchym getreten sind 

Aus dem Allen ergiebt steh nun auch, dafs die Respi- 
rationsergane in dreierlei Beziehung auskultatorisch m 
untersuchen sind, in Bezug auf das Athmen, die 
Stimme und den Huste*} die Phaenomene der beiden 
letzteren sind *u Innig mit einander verbunden, um sie 
nicht gemeinsehailMeh abzuhandeln. 

§. 7. 
AtuculUUioQ de* Athmem. 

A. Im normalen Zustande. 
Legt man das nackte oder mit dem Stetheueop bewaff- 
nete Ohr an eine der Lunge entsprechende Stelle de« 
Thorax, m hört man, gleichzeitig mit jede» Afhemzuge, 
eine Art Blasengeräusch, das ein Gefühl von der Aus- 
dehnung vieler kleinen Räume giebt, indem es sieh nach 
und nach entwickelt; dies Gerüuch ist viel kurser und 



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51 

trockner beim Ausathmen. Da es von dem freien Ein* , 
und Austritte der Luft in die Bronchien und ihre Veiv 
zweigungen bis zu den Lungenzellen abhängt, so nennt 
man es Athmungsgerihisch; mit Rücksicht auf das 
Phaenomen, das damit coineidirt, heiftt es Geräusch der 
Lungenexpansion, und nach dem Tbeile der Lungen, in 
dem es verzugsweise seinen Sitz hat, Zellenathmen (Re- 
spiration v^siculaire). La&nnec vergleicht dies Geräusch mit 
dem eines in sanften und festen Schlaf versenkten Menschen, 
der ton Zeit zu Zeit eine tiefe Inspiration macht. 

Ganz abgesehen von pathologischen Zustanden, ist das 
Zsllenathmen hinsichts seiner Intensität sehr verschieden, 
nach dem Orte, wo es gehört wird, nach dem Alter und 
Geschlechte des Individuums, nach der Häufigkeit, mit der 
es vor sich geht, nach dem verschiedenen Baue der Brust- 
höhle und der Beschaffenheit ihrer Bedeckungen, nach der 
moralischen Stimmung etc. 

1) Nach dem Orte, wo man es hört 

Die Stellen, an denen man da* AthmungsgerSusch am 
stärksten* and beständigsten hört, sind, die Achselhöhle, 
der Raum zwisthdn der Oiavicula und dam vorderen Sande 
des Trapezius, der Raum zwischen dfcr Clavicula und der 
Brustwarze, hinten, der Raum zwischen der Wirbelsaule 
und dem Innern Rande des Schulterblatts. An allen ge- 
nannten Ortes liegen die Longen der Brostwand am mei- 
sten nahe. Die 'Abwesenheit des 'Atbmnngsgeröusches an 
diesen Orten ist ein negatives Zeichen von grölserer Be* 
deutung, als wäin es an andern Orten nicht gehört wird. 

2) Nach dem Alter und fiesehlechte. 

Bei Kindern bis zum 12ten Jahre Ist das ZeUenath- 
men imverMltnifsmäfcig stärker als bei Erwachsenen, so 
dsfg auch der Ungeübteste es hier boren kann. Dias hängt 
tfaeils von der gröfserea Menge Bljjrt ab, die bei Kindern, 
in einer gegebenen Zeit, durch die Lunge strömt, «ad die 
folglich das Durchströmen einer gröfseren Menge Luft 

4*, 



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52 

bedingt, theils von der grösseren Flächenausbreitung , die 
bei Kindern die Lungen darbieten; denn bei Thieren, de- 
ren Lungen, während des ganzen Lebens, eine der mensch- 
lichen Lunge in dem frühen Alter gleiehe Dichtigkeit be- 
halten, ist das Zellenathmen sehr kräftig. Nach der Pu- 
bertät nimmt jene Dichtigkeit beim Menschen zu; die in 
die Lungen eindringende Luft findet, um sich auszubrei- 
ten, weniger Fläche vor, und das Geräusch verliert einen 
grofsen Theil der Kraft, die es in der Kindheit hatte. 
Bei Greisen hat die Dichtigkeit der Lunge ihr Maximum 
erreicht; weite Zellen ersetzen, wie Magendie. nachgewie- 
sen hat, die kleineren Bläschen, aus denen sie im frohen 
Lebensalter bestanden; eine immer kleinere Fläche bietet 
sich der Ausbreitung der Luft dar, und daa> Zellenathmen 
wird immer schwächer. Ganz in den Hintergrund tritt 
dasselbe, wenn bei Greisen eine frühzeitige Atrophie des 
Lungengewebes den Zustand hervorgerufen hat, den man 
Emphysem der Lunge nennt 

Das intensivere Zellenathmen der Kinder wird mit 
dem Namen der puerilen Respiration belegt Diese 
Art des Athmens giebt, wenn sie in anderen Lebensaltern 
vorkommt, eines der bedeutungsvollsten physicalisehen 
Zeichen. Doch trifft man zuweilen auch Erwachsene, die 
bei vollkommener Gesundheit pueril, und Kinder, die wie 
Erwachsene athmen. Bei Frauen nähert sieh im Allge- 
meinen das Athmnngsgeräusch der puerilen Respiration, 
was als Beleg dazu dienen kann, dafs die Intensität des 
Geräusches in keinem Verhältnisse zu der Ausdehnung der 
Wände des Thorax steht; denn Frauen können den Brust- 
kasten nicht m dorn Grade ausdehnen wie Männer. 

3) Nach der Häufigkeit mit der es vor sich geht 

Je mehr das Athmen beschleunigt, und je kürzer je- 
der einzelne Athemzug ist, in desto gröfserer Stärke 
läfst sieh das Zellenathmen hören; will man daher das 
Athmnngsgeräusch recht hervortreten lassen, so empfehle 



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53 

man dem Kranken rasch und kurz, nicht etwa tief, Luft 
zu schöpfen. Bei dem tiefen Athemzuge entwickeln sich 
nämlich die Luftbläschen nach und nach, während bef dem 
kurzen, schnelle« dies mit einem Male, nnd daher gfc-' 
räuschvoller geschieht Deshalb machen auch einzelne' 
Stöße vom Husten das Geräusch hörbar, weil, unmittel- 
bar nach dem Husten, der Kranke kurz und scharf 'eihzu- 
athmen genöthigt ist. Ich lasse, weil för manche Kränke 
das Husten nachtheilig, oder nicht zum Stillstände v zu 
bringen ist, nachdem es einmal eingeleitet worden, den ztti 
Auscultirenden rasch zählen^ Je bei der dritten oder vier-" 
toi Zahl erfolgt dann immer ein kurzer, scharfer Athem- 
zug," dar, wenn der Theil der Lunge gesund ist, an (fear 
das Ohr anliegt, auf jeden Fall das Geräusch Urbar* 
machen' wird. ;-■' 

4) Nach dem Tersehiedenen Baue des Brustkastens 
• und der Beschaffenheit' semer Bedeckungen. 

Bildungsfehler des Thoracico - Abdominal - Gewölbes 
eomprimtren die in demselben enthaltenen Organe und 
beeinträchtigen ihre Function. 80 z. B. hört man bei 
Rhachitischen ; da» Athmungsgeräuseh merkbar schwacher; 
oder man findet es hinsichtlich der Intensität ungleich 
Tertheilt Bei beleibten, sehr fetten Personen wird es na- 
türlich nicht in der Stärke hörbar sein, wie bei: magern 
Menschen. Die Contractionen der -Muskeln schwächen es 
ebenfalls, oder machen es ganz verschwinden. Baker läfst 
man den Kranken beim Auscnltiren sich setzen (beim Ste- 
hen sind alle Muskeln des. Rumpfes mehr oder weniger 
gespannt), und die oben angegebenen Lagen einnehmen, 
welche ■ alle - die , Erschlaffung der betheiligten Muskeln 
zum Zwecke haben. 

5) Nach der psychischen Stimmung. , 
Moralische Anbete, häufig durch die Gegenwart des 

Arztes selbst bedingt, können das Athmungsgeräuseh 
schwächen, es selbst unhörbar machen. Loännec^^näral^ 



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54 

Louis und CAomet haben diese Bemerkung gemacht Bei 
sehr sensiblen, hysterischen Frauen hört man zuweilen 
dies Geräusch gar nicht, zuweilen üfcerirffsig stark, ob- 
wohl die Bruatorgane sieh der vollkommensten Gesund* 
heit erfreuen. 

6) Nach der verochfedenan IndrridttftlitKt. 
Ohne dafs eine von den genannten Bedingungen vor» 
banden wäre, kann bei manchen Menschen danJSelleuatlft-' 
men auffallend schwach oder gar nicht Verbanden» edet\ die* 
jedoch viel seltener, es kann übermäfrig stark «ein* Sn; 
schwer es ist/eich hierton Rechenschaft abzulegen, von 
so hoher Wichtigkeit «tnis es sein, die Thalsache fcu ken- 
nen. Ras Wort Disposition setzt In diesem Felle nur ein 
Unbekanntes an die Stelle eines anderen. 
Zusatz. Der Hauptcharakter des jffellenathstoena oder 
desjenigen Geräuschen, das man, beim In- u*d Ex- 
ap*t*ren eines gebunden Menschen, enden Stellen 
des Bft»tfca*t*As höH, 4it^ der Xage JUieh, steh Lun- 
gen entsprechen, besteht also in den Gefühle, ein 
' < oh sieh ,*iele kleine, blutige Höhlen ex* 
frandirtfete. Diesem Gefühle steht du« ejitfefegeh, 
wobei das Geräusch,, statt expansiv s* sein, ein 
blasendes wird, wo es scheint, als wird* den* 
Austultirenden dutch ein Rohr int des Äfcr 
geblasen. Nei-me4ec Wehe gtebt sieh dies kund, 
wenn man das Ohr oder das Stafthescop rtn den 
Kehlbepf ode* die Trachea,, oder an den 2teu oder 
3ten Rüctdenwktael aufsetzt. Hier nändfeh ist rat* 
keiner Ausdehnung vieler Heine*, ftsüfeert dünner 
und nnehgiefaigter Zeilchen dteHede, sondern dielMflt 
streicht durch geräumige, verhäLtmfinnälsig unnach- 
giebige Schlauche. 

So wie nun dies lautete, Uaeende 43erfutsch ein 
normales für die Trachea etc. tot, so wird es zu 
einem der werthwlWen Kran lüidtspsmeftomenfcv wen» 



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55 

es aus im langen ertönt, denn in diesem Organe 
mdl das Geräusch der Zellertexpansio« ^dasjenige 
übertöne», das die Luft beim Durchstreiche« durch 
. die grosseren Bronchien veranlaßt Man nennt es 
alsdann Traeheal- oder Bronchial - Athmen, oder auch 
noch anfera, nach de« Orte wo ea gelltet wird. 
B* Im krankhaften Zustande. 
Im krankhaften Zustande bietet das Athmungpgeräusch 
zwei verschiedene Arten von llodäicatioaen dar, wovon 
die eine auf die Intensität, die andere auf die Natur 
desselben sieb besieht 

I. In Beug auf die Intensität kamt das Athmungs- 
gcräuseh vermindert oder vermehrt sein. 

Verminderung der Intensität wird veraniafst durch 
Ursachen, die ihren Sitz haben 
a) In den Wandungen des Brustkastens selbst, Oedem 
derselben, Pleurodynie, Pletareaie. 
Das O e d em der Brustwandungen macht das Athmungs- 
geräuuch dadurch minder stark, dafs es die Brustwand an 
Dicke zunehmen läftt; eben das bewirken dicke Klei- 
dungsstücke. 

Die Pleurodynie hat dieses Resultat, weil der 
Schmerz, der sie begleitet, Coutractionen der Brustmus- 
keln veranlafst; ebenso die 

Pleuritis eostalis, wobei der Schmerz von der 
Pleura auf die nahe Brustwand übergeht. 
&) In den Höhlen der Brustfellsacke. 

«) Fester Art; Pseudomembranen oder Ablage- 
rung von Tuberkelmaterie auf der Pleura. 
ß) Flüssiger Art; Ergufs in die Pleura, Hydro- 

thorax. 
y) Luftförmiger Art; Pneumo- Thorax. 
Die Pseudomembranen, die sich im Innern der Pleu- 
rahöhle organisiren, und die Ablagerung von Tuberkel- 
masse auf dieser Haut müssen notwendigerweise die In- 



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56 

tensität deg Athmungsgerättfches vermindern, weil sie die 
Zahl derjenigen Theile vermehren, die zwischen den Ohr 
und dem Orte liegen, Vo dies Geräusch sieh erzeugt 

% Das Empyem oder der Hydrothorax bewirkt' au wei- 
len eine Abnahme in der Intensität des Athmungsgeräu- 
sehest zuweilen, sagen wir, denn, damit dies Phaeno- 
nomen statthaben soll, mufs die Menge der ergossenen 
Flüssigkeit »ehr beträchtlich sein; im entgegengesetzten 
Fall wird ein stärkeres Geräusch, nämlich das Bronchien- 
Athmen, sich hören lassen« 

Beim Pneumothorax verhindert die zwischen den Lun- 
gen und der Brustwand sich befindende Luftschicht ein- 
mal die Fortpflanzung des Tons, dann aber, durch Com- 
pression der Lungen, das Eintreten der .Luft in die Lun- 
genzellen. 

Findet eine Oommunication zwischen den Bronchien 
und der Pleura in Folge von Perforation der Lunge statt, 
so kommt noch ein anderes Zeichen hinzu, das metal- 
lische Klingen, von dem später die Rede sein wird. 
c) In dem Lungenparenchym selbst. 

Wenn ein Hindernifs irgend einer Art den J&ttrttt 
der Luft in eine gewisse Anzahl Lungenzellen mehr oder 
weniger hemmt, so vermindert sich das Respirationsge* 
rausch, oder hört ganz auf, in dem Theile der Lunge, 
wo dieses Hindernifs seinen Sitz hat Zu gleicher Zeit 
findet aber das entgegengesetzte Phaenomen in den Thei- 
len der Lunge statt, die frei geblieben sind, indem diese 
die Functionen der kranken Theile mit übernehmen, so 
dafs das OJir dann an den ihnen entsprechenden Stellen 
des Thorax ein anormal -starkes Respirationsgeräusch ver- 
nimmt. In diesem Falle ist es, wo die Respiration der 
Erwachsenen pueril wird. 

Bald wird dieses ergänzende Athmungsgeräusch 
nur in einem Theile einer Lunge gehört, während in der 
Umgegend die Respiration sehr schwach oder ganz er- 



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loschen ist, bald erstreckt es sich über eine ganze 
Brastwand. Alsdann kann man, immer sicher sein, dals 
irgendwo in den Longen ein Hindernifs, sei es der Gircu- 
lation des Blutes, sei es der der Luft, entgegenstehe. Am 
häutigsten bilden Tuberkeln kl den Lungen, die mehr 
oder minder zahlreich inmitten des gesunden Parenchyms 
ausgestreut sind, die Ursache beider Zeichen, des* Schwä- 
eherwerden8 des Athmungsgeräusches einerseits, und des 
puerilen Athmens andererseits. Ist' aber das die Tuberkeln 
umgebende Lungengewebe nicht mehr gesund, sondern 
schon indurirt, so kann nur das Erster« von den beiden 
Phaenomenen stattfinden. 

Louis hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dafs, 
beim Beginne der Tuberkelbildung in den Lungen, die 
Abnahme des Athmungsgeräusches zuerst unter der Cla- 
vicula der einen Seite, oder unter beiden Schlüsselbeinen 
gleichzeitig bemerkbar werde. Vor ihm hatte aber schon 
La&nnec die Abnahme der Sonorität an eben diesen Stel- 
len beim Percuüren nachgewiesen. Aufser den Tuberkeln, 
geben tief gelegene, lobulare Pneumonien sowohl zu die- 
sem Phaenomen, als zur puerilen Respiration Veranlas- 
sung^ Ist nach einer Pneumonie die Lunge nicht voll- 
ständig in ihre früheren Verhältnisse zurückgekehrt, ist 
sie splenisirt, so bleibt das Athmungsgeräusch schwach. 

Abgesehen von den Krankheiten, die' in den Lungen 
ihren Sitz haben, können auch noch Herzübel dadurch, 
dafs sie den Blutiauf in den Lungen auf eine merkbare 
Weise stören, die Respiration an Intensität zunehmen 
lassen. 

In den catarrhaliscben Affectionen der Lunge erleidet 
die Intensität des Athmungsgeräusches periodisch eine 
merkliche Abnahme, oder es erlischt dasselbe" ganz. Letz- 
teres findet nur. statt, wenn ein oder mehrere grofse Bron- 
chien durch Schleimanhäufung verstopft sind, so dafs die 
Luft zu dem Theile der Lunge, in welchem derselbe sieb 



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58 

zerästelt, nicht gelangen kann. In diesem Folie colnci« 
dirt dies Zeichen mit einer vollständigen Sonorität der 
Brustwand beim Pereutfren. Bei der chronischen Bron- 
chitis (dem Catarrhus suifocativus der Greise) wird die« 
ses plötzliche Erlöschen des Respirattonsgeriusebes, oder, 
seiner pathologischen Surrogate, als Folge der Verstopfung 
eines Haupt- Bronchus beobachtet, und labt häufig einen 
Anfall yon Dyspnoe vorhersagen. Nach einem drohenden 
Hftstenparoxysmos stellt sich dann das Atiunungsgeräusch 
wieder ein, oder der Kranke stirbt aspbyetisch. 
Zusatz. Bei Ahnahme des Atlunungsgeriusches an In- 
tensität oder ganzlichem Fehlen desselben unter» 
scheide man immer. zwei Fülle, ob nämlich dabei 
die Resonanz der Brust an den Stellen, wo diese 
ajiscultatorischen Zeichen vernommen werden, un- 
verändert ist, oder ob man beim Pereutiren einen 
matten Ton erhalt Im ersteren FaUe kann das 
Fehlen des Geräusches vorübergehend, periodisch, 
' . oder es kann permanent sein. Ein vorübergehen- 
des Fehlen oder Schwächerwerden desselben, bei 
vollkommener Resonanz der Brust, bezeichnet in 
der großen Hehrzahl der Fälle den Lngouatarrfc, 
wo die Bronchien bald von Flüssigkeiten angefüllt, 
wuLdAber undurchgängig für die Lnffc, bald wie« 
der, nach einem Hnstenanfalle zeit Auswurf, frei 
sind. Ein permanentes Fehlen des Respirationsge- 
rausche« mit hellem Ton beim Anschlage charakte- 
risirt das Emphysem der Lunge und den Pneumo» 
Thorax. Bei dem letzteren ist der Ton, den die 
Percnssion giebt, nicht bloia hell, er ist vielmehr 
zum tympantyiseben gesteigert* 

Ist an einer Stelle der Brust das Athsaangsge- 
ranseh schwach, oder fehlt es ganz, während gleich- 
zeitig die Percnssion dieser Stelle einen matten Ton 
entlockt, so kann man immer daraus schliefen, dals 



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8» 

das Lungenparenchym daselbst verdichtet, für die 
Luft unzugänglich ist, und »wer entweder in Folge 
einer idiopathischen Krankheit des Luugeugewebes, 
oder in Folge eines starken Ergusses in die Pleura 
oder einer in der Brusthöhle sieh entwickelnde« 
Geschwulst, die die Lunge comprimiren oder sie 
* Ms der Lage verdrängen, die sie im normalen. Zu- 
stande einnehmen soll. 

Zu bemerken ist noch, dafs nun in der Gegend 

über den Schlüsselbeinen und am 2tcn und 3ten 

' Röckenwirbel ein gänzliches Fohlen des Athmungs* 

gerüsJaehes oder ein Schwächerwerden desselben am 

seltensten beobachtet. 

IL Modjfieajtiota des Afthmiingageräusches seiner Natur nach« 

Bronchial- Athmen (Respiration brenchi<fue). 

Das an die Brust gelegte Ohr vernimmt wohl beim 

Ein- und AusaUimen ein Geräusch, aber es ist nicht mehr 

das, was den Ehriritt der Luft in die Lnngenzellen und 

die Expansion dieser ltttf eren charaktoistiseh benefehnftb 

Sie Luft kamt auch nicht mehr bis in die Lungenbläschen 

dringen, sie gelangt nur bis zu den Bronchialachlänehes^ 

daher der. Name Btotoehtel-Athmen, d*u man dieser Art 

d^^AAamgeränactai, naxfc dem Orte, wo es. vor sieh 

geht, beigelegt hat Diese merkwürdige lUdifaatisD, die, 

wie wir schon oben ananfiihren Gelegenheit hatten, ncar- 

maierweise gehört wird, wenn man das Stethaseop an 

den Lacynx, die Triebes, oder die der Wurzel der Lungo 

Hitaprachende Gegend ansetat, ist nicht imaser ein, und 

dieselbe, sondern sie bietet verschiedene Varietäten . dar, 

dio sich alle auf ihre Intensität beziehen. Der Grand- 

ehnrahter des Bronchial- Alhmens bleibt ajjpfer imfner, wie 

schon gesagt ist, der Blasende; der Eindruck, den es 

auf das Ohr macht, gleicht dem des Streichens der Luft 

durch leere, geräumige Schläuche; abgesehen, dafs dabei 

von keiner Expansion vieler kleiner Zellen die Rede ist, 



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erscheint es auch dem Höhrer trockener und stärker 
alf das Athmungsgeräusch. 

Andral hat 3 Varietäten des Bronchial -Athmens an- 
genommen, man könnte deren aber 10 aufzählen, wenn 
man nur hinreichend bezeichnende* Beiwörter oder pas- 
sende Vergleiche bitte. 

Erste Varietät. Das Bronchial- Athmen ist hier 
von dem Zellen -Athmen nur durch die außerordentliche 
Intensität verschieden. Es ist eine verstärkte puerile Re- 
spiration. Dies ist sehr oft an solchen Stellen des Tho- 
rax der Fall, die bei der Percussion einen matten Ton 
gebefll. Das Lungengewebe ist hier verdichtet, dafür 
sprechen auch die Resultate der Percussion r nichtsdesto- 
weniger scheint dem Ungeübten die Luft mit der größten 
Freiheit in die Lungenbläschen ein- und auszugehen. Auf 
den ersten Anblick möchte in solchen Fällen die Auseul- 
tation irre leiten, aber eine aufmerksamere Untersuchung 
lehrt, dafs dieses übermäfsig starke Athemgeräuseti seine 
Intensität allein dem Umstände verdankt, dafs die Luft 
nicht über die Bronchialäste hinaus bis zu den Luftzellen 
«bringen kann. 

Zweite Varietät. Oharakterisirt sich durch ein 
Geräusch, das dem zu vergleichen ist, wenn man sehr 
stark in die Hohlhand haucht Es läfst sich kaum mehr 
mit dem Athmungsgeräusche verwechseln. 

Dritte Varietät Tritt in noch gröberen Segen- 
•atz gegen das ZeUen-Athmen; e& stellt eine Art von Pu- 
sten dar, dem ähnlich, vermittelst dessen man eine Flamme 
auslischt 

Diese Varietäten entsprechen bestimmten ModÜieatio- 
nen der Bronchien, hinsichtlich ihrer Stärke, ihres Cali- 
bers, ihres Zusammenhangs mit dem der Luft unwegsa- 
men Lungenparenchym, ohne dafs es, bisher möglich ge- 
wesen wäre, für eine jede derselben die entsprechende 
organische Veränderung nachzuweisen. Verdichtung des 



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61 

Lungenparenchyms, aus welcher Ursache auch 
immer entstehend, ist die Grundbedingung des 
Bronchial- Athmens; daher wird man dasselbe Tor- 
zugsweise im Vorgerückteren Stadium der acuten Pneu- 
monie, in der chronischen Pneumonie, in der Pleuritis, in 
der Phthisis, wo immer mehr oder minder verhärtetes 
Lungengewebe die Excavationen umgiebt, in der Dilata- 
tion der Bronchien und in noch manchen anderen Krank- 
heitszuStänden der Lunge antreffen. 

Au keinem anderen Orte sind die Bronchien von grö- 
fserem Oaliber, als an der Wurzel der Lunge; daher wird 
das Bronchial -Athmen in der Gegend des 2ten und 3ten 
Rückenwirbels am häufigsten und intensivsten gehört wer- 
den; an anders Stellen ist es sehr selten so ausgesprochen, 
aber von um so gröfserer Bedeutung, wenn es in dem 
Grade vorkommt. Nach der Wurzel ist es die Spitze der 
Lungen, der die Gegend über den Schlüsselbeinen ent- 
spricht, wo dies Zeichen am charakteristischsten sich 
kund giebt; dies ist aber zugleich auch derjenige Theil des 
respiratorischen Organs, wo die feronchien die meiste Nei- 
gung haben, sieh zu dilathren. 

Zusatz vi. So leicht es bei Erwachsenen auch ist, das 
Bronchial- von dem Zellen -Athmen zu unterschei- 
den, so schwer hält dies v bei Kindern, wo die Ener- 
gie des letzteren schon im natürlichen Zustande so 
grofs ist 
Zusatz 2. Bei der Pleuritis darf der Ergufs nicht zu 
beträchtlich sein, wenn man das Bronchial -Affinuni 
hören soll; bei starkem Exsudate vergeh windet dies 
Zeichen mit der Egophonie gänzlich, und es ist gar 
kein Geräusch mehr hörbar, aus dem man den Em* 
tritt der Luft in diet Luftwege zu erkennen im 
Stande wäre. Wird ein bedeutendes Exsudat schnell 
resorbirt, so kehrt mit der Egophonie das Bronchial- 
Athmen wieder; besteht es im Gegenthetl mehr oder 



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minder lange Zeit, 00 10t dies nicht der Fall. Bei 
Personen, die 6 Wochen oder 2 Monate ein Exsu- 
dat in der Brust getragen hatten, kehrte, wie Cho- 
mei bemerkt, das RespiraUon«geräusch erst nach 4 
bis 5 Jahren zu seiner Norni zurück 5 bis dahin war 
es mehr oder weniger bronchial , oder stellenweise 
ganz unterdrückt *). 

Für das 2te Stadium der Pneumonie ist das 
Bronchial -Athmen ein wahrhaft pathognomonisches 
Zeichen; man hört es schon, ehe noch die Percus- 
sion den matten Ton beim Anschlage giebt. 
Höhlen - Athmen (Respiration eaverneuse). 
Diese Modifikation ist für ein in der Auscultation nicht 
sehr geübtes Ohr Ton der vorigen durchaus nicht zu un- 
terscheiden. Excavationen in der Lunge, aus was für 
Ursache immer entstanden, in die sieh ein oder mehrere 
Bronchien .einmünden, lassen, wenn sie nicht mit Flüssig- 
keiten angefüllt sind, beim Ein- und Austritte der Luft ein 
Geräusch vernehmen, das noch lauter als das Bronchial- 
Athmen ist, in noch höherem Grade als dieses den Cha- 
rakter des Blasens und den des grofsen Raumes, in dem 
es statt hat, an sich trügt. 

Dies Reichen kamt auf keinen Fall als ein sehr werth- 
vüUbs betrachtet werden, denn 

1) ist es, wie eben bemerkt wurde* sehr seh wer vom 
Bronchial- Athmen zu unterscheiden. 

2) Kommen an. denjenigen Stellen der Lungen, wo am ' 
häufigsten Tuberkel *Ihccavntionen ihren Sitz haben (Spitze 
der Lungen), aaeh feefer hftuftg Erweiterungen der Bron- 
chien vor,. die sieh durch ein oftarkes Bronchial- Athmen 
erkennen lassen; ja im vollkommenen ftesundheitssustande 
wird manchmal ari diesen Orten das Bronchial «Athmen 



f ) La lancette fransaise,' Gazette des hopitaux civils et mi- 
Utaire*. Tom. TEL No. 12. 



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gekört. Es kann also hier leichter als an irgend einem 
anderen Orte eine Verwechselung stattfinden. 

3) Ist die Abwesenheit dieses Zeichens durchaus nichts- 
sagend, weil man unter 20 Füllen 19mal die Excavationen 
mit dem Producte der Secretion angefüllt findet, unter 
welcher Bedingung nicht das Höhlen -Athmen, sondern ein 
anderes pathognomonisches Zeichen der Pfathisis, das öur> 
gelrasseln (gargouillement) vernommen wird. Man hat 
den Rath ertheüt, in diesem Falle den Kranken husten zu 
lassen, um dadurch die Entleerung der in den Excavatio- 
nen enthaltenen Flüssigkeit zu bewirken. Mir ist es nie 
gelungen, durch dieses Verfahren das Bronchial -Athmen 
in'a Dasein zu rufen, wenn ich es vorher nicht gehört 
hatte; auch möchte ich daran zweifeln, ob ein willkiihr- 
lkh hervorgerufener, nicht durch örtliche oder allgemeine 
Reactien bedingter Husten jemals die bezweckte Wirkung 
hervorbringt. 

Zuweilen ist das Höhlen -Athmen (oder das Bronchial- 
Athmen, je nachdem man es für das eine oder das andere 
erkennt) besonders stark in der Exspiration, so dafs es 
dem Auscultirenden scheint, als würde die Luft beim Ein- 
atfamen vom Ohre weggezogen, beim Ausathmen in das- 
selbe zurückgestofsen. Diese von Imämmec mit dem Na- 
men des Pusten- Athmens (Respiration soufßante) be- 
zeichnete Modificatära chfu-akterisirt manchmal die Fälle, 
wo eine Excavation oder ein stark däatirter Bronchus der 
Oberfläche der Lunge sehr nahe Hegt , oder, ohne dafs 
diese Bedingung vorhanden am «ein braucht, wo die gro- 
ben Bronchienstämme an der Wurzel der Lunge von ver- 
dichtetem Lung enpare nchym eingesehloasen sind. Jetzt 
eben habe ich eben kypfcetischeu Phthisiker vor mir, bei 
dem dieses Zeichen an einer Stelle der linken Brusthälfle 
auf eine sehr glänzende Weise sieh darstellt. 

In anderen, noch selteneren Fällen gestaltet sich das 
Pusten -Athmen so, dafs es scheint , als befände sich ein 



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64 

durch die Luft in Schwingungen geteilter Vorhang 
zwischen dem Ohre des Höh/ers nnd der Exkavation. 
La&tmec nannte diese Varietät das verhängte Pusten 
(souffle voil£). Es soll von der ungleichen Dichtigkeit 
der Wände der Excavatiön abhängen, in der es vor sich 
geht. Ich habe es nur in einigen Fällen gehört, wo die 
Section nicht gestattet wurde. 
Zusatz 1. Aus dem Gesagten ergieht sich: 

1) Das Höhlen- Athmen ist kein oft vorkom- 
mendes Zeichen. 2) Da wo es gehört wird stellt 
es sich nur selten rein dar, meistenteils ist es mit 
dem Gurgel-Rasseln oder andern Rasselgeräuschen 
vermischt und alternirt mit diesen. 3) Seihst wenn 
es rein, und auf eine merkbare Weise von dem 
Bronchial -Athmen verschieden gehört wird, läftt 
sich nicht mit Gewifsheit bestimmen, ob erweiterte, 
von verdichtetem Lungengewebe eingeschlossene 
Bronchien oder Excavationen demselben zu Grunde 
liegen. 4) Das Fehlen desselben spricht im gering- 
sten nicht gegen das Bestehen der genannten Krank- 
heitszustände. 
Zusatz 2. Das Bronchial- Athnien und das Höhlen- 
Athmen sind nur Nuancen ein und desselben Grund- 
phaenomens^ sie verhalten sich ganz so zu einan- 
der wie die der Stimme entlehnten, entsprechenden 
Zeichen, nßmlich die Bronchial-, die Höhlen- und 
die Mecker - Stimme. Das Grundphaenomen aber, 
von dem beide Klassen von Erscheinungen abhän- 
gen, ist, die Resonanz des Athmens oder der Stimme 
in Räumen, die gröfser als diejenigen sind, welche 
die Lungenzellen darstellen, und die bessere Fort- 
pflanzung des Schalles durch verdichtetes, verhärte- 
tes, als durch gesundes, elastisches Lungengewebe. 



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m 

Rassel - Geräusche. 
Stark oder schwach, den Charakter der Expansion 
oder des Bfasens an sich tragend, in den Lungenzellen, 
den Luftröhrenzweigen oder in grofsen Aushöhlungen Vor 
sich gehend, ist das Athmungsgeräuseh rein, oder es sind 
fremdartige Geräusche demselben beigemischt, 
die' von La&rmec Rassel -Geräusche (Räles) genannt 
worden sind. Die Bedingungen, an die sich das Vorhan* 
densejn dieser Rassel* Geräusche knüpft, sind: 

1) Die Luft/ indem sie in die verschiedenen natürli- 
chen oder pathologischen Verzweigungen der respiratori- 
schen Organe eindringt, findet daselbst Flüssigkeiten vor, 
die ihrer Natur nach sehr verschieden sein können, oder 

2) ohne dafs Flüssigkeiten der Art sie füllen, sind 
die Aeste des Luftbanmea, durch Veränderungen der *ie 
auskleidenden Schleimhaut, oder durch Druck, den Nach- 
bartheile, ergossene Flüssigkeiten auf sie ausüben, in ihrem 
CMiber beeinträchtigt und gestatten der Luft keinen freien 
Durchzug mehr. 

Jede der beiden genannten Bedingungen kann für sich 
allein vorkommen, beide können vereinigt sein. 

Es etfgiebt sieh aus dem Gesagten, daf* die Rassel* 
Geräusche in zwei grofse Abheilungen zerfallen müssen-, 
in die feuchten Äassel- Öeriüsefre, welche von der 
erstgenannten Bedingung, und in die trockenen Rassfel* 
Geratasehe, weiche von der letztgenannten abhängig 
sind. : Außerdem über ir erden sffc, wie die reinen, nnrer- 
rösehtenRespiratfoftsgeritasehe (die Geräusche deä Zellen-, 
des Bronchial- nftd des ffohtat« Athfneng), ihrem Sitze nach, 
in das Zellen -Rasseln, das Bronchial - Rasseln 
und das Höhlen «Rasseln ehigelheilt werden. 

1) Zellen -Rasseln (Rffle v&iculairfe. Andral). 
a) Feuchte« Zellen -Rasseln (RAle v*sictü«rtre hu* 
mide) begreift zwei Varietäten in steh: 

5 



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66 

a) Das Knister-Rasseln (Rale cräpitant. LaSrmec). 

ß) Das Halbknister-Rasseln (Rale subserlpitank 
idem). 
Die feuchten Knister- Geräusche werden in allen Fäl- 
len hervorgerufen, wo Flüssigkeiten (Blut oder Serum) 
die kleinsten Lungenzellen, oder die letzten Zweige der 
Bronchialäste, die sieh in diese endigen, anfüllen. Pattao- 
gnomonisch ist das Knister -> Rasseln für das erste Stadium 
der Pneumonie, das der Ueberfdllung (Engouement). fi» 
stellt hier ein unterbrochenes, stofsweises Platzen 
kleiner, sehr zahlreicher Bläschen dar, ist trocke- 
ner als das Halb knister -Rasseln und sehr äbnltch dem 
Geräusche, das durch Drücken einer gesunden- Lunge 
zwischen den Fingern, oder durch das Rösten v.ou Butter 
hei schwachem Feuer hervorgerufen wird. In diesem Fall 
ist es yon der größten Wichtigkeit zu unterscheiden, oh 
man neben dem Knister »Rasseln noch das normale Zettyo- 
Athmen hört, oder ob von diesem letzteren keine S^ur 
mehr sich entdecken läfst. Ist das Zellen -Athmen. noch 
dabei hörbar, so hat die Geberfüllung (Engouement) noch 
keinen sehr hohen Grad erreicht 5 ist dasselbe vollkom- 
men verschwunden, so ist die Pneumonie schon auf der 
Grenze zum 2ten Stadium, in* welchem weder das Knister* 
Rasseln noch das 3ellen<- Athmen zu höreu sind. Kehrt 
die Krankheit, aus ^em 2ten Stadium in 4as lste wieder 
zurück j so tritt auch das Knister- Rasseln wieder auf, 
aber nicht das, waps wir eben beschrieben haben, son- 
dern ein feuehteres, mit minder zahlreichen: Bla- 
sen, was sich schon d?«n Schleim -Rasseln nä^ 
hert und in dasselbe übergeht, wie das Schleim- in das 
Gurgel-Rasseln sich verliert; Dies ist das Halbknisfor- 
Rasseln (Rale subcrlpitant; Rale cr^pitant de retour 
von JjoMunec).; 

Aber Äicht allein in der Pneumonie kommt das Halb- 
knister-Rasseln vor; es charakterisirt im Verein mit den 



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•7 

Razsel-tteritasehen der Bronchien auch das Oedem der 
Lunge, wie Affeetion, die so aufserordeutUch häufig die 
Herzkrankheiten compiicirt; in diesem Falle ist es vor- 
züglich an der Basis der Lunge hörbar. In der Haemop- 
tysis habe kh bis jetzt vergeblich es zu hören mich 
bemüht. 

Die Lungenentzündungen befallen, wie allgemein be- 
kannt ist, in überwiegender Zahl 4ie önterefc Lappen der 
Lungen; wo man.da&er, bei Verdacht anf Pneumonie, 
zuerst das Ohr anzulegen bat^ das ist, an die Bssis der 
hinteren Brustwand, in* der Gegend des Sicbubtecblatt- 
Winkels, nachdem man vorher. dem entsprechenden «Arm 
hat in die flöhe heben lassen; JMiaeultiig; man auf diese 
Art, so wird, wenn man nur «He ffcankhftit, Bei? je* auch 
nur an ein?elQ&t Stellen , noeh im -listen . Stadium. Antrifft, 
das Bntster-rBftsseln in der Mehrzahl der F*Un,gewifs 
•ich erkennen lassen. - 

v b) Trockene« Z eilen- Rh sselti. - 

Wenn die Luft bei der Inspiration in erweÜerj*, durch 
hypertrophische, starre, oder atniphtedie Wandtragen be- 
grenzte, schon yieL Luft enthaftende Zellen -dringt, wie 
dies beim Emphysem der. Lnnge stattfindet* ::SO hört 
man zuweilen ein; trockenes JKnister^Rasfeeln mit 
grofsen Blasen (Aale cr^pttant sefc a grosses bulies). 

Ist man so glücklich, wie ich es manchmal war, wenn 
ich Greise mit allen, verschleppten Gatarrhen* anscultirte, 
dafs, wahrend das Ohr an derBrnst rnht, eine »oder meh- 
rere von den verdünnten Wänden der so erweiterten Lun* 
gen -Zellen gerade reifst, so vernimmt man neben dem 
trockenen Knister-Razseki ein Geräusch, das ich dem Ge- 
räusche einer platzenden Nath «dir ähnlich fand; 
Latimec nannte es da/s krnehende. Ctaräujsefe (Cra- 
quement). 
Zusatz 1. Die Pneumonie ist höchst selten nur in 
einem Btadittm auf allen befallenen Punkten vor- 

6* 



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banden. Meistentheüs besteht sie hier im lsten, 
dort im 2ten Stadium, hier Ist sie auf der Grenze 
z wischen lstem und 2tem, dort hat sie schon das 
2te passirt Man glaube daher ja nicht, dafs es 
so leicht sei, die einzelnen Geräusche herauszuhö- 
J ren. Wo z.B. Knister-, Halbknister- und Schleim- 
Rasseln, wie -dies sich so häufig ereignet, zu glei- 
cher Zeit hörbar sind, mochte es dem Ungeübten 

wahrlich- schwer werden, zu entscheiden, ob das 

Zellen -Athmen eins dieser Geriuttche begleitet 
oder nicht. 

Zusatz 2. Nach Piorry bringt man das Knister «Ras- 
• -sein am Leichname hervor, wenn man schaumige 
- Flüssigkeiten in die Trachea einsprützt, und nachdem 
mim sie ' durch Pressen tief in die Lunge getrieben 
hat,' das Ohr an die letztere anlegt, wahrend Jemand 
in die Trachea Luft einbläst. Das Knister- Rasseln 
ist hiernach der Lungenentzündung nicht specieller 
angehftrig, als jeder anderen Krankheit 'dieses Or- 
gans, wobei Flüssigkeit in die Zellen ergossen wird, 
mag dieses Blut 5 Serum oder Eiter sein, wenn nur 
dadurch der Eintritt der Luft in die Luftbläsehen 
nicht gänzlich gehemmt wird. Trifft man dies Zei- 
chen nun doch häufiger in der Pneumonie als in 
anderen Affectienen der Lunge an, so ist der Grund 
davon, weil in dieser Krankheit häufiger als in ir- 
gend einer ande*SB diese Bedingung stattfindet. Es 
ttffet sich aber das Knister -Rasseln in allen asphye- 
tteefieft Zuständen vernehmen, man trifft es bei 
schwachen Greisen an, die mehr oder weniger immer 
an chronischen Catarrheia leiden, aber nicht mehr 
die Kraft besitze», gehörig auszuhusten* und merk- 
würdiger Weise haben es Tarral und Reynäud ein 
Paar Mal gehört, als sie,an Personen mit Exsuda- 
ten in der Pleura die Lunge auscuHirten^ nachdem, 



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durch eine passende Lage, ein Theü derselben frei 
geworden war. Piorry behauptet sogar mit PcriJ- 
lowc es gehört zu haben, als er an einem Leich- 
name mit sehr zusammengefaHenen,^eme Flüssigkeit 
enthaltenden, beim Drucke nicht crepitirenden Lungen 
Luft in die Trachea einbliefs, und auscuWirte. Auf je- 
den fcall geht das Knister -Rasseln durch verschiedene 
Nüaneirungen in die Rassel -Geräusche der Bron- 
chien, und namentlich in das Schleim -Rasseln über. 
Deshalb hört man zuweilen ha Lungen- Catarrhen 
das Knister -Rasseln und in Pneumonien das Schleim- 
Rasseln. Bei Greisen wird man es nicht so oft hören, 
wie bei Erwachsenen und zumal bei Kindern, an 
denen man überhaupt die Rassel -Geräusche studi- 
ren soll. Das Knister -Rasseln ist permanenter, da wo 
es vorkommt, als alle übrigen Rassel -Geräusche; es 
tritt nicht zur Zeit der allgemeinen Reaction, also ge- 
gen Abend, sondern gegenMorgen am stärksten hervor. 
2) Bronchial -Rasseln (Räle bronchique). 
Schon in den Bronchien findet die Luft Hindernisse 
vor, die sie zu überwältigen hat, mögen dieses nun Flüs- 
sigkeiten sein, oder Anomalien des Calibers der Bronchien, 
durch Veränderung der Bronchial -Schleimhaut, oder durch 
Druck von Aufsen hervorgebracht. 

Auch hier sind also wieder zwei I^auptabtheiliingen 
zu machen, die sich durch die Beiwörter trocken und 
feucht am besten bezeichnen lassen* 

Feuchtes Bronchial -Rasseln (Biie broneWque 
humide). 
Schleim -Rasseln (Rile muqueux La&mec), dem 
Rfcheln der Sterbenden sehr ähnlich, ist Hauptsymptom 
des gewöhnlichen Catarrhs, wo es, mit den trockenen 
Rassel-GeräuscheU vergeseufcbaftet, besonders im mittle- 
ren Theile der Lunge vorkommt. Anfserdem findet es 
sieh aber noch in anderen Krankheiten der Lunge, in de- 



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76 

neo die Schleimhaut der Bronchien mehr oder weniger in 
Mitleidenschaft gezogen ist, wenn sie auch nicht primitiv 
leidet, so z. B. in der Phthisis, in der Pneumonie etc. 
Es ist, wenn man so sagen darf, ein allgemeines Vehikel 
aller anderen pathologischen Auscultationsphaenomene, und 
kann sie alle mehr oder weniger maskiren. In wie vielen 
Pneumonien ist nicht die Auscultation ohne Resultat, und 
zwar allein deshalb, weil ein Schleim -Rasseln von An- 
fang an jedes andere Geräusch unhörbar macht! Es ist 
auch in vielen Fällen schwer zu entscheiden, oh neben 
ilem Schleim -Rasseln noch das normale Geräusch der Lun- 
gen-Expansion besteht, oder ob es versch* wunden ist 

Trockenes Bronehial- Rasseln (Räle bronchi- 
que sec), 
scheint davon abzuhängen, dafs die Luft durch Bronchien 
zu streichen hat, deren Oaliber verengt ist, mag diese Ver- 
engerung nun von Auf wulstung der Schleimhaut, oder von 
Sufserem Drucke durch verdichtetes Lungengewebe, pleu- 
ritische Exsudate etc. herrühren. Nach den so eben 
besprochenen, verschiedenen Bedingungen stellt sich auch 
dies Zeichen auf eine verschiedene Weise dar. Bald hört 
man eine Art' Schnarchen (ronflement) , analog dem 
eines schlafenden Menschen, bald ist der Ton sonor, 
wie von einer in Schwingungen versetzten Cel- 
losaite (son d'une corde de hasse), oder man glaubt, bei 
verlangsamter Inspiration, das Girren von Turteltauben 
zu vernehmen (roucoulemeht de la tourterelle). Alle diese 
genannten Modificationen entsprechen Structur- Verände- 
rungen in den gröfseren Bronchien. 

Sind die kleineren Aeste, die letzten Verzweigungen 
der Bronchien durch zähen Schleim verstopft oder sonst 
in ihrem Lumen verändert, so tritt ein helles Pfeifen- 
Rasseln (sifflement) auf, dessen Variationen aber wie- 
der sehr mannigfaltig sein können. 

Nichts ist so häufig, als diese Modificationen und Va- 



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71 

I 

rietäten des trockenen und feuchten Bronchial -Hasseins, 
bald alle zu gleicher Zeit, bald abwechselnd die eine oder 
die andere bei Leuten mit chronischem Lungen- Catarrh 
anzutreffen. Hier und da begegnet man in Siechenhäu- 
sern wahren Resonanzböden für die pathologischen Ge- 
räusche, alten Phthisikern mit chronischem Catarrhe, Di- 
latation der Bronchien, Oedem der unteren Lungenlappen, 
bei denen noch, als 4Sügabe, das die. Tuberkel -Excavatio- 
nen umgebende Parenchym der Lunge im Zustande der 
Subinflammation ist. 

3) Höhlen -Rasseln (Rale caverneux). 
Wir haben oben gesehen, dafs das feuchte Zellen« 
Rasseln durch verschiedene Nuancen in das feuchte Bron- 

r chiai -Rasseln überging; so geht nun auch das letzterein 
das Höhlen -Rasseln über, so dafs es in vielen Fällen 
schwer wird, eine bestimmte Grenzlinie zwischen beiden 

- zu ziehen. Es gleicht das Höhlen -Rasseln dem Geräusche 
beim Ausspühlen des Halses, oder dem Tone, den man 
hervorruft, wenn durch ein Rohr Luft in eine dicke Sei« 
fenauflösung getrieben wird. Gut gewählt ist der Name 
Gurgel -Rasseln (Gargouillement), den ihm LaSnnec 
beilegte. 

Dieses Zeichen beruht darauf, dafs die beim Einathmen 
in eine Excavation der Lunge dringende Luft in derselben 
Flüssigkeiten von grösserer oder geringerer Oonsistenz 
antrifft, die sie in Bewegung setzt. Das Vorhandensein 
von Flüssigkeiten in der Excavation ist also nothwendige 
Bedingung zur Erzeugung dieses Phaenomens. 

Das Gurgel -Rasseln, wenn es auf eine ausgesprochene 
Weise, und am oberen Theile des Thorax, in der Gegend 
der Schlüsselbeine, vorkommt, ist das sicherste Zeichen, um 
tubereuiöse Excavalionen zu erkennen. Aber bei weitem 

, nicht in allen Fällen von Tuberkel -Höhlen giebt sich das 
Gurgel-Rasseln kund. Sehr häufig hört man an den solchen 
Aushöhlungen der Lunge entsprechenden Stellen des Thorax 



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72 

nur ein Schleim -Rasseln mit mehr oder minder großen, 
mehr oder minder zahlreichen Blasen. Lafst man in sol- 
chen Fallen den Kranben tief inspiriren oder husten, so 
verwandelt sich zuweilen das Schleim -Rasseln in ein mar- 
kirtes Gurgel-Rasseln. 

Pflanzt sich das Gurgel -Rasseln, das man am oberen 
'Theil der Lunge «ehr deutlich hört, in immer abnehmen- 
der Stärke nach unten fort, tönt dabei die Seite matt, ist 
das Athmen und die Stimme bronchial, so schUefse man 
nicht immer auf ein pleuritisches Exsudat in Folge dqr 
Zerreifsung einer Tuberkel- Höhle am oberen Theil der 
Lunge f häufig sind alle diese Zeichen nur die Wirkung der 
ungeheuren Tuberkel -Entartung einer ganzen Lunge. 

Ein Fall der Art, den ich im Jahre 1833 in der Cäo- 
mirschen Abtheilung des Hdtel-Dieu sah, ist zu merk- 
würdig, um nicht hier angereiht zu werden. 

Ein Neger, der schon lange in dem Hospital geschmach- 
tet hatte, ohne dafs sein Zustand gerade viel Besorgnifs 
e|nJ|öste, und den man auf den ersten Anblick für phthi- 
sisch halten mufste, bot folgende Erscheinungen dar: die 
linke Seite der Brust überall matt klingend 1 , feines Gurgel- 
Rasseln an ihrem oberen Theile, Bronchialathmen, Bron- 
chialstimme. Das feine Gurgel-Rasseln erstreckte sich nach 
dem unteren Theile der Brust, bis wohin es von oben 
. herab fortgepflanzt wurde, in immer abnehmender Stärke. 
Appetit und Verdauung ziemlich gut, keine Diarrhöe. Diese 
Symptome liefsen CAomel ejnen Ergufs in der Pleura in 
Folge der Zerreifsung der. Wände einer tuberculösen Exr 
caratipn diagnosticiren. Man konnte sie keiner Pneumo- 
nie im 2ten oder 3ten Grade beimessen, weil die allgemei- 
nen Symptome fast null waren. In einer Nacht wird dar 
Kranke plötzlich von einer grofsen Beklommenheit befal- 
len, die, von Moment zu Moment sich steigernd, am an- 
deren Tage seinem Leben ein Ende macht. Bei des Sek- 
tion findet man Folgendes: 



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73 

Rechte Lunge von gruppirten und zerstreuten, höch- 
stens haselnufsgrofren Tuberkeln angefüllt, Gewebe um 
dieselbe durchaus gesund. Linke Lunge so den Rippen 
und dem Mediastinum adhaerirend, dafs mehrere Gehülfen 
10 Minuten lang vollständig zu thun hatten, um sie zu 
lösen» An der Rasis dieser Rrust, ganz unabhängig von 
der Lunge, befindet sich eine runde Tuberkelmasse von 
2 Zoll im Durchmesser, wie eine Rillardkugel geformt, 
von weifsem, gleichartigem Gewebe, ohne Spur von Or- 
ganisation. Ueber dieseV Masse ist die Lunge selbst an 
ihrem unteren Theil, bis zur Mitte hinauf, in eine Tuber* 
kelmasse verwandelt; oben werden die Tuberkeln weni- 
ger zahlreich, und mehr zerstreut liegend, was ein 
höchst seltener Umstand ist. Uebrigens keine anderen Spu- 
ren von Pleuritis als die alten Adhaerenzen, Also voll- 
kommener Irrthum in der Diagnose, da man das feine 
Gurgel* Rasseln, den matten Ton, die Rronchialstimme, 
und das Rronchialathmen auf ein pleuritisches Exsudat in 
Folge der Zerreif sung einer an der Oberfläche der Lunge 
liegenden TuJwk^-Excavation bezogen hatte. 

Dies ömq Auscultation der Lungen im normalen und 
anormalen Zustande in Rezug auf das Athmen. Sie ist 
von unendtfeb größerer Bedeutung für die Erkenntnifs 4er 
Rrustkrankbeiten, als die in den folgenden Paragraphen 
abzuhandelnde Auscultation der Stimme und des Hustens. 

§. ö.' 

Auscultation der Stimme. 

A. Im normalen Zustande. 
Legt man das nackte oder mit dem Stetboscop bewaff- 
nete Ohr an den Larynx oder den CervieaUbeü eines laut 
redenden Menschen, so hallt die Stimme stark wieder, 
zieht durch das Rohr des Stftthoseops hindurch und über- 
tönt <He aus dem Munde kommende. Dasselbe findet bei* 
nahe in der ganzen Ausdehnung des Seitentheiles des Hai- 



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74 

ses statt Kommt dieses Zeichen an anderen Orten vor, 
so ist es ein pathologisches, und wird nach dem Krank- 
heitszustande, den es am gewöhnlichsten bezeichnet, Höh- 
len-Stimme (Pectoriloquie) genannt. 

Setzt man das Stethoscop anf den Snbsternaltheil der 
Trachea, oder zwischen Wirbelsfiale und Schulterblatt, in 
der Mitte des Rückens, bei einem Menschen auf, während 
er spricht, so hallt zwar die Stimme noch sehr stark wie- 
der, wegen der grofsen Bronchial -Stimme, die hier He- 
gen, sie wird noch besser vernommen, als die aus dem 
Munde kommende; aber sie durchzieht nicht mehr die 
Röhre des Stethoscops, wenigstens nicht bei Erwachse- 
nen, denn bei Kindern ist an den letztgenannten Stellen 
der Wiederhall der Stimme von der Höhlen -Stimme nicht 
zu unterscheiden. Im krankhaften Zustande zeigt sich die- 
ser Wiederhall noch an anderen als an den genannten 
Stellen, und das Zeichen wird dann Bronchien-Stimme 
(Bronchophonie) genannt. 

In. den Verzweigungen der Bronchien, die sich in dem 
Gewebe der Lunge ausbreiten, ist bei einem gesunden 
Menschen, aus Gründen, die wir oben angeführt haben, 
gar keine Resonanz der Stimme wahzunehmen. Das auf- 
gelegte Ohr empfindet nur eine »leise Erschütterung, ein 
Schwirren, ähnlich dem Gefühle, das die Hand hat, die 
auf der Brust eines Sprechenden ruht. Nur bei Leuten 
mit sehr tiefer Bafsstimme trifft es sich zuweilen, dafs 
die Stimme in der ganzen Ausdehnung des Thorax wie- 
derhallt. 

B. Im krankhaften Zustande. 

Die Auscultation der Stimme im krankhaften Zustande 
hängt von zwei Bedingungen ab. 

1) Davon, dafs die Lunge aus einem -schlechten Ton- 
leiter, den sie normaler Weise darstellt, durch Verdich- 
tung oder Verhärtung ihres Gewebes ein guter gewor- 
den, oder 



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75 

2) davon, dafs die Schläuche, deren Wände beim 
Sprechen in Vibrationen versetzt werden, o^er, wenn man 
will, gegen deren Wände die Luft anschlägt, in denen sich 
der Schall bildet, an Caliber zugenommen, oder zu Höh- 
len sich gestaltet' haben. 

Eine von diesen beiden Bedingungen mufs notwen- 
dig vorhanden sein, wenn die Stimme an einer Stelle 
des Thorax, mit- Ausnahme der vorhergenannten, gehört 
wird, wo im normalen Zustande nur eine leichte Erschüt- 
terung durch das Ohr vernommen werden darf. Häufig 
sind auch beide Bedingungen vereinigt. 

Die Ursachen, die eine Verdichtung oder Erhärtung 
des Lungenparenchyms erzeugen, sind: 

Die Pneumonie, besonders das 2te und 3te Stadium 
derselben, ein Ergufs in der Pleura, die Blutüberfüllung 
der Lunge bei Haemoptysis, Tuberkeln in großer Anzahl, 
starke Ausdehnung der Bronchien (in sofern diese oft nur 
auf Unkosten des Lungengewebes von statten gehen kann), 
Geschwülste in der Brust, aneurysmatischer oder ande- 
rer Natur. 

Alle diese Zustände eharakterisiren sich durch Bron- 
chial- oder Höhlen -Stimme. Beide Zeichen gehen in ein- 
ander über und kommen abwechselnd vor/ gerade wie es 
bei dem Sonoren- und dem Pfeifen -Bassein der Jfall war. 
In der Mehrzahl der Fälle werden widernatürlich erwei- 
terte Bronchien und Excavationen in der Lunge vorzugs- 
weise die Höhleil -Stimme, oder diejenige Modifikation er- 
zeugen, wobei es scheint, als habe der Ton, ehe er ans 
Ohr gelangt, die Röhre des Stethqscops vollständig pas- 
sirt, während bei der Pneumonie und dem pleuritischen 
Exsudate nur die Resonanz stärker ist, ohne dafs der Ton 
vollkommen durch das Rohr geht. Beiden Erscheinungen 
liegt, nur in verschiedenen Nuancen, ein Hauptcharakter 
zu Grunde, und dieser ist, wenn es erlaubt ist, sieh so 
auszudrücken, der desRöhrenblasens, oder das Gefühl, 



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76 

als ob der Ton, den man mit bloftem oder bewaflhetem 

Ohre hört, ein Rohr durchstrichen hätte. 
Zusatz 1. Die Höhlen- und Bronchien- Stimme v treten 
bestimmter hervor, wenn man sich des Stethoscops 
bedient. Dies ist, wie schon oben (Seite 41) be-, 
merkt wurde, einer der zahlreichen Vortheile der 
mittelbaren Auscultation. 
Zusatz 2. Cruveilkier hat zuerst nachgewiesen, daDi 
eine Induration der Lunge in vielen Fällen die Höh* 
, lenstimme erzeugt Laötmec bestritt diese Thatsaehe, 
aber der gröfste Theil der Beobachter bestätigte 
* die Meinung CtuveüMer 1 *. Ich selbst habe mehr 
als einmal die Stimme direct durch das Stethoseop 
zum Ohre gelangen >hören, so dafs es schien, als 
spräche der Kranke durch den Cy linder, obgleich 
nur Tuberkeln, die von erhärtetem Parenchjm um* 
geben waren, oder ein hepatisirter Lungenlappen, 
in dessen Mitte ein grofser Bronchus sich einge- 
schlossen befand, bei der Section nachgewiesen wer- 
den konnten. Von der anderen Seite behauptet 
Piorry, daft, wenn man die den grofsen Bron- 
chien entsprechende Gegend an einem Cadaver aus- 
cultirt, während Jemand mit lauter Stimme in den 
Larynx, oder in eine der Trachea eingefügte, die 
Stelle des Kehlkopfe vertretende, Röhre spricht, je- 
desmal die vollkommene Höhlenstimme vernommen 
wird, wenn die Stimme deutlich articulirt ist, die 
Bronchialstimme, wenn sie stark und wiederhallend, 
und die Meckerstimme, wenn sie stofeweise und 
hell ertönt Es scheint also viel vom Charakter der 
Stimme selbst, und von der Art, wie die Töne arti- 
culirt werden, abzuhängen. Davon aber selbst ab- 
gesehen, dafs die Höhlenstimme in noch vielen 
anderen Krankheitssuständen der Lunge, als nnr 
bei Tuberkel -Exkavationen, gehört wird, so müssen 



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noch sehr viele Bedingungen v e reinigt sein, wenn 
sie in diesem Falle wirklich vorhanden sein soll. 
- Dazu gehört namentlich, dafs die Höhle vollkom- 
men leer, dafs das ihre Wände darstellende Lungen- 
gewebe indurirt "hei, dafs sie mit mehreren grofsen 
Bronchien commnnicire nnd triebt zu fern von der 
Lunge liege. In sehr grofsen Exkavationen wird 
fast nie die Höhlenstimme gehört, zumal wenn sie 
( nur mit kleinen Bronchien in Verbindung stehen. 
Giebt eine Excavation auch zur Erzeugung der Höh- 
lenstimme Veranlassung, so verschwindet diese doch 
auf längere oder kürzere Zeit, Je nachdem sich die 
Höhle mehr oder minder oft mit Flüssigkeit füllt. 
Hat sich einmal eine oberflächlich liegende Excava- 
tion in die Pleura geöffnet, oder hat gar ihr Oonten- 
tum sich «inen Weg in das äufsere Zellgewebe ge- 
bahnt, so ist von der Höhlenstimme keine Rede 
mehr. Aus diesen Gründen glauben wir annehmen 
zu können, dafs die Höhlenstimme kein sehr siche- 
res Zeichen für die Erkenntnis der Lungenexcava- 
tionen ahgiebt. Einen hei weitem größeren Werth 
haben in dieser Beziehung das Gurgel -Rasseln, das 
Schleim -Rasseln nnd die Bronehialstimme. 
Zusatz 8. Es ist schon bemerkt worden, dafs die Er- 
zeugung de"r Höhlenstimme grölsientheils von dem 
Stethoscop abhängt; unter dem blofsen Ohre ver- 
wandelt sich dieselbe in eine starke Bronchialstimme. 
Der Cylinder ist dabei so aufzusetzen, dafs sein 
Brustende fest anliegt, während der Kopf nur leicht 
das Ohrende des Instrmfterits berührt Dtestfbe Be- 
merkung gut auch für die Egophöme. 
Meckerstiinme (Egophonie). 
Bei Personen mit nicht zu beträchtlichen! Ergüsse in 
der Pleura, als Folge der «tuten oder chronischen Ent- 
zündung dieser Membran, oder bei solchen, die an ddm, 



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78 

so selten vorkommenden, idiopathischen Hydrothorax lei- 
den, hat Lo&mec, vermittelst des €yUnders, einen eigen- 
thümliehen Wiederhall der Stimme wahrgenommen, wobei 
dieselbe heller, schärfer, stofsweiser ertönt,. als die 
aus dem Munde kommende, von der sie auch nnr ein Echo 
zu sein scheint Da der Rhythmus und das Metall der 
auf diese Weise tönenden Stimme mit dem Heckern einer 
Ziege einige Aehnlichkeit hat, so nannte Laitmec das Phae- 
nomen Meckerstimme (Egophonie). 

Lainnec gesteht selbst ein, dals es schwer sei, die Mecker- 
stimme von der Bronchialstimme zu unterscheiden; um so 
mehr ist dieses der FaU, da der Sitz beider fast derselbe ist 
(an der der Wurzel der Lunge entsprechenden Gegend des 
Thorax, am 2ten und 3ten Rückenwirbel, zwischen dem in- 
neren Rande derSeapula und dem Rückenmark -Canal), da 
eben so wenig alle Pleuritischen egophon, als alle von Ent- 
zündung der Lunge befallenen hronchophon sind, da die 
Complication beider Krankheiten so sehr häufig ist, und 
daher diese beiden Zeichen, die Mecker- und die Bron- 
chialstimme, meistentheils in jeinander übergehen, sich ge- 
genseitig modifieiven,. so dafs Bowllaud in der neuesten 
Zeit die Bronchial -Meckerstimme (Ego -Broncho- 
phonie) als das Hauptzeichen der Pleuropneumonie aner-~ 
kennt wissen will, da endlieh, und dies bitten wir be- 
sonders zu beachten, die Bezeichnung Meckerstimme 
eine generische ist, und die Beschreibung, die uns 
La&rmee davon macht, nur eine von den vielen hundert 
Varietäten darstellt, die diese Bezeichnung in sich fafst. 

Die- Meckerstimme soll sich schon in den ersten 
Stunden einer. Pleuritis kund geben; aber erst am 2ten, 
3ten und 4ten Tage der Krankheit, wenn das Zellenath- 
men auf der kranken Seite schwächer oder ganz unhör- 
bar, und der Ton, den die Pereussion derselben giebt, 
matt gewofden ist, tritt sie auf eine merkbare Art hervor; 
Sie wird nun wieder in dem Grade schwächer, als die 



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79 

Resorption das Exsudat vermindert, so dafs, bei der ganz 
achten Pleuritis, sie nnr 2 oder 3 Tage besteht, und dann 
auf einmal verschwunden ist, während bei der chronischen 
Entzündung der Pleura, mit nicht zu beträchtlicher Menge 
des Ergossenen, man sie Monate lang in den verschieden* 
sten Abstufungen zu verfolgen im Stande ist. Ist die 
Menge des Exsudats sehr grofs, so z. B/; dafs dadurch 
die kranke Seite sichtbar ausgedehnt wird,, so ist die 
Maekerstimme nicht zu hören; in alten Füllen von Em- 
pyem, von Hydrothorax sucht man sie daher vergebens. 
Umgekehrt stellt dies Zeichen, nach langer Abwesenheit, 
sich wieder ein, wenn durch den Procefs der Aufsaugung 
oder durah künstliehe oder natürliche Entleerung die Quan- 
tität des. Ergossenen eine Verminderung erleidet. So wurde 
in zwei Fällen, wo Laännec die Operation des Empyems 
machen liefe, nach dem Ausflösse einer ziemlichen Quan- 
tität Serum, die Egophonie hörbar. 

Als Ursache der Meckerstimme betrachtet LaSnnec 
dtie Resonanz der Stimme in den grofsen Bron- 
chien durch das Medium einer dünnen und zit- 
ternden Schicht von Flüssigkeit, die das Lungen- 
gewebe durch Druck compacter, und daher geeig- 
neter macht, Tfrne zu leiten. Wir haben noch heute - 
kefoe bessere Erklärung dieses Zeichens zu geben; denn 
wenn man sagt, die Egophonie sei nichts als die Broa- ■ 
chialstimme, modificirt durch das tropfbar flüssige Medium, 
durch das dieselbe passiren mufs, um zu dem Ohre des 
Höhrers zu gelangen ^ so heifst dies nur, einer anderen s 
Anadrucksweise sich bedienen, und keiner der Zweifel, die 
gegen die La€ttnec' > *che Auslegung sich erheben lassen, 
wird dadurch beseitigt. • 

Die Bronchial- und die Meckerstimme sind immer in 
einer gewissen Ausdehnung anzutreffen, während dielttjb- 
ienstimme auf einen kleinen ^ umschriebenen Raum 4fc» 
schränkt ist Der Raum zwischen der Wirbelsäule und 



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90 

den inneren Rändern der Schulterblätter, die Gegend de« 
unteren Winkels der Scalpula , und die Seitentheile der 
Brust, 1 bis 3 Querfinger unter und über einer Linie, die 
von der Hüte des Schulterblatts bis zur Brustwarze reicht, 
sind die Orte, wo die Egophonie sich am häufigsten beob- 
achten lfifst. 
Zusatz. Die Meckerstimme ist ein seltenes und zwei* 
deutiges Zeichen. Unter einer zahllosen Menge pleü» 
• ritischer Exsudate, die Louis, ChometyAndral, Piorty 
und Reynaud in der PHi6, den HAftel-Dieu, der 
Charite* und der Salpetriere beobachtet haben, Jami 
steh dasselbe nur in einer geringen Anzahl vor. Eine 
Zeit lang, wo ich Gelegenheit hatte, viele Pleure- 
sien zu beobachten, meine Atiftuerksamkeit ganz vor* 
züglich darauf richtend, war ich. nicht gttickHeher 
als die genannten Aerste; dagegen sah ich wie« 
der, wie schon früher, mehrere FMe von ausge- 
sprochener Pneumonie, mit Enister »Rasseln und blu- 
tigen Sputis, wo die Meekerstimtne auf das deut- 
lichste hörbar wurde, so dafs die Behauptung Jfay- 
nrnseTa, es komme die Egophonie nur in de* Pleuro- 
pneumonie vor r für mich immer mehr Wahrseheh> 
liekeit gewinnt Bei MSnifern mit tieJteJMsstftunte 
wird man niemals die Meckersthnme hdren, wäh- 
rend umgekehrt bei Frauen, mit heller, kreisefeen- 
der Stimme, die Verdichtung des Lungenpmf enchyiös, 
aus welcher Ursache sie sieh auch immer bersebret- 
ben mag, dieses Zeichen hervorbringt. Sorgfältige 
Beobachtungen) und umsichtig angestellte Yersnelte 
an Leichen sind allein vermögend, hierüber das ge- 
hörige Licht zn verbreiten. 



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81 



AuscuUation des Hustens, _ 

Im normalen Zustande der Lunge entsteht während 
des Hustens kein durch das Stefhbseop wahrnehmbares 
Geräusch in der Brust) nur der Stofs wird empfunden, 
der dadurch den Wanden des Thorax mitgetheilt wird. 

Im krankhaften Zustande der Respirationsorgane erlangt 
man zuweilen einige gute Hülftzeichen, wenn man das 
Ohr an die Brust des Kranken legt, während derselbe hu- 
stet Zwei Fälle sind es besonders, wo durch den Husten 
charakteristische Geräusche erzeugt werden. 

1) Wenn irgend ein Hhidernife sich dem freien Ein- 
tritte der Luft in die Lungenbläschen entgegensetzt, so 
wird, bei dem jedesmaligen Husten des Kranken, es dem 
Auscultirenden yorfcownen, $)* wer$e nicjit wety von sei- 
nem Ohre, obwohl nicht gerade in sein Ohr hinein, die 
Luft mit eklem eigentMmliehen Schaue ausgestellten, oder 
als gelange dieselbe erst dureh -ein Röhr zu ihm. Dem 
Orte nach, wo dieses Phaenomen erzeugt wird, ist es 
Bronchial -Husten (tonx hronehique Aniral, toux tu- 
bahre La&tmec) genannt Worden. Der Bronchialhusten be- 
gleitet gewöhnlich das Broftehtalathmen; am deutlichsten 
pflegt man ihn in exquisileri Fällen Von Erweiterung dar 
Bronchien zu hören. 

2) Ist es näthig, die Brust des Kranken während des 
Hustens zu auscuKiren, wenn man das Dasein einer tuber- 
c wWse n oder anderen Excavation in der Lunge vermuthet. 
In diesem Falle ist entweder jeder Äustenstoffc von einem 
Gurgel -Rasseln begleitet, was deutlicher sich knhd giebt, 
als das beim Meisen Athemholen, oder dieses Gurgel -Ras- 
seln fehlt, und nur der Ton, der den Küsten begleitet, 
bietet eine ganz besondere Modifikation dar, die das Ge- 
fühl giebt, als erzeuge sich das Phaenomen in einer mehr 

6 



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oder weniger grofsen Höhle, in der jede In« und Exspira- 
tionsbewegung eine größere oder geringere Menge Lull 
in Bewegung setzt. Diese Modification des Hustens wird 
Höhlenhusten (toux caverneuse) genannt. Wie auf die. 
Hßblenstimme, so üben auch auf dieses Zeichen die Gröfse 
der Höhle, ihre grössere oder geringere Nähe zur Ober- 
fläche der Lynge, die Art, wie die Bronchien in sie ein- 
münden, die Menge und Beschaffenheit der in ihr enthal- 
tenen Flüssigkeit den gröftten Einflute aus. 
Zusatz. Dafs der Husten dazu beiträgt , das Zellen- 
athmen in vielen Fällen hörbarer zu madien, und 
die Höhlenstimme, wo sie zweifelhaft ist, vollkom- 
mener f$r das Ohr hervortreten » lassen, ist schon 
. oben erwähnt worden. 

§10. 

- Avscultation einiger besonderen respiratorischen Geräusche. 

1) Goräusch der auf- und absteigendenReibung 
(bruit du frottement: oscendant et descendant). 

Reynaqd *) hat. mehrere interessante Versuche mitge- 
theilt, aus depen hervorgeht, dafs im normalen Zustande 
die Lunge bei dar Athembewegung sich hebt und senkt 
und dadurch gegen die Wandungen der Brust reibt Zu 
diesem Zwecke wurde das Rippenblatt der Pleura bles* 
gelegt, und durch dasselbe sah man deutlieh die durch- 
schimmernde Lunge sich heben, und senken» 

In manchen» Fällen von Pleuritis, wo die sich beruh* 
renden Platten des Brustfells (die Lungen- und die Wand- 
platte) runzlicht, rauh, uneben, mit erhärteten Theilen be- 
setzt sind, hört man beim Aufteultiren an den entsprechen- 
den Punkten des Thorax ein Geräusch, das durch das er- 
wähnte sich Heben und Senken der Lunge erzeugt wird. 



Journal hebdomadaire No. G5 et 85. 1329 und. 30. 



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I» 

Dieses Geräusch vergleicht Reynaud mit dem Geräusche, 
das ein an das Ohr gelegtes Stück Tuch gicbt, über das 
man leicht mit dem Daumen, wegfährt. Seit der Zeit ha- 
ben Reynaud , Weber , Danvin und Hebray zahlreiche 
Beobachtungen mitgetheilt, die das Gesagte bestätigen. 
Besonders merkwürdig ist ein Fall des Doctor Hebray, 
wo die den Herzbeutel bedeckende Pleura, rauh und un- 
eben in einem genau begrenzten Umfange, zur Erzeugung 
der auf« und absteigenden Reibung an der diesem be- 
grenzten Umfange entsprechenden Stelle des Thorax Ver- 
anlassung gab. Um in der Pleuritis, dies Geräusch zu hö- 
ren empfiehlt Reynaud, das Stethoscop zwischen Wirbel- 
säule upd Schulterblatt anzusetzen, nachdem man den 
Kranken sich auf den Bauch hat legen lassen. 

Gfewifc trägt dieses Zeichen zur Sicherstellung der 
Diagnose Viel bei, doch müssen wir gestehen, da& es lei- 
der nur selten in der erwähnten Krankheit vorkommt, da 
einige der. genauesten Beobachter, wie Biorry und Louis, 
es noch nicht gehört haben. Am Leichnam hat Reynaud 
dies Geräusch hervorgerufen, indem er mit einer elasti- 
schen Sonde- gegen die Wände der Pleura rieb. Piorry 
wirft die Frage auf, ob es nicht auch ;im nonhalen Zu- 
stande gehört werden /sollte. 

Das Geräusch der auf- und absteigenden Reibung ist * 
aber nicht der Pleuritis allein eigen. LaSnnec und Ho* 
nori haben es ün Interlobukr - Emphysem der; Lunge ge- 
hört,' und Reynaud hat diese Thatsaohe durch eine merk- 
würdige Beobachtung bestättigt. Auch über dieses phy- 
sicalische Zeichen müssen neue und reichhaltigere Erfah- 
rungen noch Aufklärung geben. 
2) Metallisches Athmen, metallische Stimme, 
metallisches Klingen (Tintement m&allique). 

Das Athmen, die verschiedenen Rasselgeräusche, die 
Stimme und der Husten tragen bisweilen einen ganz be- 
sonderen Charakter an sich, den man am besten mit dem 

6* 



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84 - ' - 

Namen des Metallischen bezeichnet; es ist, als ob alle 
4iese Erscheinungen in Metallröhren oder Metallgefafsen 
vor sich gingen, zuweilen als ob man ein solches Geflfs 
mit einem Nadelknopfe träfe* oder ein Sandkorn auf den 
Grund desselben fallen liefse. ' 

LaSnnec hat diesen Metallcharakter in folgenden Fäl- 
len bemerkt: 

1) Bei sehr grofsen Excarationen der Lungen mit 
dünnen, festen, aber der Rippeppletura adhftrirenden Wan- 
dungen. ' ' 

*2) ' Beim Hydropnenmothorax mit Commuaieation zwi- 
schen Bronchien und Pleura, erzeugt durch Perforation 
der Lunge in Folge des sieh Lösens eines Brandschorfes, 
des Zerreifsens der Wandung einer Höhle, oder des Platzens 
eines Abscesses. Lainnec glaubt, dafs in diesen Pillen 
das metallische Klingen durch die Vibration einer Lage 
Gas, die mit einer Schicht Flüssigkeit in Berührung ist, 
hervorgerufen werde. Bis jetzt ist es noch nicht gelun- 
gen, eine bessern Erklärung für dieses Phaenomen zu 
geben* 
Zusatz. Das metallische Klingen, das die Stimme be- 
gleitet, tritt zuweilen, wie ein Echo, erst gegen Ais 
Ende des Satzes ein, den der Kranke ausgesprochen» 
Es ist kaum nötirig zu bemerken, dafs dies Zeichen 
kein permanentes ist, dafs man im Gegetfheil den 
Kranken zu den verschiedensten Zeiten untersuchen 
* rauft, um es einmal zu hören« 



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85 



Dritter Abschnitt 
V#m der Aufteultetton de» Hirsen« •). 

§. 11. 

Diagnose der Hernkrankheiten vor der Entdeckimg der 
Auecultaüon. 

Ehe La^rmec uns gleichsam einen neuen medicinischen 
Sinn durch seine Entdeckung der Auscultation geschaf- 
fen hatte^febelp-ffc die Erkenntnifs der Herzkrankheiten, 
trotz des jßchtes, das durch Corvisari über sie verbreitet 
worden war, einer jeden Grundlage. Bedenkt man in der 
That, wie zahlreich, bei dem compKcirten Baue des Herzens, 
bei der mächtigen Action, der es vorsteht, bei den so zahl- 
reichen physischen und moralischen Einwirkungen, die es 
zu erdulden hat, die Krankheitsformen dieses Organes 
sind, so wird man leicht einsehen, dafs die vitalen 
Symptome allein nicht ausreichen, dieselbe von einander 
unterscheiden zu lassen. Herzklopfen, Dyspnoe, unregel- 
mäßiger Blutumlauf, Husten, Haut- und Hfthlenwasser- 
sueht etc., die charakteristischsten Symptome diesem Klasse, 
wie wenig sind sie den Herzkrankheiten ausschliesslich 
eigen, wie wenig lfifst sich danach die Species des Uebels 
bestimmen ^ einen wie hohen Grad mu& dasselbe »reicht 
haben, wenn sie beisammen vorkommen sollen! Beut zu 
Tage sind wir, Dank den Zeichen, die uns die Percus- 
sion und vor Allem die Auscnltatien gtprahren, heut zu 
Tage sind wir im Stande, auch schon im Beginne eine 
organische Herzkrankheit zu erkennen, und in vielen Fäl- 
len die verschiedenen Formen von einander zu untersehei- 



1 ) Der besseren Uebersicht halber haben tfir uns auf diesen 
Abschnitt alles erspart, was überhaupt die Diagnose der Herz- 
krankheiten durch physicalische Zeichen betrifft, daher auch den 
Abschnitt Über die Percussion. 



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86 

den, und das Alles trotz des Dunkels, das noch über die 
Physiologie des Organe« verbreitet ist. Wie viel läfst 
sich nicht hoffen, wenn .dieses Dunkel einst gelichtet sein 
wird, und, wo heute Hypothesen stehen, begründete That- 
sachen Platz finden werden. 
i 

§- 12. 

Anatodiache Bemerkungen über das Hern, insofern dadurch die 
phyaicalischen Zeichen erklärt werden. 

Das Herz liegt in der linken Brusthöhle Jfcft «war in 
der Gegend, die dem unteren Theile des Sternums und 
den Knorpeln der letzten wahren Rippen entspricht. Die 
Basis oder der breite Theil desselben liegt nach oben, hin- 
ten und rechts, die Spitze nach links, vorn und unten, im 
Niveau des 5ten Zwischenrippenraums. Durch den fibrö- 
serösen Beutel, in dein ei eingeschlossen ist, in dieser 
Lage erhalten, ruht das Herz unten auf der musculösen 
Scheidewand, die die Brust- von der Bauchhöhle trennt 

Der vordere Rand der rechten Lunge legt sich unter- 
wärts ein wenig über den rechten Theil des Herzbeutels 
und die entsprechende Herzhälfte, während der vordere 
Rand der linken Lunge, ebenfalls über den linken Theil 
des Herzens sich erstreckend, zum grofsen Theil diese 
Herzhälfte ganz bedeckt. Der Theil des Herzens also, der 
gewöhnlicherweise nicht von den Lungen bedeckt ist, ge- 
hört vorzugsweise der rechten Herzhälfte an, und zwar 
den oberen zwetf)rittheilen der vorderen Fläche des rech- 
ten Ventrikels. Dieser Raum, der 1} bis 2 Quadrafzoll 
grofs sein kann, hat die Gestalt einer Raute. Sehr selten - 
findet man das Herz ganz von den Lungen bedeckt 

Das^ Herz ist von. der hinteren Brustwand sehr ent- 
fernt, die ganze Dicke der Lunge trennt es von die- 
ser; links ist das Herz der Thoraxwand viel näher, und 
vorn liegt es, nur durch eine dünne Lungenplatte geschie- 



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87 

den, mit einem kleinen Theil des linken, und, unmittelbar, 
mit dem grö&ten Theil des rechten Ventrikels daran an. 

Das Herz hat also eine schiefe Lage, so -dato, wenn 
man es von rechts nach links müst, nahe dem Punkte, mit 
dem es auf dem Zwergfelle ruht, man. einen seiner gröfs- 
ten Durchmesser erhält, während von oben nach unten 
die Ausdehnung minder beträchtlich ist Vergröfsert sich 
das Herz, so geschieht dies besonders auf Unkosten sei- 
nes seitlichen' Durchmessers^ und die L&ngenaxe nimmt 
mehr eine schräge Richtung ein. In Folge der grösseren 
Breite und schrägeren Lage sinkt dann das Herz tiefer 
als im normalen Zustande hinab, so dafs seine Spitze bis- 
weilen zwiscjien der sechsten und siebenten Rippe« schlägt 
und die Pulsationsich nach dem Epigastrium hin erstreckt 

Ist der rechte Ventrikel erweitert oder blofs ausge- 
dehnt 1 ), so rückt er ganz nach rechts, bisweilen um die 
ganze Breite des Brustbeins, der rechte Vorhof, wenn die- 
selbe Bedingung ihn trifft, dehnt sich nach oben und 
rechts und berührt da» Brustbein mehr als gewöhnlich. 
Erweitert oder hypcrtrophirt sich der linke Ventrikel ex* 
eeatriech, so rückt er nach links und nähert sich um so 
viel mehr der Unken Brustwand. Die dünne Lungen- 
platte, die ihn bedeckt, wird nach oben verschoben, oder, 
v wenn man so sagen darf, zwischen Herz und Brustwand 
geklemmt 
. Der Herzbeutel ist seinem Baue und seinen Verhält- 



') Es ist sehr wichtig eine blofse Ausdehnung der Kam- 
mern, in Folge einer Blutüberfiülung, von der Erweiterung zu 
unterscheiden. Eine blofs ausgedehnte Kammer, sagt Laennec, 
ist gespannt, und durch ihre dünnsten Stellen scheint das darin 
.enthaltene dunkle Blut durch; eine erweiterte zeigt dagegen 
diese Spannung nicht, und ihre Wandungen sind auch undurch- 
sichtiger. Bei blo&er Ausdehnung nehmen die Höhlen, wenn 
man das Blut in die Gefäfse drückt, schnell ihre normale Gröfse 
ziemlich wieder an, während bei der Erweiterung sie hart und 
eben so grofs bleiben, als sie im Zustande der Anfällung waren. 



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88 

rissen mm Herten nach hinlänglich bekannt; mir darauf / 
wollen wir aufinerksam machen, dafs die freie Flache des- 
selben von einer serösen Flüssigkeit befeuchtet wird) die 
sie glatt und schlüpfrig erhalt, und bei den Hersbewe- 
gtingen eihe Reibung gegen die entgegengesetzte Platte 
derselben Membran verhindert Wir werden später se- 
hen, dafs die Erzeugung oder Vermehrung dieser Reibung 
in Folge gewisser krankhafter Bedingungen des Herzbeu- 
tels feu besonderen Geräuschen Veranlassung giebt. 

Macht man, nach Unterbindung der Trachea, sorgfll- 
tig eine Oeffhung in den Herzfeeuftel, und sprützt so viel 
Wasser als möglich ein, so wird man ihn .sieh ausdehnen 
untf in die Höhe heben sehen. Selbst wenn man ihn auf 
diese Webe den höchsten Grad der Ausdehnung erreichen 
läftt, wird er Weder rechts noch links sich sehr vom 
Herzen entfernen, und in beiden Richtungen trennt ihn 
daftn nur eine 1 bis 2 Linien dicke Schicht Flüssigkeit von 
diesem Organe; nach oben hingegen, wo das Wasser - 
2 bis 3 Zoll über dem Herzen steht, wird er hinter 
dem Sternum bis zum Sterno-Clavicular- Gelenk in die 
Höhe steigen. Dieses zn wissen ist für die Diagnose dar 
Herzbentelwaissersucht sehr wichtig. 

Weniger gekannt von den Anatomen ist die innere 
Haut des Herzens, Endocardium von Bomlkiud genannt, 
obwohl dieselbe für die Aetiologie der Herzkrankheiten 
von der höchsten Bedeutung sein dürfte. Der Verlauf 
dieser Membran ist folgender. Von dem Ursprünge der 
Aorta ausgehend (dieser Ausgangspunkt ist beliebig ge- 
wühlt), und die Fortsetzung der innern Haut dieser Arterie 
darstellend, schlügt sich das Endocardium um die halb- 
mondförmigen Klappen der Aorta, dringt in den linken 
Ventrikel, bekleidet ihn in seiner ganzen Ausdehnung, 
überzieht die Columnae, hüllt die Sehnen derselben ein, 
die sich an die beiden Platten der Bicuspidalklappe an- 
setzen, schlägt sich zurück, uni beide Flächen einer jeden 



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89 

dieser Platten auszufüttern, überzieht die ganze innere 
Flache des linken Vorbofti und seines Anhangs, und geht 
m die innere Haut der Pulmonalarterien über. Ganz so 
ist der Verlauf in der rechten Herzhafte. 

Die Farbe des Eudocardiums int normalen Zustande 
ist weif s ; halbdurchsiehtig, wie alle serösen Häute, imbi- 
birt sie sich sehr leicht Ihre Dicke ist nicht beträchtli- 
cher wie die der Arachnoidea; < sie ist" ein wenig dünner 
in der rechten Herzhöhle als in 4 der linken, in den Ven- 
trikeln dünner als in den Vorhöfen; am dünnsten ist sie 
offenbar an den arteriellen und den Auriculo*Ventricular- 
Mündungen. Um die Klappen liegen die beiden Platten 
des Endocardiums v so dicht an einander, dafs es unmög- 
lich ist, sie zu trennen. 

Was das Herz selbst anbelangt, so haben die Höhlen 
der beiden Ventrikel nicht ganz dieselbe Gestalt; die des 
rechten ist unregelmäfsig rund, die des linken kegelför- 
mig. Die Höhle des ersteren ist breiter als die des letz- 
teren, wahrend diese hoher oder länger ist, als die des 
rechten. Botnttaud fand, dafs in dem Herzen eines gesun- 
den Menschen der Umfang des rechten Ventrikels 6 Zoll, 
der des linken 4 betrug; dagegen war der linke 3 Zoll 
lang oder hoch, während die Höhe des rechten hur 2 Zoll, 
2 bis 3 Linien betrug. Da der rechte Ventrikel nicht so 
tief hinabsteigt eis der linke, so gehört die Spitze des 
Herzens ausschliesslich dem letzteren an. Die Richtung 
des einen Ventrikels ist auch nicht parallel mit der des 
anderen; im Gegeilt heil, die Axe. des rechten Ventrikels 
verlängert, kretttzt die des linken unter einem spitzen 
Winkel. Wie *ehr attes das bei der Perewssion des Her- 
zens kl Betracht kommt, ist leicht eiftzusc&en. 

LaSnnec sucht die Gröfse des Herzens annäherungsweise 
zu bestimmen, indem er sagt: „Das Herz, die Herzohren mit 
inbegriffen, ist im Normalzustande eben so grofs. Buch, ein 
wenig kleiner od» gröfoer, als die Faust des Indm- 



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duums, dem es angehört Die Wandungen des linken 
Ventrikels müssen um ein wenig mehr als das doppelte 
so dick sein, als die des rechten; das Gewehe derselben, 
fester und compacter als das der Muskeln, mufs sie ver- 
hindern zusammenzufallen, wenn man sie öffiiet Der 
rechte Ventrikel ist ein wenig weifer als der linke, und 
mufs nach dem Einschneiden zusammensinken. A priori 
müfste man schon annehmen, aber die Erfahrung bestät- 
igt es, dafs bei einem gesunden und gut gebauten Men- 
sehen die 4 Herzhöhlen so ziemlich gleich grofs sind. 
Aber da die 1 Wände der Vorhöfe sehr' dünn, die der Ven- 
trikel sehr dick sind, so folgt daraus, dafs die Vorhöfe 
nur den 3ten Theil des Totalvolumens des Organs, oder 
die Hälfte von dem der Ventrikel bilden." 

Diese Schätzungen sind so ziemlieh genau, doch ist 
zu bemerken, dafs sehr viele Fälle vorkommen, wo das 
Herz hypertrophirt oder erweitert wäre, wenn es an 
Gröfse der Faust des Individuums gleich käme; die um- 
gekehrten Fälle sind viel seltener; dann sind auch die 
4 Herzhöhlen nicht ganz gleich weit, die rechten tragen 
es fast immer über die linken davon, selbst abgesehen 
von der Ausdehnung, dip das, während der letzten Mo- 
mente des Lebens in der rechten Höhle angesammelte, 
stockende Blut daselbst hervorruft. Denn auch an TÄie- 
ren, die LegcUlois durch Blutverlust tödtete, wo also von 
solchen Stockungen gewift nicht die Rede sein konnte, 
fand rieh dies vor. 
Zusatz. Wir glauben einen wahrhaften Dienst zu lei- 
sten, wenn wir aus dem so eben erschienenen Werke 
von Bouillaud 1 ), dem unsere Arbeit so vieles ver- 
dankt, die Resultate der Untersuchungen über das 



') Traitö cliniqne des maladies du coeur, pr£ced£ de re- 
cherches nouvelles sur Panatpmie et la physiologie de eet organe 
par J. Bouülmti, avec des Plancfaesgravees. 2 Vol. Paria 1835. 



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91 

Gewicht and die ßröfsc des Herzen* im normalen 
Zustand? hier mHtheitan: 

1) Gewicht des Herzens beim Erwachsenen (24 bis 
60 Jahr), mittlere Zahl, 8—9 Unzen. 

2) Cmfiing des Herzens, an der Basis der Ventrikel 
gemessen, mittlere Zahl, 8 Zoll 9 Lin. 

3) Lunge des Herzens, dargestellt durch eine loth- 
recht von dem Ursprünge der Aorta bis zur 
Spitze des Herzens geführte Linie, mittlere 
Zahl, 3 Zoll 7 Lin. 

4) Breite des Herzens, durch eine Linie darge- 
stellt, die an der Basis der Ventrikel von einem 
Rande des Organs zum anderen gefuhrt wird, 
mittlere Zahl, 3 Zoll 7 Lin. ' 

5) Dicke des Herzens, dargestellt durch eine Linie, 
die, an der Basis des Herzens, senkrecht von 
der vorderen bis zur hinteren Fläche dessel- 
ben, in der Furche, die dieses Organ in die 
beiden Ventrikel trennt, geführt wird, mittlere 
Zahl, 1 Zoll 11 Lin. 

6) Dicke der Wandung des Unken Ventrikels, an 
der Basis genommen, mittlere Zahl, 6 Lin. 

7) Dicke der Wandung des rechten Ventrikels, 
mittlere Zahl, lf Lin. 

Im Ganzen läfst sich wohl annehmen, dafs 
bei einem Erwachsenen die Dicke des linken 
Ventrikels 7 Lin., die des rechten 2} Lin. beträgt. 

8) Dicke der Kammerscheidewand (nur in einem 
Falle gemessen) 11 Lin. 

9) Dicke der linken Vorkammerwand, mittlere 
Zahl, 1J Lin. 

10) Dicke der rechten Vorkammerwand, mittlere 
Zahl, 1 Lin. 

11) Umfang der verschiedenen Herzorificien. 



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92 



a) Linke« VorkÄinmer-Kamm«r-Orificrain,mitt- 
- lere Zahl, 3 Zoll 6§ Lin. 

b) Rechte« Vorkammer - Kammer • Orifldum, 
mittlere Zahl, 3 Zoll 10 Ion. Es ist also 
das rechte Anriado-V«Wcalar^Orificitim 
gröfser als das linke. ' 

e) Aorten -Orifiehun, mittlere Zahl, 2 Zoll 

5|Lin. 
d) Pulmonal - Arterien -Orffleinm, 2 ZoU 7$ Lin. 
12) Dimensionen der Klappen des Herzens, 

a) Höhe der Tricuspidajklappe, mittlere Zahl, 

9 Lin. 

b) Höhe der Mitralklappe, mitttere Zahl, 8 Lin. 
In Bezug auf die Dicke trägt die Mitral- 
klappe es aber über die Tricospidalkläppe 
davon. 

c) Höhe der halbmondförmigen Klappen der 
Aorta, mittlere Zahl, öf Lin. 

d) Höhe der halbmondförmigen Klappe der 
Art. pulmonal!« £} Lin. 

Diese numerischen Bestimmungen, so sehr sie 
auch den der sie liest, und den der sie anstellt, er- 
müden, sind dennoch uneiiäfsiich, wenn nicht die 
Begriffe, Hypeijropbie, Atrophie, Verdickung, Ver- 
dünnung u. 8. w. rag und der Wiükühr preisgege- 
ben sein sollen. 

Zu bemerken ist noch, dafs, bei vermindertem 
Gewichte des Herzens, die Dimensionen desselben 
doch zugenommen haben können, z. B. in dem Falle 
von auf serordehtlkher Erweiterung und Verdünnung 
der Wände. 

Die beste Art, das Herz zu sedren, ist die, dafs 
man mit einer Scheere nach und nach die verschie- 
denen Höhlen öffnet 5 die Schnitte werden an den 
vorderen Flächen dieser Höhlen, der Längenrich- 



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93 

taug nach, geföhrt. Du Herz qner durchzaschiiei- 
den, ist die verwerflichste Methode. 

§.13. 

1 Percussion des Herzens. 

Dieser Gegenstand stellt mit den anatomischen Ver- 
hältnissen des Herzens in zu Wger Beziehung, am nicht 
hier seinen Platz zu finden. Es ist eben gesagt wor- 
den, dafs nur ein kleiner Theil der vorderen Herz- 
fläche, die mit dem Brustbeine in unmittelbarer Berührung 
ist, nicht von den Lungen bedeckt wird. Dieser Theil, 
der, in Vergleich mit den Longen, einen massiven, Ton 
gieht, läfst sich, wenn man mit dem Plessimeter in der 
Mittellinie des Brustbeins von oben nach unten hinabgeht,' 
auf das Genaueste bestimmen; der Widerstand ist hier sehr 
grofs. Der Raum, in dem der Ton, selbst beim leichten 
Anschlage, matt, und der Widerstand grofs ist, beträgt 
1$ bis .2 QuadratzolL Hat man rieh die Steile bezeichnet, 
wo beim Percutiren des Sternuras von oben nach unten . 
der Ton anfängt matt zu werden, so führt man das Ples- 
simeter dem oberen Rande der lieber esrtlang, von recht» 
najch links, immer percuttaend, bis zu 4em Punkte, wi> 
der Ton weniger hcü* der Widerstand grföer wird; auch 
diesen Punkt merkt man sieh. Bald 10t es ein Zoll rechts 
vom rechten Rande des Brustbeins, bald unter diese* 
Rande selbst und mehr nach Innen als er, oder nach der 
Mittellinie zu, dafs der eigentümliche Ton des rechten 
Ventrikels hervortritt Hat man ihn wohl anlfeeM)*, so 
führt man das Instrument noch mehr nach links , und in 
der Mehr**! der Fälle stöbt man bald auf mehr Matt- 
heit und stärkeren Widersland, wodurch «iah die Unke 
Kammer zu erkenne* gieht; je gefüllter, jo dicker in Be- 
zug auf die Wimfe, je näher den Rippen gelegen sie ist, 
um so mehr treten jene Charaktere hervor. Noch weiter 



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94 

nach linkt, um 1 oder 2 Zoll, wird der Widerstand ge- 
ringer, und, beim leichten Anschlage, gtebt sich das Ge- 
fiihl gröfserer Elasticität kund; schlägt man dagegen stark 
an, so erhalt man den massiven Ton und den Widerstand 
des Hertens. Hier ist nämlich dieses Organ von einer 
Lungenplatte bedeckt, ein fester, massiver Körper liegt 
unter einem elastischen. Noch weiter nach links nimmt 
nun die Elastieität in dem Maafse zu, als sich die Lunge 
verdickt. Aach unten und rechts, wo Herz und Leber an 
einander grenzen, ist es schwer, beide von einander durch 
die Percussion zu unterscheiden ; doch will Ptorry gefunden 
haben, dafs das Herz, welches ganz von den Lungen um- 
geben ist, immer etwas von dem Lungentone an sich be- 
hält, während die Leber, auf dem Magen oder dem Darm- 
khhale ruhend, obwohl von massivem Baue, doch immer 
etwas Tympanitisches durchtönen llfst. Wie gebildet das 
Ohr sein mufs, Htm solche Subtilitäten der Percussion auf- 
zufassen, kann jeder leicht ermessen. 

Das Bestehen von Tuberkeln oder entzündlicher Ver- 
dichtung in den das Herz umgebenden Theilen der Lunge 
erschwert sehr die plessimetrische Messung des Central- ' 
organs der Circulation; unmöglich wird dieselbe, wenn 
erhärtete » Lungeämassen es ganz umringen; auch kann 
eine Jtypertrophirte Thymus-, oder ein» unter dem oberen 
Theüe des Sternnms sich befindende Geschwulst glauben 
machen, dafs das Herz sich so hoch nach oben erstrecke. 

' In pathologischen Zuständen des Organs kann diePei* 
cmsfon, wie einleuchtet, nur Resultate geben, insofern 
Jene. Zustände auf Zu- oder Abnahme des Volumens, auf 
Verdünnung oder Verdickung der Wände, auf Ueberfüllung 
der Hohlen mit Bhit sieh beziehen. Tiorry trat oftmals 
grofte Zweifler zum Glauben an die Nützlichkeit äeeFepi 
cuasion gebracht/, dadurch dafs er zeigte* wie nack ;AaW 
lassen das Herz auf .eine merkbare Weise, oft nm einige 
3eU* an Volumen abnuamt, und wie diese Vernünderung 



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3ß 

« 

an Umfang in geradem Verhaltnisse zu dem Blutverluste 
steht Dies ift zugleich ein gutes Mittel, um zu wissen, 
ab, bei Hypertrophie des Herzens mit Dilatation, die Hy- 
pertrophie oder die Dilatation praedominirt, oder, mit an» 
deren Worten, ob Hypertrophie mit Dilatation, oder Er- 
weiterung mit Verdickung zugegen ist Bin durch Zu- 
nahme seiner Fleisehfasern voluminöseres Herz wird nach 
einem Aderlasse wenig zusammensinken, während ein er- 
weitertes oder durch grofte Blutmenge ausgedehntes durch v 
reichliche Blutentziehungen immer mehr oder weniger an 
Umfang verliert. 

§. 14. 

Von der Action des Herzens im normalen Zustande. 

Legt mim das Herz an einem lebenden Thiere blofs, 
so erkennt man leicht, dafs die Vorkammern und die Kam- 
mern sich wechselweise zusammenziehn und ausdehnen, 
und zwar so, da£s die Zusammenztehttng der Vorkammern, 
mit der Ausdehnung der Kammern,' und vice versa die 
Znsammenztehung der letzteren mit der Ausdehnung der 
Vorkammern zusammenfällt Die einzelnen Momente die«, 
ser Gesammtaction des Herzens, die Bomllaud passend 
die Revolution des Herzend nennt, sind durch Pansen 
geschieden, so dafs immer ein Thcil des Herzens ruht, 
während der andere thätig ist Die Reihefolge der einzel- 
nen Momente (wozu auch diePausen 'zu zählen sind) eiste? 
Herarevolution, und die Dauer, die einem jeden derselben 
angewiesen ist, wird Rhythmus der Herzschlage .ge- 
nannt Normalerweise fallen in eine jede Heraevolution 
zwei (Berausche, die man die Herjsger&usche nennt; 
man hört sie, wenn das Ohr, nackt oder mit dem Cylitf- 
der bewaffnet, auf die Htmgegend oder auf das biosgelegte 
Herz aufgesetzt wird. Ebenso gehört zu jeder Herzrevo- 
lution ein mehr oder minder energischer Ruck, der Herz- 



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96 

stofs, dar Herzimpuls, dm die auf die Herzgegend 
aufgellte Hand, oder noch besser das mit dem Hfthrrehr 
bewafhete Ohr zu beurtheilen im Stande tftnd. Im Nor- 
malzustände auf einen kleinen Baum besehrlnkt, kamt 
derHenstofs krankhafterweise sehr weit verbreitet sein. 
- Die Beurtheilung der Herzactiön als ein Ganzes hängt 
nun von der Würdigung der einzelnen Momente ab, in 
die sie zerlegt werden mufir. Hier sprechen wir zuerst 
von der physiologischen Bedeutung eines jeden dieser 
Momente. 

I. Vom Impulse des Herzens, oder vom Herz- 
schlage. v 
Die Contraction der Ventrikel veranlafst ein Anschla- 
gen der Herzspitze gegen die Brustwandung, zwischen 
den Knorpeln der 5ten und 6ten Rippe der linken Seite. 
Auf den ersten Anblick erseheint dieses Phaenemen höchst 
sonderbar, da man doch meinen sollte, dafs bei der Sy- 
stole der Kammern, wo eine Zusammenstellung derselben 
nach allen Richtungen stattindet, das Hers sich eher non 
der Brustwand entfernen als dagegen anschlagen m&fste. 
Es wüte daher viel leichter, den HerxstoÄ der Diastole 
der Ventrikel zuzuschreiben, wie es Pigemux, O^rrigan^ 
Stocke* und Burdach thutt, und andere lange vor ihnen 
sehen gethan haben. Aber eine aufmerksame Beobachtung 
der Kammer -Contraction au einem blosgeiegteu Herzen 
reicht hin, vor diesem Irrthume zu bewahren. Es sprin- 
gen nänüeh, in dem Mo ment e, wo das Btat ans den Vor- 
kammern in die Kammern tritt, die letaleren plötzlich 
auf, wobei die Spitze des Herzens* sich gegen die Basis 
zurücksieht, zugleich aber auch sieh mehr Vor- 
worts und auf Wirts wendet, weM die Lingenaxe der 
Ventrikel bei Ihrer Systole mehr eine horizontale Lage 
annimmt; die Diastole der Ventrikel ist dagegen von kei- 
ner Ortsverftnderung im eigentlichen* Sinne des Worts be- 
gleitet. Macht sieh manchmal doch krankhafterweise w*h- 



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91 

rend der Diastole der Ventrikel ein St«afs gegen die Brust- 
wand" der Hand oder dem Obre fühlbar, so ist derselbe 
viel weniger starrt \ als der die Systole eharakterisirende. 
Bieres Sieb-Heben der Herzspitze i>ei der Systole der 
Ventrikel' setz* sieb noch fort, wenn das -Herz aus der 
Brust genommen und anf einen TUch gelegt wird, tL h. 
wenn die Vo&ämfeiern sieh nicht mehr ausdehnen kön- 
nen,* und die Aorta und Arteria pahnonalls ganz abge- 
sebnittea sind, woraus man schliefsen kann', dafs weder 
dte Dilatation der Vorkammern, Äe während der. Co»- 
traction der Ventrikel statt hat, noeb die Ausdehnung der 
Art&ien durch das Blut bei.. der * Zusamnienziehung der 
Kanhnern,' noch die Streckung dte* y Dogen* der: Aorta 
durch den Antrieb des Blutes dieses P&aehomen erzeugen. 
Die Hauptorsache des Stolpes der Herxsnitze gegen die 
•ntstwand liegt aUo in der schnelle« Zosammenziebung 
der Kammern, und vorzngaweis der? linken Kaninier. Der 
Böctor Titho* gefct neuerdings sr weit, tlem rechten 
Ventrikel jede Mitwirtewig *«i «eienr Bhaenomene ab» 
amtfprepbeo. 

T > Die Systole steüt den wahrhaft «etiven Zustand der 
Kammern tmd'Vorkammern darf die Diastole müssen wir 
afe etwas refer Passives betrachten, obgleich, wenn man 
das Hers ei*es lebenden Thieres in die Hand nimmt, die 
Energie* mit der die Blktatfon der Ventrikel vor sich 
gfeht, wahrhaft eätfauuanewortfc ist, /i 

übt durch den Stoffe des Herzens gegen die Praetor* 
dlalgegend isi der Amt im Stande die Kraft zu würdigen, 
akift welcher sich die verschiedenen Höhlen im Allgemei- 
nen und die Ventrikel im Bes on d er en inaammenziehett. 
Am Mhtfrfsten vermag da» mit dein Stethooeope bewaff- 
nete Ohr die Intemitlfc de» Dtoibes zn hewrlh eilen» bei 
weitem minder scharf die mittelbar «der «mittelbar auf- 
gelegte Hand oder gar das Auge. 

7 



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98 

Man kann noch nicht sagen, in wie weit es Hinjadi 
nützlich wäre, ein Verrahren zu besitzen, wodurch auf 
eine ganz bestimmte, mathematisch genaue Weise die In- 
tensität des Herzstofses angegeben würde, aber e» ist 
nicht schwer, ein solches Verfahren 55» ersinnen. Da* 
Sphygmometer von Berisson, auf eine passende Waise 
modificirt, könnte dazu diene*, die Kraft dea Heraschl*» 
ges zu messen; eben ao gut könnte man sieh dazu eisM« 
Instruments bedienen, daa demjenigen analog wäre, ver* 
mittelst dessen mm die Kraft eines FaEstichlages befechT 
net (Pugilometre). . 

Im Allgemeinen kann man sagen, dafs der dem Ohre 
oder der Hand mitgetheilte Impuls in geradem VerhiUr 
nisse< zu der Dicke :der Kammerwandongen und in:nat? 
gekehrtem zu der Ausdehnung steht, in der man dieHerav 
geräusche hört Dte*er Stofs ist bei gesunden IMmwritoH 
mit gut proparttasirtem Herzen, nicht bedeutend^ b& 
Wohlbeleibten tritt er oft ganz in den Hintergrund,; fei 
Menschen mit etwas dickenKainnierwandusgen wird faselte* 
Gehen, Laufen, Steigen, nervöse Aufregung, PaJpitator 
nen,' Fieber ihn an Intensität zunehmen lassen; in vidi 
höherem Grade aber findet dieses bei der wizklkhm.H^T 
pertrophie statt» Dann ist manchmal der Impuls so stark, 
dafs dadurch der Kopf des AuacultÄrendeü «rf eine merfcr 
bare, wenn nicht gar unangenehme Weise , in die H£ke 
geheben wird. Beim nervösen Herzklopfen ist d*r Impnl* 
auffallend scharf f kurz und schnellend. Bai starker Hy- 
pertrophie mit Dilatation ist e* nicht mehr die Herzspthtft. 
ausschließlich,. die gegen die Praecordialgtgend anscjtilägt, 
sondern die ganze« Kose der Ventrikel. In diesem F<dta 
Scheint es, dafs d*s sieh alhnähUg aufblähende Ctagau jufc 
fangs mit einem Punkte, dann mit seiner ganzen fliwi 
fläche die Brurtwandung berührt und dann wieder pWU? 
lieh zurücksinkt. Dieses Zurücksinken, von 4*M vortrgflh 



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' 99 

• liehen Hope *), dorn wir so viel verdanken, zuerst beobr 
achtet, imd als Rückstofs (Back-Stroke) bezeichnet, 
giebt uns eines der werthvollsten Zeichen für die Hyper- 
trophie des Herzens, wenn die Erweiterung dieselbe be- 
gleitet. Der Rückstofs fällt mit dem 2ten Herzgeräusche 
zusammen, entspricht also der Kammerdiastole. Es ist 
wahrscheinlich, dafs LaSnnec den Rückstofs gemeint hat, 
wenn er \on de* Zitsanunentfehung der Vorkammern sagt: 
„ diese Bewegung jst tiefer, als die. des Berzstofses 5 es 
scheint als wenn das Herz sich von dem. Ohre entfernte, 
es ist eine Erschütterung, welche man tief im Mediastinum 
wahrzunehmen glaubt" Im Normalzustande des Herzens, 
so wie bei der blofsen Erweiterung des Organs, fehlt der 
Rückstoß durchaus. Auch die Systole der Vorkammern 
kann, wie später gezeigt werden soll, im krankhaften Zu- 
stande zu einem Impulse gegen die Herzwand Veranlassung 
geben, doch wird dieser sieh niemals mit dorn. Rückstofse 
verwechseln lassen. 

, . Die Kammersystole, das erste Geräusch, der Herstoft 
und der Puls treffen im normalen Znstande vollkommen 
zusammen, nur hineilen, wgtHopz, sieht und fühlt man, 
wenn man den .Finger zwischen die Spitze des Herzens 
und die Rippen legt, da<s zwischen dem Stofse und dem 
Pulse der Arterie radialis unter der Schulter eine, aber 
auch kaum merkbare, Pause stattfindet, welche der Enfr- 
fetnung 4er Arterie vom Herzen zuzuschreiben ist, da sie 
in entfernteren Arterien verbältnifsmäfsig gröfser war,; in 
den dem Herzen nahe gelegenen aber gänzlich fehlte. Nur 
einige Mal bab* kh Gelegenheit gehabt, dieses im Normal- 
zustande wahrzunehmen, sehr oft dagegen fand. ich bei 
Kranken mit Klappenfehlern des Herzens den Isoehroniä- 



f ) Dr. James Hope von den Krankheiten des Herzens and 
der grofsen Gefäfse; abersetzt und herausgegeben von Dr. Fefid. 
WM. Becker, BerUn 1833. - 

7* 



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iöo 

mus des Herzschlages und Artertenpulses mehr oder min- 
der gestört;. 
Zusatz 1. L^fdenscbdten und moröliöcliö Affecte Über- 
haupt üben den -mächtigsten Emflnfl* auf &e Stärke 
und Häufigkeit der Herzschlage aus. Das Herz 
stellt in diese? Beziehung den freilegten Ausdruck 
unserer Stimmung dar, und'die Redensarten, ge- 
brochenes Herz, Herzleid,' Herzweh, daft 
Herz Trackelt im Leibe; sind eben so populär 
als wahr. 
' Zusatz 2. Ist das Athemholen sehr beschleunigt, kur&, 
mit Anstrengung verbunden, hebt sich die Brust- 
wand bei der Inspiration auf eine gewaltsame Weise^ 
so kann die auf die Praecordialgegeftd aufgelegte 
Hand leicht dieses gewaltsame urid schnelle Sieb- 
Heben des Thorax mit dem Herzschlage Verwechseln; 
*H. Von der Ausdehnung des Herzschlages. 
Bei einem gesunden, nicht zu beleibte* Menschen 
fühlt man gewöhnlich die Herzschläge nur in Äer Prae- 
cordialgegend, d. h. zwischen den Knorpeln - der4ten Ms 
zur 7ten Rippe der linken Seite; am unteren Theile des 
Sternums ist es schon selten, obwohl Viele Autoren das 
Gegentheä behaupten,' dafs die aufgefegte -Hand öder das 
Ohr bei der Contraetion der Ventr»kel irgend efeen Im- 
puls empfängt. Weil' dem erstgenannten Orte der linke 
Ventrikel^ dem letzteren tf er rechte? der Lage nach ikittprieht, 
behaupten wollen, daft, je nachdem der rechte öder der 
linke Ventrikel krank ist, die Erforschung der Herzschläge an 
den genannten Orten immer ein verschiedenes Resultat ge- 
ben müsse, heifst gwiz a priori schließen, dem es ist noch 
nicht einmal ausgemacht, ob beide Ventrikel an dem An- 
schlage Theil nehmen, oder ob der linke allein dabei 
activ ist. Beschränkt sich der Herzschlag auf die genann- 
ten Stellen und wird er immer schwächer, je mehr man 
sich von diesen entfernt, so sind die Verhältnisse des He*» 



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101 

zens die natürlichen. Fühlt man dm Herzschlag noch an 
anderen Orten, so sind entweder Krankheiten 4er Naeh- 
barorgane die Ursache dieser Verbreitung, oder das Herz 
selbst befindet sieb im anormalen Znstande, und dieses ist 
um so mehr der Fall, je weiter von dem Herzen entfernt 
der Impuls fühlbar ist, In dieser Beziehung bat LaMnnee 
folgende Stufenleiter des Minder zum Mehr «Ifer Entfernung 
aufgestellt: 

1) Linke Seite der Brust, von der ^Acks^öble bis «ur 
Magengegend. 

2) Rechte Seite der Brust in derselben Ausdehnung. 

3) Der hintere Theü der linken Brust 

4) Seiten der hintere Theil der. rechten Brust. 

Wir bemerken hierzu nur, dafs, so häufig es auch ist, 
die Herzgeräusche am hinteren Theile der rechten Brust 
noch zu hftren, so außerordentlich selten doch der Impuls 
sicfe bis dahin fortpflanzt. 

Mehrere Umstände, die sich nicht auf das Herz selbst 
beziehen, können dazu beitragen, die Herzschläge in einer 
gröfseren Ausdehnung fühlbar, zu machen. So geben sie 
sich bei Menschen mit kurzem Brustbeine nicht selten in 
der epigastrischen hegend mit grosser Lebhaftigkeit zu er- 
kennen, Bei mageren Personen mit engem Brustgewölbe 
und bei Kindern fühlt man sie immer in weit grösserer 
Ausdehnung, nicht selten bis zum* rechten Schlüsselbeine; 
aber bei Kindern ist auch des Herz im Verhältnisse volu- 
minöser als bei Erwachsenen, und die Höhlen sind weiter 
im Verhältnisse zu der Dicke der Wandungen. Eine in 
Folge von acuter oder chronischer Pneumonie verdichtete, 
erhärtete, eine mit Tuberkeln in grösserer <*Aet geringe- 
rer Anzahl durehsähete Lunge wird besser und stärker 
den Impuls fortpflanzen als eine, gesunde, elastische. 
Krummgängige Excayationen thun dies wohl nur in so 
fern, als sie immer von erhärtetem Parenchyan umgeben 
sind. Dadurch weiden die Herzschläge nicht allein in 



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103 

einer gröfreren Ausdehnung fühlbar, sondern sie verfbei- 
len sich auch, hinsichtlich ihrär Intensität, auf eine unre- 
geknäfsige Weise; denn befindet sieh z. B. eine solche 
Excavation an der Spitze der rechten Lunge, so wird un- 
ter dem Schlüsselbeine und der Achselhöhle dieser Seite 
der Herzschlag stärker hervortreten als auf den ent- 
sprechenden Punkten der linken Seite, stärker vielleicht, 
als in der Praecordialgegcnfl sejbst „Im Allgemeinen, 
bemerkt LaSnnec, pflanzen Exkavationen der Lunge und 
Pneumo- Thorax besser die Herzgeräusche als den Impuls, 
Verdichtung des Lungenparenchyms und Exsudat in der 
Pleura dagegen besser den Impuls' als die Geräusche fort." 
Es ist ganz richtig, dafe der Pneumo -Thorax den Impuls 
des Herzens nicht fortpflanzen kann, aber durchaus grund- 
los, uafs dieser Krankheitszustand för die Fortpflanzung 
der Geräusche günstiger sei', als Hepatisation der Lunge; 
die Hepatisation pflanzt Geräusch und Impuls gleich 
gut fort. 

In welchem Verhältnisse steht mm das Herz zu der 
Ausdehnung, in der man -seine Schläge fühlt? v Gewöhn- 
lich ist wohl die Verbreitung des Herzimpulses der Starke 
desselben proportionirt, so z. B. bei der reinen Hypertro- 
phie ohne Erweiterung oder ohne merkbare Erweiterung 
der Höhlen, aber sie kann doch auch in umgekehrtem Ver- 
hältnisse zu der Kraft stehen, d. h. 

1) sehr bedeutend sein, wenn diese mehr oder weni- 
ger vermindert ist, wie z. B. bei den gro&en Erweiterun- 
gen des Herzens ohne Hypertrophie oder selbst mit ver- 
dünnten Wandungen; 

2) sehr gering sein, bei in hohem Grade starken Im- 
pulse, z. B. in manchen Fällen von coneentrischer Hyper- 
trophie des linken Ventrikels. . 

HI. Von den Herzgeräuschen. 
Legt man das Ohr an die Herzgegend und folgt auf- 
merksam den Schlägen, so nimmt man nach einander 2 ver- 



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I«3 

schiede»* Geräusche Wahr, die das Tlc-Tae einer Uhr 
oder das Klappen der Ventile an einer Doppelpumpe nach- 
ahmen. An «ich selbst kann man diese Geräusche wahr- 
nehmen/ w^iiil man Nachts im Belle auf der linken Seile 
Hegt. Das erste de*' beiden Geräusche* dumpfer und ge- 
dehnter als das : andere, ist i s o c hron mit dem. Anschlage 
des Herzens gegen die Praecordlalgegend, dem Arterien- 
püWe und also attch der Contracüon der Ventrikel. Fin- 
det dennoch eine Pause zwischen dem Pulse der entfern- 
ten Arterie und diesem Geräusche Statt, so ist sie so kurz, 
dafs sie sich kaum wahrnehmen iältet J ). 

- Das 2te Geräusch ist heller, scharfer und kürzer als 
da» erste -und so' eigentümlicher Natur, dafs schwer ein 
Aehnliches, mit dem es vergleichbar' wäre, sieh auffinden 
lälfet Es fällt mit der Erschlaffung oder Diastole der 
Kammern zusammen. Diese» Geräusch fblgt so schnell 
auf das erste, besonders wenn die Herzschläge sehr fre- 
quent sind, dafs es sich mit demselben zu verschmelzen 
und nur der Wiederhall davon zu sein scheint Dennoch 
unterscheidet ein geübtes Ohr, wie frequent, schwach oder 
tieftönend auch die Herzschläge sein mögen, beide Ge- 
räusche leicht von einander, beim Föetus z. B. vom 4ten 
oder öten Monate der Schwangenschaft an 9 ). Auf dieses , 
Doppelgeräusch folgt eine Pause, ein Moment des Still- 
schweigens, von um so gröfserer Dauer, je langsamer die 
Herzschläge sind. Die Pause wird wieder von dem er- 
sten, die Systole der Ventrikel bezeichnenden Geräusche 



*) Der Doctor Ftgeaux behauptet, dafs das erste Geräusch 
nicht isochron mit der Contraction der Ventrikel sei, dafs im 
Gegentheil es der Diastole der Ventrikel entspräche. 

*) Bomllaud will beobachtet haben, dafs die beiden Herz- 
geräusche bei manchen Menschen in jeder Beziehung, selbst hin- 
sichts der Dauer, vollkommen identisch wären. Dann, meint er, 
hat nicht etwa das 2te Geräusch an Schärfe und Helligkeit ver- 
loren, sondern das lste hat in dieser Beziehung zugenommen« 



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104 

aufgenommen, dem sieb schnell; faß $J$ belle anschJieXst* 
und so geht es fort in bewundejjgciwerther Regelmäßigkeit. 

So wie der Herzimf uls , so lassen sieh auch die j*er 
rausche bei mageren, delicaten Personen besser beobach- 
ten als bei fetten, robusten. Individuen^ so wie d|& Schläge?, 
so werden auch die Geräusche durch Alter, GeseUefibJ* 
psychische Stimmung sehr modjficirt, _ 

Da die Geräusche des rechten 'und des linken Herzens 
im Normalzustande zu de* seUxn Zeit und fast auf demsel- 
ben Punkte von Statten geben* so verschmelzen sie in ein, 
einziges Geräusch oder vielmehr in ein einziges Deppel- 
gerauscb, und es läfst sich nicht bestimmen, ob dadurch 
mehr das Spiel der rechten oder mehr das der linken 
Hershälfte bezeichnet wird* Bei krankhafter Verfassung 
des Organs ist dieses aber, wiweilen möglich, und man 
kann «sich dann überzeugen f dafs einer jeden der beiden 
Herzhälften im Besonderen zwei, also beiden Kammern 
zusammen eigentlich vier GexHusche zukommen * die nur 
im Normalzustände durch ihr Zusammenfallen in Zeit und 
Ort auf zwei reduzirt sind. Wird z, B. in der dem rech- 
ten Herzventrikel entsprechenden Gegend des Thorax statt 
der 2ten Note des Tic-Tacs ein Blasebalggeraufich ver- 
nommen, also statt Tic + Tac, Tic + Blasehalggeräusch, 
während man in der dem linken* Ventrikel entsprechen- 
den Brust wandgegend das normale Tic -f-Tae hört, so ist 
dieses ein Beweis, dafs das Doppelgcräusch einer jeden 
Herzbälfte ganz unabhängig von dem der anderen i$L 
Bei einem 7jährigen Knaben, den ich jetzt vor mir habe, 
hört das an die Praecordialgegend angelegte Ohr ein star- 
kes Blasebalggeräusch, durch welqhes die normalen Ge- 
räusche gänzlich übertönt werden; legt man nun das Ohr 
an die linke Brustwarze oder . unter der linken Clavicula 
an, so hört man kaum «oder-doch nur im leichtesten Vor- 
schlage das lste Geräusch, auf das dann sogleich, statt 
des 2 ten, ein starker Blasebalgton folgt; an den ent- 



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sprechenden Stellen; de* rechton Seite l}ört mpn dagegon 
d^fr porm^, Tie-Tac Da nun anzunehmen ist, dafs die 
Geräusche, die m^n links höH y dem linken, die der ander 
rto Seite Hagegw dem rechten,; Ventrikel angehören, so. 
glauben wir in- diesem Falle folgern zu können, daß* der 
Upke Veniijikel der kranke seL 

Daraus folgt aber auch, dafs» wenn man ein After- 
geräusch vernimmt, es nicht bipreicht, die Praecordialge- 
gend allein su auscultiren, sondern dflfs da* Ohr an die 
Punkte der Brust anzulegen sei 

Dieses würde mir in den seltenen Fällen zu keinem 
Resultate führen, wo ein Aftergeräusch so stark ist, daß, 
ohne zn auscultiren, man es schon in der Entfernung von 
einigen Fußten von der Brust hört. 

Im Allgemeinen sind bei Gesunden die an der Basis 
des Brustbeins geborten Herztöne heller als die, welche 
man in der Gegend zwischen dem 6ten und 6ten Rippen- 
knorpel linkerseits vernimmt. Oh aber; diese Differenz 
davon herrührt, dafs am erstgenannten Orte es die Ge- 
räusche des rechten Ventrikels, am letzteren die des lin- 
ken sind, welche man i ort, labt sich nicht mit Gewiß- 
heit behaupten. 

WoUep wir gepau den Ort bestimmen, wo man jedes 
der beiden Geräusche, aus denen das Tic-Tac besteht, am 
deutlichsten hört, so finden wir, dafs das erste Geräusch 
das Maximum seiner Intensität unmittelbar, unter und ein 
wenig nach Aufsen von der linken Brustwarze hat, an 
der der Mitralklappe oder dem linken Afcricule- Ventrikular- 
Orificinm entsprechenden (Stelle; das «Weite Geräusch tönt 
dagegen am lnntesten unmittelbar flb#r und eil wenig 
nach Innen von der Warze, an. den. den halbmondförmi- 
gen Klappen entsprechenden Steilen des Thoiwc . 

Aus der Entfernung van Herzen, in der sieh die Ge- 
räusche hören lassen i urtheilt man ftber ihre Intensität 
Ausdehnung. Im Normalzustände des. Organs ist es 



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IM 

natürlich die Praecordialgegend, in der sie sich am aus- 
gesprochensten kund geben; aber sie lassen sieh, stufen- 
weise immer schwächer werdend, in einer grofaen Aus- 
dehnung der Brust vernehmen, und Laitmec begrenzt den 
Raum viel zu eng, auf den sie sich beschranken sollen« 
In den Krankheiten, denen das Herz- unterworfen sein 
kann, können, wie wir später noch näher auseinander- 
setzen werden, die Geräusche an Intensität ab- oder zu- 
nehmen, es kann folglich auch die Ausdehnung, in der 
man dieselben am Thorax hört, zu- oder abnehmen, ja 
sie können ganz aufhören vernehmbar zu sein. Aber 
abgesehen vom Herzen selbst, so können auch noch an- 
dere, dem Herzen ganz fremde Verhältnisse eintreten, die 
die Intensität der Geräusche zu- oder abnehmen, sie in 
gröfserer oder geringerar Ausdehnung am Thorax hörbar 
sein lassen. Hiezu bedarf es nämlich nur gewisser Modi- 
fikationen in dem Leitungsvermögen der Organe und Theile, 
die das Herz umgeben und einschliefsen. 

Je weniger elastisch, je 'dichter diese Theile sind; desto 
besser verpflanzen sie den Schall; eine hepatisirte Lunge, 
ein Exsudat in der Pleura, der Pneumo- Thorax sind bes- 
sere Schallleiter als die gesunde, überall mit Luft gefüllte, 
elastische Lunge. Was wir von dem Herzimpulse gesagt 
haben, gilt auch hier; zufällige Conductibilitätsverhältnisse 
nämlich können die Herzgeräusche an den verschiedenen 
Stellen des Thorax sehr verschieden an Intensität erschei- 
nen lassen. 
Zusatz. Ursache und Erklärung der fierzge- 
rausche. Obwohl kein Gegenstand in den letzten 
Jahren die Aufmerksamkeit der Aerste und Physio- 
logen mehr in Anspruch genommen haben dürfte, 
als die Erklärung der Art und Weise, des Mecha- 
nismus, wodurch die Geräusche im Herzen, die nor- 
malen sowohl als die anormalen, erzeugt werden, 
so ist doch auch über keinen noch so wenig ent- 



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KW 

schieden. Wem Bouühmä^ dessen ganzes- ärztli- 
ches Lehen dem Studium der Herzkrankheiten ge- 
widmet war, in seinem neuesten, schon angeführten 
Werke bei diesem Capitel ausruft: „Adhfec sub 
judice lis est," so kommt es uns gewilfe nicht 
zu, hierbei auf unsere individuelle Ansicht auch nur 
einiges Gewicht zu legen. Wir beschranken uns 
vielmehr darauf, die vorzüglichstell, über diesen 
Punkt ausgesprochenen Meinungen dem Leser vor- 
zuführen, und nur diejenigen critiseh zu beleuchten, 
die, in Folge der Widersprüche, die sie enthalten, 
heut zu Tage gänzlich unhaltbar geworden sind. 

Die Thätigkeit des Herzens schliefst 1 4 Bedin- 
gungen in sieh, von deheir eine jede zur Hervor- 
bringung der Herzgeräusche sich eignen könnte j-diese 
sind 1) derStoft des Herzens gegen die Brustwand; 
2) die Reibung des Herzens gegen den häutigen 
Sack, in dem es eingeschlossen ist; 3) der Durch- 
gang des Bluts durch die verschiedenen Herzhöhlen; 
4) die alternirende Bewegung. des Sieh-Hebens und 
Senkens der Klappen. Die beiden erstgenannten 
Bedingungen würden die Ursache der Herzgeräusche 
aufserhalb des Herzens setzen, die beiden letzteren 
sie in das Herz hinein verlegen. 

Sehen wir nun, wie eine jede dieser verschie- 
denen Bedingungen verschiedenartig von den Aerz- 
ten zur Begründung ihrer Ansichten benutzt wor- 
den ist 

1) Laännetfn Theorie der Herzgeräusche. 

Lotnmc hat bekanntlich den lsten Herzton von 
der Zusammenziehung der Kanunern, den 2ten von 
der Zusammenziehung der Vorkammern abgeleitet, 
was falsch ist, da die Zusammenziehung der Vor- 
' höfe als Vorschlag der Znsammenziehung der Kam- 
mern vorangeht Aber gesetzt die Geräusejie ent- 



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108 



sprachen den genannten Actionen, wie können sie 
erklärt werden durch die tönende Vibration 
der Muskelfasern deji Herzens, in dem Au- 
genblicke, wo ei sich zusammenzieht? Er- 
«um und Wolkmtm* haben, zuerst nachgewiesen/ 
d*£s bei der Conträction gewisser Muskeln zuwei- 
len ein Geräusch hörbar würde, ähnlich dem dumpfen 
Rollen eines entfernten Wagens. Lainnec, der mit 
dem Stethoscope hierüber Untersuchungen machte, 
war erstaunt über die Aehnlichkeit, die dieses Ge- 
räusch in manchen Fällen mit demMasehalgger&usche 
der Arterien und des Herzens habe, und diese Aehn- 
lichkeit schien ihm zu beweisen, dafs dieses letz- 
tere von einer wahrhaft spasmodisehen Con- 
traetion sowohl des Herzen« als der Arte- 
rien herrühre, und keine organische Stö- 
rung dieser Theile andeute. Bald darauf er- 
klärt nun aber LaBfmec aufs bestimmteste, dafs 
das Blaaebalggeräusch vorzüglich während der 

.Diastole sich kund giebt, eines Zustande*, der sich 
doch gewifii mit Contraetion oder Spasmus nicht 
vereinigen läist . Aber abgesehen von diesem Wi- 
derspruche, so exfsthrt doch gar keine Analogie 
zwischen dem.Blasebalgtone und den normalen Herz- 

' ger ansehen, um wie viel weniger zwischen diesen 
letzteren und den Muskelgeräuschen. Nicht allein 
dafs die Herzgeräusche, ihrem Wesen nach, sich 
ganz anders darstellen, sie sind auch lauter als die 
lautesten Mnakelgeränscbe, seihtot de* kräftigsten 

< Muskeln, gewöhnlich sogar um so lauter, je dünner 
die Wandungen der Ventrikel sind. Wenn daher 
auch, so wie es sicherlich nicht der' Fall ist, das 
Blaaebalggeräusch von der Mnskdcentraction ab- 
hinge, so müfste man doch die Ursache der Herz- 
gertttsche anderswo suchen. 



• 



10» 

Es^'Sst alöo, selbst cfctvon abgesehen, dafs die 
Zeltfolge, ki der Äie Contraction der Höfe und Vor- 
höfe von statten geht, von LaÜnne** umgekehrt 
worden, seine Erklärung;' dftfe -dte Herzgeräusche 
durch uld Vibrirende "Bewegung der Muskelfasern 
des Herzens erzeugt werden; eine rein VtfUkühr- 
liehe, und selbst Wentt'wir diese Entstehungsweise 
zugeben, können wir ntofct begreifen: 

1) Wie die' beiden Herzrentrikel oder die bei- 
den Atrien, welche hk ihrer Lage, in itoer Struc- 
tur, in sich so verschieden sind, mit solcher Har- 
monie sich bewegen können^ d*& immer nur ein 
einfacher; Ton entsteht. * • t k > ; .» . .:•.«.. 

2) Auf welche Weise m gewissen Fällen, wo 
das Herz riech thätig ist und die &r<mlatton noch 
aufrecht erftält* dies* JölH& dofeti gan* und gar auf- 
hören oder- sich bedeutend modrfisiren, 

' * Professor Toraer* in ^dfnburg ■ war nach La€n- 
fieo der et*te ? wefcher dortbat/ta^ oder 

holte Herztori tieshaib nicht, wieLa&nn^^ll^ den 
Vorkammern angehöre» köflne; weif die oft in den 
Jugukirvenen T%rkontmende Puls*ttön <>der ündula- 
tion, welche doch vorzugsweise v^B den Atrien ab- 
hängt , keineswegs mit dimoini Öe*fiusche synchro- 
nisth ist, Weiches, allerdings tat F*l* setomüfste, 
Wenn- die ErWSwmg l^fi^^s die richtige wäre, 
Turner gestand aber ein, date er selbst keine bes- 
sere Erklärung in Bereiticifaft btto. 

In den Jahren 1880 und 31 «tfgte nun Hope 
durch eben so zahlreiche als geistwite Versuche, 

1) dalli die Conftraetiön der Atrien vor dem 
dumpfen, gedehnten Herzgertusehe stattttttdit; 

$) dafs diese 0*nt*adion Von keinem vernehm- 
baren Geräusche begleitet,' 



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110 



9} dafs der kurze, hdle oder zweite Herzton 
mit der Diastole der Ventrikel synehronitch gei. 

Da hierdurch nun die LaSnnec'»che Lehre von 
den Herzgeranschen in ihren Grundpfeilern erschüt- 
tert ist, so versuchte Hope eine andere Erkllrungs- 
weise derselben zu geben, 

2) Hope** Theorie der Herzgeriusche. 

Nach Hope werden die beiden Herzgeräusche 
durch die plötzliche Volumenverändernng erzeugt, 
welche die Blutwoge beim Eintritt in die Ventrikel 
•oder heim Austritt aus denselbfSt erleidet Nach 
physicalischen Gesetzen geschieht dieses, wie Hope 
■ich ausdrückt, auf die Weise, dato, bei der Zusam- 
, menziehung der Kjunmerwandungen, den ihnen zu- 
nächst Hegenden Bbtftheilchen ein Stofs gegeben 
wird, der sieh .von Theilchen zu .TheQchen fort- 
pflanzt, und eben dadurch ein Gertusch. (das erste) 
erzeugt, das bei allmihtiger gneammenrichung we- 
niger laut und gedehnt, bei pldtzlfeher verUltnito- 
• maTsig kurz, laut Und rein ist. Das zweite Ge- 
.; riusch beruht auf einem einfacheren Mechanismus 
und isfe<d*lfc*r auch glejehfitanigerr Wenn die Dia- 
stole eintritt, schiefst nemlieh das Blut mit momen- 
taner Schnelligkeit : aus den Vorkammern in die 
Kammern; «St einem Male wird afcer sein Lauf 
duttjh die VoHenduug der Diastole gehemmt; nun 
tteegtren die, Wandungen der -Kammern gegen die 
Bluttheüchm; und dtaae feariien *edingt des; kurze, 
" helle («weite) ; Geräusch, das Latrmec dem Ge- 
. rausche eines Hundes, der Getrink einschlürft, oder 
dem KheHen der Peitsche, oder dem Klappen eines 
Ventils ähnlich fluid. 

Daft die Vorkamment -zur JDervorbfangung we- 
der des einen hoch des anderen Geräusches etwas 
beitragen, geht aus Hope Versuchen au Eseln 



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111 

T herror, wo man,, wenn sieh die Vorkammern auch 

gar nicht bewegten, doch beide Geräusche Vollkom- 
men gut borte. Auch süro% wenigsten* bei gröfse- 
ren Thidren, die ContracUanea der Atrien zu unbe- 
deutend, um Geräusche zu; erzeugen. Dennoch hört 
man zuweilen während einer Hersrevolütion>3 oder 

; ; 4 Geräusche, NsSn Factum , auf &s wir noch später 
zurückkommen werden. 
1 „.; ' Unmittelbar an die JSbpeHuko Ansieht sehliefst 
sieh die Theorie rtm Pi&mm l ) \ n*ch welchem die 

;. He*zgeräu#flbe ia Folge der Reibung gegen die 
Wände der Ventrikel einestheüs, und gegen die 
Wände, der Arteriae Aorta tund Puhnonalis anderes- 

\ theilm entstehen. Dar Reibung de« Bluter g«gen die 

Ventrikel wände in Folge der Contraetwö dbr Vor- 
kamme« entspräehe o^s dumpte Geräusch, der Rei- 

•:: IniBg demselben gegen die Wände der genannten 
. Arterien, während der Gontractton der Kammern, 
das hatte. «darbte. Wir hrattchfen kaum zu bemer- 
ken, dafr dtoe AwBhmo die OrA^iflg der Aerobe- 
r wegungen umkehrt, in*» es doch jeiit unter allen 

\ ; ; PVsJWogfU ft^emachtei Sache ist, dafo da« dumpfe 

} , ii BerzgeräiiAch und die .: Contraction der Ventrikel 
isochrpn sind, ,, I; , ..; # J: 

Das Priftei^ vorauf ditse Theorien sich stützen, 

i> : i&ffißbtä alfer poÄJÜren Beweise, and so plausibel 

auf den ersten Blick besonders dietfojw'sckt Lehre 

erscheint,. so ist sie doch tiüm »iigüchan Enwür- 

, u : . r **p ansge^tat <V— —•<:;■. ■ .• / - 

-,\: f ,< 3>Thcorie von Ae**nefc , , r . . v- 

i In seiner geistreichen UatogurjdoisaerUtiaa sucht 

M :: Rommt 4m dopp^QiHörigerätiseh du#eh dds Spiel 

- j ) Balle Hn des ^denW' jjggte aes jmblie sbW la dlrection 
deJIr, 1$ barem <fe F&Mmp XXF. *»#; 272. 



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111 



der Klappta jbu erkllwik £as o^, dampfe Ge- 
räusch entsteht bei dem plö^ikfren«^ Awf richten 
. der Anriculo* Ventrieularklappen wafcraafl - ier Sy- 
stole der Kammern, das aweit* durch •uWStofs des 
snr&ekfiieistsfden - Blutes gegen die; bttlbowiidf oran- 
gen Klapptfn, während der Reaetien der Herta und 

'Arteria ptümonaüs gegen Äe filuts&tüe^ 'die sie 

ausdehnt. '- - 

ßas erste €h?rö««c1i 1 sagt Rötiantf, wird im An- 
fange der Kam»ercwftraetion : ge&'ftrty un& dieses 

-.hat zu der Meinung Veranlassung, gegeben, dafs 

. diene Zusamnumziebung selbst die Ursache dessel- 
ben sei Dieses Geröwöeb ist stthrk Int Verhältnisse 
?u «ler Energie der Ven&riket) : ea i&> dumpfer als 
das -erste, weil die^£3äpp*n, dfo es : hervorrufen, 

"breiter, und die Wände, 'die er empfangen,' dicker 
sind. Das 2t*Ser*«ch $st helfe*, iwiil die Klappen 
kleiner; düntlsr, tond au< i*ete fcOHorett Landungen 
befestigt sind;! RoUaMet glai^Mtf^^Ms einStofs, 
« -dem Sinne, -wie man ihn g*w*fttüitii> niftmt, und 
wa das Sich -Begegnen zweier K^rperdäriÄrter ver- 
starideif wird, Mit *e etaägtf Urftifebfe dies Klap- 
pengeriuscbes-ßeL Zahlreiche VewstMfh* bdben ihn 
gelehrt, dafs jede Membran, die aas : 4&n Zustande 

. derStscMa^Mig inde»deHSp*nim*)g pBlzlich über- 
geht, einen 1W h&vorbringt, de* nachsäen Um- 
standen, rewehledc* ist*' unter dem 'Gttäcnfspunkte 
ihres Ba^e» «rid gffel* vereinten dfev Atoriculo- 
Ventricularklappen die günstigsten Bettftguägen, um 
Töne henrosteraMt^ Ste «inA dttnii* Widerstand lei- 
stend, niett sn*k*nbarVin «*tteit Augenblicke ge- 
hen eis aus dar reösttöAgrte» Bifecttnlfung in die 
stärkste Spannung über. Auch hat Roxtanet einen 
direeten Versuch gemacht, um zu beweisen, dafs 
der 2te oder helfe Ton wirklich tob dem 1 Rttckv 



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in 

strömen der Blutsaule gegen die halbmondförmigen 
Kluppen herrühre* 

(»gleich weh dieser Theorie direste und expe- 
rimentelle Beweise fehlen, so fet sie doch nach un- 
sere Meinung diejenige, welche flieh mit dfen phy- 
siologischen nnd de» pathologischen ZusUtoden des 
Organs ajm besten in Ueberemstimmung bringen 
loht In Bezug, auf die eprsteren kt 4s. bekannt, 
daß* das Herz, in Folge der he wundern« werthen An- 
lage seiner Klappen, eine Art doppelt« Pumpwerk 
darstellt, nach Art der gewöhnlichen Pttmptnröhren 
mit % Klappen, von denen die eine betm Aufziehen 
der Pumpenstange das Wasser durchläM, sich aber 
beim Senken der PumpensUnge wiedearum schliefst, 
während die andere sich dem Wasser .ftflhet, die 
sich dagegen heim Wiederaufziehen der Stange 
schliefst und das Zurückfliefsen den scheu geför- 
derten Wassers hindert *). Sieht es nun etwas 
Analogeres als die Gerauscht, die durch das wech- 
selweise Oeflhen und geblieben : der Klappen an 
solchen Pumpwerken erzeugt werden, nnd das Tio- 
Tac des Herzens? *-,... '» .. , 

Was aber die pathologischen Thatsaehen be- 
trinkt, wer kann leugnen, dafti von. allen Krankheits- 
snstanden des Herzens JOappfentöffer dkf enifen sind, 
welche am constfwtesten von Mpdifleatiouen der 
normalen Geräusche begleitet sind? 

Bei den bisher abgehandelten Theorien waren 
die Herstöne als in Herten selber sich entwickelnd 
von den Schriftstellern angenommen werden. Ma- 
gmdiehti sich nun in der neuesten Zbit.dje Frage 
aufgeworfen, ob iiitbt eM*& anfter denl Hetzen lie- 
gendes die Ursache derselben Sein könnte* 



f ) MüUer>* Physiologie, 1. B. 1. Abthetlung* p. Ü3. 

8 



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114 



4) Mmgendfö* Theorie der Herzgerlusche. 
Die Versuche die er um dieses zu ermitteln un- 
ternahm, und die darin bestanden, dafs er bei gr£> 
fseren und kleineren lebenden Söugethieren, später 
bei Vögeln, das Herz dnreh Wegnahme der entspre- 
chenden Brustwand biosiegte, haben ihn zuerst dar- 
über zur Gewifsheit geführt, dafs die Herztone nicht 
hn Inneren des Herzens selbst sieh entwickeln, d. h. 
dafs sie weder durch das gegenseitige Spiel seiner 
verschiedenen Höhlungen, noch von der Einwirkung 
der Herzwandung auf das Blut oder des Blutes auf 
die Herzwandung und Klappen entstehen. „Ich 
Jiegte demnach die Vermuthung, sagt Magendie^ 
dafs die Herztöne durch den wohlbekannten An- 
schlag oder Impuls des Herzens gegen die Wand 
des Thorax erzeugt werden, und ich fand keinen 
physicalischen Grund gegen diese Idee, im Gegen- 
theile schien es mir höchst wahrscheinlich, dafs ein 
Anstols gegen eine so elastische Wand, wie die des 
Thorax, tönend sein müfste." Eine zweite Reihe 
von Versuche« in diesem Sinne angestellt ergab denn 
auch, dafs die Herztöne auf die von Magendie ver- 
muthete Weise erzeugt würden. Eine dritte Reihe 
von Versuchen wurde nun gemacht, um die Ursache 
der Verschiedenheit der beiden Töne zu ermitteln, 
und das Resultat daraus war, dafs der dumpfe Ton 
die Folge des Anprallens der Herzspitze gegen die 
Brustwandung oder des sogenannten battement de 
coeur sei, und dafs der helle Ton durch das Anschla- 
gen der vordem Fliehe des rechten Ventrikels ge- 
gen die hintere Wand der Sternums und die be- 
nachbarte rechte Brustwandung hn Auganblicke der 
Erweiterung des Ventrikels verursacht würde. , In 
Summe also ist der Mechanismus der Herzgeräusche 
nach Magendie folgender: 



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115 

1) Bei ihrer Züsaminenziehung treiben die Ven- 
trikel ans längst bekannten Ursachen die Herzspitze 
gegen die linke vordere Brustwand und erzeugen 
dadurch den ersten oder dumpfen Ton. 

2) Bei Erweiterung der Ventrikel giebt das Herz 
wahrscheinlich durch das plötzliche Eindringen der 
Blutwoge seiner vordem Wandung einen Anstofs 
rechts gegen die Thoraxwandung und das Sternum, 
und erzeugt dadurch den 2ten oder hellen Ton. 

Das Hauptfundametit der Magenäi&hchen Lehre 
ist das Verschwinden der Geräusche, so wie das 
Herz biosgelegt wird, so wie es also nicht mehr 
gegen die Brustwand schlagen kann* Es würde die 
Basis dieser Lehre imtermieiiiren heifsen, wenn man 
nachweisen konnte, dafs die Geräusche fortfahren 
gehört zu werden, trotzdem die das Hera* decken- 
den Theile weggenommen sind. Nun wohlan denn, 
gerade dieses beweisen die von Hope angestellten 
und von BouiUauä wiederholten Magendie^sehen 
Versuche. , 

Bei diesen Versuchen nahm zwar der letztere 
noch ein eigentümliches durch Reibung des Herzens 
gegen das Stethoscop veranlafste Geräusch wahr, 
aber dieses Geräusch war einfach, nicht doppelt wie 
das Tlc-Tae, und liefs sieh mit diesem unter kei- 
ner Bedingung^ verwechseln. Aber selbst von den 
BouüiaMi&nchen Versuchen abstrahirt, so sprechen 
doch gewisse pathologische Thatsachen zu stark 
gegen die Magendie^ehe Lehre, um diese unter- 
schreiben zu können. Ich meine die oben bespro- 
chene Zerlegung der zwei Herzgeräusche in 4, die 
nicht möglich wäre, wenn die Herzgeräusche eine 
andere Quelle als die innerhalb dieses Organs selbst 
gelegene hätten. Denn wenn bei einer Verengerung 
des linken Auriculo - Ventrikulär - Orifieiums z. B. 

8* 



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116 



man tu der Prqeeordialgeg6nd das qrste Geräusch 
normal, statt des 2ten ober, ein FeHengerSasch hört; 
auf der rechten Seite de« Thorax aber das Tic-Tac 
ganz natürlich ist v so, scheint es einleuchtend, dafs 
diese Töne nicht das Resultat des Hersstofses ge- 
gen die BruiiWidung wl&rend der Systole, and des 
fltckstofses hfi der 1 Diastole sein können. Dieser 
doppelte £to!s könnte immer nur. ein doppeltes, nie 
ein 4faches GerSus^ h her« orbringen. 

Bemerkentweith ist es, dafs schon Laiimec, 
voraussehend* dafs die HersgerJtusche einst durch 
den Ansqhlag dieses Organs gegen die Brustwan- 
dnng erklärt werden würden, sieh beeilt hat im 
Voraus diese künftige Lehre zu widerlegen. „Das 
t^&wwh, sagt er, d«6 die. Herzschlage begleitet, 
ist um so stärker, je dünner die Wände der Yen- 
trlkel und je schwächer der Impuls ist. Mau kann 
dasselbe folglich nicht der. Perenssion das Herzens 
gegen die Thorax wand beimessen," 

Fortgesetzte Versuche allein mögen hier ent- 
scheiden, jedes Urtheil mufs so lange suspendirt 
bleiben; wir, unseres Theils, haben nur deshalb uns 
*H> lange bei d$jr Magenditfachcn Lehre verweilt, 
weil dieselbe tbeils wegen ihrer grofsen Einfachheit, 
theils wegen der Erlauchtheit ihres Verfassers höchst 
verführerisch ist *)• 

•j ■ . W. Von dem Rhythmus. der Herzschlage 
." im normalen Zustande. 

Die Ordnung, in der die versphiodenen Afomente 
einer Herzrevolutiou sich felgm und hfaen lassen, ihre 
respoctive Dauer und im 4 A%emetnen ihre Beziehung 



f ) Audi Johannes Müller neigt zu der JUagendüPschen Theo- 
rie hin, wie wi* in einer Unterredung mit ihm zu erfahren Ge- 
legenheit hätte*,, 



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m 

su einander wfrd Rlrytfcraus dchsHeraflrittigkeit ge- 
nannt Um Ton dem Rhythmus feinen klaren Begriff zu 
' geben, wollen wir die Beschreibung enter Herzrevolu- 
tion nathHope miHhea k n ^ wie er sie am dem biosgeleg- 
ten Herzen eines Esel*, dessen Blutumlauf künstlich 
verlangeamert war, uaad 4em man Laut in die Trachea 
einbfiefs, beobachtet hart. „Die «rate Bewegung des 
Herzens, die man nach der Rohe s*efct> ist die Sy- 
stole (der Vorkammern und augenhHrirlich darauf 
die der Kammern, oder vielmehr tpa* sieht eine 
kleine zusammenziehende Bewegung mil sehr unbe- 
deutender Verminderung des Volumens in der Vor- 
kammer ihren Anfang nehmen, und sich schnell 
nach der Kammer hin wurihformig verbreiten. Das 
Auge kann dieser Bewegung leicht folgen* *und es 
scheint dieselbe^ nicht sowohl aus 2 auf «Inander 
folgenden Abschnitten zu bestehen, als vielmehr eine 
einzige, fortgesetzte Thätigkeit zu sein. &ie Zu? 
sammensiehung der Kammern besteht aus einem 
plötzlichen Ruck, welcher mit dem er sten ; Geräusche 
und dem Pulse zusammenfällt. Nach einer Pause, 
an Länge der zwischen dem lsten und Stent Herz- 
geräusche gleich, folgt, auf die Zusainiaenziehung 
eine ptttzliche, schnellende Wiedefausdehoung oder 
Diastole welche den Körper der Kammer ztehr als 
die vorangegangene Systole zu liehen JMheiai, Und 
mit dem 2ten, hellen Geräusche zniammetrf&tlt Nun 
folgt eine Pause, Während weicher (d. h* vom Schlüsse 
der Diastole an bis zum Anfange der fcusammenzie- 
hung der Kammern) die Ventrikel gefüllt bleiben. 
Nach dieser Pause fängt mit der voUkoaamensten 
Regelmäfsigkeit die Reihe der angegebenen Bewe- 
gungen wieder an."' Die Zahl der Kammereontrac- 
tionen Und folglich auch der übrigen Tempos, die 
eine Totalaction des Herzens darstellen, betragt beim 



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118 



gefunden und erwachsenen Menschen 60 bis 72 in 
der Minute, 3600 bis 4320 in der Stunde, und 86100 
bis 103,680 während eines Tages. 

Die respective Dauer eines jeden Tempos ist 
fölgendermafsen von LaSnnec dargestellt worden. 
Die Systole der Kammern nimmt ungefähr die Hälfte 
von der Gesammtdauer einer Herzrevolution ein, 
die Systole der Vorkammern ungefihr ein Viertheil, 
das andere Viertheil ist der Ruhe gewidmet Dar- 
aus folgt, daft auf 24 Stunden die Ventrikel 12 Stun- 
den, die Vorkammern 18 Stunden Ruhe geniefsen 
{wenn es erlaubt ist, bei den organischen Functio- 
nen von Ruhe und Thätigke&t zu reden). Bei die- 
ser Rechnung wird angenommen, dafs aueh die Dia- 
stole für die Ventrikel ein Moment der Ruhe sei, 
sonst würden die letzteren nur 6 Stunden auf 24 
ruhen. Hope weicht hierbei noch insofern von 
La&nnec ab, als er d|e Ruhe für die Vorkammern 
•der für die Kammern gleichstellt Aueh hat La€n- 
nee in seiner Berechnung vergessen, die kleine Pause 
zwischen Systole und Diastole der Ventrikel in An- 
schlag zu bringen. 

Dafs alle die Umstände, welche, wie wir gese- 
sehen haben, beim gesunden Menschen den Impuls 
und die Geräusche modifieiren, auch sieh so in Be- 
zug auf den Rhythmus verhalten, versteht sieh von 
selbst Wie oft hat nicht der Arzt Gelegenheit 
Störungen im Rhythmus der Pulsschläge bei nervö- 
ser Stimmung, geistiger Aufregung, moraL Affecten 
aller Art, ja in Folge seines eignen Erscheinens 
wahrzunehmen ! Wie sich der Rhy thnrus bei Krank- 
heiten des Organs verhalte, wird im folgenden Ab- 
x schnitte gezeigt werden. ' 



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119 



§ 15. 

ThaUgkeit des Herzens im anormalen Zustande. 

I. Anomalien im Rhythmus. 
Es ist bekannt, welchen* Einfluß idiopathische und 
sympathische Krankheitszustände des Herzens auf die Zahl 
seiner Schläge in einer gegebenen Zeit ausüben. Es ist 
bekannt, d&fs bei Pericarditis und Endocarditis, bei gewis- 
sen fieberhaften Krankheiten, die ihren Sitz nicht unmit- 
telbar im Herzen haben, qich die Zahl de)* Herzschläge zu 
140 — 150 in der Minute steigern kann, während umgekehrt 
Krankheiten des Gehirns sie zuweilen auf 40 und darunter 
reduciren. Bekannt ist auch die Wirkung, die in dieser 
Beziehung die Digitalis auf das Herz ausübt Sehr selten 
finden diese Extreme der Beschleunigung oder dcfs Ver- 
langsamerns der Herzschläge statt, ohne dafls nicht ihr 
Rhythmus zu gleicher Zeit getrübt wäre. Die Dauer der 
beiden Herzpausen wird natürlich durch die Frequenz der 
Schläge vermindert, während <Ue Verlangsamerung sie 
wachsen läfst 

Die Dauer eines einzelnen Tempos kann im Verhält- 
nisse zu der ganzen Herzrevolution zu kurz oder zu lang 
sein; so ist z. B., wenn es den Ventrikeln schwer wird, 
das Blut durch ein verengertes, arterielles Ctrificium zu 
treiben, die Systole anormal lang. 

In Bezug auf die Ordnung, in der sich die Herzschläge 
folgen, sind die Anomalien verschieden. 
a) Aussetzender Herzschlag. 

Naeh einer gewissen Anzahl von Schlägen hält das 
Herz plötzlich inne und ruht während einer Zeit, die ge- 
wöhnlich der Dauer eines Herzschlages gleich kommt. 
Die Zahl solcher Intermittenzen in einer gegebenen Zeit 
kann sehr verschieden sein. Der aussetzende Herzschlag 



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190 < 

ist ein regelmäfsig aussetzender oder ein unregelmä- 
fsig aussetzender; im enteren Falle sind die Schläge, die 
die einzelnen Intermittenzen trennen, an Zahl sich gleich. 
haBfmec unterschied auch noch die wahre Intermittenz 
der Herzschläge von der scheinbaren; bei der ersteren 
ist wirklieh die Contraction der Ventrfytel suspendirt, bei 
der letzteren ist sie nur in dem Grade geschwächt, dafs 
der Arterienpuls nicht mehr fühlbar ist, .woraus folgt, 
dafs die Untersuchung des letzteren allein nicht hinreicht, 
eine wahre von einer falschen Intermittenz zu unter- 
scheiden. 

BouiOaud 1 ) macht auf eine eigne Art der falschen 
Intermittenz aufknerksam, die das für das Herz sein soll, 
was für den Fufs ein Fehltritt ist. Wenn nämlich der 
linke Ventrikel, in dem dieses Phaenomen gewöhnlich 
wahrgenommen wird, sich während der Diastole nicht ge- 
hörig mit Blut füllen konnte (ein Umstand, der durch 
die Verengerung des linken Auriculo-Ventricular-Orifi- 
ciums häufig herbeigeführt wird), so contrahirt er sich ohne 
Blut, oder doch ohne die hinreichende Menge Blut auszu- 
stoßen, es ist eine leere Contraction (Contraction 
ä vide). 

b) Unregelmäfsiger Herzschlag. 

Die Schläge folgen sich in Pausen von ungleicher 
Dauer, und sind dabei bald Ton gleicher, bald von un- 
gleicher Stärke. Der ungleiche Puls ist gewöhnlich zu 
gleicher Zeit ein intermittirender. Ein solcher Puls, der 
von dem Umstürze aller Gesetze zeugt, die auf eine so 
bewundernswerthe Weise die Herzmaschine regieren, wird 
passend der delirirende Puls genannt, denn gewisser- 
mafsen ist er das für die Functionen des Herzens, was 
das Delirium, die Geistesverwirrung für' die des Gehirns 
ist. Die Unregelmäfsigkeit der Herzschläge kann nun der 



'«} Conf. o. c. Vol. 1. pag, 141. 



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131 

Art sein, dafs nicht eine unregelmäftige Serstoveltftion 
der 'andern gleicht, oder es eeigt sieh noch eine Spur von 
Gesetzlichkeit, in so fem alle Unregelmässigkeiten aieh auf 
eine regelmäfsige Weise folgen. 

Bei dieser ävfsersten UnregelmaTgigkeit trifft es sich 
anch, dafo auf eine Contraction der Ventrikeln 2 oder 
3 Dilatationen kommen, oder umgekehrt/ auf eine Diastole 
mehrere Zusammensetzungen. Es sind auch Fälle der 
Art, w>o man deutlich 4ie Contraction der Vorhöfe in ein- 
fachem oder mehrfachem Schlage hören kann. 

So geschieht es, dafs, während eine vollständige Herz- 
revolution aus 2 Bewegungen und 2 Pausen bestehen soll, 
manchmal 3, ja 4 Pausen und eben so viele Bewegungen 
dieselbe bilden. 

Die Krankheitszustände, nuter derem Einflüsse der 
Rhythmus des Herzens besondere Beeinträchtigung erlei- 
det, sind nun theils vitaler, nervöser Natur, theils sind es 
acute oder chronische Störungen der Organisation, wie 
PericardHis, Endocardttis, vorsugsweise aber Verengerun- 
, gen der Hersorificien, durch Klappenfehler bedingt. 

Auch bei einigen Unter leib skrankheiten wird derRhyth* 
mus des Herzens vorübergehend auf eine merkbare Art ge- 
stört, doch nicht in dem Grade und in der Häufigkeit, wie es 
die Alten, e. B. Bor dm, Fouquet wollten. Man hat alle 
jene, übertriebenen Ideen von der verschiedenen musicali- 
schen Notirung des Rhythmus nach den verschiedenen 
Krankheiten aufgegeben, und die Bezeichnung des €epha» 
lischen-, Brust- und Bauchpulses skid heilt zu Tage be- 
deutungslos. Bei gewissen Menschen beobachtet man von 
früher Jugend an üregelmafsigkeiten im Pulse, die «hier 
gewissen besonderen Modifieation in dem Baue des Her- 
zens Angeschrieben werden müssen, welche seihst die 
Autopsie nicht immer nachweist Sind solche Leute krank, , 
haben sie Fieber, so wird suweüen für die Sauer der 
Krankheit der Puls regelmäfsige mit beginnender Recon- 



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IM 

valeecens fangt die Störung im Rhythmus wieder an. 
He Hain hat Falle der Art angefahrt und Chomel hat sie 
in der neuesten Zeit bestätigt gefunden, 
jt - Anomalien im Herzschlage. 

Wie sehen gesagt worden, so ist der Impuls des Her- 
zens, der durch die Ocular-Inspection, die Hand und das 
Ohr wahrgenommen wird, das Mafs für die Kraft der 
Herzschlage. Dieser Impuls kann nun dem Mehr oder 
Weniger seiner Stirke nach unendlich verschieden sein* 
Es gieht Fälle, wo die sorgfältigste Untersuchung keinen 
Herzschlag entdecken läfst; es gieht Fille, wo im Gegen- 
theile die Herzschlage so heftig sind, daß* sie wie Ham- 
merschlage fallen und nicht allein die Praecordiajgegend, 
sondern den ganzen Thorax, den Kopf, den Stamm, die 
Kleider und die Bedeckungen des Kranken erschittern. 
In letzterem Falle sind die Herzschläge auch gewöhnlich 
frequenter, und erhalten den Namen der Palpitationen. 

In der grofsen Hehrzahl der Falle wird der Herzim- 
puls nur in dem Augenblicke der Kammersystole gefühlt, 
er ist ein einziger, einfacher, nicht doppelt, wie 
die Herzgeräusche. Dem ist nicht so in allen Fallen, und 
es läfst sich rermuthen, dafs ron Tag zu Tag die Zahl 
der Beobachtungen wachsen wird, wo ein doppelter 
Herzschlag, in Folge eines 2ten, obwohl unbedeuten- 
deren Stofses der Kammern gegen die Brustwand wäh- 
rend der Diastole wahrgenommen würde. Ohne beson- 
ders aufmerksam auf dieses Phaenomen zn sein, habe ich 
es doch mehrere Male bei Kranken mit .Klappenfehlern 
beobachtet, so auffallend trat es hervor; bei einem Kranken 
reichte das blofse Auge hin, es zu erkennen. Seltener 
und noch wunderbarer ist dieses Phaenomen, wenn, wie 
mehrere Fälle bekannt geworden, auf einen Impuls der 
Systole, zwei entsprechende Stöfse der Diastole kommen. 

Die Systole der Vorkammern, die im normalen Zu- 
stande Ton keinem Impulse gegen die Brustwand beglei- 



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133 

tot wird, ist es doch zuweilen krankhafter Weise. Latn- 
mec wufste dieses schon sehr gut, und suchte in der ihm so 
eigentümlich feinen Weise diesen Impuls von dem der 
Kainmern zu unterscheiden: „Wenn die Contraction der 
Vorkammern, sagt er, auch in einigen seltenen Fällen ein 
dem Impulse der Ventrikel während der Systole analo- 
ges Phaenomen hervorbringt, so ist es doch leicht, beide 
von einander zu unterscheiden. In der That ist die Be- 
wegung, wenn die Systole der Vorkammern von einer 
solchen J>pgleitet wird, ¥iel tiefer, es scheint selbst, dafs 
in diesem Fidle das Herz sich vom Ohre entfernt." Bouil- 
toud erzählt ein merkwürdiges Beispiel von ungeheuerer 
Hypertrophie des Herzens mit Induration der Mitralklappe, 
wo man deutlich sehen konnte, wie der linken Ober- 
Brustwarzengegend, ungefähr ein Zoll unter dem linken 
Schlüsselbeine (in dem 2ten und 3ten Zwischenrippen- 
raume), eine Impulsbewegung mitgetbeilt wurde. Diese 
Bewegung, die nur der erweiterten und hypertrophirten 
linken Vorkammer zugeschrieben werden konnte (die 
Schläge der Kammern liefsen sich 2 Zoll tiefer wahrneh- 
men), alternirte mit einer anderen, der Diastole enfn 
sprechenden. Die .doppelte Wellenbewegung glich voll- 
kommen der, die an. den Vorkammern des biosgelegten 
Herzens wahrgenommen wird. 

Heftige und stürmische Herzschlage veranlassen o/t, 
wenn sie permanent sind, wie bei den grofsen Hypertro- 
phien, eine sehr auffällende Wölbung der Praecordial- 
gegend. Fälle der Art habe ich oftmals gesehen, und 
jetzt eben liegt ein Exemplar mir vor, das Herr Doctor 
Moser mir zuzuschicken die Güte hatte. 

Dafs die Hypertrophie und die Atrophie des Herzens . 
diejenigen Krankheitszustände sind, welche den größten 
Einflufs auf die permanente Steigerung und Abnahme des 
Herzimpulses an Intensität ausüben, läfst sich schon a 
priori annehmen. Aber wie grofs ist nicht die Zahl der 



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124 

Bedingungen, die, ohne dafs jene Zustande oder andere, 
organische Störungen vorhanden wären, den Herzschlag, 
wenn auch nur periodisch stärker und schwacher werden 
lassen. Heine Nervenübel, Gemüthsaffecte," heftige Bewe- 
gungen durch Steigen, Laufen bedingt, Fieber, Entzündung 
kennen eben so viele Ursachen der vermehrten Kraft de» 
Herzimpuises werden. Es bedarf aber auch nicht immer 
einer Verdünnung der Wandungen oder einer Erweichung 
der Mnskelsubstanz des Herzens, um den Grad dieser 
Kraft herabzusetzen. In den letzten 3 oder 4 Tqgen vor 
dem Tode hat manchmal das Herz ganz aufgehört sm 
schlagen, obgleich die Geräusche noch hörbar sind; zu* 
weilen findet man dann allerdings die Wandungen die* 
ses Organs erweicht, matschig, zuweilen aber auch ist 
keine Spur einer Anomalie zu entdecken. 

Von der anderen Seite, wie grofs ist nicht die Zahl 
der Herz-Hypertrophieen, die während des Lehens durch- 
aus von keiner Vermehrung des Impulses begleitet wer- 
den! „Mehr ab einmal," sagt Jmdrtd^ „haben wir in 
Fällen, wo mit der Erweiterung ihrer Höhlen die Wände 
sehr verdickt gefunden wurden, während desLebens keine 
Art von Impuls wahrgenommen. In anderen Fallen, wo 
die Secöon eine einfache Hypertrophie &e9 linken Ventri« 
kell mit grofser Verminderung seines Lumens (Concentrin 
sehe Hypertrophie von Berti* und Böuükmd) nachwies, 
war gleichfalls die Stärke der Herzschläge nicht sehr 
merkbar. Es seheint also, dafs, um diese hervortreten zu 
lassen, noch andere Bedingungen vorhanden sein müssen, 
als die blofse Verdickung der Her* wände; et bedarf dazu 
auch noch eines gewissen Grades von Energie, mit der sich 
die Fasern zusammenziehen müssen; diese letztere Bedingung 
ist «her nicht immer die nothwendige Folge der Zunahme 
des Muskels an Dicke. Dieses Ist so wahr, dals blofse 
Palpitationen hei nervösen und plethorischen Individuen, 
Palpitationen, die von jeder organischen Stttrong des 



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125 

Herzens, unabhängig sind, dennoch zuweilen starke Hers» 
schlüge veranlassen, die mit den Palpitationen aufhüben» 
Ja es giebt sogar fälle ron wahrhafter Hypertrophie, in 
denen der Impuls nur in größeren oder geringeren Inter» 
Valien auftritt, entweder ohne alle auaflndfaare Ursache* 
oder in Folge eine» Fehlers in der Di&t, stürmisch ange- 
wendeten Reizmittel etc. ' 

Die physiologische Action des Herzens wird einzig 
nnd allein in der Herzgegend, d* b* in dem Räume wahr- 
genommen, welcher sich zwischen den Knorpeln, der 4ten 
und 7ten Rippe linkerseits und am unteren Ende des 
Brastbein* befindet Der Lage nach entspricht dem erstr 
genannten Orte der linke, dem letztgenannten der reckte 
Ventrikel« Ob aber, wie La&mee behauptet, die t Bewe- 
gungen der linken Höhle vorzüglich an der ersten Stellet, 
die der rechten an der letzteren bemerkbar werden, obj 
wie er noch kühner schliefet, wenn blas eine Seite des 
Herzens krank ist, die Herzschlage an diesen beiden Stel- 
lisn immer öden andt nun in der Mehrzahl der Fälle ganz 
verschiedene Resultate geben* lfifst sich; nach dem heuti*» 
gen Standpunkte unserer Erfahrungen durchaus noch nicht 
mit Gewifsheit bestimmen. Das Doppölgeräusch des Her- 
zens, von dem es doch so ziemlich gewifs ist, dafs es je* 
dem der Ventrikel besonders angehört, dafs also eigemV 
Hrh zwei Doppelgerlmsche vorhanden sind, wird dem Ohre 
des Beobachters normalerweise nur in Masse: dargeboten, 
man Äört nur ein.DoppelgerSnseb, weil .Zeit und Orfc, 
wann und wo diese Pbaenomene erzeugt werden, imJfati» 
nttdzustande unseren: Sännen nicht <gertatten r eine Untere 
Scheidung hierbei: zu machen. . Um wie viel weniger wird 
diese» «her in Bezug; auf den* Impuls gestattet, sein, da es 
doch nicht einmal ausgemacht ist, ob und welchen An- 
theil der rechte Ventrikel) an dem .Herzstofse* hat, da f er* 
neT, um nur den krankhaften Zustand zu berücksichtigen, 
wir noch so wemi& wissen, wie das. Her«, bei der Hyperr 



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126 

trophie, der Atrophie seine läge verändert, worauf et 
doch hier besonders ankommt 

Auch werfen die Schriftsteller gar zu häufig Impuls 
und Geräusche zusammen, und manchmal nicht mit Un- 
recht', denn es kommen Fälle vor, wo man wahrlich nicht 
weifs, ob das, was das Ohr oder die Hand empfindet, ein 
Geräusch oder ein Schlag ist So paradox dieses auch • 
erscheinen mag, so wird es doch gewifs der verstehen, 
der viele Herzkranke beobachtet hat Anäral sagt in dem 
Capitel über den Impuls des Herzens: „Zuweilen ist eine 
sehr merkbare Differenz zwischen den beiden Seiten des 
Herzens in Bezug auf den Impuls, welcher die Oontrac* 
tionen der Ventrikel begleitet, und die Geräusche vorhan- 
den; auch zeigt das Bestehen des einen oder des anderen ' 
dieser Phaenomene in der Praecordialgegend, unten am 
Sternum oder selbst in dem Epigastrium oft an, ob die 
organische Störung in der linken oder in der rechten Herz- 
hälfte ihren Sitz hat Dieses tritt besonders hervor, wenn 
in der Praecordialgegend das Herz kaum gehört wird, 
während ganz unten am Sternum oder am*Schwerdtknor» 
Jiel, wo im physiologischen Zustande die Herzschläge 
kaum fühlbar sind, sie kräftig und» geräuschvoll sich zu ' 
erkennen geben. Einer der schönsten Fälle der Art, den 
ich beobachtet habe, ist der eines Menschen, bei dem ein* 
ungeheuere Dilatation des* rechten Vorhofes mit beginnen- 
der Hypertrophie seiner Wandungen, sonst keine andere 
organische Veränderung des Herzens statt hatte. Wurde 
die Hand auf die verschiedenen Stelleo des Thorax ge- 
legt, so liefs sie nichts Ungewöhnliches in den Herzschlä- 
gen erkennen, auscultirte man, so waren dieselben in der 
Herzgegend ganz normal, man hörte sie nicht unter der 
linken Clavicula, aber am unteren Theile des Sternunis 
liefe sich bei jeder Oontraction des Herzens, die hier AM* 
barer war als irgendwo anders, ein eigenthtimlkhes, dem 
Klappen eines Vehtifi vergleichbares Geräusch vernehmen." 



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12J 

Wer hätte nun, trage ich, hier während des Lebens nicht 
an den rechten Ventrikel gedacht, dessen Lage so sehr 
mit der Stelle übereinstimmte, wo man den stärkeren Im* 
pnls und das Geräusch hörte. Oh das, Herz aber, in die* 
sem Falle seine Lage verändert hatte, sagt Andral nicht. 
EUL Von der Verbreitung des Herzschlages im 
anormalen Znstande. 
Was sich Allgemeines hierüber sagen läfst, ist zum 
Theil schon im Abschnitte über die Verbreitung des Herz- . 
.Schlages im normalen Znstande gesagt worden. Die Sphäre 
des Herzimpfulses ist, wie wir gesehen haben, der Grofse 
des Organs proportionirt, ein kleines Herz ist nur in einem 
kleinen Räume fühlbar, ein größtes läfst den Stofs in 
einer gröfseren Ausdehnung wahrnehmen. Aber die Ver- 
breitung des Herschlages steht auch in einem gewissen 
Verhältnisse zn dem Grade .der Action; ein Herz, das 
schwach und ruhig pulsirt, hat eine weniger extensiv© 
Sphäre des Impulses als ein schnell und heftig agirendes. 
Sind die Wandungen des Herzens verdickt, ohne dafs die 
Höhlen in demselben Verhältnisse eine Erweiterung erlit- 
ten haben, so ist die Sphäre des Impulses kaum über <üV 
gewöhnlichen Grenzen hinaus verbreitet; findet dagegen, 
eine Combination der Hypertrophie mit der Dilatation statt, 
so ist oft unter den Schlüsselbeinen beider Seiten, ja, in 
seltenen Fällen, an der Rückenwand der Brust der Impuls 
fühlbar. 

Der Impuls kann über seine natürlichen Grenzen hin* 
aus durch Ortsveränderungen des Herzens verbreitet wer- 
den, oder bwser, der natürliche Impuls hat dann seine 
Lage gewechselt. Solche Lagenveränderung kann ange- 
boren, oder sie kann erst durch Krankheit erwtorben sein. 
Wie eine Veränderung in der Dichtigkeit der das Herz 
umgehenden Organe auf die Fertieittmg des Impulses so 
wie der Herzgeränsehe wirkt, ist schon oben angeführt 
worden; Adhaesionen der Lungen im der Rippenwand 



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198 

werden immer das* beitragen, den Ton beiger forfcnüetten. 
Ist das Perkardium mit dem Herzen verwachsen, so wirf 
ebenfalls dadurch der Impuls Ja einer, grdfseren Ansdeb» 
nnftg fühlbar, aber diese« geschieht dann auf eine andere 
Weise als durch blofseFortleitang. In diesem Falle näm» 
lieh setzt jede Herzaotien alle Theüe in Bewegung, mit 
denen das Pericardium im natürlichen Znstande verbun- 
den ist; sind diese oder die unterliegenden Thetle dann 
■nHUig durch eine der Vorgenannten Ursachen verdichtet, 
so kann der Herzschlag auf allen Punkten jdes Brust* 
kastekis fühlbar sein« * Ein Ähnliches Resultat fuhrt aber ' 
auch die entgegengesetzte Bedingung des Herzbeutels hefr- 
bei. Ist nämlich dieser Sack durch Flüssigkeiten sehr 
ausgedehnt, wie in der chronischen PericardHis, so pflan» 
■an sieb die tumultuarischen Bewe g ungen des* in dieser 
Massigkeit lese sehwebenden oder schwimmenden Organs 
meistentheils über di£ v gewöhnlichen Grenzen hinaus fort, 
Zuwetleit ist der Herzschlag über die Grenzen des Brust- 
kasten*' hinaus verbreitet; dieses findet z, B. in den Fal- 
len statt, wo die sehr vertrauerte Leber in dag Gebiet 
des Thorax Eingriffe gemach*, und - mit dem Herzen in 
nähere Berührung gekommen ist. Bisen der merkwür» 
dtgsten Fätte in dieser und in noch vielen anderen Bezie- 
hungen* auf den wir Tiefieicht spiter wieder zurückkam*» 
man (wams nämhch der Kranke gestorben sein wird), hat 
jetzt unser geschätzter College Herr Doctor Kunde in sei- 
ner Behandhing. fs* ist nämlich ein Mann von einigen 
6§ Jahren, dessen Leber schon früherhin das schwache 
Organ, das point de mire aller Krankheitsursachen gewesen 
■u sein seheint, und bei dem sie sieb' jetzt in Folge einer 
acuten Entzündung abscedirt, und zwar so abscedirt hat, 
daf» <üe' Entleerung; de« Eiters durch die rechte Lunge in 
Kolge der Perforation des Zwergfells und der Contmuni* 
catkm, die sieh -zwischen beiden Organen nothwendige^ 
weis© gebildet' haben mufii, von stalten geht» ßei diesem 



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120 

in so hohem Grade merkwürdigen Kranken hört man nun 
in der Lebergegend, d. h. unter den falschen Rippen der 
rechten Seite, nicht allein das mit Zellenathmen vermischte 
Gurgelrasseln von Zeit zu Zeit, man vernimmt nicht allein 
die Herztöne ziemlich laut, sondern es empfängt a.ueh das 
mit oder ohne Stethoscqp an die Lebergegend angelegte 
Ohr bei jeder Contraction der Ventrikel einen schwachen 
Impuls. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dafs hier aufcer 
der Communicatioq zwischen Lunge und Leber noch Ver- 
dichtung der ganzen rechten Lunge gefunden wird. 

Es ist hier zugleich der Ort, von einem Phpenomej^ 
zu sprechen, das eben so häufig vorkommend als merkt 
wilrdig ist, wir meinen dps Katzeuschwirren (Fr£- 
jnissement cataire). Corvieart l ) bat es zuerst beobachtet 
lind es den ersten Rang unter denjenigen Zeichen etnneb* 
men lassen, die die Verengerung eines Orificiums des lin; 
*ken Herzens andeuten. Er schildert es als ein schwer zu 
beschreibendes , vermittelst der auf die PraecorcÜalgegend 
aufgelegten Hand fühlbares ]$ausihen, das auch dem 
Finger, der die Arteria radialis untersucht, obwohl npp- 
der deutlich, sieh zu erkennen giebt. Laünmec vergleicht 
es dem Gefühle, das der auf dem Rückqp einer Katze ru- 
henden Hand mitgetheüt wird, wenn dieselbe jenes Wohl- 
wollen bezeichnende Knurre^ hören labt, oder der Empfin- 
dung, wann eine scharfe Borste üb*x den Teller einer mit 
eipera Handschuhe bekleideten Hand weggeführt wird« 
4m passendsten scheint es fywfllgpd mit der Empfindung 
in der Hand verglichen Vf habe«, wepn dieselbe auf dem 
Kehlkopfe eine^ Iput sprechenden manschen ruht. Merk- 
würdig ist es, dafs jCor warf das Katzensch wirren für die 
kleineren Arterien, wie ,z. B. die Radialis constatirt, da- 
gegen an den gröberen, wo es doch häufiger anzutreffen 
und leichter aufzufassen ist, vollkommen übersehen hat. 



1 ) Corvwart JBssai sur les maladies da eoeur etc. pag. 240. 

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130 

Doch ist das Schwirren der Arterien ganz unabhängig 
von dem des Herzens, und umgekehrt, obwohl beide häufig 
zu gleicher Zeit vorkommen. Die Arterien, an denen das 
Katzenschwirren am häufigsten beobachtet wird, sind, die 
Carotiden, die Subdaviae, die Brachiales und durales, 
seltener die auf- und absteigende Aorta. An den kleine- 
ren Arterien, wie an der Radialis, ist es sehr schwer 
wahrzunehmen; doch ist das so oft vorkommende Vibri- 
ren der Arterien nichts anderes, als ein geringer Grad 
dieses Schwirrens. Auch ist das Schwirren der Arterien 
nicht 'selten von einem Schnarchen begleitet, von dem 
später noch die Rede sein wird. 

Corvisart leitet, wie schon früher gesagt worden, die- 
ses Phaenomen, insofern es das Herz betrifft, von den 
Schwierigkeiten ab, die das Blut beim Durchgange durch 
ein verengertes Orificium zu überwinden hat. Laännec 
kommt darin mit ihm Überein, nur fügt er hinzu, dafs er 
häufig das Katzenschwirren da angetroffen habe, wo nach 
dem Tode gar kein organisches Leiden des Herzens vor* 
gefunden wurde. Dieses ist auch ganz gegründet nnd 
viel fehlt noch, dafs man über die Ursachen des Katzen- 
schwirrens hinlängliche Aufklärung hätte. BouilfaucTs 
Erklärung, nach welcher das Katzenschwirren in der Herz- 
gegend in allen den Krankheitszuständen hervortreten soH, 
die eine Reibung entweder im Inneren des Organs oder 
zwischen dem Herzbeutel und dem. Herzen bedingen, ist 
für viele Fälle passend, obwohl nicht ausreichend. Am 
häufigsten bietet sich allerdings dieses Phaenomen bei 
Krankheiten der Herzorificien , bei Klappenkrankheiten 
dar, aber wie oft habe ich es nicht bei der acuten Peri- 
carditis, und bei der Verwachsung des Herzbeutels mit 
dem Herzen in Folge der Pericarditis beobachtet! 



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131 

IV. Von den Modificationen der normalen Ge- 
räusche in den Krankheitszuständen des 
Herzens. 

So wie der Mechanismus der Entstehung der norma- 
len Herzgeräusche Gegenstand der gröTsten Controyerse 
geworden ist, so findet dieses in noch viel höherem Grade 
hei den anormalen Geräuschen statt Es leuchtet ein, dafs, 
je nachdem man sich als Anhänger der einen oder der 
anderen Theorie bekennt, man bemüht sein wird, auch 
die Anomalien nach der einen oder der anderen Ausle- 
gungsweise zu deuten. Positive, physicalische Beweise 
mangeln aber auch hier, wie bei den auf die normalen 
Geräusche sich beziehenden Theorien. Wir denken da- 
her, dem Leser nicht zu viel zu entziehen, wenn wir 
uns auf die Thatsachen allein beschränken. Wir sprechen 
zuerst von den Modificationen der normalen Herzgeräusche 
in Bezug auf ihre Intensität, ihre Tonart, ihr Metall, dann 
von den Aftergeräuschen. 

1) Modificationen der normalen Herzgeräusche hin- 
sichts ihrer Intensität, ihrer Tonart, ihres Metalls. 

Die Abstufungen in der Intensität der Herzgeräusche 
sind ^ausserordentlich zahlreich. Nur eigene Erfahrung 
kann hierüber hinreichend belehren. Es giebt Fälle, wo 
diese Geräusche so schwach, so dunkel sind, dafs das 
geübteste Ohr sie kaum vernimmt. Im Gegentheile kann 
ihre Stärke so anwachsen, dafs man sie in einiger Ent- 
fernung von der Brust hört 

Mit der Zu- oder Abnahme der Herzgeräusche an 
Stärke ist ihre Zu- oder Abnahme an Klarheit, an Hell- 
tönigkeit, wenn man sich so ausdrücken darf, nicht 
zu verwechseln, obwohl beide Modificationen gewöhnlich 
gleichen Schritt halten. Im Allgemeinen nämlich tönen 
die Geräusche um so heller, je intensiver sie sind, ihre 
Tonart ist dann eine höhere; schwache Geräusche sind 
immer dumpfer. In Bezug auf das Metall endlich sind 

9* 



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132 

die Geräusche tönend, oder sie sind trocken, so z. B. 
der Pergamentton (bruit de parehemin), wobei es 
scheint, als ob zwei Pergamentblätter auf einander träfen, 
der raube, heisere Herzton etc. Dafii es schwerer 
halte, diese Modificationen mit Worten zu beschreiben, als 
sie wiederzuerkennen, wenn man sie einmal gehört hat, 
bedarf kaum der Erwähnung. / 

Hit welchen organischen Veränderungen des Herzens 
fallen nun diese Modificationen zusammen 1 Im Allge- 
meinen sind die Geräusche um so schwächer und 
dumpfer, je dicker die Wandungen und je enger 
die Höhleil des Herzens sind, und vice versa. 

Im Allgemeinen steht auch die Helligkeit des 
Tons mit der Intensität desselben in geradem 
Verhältnisse. 

Ob nun unter diesen Umständen die Geräusche des- 
halb schwächer und dumpfer sind, weil die verdickten 
Kammerwandungen den Schall nicht durchziehen fassen, 
oder deshalb, weil die Verdickung der Wandungen aueji 
immer eine Verdickung der Klappen bedingt, läfst sich 
bei dem heutigen Stande unseres Wissens nicht ent- 
scheiden. 

, Den Pergamenttott hat man mit einer hypertrophi- 
schen Verdickung und Starrheit der linken Klappen, und 
.Torzugsweise der Mitralklappe coincidlren sehen; das hei- 
sere, rauhe, halb blasende Geräusch dagegen mit einer 
«ch wammigen, schlaffen Beschaffenheit Oder Auftreibung 
4er Klappen. Von der höchsten Wichtigkeit wäre es, zu 
wissen, ob, wie Boitittaüd behauptet, bei Klappenkmnk- 
heiten die Hersgeräusche so lange als solche vorhanden 
sind, und nicht durch Aftergeräusche ersetzt werden, als 
noch die Klappen im Stande sind , sich zu heben und zn 
senken, vorausgesetzt, daDi keine Compücation stattfindet 
Verdächtig ist dieser Ausspruch aus dem Munde Bmrii- 



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183 

AicfcPs, der .bekanntlich ein Anhänger der Rouanefgchm 
Lehre von den Herzgeräuschen ist 

2) Ton den Aftergeräuscben des Herzens. 

Statt des einen oder statt beider Herzgeräusche kön- 
nen im krankhaften Zustande dieses Organs 1 oder 2 oder 
noch mehr als 2 Aftergeräusche vernommen werden, oder 
diese letzteren hegleiten nur die normalen Herztöne und 
maskiren sie mehr oder weniger. LaSnneo begriff die 
Aftergeräusche unter der generisehen Benennung des Bla- 
sebalggeräusches (bruit de soufflet), und betrachtete 
als Unterarten desselben das Säge-, das Raspel- und 
das Feilengeräusch, (bruit de seie, de rape, de lime & 
bois). Bas musicalische' Pfeifen (bruit de soufflet 
niusical on Sibilant) hat er zwar auch gekannt und es 
sogar in Noten gesetzt, aber nur in sofern es die Arte- 
rien betrifft. Dafs auch das Herz in manchen normwidri- 
gen Zuständen jene musicalischen Töne hervorbringen 
könne, die so täuschend den Gesang oder das Zwitschern 
gewisser Vögel nachahmen, hat er nicht angeführt, obgleich 
dieses Phaenomen doch nicht so gar selten vorkommt. 
Das musicalische Pfeifen des Herzens ist aber merkbar 
von dem der Arterien verschieden; es ist nicht continuir- 
lich wie das letztere, sondern intermittirend nach dem 
Typus der Herzschläge. 

Es wäre überflüssig das Blasebalg-, Raspel-, Feilen- 
nnd Sägegeräusch zu beschreiben; der Name ist hinlängr 
lieh bezeichnend > auch bedarf es kaum der Erwähnung, 
dafs zuweilen Geräusche vernommen werden, die sich un- 
ter keine der genannten Rubriken bringen lassen. 

Lm&meo läfst das unter den Aftergeräuschen am« bau» 
figsten vorkommende Blasebalggeräusch im engeren Sinne 
nur mit der Diastole der Kammern zusammenfallen. Nichts 
ist weniger gegründet als diese Behauptung, und tagtäg- 
lich hat man Gelegenheit, sich davon zn überzeugen, daft 
die Blasebalggtrinsche bald die Systole allein, bald die 



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134 

Diastole, bald Systole und Diastole begleiten. Um so un- 
begreiflicher ist diese Behauptung LaSnaec 1 ^ da er durch 
dieselbe, wie wir oben gesehen haben, mit seiner Theorie 
von den Geräuschen in den offensten Widerspruch verfällt 

Das musicalische Pfeifen pflegt sich an eins der eben; 
genannten Aftergeräusche anzuschließen; so theilt Bouii- 
läuä die Kraukheitsgeschichto einer jungen Frau mit, bei 
der man in der Praecordialgegend ein Sägegeräusch hörte, 
das sich mit einem pfeifenden Tone endete, isochron 
mit dem Arterienpulse war, und fortfuhr sich hören zu 
lassen, wenn auch das Athemholen suspendirt wurde (zum 
Beweise, dafs es kern von der Respiration abhängiges Ge- 
räusch war). Bei der Section fand man das linke Auri- 
culo-Yentricular-Orificium in dem Grade verengert, dafs 
es einer Spalte glich, deren gröfster Diameter nur 3 Linien 
betrug. Es scheint das musicalische Pfeifen überhaupt 
nur ein höherer Grad des Blasenalggeränsches zu sein,» 
und zu diesem sich zu verhalten wie das Pfeifen zum 
Blasen. 

Das Blasebalggeräusch kann nun das erste, das zweite, 
beide Herzgeräusche vollkommen einhüllen und erlöschen, 
oder es maskirt dieselben nur zum TheH. In dem letzte- 
ren Falle bildet es gleichsam den Nachschlag des norma- 
len Tones. Es ist aber häufig gar nicht leicht zu bestim- 
men, ob das Aftergeräusch den ersten oder den zweiten 
Herzton begleitet, besonders wenn die Contractionen sehr 
schnell auf einander folgen; ich blieb oft wochenlang dar- 
über in Zweifel. Mit welchen Krankheitszuständen des 
Herzens trifft nun nach den Resultaten bewährter Lei* 
ehenöflhungen das Blasebalggeräusch am häufigsten zu- 
sammen 1 

Laännec schliefst das Capitel über die Aftergeräusche 
des Herzens und der Arterien mit dem merkwürdigen 
Satze: „Es scheint mir nach den positiven und negativen 
Thatsachen, die ich angeführt habe, gewifs zu sein, dafs 



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136 

dasBlasebalggeräuqeh dasProduct eines einfachen Krampfes 
ist, und keine organische Störung des Herzens oder der 
Arterien voraussetzt." Dieser Schlofs ist eben so falsch 
als des Standpunktes unwürdig, von dem aus LaSnnec 
die Wissenschaft bearbeitet hat Wir haben schon wie- 
derholentlich auf den Widerspruch in dieser Behauptung 
aufmerksam gemacht. 

Den ersten Rang unter den Bedingungen, die man mit 
Sicherheit als die am häufigsten vorkommenden Ursachen der 
Blasebalggeräusche des Herzens (in der generischen Bedeu- 
tung des Wortes) betrachten kann, nehmen ohne Zweifel ein : 

1) Die Verengerung der Orificien dieses Or- 
gans, in Folge organischer Veränderungen der 
Klappen, mag man pun diese Erscheinung durch die 
gröfsere Reibung des Blutes, wenn es aus den Vorkam- 
mern oder Kammern kommend die spaltenartig verenger- 
ten Mündungen zu passiren hat, oder durch die Modifica- 
tionen in den Blutströmungen in Folge der Disproportion 
zwischen Behältnifs und Mündung oder noch* auf eine 
andere Weise erklären wollen. Permanent aber ist auch 
unter dieser Bedingung das Blasebalggeräusch nicht, d. h. 
im Falle dafs es überhaupt auftritt, wird es doch nur zu 
verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen 
gehört. Die Abwesenheit dieses Zeichens aber kann, abso- 
lut .betrachtet, von keinem Werthe sein, da Verengerung 
der Orificien und Klappenfehler oft nach dem Tode bei 
Personen vorgefunden werden,. an denen während des Le- 
bens keine Spur eines Aftergeräusches sich entdecken 
liefs. Diese Bemerkung mufs übrigens auf alle Krank- 
heitsformen bezogen werden, bei denen noeh die After- 
geräusche vorkommen. 

2) Das Blasebalggeräusch wird gehört in Fällen, wo 
das Aorten- Orificium verengert ist, ohne dafs 
die entsprechenden Klappen Veränderungen er- 
litten haben. Diese Disposition, mag sie angeboren oder 



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erst erworben sein, cofucidirt gewöhnlich mit einer Hy- 
pertrophie des linken Ventrikels mit Erweiterung. 

3) In Fällen, wo die Klappen, mit mehr oder 
minder zahlreichen Vegetationen bedeckt, wo 
sie mit mehr oder weniger dicken, kalkartigen . 
oder knorpeligen Plättchen besetzt waren, wo- 
durch ihre Oberfläche rauh, uneben, runslicht wurde, hat 
man, ohne dafs das entsprechende Oriflcium verengert war, 
die Blasebalggeräusche gehört. 

4) Man hat sie bei beträchtlicher Hypertrophie 
mit Dilation, besonders wenn diese den linken Ventrikel 
betraf, gehört, dauernd oder periodisch, wenn der Krfenke 
in körperlicher oder geistiger Aufregung sich befand. 

5) Bouiüaud hat das Blasebalggeräusch bei Individuen 
beobachtet, deren Herzen Blirtgerinsel enthielten, 
die offenbar vor dem Tode gebildet waren. Piörrg 
hat diese Beobachtung in einem Falle bestättigt gefunden. 

6) Die sogenannte Unzulänglichkeit (insoffisance) 
der Aortenklappe, ein Krankheitszustand, auf den Corru 
gan zuerst aufmerksam gemacht hat, und der darin be- 
/steht, dafs die halbmondförmigen Klappen der Aorta die 
Mündung dieser Arterie nicht hinlänglich verschliefsen, 
so dafs das Blut aus derselben zum Theii wieder in den 
linken Ventrikel zurückfliefsen kann, führt als pathogno- 
monisches Zeichen ein Blasebalggeräusch mit sich, das den 
2ten oder hellen Herzton begleitet, oder ganz an die Stelle 
desselben tritt, aber auch in der aufsteigenden Aorta, 
den Carotiden und der Subclavia deutlich vernehm- 
bar ist. 

7) Die Aftergeräusche und speciell das Blasebalgge- 
räusch werden bei reinen Nervenaffecten des Herzens, bei 
anemischen, chlorotischen Personen, wo so oft das Blasen 
in den Arterien vorkommt, beobachtet. Auch hier ist die- 
ses dann wieder besonders während eines Anfalles von 
Palpitationen der Fall. Auch scheint das Blasebalgge- 



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,137 

rausch nach hetröthÄcheta Blutverluste, auf das Somüaud 
zuerst aufmerksam gemacht hat, hierher zu gehören. 

Andral glaubt auch das Blasebalggeräusch unter Um- 
ständen beobachtet zu haben, die auf eine Vermehrung 
der Blutmenge hindeuten. Er hat es bei plethorischen 
Menschen und bei solchen gehört, die von einer nahen 
Haemorrhagie bedroht waren, bei der Mehrzahl der Frauen 
zur £ei^ wenn die Periode eintreten sollte. In den letzt- 
genannten Fällen hat es aber nur in den Gefäfsen statt, 
die den Thetlen benachbart sind, aus denen die Blutung 
kommen soll. Mtriadec Laünnec behandelt seit mehre- 
ren Jahren einen jungen Mann, dessen Herz, obwohl nicht 
eigentlich hypertrophirt, doch voluminöser als im Nor- 
malzustände ist, und dem er deshalb häufig Blut entzie- 
hen muß. Bei diesem Kranken hört man gewöhnlich ein 
sehr starkes Blasebalggeräuseh in der Aorta, den Subcla- 
via, den Carotiden und selbst den Brachialarterien; nie 
aber ist' dieses Geräusch stärker, als wenn das Bedürf- 
nis zu einem neuen Aderlasse sich fühlbar macht, so dafs 
.häufig die Annahme des Blasebalggeräusches an Intensi- 
tät als Anzeige zur Venaeseetion benutzt wurde. Doch 
ist diesfes, bemerkt Miriadee LaSrmec, eine Ausnahme, 
und viel häufiger hört man das Blasebalggeräuch stärker 
nach als vor dem Aderlasse. 

Aus dem Gesagten geht nun zur Genüge hervor, dafs 
nicht eine Ursache allein es ist, die die Erzeugung der 
Aftergeräusche bedingt. Es bleibt nun noch die Frage zu 
erledigen übrig, unter welchen Bedingungen die verschie- 
denen Nuancen des Blasebalggeräusches hörbar werden. 

1) Nur in dem Falle von Verengerung der Herzorifi- 
cien in Folge der Induration der Yalveln kommen die Va- 
rietäten des Blasebalggerihtsches vor, die unter dem Na- 
men des Raspel-, -Sägen-, FeilengeräuselieB, des mustca- 
Kschen Pfeifen« bekannt sind. 



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188 

9) Das Blasebalggeräusch im engeren Sinne des Wor- 
tes scheint bei Verengerung der Herzorificien eher, sich 
vorzufinden, wie JLaSnaec in der ersten Ausgabe seines 
Werkes bemerkt, wenn die Induration der Klappen eine 
fibröse oder eine fibro-cartüaginöse, als wenn sie eine 
knochige oder kalkartige ist, eher bei glatter, ebener Be- 
schaffenheit der Yalveln, als wenn dieselben steh rauh und 
knorrig darstellen, eher bei einer mittelmäßigen, als bei 
einer sehr bedeutenden Verengerung, eher endlich, wenn 
die Systole und Diastole der Ventrikel mit mäfsiger, als 
wenn dieselben mit außergewöhnlicher Kraft von stat- 
ten gehen. 

3) Umgekehrt finden die Raspel-, Säge- und Feilen- 
geräusche ihren Platz, wenn die Induration knöchern, 
kalk- oder kreideartig ist, wenn die Flächen der Klappen, 
gegen die das Blut reibt, rauh, höckerig, die Verenge- 
rung weit vorgeschritten, die Herzbewegungen sehr stür- 
misch sind. Zu bemerken ist, dafs jedenfalls die Stärke 
der Aftergeräusche, da wo diese überhaupt von Verengerung 
der Orificien des Herzens abhingen, eher zu der Beschaf- 
fenheit der Flächen der entsprechenden Klappen, als zu dem 
Grade der Verengerung im Verhältnisse zu stehen scheint 

4) Das musicalische Pfeifen ist, wie wir schon ange- 
führt haben, nur ein höherer Grad des Blasebalggeräu- 
sches im engeren Sinne des Wortes, und kommt dehalb 
fast unter denselben Bedingungen vor wie dieses. 

5) Die Aftergeräusche, die bei anderen als auf Veren- 
gerung der Orificien in Folge von Klappenfehlern begrün- 
deten Krankheijtszuständen des Herzens, hörbar werden, 
beschränken sich grö&tentheils auf das Blasebalggeräusch 
im engeren Sinne. 

Es ist ein unleugbares Factum, dafs wenn die orga- 
nischen Stricturen der Herzorificien auch nicht die einzigen 
Krankheitszustände dieses Eingeweides sind, in Folge wel- 
cher Aftergeräusche entstehen können, sie doch die am häu- 



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139 

figsten vorkommende Ursache derselben darstellen, so dftfs 
in 20 Fallen, wo Aftergeräusefce beobachtet werden, 19 Mal 
gewifs Klappenfehler vorbanden sind. 

Dieses Factum berechtigt uns aber noch keinesweges 
zu dem Schlüsse, den Bottillaud daraus zieht, dafs in allen 
Fialen, wo Aftergeräusche entstehen, sie ein und dersel- 
ben Bedingung, nämlich der vermehrten Reibung des 
Blutes bei seinem Durchgange durch die Ori fi- 
elen oder Höhlen des Herzens zuzuschreiben seien. 

So geistvoll das BouiiiautPsche Raisonnement ist, so 
ist es doch eben nichts als ein Raisonnement, ohne alle 
positive, physicalische Grundlage. 

„Ein Geräusch, eine Vibration, sagt Bouillaud, setzt 
zwei Bedingungen voraus: 1) ein Instrument für die 
Vibration, 2) ein Agens der Vibration, eine bewegende 
Kraft, die dieselbe hervorruft Die Wände des Herzens 
und besonders die der Valveln, vielleicht auch das Blut, 
bilden vorzugsweise das Instrument, den Sitz der Vibra- 
tionen. Daraus folgt, dafs jede bedeutende Modifikation 
in der Oonformation des Herzens und in der Bewegung 
des' Blutes notwendigerweise auch die Geräusche des 
Herzens modifidren mufs. So z. B. kann man das Blase- 
balggeräusch in einer Arterie hervorrufen, wenn man die- 
selbe mit einiger Stärke comprimirt, wodurch die Reibung 
des Blutes gegen die Wfyide eine stärkere wird. Daher 
wird man das Blasebalggeräusteh in allen Affectionen des 
Herzens hören, die eine Vermehrung der Reibung der 
Blutsaule gegen die Wände der Orificien oder der Ven- 
trikel als Resultat mit sich führen." Cm nun auch das 
Blasebalggeräusch nach Haemorrha$ien dieser Theorie ein- 
zuverleiben, weifs sich Bouillaud auf eine, sehr feine 
Weise zu helfen. In diesem Falle, meint er, entsteht das 
Geräusch durch eine convulsivische Lebhaftigkeit, mit 4er 
eine schwache Blutsäule von dem Herzen durch eine Höhle 
und ein Orificium getrieben wird, die sich sehr verengert 



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140 

haben, in tfolge des Zurückkommeng des Herzen« 
auf sieh selbst. Wir können hier nicht in Alles das ein* 
gehen, was sich gegen diese Ansicht sagen Hefte; sie kann 
aneh die richtige sein, aber wir haben keine positiven Be- 
weise dafür nnd werden so lange derselben entbehr« 
müssen, als wir den Mechanismus nicht kennen, durch den 
die normalen Geräusche entstehen. 

Eine Frage von der höchsten Bedeutung ist nun hier 
zu erörtern: ist es möglich vermittelst der Aftergeräusche 
zu erkennen, ob die linke ode* die rechte HerzhMlfte er- 
krankt ist? 

Wir haben gestehen, dafs im normalen Zustande des Or- 
gans es kein Mittel giebt, die Geräusche, welche der einen 
Herzhälfte angehören, von denen zu unterscheiden, die in der 
anderen erzeugt werden, dafs es daher sieht möglich sei, 
der Resonanz eines, jeden dieser Doppelgeräusche einen 
besonderen Platz in der Praecordialgegend anzuweisen, 
wie es La&nnec thut, wenp er sagt: „die an dem unteren 
Ende des Brustbeins gehörten Geräusche werden durch die 
rechte Herzhälfte, die zwischen den Bippenknorpeln wahr* 
genommenen durch die linke Seite dieses Organs hervor- 
gebracht." Ferner haben wir gezeigt, dafs der Impuls des 
Herzens selbst im pathologischen Zustande des Organs nur 
sehr selten über den Sitz des Uebels in der rechten oder 
linken Hälfte Aufschlug gewährt. Verhält es sich nun 
ebenfalls so mit den Geräuschen? Sieherlich nicht; in 
der grofsen Mehrzahl der Fälle lassen uns die anormalen 
Herztöne und die Aftergeräusche erkennen," welche Hälfte 
des Herzens die leidende ist. Ganz kürzlich hat Robert 
Spiffal 1 ) Beobachtungen mitgetheüt, die zur Aufhellung 
der Frage dienen sollen, ob es möglich sei, durch die 
Auscnltation zu entdecken, welche Seite des Herzens die 
kranke sei, wenn Hypertrophie, oder Erweiterung, oder beide 



iL ) The Edinburgh, med. and. sarg. Joarn Jan. 1835. p. 138 ff. 



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141 

zugleich in einer Seite des Herzens allein vorhanden sind. 
Das Resultat dieser Beobachtungen ist, dafs Lattwec, so 
wie alle, die ihm folgten, hierin dt was zu weit gegangen 
sind, dafs die Sicherheit, mit der sie vermittelst der Ge- 
räusche und des Impulses die kranke Herzhälfte heraus- 
finden -zu können wähnten , keineswegs in allen Fällen so 
grofs ist, als nie meinen. Es läfst sich durchaus nichts 
gegen diese , Bemerkung Sputa?* sagen, insofern ftie die 
in Rede stehenden KrankbeltSzustände, nämlich die Hy- 
pertrophie, die. Dilatation und die Vereinigung beider be- 
trifft, ja wir werdet zeigen und durch Beweise, die wir 
La&rmec selbst entnommen haben, darthun, warum in den 
genannten Kratikheitsfermen die anormalen Herzgeräiwche 
oder die Aftergeräusehe nicht in allen Fällen über den 
Sitz des Uebels Auskunft geben können. Aber auf die 
Klappenfehler läfst sich allerdings die Behauptung La8n- 
nec's in ihrer ganzen Ausdehnung anwenden. Haben diese 
erst einen gewissen Grad erreicht, so sind der Rhythmus, 
der Ton und der Stofs der krailken und der gesunden 
Seite so sehr von einander verschieden, dafs man geneigt 
ist, sie zwei verschiedenen Herzen «uzuscbreibeiL Keh- 
ren wir nun noch einmal zu der Hypertrophie, der Dila- 
tion und der Hypertrophie mit Dilation zurück. „Btf der 
Hypertrophie, sagt Xo&wiec, betrachte ich das von dem Orte, 
wo die Geräusche und der Impuls am schwächsten gehört 
und am stärksten gefühlt werden, hergenommene Zeichen 
als völlig sicher. Ich habe seine Wahrheit so oft durch die 
Zergliederung bestätigt gefunden, daüs ich dasselbe, wenn 
es gut beobachtet worden ist, für untrüglich halte." 

„Bei Erweiterung des linken Ventrikels, bemerkt der 
nämliche Schriftsteller, ist das einzig sichere physicalische 
Zeichen die helle und laut tönende Zusammenziehung des 
Herzens zwischen den Knorpeln der fünften und sieben- 
ten Rippe, und bei der Erweiterung des rechten Ventri- 
kels dar stark ins Gehör fallende Ton des Herzens, wel- 



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142 

eher unter dem unteren Thefle des Brust&noehens und 
zwischen den Knorpeln der fünften und siebenten Rippe 
der rechten Seite wahrgenommen wird. Ferner setzt uns 
in Fällen der mit Hypertrophie verbundenen Erweiterung 
des Herzens, die Untersuchung dieses Eingeweides zuerst 
auf der einen, nachher auf der anderen Seite- iri den Stand, 
mit Oewifsheit genau zu bestimmen, welcher von 
den Ventrikeln der leidende sei, oder ob beide leiden, 
welches der gewöhnliche Fall ist." 

In dem Capitel von der Erweiterung des Herzens anf 
der einen und der Hypertrophie auf der anderen Seite be- 
hauptet endlich Laönnec, dafs die vergleichende Untersu- 
chung beider Seiten des Herzens ein Mittel darbiete, übor 
jede mögliche Verwickelung der Herzfehler ins Reine zu 
kommen. 

Diese so bestimmt ausgesprochene Meinung LaStmev^s 
ist nun mehr oder weniger von allen Schriftstellern, die 
über Auscultation geschrieben haben, angenommen wor- 
den; wir nennen nur IL C. tum Hall 1 ), R. T. Berti* 
und J. BouiUaud*), W. Siokes *)i Et. Gmtrac «), G. An- 
dral •), M. L. Rostan •), ElUotson '), V. CoUin •), Möpe 9 ). 
Bekämpft hat sie zuerst Corbin "), so viel ich weifs, 
Botällaud in seinem neuesten Werke, und, wie wir eben 



4 ) De Stetfcoscopii in mortis pectoris osu. Traj. adRhen. 182& 
*) Tratte des maladiesducoeur et des gros vatsseaux.Par.18M. 

3 ) Au introducüon to the nse of Stethoscape. Edinb, 1825t 

4 ) Memoire sur le Diagnose des affections aigue* et chror 
niques des organes thoraciques. -Louvain 1826. 

6 ) Clinique medicale. Par. 1829. 2te Ausgabe. 

6 ) Tratte elemeutaire de Diagnostic. 

7 ) Lumleyan Icctures by Dr. ElUotson. Lond. 1830. 

8 ) Des diverses Möthodes d'exploratioa de la poitrine etc. 
Par. 1831. 

9 ) In dem schon erwähnten Werke. 

I0 ) Institution pratique etc. par Corto+ Par. 1831. 



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143 

sehen, Robert Spiffai. Der Haupteinwurf, der rieh da- 
gegen machen lafst, ist der, dafs in den Fällen, wo die 
Hypertrophie, die Dilation oder die Hypertrophie mit Di- 
lation nur einen Ventrikel befallen hat, dieser oft den ge- 
sunden ganz einschliefst, und ihn so ganz in seiner Ac- 
tion verhüllt, dafs die Geräusche, die man vernimmt, mag 
man «das Ohr an die linke Brustwarze oder an den unte- 
ren Theil desStemums anlegen, immer nur dem kranken Ven-* 
trikel angehören und keine Unterscheidung zulassen; wosaus 
folgt, dafs man an den beiden genannten Orten ganz das* 
selbe Geräusch hören kann, obwohl nur eine Herzhälfte 
krank ist. Dann aber ist auch gär riieht selten mit der 
Hypertrophie eines Ventrikels, besonders trenn sie mit 
Erweiterung verbunden ist, eine Ortsveränderung dessel- 
ben verbunden, die wiederum die Resultate, welche wir 
dein Orte entnehmen, wo die Geräusche mehr oder min- 
der abnorm sich hören lassen, trügerisch macht. Dieses 
bestätigen selbst alle die Schriftsteller, welche die Mei- 
nung haemec** über diesen Punkt theflen. B&iin sagt 
z.B. in dem angeführten Werke: „In den Fällen von Hy- 
pertrophie des linken Ventrikels allein scheint oft die 
Höhle desselben das ganze Herz auszumachen, und der 
rechte Ventrikel nur ein Anhang des linken zu sein* als 
wenn dieser auf Kosten des ersteren, des rechten, hyper- 
trophisch geworden wäre. Wenn der rechte Herzvientri- 
kel dagegen sehr hypertrophirt ist, so nähert sieh der 
minder feste und starke linke Ventrikel mehr als in sei- 
nem natürlichen Zustande zu sein pflegt, dem normalen 
Zustande des rechten Ventrikels.' Dieser Umstand hat 
in solchen Fällen eine Art Ortsveränderung des 
Organs vermuthen lassen. Welcher Ventrikel es 
auch sein mag, der hypertrophisch geworden ist, so be- 
merkt man, dais seine Spitze tiefer Hegt , als die Spitze 
d)es anderen." In dem Oapitel von der fehlerhaften Lage 
des Herzens bemerkt der nämliche Schriftsteller: „Ich 



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14* 

habe Falle angeführt, wo das Hera eine Qui&erlage in dar 
Brusthöhle hatte, und ich habe behauptet, dafs diese Lage ' 
häufig in Folge von Hypertrophie und von beträchtlicher 
Erweiterung des Herzens si«tt habe." 

In Laitmec^B Werke finden wir folgende inerkwitr- 
dige Stelle, welche in dem Paragraphen enthalten ist, 
worin er. versichert, dafs er die Steife, wo man die Action 
des Herzens wahrnimmt, nicht blofs als ein ganzticl} siche- 
res, sondern auch als eiA untrügliches Mittel ansehe, wenn 
es gut verstanden wird: „Wenn der linke Herz Ventrikel 
eine außerordentliche Gröfse durch Hypertrophie oder 
Erweiterung erreicht hat, und der rechte klein bleibt, so 
kommt der erster* vorn, der letztere hinten zu liegen. 
Jm diesem Falle wird der Herzschlag das Unken Ventri- 
kels besser unter dem Brustbeine als in der linken Fipe- 
eordialgegend gefühlt, während der des rechten Ventri- 
kels gar nicht w^geoommen wird. 11 

Es ist hinlänglich bekannt, dafs mehrere zuversicht- 
liche Behauptungen, wdchaLetnmec ist der ersten Ausgabe 
seines Buches im Jahre 1819 vorgebracht hat,, in der sweitep 
«ehr modificirt, wo nicht ganz zurückgenommen worden 
sind. Dieses gilt auch für die vorhin angeführten Stehen, 
-wo die UntrügUchkeit gewisser Zeichen, welche *Js diagno- 
stisch von den Krankheiten der einen oder der andeseu 
Herzhalfte gelten sollen, ausgesprochen wird) diese Be- 
hauptungen finden sich zwar in beiden Ausgaben, sie sind 
aber in der 2ten sehr gemildert worden. 

Josse* üjepe sagt i» seinem classkchen Werke; „Der 
linke Hersrentrikel, welcher, geneigter zur Verdickung 
and zur Erweiterung ist, als der rechte , erreicht biswei- 
len eine Gröfse, die dem rechten selten oder niemals zu 
Theil wird, und ist sein Umfing zu einem hohen Grade 
angewachsen, so nimmt er nicht allein die linke Praeeor- 
daalgegend ein, sondern erstreckt sieh auch weit unter den 
Brnstknoehen, wo seine Söhlige und das verur- 



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145 

•Achte Geräusch irrig als von dem rechten Ven- 
trikel herrührend angesehen werden können." In 
einem Aufsätze aber Hypertrophie des Herzens >) sagt der- 
selbe Schriftsteller, dsfs wenn alle Höhlen des Herzens hy- 
pertrophisch und zu gleicher Zeit erweitert wSren, das 
Herz einen zwei-, drei« und gelegentlich viermal gröfseren 
Umfang bekomme, als es im natürlichen Zustande zu ha- 
ben pflegte Seine Gestalt sei dann, anstatt länglich, rund, 
seine Spitze kaum bemerkbar, und da der Zwergmuskel 
sich nicht hinlänglich zurückziehen könne, um dem erwei- 
terten Organe den nötfeigen Raum darzubieten, so nähme 
es eine ganz horizontale Lage an, und schiebe sich in dem 
Hafte in die linke Höhle der Rrust ein, dafs die linke 
Innge bin zwr 4ten Rippe von oben und btswfeiien noch 
höher hinauf gedrängt würde. 

Wir schliefen diese Beobachtungen mit dem Falle, 
de« Robert Spittal selbst als einen auffallenden Beleg zu 
dam* ttas er behauptet, anführt: „JF. F., 24 Jahr aH^ 
«MUMriftoh^ft Geschlechts^ litt an einer gerfiuachvoflen und, 
sowohl in Ansehung* der Stärke als der Häufigkeit, unre- 
gelmfiifti^en Aetion des Herzens. Her Impuls war stärker 
als gewflhnkoh und wurde atu deutlichsten zwischen der 
öten und 6*ten Rippe wahrgenommen, mehr nach der lin- 
ken Seite hin, als es gewöhnlich der Fall ist .Der Pute 
an der Handwurzel SoJatiraeh and aussalzend, fis wurde 
während der Action des Herzens kiem Blasebalg*, noch 
cm anderes krankhaftes fieränseh wahrgenommen. " 

„Ixeicbcfroffaung. Das Herz erweitert und mehr 
*1* gewöhnlich schief in der Brust liegend; dieSpitzo des- 
jttlben. reichte. J»ia zur sechsten Rippe. Der linke Ventri- 
Jkal hatte die nafturiiehe Äröfre und Dicke nicht, war 
«oblatf und weich* so dafs er nach «briem gentachten Ein- 



*) ¥he Cyclopaedia of Practical Medicine. Edited by Sohn 
JFVow, Alucomder Tmtedi* and JoJm Conolly* Vol. XI. p. 536. 

10 



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146 - 

schnitte zusammenfiel. Der rechte Ventrikel im Gegeifc- 
theil war sehr erweitert, und seine Wände befanden sich 
in dem Zustande einer beträchtlichen Hypertrophie; seine 
Columnae carneae waren auch dicker. Die Wände dieser 
Höhle waren fester .als im gesunden Zustande, so dafs sie, 
wenn man sie durchschnitt, nicht zusammenfielen, und so- 
gar ein etwas hohles Geräusch verursachten, wenn sie 
mit dem Scalpell berührt wurden. Das Ende dieses Ven- 
trikels bildete die Spitze des Herzens. Die Mitralklappe 
war sehr krankhaft: ihre beiden Abschnitte waren m 
einer beträchtlichen Strecke auf beiden Seiten durch einen 
knorpligen Absatz mit einander vereinigt, welcher sieh 
auch auf einige Ghordae tendineae erstreckte. Durch diese 
Krankheit' der Klappe war die zwischen dem linken Vor- 
hofe und Hofe liegende Ocfhung so zusammengezogen, 
dafs sie nur die Spitze eines kleinen Fingers aufnehmen 
konnfe. Es würde eine schwache Erweiterung und Ver- 
dickung der ^Vande des linken Vorhofes, und -hier und 
da an ihrer inneren Fläche wurden dünne, erdige Schup- 
pen beobachtet. In diesem Falle hatte der rechte Ventri- 
kel seine Lage bis zu einer gewissen Ausdehnung mit dem 
linken vertauscht. Seine grofse Erweiterung scheint da« 
Herz mehr als gewöhnlich nach der linken Seite des Brust- 
kastens hingedrängt zu haben." '- 

»Die Zeichen der Auscultation in dem gegenwärtigen 
Falle waren unzweideutig- solche, welche Hypertrophie 
und Erweiterung des. linkeh Herzventrvkels andeuteten, 
übrigens aber unentschieden liefsen, von welcher 'Beschaf- 
fenheit die Krankheit des rechten Ventrikels überhaupt 
sei. Der Befund nach dem Tode- besagte abcfar gerade das 
€fegentheil. Der linke Ventrikel wurde, rw ** g* 80 ^ **** 
schlaff und erweicht gefunden $ diese Erweichung hat 
wahrscheinlich die Veränderung in der Richtung des Her- 
zens bedingt, denn man hat beobachtet, dafs die schiefe 
Richtung des Organ» nach der seh wacheren Seite hin gebt." 



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147 

Diese 'Auszüge zeigen hinlfinglkih , -dafs die angele» 
hebten Setoiftstelfor Vollkommen •übertteagt < waren ;► dafir 
Ausnahmen von der* allgemein vita ibaen^angenoiamenen 
Regel' in Beziehung auf die mittele* derAnseuttattokt xn 
bildenden Diagoofee der Krankbei<en y je nachdem stein 
der einen oder in der anderen* Etfftkätftd ihren Sitz ha- 
ben, stattiiHfieri können: Wüwto<in«n früher auf? diesen 
Punkt besonders autaefksäiMH gewesen sein, so würde Sieb 
▼Mteteht ergeben .baben^ dafe diese Ausnahme? an Zahl 
den Fallen gleich kofltanen^ werbet Hypertrophie, bei Er- 
weiterung und bei Hypertrophie «ritt Erweiterung nur 
einer Herzhälfte mit-iJewifsheH «ieh bestimmen liefs, • wdL* 
che« die kranke Seite» sei. ♦ * ■•■; •< * : * ■-•..> <. :» 

In den genannten Erankheitsfornen wird, Yorausge«* 
setzte dafs sie nicht durch Klappenfehler 4ompl£ctrt • sind) 
selten., ein Aftefgerätseb gehört; meistenteils sind dabei 
nui^ die normalen Herztöne in flezug auf ihre Intensjtitj 
ihr Hellklingen und ihre Höhe oder Tiefe mehr erder- we* 
riige* modifitiet^ Nun wdhtän dend y «teilen sich dleHera» 
geräufcche nnd der ünpÜs auf einer Seite,' also z. B; auf 
der dem Jinken Herzf» entspi^echenden, anormal dar, wäh- 
rend sie an 'der Basis; des Brustbeins ! in? der gewöhnli- 
chen < Weise r oder doch anders -als auf der Knken Seite* 
gehört werden, so. kann man^ darauf ge^tuta^ immer nach 
nicht mit GewffshM? behaupten ^ dafs det linke Ventrikel 
krank sei, dem der re<*btfc kann 4n dem Grade hyper- 
trophisch -oder erweitert, oder beides zugleich sein, dafs 
nur er links und' rechts und übe* all gehört und gefühlt 
wird,* dafs der unke nur als ein Anhang von ihm erscheint 
Die normalen -oder nuf eine andere Weise modificirten Ge- 
räusohe^ die4n diesem Failcrecbts Vernommen werden, ge- 
hören entweder «fem linken Ventrikel an, nri& danii ist das 
tagenrerhütnas dieses Organs gänzlich umgekehrt, was 
allerdings tickt oft -der Fall ist, oder, wenn sie nur we- 
niger hell* stark oder ander* } als auf der unken Seite 

10*. 



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148 

»ich darstellen, so spricht nichts dagegen,, dafs sie nicht 
auch dem reehten io dem Grade krankhaften Ventrikel eng»* 
hören sollten; ist dach seihst itoJSoiUMtetttande des Barrens 
der Van schon verpahfcsden, je nachdem- er .unter* der linken 
Btustwarxe oder Zwischen der 5ten und oten', oder 6ten 
und 7ten Ripp> linkerseits gehört wird* und doch wird an- 
genommen, dafe, was nmn an diesen Stalten hont, nur einem 
und zwar dem linken Ventrikel eaUnricht 

Dieses ist so wahr« da£* «elbst die Diagnose deriOapr 
yejikraiikhetten des Herzens^ die deeh, wie wit sehe* 
oben angeführt haben, in Betagt auf 'ihren Sitz in der 
einen oder der anderen Halft« riet zuvertfsdgar^kt, durch 
die consecutire Hypertrophie, Erweiterung oder Hyper-t 
trophie mit Erweiterung des einen oder, des anderen Ven- 
trikels sehr getrübt werden kann; 

Eine zweite Frage, die hier erörtert werden mufs, ist die, 
oh es niöglieh «et bei K^penkrmütheitcn zu bestimmen, oh 
daa anormale oder da« Aftergerftaseh, wenn es vorhanden ist, 
den Aüricnld-Vetttrkiilar-Valteln und Orificien, oder ob 
es den arteriellen. Mündungen und Klappen angehört. 

Mach Banane* soll die Beachtung des Rhythmus und 
die Bestimmung des Theilea der Praeeondialgagend, wo 
da« Aftergeransch mehr oder minder deattieh vernommen 
wird, viel Aufacblufs über diesen Punkt gewähren. 

Wird das Aftergeransch wahtand der €ontrantion der 
Ventrikel, also, mit oder anstatt des latent Herztones go* 
hört, so ist wahrscheinlicher Weise das Aorten -Orificium 
krankhaft ergriffen. Diese Wahrsehefaltehkeit «st um so 
gjötert wenn das anormale. Ger äuaeh nur oder doch am 
stärksten in der jenem Ofcaneiwn entsprechenden Gebend 
dea Thoraa: {unter und eis wenig nach uusnen von 4er 
linken Bmstwnrze) ertönt Aber daa in Folge des £*- 
rnekströmens des Blatea aus den Ventrikeln in die . AurP 
kel, hei DnzuttngUchkeit der Mitral • oder Iricuspidal- 
klappe., erzeugte Blasebalggerfcuach begleite* ebenfalls die 



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I4# 

Contraction der Ventrikel, oder-; mit anderen Worten, es 
flHt mit dem ersten Herageräusche zusammen. In diesen} 
Fall, sagt Rouanet, wird man das Aftergeräusch deutli- 
cher in der Gegend der Herzspitze», als an dem Aorten- 
Orifieium hören. ' , 

Begleitet das AftergerSuseh die • Diastole der Ventrikel 
oder das zweite Geräusch, so ist es wahrscheinlich, dafs 
eins ron den Anriculo-Ventricular-Orificien leidend ist, 
und dafs der ahnorme Ton bei dem Durchgänge des Blutes 
durch diese krankhaft veränderte Mündung erzeugt wird. 

Aber die Diastole der Ventrikel wird ebenfalls von 
einem Blasegeräusche begleitet, wenn die halbmondförmi- 
gen Klappen sieb nicht gehörig sehtiefsen können (Unzu- 
länglichkeit der halbmondförmigen Klappen). Auch hier 
wird nach R+uanet die genaue Beachtung des Ortes, wo 
das abnorme Geräusch am lautesten tönt, einigen Auf« 
schlufs Über den Ort gewähren, an dem es im Herzen er- 
zeugt wird. 

Auch versichert Bemiliaud, data das Blasebalggeräusch, 
welches den Rückflufs des Blutes durch ein unvollständig 
geschlossenes Oriftcium begleitet,« die Besonderheit an sieh 
trägt, dafs es immer nur ein etnfecbe* ist, entweder wäh- 
rend der Diastole der Ventrikel, Wenn die halbmondför- 
migen • Klappen nicht recht schlief sen, oder während der 
Systole derselben, wenn sich, die Auriculo-Ventricular- 
Valveln, in dem Znstande der Unzulänglichkeit befinden; 
da hingegen das Btasebalggerftusch , das die organischen 
StHctnren der Herzorificien begleitet, sehr oft ein dop* 
pettes ist. i 

Mehr läfot sieh, bei dem he«fig*tt Standpunkte unse- 
res Wissens und bei unserer mangelhaften «Kenntniis von 
der physiologischen Beschaffenheit des Organs, über die 
Diagnose der verschiedenen Krankheitsformen, je nachdem 
sie in der einen oder in der anderen Herzhälfte, in dem 
einen oder in dem anderen filappens^stense ihren 8*te ha* 



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ISO 

ben, Dreht sagen. Dato sehr häufig* auch die vitalen Sym- 
ptome dazu beitragen, hierüber einigen, Aofsohlufs su ge- 
währen, besonder« wenn man *te in ihrem Zneanlmea- 
baoge mit. den r physicalischen Zeichen betrachtet, bedarf 
kaum der Erwähnung. Das Pulsiren der Jugularvenen, 
die livide Färbung, < die Infiltration der Gliedmafsen v der 
Grad der Dyspnoe^ das Klopfen im Kopfe mit dem Ohren- 
sausen und dem Flimmern tot den Auge» ete. sind kost- 
bare, nie zu übersehende Symptome, 

' Die Aftergeräusche, von denen bisher gesprochen 
worden ist, hatten ihrb Quelle im Inneren des Herzens 
setyst; wir müssen jetzt- noch einiger anderen erwähnen, 
deren Erzeugung ron Bedingungen abhängig ist, die auf ser- 
halb diese« Organes liegen. 

. Von den abnormen Geräusche« in Folge des 

Herz^tofs es gegen die Brust wand. 
Im Normalzustände bringt der Steht des Herzens ge- 
gen die Brustwand kein bemerkbares Geräusch hervor 
(man denke hier nur hiebt an den lsten Hertfton, der aller- 
dings mit. diesem Stoiber zusammenfällt, aber auch noch 
gehört wird, wenn die*Bru*twand weggenommen worden 
ist). Anders verhält eis steh bei grosser Kraft, bei über- 
mäßiger Gewalt des Herzschlages. In diesem Falle hört 
, man nicht selten, wenn das Ohr auf die Praecordialge- 
gend, zuweilen sogar, wenn es auf einen von dieser Ge- 
gend 4n4f ernten Funkt applicirt wird, einen hellen, 
einen Silber- oder Metallklang (Tintement clair, 
argentin, m&allique). Alle Ursachen, die die Stärke des 
Herzschlages zugleich mit seiner Frequenz Verslehren, 
können eben: so viele Bedingungen zur Hervorbringung 
dieses Geräusches werden. Es tritt viel mehr bei mage- 
ren als bei beleibten Personen heryor, mari hört es auch- 
viel besser, mit biofsemObrc als mit dem Cylinder. Za£n- 
nee kannte es sehr wohl, und nannte es metallisches 
Geklappor (Cüquetis metaUupie). „Man hört es zuvf*r 



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151 

len, sagt er, in der Praecordialgegend, bei Personen, die 
an nervösem Herzklopfen leiden, besonders wenn das Or- 
gan heftig und flüchtig, obwohl nicht eigentlich mit star- 
kem Impulse gegen die Brustwand sehlägt Jedem Im- 
pulse des Ventrikels entspricht ein solches Geklapper etc." 

Die beste Vorstellung vom Metallklange erhalt man, 
wenn der Handteller gegen das Ohr gedrückt und dann 
der Rücken der Hand leicht mit dem Finger percutirt 
wird, oder noch besser wenn man, das Ohr an irgend 
eine Stelle des Brustkastens anlegend, eine andere percu- 
tiren läfst. Das Metallklingen pflanzt sich auch, nach den 
in dieser Beziehung obwaltenden Gesetzen, mehr oder 
minder weit -fort. Es verhindert nicht, die beiden Herz- 
geräusche deutlich zu hören, und obgleich es in allen bis- 
herigen Beobachtungen nur während der Systole der 
Kammern vernommen worden, so läfst sich doch a priori 
annehmen, dafs auch eine sehr starke Diastole es zu er- 
zeugen im Stande sein möchte. 

Das Gleiten des Herzens im Herzbeutel während der. 
Systole und Diastole dieses Organs ist normalerweise von 
keinem Geräusche begleitet. Anders. verhält es sich, wenn 
in tolge acuter oder chronischer Krankheiten des Pe- 
ricardiums, die glatten schlüpfrigen Flächen desselben 
rauh, uneben, holprig geworden sind.. Die Afterge- 
räusche, die dann hörbar werden, und von denen La&n- 
nee nur eine dunkle . Ahndung zu haben schien, bringt 
Boufflaud unter 3 Hauptabtheilungen: 

a) Das rauschende Herzbeutelgeräusch (fröle- 
ment pericardique), dem Geräusche ähnlich, wenn man 
einen schweren Seidenstoff, oder ein Stück Pergament oder 
eine neue französische Banknote zerknüllt, • chiffenirt 
Auch hat dieses Geräusch viel Aehnlichkeit mit dem Ge- 
räusche der auf- und absteigenden Reibung, das, wie wir 
oben (Seite 82) gesehen haben, in manchen Fällen von 
Pleuritis und Emphysem der Lunge vorkommt. Dieses 



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183 

Geräusch ist (und dadurch unterscheidet es lieh leicht 
von dem eben genannten, das mit den in- und exspi- 
ratorisehen Bewegungen zusammenfallt) doppelt wie die 
Bewegungen des Herzens, doch aber stärker während der 
Systole, als bei der Diastole der Ventrikel. Zuweilen, 
wenn die rauhen Herzbeutelplatten mit grofser Heftigkeit 
gegen einander reiben, hört es sich fast wie das Raspel-, 
Säge- oder Feilengeräusch bei Klappenfehlern an, doch 
ist es oberflächlicher, -ausgebreiteter, peripheri- 
sch er als diese letzteren. 

b) Das Geräusch des Reifaeus oder Platzens, 
oder das Geräusch von neuem Leder (bruit de tirail- 
lement et de craquement, bruit de cuir neuf), von Coürn in 
der Pericarditis zuerst beobachtet- Es kommt unvergleich- 
lich seltener als das erstgenannte Tor. Andrtä hat es nur 
einmal gehört, ebenso Bouillaud; ich habe es nie gehört 

c) Das Schabegeräusch (bruit de raclement) scheint 
wirklich durch das Schaben eines sehr harten, knorpligen 
oder knochigen Körpers gegen den Herzbeutel bedingt zu 
werden. In den Fällen, wo es bisjetzt gehört worden ist, 
fknd man die serösen Blätter des Perjcatdiums mit knochi- 
gen, kalkartigen oder fibro-eartilaginösen Platten besetzt 

Es ist hier zugleich der Qrt von dem Blasebalgge- 
rlusche zu sprechen, das so oft die Pericarditis begleitet. 
Latham, der es im Jahre 1826 zuerst beobachtete, schreibt 
es ausschliefslich der rheumatischen Pericarditis zu. Die- 
ses läfst sich nur in sofern erklären, als diese Species der 
Pericarditis wirklich am häufigsten vorkommt; doch giebt 
es keine Art derselben, in der es nicht gehört worden 
wäre. Hope ist der Meinung, dafs das Blasebalggeräusch 
in der Pericarditis von der vermehrten Kraft der Herz- 
schläge in dieser Krankheit abhängig sei; diese Meinung 
ist unhaltbar, denn es giebt Fälle, wo das Herz stärker 
schlägt als in der Pericarditis, und wo doch kein Blase- 
balggeräusch vernommen wird, und von der anderen Seite 



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153 

fihden wir oft diese« Zeichen in Fällen, wo der Hers* 
schlug sehr. schwach und kraftlos ist. Viel zulässiger ist 
eine andere Ansicht Hop&n, nach welcher das Blasebalg- 
geriuseh in der Pericarditis von der Auftreibung der Klap- 
pen herrührt, in Folge welcher das Orificium, dessen Klappe 
so geschwollen und verdickt ist, verengert wird« Diese 
Aufwulstung der I(lapjien ist aber eine Folge der Verbrei- 
tung der Entzündung von dem Pericardium auf das Jßn- 
' docardium, und es ist sehr wahrscheinlich, dafs nur diese 
zu gleicher ^Zeit bestehende Endocarditis das Phaeoomen er- 
zeugt. Ob aüeh Akt Bildung der Blutcoagula, die immer 
hei der Pericarditis vorkommen , hierzu etwas beiträgt, 
ist Hoch nicht entschieden. 

Fassen wir nun noch einmal das Über die After&e- 
räusche Gesagte kurz zusammen, so ergiebt sich folgen- 
des; die Quelle der abrtorraen Herztöne ist dreifach. 

1) Die Unregelmäßigkeit der Herztöne kann aus orga- 
nischen Störungen der inneren auskleidenden Haut des Her- 
zens und der Klappen, an denen sie sich umschlägt, ent- 
springen. Von diesen Störungen sind die am häufigsten 
vorkommenden die verschiedenen Arten von Induration der 
Klappen mit mehr oder minder bedeutender Verengerung 
der .Mündungen, denen sie angehören. Dadurch wird die 
Btqtströmung durch das Herz so beeinträchtigt, dafs jene 
Töne entstehen, die wir unter dem Namen des Blasebalg-, 
des Raspel-, des Säge-, des Feilentones kennen gelernt 
haben. 

2) Die 2te Ursache liegt in Krankheiten des Herzbeu- 
tels. .Durch acute oder chronische Entzündung des Peri- 
cardiums werden die sich berührenden Platten dieses häu- 
tigen Sackes runzlig, rauh, uneben. In Folge ihrer Rei- 
bung gegen eäiander entstehen die Geräusche, die wir 
unter dem Namen des Rauschenden-, des Neu -Leder- und 
des Sehabegeräusches kennen gelernt haben. Ergiefsun- 
geh in den Herzbeutel modificiren ebenfalls die Töne auf 



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154 

eine andere Weise, indem sie dieselben dämpfen und ent- 
fernter erscheinen lassen. 

3) Die dritte Quelle der Herzgeräusche bilden endlich 
die Störungen der Muskelsubstanz des Herzens selbst, oder 
des erregenden Princips desselben. Hierher gehören nun 
das BlasebalggerSuseh bei nervenschwachen, sehr delica- 
ten Personen, das Blasebalggeräuseh bei der Hypertrophie 
mit Erweiterung, das metallische Klingen etc. 
Zusatz. Wir haben in diesem Paragraphen das krank- 
hafte Herz unter dem 4fachen Gesichtspunkte sei- 
nes Rhythmus, seines Impulses, der Verbreitung 
seiner Schläge- und seiner Geräusche betrachtet Da 
wir uns auf das Allgemeine zu beschränken hatten, 
so mufste das Gesagte in einem gewissen Grade den 
Charakter der Unbestimmtheit und des Schwanken- 
den an sich tragen, denn ein allgemeiner Grundsatz 
in unserer Wissenschaft ist durchaus nicht mit 
einem physicalischen oder chemischen Gesetze ver- 
gleichbar. Wir begnügen uns schon damit, aus 
einer gewissen lAnzahl von Thatsachen, in denen 
sich irgend Analogie oder UebereinsUmmung finden 
läfst, mag diese auch mehr eine aufserliche als eine 
aus der inneren Notwendigkeit hervorgegangene 
sein, sogenannte allgemeine Grundsätze herzuleiten, 
die alle mehr oder weniger schon aus der Art ihrer 
Entstehung den Keim des Zerfallen* mitgebracht 
, haben. Aber dieses Hasehen nach Grundsätzen oder 
Gesetzen ist nicht blofs zufällig den Aerzten so 
eigenthümlich, es ist tief begründet in ihrer Furcht, 
von der Masse der Thatsachen erdrückt, oder in 
jenen Zustand des medizinischen Blödsinns versetzt 
zu werden, wo man vor dem .Walde die Bäume 
nicht erkennt. Gilt dieses nun für die Medicin 
überhaupt, so wird es vorzugsweise auf diejenigen 



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IÖ5 

Theile derselben anwendbar seüi, denen noch eine 
physiologische Basis mangelt 

Aber, wir wiederholen es, obgleich das Studium 
der Herzkrankheiten erst von der Zeit datirt, 
wo die physicalischen Explorationsmethoden und 
namentlich^ die Auscultation und die . Pereussion, 
als diagnostische Hilfsmittel uns überliefert wur- 
den, so steht doch schon heute unsere Kenntnifs 
von dem physiologischen Zustande dieses Organs 
in keinem Verhältnisse mehr zu der Hasse der 
Facta , die in -diesem Augenblicke über die patholo- 
gischen Verhältnisse des Herzens bekannt sind. Nur 
von der Ausgleichung dieses Mifsverhältnisses läfst 
sich neue Aufklärung für die Herzkrankheiten 
erwarten. 

Wir sprachen zuerst von dem Rhythmus, der 
bekanntlich in den organischen Herzkrankheiten oft 
seine Regelmäfsigkeit verliert« Deutet nun diese 
Unregelmässigkeit, die sich bald auf die Kraft, bald 
auf die Wiederkehr der Herzschläge bezieht, immer, 
wie Viele glauben, auf ein Hindernifs in einem der 
Orificien des Herzens? Wir wissen, dafs auch in 
der Pericarditis , wo doch kein Hindernifs der Art 
statt hat, die Unregelmäfsigkeit der Herzschläge 
sehr grofs ist; wir wissen, dafs im Verlaufe vieler 
Krankheiten, solcher besonders, in denen die Action 
der Centralorgane des Nervensystems gestört ist, 
diese Unregelmäfsigkeit in gröfserem oder geringe- 
rem Grade angetroffen wird. Schon aus diesen 
Thatsachen allein läfst sich a priori de? Schlufs 
ziehen, dafs in den Fällen, wo die Ernährung des 
Herzens auf eine anormale Weise vor sich geht, 
dieser Umstand allein schon, eben so wohl wie die 
früher erwähnten, die Regelmäfsigkeit der Herz- 
contractionen beeinträchtigen mufs. Dieses wird um 



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156 



so wahrscheinlicher, wenn dmh bedenkt, dafs die 
verschiedenen Anomalien in der Ernährung des Her- 
tens oft mit einer acuten oder chronischen Reitzung 
der inneren Hant desselben eolndiciren, deren Ein- 
flufs auf den Muskel, den sie bekleidet, doch sehr 
entschieden ist. Dadurch allein endlich, dafs das 
Blut in Höhlen einströmt, die su einander nicht 
mehr in dem Verhältnisse stehen, das ihnen die 
Natur gegeben hat, um in einer gegebenen Zeit 
eben soviel auszutreiben, als sie empfangen, müs- 
sen die Zusammenstellungen der Winde dieser Höh- 
len modificirt, wechselsweise Yerlangsamert oder 
beschleunigt, mehr oder weniger nnregelmäfsig 
werden. 

So schliefsen wir a priori und auf Analogien 
uns stützend. Wie stimmen nun die Thalsachen ' 
mit diesen Schlüsse* übereint 

Zuerst sind wir auf Fälle gestofsen^ wo, ob- 
gleich nach dem Tode keine Art von HindenuTs in 
den Orificien gefunden wurde, die Herzschläge doch 
die gröfete Unregehnäfsigkeit dargeboten hatten. 
Dann freilich' ist diese Unregelmäisigkeit nicht per- 
manent, sie giebt sich nur in gröfseren oder gerin- 
geren Intervallen zu erkennen, wenn unter dem Ein- 
flüsse irgend einer Ursache die Contraetionen schnell 
auf einander folgen und die Dyspnoe* zunimmt 

Andere Fälle führt Amdroi an, wo in einem von 
den Orificien ein HindenuTs Plats genommen hat, 
das beträchtlich genug ist, den Durchgang des Blu- 
tes su hemmen, so z. B. eine Verknöcherung der 
halbmondförmigen Klappen der Aorta, in Folge 
welcher diese durchaus unbeweglich geworden sind, 
nur eine enge Spalte zwischen sich lassen, durch 
welche alles Blut hindurch mute, das der. linke 
Ventrikel in die Aorta treibt, und dennoch waren 



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IST 

ki diesen Füllen die Herzschläge nicht unregelmä- f 
fsig, wenigstens waren sie es nur periodisch oder 
gegen das Ende des Lehens. > 

In anderen Fällön endlieh , und diese bilden al- 
lerdings die Mehrzahl, steht die Unregelmäfsigkeit 
der Herzschläge in geradem Verhältnisse zu den 
Hindernissen, die sich in den verschiedenen Orifi- 
cien dem freien Durchgänge der Blntes entgegen- 
setzen, und gewöhnlich hält nun zu gleicher Zeit 
in diesen Fällen ein Blasebalg-, ein Feilen- oder 
dri BaspeJgeröusch. 

Einige Male hat Andral sehr auffallende Inter- 
mittenzen an Individuen beobachtet, bei denen zwar 
die Orificien des übrigens erweiterten Herzens frei 
von jedem Hindernisse waren, deren aufzeigende 
Aorta aber auf ihrer inneren Räche entweder Ver- 
sehwäningen, oder knorplige oder knochige Uneben- 
heiten zeigte. 

Diese unregelmäfsigkeit des Rhythmus der Herz- 
actianen kann also,. wohl das Bestehen eines »Hin- 
dernisses in einem der Herzorifleien ahnden , arg- 
wöhnen; lassen, vollständige dewifsheit kann sie 
aber darüber nicht gehen. Je constaufcer diese Un- 
regelmüfsigkeit ist, und je länger sie schon vor der 
Zeit bestanden hat, wo die Krankheit einen gefähr- 
lichen Charakter anzunehmen anfing, desto mehr wird 
diese Vermuthung zur fiewifsheit werden. 

Was trhr nun von dem Rhythmus gesagt ha- 
ben, gut ffir den Impuls, die Verbreitung der Herz- 
schläge, so 'wie iür die Herzgeräusche. Es ist heut 
zu Tage keinem Zweifel mehr unterworfen , dafa 
in vielen FäBen, ttö das Herz einen beträchtlichen 
Umfang erreicht Tiat, wo die Hohlen sehr erweitert 
sind, das an die Praeoordiaigegend oder an andere 
Stellen des Thorax angelegte Ohr nichts Abnormes 



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168 



in der Herzaction wahrnimmt; ei ist keinem Zwei- 
fel unterworfen, dafs Ton den Zeichen, die wir aus 
der Berücksichtigung des Impulses, der Gfröusche, 
der Verbreitung der Schlüge und des Rhythmus 
entnehmen, kein adliges nicht eben so wohl unter 
dem blofsen Einflüsse einer acuten Pericarditis, oder 
eines plethorischen Zustande* oder einer Modifica- 
tion der Nervenstimmung, also wenn das Herz frei 
von jeder organischen Störung ist, vorkommen 
* könne. 

Wird man deshalb schliefen wollen, . dafs die 
Zeichen, die uns die Auscultatiou und die Percus- 
sion gewähren, nicht wesentlich cur Förderung der 
Diagnose beitragen? Ein solcher Seeluft kann nur 
für ein völliges Verkennen des Werthcs der physica- 
lisohen Zeichen zeugen. Die physiealischen Zeichen 
missen, um einen wahrhaften Werth zu haben, ge- 
wisse Bedingungen vereinigen: sie müssen. censtant 
sein, sie müssen gemeinschaftlich mit anderen Zei- 
chen rorkommen 7 denu.Alles -hingt von de* Periode 
.und der Art ihres Erscheinens und von den ver- 
schiedenen Krankhettsphaenomenen all, die- ihnen 
voraufjgegangen sind, und die sie noch begleiten. 
Zusatz 2; Laümec empfiehlt, bbhn AUscatltfren des 
. , Herzens den Obturator in den Cyfinder einzupassen. 
Die unmittelbare Wirkung dieses Verfahrens be- 
steht darin, dafs dadurch der Diameter des Rohrs 
an seiner ganzen Ausdehnung gleich gemacht wird, 
die mittelbare Wirkung aheru ist in der Vermin- 
> derung des Tons, in, der A/bnahme Idessei- 
ben an Intensität; sü> suchet». Dieses bedarf noch 
einer Erläuterung:. Je'gfüHser die Dimensionen der 
. Basis oder des unteren Endes: de» \Qttrrohrs sind, 
desto lauter wü?d der Ton dem.Ohrfe überragen, 
weil die gegen da? obere Ende hin ooliceritrirten 



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15» 

Vibrationen die Vereinigung aller Vibrationen sind, 
die an allen Theilen der Basis der Luftsäule mit- 
getheilt werden., Deshalb hat man dem unteren 
Ende des Stethoscops die Trichterform gegeben. 
Die Ausfüllung dieses Trichters' in der Art, dafs 
jetzt der Diameter des Rohrs an allen Stellen 
gleich ist, dafsafoo die Zahl der Vibrationen an 
seinem unteren Ende nicht gröfser ist. als an dem 
Ohrende, wird durch den Obturator bezweckt. 

Der Vortheil, den also die Anwendung des mit 
dem Obturator versehenen Instruments darbietet, 
ist nicht etwa in der Verstärkung, in der i besseren 
Fortpflanzung des fierMusches noch oben zu suchen, 
«andern in /der. genaueren Localisätidn«, in der ge- 
naueren Bestimmung des Orts, wo die Geräusche 
im Herzen erzeugt werden, was allerdings für die 
Diagnose der Herzkrankheiten von der höchsten 
Wichtigkeit Ist 

Wenn wir in den früheren Paragraphen ge- 
sagt haben, dafs feste Körper den Ton besser fort- 
leiten als die blofse atmosphärische Luft, so ist die- 
ses so zu verstehen^ dafs -die in einem, Ramne 
eingeschlossene Luftsäule aus leicht erklär- 
lichen Gründen Vibrationen besser fort- 
pflanzt, als die unbegrenzte, wenn wir so sa- 
gen dürfen, diffuse Luft. Denn die Intensität des 
Schalls, wenn er sich nach allen Sichtungen ver- 
breiten kann, nimmt ab, wie das Quadrat der Ent- 
fernung. In einer begrenzten, cylmdriscben Röhre 
bleibt die Intensität unverändert, eben .weil die 
Fortpflanzung nur nach einer Richtung stattfindet; 
gerade wie in einem Camale eine- Wasserwelle ihre 
Höhe bebak, während sie hingegen immer niedriger 
wird, wenn sie sich auf einer freien Oberfläche 
kreisförmig ausbreitet. Eni: fester Stab kann in 



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160 



Beziehung anf die Intensität de* fortgepflanzten To- 
ne* verglichen werden mit einer prismatischen oder 
cylindrisehen Rühre, daher bleibt auch die Intensi- 
tät unverändert, nag er auch noch ao lang sein; 
hingegen wird die Starke de* Tons aehr vermin- 
dert, wenn der' Ton ans einem Medium in ein an- 
deres übergeht, dessen Agregatzustand ein anderer 
ist, z.B. ans JVasser in Luft und umgekehrt Ganz 
dasselbe: gut für faste und luftffirmige Körper, da- 
her versehwindet der durch den festen Stab fort- 
geleitete Ton fast ganz, wenn der Stab nicht das 
Ohr berührt Weder die Höhe des Tones noch die 
Stärke desselben haben einen Einfluft anf die Ge- 
schwindigkeit, mit welcher er sich fortbewegt. 



Vierter Abschnitt. 
Tma der Jüuupcmlteftton /*er , Jptovfen« 

§. IC 

Von der Auscuttation der Arterien im normalen Zustande. 

Die Auscoltation der Arterien. Geräusche ist vielleicht 
das einzige Capitet; wo nicht schon grbfsc Vorarbeiten 
des kt diesem. Werke schon so. oft genannten unsterbli- 
chen Verfassen der mittelbaren Auscnltation vorgefunden 
werden. Den normalen Geräuschen der Arterien ist in 
jenem Wert* gar keine Stelle eingeräumt, und in Bezie- 
hung auf die abnormen bleiben viele Lücken auszufüllen, 
Tide Irrthüjmer zu berichtigen. Bomümud gebührt das 
Verdienst auf diesen Punkt seine Aufmerksamkeit gerich- 
tet *« haben, and ßo wie an das Studium der Herzkrank- 
heiten überhaupt sein Name anf das Ehrenvollste sich an- 
knüpft, so wird dsraelbe, wenn es «iah von der *usculta- 



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Ml 

tOriaehen Untersuchung 4er Arterien handelt , immer in 
4er ansge#eichaetsten Weise erwähnt werden miUm». 
Wir werde» uns daher besonders auf ihn beziehen > da 
unsere. IWahrnngen über die Arterien -Geräusche sich auf 
dfe anevrysmatischrn Geschwülste beschränken. 

; Auscultirt man die Hauptarterienstämme eines Men- 
aeben, als die Aorta, die Cerotiden, die Suhclaviae, die 
Brachiales, die Diacae externa*; die CruraleSv die PophV 
teae, so h$rt man in dem Augenblicke, wo die Arterie 
durch den Y*fe der Biutwelle während der Systole der 
Ventrikel ihr mitgetfceiJUen. StoXs, eeachiUtert wird, eine 
Art von leisem Murmeln, von dumpfem, gleichsam 
mattem Geräusche^ das nach de» Volumen der Ar- 
terie v nach der Kraft und Häungfceit des Pulsschla- 
ges, nach dem Alter, dem Geschichte, der Constitution 
das Individuum* verschieden sein kann* Bas dumpfe Ge- 
räusch der Arterien ist keinem anderen Geräusche ver- 
gleichbar; es Mtfst sich künstlich verstärken, dadurch, 
4aXs man de» CjUnder etwas stark auf das Geföfs auf- 
setzt, und es leicht comprimirt; alsdann verwandelt es 
sich in ein Blasen, gen» in der Art wie e# he* Verenge- 
rung der Herzorificien oder bei Franc« a» einer gewis- 
sen Periode der Schwangerschaft gehört wird. La&nnec 
glaubte* dafii Harun krankhafte* Znetande das Blasenge- 
r i ftsrfa sieh auf d|e*e Art durch Compreaaiou hervorrufen 
liefse, was aber vollkoftunen; ungegrundet ist* 

Abgesehen ton den oben erwähnten Bedingungen, 
hängen die Arterien -Geräusche noch v*m anderen Um- 
ssänden ahj aamefctlich von, der Dieke der Arterien wände, 
▼Ott der Beschafoiheit des 'in dkee* Kanälen; titeuliren- 
den Blutes y und von de» mehr, oder minderen Vollsein 
derselben- Arterie»! *wl tteiehe«» fsshlaÄen Wandungen, 
die zu wäßriges, flhss^tö JWttt enthalten, geh** einen 
helkr«Q y mfihj^ dem BUae«ger ä'uschei sieh nähernden Ton. 
Das Art**««- Geräusch ist einfach^ nioht doppelt, 

11 



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162 

wte das de» Herzens; es fällt mit dem ersten* Gcräaselrt 
dieses Organs zusammen; nur an den von dem Oentram 
sehr entfernten Arterien soll es etwas später eintreffen. 
Am besten läfst sich dieses bei Personen oentUtiren , de- 
ren Puls nur 4A bis 48 Mal in der Minute schlügt' Im 
Normalzustände ist das Arterien * Geräusch* und die mit 
demselben zusammenfallende Erschütterung von keiftet 
Tibratorischen Bewegung begleitet. > 
Zusatz. Die Art, wie das normale ©eräuseh in den Ar 
terien erzeugt wird, scheint höchst einfach -zu seht; 
Es ist dieses Geräusch wahrscheinlich nur die Wir- 
kung der Reibung und des Stofses der Blutsänfa 
gegen die Wandungen der Arterien. 0ie Contrae» 
tion der Ventrikel stellt, wie Bomikmd passend ~ 
sich ausdrückt, die Gewalt dar, durch die das Blut! 
wie durch einen Piston-Stofs, in das Arterien -System 
getrieben wird; das Agens de* Geräusches ist das 
Blut, welches, indem es seine Stelle verändert, ge- 
gen die Arterienwände reibt; endlich bilden die 
Wände der Gefäße das Instrument, in dem das 
Geräusch entstellt Physicalische Versuche haben 
dieses vollkommen bestätiigt 

BomUamd liefs eine gewisse Quantität Wasser 
in die Arterien einsprützen, während er den Gyüh* 
* der auf ein Qefäfs setzte. Bei jeder Ingecttonebe* 
wegung gab sich nun cht Btasengeräusch zu erken- 
nen, dem ganz ähnUch, 4as die Arterien 4m Normal- 
zustände erzeugen. 

Piorry^n neueste Versuche über diesen Gegen- 
stand haben zu demselben Resultate {geführt: Ras 
Geräusch ist die Folge des Blutdurchganges durch 
die Gefäfse, und dieses Geräusch karin den Cbarak- 
ter des Blasens haben', ohne dafs eine Verengerung 
des GefMfees an irgend einem Orte vorhanden zn seilt 
braucht; findet aber die eben genannte Bedingung 



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163 

statt, so wird dadurch das Blasengeräusch auf eine 
merkbare Weise verstärkt 5 ebenso giebt eine anev- 
ryj^mataichd ßeschwuiet, d«r<*i dfr das Blut strömt, 
zu einem deutlichen Blasengeräusche Veranlassung. 

' Dafs dieses Phaenoinefr'efti reih physicadisches 
sei, geht ' noch au* folgferideTi äfoefen Versuchen 
Piorry^ hervor: Eme luftleere 'Merällröttre wird 
mit Wasser geftillt, die' Flüssigkeit, die durch eine 
ertge Oefihuflfc wieder •öbflieften^aiiB, Nrffa v*rmtt<< 
telst 'eines Pistons kraftvoll hih ei tiget rieben} wäh- 
rend das Ohr mit oder ohne GJ»litider mi der Me- 
tallröhre anliegt \nrii h»rf l «Wnnf 'deMlicti tein Bla- 
^engerä««*, 1 dafs* rölt'd^to^BlAi^^feerÄWafe ffl&f 
Herzen! Aehnlrchkeit hat i >4äUtk dife «ston'St&se 
intermittlrend, so ist «e Jletihlichkeit fao^h Stop«* 
panier. Eine Sonde- von elastischem fetammf^töftrcfc 
die man dn«i Was^r8tWhI j lfeHrf, ;, l5fst Wh ähnli- 
ches Geräusch veräebinetf.* Die Öimetisldnen der 
Röhre haben nur gerlrigeh Einftufs auf die Intens!« 
tfit *nd de* Charakter des Tons; dagegen soll die 
Scluietligkeit, iÄit der 1 die Flüssigkeit durchströmt, 
allerdings die Stärke oder Schwäche des Geräusches 
bedingen.' ^ •'■' .'•<-'-■<*- -v>l ».•Im" •»••;. t\ 
' Wenn die Hand zum' Cyiinder geschlossen und 
dem Ende der Sonde oder der Röhre angefügt wird, 
so hört das an dieselbe atagelegte : 0hr 'deutlich ein 

BteSebalggeräusch etc. O- f J,: '*"' 

Nie ist von irgeiM einem Beobachter das SägeS 
Raape*- "Oder^eÖengeräusch in den Arterien gehört 
Wöfdeti, tftich* konnte man niemals auf irgend eine 
Weise diese €terihisehe vermittelst des Durbbleitens 
von Flüssigkeiten durch enge Cataälb hervorrufen. - 



f > Harry Proc^d^ dperatoire pag. 105. 

U* 



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A 



m 

:■•:,- : ■:■■:■: ; feil >?! ' ■. . .V •..-..•?.: 

JtffmKQ hai#e apoi^Ä|en 4?4frvBn-%r^Mfhe su einer 

gsjtnng t ereinig*, dem Bl%seb*lg-gcra^8che nämlich, 

yon dem er gwerVatfasjftcm ijntfrscbied, da* eigentliche 

' und da« mns ic^lischß ßta*efeft*g$ •*&!**• h> ... •**•** 

fo^gjaufct 4 A^,4ewrttwP ajutehnum « : 40|ip: 

it.- U B** gawöhwlJclHr •*** <|i*t#* mitiirende 

nun J?fW*t djfe Arj^rie avHcM/^u enn^rimiren, um 
eg be^Yor^y^if^ fai#WA&:'Wtilimt mm<*> wenn 
dpW^^ÄWe 'MÄ.f^WlfMÄTe ^«*; Atferst ein** Qmck auf 
die?^* *uj^eji v fcai Anwryfu*Vkf. MÜ kn*<*igen und 
l«MI|UsW 5^^ Veren- 

gtffiing ÄIW» Cf4*«Wi ^ flcfflfnevi7«nM*cfcWsVarix, 
Wft.fPW »^*ae ; ,iJpM|l|tW «fttawlfeft Qkltft* in* OTe Vene 
u^cnffebt, emMich bfi *nemU clwn, ^cWtooffofa», sehr 
s^Ml, bJas*«n nj»} »agfrn Peinonepi in floJg* grofser 

Au&egung, -• . (l ...^r. '..t»V ■ .!!) : 4 .:;:r.;-.. . 

Nach der Stärke der Arterie, sack dj»? 4toralt, mit 
4er d>s arterielle piul; inßqweguag geästet Hin} nach dem 
Grqde ,4^: ,o«jaw9qh^ Störung, durch de* dies** Phae- 
uQmm^^rpvge^d&a wird, fet es mehr odariTOnigar rer- 
breitet, mehr oder weniger (sta^. . £• geht SAtthauweilen 
in ein pfeifen^ eerÄwwhttbwrt ;i uov i-i «:7_ 

Das intefaittirejitle ^dei? ge^^MiohO Bl**mgt*itisch 
ist isechron mit 4ir Äw^ de* Art*™, feJgUcn auch 
mit der Systole der Ventjrifcelf es ist oft ?on de» Katzen- 
schwirren begleitet , ..; ^ „ ;,;*■ t . . 

2) und 3) Das continuirliehe Blasengeräusch 
oder das Blasengcränscii n£f 4<*ppelter 
Strömung, und das Teufelsgeräusch oder 



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165 

' iFe^ifelssshhfcrchen^ruit de sonfftet cotatihu 
<m ä double eaurant, et Brult bu ronflemenf de 

•''-■•■ "*\ mm% BouMäüdy. — - - •• - -- *■•» 

Diese Arten der wnürfen OerUtiscbe sind zuerst von 
Bouilktudr beschrieben worden. *' 

1 Beide Geräusche ifttti tmr Tanten 'van einander; das 
Teutelsschnarcben nämlich (trfr können es nicht ieschrel- 
ben, weil Wh* es nie gehört haben) ein gesteigerfer Gteid 
des continnir lieben. BlasengerHusches. Dieses aber soll 
sich tön dem ge^rfSbnKcberi 1 Wasengeräusche der Arterien 
unterscheiden, wie das Blähen eines kleinen Blasebalges 
yon dem Blasen des in den Schmiedewerkstätten gebrauch«* 
lieben. : Es besteht ans r?rei Geräuschen, die Isicn in 
einem merkbaren Intervalle folgen, yori denen aber doch 
das erste, das der Arterien*- Diastole und der Venirikel- 
Systole entsprechende, stärker M i als das zweite. Und 
selbst hier hat Bouütaud hoch Varietäten wahrgenommen, 
die sich bald: als das Girren einer Taube, bald als das Pfei- 
fen 1 des Windes durch ein Schlüsselloch, oder durch die 
Spalte in einer Holz wand darstellen. In letztere^ Falld 
geht das Geräusch dann schon : unmerklich in den soger 
nannten Gesang de* 'Arterien Ikber, Ton dem gleich die 
Reife seih Wird, - ' : '" : "' l * * '* .*'." 

Die eben genannten Geräusche haben nun Vöttfüglfch 
in dem Carotiden und Sübclavial - Arterien Ären Bftir. In dem 
Maliinüni'derliitetrtitat ftidräefi sie gehth-t, wenn man das 
SWtbost6p i ÄWe* ! den • inhern Thetttfe^'Clivlciila anse&fc 
Zuweilen trifft man feie auch in öen Schiehkel- Arterien an, 
aber nie in so hohem Gratfev Die Gerirasche hftren nalür- 
lieb auf, so wie man die Arterie stark oberhalb des Punk- 
tes cömprimirt, auf den : oVs &teffioscop aufgesetzt ist.' 

: i) Der Ges-ang der Arterien öder das madir- 
lirte Pfeifen (Chant des Arteres, öü fcifflenient 
' : > -• * mödüte). u ' r ""- 4] \' ' ,; ' ; ""; % ' ' '^ ' * " 

Bekanntlich ist Lainnec der Entdecker dieser sonder* 



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166 

hären Musik; nicht viel fehlt daran, «o> : hüte er um 
ganze Melodien davon gebetet Er verglich qfe sehr pau- 
send mit den Productionen auf dem Brummeisen; BomJ- 
laud fand sie eher dem Summe? gewisser Insekten ähn- 
lich. Die Musik der Arterien- trägt im Allgemeinen einen 
monotonen, klagenden oder seufzenden Charakter. Nur 
während der Systole der Ventrikel tritt da» Forte und ein 
'schnelleres Tempo ein; in ; <|ie Pappe ; zwischen % Zusam- 
menziehungen der Kaminern fällt das Piano. In manchen 
Fällen, tritt das Forte zweimal ein, während. der Systole 
der Ventrikel, und während, der Systo)p oder bessqr dar 
Reaction der Arterien.. . t ; 

Das Katzenschwirren der Arterien besteht oft zu glei- 
cher, Zeit mit dem einfache^ oder modulirten Pfeifen der- 
selben. Jm Allgemeinen ist es verbreiteter und Weniger 
rauh als das bei Klappenkrankheiten in der Praecordial- 
gegend des Herzens vorkommende; es ist nach Laitmec** 
Meinung ganz unabhängig von den Geräuschen, 

t Welches sind nun djf allgemeinen.* odp? consti|utip- 
neUen Bedingungen , un&er denen die eben beschriebenen 
Geräusche gebort werden? , ;, i;>; 

Bei jungen, chlorotischen grauen mit Her^k^opf^p und 
Beklemmungszufällen soll man so beständig, das eine joder 
da? . andere , dieser Geräusche antreffen, dafs Bouittaud 
nicht §nsteht T «einem Teiifelsgchna? $hen auch den Jiamen 
des Arterien -Geräusches der, ^hloroti.schen, bei* 
zulegen; aber nicht allein bei Frauen, *u$h bei hleich^^ 
nervösen > delicaten Männer,, kommt es häufig vor. . »Schon 
La&mec sagt, „das musicalische • Pfeifen der. Arterien 
findet sich in mehr o<fcr minder hohem .Grade bei .hypo- 
chondrischen Männern und ; bysteri&fhea Foauen^ so, wie 
überhaupt, bei jungen,, delicaten und reitzbarenLeutpn, die 
zu J^aemorrhagien geneigt sind." tt 

Wenn diese Zustände auch nicht mit, dem Namen der 
wahrhaften ^n^mie belegt werden können, so, setzen sie 



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/ 167 

doch in der Mehrzahl der FHIe die Beschaffenheit des 
Bluterf voraus, bei welcher das seröse oder wässrige Ele-> 
ment dieser Flüssigkeit über die fibrösen und färbenden 
Bestan&heile das Uebergewicht erlangt hat. Und ist 
diese Bedingung wenn aueh nicht die alleinige, doch eine 
der Hauptursachen der in Rede stehenden Geräusche, so 
läfst sich a priori schliefen, dafs auch bei Personen, die 
in Folge von zufälligem Bluthusten, oder durch copiöse 
Aderlässe und eine rein wässrige Diät in einen vorüber- 
gehenden Zustand von Anemie oder Hydremie, wie 
Bouülaud sagt, verfallen sind, diese Geräusche hörbar 
werden müssen. Nun wohlan denn, dieser a prioristisehe 
Schluß ist durch die neuesten Beobachtungen zur That- 
sache geworden. / 

Befinden sich Kranke, an denen diese Geräusche hßrbar 
sind, im Zustande der Ruhe, so schlagen die Arterien bei ihnen 
im Allgemeinen nicht merkbar stärker als bei Personen, 
deren Arterien gar keine Spur jener Geräusche darbieten. 
Doch ist bei solchen Personen, wenn sie nicht ganz und 
gar in einen anemischen Zustand verfallen sind, die arte* 
rielle Pulsation ausgedehnter, diffuser als im Normalzustande, 
gleichsam als wenn die Geföfse dilatirt wären, ein Phaeno- 
men, was besonders in der Oberschlüsselbeingegend uAd 
den Seitentheilen des Halses, die den Garotiden entsprechen, 
bemerkbar wird. Diese wirkliche oder scheinbare Dilatation 
scheint mit einer grofsen Dünnheit und Erschlaffung der 
Arterienwände zusammenzufallen. Auch die Herzschläge 
sind dann gewöhnlich ausgedehnter, und die sie begleiten- 
den Geräusche heller als! im normalen Zustande* Nie hat 
man in der Praecordialgegend ein Geräusch vernommen, 
das mit . diesem Arterien -Geräusche der. Chlorotischen 
oder dem eontinüellen Blasen auch nur vergleichbar gewesen 
wäre; von der anderen Seite läfst, wie schon Laännec be- 
merkt, das Herz häu% das intermittirende Blasebalgge- 
räusch in hohem Grade hörbar werden, ohne dafs in den Ar-. 



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168 

taten irg e nd eint tod den beschriebenen Gerfaschen be~ 
merkt wird. 

' Dm modulirte oder mnsfeaiische Pfeifengerfluseh der 
Arterien ist häufig an den GefSften nur einer Körper* 
killte vernehmbar; in sehr kurzer Zeit verschwindet es 
auch oft und kommt alaobald wieder« Die phyeicalischen 
oder vitalen Gründe dieser Phaenomene lasten sieh nicht 
angeben. 

La&mee theilt 5 Beobachtungen mit, die sich auf den 
Gesang der Arterien beziehen; bei den 4 ersten notirt er 
diesen Gesang. Wir geben, der Merkwürdigkeit halber, 
eine dieser Beobachtungen, 

Ziemlich monotoner, aber sehr deutlicher Gesang in 
dar rechten Carotis bei einer nervösen und phthisiseheu 
Dame: 



i 



'-ß—0 » * # -F # n ■»■ ' * 



— i — i — i — w-\ — r — i — P*-i — i — i K 



^=F==t=t 



Fu-nfter Abschnitt 
Aun emlSnU oii der 



§.18. 

Von der Auscultation des Herzens beim Foetus und dem söge- 
. nannten Pfacentar - Blasengeräusche. 

Ltjumeau de Kergmrmdtc *) hat das grofs* Verdienst, 
den aeustisohen Phaenomenen, die der Schwangerschalt 
als solcher angehören, die Aufmerksamkeit derAerste zu- 
gewandt zu haben. Seit dem Erscheinen seiner vortreff- 



1 { ) Lejumeau de Kergäradec recherches sur l'auscultatfön äp- 
pt^iiee A l'&ude de la grottess* Paris 1822. 8. 



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189 

Utk« Arbeit ikber diesen Gegenstand find seine Beobach- 
tungen von vielen Aersten alier Nationen bestltttgt Wer-^ 
den. Den ersten Rang in dieser Beziehung nehmen aber 
die Bemerkungen ein, die der geistreiche Paul Dubai* int 
Jahre 1882 «ter Aeadeniie mittheilte *)• Sie erschöpfen 
dieses Thema fitst vollkommen. Der GÄte des Herrn Du~ 
bei» verdanke ich es, so wie viele damals in Paris anwe- 
senden fremden Aerete, dieses Phaenomen in seiner ganzen 
Ausdehnung haben studiren zu können* 

Legt man das Ohr an den Bauch einer zur Hüfte der 
gewöhnlichen Periode der Schwangerschaft gelangten Frau, 
so hört man zwei Geräusche* von denen das eine ein dop- 
peltes, das andere ein einfaches ist. Das erste, offenbar 
dem Tic-Tac des Foetus- Herzens angehörend, ist unter 
übrigens gleichen Verhältnissen, um so intensiver, je Älter 
.der Foetus ist. Man kann es dem Herzgeräusche eines 
kleineren Thieres vergleichen, z.B. dem einer Katze, oder 
eines Kaninchens. Die Zahl der Herzschläge heim Foetus 
steht in urigekehrtem Verhältnisse zu dem Alter; dotth 
weichen hierüber die Meinungen etwas ab; während 
BouiUauä das Maximum auf 170 Schiige setzt, die er in 
der Minute gehört hat, will Dubtfi* zu allen Perioden des 
Foetal-Lebens nur 140 bis 150 gezählt haben. 

Zuweilen hört man auf allen Punkten des Bauches, 
die dem Producte der Conception entsprechen, das dop- 
pelte Geräusch; gewöhnlich jedoch wird es auf der einen 
Seite besser als auf der anderen, und in seine* gröfe : 
ten Intensität in der Umgegend des Nabels vernom- 
men. Ziemlieh häufig hört man es nur, oder doch we- 
nigstens viel deutlicher auf der Seite, die der, wo das 
Plaeetitar-Btasengefäusch vernommen wird, entgegenge- 
setzt ist. 

Wie wich das Hers des Foetus in auscuKatoriseher Be~ 



') Arthirta g6m6ra\eB&eM6ä6dne. Par, 1832. Tom. XXVHI. 



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wo 

ziehtmg bei Bildungsfehlern und allen andern Krankkeits- 
zuständen dieses Organs verhalte, denen dieses Alter nicht 
weniger unterworfen ist, ab jedes andere, weifs man bis 
jetzt noch nicht Dafs man noch einmal so weit komme, 
einen Bilduugsfehler des Herzens beim Kinde im Matter- 
leibe zu diagnostieiren, ist kaum an bezweifeln« 

In manchen Fällen haben die Geräusche des Foetus- 
herzens einige Aehnüchkeit mit dem Blasebalggeräusche, 
wie es bei manchen Herzkrankheiten vorkommt; Duboi* 
meint, dafs dieses die Folge der Vermischung der beiden 
Blutsäulen aus der Arteria pulmenalis und der Aorta sei, 
eine höchst geistreiche Hypothese fürwahr. 
, Das Dasein, des Tic -Tac- Geräusches ist von dem 
höchsten tokologischen Werthe. Es ist, wenn man so 
sagen darf, das pathognomonische Zeichen der Schwan- ; 
gerschaft und des Leben» des Foetus. Als Beleg hierzu 
mag x ein Fall dienen, den uns ßouülaud mtttheilt. Eine 
Frau, kaum im 7ten Monate schwanger, wird plötzlich 
von einer heftigen Pneumonie befallen. Seit mehreren 
Tagen hatten die Kindesbewegungen aufgehört 2?., das 
Ohr anlegend, zählte 170 Doppelgeräusche in der Minute. 
Nichts destowenigcr geben sich die Zeichen des Abortus 
kund, und bald kommt ein Kind ans Tageslicht, das 
keine Spur von Leben an sich trägt Da die Kranke 
seit mehreren Tagen schon keine Kindesbewegung ver- 
spürt hatte, so war man um so mehr berechtigt zu glau- 
ben, dato das Kind schon vor der Geburt gestorben und 
alle Belebungsversuche fruchtlos sein würden. Doch JB., 
der noch einige' Minuten vor der Expulsion die Herzge- 
räusche gehört hatte, beeilt sich, das Kind zu reiben, ~ep 
in ein leicht erregendes Bad zu setzen und Luft in den 
Mund einzublasen, in Folge welcher lange Zeit fortgesetz- 
ter Manipulationen es endlich gelang, das, Kind ins Leben 
zurückzurufen. Wären die Herzschläge nicht noch kurz 
vor deflt .Abprtus gehört worden, man hätte wahrlich die 



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171 

Wiederbelebungsversuche nicht mit solcher Beharrlichkeit; 
fortgesetzt, um so mehr, da die Abwesenheit der Foetns- 
Bewegungen, seitdem die Matter schwer krank geworden, 
das Bestehen des Lebens während dieser Periode sehr in 
Zweifel setzte. 

Die Auscultation des Foetusherzens kann ferner zu- 
weilen Licht darüber geben, ob die Schwangerschaft eine 
einfache oder mehrfache ist. 

, Ein anderes .Geräusch, das man bei Frauen während 
d6r 4 oder 5 letzten Monate der Schwangerschaft hört, 
ist von Kergaradßc mit dem Namen des P lacentar- Bla- 
sen s (souffle placentaire) belegt worden, weil er glaubte, 
da£s es in dem Mutterkuchen seine Ursache, seine Quelle 
habe. Einfach, nicht doppelt, wie das vorige, ist dieses 
Geräusch isochron mit dem Pulse der Mutter und gleicht 
genau dem Blasengeräusche, das man hervorruft, wenn 
man eine grofse Arterie, wie die Cruralis, die Subclavia, 
die Carotis oder selbst die Aorta comprimirt Man hört 
dieses Geräusch vorzugsweise stark an den Seitentheilen 
des Bauches, in den Weichen. Zuweilen ist es auf bei- 
den Seiten hörbar, doch mit besonderer Stärke immer nur 
auf einer. 

Dieses Geräusch ist für die Schwangerschaft in dia- 
gnostischer Beziehung nicht von dem Werthe, den das 
doppelte Herzgeräuseh hat, denn es kann bei vorhandener 
Schwangerschaft fehlen, und umgekehrt vorhanden .sein, 
ohne dafs Schwangerschaft besteht. 

Das placentäre Blasengeräusch wird zuweilen pfei- 
fend^ auch .nimmt es alle Modifikationen des gewöhnlichen 
Blasebulggejräusches mit Ausnahme des modnlirten Bis- 
sens an.. 

^Ueb$r die Quelle dieses Geräusches walten nun ver- 
schiedene Meinungen eb. ICergaradeo^ vfie schon gesagt, 
worden, verlegt es in die Placenta, da wo dieselbe sich 
inffrirtj der Umlauf des Blutes der Mutter in diesen Thei- 



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i7a 

km bringt es hervor. JCaAme*, auf die grofse Aehülfeh- 
keil zwischen diesem und dem gewöhnlichen Blasehalgge- 
* rausche der grofsen Arterien sich stützend, glaubt, dafs 
es in den Arterii* hypogastricis, iliaein internis odfcr ute- 
rinis seinen Sitz habe, oder mit anderen Worten in dem 
Arterienzweige, der besonders für die Ernährung der Pia- 
eenta bestimmt ist; Bouittaud, anstatt demselben ans- 
schliefslich in einem Qefäfse seinen Sitz anzuweisen, glaubt, 
dafs es überhaupt in den Arterien stattfinde, auf die der 
Uterus und die Frucht während der Schwangerschaft 
drückt. Patd Dubois hält dafür, dafs das Phaenomen 
aüsschliefslich durch den Gefäfsapparat in den Wänden 
des Uterus erzeugt werde, und dieses ist die Ansicht, die 
das meiste für sich hat. Nichtsdestoweniger ist zu be- 
merken, dafs man dieses Blasengeräusch auch in Fällen 
gehört hat, wo Geschwülste in der Bauchhöhle die gro- 
ffeen Gefäfee comprimirten. 



Capitel HL 
Von der Besichtigung der Brust. 



. §. i. 

Von der Besichtigung der Brust im Allgemeinen. 

Obwohl diese Methode der Exploration steh an Frucht- 
barkeit der Resultate nicht mit den beiden bisher abge* 
handelten messen kann, obwohl für sich allein und ohne 
alle anderen diagnostischen HiHfomittel sie kaum mit Sicher- 
heit bestimmen lifst, welcher Functionsapparat krankhaft 
ergriffen ist, so bildet sie doch eine Vervollständigung der 
anderen Methoden und ist ein unerläfsliches Glied der Dia- 



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i?3 

gnostic durch physicaiische Zeichen. -.Vir beschränken uns 
^r allein auf cMephjsicalisc^hen Zeichen, die die Beschauung 
jjas Thorax hei Krankheiten der Respirationsorgaue darbie- 
tet v und können e» um* so eher unterlassen die ganze JLehre 
Von der Respiration im normalen und anormalen Zustande 
abzuhandeln, als einmal diese etwas Bekanntes ist, wir 
aber zweitens dje Function des Athmens und ihre Störungen 
seit der grofsen Entdeckung Ch. Belf$ eben so gut und 
out; gröfserer Bequemlichkeit am Gesjcfyte als am Tho- 
rax zu würdige» verstehen. Der Nervus facialis ist iiäm- 
Heb der Atbemueipr de* Gesichts, das keifst, besandg?? 
jtezu bestimmt, die Motilität auf die Muskeln zu übertra- 
gen, 4ie die. Oeflhungen, umschreiben (c^en und ^cfeUe- 
fsen, verengern uud^^rwei^rn),dujrcbw4cjtie die e^ngeaUx. 
m«te Luft dringen m^s, um die Lungen zu err$ick<m, 
Jede normale oder anormale Contraction de« Zwe^gfells 
und der Intercostalmuskeh} ist daher, vou einer ^usanv 
mo,n#iehung eben der /Art 191 denGesj^snuisl^lP' und d*r 
he* von einem eigenJhümlicl^eÄ physion^misclmn Ausdrucke 
hjegleitet. Dahtr die Behauptung nicht übeptriebeu, daft 
mim in manche^ .Fällen eipe ^i^eaentz^duasj an der 
J^euspit** w e^kwien verbog*. Q*e Einheit fr ,4» 
]J|uftk<?lbewaguug^s Gesichte und ^Stammes jat abe* 
ß\np notkyßs#^ge. folge der anastomoüschen Commu^iear 
tiou zwischen ^ ^erye^z^veigen;, dieser verschiedenen 
Parthiesu - 



F0» iter Arcftüectu? des ßrustJtastens.' 



% Zuerst gelangen wp dfflP* die Betätigung der Brust 
zu einem Urtheite über den ^ der^lbefl, c* die gefe^ 
rjflßH Proportion** zwisch^u ; , den » öurchmessem dieae* 
Hoble, die gehörige Wölbung der Sippen, eine verhaltr 
i d fa ia a feige Gröfse'des Brustbeins und Entfernung ;der 



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174 

Schultern von einander vorbanden sind, oder ob die Ar* 
chitectur der Höhl© der Art ist, dafs'die Exspattsion dtir 
Lungen in ihrer ganzen Ausdehnung oder stellenweise da- 
durch gefährdet wird! Es ist unglaublich , wie grofs die 
Zahl der Abnormitäten in dieser Beziehung ist, 1 und wie 
«ehr die Kleidung selbst bedeutendere Hrfsbildungen dfefr 
Thorax zu verhüllen im Stande ist. Ich habe auf einer 
Gebirgsreise einen Mann- zum Fuhrer gehabt, dessen Brust 
unter den Elefdern' keine Spur von D^forinität verrieth, 
entbl&fst aber die Gestalt eines Dreieckfc hatte, in' der Art, 
dafs das mit den Rippen der IhikfettStife fn einer fcbdte 
liegende, mit denen der rechten aber einen sehr spitzen 
Winkel bildende Brustbein in der Richtung seiner Ränder 
so gekrümmt war, dafs der linke, hier ! der untere; cdü- 
*av, £er rechte, hier der obere, convex war. * Wie safer 
es darauf ankommt bei der Äuscultatibn und Percussion 
von selchen und selbst von unbedeutenderen Anomalien No* 
tiz zu nehmen, leuchtet Jedem ein. Wir haben schon 
oben angeführt, wie die Kleinheit des Brustbeins den 
Herzschlag in der epigfaätrisehen Gegend' flöii* und steht- 
bar Werden lafot; rind' also diesem I%aenöinehe die Be^ 
deutnng ntttHnt, die es bei nornialerGrdllse dieser Knochens 
hat. Bei Kyphotischteri habe ich oft das' Hera ausenkato* 
risch vicfl besser mit dem Ohre auf Seä Wirbeln, als in 
der Praecordialgegend untersuchen körfnen. Jene herltor* 
tretende Wölbung des Thorax in der Praecordialgegttid 
bei starken Hypertrophien mit Erweiterung wird beim 
ersten Blicke auf die entblöfste Brust int die Augen fallen, 
während die Kleidungsstücke, selbst ein ,blf fses Hemde, 
dieselbe verbirgt. Die blofse Inspection der Brust wird 
auch in vielen Tillen erge&eh, ob die eine Hälfte dieser 
Hoble an Umfang größter als die andere ist. Es bedarf, 
um dieses in diel Augen fallen zu lassen, nifchi eines be^ 
deutenden Grades von Erweiterung einer Hälfte (wir ver- 
weisen auf das Capitel Messung). Von den ältesten Zei- 



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175 

ten an hat Inao nun den gröfstep Werfh auf die Bezie- 
hungen dieser lufeeren fiestaltung der Brusthöhle zu den 
Krankheiten de* in - ihr enthaltenen Organe gelegt. Die 
Bezeichnung des Habitus pht-hisieus ist selbst Layen 
bekannt: „Thorax* planus, scapuiäe alätae, Col- 
lum longum^ Caput prönum, labia erassa, rubra, 
pilu# tenuis, extremitat&s maeilenta-e et longae," 
d»i seilen die Attribute > seift ■, Äe J eine Anlage - zur Phthf- 
sis begründen. Aber schon de* scharfsinnige Atvtams 
bemerkt, dafs die eben geschilderte Körpe*beseha'nVnheit 
mehr auf die Anlage zu : Lungenblutungen v alf 4üft» 
Phthisis hindeute, und Le&wieo bestätigt diese Bemer*- 
kting in so fern, als diejenigen Phtbisiker, die auf diese 
Weise gebaut sind, am häufigsten und auf -die drohendste 
Art Von Haemoptysis befallen werden. Uebrigens, sagt 
Latrmec, und diese Beobachtung habe ich tagtäglich be- 
stättigt gefunden, bilden die so gebauten Personen nur den 
kleinsten Theil aller Phthisjfcer, und diese schreckliche 
Krankheit rafft hfiofig die stärksten und kräftigsten Men- 
schen hin. - -. t » 

Mechanik des Athmens. * 3 

»- «) Im» normalen Zustande. 
v« Das Ein,- und'Ausathmen geschieht bei dem Mensehen 
und den Sängethiereh duisch Erweiterung und' Verenge- 
rung der Brusthökle '). » Zur Erweiterung der BHisthbbte 
^ientganz vorzüglich das Zwergfell. Im erseJUaften Zu- 
stande ist das Zwor$fell gewölbt,' bei der etafraetiofl 
wird ei flach, und indem seine Wölbung ^herabsteigt, 
erweitert es also die Brusthöhle, wodurch zugleich die 
Eingeweide der Bauchhöhle von oben gedrückt werden: 



«) Joh. Müller** Physiologie, t Band. 1. Abth. Pag. 326V 



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W0 

Dieser Drude aof die BauelrängcweideiTOfttebeft beim Sim» 
othmen verursacht das Hervortreiben derselben nach vor* 
oder das scheinbare Anschwellen des Bauches, kein Eist- 
athmen. Sobald da« Zwergfeil #r*ehlag|; weiche* Ofe 
Eingeweide wieder «ehr .aurftek und der Bauch wW 
flacher. Die Action* des Zwergfells bewirk* die Vergrd- 
fkerung der HftNe, des- Brustkastens , besonders in der 
Richtung von oben nach «fiten; die Erweiterung <*en vor» 
noch hinten und von einen Seite nach der andern geschieht» 
abgesehen Ten, der Wirkung der Mnftkeln, nammtirti dar 
Intercostales, der Seelen!, der levatore* eostarum, de» ecr- 
nt*ß poatiens euperior, des Cucullaris and der Rrustmue- 
kein fberhftupt, dusch die Thüigknit der Rippen und des 
Brustbeins. Die Losung der Frage, wie lieh diese Knochen 
bewegen, obgleich.. von den gröfsfen Ph^siolcgnn erörtert, 
ist doch mit den unUtersteigbarstni Schwierigkeiten ver- 
knüpft, so dafii Gerdy akh bewogen fiBüie, fbtfersncbung 
Uetfthee mit dar grfiftten Sotgftlt anzustellen. Wi» Arenen 
une, die. erst vor einigen Wochen zur OeÄatlichkeit ge- 
langten l ) Resultate* derselben hier mittheilen zu Jrinnen. . 
A. Bewegungen des Brustbeins. 

Dieser Knochen vollführt Bewegungen, die sich auf 
ein Aufsteigen, ein Vortreten und eine schwingende 
Bewegung zurückfuhren lassen. 

Das Aufsteigen ist kaum merklich* oder hei ge- 
wöhnlicher Inspiration gar nicht erkennbar; geht aber die 
Respiratfop mit Lebhaftigkeit nnd Sftfcka w sich, so er- 
hebt sich das Bmetbefe w» feit einengen, und dar Ret 
tuttat tot fest eins, ob nmn dieae Äwegwng an einem 
«dar an dem andern; Endo: das Knochen* jniä*. :- 

Die Bewegung des Vortreten* geschieht entweder 
so, deft der Knocken mit alten aeinen Punkten mehr nach 
vom tritt, oder baW mehr mit sfefeem unfern Ende, se 



Archire» gfreral* <fe Mtdeeine. PamJUSS. 



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177 

4*fc das obere Ende de» Sternums nach Innen tritt, und 
dann eine hebelartige Bewegung .zugleich geschieht, Daq 
Bauäefocf[ue'Betee Pelvimeter giebt didse Bewegung genau 
«n; setzt man das eine Ende des eines Astes auf dieLän- 
genfurehe des Rückens und- das andere» Ende vorn auf das 
Sterhüm, so überzeugt man s&hy wenn man dieses an 
mehreren Punkten wiederholt:, ■* dafs: rdas Brustbein fast 
um euwn Zoll bei der Atlumihg Vortritt, und dafs dieses 
Vertreten entweder allem oder in Verbindung init einer 
schaukelnden oder hebelartigen Bewegung geschieht; es 
▼ollführt also das Brustbein nicht eine hebelartige Bewe- 
gung allein^ wie man allgemein lehrt Die eben genann- 
ten Bewegungen werden gewöhnlich bewirkt durch die 
aufsteigende Bewegung der Rippen; in der stärksten will- 
kührlich bewirkten Athmungsbewegung erseheinen, die 
über dem Stermun Kegenden Muskeln ;dem Gefühl nach 
wenigstens vollkommen unthäiig. 

B. Die Bewegung der Rippen 
besteht in einer, aufsteigenden und in einer rotiren- 
den Bewegung. 

a) Das Aufsteigen ist eine. Bewegung um den Ra- 
dius; die Rippen bewegen sich nämlich *um eine Horizon- 
talere,: die man durch ihr hinteres Ende von Innen nach 
Aufsen durchgezogen denken mufs, während das vordere 
Rippenende von oben nach unten den Abschnitt eines Krei- 
ses besehreibt. Bei dieser Bewegung streben die Rippen, 
horizontal oder gegen die Wirbelsäule rechtwinklig zu wer- 
den, an der sie mit ihrem hinteren Ende etwas locker befestigt 
sind. Aber erheben sieh alle Rippen auf gleiche Weise 
und in gleicher flöhe? die Frage ist schwer zu beant- 
worten* Die 7 ersten Rippen sind dem Sternum eingefügt, 
und zwar auf eine ziemlich feste Weise, so dafs sie 
sieh mit ihrem vordem Ende weder einander nähern 
noch sich von einander entfernen können, Auf diese 
Weise an 'das Sternum und gegen einander gefesselt kann 

12 



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178 

skh eine niemals ohne all* übrigen erheben, und wem 
sieh die lste Rippe am 4 Zell mit ihrem vordem Ende er- 
hebt, to müssen die 6 folgenden Rippe* und da* Brust- 
bein notwendigerweise in demselben firafle» lieh erhebe*. 
Hieraus geht also der/Satz hervor, deßi die 7 ersten Rip- 
pen, mit ihrem vordem Ende in einem .durchaus gleichen 
Grade «ich erheben;- in einem Worte, .die absolute Erbe» 
bong des Brostkajsttus bleibt dieselbe, Die£te,Bto nnd l*e 
Rippe, die untereinander, artieuliren nnd mit dem Brustbeine 
durch, die f te Rippe veiftunden sind, feeigen in dieser Hin- 
sieht keine Verschiedenheit, denn es ist, als ob die 7te Rippe,' 
welche die 3- folgenden gleichsam verlängert nnd sie mit 
ihren vordem Enden an das Sternum befestigt, ans ihnen 
allen einen einzigen Körper macht. JHe 6te, 9te und löte 
Rippe sind demnach gezwungen, der 7ten bei ihrer auf- 
steigenden Bewegung an folgtn. Unabhängiger ist die 
Ute und 12te Rippe, weil sie nicht, wie- die 3 vorherigem, 
durch die 7te an das Sternum befestigt sind. 

Da nun die Rippen mit ihren vordem Enden eine ab- 
solute Bewegung des Aufsteigen« machen, oder mit an- 
dern Worten, da daa Aufsteigen für alle Rippen absolut 
genommen dasselbe ist, da sie ferner je weiter nach unten 
desto länger werden, so müssen sie natürlich in ihrem 
hintern oder Vertebralgelenke auch um so weniger sieb 
bewegen, nnd in den verschiedenen Punkten ihre* Lage nnt 
so weniger sich erheben, je weiter sie nach unten liegen« 
Mit einem Worte, das relative Aufsteigen, der Rippen ist 
um so geringer, je weiter sie nach unten Hegen, das hcHst, 
je länger sie sind, oder 1 um genauer in sprechen, die Be* 
wegung des Ansteigens der Rippen geschieht in umge- 
kehrtem Verhältnisse zur Gröfse des Längenbogens jeder 
einzelnen Rippe, die Knorpel derselben au* eingerechnet Es 
ist klar, dais man streng gekommen van den, falschen nnd 
von den vom ganz losen Rippen dabei abstrahlt** mnta*:? 

6) Die Rotationsbewegung der .JUpffen;. besteht 



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170 

darin, dafb sich eine jede derselben um rieh selbst oder 
vielmehr uin eine von einem Ende der Rippe nach ihrem 
andern gesogene Linie dreht. An dieser Bewegung nimmt 
jeder Knorpel vollkommen Aritheil, ab wäre er ein Tbeil 
der Sippe; er bildet in der Thal mit seiner Rippe einen 
gebrochenen Hebel, der bei den 7 ersten Rippen von den 
Wirbeln zum Stenrom geradezu, und bei den untersten 
mittelbar sich erstreckt. Bei dieser Bewegung wird die 
Convexilät jeder Rippe durch die Inspirationsmuskeln ge- 
hoben; diese Bewegung erstreckt «ich bis auf die Gelenke, 
und hier widerstehen die Ligamente sogleich, sobald die Be- 
wegung beginnt; sie geschieht darum gleichsam auf Un- 
kosten dieser Ligamente, die gedehnt ode? gespannt wen- 
den, ferner auf Unkosten der Rippenknorpll, die sich da- 
bei drehen und falten, je nachdem sie mehr oder weniger 
genau dem Bogen dcfr Rippe folgen , der durch sie ver- 
längert wird. Ist* aber die roürende Bewegung bei allen 
Rippen «Beselbe? Um diese Frage zu beantworten mufs 
man die Rippen naeh einander untersuchen, «her nicht 
iseiirt, wie es Magmdie gethan hat, sondern in Ver- 
bindung mit den Wirbel» und dem Brustbeine, indem 
man dahin eiwögt « 

1) die Wirkungen, welche die Richtung der Ebene oder 
die Conreiitit einer jeden Rippe hat; 

3) den Winkel, welchen der Knorpel mit seiner Rippe 
bildet; 

3) die Llnge dieses Knorpels; 

4) die Beweglichkeit jedes Gelenks bei dar Rotations- 
bewegung« 

Es ergieMt sich dann folgende*? - 
Die Ebene dar Rippen oder die Convexität ihrer 
Krümmung sieht um so mehr nach Unten und Aufsat, 
je weiter die Rippen naeh Unten liegen, und gestattet 
ihnen um so mehr bei ihrer Erhebung den Quer- 
durehmesser der Brust zu vergrößern; übrigens bilden 

12* 



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180 

die Rippen mit ihren Knorpeln nm so spitzere Winkel, 
und die Knorpel iind um so länger und folglich um so 
biegsamer, je weiter die Rippen nach unten liegen. Ana 
dieser Anlage geht hervor, dafs, wenn die Rotationabewe* 
gung in den lsten beiden Rippen gar nicht geschieht, sie 
in den folgenden bis zur 7ten Rippe nm so merklicher 
wird. Noch freier vollführen die 8te, 9te lind 10te Rippe 
ihre Rotationsbewegungen, weil sie mittelst der 7 ten Rippe 
noch gröfsere Bögen machen. Die Ute und 12te Rippe 
sind von den vorigen tu unabhängig, als dafs man sie den- 
selben Gesetzen unterwerfen könnte. Die Rotation der 
Rippen wird also um so stärker, je weiter sie nach Unten 
liegen. Aus dem Gesagten lassen sich folgende Schlösse 
ziehen: 

1) Das Sternum hat 3 Bewegungen, eine aufsteigende, 
eine vortretende und eine hebelartige. 

2) Die Rippen haben im Allgemeinen 2 Bewegungen, 
eine rotirende und eine aufsteigende. Die Rotationsbe- 
wegung, in den ersten Rippen wahrscheinlich nicht vor- 
handen, wird von der lsten bis zur 7ten Rippe immer 
grßfser, und von da an bfr nur lOten einschliefsüch immer 
noch zunehmend. Die aufsteigende Bewegung 1 ist entwe- 
der absolut oder relativ;! die absolute ist für alle 10 ersten 
Rippen an ihrem Vordem Ende dieselbe, aber dfo relative 
wird von der löten bis zur lsten Rippe immer stärker und 
steht in umgekehrtem Verhältnisse zur Länge jeder Rippe 
oder zur Entfernung ihres hintern und vordem Endes 
von einander. 

3) Endlich ist die Summe der Bewegungen bei der 
gewöhnlichen Athmung an der Basis der Brusthöhle grös- 
ser als an der SpRie, auch ist bei einer sehr lebhaften 
und energischen Athmung dife absolute Bewegung in den 
untern Rippen viel stärker als in den obern. 

Das Ausathmen kann hei ganz ruhiger Respiration 
schon durch biofsen Collajratis, durch die Elastieität, oder 



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• • 181 

durch Herstellung der voriier ausgedehnten Theile in den 
Status quo erfolgen, und das rahige Athmen scheint weniger 
aas der Abwechselung antagonistischer lluskelbewegun- 
gen, als vielmehr periodischer Inspiratfrnsbewegüngen zu 
bestehen. Wenigstens erfolgt das Ausafthmen von selbst, 
so wie che Inspiration aufhört, Bei kraftvollem Ausathmen 
•wirken diese Muskeln stärker, in noch höherem Grade und 
selbst krampfhaft, wenn Reitzung in den Lungen oder im 
Kahlkopfe stattfindet und Husten eintritt DieBauchmusketn 
tsind in safernResnirationsmuskein, als sie die Rippen nie- 
derziehen, und durch Zusammendrüekung des Bauche« die 
-Bctucheinge weide gegen das erschlaffte Zwergfell in die 
Habe treiben und so die Brusthöhle» von unten verengern. 
Dieses sind die Musculi reoti, obliqui und transversi abda- 
minis, der quadrahis lumborum, der serratus posticus in-' 
ferior, der sacrolumbaris und longissimus dorsi. - ■*> 

. b) Im anormalen Zustande. 

Das Hauptagens der Respiration ist, wie aus dem Vor- 
■ angegangenen hervorgeht, das ZNver^feH. Der Brustkasten, 
kam sich auf« die augenscheinlichste Art erweitern, ohne 
dafs in demselben Verhältnisse das AthmungsgeräuscK an 
•Starke zunimmt Dieses Phaenomen ist aHtäglieh und doch 
■fragt man- sieh weiten nach dem Grunde desselben, den 
wir einzig und allein darin finden, da€s die Entfernung der 
Rippen von der Axe des Thorax diese Höhle nicht um 
ein Bedeutendes erweitert, dafs diese Entfernung einen 
-hohen 'firad erreicht haben kann, ohne dafs die Lungen, 
die immer der Bewegung des- Thorax folgen, sehr expanr 
dir* würden, und dafr von der andern Seite in Fällen, wo 
die Rippen von den heftigsten Bewegungen agitirt wer- 
den, das Zwergfell) das Hauptinstrument zur Erweiterung 
der Brusthöhle, kaum sich . zusammenzieht Mit einem 
Worte, wir glauben, dafs die sogenannte Respiratio 
abdominalis, oder die Art des Athmens, wo das 
Zwergfell allein thatig ist, und die Rippen bewegungslos 



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IM N 

daliegen, für Krankheiten dar Brustorgane ein «eiche* van 
viel geringerer Bedeutung sei, «I« umgekehrt dieR*spiratio 
thoracic« für die Krankheiten der Uüterteihsofgan«. Bie 
Respiration soll abdominal »ein, sagen «te Schriftsteller, 
bei intensiven md sehr ausgebreiteten Entsendungen de* 
Langen and Pleura > bei chron. Pleuresien ms? Ergufs, 
bei Verwachsung der Langen mit de* llipsnmfrlonra in 
ihrer Totalität auf beiden Seiten, was «mdftdfch mtfoe* tter- 
koaunt, in allen den Fallen endlich, wo che langen un- 
laoglieh iut Aufnahme von Lau g ew or d e n sind. Warnen 
bei Krankheiten desLungennarenchynui die Brusthöhle sich 
nicht erweitern sollte, sehe ich nicht recht ein$ aber in vie- 
len Fällen ron Entzündung der Pleura beider Seiten habe 
ich dieses Zeichen vermifsk umgekehrt in wie vielen Fäl- 
len ist nicht die Respiration abdominal» ohne dafs cfenBrusa- 
organ krankhaft ergriffen warn Was thot hier mchtGewohn- 
heit? Damen, die ron Jagend auf das Corset tragen, ath- 
men immer mehr mit der Brest als mit des* Bauche, viele 
Greise, bei denen die Costa -Steraal- Knorpel in Feige* das 
Alters verknöchert sind, athmen nnr mit dem Baaske. 
Ich habe mehrere Fälle von reiner Pericardäie mit Stichen 
durch das Hers bei jeder Inspiration beobachtet, wo das 
Athmen auf die auffallendste Weise nur mit. den Rippen 
vor sich ging, wahrscheinlich weil die Zertang, des Rek»- 
beuteis nach unten bei der Senkung des Zweigmutkass 
su heftigen Schmer« verursachte Auf jeden Fall ist also 
die Respiratio abdosatnalis bei BrüstkrankheiUöi ein zwei- 
deutiges Zeichen, dessen Vorhandensein allerdings dfy 
Diagnose bekräftigt, dessen Fehler aber kein Gewicht hat. 
Von größerem Werthe ist sehen das ungleiche oder 
unvollständige Athmen, Hierbei bleibt ehieBEuathäifie 
ni ihrer gangen Ausdehnung oder nur tbeilweam bewe- 
gungslos, während die andere normal sieh erweitert Ob- 
gleich dieses Zeichen auf eine sehr hervortretende Weise 
auch bei der einfachen Pleurodjnie, bei der acuten Bepa- 



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titis v»rtommt^v *ftg > s i f h Jeder Schmerz in den Reuehein*» 
petteidaa die Respiration der entsprechenden Seite hemmt 
und folglich auch in einem gewissen Grade die Unbeweglich- 
keil der «l^rfeeheÄÄeil Rippt*nreratiU»«en kann, obgleich 
endlich dieses ZtHtihen sdkwer nufenfassen ist, mid et 
dazu der Eatblöfouitg der ganzen Braak bedarf , so muff 
«Hin. doch dweai' kosendem in zwei Fällen Notiz nehmen« 
-:•' fl) Indtf Pleuritis, wo die Rippen derjenigen Stellen, 
die der Entsitndutog entsprechen ,. oder «ine ganze Brust- 
hilfl» J i m m tgsrngs l o s daliegen können. 

2). In der tubercutösen Lungen*ehwindsueht; 
hier hat u4«dra/ ekle Uabeweglichkeit oder wenigstens 
niato gecine^e Erweiterung der.Rippen «n denjenigen Stel- 
len, beobachtet, wo die Tuberkeln in groifeer Zahl sage* 
hätft »sindi/ Diese zeehr oder minder -vollständige Unbe- 
wtegUch^eit einestTheils der Brustwandungen ist nach An- 
drai bei manchen Phthisikcrn besonders unter einem der 
Schlüsselbeine, zwischen diesem Knochen and dem Busen 
bemerkbar, AM« nicht auf das Dasein grolser tuberku- 
Rtsfar fiicaintiauea ist diese theUweiae Unbeweglichkeit 
der Rappen gegründet, sondern sie fallt. mit der «krönt* 
Mben Fiieuinonie ^usanoimen, die sieh um die rohen mehr 
•der wettiger zahlreichen Tuberkeln, oder nm »kleine Höh- 
len gebildet hak Daher ist sie auch gewöhnlich von einem 
mitten Tone heim Anschlage begleitet. Es seheint, setzt 
ApdraJ hinzu ,. die Brustwandung am den Stellen einge- 
drtjpkti za sein, .daran Rippelt auf' diese Weise bewegungs- 
los, geworäen sind, edier doch sieh nur Aehr wenig bewe- 
gen; aber diese Depression ist nur scheinbar, hingt nur 
von 'der mangelnden Erweiterung ab, und mufs von der 
wirklichen Depression unterschieden werden, die zuwei- 
len da beobachtet wird, wo eine Höhle vorhanden war,, die 
sieh vernarbt hat. Dann senken sieh die Rippen nach 
Innen, um der Lunge zu folgen, die eingesunken ist, ge- 
rade iso wie man. sie in Folge eines resorbirteu Ergusses 



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184 

in der Pleura einsinken sieht, In ätor Fällen, wo gewiss* 
Verhifltniise die Lungen verhindert bfaben* zu ihrem Mibe* 
ren Volumen zurückzukommen« 

Bemerkenswert ist noch, defi W PktWAern, selbst 
bei denen, wo da* Athmen noch ziemlich frei vsm Statten 
geht, bei jeder Insptaatien sfch die Rippen auftauend be- 
ben; die Art zu Athmen wird dann «beim Manne, wie sie 
bei der Frau zu sein, pflegt, nur mit dem Qntetschiede, 
daff, was bej dieser physiologisch ist, bei jenem eine pa- 
thologische Erscheinung wird, und die beginnend» Atten- 
tion des Lungengewebes andeutet« 

Bei magern Personen, sagt La&mec, sieht man m- 
weilen gan* deutlich die Expansion der. Lnngcp z w ischen 
den Knorpeln der obem falschen Rippen durch f diese Räume 
schwellen bei der Inspiration an, und sinken bei idet Ex- 
spiratien ein. Nfe, fügt er hinzu, ist es mir gelungen, ron 
dieser Bemerkung eine Anwendung für: die Diagnose ir- 
gend eiiies pathologischen Falles machen zu kennen. Ich 
meinestheMs habe bei dickleibigen, scroptalösen* auft au- 
fserste abgemagerten Kindern, deren Athem Sehr beschleu- 
nigt: war, vergeblich nach, diesem Phaenomene gebucht . 

Aas dem Gesagten ergiebt sich, dafe die Inspektion 
der Bewegungar des Thorax in diagnostischer Bemehujkg 
von keinem grofsen Nutzen ist, besonders wenn man an> 
fser diefer Methode der Exploration noch ■ die Anscnltdtton 
und die Pereussion anwendet« Für sich alleip läfst.die In 
Rede stehende Methode nur etwa erkennen, dafs <eiii Hin* 
dernifssich dem freien Eintritte der Luft in den Weg stellt, 
worin aber. dieses Hindernifs seinen Grund hat, giebt %& 
durchaus nicht an. Die Betrachtung der Formen de* Brust- 
gewölbes bietet ebenfalls nur confirmatire Zeichen dar, 
die dem Arzte zwar angenehm, aber nickt noth wendig 
sind, da die Diagnose eben so fest steht, wenn sie auch 
fehlen. 

In technischer Beziehung ist auch diese Methode mit 



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vielen UiHimiehÄllthkeHcB verbünde*', dam sie «rfordet 
dfe Entbtöftung der ganzen Brost, was bei acute» Brust- 
kranken, im kalten* Winter, während der Hautcrisis, bei 
4en% weiblichen GeseUeehte mehr oder weniger unaus- 
führbar ist 

Zusatz 1. Die Veränderungen in der Art des Re- 
spinrtieneprecesses , die rieh auf die Zahl der 
Respirationen in einer gegebenen Zeit, auf die 
Schnelligkeit, mit der die' in» und efcsplvatOrischen 
* Bewegungen vor sieh gclien-, anf die QuantttaVder 
t ein- «nd ausgeathmeten Luft, auf da» schwerere 
oder leichtere Lultbolen, anf die Gleichheit oder 
Ungleichheit, auf die GeriuscMosigkeit oder das 
Geräusch dabei beziehen, ' können wir nfebj; eis phy- 
sikalische Zeichen ansehen, weil/diese Veränderun- 
gen keineswegs immer in directer Beziehung zu or- 
ganischen Veränderungen der Lungen steilen, ja 
weil dieselben in vielen Fällen nur den Werth con- 
• stftutioneltar Symptome haben. In der That, wie 
mannigfach sind nicht die Eraakheitssustinde, die 
«siehe Veränderungen veMndassenl . Entzündungen 
der Respirations- Organe j Entzündungen des Unter- 
leibes, Fieber, welchen Namen sie auch immer fah- 
ren mögen, atsacische, adynamische, entzündliehe etc., 
organische Krankheiten des Herzens und der gros- 
sen Geflfifse, Krampfsuständo, Hypochondrie, Chlo- 
rosis, Phthisispulhiomim^ Apoplexie, Hydro^Tborax, 
Hydro -Pericarditis, Ascites etc, alle diese Zustände 
beeinträchtigen die Respiration in den genannten 
Beziehungen in einem mehr oder minder hohen 
Grade. 
Zusatz 2 So beschränkt die Anwendung der eben ab- 
gehandelten Methode beim Menschen ist, so vielfach 
wird sie in der Velerinirkunst benutzt, wie schon 
Latnnec bemerkt hat; die Nacktheit der Thiere 



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w* 



mwit.ff kicfcjt, ,/iie in Gebtaneh zm ziehen. Jute* 
hat man in der grefeen Mehrzahl der F*Ue hier 
rieht den Zweck, eine bestimmte Kimakhetaferm 
zu efckeune», und die ihr entsprechende Behand- 
lungsweise vorzusehreiben (die vielleicht mehr bo- 
rten würde, ate de« Thier werth ist), sondern man 
»will nur den Frei« des Thieres nach der gröfseren 
oder geringere* Freiheit nnd Leichtigkeit, mit der es 
Athem hott, feststellen. 

Zt&iUa Höchst beachtenswerth für Aerzte scheint 
uns der tbestand, dafe die Quantität der Luft, die 
in die Lunge eines gesunden, moralisch «ad phy- 
sisch inbige& Menschen gelangt, unendlich gering 
. gegfen die Meng» ist, die hei .eaaer absichtlich so 

■ . weit als möglich getriebenen fetpiratfeu dieses Or- 
.• genitalen kera^ dafs alae auch dteA*edehoung des 

, .- Thorax in beiden Fällen sehr, verschiedene Resul- 
tate liefert Um *a mehr verdient dieser Gegenstand 
. hettt zu Tage, die Auteerkaamkeit auf sich zu len- 
ken, als Mtmmdge am Lenden in seinem vor Kurzem 
erschienenen Werke über -die Phiauais, das den markt- 
schreierische« Titel: Die Phthisis ist heilbar, 
fuhrt, dieses fiiohveraaehlifugen heim ESnathmen 
als die Heuptnrsache jener Krankheit bezetehnet. Es 
ist hie* nicht der Ort, auf diese Idee einzugehen; 
vielfach ist dieselbe am den periadischeii Schriften 
des In* und Auslandes zur Sprache gekommen, nur 
müssen wir bemerken, ilaf» sehen Ahemethy, ange- 
regt durch die Untersuchungen Q**4im'#, Davy'* 
und ffliomp&on's über die Luftquantitat, die ge- 
wöhnlich in den Lungen enthalten ist, den Grad der 
Permeabiktft diese« Organs dadurch zu bestimmen 
mmute, dafs er die Luftaaeöge mafs, die bei der 
Exspiration aus diesem Organe ausgehaucht wird. 
Der Apparat, dessen er sich zu diesem Zwecke be- 



? 



i» 

dkat«, und 8e* den Noten des pnfcumatiecJtren 
Apparate« erhalten hh€,' itt fcariz derselbe, den die 

. Gttemiker so *& benutzen, inb ftesartefe unter Was*» 
«er ausH^gptvnur ist:« nach Maafsen eiBgeaheäs. 
Dje Quantität Luft, die ein gesunder Mensch hei 
jeder 'Exspiration ausstaHst, betraf 686 Knbik-C«*- 

: timaterf saänrkann behaupten, dirfs die/ Lunge zufci 
Theil tmdmAgäBgig 'fnr die Luft sei* wenn nnr / 
fiOOneder MO fontnneter tansgeaHrinet werden. ■ - 
Dada . die dfascnltation r und - die l Pereussion uns 
auf «ine vkL;sicherere ;jrad. weniger lunstiutdlkbe t 
Weis*: von der IiaptrineabisHät dar Lunge unter- 
richten y . bedarf kau* dar Erwähnung* We Pul- 
mo me tri e (so wurde die Methode genannt) halt nur 
tioch ejsrth -Mstorüdben Werth. 



'..'7. .CapiteJ'JV. 

I> i e Sncc #s « 1 o ff. 



.. • * Diese Methode der Efcpioralion ist wn Jfippokrotm 
Jeder ^em: seiner ersten Schüler in Aufwendung gesetst 
wordett, un eioen Ifrgiilf v<m Fklssigkeifc m der Brust- 
höhle tu erkennen. Sie besiebt darin, dafs man dem 
Kranken eibe oder ntehrere plfttxlche EricMttenirigen 
mÜUieät, damit dfe in seiner Brost enthaltene* Fluid« in 
Bewegung geeist werde*. D& hierauf banügfiche Stelle 
imltippoJtrmt** 1 ) lautet: , Nachdem man den Kranken uuf 
einen festen Stuhl gesetzt hat, der nicht wanken kann, 
lastfe mauern die aws^ 
hatten, uM «vhttttle Ihn nachher an der Scheiter, um «ubü- 



') De morbis II. §. 4a. Edü Tan der Linden. 



ügitizöd 



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reu, vtin welcher Seite die Kmfckheit das Gettesch her- 
vorbringen wW." Der Scblufs, dt* Hippokratea oder 
-die. Asklepiadeh aus einigen Beobachtungen in Bezug auf 
die abgegebene Methode sogen, istm atigemein, denn ee 
wtbht jetzt ziessskh feit, dafs die einfache Empyem sich 
«dt durch dieses Mittel erkennen tifht. Weil aber dieeee 
deichen aicb nicht in allen Fällen von i£m prent vorfindet, 
so ist er ganz vernachlässigt worden, und nur wenige 
Krankheitsfälle sirid gekannt, wo ein fieräuseh von dem 
Kranken selbst- öder, voa den Umstehenden bei der 
Bewegung des Stammes gehÄrt wurde, ohne dafs ge- 
sagt ist, ob in ditsm FäHen die hfypakrstische fiueeus- 
sion vertuest worden, und was füi* Resultate sie gege- 
ben -Mt - .', *♦ • 

La€nncc, mit dem Scharfblicke , der 4hm so eigen ist, 
hat auch hier bald das Rechte getroffen. Nie in der That 
wird bei, dem einfachen Empyem oder Hydrothorax die 
Fluctuation gehört, eben, so wenig als man ein Ge- 
räusch vernimmt, Wenn eine ganz mit Flüssigkeit ge- 
füllte Flasche geschüttelt wird. Aber wenn sich zu einer 
dieser Krankheiten noch ein Pneumothorax, oder ein Aus- 
tritt von Luft in die Höhle des BrustfeUsackes binzuge- 
aeilt> so hört man die Fluctuation und' zwar ganz deut- 
lich,, wenn der Luftaustritt schon vorgeschritten, and viel 
Gas schon in der Planta enthalten Ist, ganz auf eben die 
Weise, wie eine Flasche, diel zur Hälfte mit Flüssigkeit 
und zur Hilfte mit Luft gefüllt ist, beim Schütteln mehr 
Geräusch giebt, als wenn sie | Flüssigkeit und nur i Luft 
enthält Lattmec hat seihst Fälle beobachtet, wo die Be- 
wegung der Flüssigkeit für die Hand fühlbar wurde, wenn 
sich der Kranke wechselweise hülste und aufrichtete. 
-Ein so sicheres Zeiehen auch die hippokratisehe Fluktua- 
tion da gewährt, wo sie wahrgenommen werden braten, 
so hat doeh Laärmec einige wenige Fälle notirt, wo die 
Fluctuation anders gedeutet werden mufs. Es findet sich 



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In9 

nlmlich dieses Zeichen Midi noch «weiten, aber höchst 
selten, bei sehr grefsen, halb mit Flüssigkeit gefüllte* 
iod der Oberfläche der Longe ganz nahe gelegenen tuber- 
cniftten Excavatioaen.' La€tmeo gesteht, dafs ein solcher 
Fall sich nicht vOm Pnetimothota* mit Ergulli von Flüs- 
sigkeit in die. Pleura und Bronchialfistel unterscheiden 
liefse, wenn man nicht dem Gange der Krankheit von An- 
beginn an gefolgt wäre. 

Noch ein anderer Umstand kann hier einen nicht ge* 
übten Beobachter irre leiten. Gewisse Personen nämlich, 
deren Magen durch Gas ausgedehnt zu sein pflegt, lassen, 
wenn man sie am Stamme schüttelt, nachdeih sie eben 
Getränk zu sich' genommen haben, ein deutliches Flnc* 
tuationsgeräusch hören. Der, Irrthum ist aber bald zu 
vormeiden; denn wenn man das Ohr abwechselnd an 
die Brust und an .die Megengegend legt, so wird man sieh 
sogleich Von dem eigentlichen Sitze des Phaenomens über- 
zeugen. Uebrigens werden die auaeuttatorischen und per* 
cutorkehen Zeichen durch positive oder negative Resul- 
tate sowohl in. diesem Falle, als in der Mehrzahl derer, 
wo eine grofse E&cavatien in den Lungen zur Fluctuation 
Veranlassung giebt, vor Irrthum bewahren« 

Was die Technik dieser Methode anbelangt, so sollte 
man auf den ersten Anblick sie für höchst beschwerlich 
'und anstrengend für den Kranken so wie für den Arzt, 
ja für unausführbar halten. Morgagni äussert sich auch 
in diesem Sinne: „Humeris vero apprebendere et concu- 
tere ant alHer agitare non omnes - aegros . sane lfcet" 
Laännec behauptet aber im Gegenteil, dafs die Commo- 
tion, nach der Vorschrift von Hippokrates i ausgeführt, 
dem Kranken nicht lästiger sei, als die Percussion der 
Brust oder die Palpation des Bauches« Es sei nicnt nü- 
thig, um die f^uctuaiian zu hören, dafs man dem Stamme 
einen heftigen State oder selbst nur eine starke Bewegung 
mittheile? es bedürfe dazu nur, dafs man die Schulter des 



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196 

Kliniken ein wenig ecbneU sefaftttdt, indem mi selbst 
dfcbei Sorge tragt, die Bewegung zu beschränken, sie 
plötzlich aufzuhalten. Ten keinem der vielen leidende» 
und sehr erschöpften Kranken, bei denen er diese Methode 
in Anwendung setzte^ bebe er je eine Klage vernommen. 
Bs sei daher kein Grund vorbanden, dieselbe aufzugeben. 

Dafs in der Tbat die Gelegenheit, aus dieser Methode 
Nutien zu sieben, nicbt so selten sei, als man glauben 
konnte, beweisen die ftof Toitrettiehen Krankheitsfälle, 
die uns hierüber Lm&mec mittheiit, und die er simmtlkh 
innerhalb eines Jahres gesammelt hat 

Pressio abdominalis. Nur aus Achtung vor Ä- 
chmt, ihrem Erfinder, erwlhnen wir diese Methode der 
Exploration, die darin besteht, dafs man die Hypochon- 
drien stark: von unten nach oben in die Höbe hebt, um 
den Grad der Beklemmung und Angst zu beurtheflen, der 
in Folge dieses Manoeuvers entsteht. Nutslos in Bezugr 
auf ihre Resultate, und höchst schmerzhaft in ihrer An> 
wendung, selbst bei Gesunden, wire diese Methode schon 
langst in die Vergessenheit hinabgesunken, wo so Viele*- 
sehlummert, wenn es nicht ein grofses Genie wire, dem 
diese unglückliche Idee entschlüpft ist 



Capitel V. 

Palpation des Thorax, Auflegen der Hand 
auf denselben: 



Die Festigkeit der knöchernen und knorpligen Wan- 
dungen der Brust UM es nicht zu, dal* wieget der Bauch- 
hfthle min durch das Befühlen und dasDrüeken zu ir- 
gend einer bestimmten Kenntnifs der Veränderungen ge- 



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1*1 

langte, di# in dieser Hohle Statt gefunden haben, lue 
Fluctuötion, oder die Empfindung von de» Schwappen ei- 
ner Flüssigkeit, kenn aus denselben Gründen durch das 
beifei Bauche angewendete Verfahren, an der Brusthöhle 
nicht hervorgerufen Werde*. &w*e ,< Corvitart und jFmmJ 
kahen eine sehr merkliche Wetteiabewegung in den Zwi» 
sdbennppcsräumenrbeo^acl^et, die. ersteren beiden in Fäl- 
len von Pertcarditis, der letztere bei« Ergnsse in der Pleura* 
La&mec stallt diese Facta durchaus in Abrede; nach seiner 
Meinung kann die Fluctuation in den XwiseJienrippenriUnnen 
nur dann Statt haben, wenn die ergossene Flüssigkeit sieh 
etnen Weg durch, die Intercostalmuskeln gebahnt, und in 
dem aufsern Zellgewebe einen i'Absccfö gebildet hat) oder 
wenn, was noch seltener ist, die Zwiehenrippenritunte 
durch die in der Brust enthaltene Flüssigkeit kngelartig 
hervorgetrieben sind (espaces iatfeircestau*: bombe«.) 

In den neuesten Zeiten hat Tarral 1 ) ein Verfahren 
vorgeschlagen, durch, welches man in Fällen von Erguö 
in der Pleura auch an der Brusthöhle die Fluktuation soll 
hervorbringen können. Er nennt diese Fluctuation. «ehr 
gut die peripherische (Fluctuation peripbemqiie}, in 
Gegensätze zu der centralen Fluctuatfon des Bau- 
ches bei Wasseransammlungen in dieser Höhle. Um die 
peripherische Fluctuation hervorzurufen, soll man 
einen Finger zwischen zwei Rippen legen, und in gerin- 
ger Entfernung davon mit einem andern Finger, pereutt» 
rcn; man fohlt dann deutlich, besonders bei magern Man* 
seien, auch ohne -flafo die Zwischenrippesräume hervor«» 
getrieben sind, wie sich die Flüssigkeit bewegt. Ich nahe 
oft, aber bjs jetzt immer ohne Erfolg dieses Verfahren 
versucht; hei* einest Schuhmacher mit ungeheurem , auf 
den ersten Anblick sich kund gebenden* Ergüsse fei der 
unken Pleura; in Folge dessen cfie linke Brusthöhle inrve*- 



1 ) Tarral Journal hebdomadaire, 24. Arril 1830. 



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193 

hfitnitanftfrig ehreitert ist, habe ich jetzt dien, wo ick 
dieses sehreibe, die peripherische Fluktuation in erhalten reiv 
gebens mich bemüht. • Es müssen also gewfifii andere, noch 
unbekannte Bedingungen erforderlich seht, um dieses Zci- 
eben auftreten zu lassen. Uebrigens gesteht Tarrai 
selbst, dafs, um ein pleurHJsehes Exsudat zn erkennen, 
andere, bequemer in erhaltende und weniger maniielle ©e- 
schiekllchkeit erfordernde Zeichen vorhanden sind. 

Mehr Nutzen für die Diagnose gewährt das einfache 
Auflegen der Hand auf das Brustgewölbe. Wir haben 
schon oben zu erwähnen Gelegenheit gehabt, daffe, wenn 
ein gesunder Mensch spricht oder singt, seine Stimme, 
eben so gut nach Innen als nach Auffeen wiederhallend, 
die Brustwandungen in leichte Schwingungen versetzt, die 
man durch die Hand sehr gut wahrnehmen kann. Dieses 
Zeichen hört auf zu bestehen, wenn in Folge irgend eine« 
Krankheitszustandes die Lunge undurchgängig für die 
Luft geworden, oder von den Brustwinden durch eine 
Schicht ergossener Flüssigkeit getrennt ist. Bei dem 
Kranken, dessen wir eben erwähnt. haben« tritt dieses auf 
das Schönste hervor, wenn man zu gleicher Zeit die bei- 
den Hlnde, die eine an den untern, erweiterten Theil der 
linken, die andere an den entsprechenden Theil der rech- 
ten Prusthälfte legt, während der Kranke spricht. 

Wie alle negativen Zeichen, so hat auch dieses nur 
Werth, wenn es mit andern Zeichen und Symptomen zu- 
sammentrifft:, die auf denselben Krankheitszustand binden» 
ten. Aber selbst dieser geringe Werth wird geschmälerte 
dadurch, daffe es auch gesunde Menschen giebt, deren 
Brust, wenn sie sprechen, keine Erschütterung giebt, dafs 
diese Erschütterung bei fetten Menschen, bei' denen mit 
schlafler Hautbedeckung und bei denen , die eine hochüs* 
gende und nicht starke Stimme haben, gleichfalls nicht 
fühlbar ist 



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193 

Ist dasselbe bei gesunden Personen, wenn sie spre- 
chen, wahrzunehmen, so sind die Seiten uqd der obere 
vordere Tbeil der Brust, so wie der mittlere Theil des , 
Rückens die Orte, wo es am deutlichsten hervortritt. 

Den Ergufs in die Pleura abgerechnet, giebt es s noch 
einig« andere Fülle, in denen das Auflegen der Hand auf 
den Thorax dazu beitragen kann, der Diagnose eine grös- 
sere Sicherheit zu gewähren, 

1) Wenn die Hand etwas i stark angedrückt wird ge- 
gen Stellen der Brustwand, die ausgebreiteten', krümmen 
oder vielgetheilten, der Oberfläche der selbst an dieser 
Stelle mit der Rippenpleura verwachsenen Lunge nahe lie- 
genden Tuberkelexcavatienen entsprechen, so fühlt man 
xa weilen ein Rasseln, ganz ähnlich dem Rasseln, Aas 
man in diesen Fällen hört Effist dieses kein so gar selte- 
nes Zeichen. 

2) Auch bei dem Catarrhus suilbcativus und in der 
Agone begleitet zuweilen ein für die Hand fühlbares 
Rasseln das immer in solchen fällen hörbare Rassel- 
geräusch. 

3) La&mec will gefunden haben, dafs dies Zeichen 
auch in deift Falle sich. einstellt, wo ein peripneumonischer 
Abscefs oder erweichte Tuberkelmaterie sich in eine 
Pleura efgiefst, deren Lungen- und Rippenplatte in ihrer 
ganzen' Ausdehnung verwachsen sind. 

, 4) Endlich behauptet noch derselbe Schriftsteller, dafs 
in Fällen von Lungenemphysem vnd besonders beim in- 
terlobulären, ein Gefühl von trokenem Knistern (Cr6- 
pitation siehe) von der aufgelegten Hand empfunden 
werde 



13 



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194 



Capitel VI 
Von der Mensuration des Thorax. 



Das bisher angewandte Verfahren, um den ETmfang 
beider Seiten des Brustgewölbes vergleichsweise zu mes- 
sen, konnte für die Diagnose nicht viel Früchte tragen; 
denn dieses Verfahren, darin bestehend, dafa man ein 
Band oder Ledergurt von dem Schwerdtknorpel, da wo er 
das Brustbein veriMrt, bis zum Dornfortsatze des mit die- 
sem in derselben horizontalen Ebene liegenden Rücken- 
wirbels führte, war sehr ungenau, einestheils wegen der 
Schwierigkeit, das Band oder den Riemen gleichmäfsig 
zu spannen, und ihn gerade nach derselben Höhe zu lei- 
ten, anderenteils wegen der Unmöglichkeit, auf eine 
gleichmütige Ari die an Dicke oft um mehrere Linien 
verschiedenen Muskeln zu comprimiren. Nur eine schon 
bedeutende Differenz im Umfange beider Seiten. Jkonnte 
man also durch dieses Verfahren erkennen; und dazu war 
wieder die Messung überflüssig, denn, betrügt. diese Dif- 
ferenz nur. einen halben Zoll, so ist sie schon dem bios- 
* sen Auge sehr bemerkbar. , 

Es ist aber wichtig, schon eine geringe Zunahme des 
Durehmessers der Höhle von. vorn nach hintev zu er- 
kennen, weil schon eine geringe Erweiterung in dieser Rich- 
tung die wirkliche Capacitat des Thorax um ein Bedeu- 
tendes vermehrt; denn von allen Begrenzungen,, die eine 
gegebene Peripherie, also z. B. ein Faden von gegebener 
Lfinge, bilden kann, enthalt die kreisförmige den gröbsten 
Flächenraum; in diesem Sinne aber nimmt der Thorax an 
Umfang zu, wenn der Durehmesser von vorn nach .hin- 
ten gröfser wird. 

Das Verfahren nun, dessen sich Chomei bedient, ist 
jedem anderen vorzuziehen. „Ein Riemen, ganz dem Maafse 



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195 

der Schneider &hnl%h, undüri Zolle und Linien getheilt, 
dient dazu», ' dptf Transitersal * Dnrdtmesser der Brust zu 
messen. Der Kranke ist in sitzender Stellung mit .über 
den Kopf geschlagenen Händen,; so Wenig als möglich 
seine Lage verändernd; der .Riemen wird nun mit seinen 
Enden an die Mitte des Brustbeins angelegt, und auf den 
direct entgegengesetzten Punkt der Whftelsäulc zu einem 
Dornfortsatze geführt, indem er bei dem Manne ttber der 
Brustwarze» bei der Fran unter dem Busen geleitet wird; 
letzt wird die 4 andere Seite des Thorax untersucht, indem 
man sorgfältig darauf siebtet, daslMaafs. über dieselben 
Punkte und auf dieselbe Weise anzulegen, ohne die, .ge- 
ringste Bewegung: zu veranlassen, die den Kranben aus 
der Stellung, Teiche er einnimmt, treten lassen könnte. 
Nun schreitet man, zur Messung des Biameters von^vorn 
nateh hinteti. Ckbmel bat mezu ein eigenes Instrument: er- 
fanden, dafs er zwar In seiner Klinik Vorgezeigt, aber nir- 
gends beschrieben hat, dal^er eine* ÄeicbWung, die #ir gern 
gegeben haHtdn,, nioht eptisürt ,^Es gleicht, de*; Form 
nachy dedi Maafsev dessen siirih die TOzm&meren Schuhma- 
eberdesORai*is> Royal bedienen^ edei» ungefähr dem be- 
kannten Stangenzirfeel: *• eifo «gerader , Schaft vep $blirtem 
Stähle istgradäiitt and' aar hinein seiner. Enden durch eine 
festsitzenden Blatte begrenzt 5 . ein anderer, gerader,: Schaft 
gebt' durch 'den ersteren der Langeoriehtungnachr durch, 
W&ist in Wim beweglich^ so tlatfs er aus. Ami' bierausgezo- 
gen und wfedir hineingeschoben werden Ikann; An diesem 
beweglichen Schafte 'ist nun ein Ckirsor befestigt, der dazu 
bestimmt ist, ihri in sehier ganzen. dltadehnung zu durch- 
laufen« Die feste /Platte wird zuerst auf einen Ptankt der 
Brust gesetzt, darauf «wird die, welche den, Cursor bildet, 
altanäblig mit dem tmtgegengesetztenvPunkte in Berührung 
gebracht" Die* Labeette *rom Jähret 1827, die dieses 
mfttheilt* fQgtüinsu, ! dafe mehrere Kranke, bei deüen auf 

13* 



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196 

den ersten Anblick iM Seit© de^Iatrnat »icfct grft&er 
als die andere zu aein achidn, dieser doppelten Messung 
unterworfen, wurden $: and dafe Irtan in Folge dieser Me- 
thode* eimJ »Erweiterung bei -innen entdeckt hat, die bei 
dem gewöhnlichen Verfahren sichsfrlicfa der Beobachtung 
«ntgtmge« wfirf , 

: " ■ Uebrigens ieVei nnk bei sehr bedeutenden Ergüssen 
in die Brusthöhle, dafnldie Mensüratte* des Thorax auf- 
fallende Hesultate giebi. f Ebenso verhält ies' steh mit der 
Untersuchung der Zwischenripperir a^mle.: In.' Fällen voa> 
starkem pleuritischen Exsudate 'sind diese Blume auf der 
kranken Seite viel breiter als auf der gesunden, besonders 
am mittleren Seitentbeile der Brust. Dies. ist auch em gu- 
tes Büttel, um einen hohen Grad des Hydrothorax tön voll* 
kommen hepatisfarfen Zangen zu unterscheiden. . 
Zusatz. Ifachdem wir nun die sechiP Methoden der 
Exploration des* Thorax, nimlieb die Percussion, 
die Auscultation/ die Inspektion der Brust* 
die Succuaeioa^ die Palpatiota mit dem Aufle- 
gen derHameVund dm Mensurattofe beleuchtet 
haben, ist es ivmhl nicht anl unrechten Orte, die 
frage aufzuwerten, welche .Y<m diesen Methoden 
für die Diagnose der Brustkuenkhteiten die frufctafc 
barste sei. Von den. vier letztgenannten Methoden, 
die mit der Pereusaidn und AutfenUaüdn 4robL nitkt 
in eine Linie gestellt werdete könne* /riet unstreitig 
die Inspektion!* der iBitasft die wichtigste; auf .sie 
folgt die Menaurnimn, dann ; die' Zeichen, dm- das 
Auflegen de* Hand giebt,- data etsfr die Suecussion, 
- zuletzt die Palpaiiom Wie aber verhalten sieh die 
Percussion ' lind ' die Auscultation ihrem absoluteti 
Werthe nach zur Diagnose dar Krankheiten uritt 
speciell de* Brdafkrankhekenl Die Zeichen, die Utas 
die? Percussion gewahrt, sind rein physicali- 



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197 

sehe 1 ), die der AttfcultatJon phrsicaliscb>Vitale; 
die etatevenaMftlen daher von weit gröfserömWer- 
the sein/ weil sie zu de« kranken Organen in einer 
directereü ^Beziehung s stehen, also objeetiver sind; 
aber dem ist keineswegs so; dje «uscultatori- 
sehen Zeichen sind sehori vorhanden, es bedarf 
keines Manoeuvers von Seiten des Beobachters, um 
sie hervorzurufen ; das Aihinüngsgeräuseh, die Herz- 
töne sind da, mag ein Oh* sieh 'finden^ um sie zu 
hören oder nicht; die Zeichen der Pereussion wer- 
den erdt durch eine Manipulation hervorgerufen, 
sie hingen also von de* Art ab, wie diese Manipu- 
lation vollzogen wird; oder, in anderen Worten, in 
Bezug auf den Beobachter ist die Auscultation etwas 
rein Passives, die Pereussion dagegen ist eine Aetion, 
daher ist sie subjeetiver. Wenn man von dem 
Leber-, dem v Lungen- und dem Herztone spricht, so 
heifst das von Tönen sprechen, die erst durch den 
Anschlag an jene Organe hörbar gemacht werden. 

Ferner hängen die auscultatorischen Zeichen 
nur vom Gehöre ab, die der Pereussion bedürfen 
zu ihrer Auslegung, aufser dieses Organes noch des 
Gefühlssinnes. Dieser Sinn ist aber viel subjeetiver 
als der des Gehörs, auch ist er bej der grofsen Mehr- 
zahl der Menschen nicht so ausgebildet. 

Die Zeichen der Pereussion, nur auf das Leer- oder 
Voll-, das Hohl- oder Massivsein der Körper sich be- 
ziehend, können nur über eine geringe Anzahl organi- 
scher Veränderungen Auf schlufs geben, und lassen, ab- 
solut betrachtet, die Verwechselung der verschieden- 
artigsten Krankheitsformen zu. Das Feld der Ausculta- 
tion ist bei weitem gröfser. Endlich beziehen sich 
die Resultate der Pereussion nur auf extreme Fälle, 



! ) Vergl. Einleitung. 



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196 



sie lassen nie 4m Entstehen einer Krankheit, wie r 
doch so oft die Auseultation, ahnden. Wir folgen, 
Vermittelst der auskultatorischen Zeichen in diesen 
Fallen der Entwicklung der Krankheit, in so fern 
sie sich auf Veränderungen in dem Gewebe der Or- 
gane hezieht; und hat sie ihren höchsten Grad er- 
reicht, so verlieren wir sie auch bei der aUmihligen 
Rückbildung nicht ans den Augen. Bei derPercus- 
sion kann dieses nicht Statt finden. 

. Aber beide Methoden ergänzen, controlliren sich 
gegenseitig; durch die Gombination beider erlangt 
man, was die eine oder die andere nur Treffliches 
geben kann. 



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Zweite Abtheilung, 



In dieser «weiten Abtheilung sollen die am häufig- 
sten vorkommenden Krankheiten der Lungen und des 
Herzens hinsiehts ihrer Diagnose durch pjijsica- 
li s che Zeichen betrachtet werden. Da aber diese Zeichen, 
je nach den verschiedenen Perioden der Krankheiten an« 
dere sind, so werden wir nicht umhin können, bei jeder 
Krankheitsform die Momente anzugeben, von denen diese 
Eintheilung in verschiedene Stadien hergenommen ist, ode* 
durch welche sie begründet wird. 



Gapitel I. 

Krankheiten der Respirationsorgane. 



Erster Abschnitt. 
Ton der Pleuritis. 

§. 1. 

JJeber die Diagnose der Pleuritis vor der Entdeckung der Aus» 
cultation und der Percussion. 

Vieler Jahrhunderte bedurfte es, ehe man zu den ein- 
fachen und exacten Vorstellungen gelangte, die man heut 
zu Tage von dem Sitse und der Natur der Pleuritis hat. 
Obgleich schon im Altertbume einige hervorragende Gei- 



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200 

ster, wie Arttaeu*, Paul von Aegima und Alexander 
Trolle*, Bwischen Pleuritis iind Pneumonie unterschieden, 
so konnte doch ihre Meinung, der anatomischen Beweis- 
führung entbehrend, nicht durchdringen; man warf beide 
Krankheiten in. eins zusammen oder spraoh dar einen zu, 
was nur der andern angehörte; man stritt darüber, ob der 
durchdringend stechende Schmers nicht die Folge der 
Pneumonie allein wftre, ob es eine Möglichkeit gäbe, dafs 
sich die Lunge ahne die sie bekleidende Membran ent- 
nünden könne, man war reich an bizarren Ideen und irri- 
gen Meinungen über die Adhaesionen zwischen den xwei 
PUtten des Brustfells, die so unendlich oft an Leichen 
vorgefunden werden. Und doch gehören diese Punkte 
ohne Widerrede au den wichtigsten der ganzen practi- 
schenMedicin, da die Lungen- mit der Brastfetfentsündiing 
wenigstens den lehnten Theil der Krankheiten ausmachen, 
die das Menschengeschlecht überhaupt heimsuchen* 

Erst mit dem Entstehen der allgemeinen Anatomie 
durch Bichai wurde die Entzündung des Brustfells, so wie 
die aller serösen Baute aus der Dunkelheit hervorgezogen, 
die über die Natur derselben verbreitet lag, erst durch die 
pathologisch -anatomischen Untersuchungen Broueeau?* l ) 
und Bai/U?* ») wurde es zur unumstöfslichen Thatsache, 
dafs, so häufig auch die Pneumonie durch eine Pleuritis 
complicirt wird, so doch das Vosksmmen der Pleuritis bei 
weitem nicht immer an <Jas der Pneumonie gebunden zu 
sein braucht 

Aber trotz dieses Biesenschrittes blieb, von dem Ge- 
sichtspunkte der practischen Medicin aus betrachtet, die 
Unterscheidung zwischen beiden Krankheiten doch nur 



') Histoire des phlegmasies on inflammations chroniques 
foudle snr de nouvelles obserrations de Clinique et d' Anatomie 
pathologique. 4te Ausg. Paris 1831. 3 VoL 

*) Becherehes sur la Phthisie pulmonaire par fr. L. Bayle. 
Paris 1810. 



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m 

eine nominale; die tftr ieide Cut identische Behandlaucs- 
weise ;wwde nicht imoh 4^ verschiedenen Sitae dar beih 
deuüebel, sondern nur nach der€ou*titutio epidemica «$tc; 

npudifeirt. * 

• Durch LaMnMec's unsterbliche Entdeckung) so wie 
durch die Percussion, die MensuraUon und die anderen 
phyataü. JJxplorationsniethoden ist die Diagnose dieser 
Krankbeitsferm , so wie die fast aller Brusikrankheiteu 
aitfjgftfcsUt* aufs höebste vervollkommnet worden» Es ist 
uicty häufig, dafs niit Hülfe dieser Zeichen man bei; nur 
einiger Uebung eine reine Pleuritis mit einer Pneunwuie 
verwechselt, obwohl bei Coraplicatipnen die Sache «Hh 
anders verhält. 
Zusatz. Andral nennt die Pneumonie, weil sie fast 
immer eine Pleuritis, sei es auch nur eine, circum- 
scripta, partiajis zur Begleiterin hat, aus diesem 
Grunde Pleuropneumonie, während in den sel- 
tenen Fällen, wo eine Pleuritis durch eine Pneumo- 
nie complicirt wird, d- h. mit vorwaltender Pleuri- 
tis, der Name Pneumopleuresie. von ihm ge- 
braucht wird. 

§• 2. 

Anatomische Charaktere der Pleuritis, in so fern sie auf die 
physicalischen Zeichen von Einflufs sind. 

Bei der Entzündung der Pleura überhaupt kommen 
3 Dinge in Betracht: 

1) Die Veränderungen des Gewebes; 2) die 
Veränderungen in derSecretion der Pleura; 3) die 
Veränderungen, die die Lunge in ihrer Form, 
ihrem Umfange, ihrer Lage und ihren Verhält« 
nissen erleidet, wenn ein Ergufs in der Pleura 
sie comprimirt, 

1) Was die Veränderungen in der Membran selbst 



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903 

anbelangt, so stehen sie in keiner direeten Beziehung in 
den physicalischen Zeichen.' Wir wollen der VoDstänolg- 
keit halber ihrer kurz Erwähnung thnn. Die in gröfte- 
rer oder geringerer Ausdehnung sieh vorfindende Röthe 
ist bei einer Pleuritis von mittlerem Grade einzig und 
allein die Folge der mehr oder minder lebhaften Injeetion 
der Gefäfse, die in der Zellgewebelage unter der serösen 
Haut verlaufen; die Membranr selbst ist vor wie nach 
durchsichtig; keine Verzweigung eines rothen Gefälles 
wird in derselben angetroffen. Ist die Entzündung sehr 
heftig, so stellen sich auf der serösen Haut selbst mehr 
oder weniger zahlreiche, Blut enthaltende Gefäfse dar; in 
geringer Anzahl lassen sie grofse Zwischenräume zwischen 
sich, und die Durchsichtigkeit der Haut ist kaum getrübt; 
in grofser Anzahl vorhanden, häufen sie sich knäuelartig 
an, anastomosiren sie auf tausend verschiedene Arten, in- 
dem sie Punkte, lange Streifen, grofse Flecke, mehr oder 
weniger gekrümmte Reifen, endlich eine einförmige Röthe 
von gröftrerer oder geringerer Ausdehnung darstellen. 
Weifs oder roth, verdunkelt oder durchsichtig, wird die 
Pleura in der grofsen Mehrzahl der Fälle durch die Ent- 
zündung nicht verdickt Die Schriftsteller, die die Ver- 
dickung der serösen Häute als eines sehr gewöhnlichen 
Phaenomens Erwähnung thun, haben offenbar die serosa 
selbst mit den Pseudomembranen auf derselben verwech- 
selt Die Erweichung und Verschwärung, die so oft in 
Folge der Entzündung am Peritonaeum beobachtet wird, 
kommt merkwürdiger Weise niemals bei der Pleuritis vor. 
2) Viel zählreicher, manigfaltiger und für dieDiagnose 
der Pleuritis durch physicalische Zeichen wichtiger sind 
die Veränderungen in der Secretion der Pleura. Die von 
der Pleura im gesunden Zustande ausgehauchte Flüssig- 
keit wird in doppelter Beziehung verändert; rücksichts 
ihrer Quantität und ihrer Qualität Eine Vermehrung der 
Exhalation scheint mit den ersten Augenblicken der Ent- 



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303 

zündung anzufangen. Von einigen Unzen kann sie auf 
mehrere Pfunde steigen« Bei solch einer Menge nimmt 
dann nicht allein die Lange den möglichst kleinsten Raum 
ein und wird aus ihrer Lage verdrängt, sondern es wird 
auch das Zwergfell stark nach Unten getrieben, und da- N 
durch ein starker Vorsprung der Unterleibsorgane, nament- 
lich der Leber zur rechten und der Milz zur linken bedingt. 

Die Rippen entfernen sich von einander, die Zwischen- 
rippenräume werden vergröfsert und nivelliren sich mit 
den Rippen, so dafs sie aufhören Vertiefungen zu bilden; 
endlich wird in seltenen Fällen, wo die linke Pleura der 
Sitz eines Ergusses ist, das Herz aus seiner Lage sei nach 
rechts gedrängt, und die Herzspitze so dem Brustbeine 
genähert, dafs die Herzschläge nur hinter diesem Knochen 
oder in der rechten Brusthälfte gefehlt werden. 

Die durch die entzündete Pleura abgesonderte Flüs- 
sigkeit besteht aus einem albuminösen, zu Pseudomembra- 
nen sich organisir enden, und einem serösen oder serös- 
purulenten Theile. Das Verhütnifs dieser beiden Be- 
standtheile' zu einander varfirt unendlich. Je mehr der 
entzündliche Charakter der Krankheit hervortritt, desto 
dicker und ausgedehnter sind die Pseudomembranen. Bei 
schwachen und lympathischen Personen findet man itaQe- 
gentheile nach Pleuresien eine grofse Menge klarer Flüs- 
sigkeit und wenige, dünne Pseudomembranen. In den ge- 
wöhnlichen Fällen von Pleuritis schwimmen in der Flüs- 
sigkeit, die immer klar bleibt, einige Eiweisflocken, von 
denen der gröfirte Theil sich zu Boden senkt Noch häu- 
figer, wenn diese Flocken in gröfserer Menge vorhanden 
sind, lösen sie sich in der Flüssigkeit auf und trüben die- 
selbe auf diese Weise. Durch verschiedene Uebergangs* 
stufen der Färbung und Consistenz kann diese Flüssigkeit 
zum reinen Eiter werden. Endlich hat man auch noch 
Blut, was aus einer Vene kommt, mit wahrhaft fibrösen 
Blutgerinseln, dann endlich eine der Consistenz des Ho- 



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204 

nigs oder dem Inhalte m^lieeriscber Geschwülste ähnliche, 
dicke, nicht als Serata; nicht als Efter so bezeichnende 
Masse in demi;Pleurasacke gefunden. . . 

Der albnmtnöse Theil des Ergossenen hat seiner Na- 
tur nach das Streben in de* festen Znstand übersngehen. 
Daher, die Pseudomembranen, die in Bezog auf ihre Or- 
ganisation, ihre Form, ihrä. Farbe, ihre Ausbreitung, ihre 
Oonsistenz und ihre Dicke so mannichfache Vecschieden- 
heiten darbieten. 

Die Organisation der Pseudomembranen ist gewifs 
eins dar wunderbarsten Phaenomene der pathologischen 
Physiologie. Dieter Prosefs. geht oft ntit unglaublicher 
Schnelligkeit vor sich. An Kaninehen, deren Pleura künst- 
lich durch Einspritzung von Essigsäure gereitst wurde, 
hat Andral nach W Stunden weiche und sehr dünne Pseu- 
domembranen gefunden, die ron röthlichen, nach Art der 
Gefl&e anastomosirenden Strichen durchsogen waren. Bei 
Personen, die erst nach einigen Tagen Kränkseins in Pleu- 
ritis au Gründe gingen, fand man die Pseudomembranen 
ton Gefifoea durch woben;, oft im Gegentfaetle findet man 
nach mehrmonatliehem Kranksein keine Spur von Orga- 
nisation der Pseudomembranen, was beweist, Aals diese 
Organisation nicht allein von der Ungern oder kiirsdrn Frist 
abhangt, die der Bildung derselben vorausgegangen, und 
dafs die Zeit, wo diese Organisation beginnt, nicht nach 
allgemeinen Regeln steh bestimmen läfst 

Was die Form der Pseudomembranen anbelangt, so 
stellen üe sieh bäldig als hirsekornfSrmige, isofirt ste- 
hende Granulationen dar, die man auf den ersten Anblick 
mit Tuberkeln verwechseln könnte (die wirklich spiter 
in rohe Tuberkeln sich transformirenden Hirsekorn -Gra- 
nulationen, die nach LaSnüec und Zot/w auf der Pleura, 
so wie in den Lungen und im Darme vorkommen, leugnet 
Andrmt) und betrachtet sie nur als Rudimente von Pseu- 
domembranen; dieses ist aber schon deshalb unmöglich, 



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weil diese Granulationen selbst oft in Pseudomembranen 
eingeschlossen sind)* Häufig ist die Pleura tbeil weise oder 
seibist in ihrer Totalität mit breiten Concretionea bedeckt 
und itore Dicke dadurch bedeutend vermehrt Die Ober- 
fläche dieser* mehr oder weniger vollständig organisirten 
€oncretkmen ist bald vollkommen glatt und schlüpf* 
rig, bald ist sie runzlig, uneben, würflig, bald wird , 
sie von sehr zahlreichen Filamenten durchkreutzt.' In der 
grofsen Mehrzahl der Fälle setzen sich diese ConcrefioneU 
als mehr oder minder lange, dichte und verschieden ge- 
staltete bandartige Streifen von einer Fläche der Pleura 
zur andern fort und bilden so Adhaerenzen zwischen 
Costa!- und Lung<enpleura. Sie durchkreutzen sieh 
vielfältig, indem sie die Flurs sigkeit durchziehen, 
und schliefsen dieselbe dadurch manchmal in 
Logen oder Zellen ein, die auf diese Weise gebil- 
det werden. Auch wenn keine ergossene Flüssigkeit 
vorhanden ist, findet mau manchmal die Lungen- und die 
Gostalpleura durch lange Streifen verbünden, die niehti 
zerreifsen, wenn man auch die Lungen um 1 bis* 2 Zoll 
v<m den Rippen entfernt! Dieses ist auch unumgäng- 
lich nöUüg,wäin. nicht das Spiel des Organs aufs bedeu- 
tendste beeinträchtigt sein soll; denn bei jedtfr nur 
einigcrmafsen tiefen Inspiration wird dasLagen- 
verhältnifs zwischen Rippen und Lunge ein an- 
deres, während die ersteren sieh heben, senkt 
sich die zweite, und folglich ist dann kein Punkt 
der Lunge me&ritin Berührung mit dems&lfeeir 
Punkte der Brusiwand. * 

Weich, leicht zerrcifsbar und von ei weihartigem An- 
sehen, so lange sie irisch sind, gehe« diese Adhaerenzen 
früher oder später in ein wahrhaftes Zellgewebe 
Über, das die beiden Blätter der Pleura fest mit einander 
verbindet. Sa findet man es bei' Personen, die vor langer 
Zeit Pleuritis gehabt hatten. 



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206 v 

Selten, daft die Pseudomembranen triebt dicker, als 
die Pleura selbst, oder dafs sie scbiebtweise unter der 
Farm sehr dünner Hfiutchen über einander gelagert sind. 

Meist sind sie sehr diek, oft in dem Grade, dafs sie 
gewissermaßen ein Futter für die Brustwinde darstellen. 
Die Lunge, die durch einen Ergufs' von den Rip- 
pen getrennt ist, überziehend, bilden diese Pseu- 
domembranen die Schranke, durch die es unmög- 
lich gemacht ist, dafs nach Resorption oder Ent- 
leerung der Flüssigkeit jenes Organ wieder in 
seinen primitiven Zustand zurückkehre. 

Einen Ergufs vertier Flüssigkeit in die Pleura ohne 
vorangegangene Entzündung dieser Membran, oder ohne dafti 
ein mechanisches Hindemif* den freien Buitamlauf . ge- 
hemmt hätte, kann man nach dem heutigen ^Stande der 
pathologischen Anatomie als eine höchst Seltene Kr?nk* 
heit betrachten. Selbst bei Herskrankheiten ist nach Cfto* 
mel und Andral der Hydrothorax viel Weniger gewöhn- 
lich als der Ascites. 

. Die Pseudomembranen . auf der entzündeten Pleura 
können auf die Dauer in den fibrösen, in dpn. knorpligen, 
ja in den knochigen Zustand übergehen. Von allen acct* 
dentellen Gebilden sind aber die Tuberkeln -diejenigen, 
welche am häufigsten mitten in den Pleudomem* 
branen sich entwickeln, und Sieh mit einer u««r 
endlichen Schnelligkeit vervielfältigen. Andrmi 
hat bei Personen, die, nachdem ihre Krankheiterst 14 Tage 
gedauert hatte, zu Grunde gegangen: Äraren, die Pseu- 
domembranen schon voll von Tuberkeln «gefunden. 

Die verschiedenen Arten von Veränderungen, von de- 
nen wir nun gesprochen haben, können zu gleicher Zeit: 
in beiden oder nur in einem Pleurasack© sich vorfinden. 
Die Engttndung kann auch einen mehr ode* wenigfer inri* 
schriebenen Theil einer Pleura einnehmen; selbst ein Er- 
gufs kann durch Pseudomembranen von verschiedner Ge-' 



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m 

stajt und Dielte eingeschlossen werden, daher die Pleuri- 
tis diffusa und die verschiedenen Species der circumscripta, 
partialis, z. B. die Pleuritis diaphragmatica, inter- 
lobular is etc. 

'3) Sehr wichtig für die Diagnose durch physikalische 
Zeichen ist die Kenntnifs der Lagen- und Textur Verände- 
rungen der Lunge auf der Seite, wo der Ergufs stattge- 
funden hat. 

Gewöhnlich drängt das Exsudat die Lunge gegen die 
Wirbelsäule. Bei. sehr bedeutender Ansammlung ist die 
Lunge nur noch als eine dünne Platte vorhanden, die 
einen kleinen Räum längs des Rückenmarkkanals ein- 
nimmt, und wird sie in diesem Falle noch von Pseudo- 
membranen bedeckt, so findet man sie gar nicht bei der 
ersten Untersuchung. In solchen Fällen war es, wo man 
von der Zerstörung der Lunge durch Eiterung sprach; 
nichtsdestoweniger ist sie unverletzt, und, läfst sich durch 
Aufblasen zu ihrem früheren Volumen wieder .ausdehnen. 
In anderen Fällen wird nicht die Lunge in ihrqr Totali- 
tät, sondern nur einer ihrer Lappen, durch die Flüssigkeit 
comprimirt; in noch anderen Fällen kann die Lunge, an- 
statt gegen die Wirbelsäule, gegen dje Rippen, sowohl 
zur Seite als nach hinten, gedrängt seiju - * 

Der unendlich kleine Raum, auf den, in dem Falle von 
beträchtlichem Ergüsse in. die Pleura y die Lunge reducirt^ 
werden kann, beweist, wie sehr ihr scheinbarer^ von der 
sie ausdehnenden Luft abhängiger I^mj^pg, yqu ihrem 
wirklichen verschieden ist. In diesem, £u$Unde Jcnistert 
die Lunge nicht mehr, und gefet auf den Qrund 
des Wassers, ähnlich der Lunge ^es Foetus,:der noch 
nicht oder nur sehr unvollkommen geftthmet/hat; ihre 
glatte Fläche, der Widerstand, den sie bei d$r Zer^eifsung 
zeigte lassen sie jecfcqh hinlänglich von einer hepatisirten 
Lunge unterscheiden, die immer körnig auf dep Schnitt- 
flächen und so sehr leicht zerreifpbar ist Das gtekhzei- 



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206 

tige Bestehen von Ergufs in der Plaut* und Entzündung 

des Lnögengewebef ist nicht häufig. 
Zusatz.- Wie wichtig das, was in diesem Paragraphen 
gesagt .worden, zum Verständnisse der pbjnsicali- 
scheh Zeichen ist, wird alsöbald hervorgehen. Aber 
es folgen daraus auch die Momente, wonach man 
die Pleuritis gewöhnlieh einthettt. 

1) In die Pleuritis diffusa und circumscripta 
oder partialis. 

2) In die Pleuritis duplex, die Entzündung 
beider Seiten. 

3) In die Pleuritis adhaesira oder pseudo- 
membranacea, P. serosa, purulenta, P. 
sicca; endfieh 

4) Iif die Pleuritis simplex and complicata 
. . (F. caSarrhatt*, Pnewno-Pieuresia)* * 

Da die Pleuritis sicca in den neuesten Zei- 
ten der Gegeiistahd so vielfacher Controverse ge- 
worden ist, do erlauben wir uns anzuführen, was 
LaSnnet über sie gesagt hat, da dieses noch heute 
in seiner ganten Ausdehnung sich zu bestätigen 
seheint: „Es ist sehr zu bezweifeln, ob es wirklich 
Entzündungen der Pleura giebt, wo, ohne gleich- 
zeitige Tendenz zur Ausscheidung seröser Flüssig- 
keiten/ nur eine einfache Secretkm von Pseudomem- 
branen vor sieh geht. Alle Pille der Art lassen 
* : sieh auf zwei reduziren: auf den, wo die ergosseile 
Flüssigkeit vor dem Tode resorbirt worden ist, und 
auf den, wo die Exhalation ron Serum ganz 4 oder 
fheüwe&e durch das mechanische Hindenllfe, dis 
ein verhlrtetes Xurig^ngewebe dem Ergüsse in die 
Pleura entgegenstellte, unmöglich gemacht wird." 

Die Eintheflung der Pletfrtti* nach ihrem •"♦*-• 
laufe und ihrer Dauer in die P. acuta und chro- 
nica ist überhaupt sehr practisch, aber auch besön- 



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209 

der» wichtig bei der Berücksichtigung physicalischer 
Zeichen, da einige physicalische Zeichen, die sehr 
selten bei der acuten Pleuritis vorkommen, erst durch 
die längere Dauer der Krankheit bedingt werden. 

§. & 
Physicalische Zeichen der Pleuritis. 

1) Zeichen, die die Percussion giebt. 

Mit dem ersten Beginne eines Ergusses in die Pleura 
tritt eine Verminderung in der Sonoritttt der Brustwan- 
dungen der Seite ein, in welcher er stattgefunden hat. 
N Man lasse den Krauken zur Untersuchung sich setzen und 
nach hinten über neigen, damit sich in dieser Richtung 
die Flüssigkeit nach dem abschüssigsten Theile senke. Auf 
diese Weise findet man selbst ganz im Anfange der Pleu- 
ritis, am ersten oder zweiten Tage, unten auf den Bippen 
neben der Wirbelsäule etwas weniger Ton auf der kran- 
ken als auf der gesunden Seite. Dafs dazu schon viel 
Uebung im Percutiren gehört, müssen wir einräumen. Ist 
es auf der rechten Seite, wo die Pleuritis ihren Sitz hat, 
so findet man nach Aufsen (von dem Ergossenen) die Leber, 
die sieh durch eine gröfgere Mattigkeit erkennbar macht, 
während der schwache Ergufs, noch nicht im Stande, die 
Lnnge ganz zu verdrängen, bei weitem nicht einen eben 
so groDsen Widerstand dem Finger und einen eben so 
dunklen Ton dem Ohre giebt. Hier lassen sich 2 |bis 
3 Unzen Flüssigkeit erkennen, weil der Theil der Höhle, 
wo sie hier eingeschlossen ist und der nach Aufsen von 
der durch das Zwergfell bedeckten Leber begrenzt wird, 
sehr geringen Umfangs ist und nach Unten spitz zuläuft. 
Wegen der vielen Muskeln in der Rinne der Wirbelsäule 
ist es unumgänglich nöthig, sieh hier des Plessimeters zu 
bedienen. 

So lange noch die höchsten Punkte des Raumes, der 

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210 

den matten Ton giebt, nicht über das Niveau des obern 
Randes der Leber und der Milz hinausgehen, zeigt eine 
Zunahme dieses Raumes um 1 bis 2 Zoll Höhe nicht von 
einer Vermehrung der Flüssigkeit in einem viel gröfseren 
Verhältnisse. Anders verhält es sich oberhalb dieser Rän- 
der, wo, bei so bedeutendem Wachsen der Capacität der 
Brusthöhle, das geringste Steigen der Flüssigkeit von 
einer sehr grofsen Zunahme derselben begleitet sein mufs. 
Selten läfst sich in der Pneumonie der matte Ton so weit 
nach oben hören als in der Pleuritis; der Ergufs in letz- 
terer kann bis zum Winkel des Schulterblatts und weit 
über diesen hinauf steigen. Im Allgemeinen nimmt in der 
Pleuritis die Mattigkeit von oben nach unten zu, während 
bei der Pneumonie oft das Gegentheil stattfindet. 

Ist die Mattigkeit des Tons an den eben genannten 
Orten constatirt worden, so lasse man den Kranken eine 
andere Stellung einnehmen, ihn z. B. sich auf den Bauch 
legen. Findet man dann Elasticität und sonoren Ton, wo 
eben Mattigkeit wahrgenommen worden, und umgekehrt da 
Mattigkeit, wo früher der reine Lungenton war, und ge- 
ben wiederholte Versuche der Art immer dasselbe Resul- 
tat, so zweifle man nicht länger an dem Bestehen eines 
Ergusses. Bei sehr bedeutenden Exsudaten oder bei dem 
Hjdrothorax braucht man gar nicht den Kranken so mit 
dem Annehmen verschiedener Stellungen zu quälen; es 
reicht hin, ihn sich nach der einen und nach der andern 
Seite hinüberneigen zu lassen. 

Einige Umstände können die Resultate der Percussion 
bei der Pleuritis und den Hydrothorax modificiren. 

1) Der Ergufs kann durch Adhaerenzen umschrieben 
und begrenzt sein, so dafs weder eine örtliche noch eine 
allgemeine Orts Veränderung der Flüssigkeit, bei den La- 
genveränderungen des Kranken vor sich gehen kann. 
Man hat dann wohl den matten Ton, aber man weifs 
nicht, ob er einer Pleuritis, einer Pneumonie oder einer 



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211 

Geschwulst angehört, die sich in der Brusthöhle ent- 
wickelt hat, denn in allen 3 Fällen fehlt das Respirations- 
geräusch. 

2) Es kann hei einem bedeutenden, die ganze Capaci- 
tät einer Brusthälfte ausfüllendem Ergüsse die Lunge' durch 
Adhärenzen fest an einer Stelle der Brustwand zurück- 
gehalten werden ; auch in diesem FaHe wird die Lagen- 
veränderung kein verschiedenes Resultat hervorbringen.' 

3) Ist die Pleura ganz und gar mit Flüssigkeit ange- 
füllt, in welchem Falle der Ton überall matt 'und der dem 
Finger geleistete Widerstand fast eben so grofs, wie in 
der Pneumonie ist, so läfst sich auch keine Ortsverände- 
rung denken; aber man findet immer oberhalb des Schlüs- 
selbeins die Lunge, erkennbar durch den hellen Ton und 
die Eldsticität beim Anschlage; das Herz ist von ^er Seite, 
in der der Ergufs statt fand, fort nach der entgegenge- 
setzten gedrangt, die Leber senkt sich um einige Zoll. 

4) Bei weitem schwerer verändert ergossenes Blut 
seine Lage in der Pleura als seröse Flüssigkeiten. Man * 
inufs in diesem Falle nach dem Lagen wachse! des Kran- 
ken einige Zeit lang warten, bis diese Veränderung vor 
sich geht. 

Zu bemerken Ist auch noch, dafs es Fälle von cir- 
eumscripter Pleuritis giebt, wo die Sonorität djer Brust- 
wände durchaus nicht getrübt ist, und wo in Folge davon 
die Diagnose sehr dunkel bleibt, so t. B. in der Pleuritis 
interlobularis, der Pleuritis diaphragmatica , oder bei der 
Entzündung desjenigen Theils der Pleura, der die innere 
Fläche der Lungen und die Mediastina überzieht. 
2) Zeichen, die die Auscultation giebt. 

Sie sind mannigfaltiger und genauer als die der Per- 
cüs8ion. Ganz im Anfange der Pleuritis, wenn der Ton 
heim Anschlage noch hell, der Schmerz aber schon sehr 
lebhaft ist, hört man das Athniungsgeräusch bei weitem 
schwächer auf der schmerzhaften als auf der gesunden 

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212 

Seite, auch dehnt sieh die Brnstwand jener Seite weniger 
gut aus. Der Grund dieses Phaenomens ist der, dafs die 
Intensität des Schmenes, indem sie den Kranken zwingt, 
instinctartig die Brustwandung der leidenden Seite weni- 
ger auszudehnen, auch eine geringere Menge Luft in die 
Lunge dieser Seite in einer gegebenen Zeit dringen läTst. 
# Ergiefst sich nun Flüssigkeit in die Brusthöhle, und 
nimmt die Menge derselben zu, so vermindert sich auch 
in dem Grade die Stärke des Athmungsgeränsches auf der 
kranken Seite, während auf der gesunden dieses Geräusch 
intensiver wird als es normalerweise sein sollte. Ganz 
erlischt das respiratorische Geräusch auf der von der 
Krankheit befallenen Seite aber nur in Fällen von sehr 
bedeutendem Ergüsse, wobei die Lunge durch die Flüs- 
sigkeit ganz nach oben gedrängt ist, also sich nicht hinter 
dem Orte, den man explorirt, befinden kann; denn durch 
eine dünne Schicht Flüssigkeit würde man das Athmungs- 
gerauscht durchhören, als wäre dieselbe gar nicht vor- 
handen. 

In der grofsen Mehrzahl der Fälle wird die Lunge 
durch einen starken pleuritischen Ergufs ganz nach oben 
und gegen die Wirbelsäule gedrängt, und das Athmungs- 
geräuseh nimmt dann progressiv an Stärke von oben 
nach unten ab, sowohl hinten als vorn, wenn wir uns 
den Kranken in sitzender Lage denken. Wird aber die 
Lunge, wie dieses manchmal der Fall ist, anstatt gegen 
die Wirbelsäule, von vorn nach hinten gedrängt, so dafs 
sie als eine dünne Platte gegen die Rippen anliegt, so ist 
das Athmung8geräusch vorn verschwunden, während hinten 
es noch gut zu hören ist, was also auch leicht irre lei- 
ten kann. 

Wird der untere Lappen der Lunge durch alte Ad- 
härenzen an seinem gewöhnlichen Platze erhalten, kann 
folglich die Flüssigkeit nur in den Baum , den der obere 
Lappen einnimmt, sich ergiefsen, so fehlt das Atbmungs^ 



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213 

gcräusch nur an dem letztgenannten Orte, und dieser Um- 
stand giebt wieder leicht zu Irrthümern in der Diagnose 
Veranlassung. 

Wo bei starkem Ergüsse in die Pleura das Athmungs- 
geräusch ganz fehlt, wird es entweder durch kein ande- 
res Geräusch ersetzt, oder man hört das Bronchial- 
Athmen. Es ist dies Zeichen hier die Folge der, rein 
mechanischen Condensation des Lungengewebes durch die 
ergossene Flüssigkeit. Die eingeathmete Luft geht nicht 
Ober die Bronchialäste hinaus, sie gelangt nicht zu den 
Lungenbläschen. 

Legt man das Ohr an die Brust eines Kranken, des- 
sen Pleura der Sitz eines Ergusses ist, so wird die Re- 
sonanz der Stimme auf dieser kranken Seite sehr häufig 
eine andere sein als auf der gesunden. Zuweilen wird 
diese Resonanz Aebnlichkeit haben mit der Stimme einer 
Ziege, daher der Name Meekerstimme (Egopkome), 
den ihr La&mec beigelegt hat. Aber wir haben schon 
oben bemerkt, dafs der Name Meekerstimme als ein 
genetischer betrachtet werden mufs, der sehr zahlreiche 
Modificationen in sich begreift, die nicht 'im entferntesten 
Sinne mehr jener Vergleichung LaZtmec's entsprechen. 

Oft treten die verschiedenen Nuancen der Mecker- 
stimme nur intervallsweise und nur bei der Aussprache 
gewisser Worte auf. So erzählt Andrai von einem Kran- 
ken, der, nur wenn er das Wort oui aussprach, die Ego- 
phonie auf eine deutliche Weise hören Jiefs. Es ist leicht 
bei so zahlreichen Varietäten in der Resonanz der Stimme, 
dafs man etwas für pathologisch hält, was nur ein Phae- 
nomen der Gesundheit ist. Um diesen ferthum zu ver- 
meiden giebt es nur ein Mittel, wa» darin bestellt, nie 
über das Dasein oder Fehlen der Egophonie in der von 
Pleuritis befallenen Seite zu urtheilen, ohne auch die ge« 
sunde Seite auscultirt zu haben. Dann überzeugt man 



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214 

•ich häufig, dafti die Stimme auch auf der gesunden Seile 
denselben Wiederhall giebt, wie auf der kranken« 

Ist die ergossene Flüssigkeit an Menge noch gering, 
so ist noch keine Modification der Stimme wahrzuneh- 
men. Die verschiedenen Varietäten der Egophonie treten 
erst mit der Zunahme des Exsudats hervor, verschwin- 
den aber wieder, wenn dieses sehr bedeutend wird« 
Aber auch hiervon werden zahlreiche Ausnahmen ange- 
führt, Fälle von nicht zu bedeutendem Ergüsse, wo kein 
anormaler Wiederhall der Stimme, und Fälle, wo die ganze 
Brusthälfte mit Flüssigkeit gefüllt war, und dessenungeach- 
tet Egophonie gehört wurde. Im ersteren Falle, wo die 
Lunge noch nicht auf eine bedeutende Weise comprimirt 
ist, entsteht der eigentümliche Wiederhall wohl nur in 
Folge der Transmission der Stimme durch eine Flüssig- 
keit; im zweiten Falle aber, wo bei aufserordentlichem 
Drucke auf die Lungen die eingeathmete Luft nicht über 
die grofsen Bronchienzweige hinaus gehen kann, vibrirt 
sie in den letzteren und veranlafst dadurch einestheils das 
Bronchial -Athmen, anderestheils aber jenen eigen- 
tümlichen Wiederhall, der in seinen hundert Varietäten 
auch manchmal das Meckern einer Ziege darstellt. Die 
ergossene Flüssigkeit, oder überhaupt die Beschaffenheit 
desjenigen Körpers, der sich zwischen Lunge und Brust- 
wand befindet, hat gar keinen Einflufs auf die Hervor- 
bringung dieses Phaenomens, denn es ist heut zu Tage 
aufser Zweifel gestellt, dafs auch im 2ten Stadium der 
Pneumonie mit dem Bronchial -Athinen der Mecker- 
hall gehört wird; ja Reynaud *) geht so weit, zu he* 
haupten, man höre nur in den Fällen von pleuritischem 
Ergüsse die Egophonie, wo mit der Entzündung des Brust- 
fells auch gleichzeitig eine Lungenentzündung besteht 
Bedarf auch diese Behauptung noch der Bestätigung, so 



f ) Journal hebdomadaire. No. 65. pag. 682. 



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215 

ist es dach ausgemacht, dafs die Resonanz der Stimme wie 
sie beim Ergüsse in die Pleura, und die Resonanz wie sie 
bei Hepatisation der Lunge vorkommt, in vielen Fällen steh 
nicht von einander unterscheiden lassen,, die Meckerstiftime 
also kein sicheres, pathognomonisches Zeichen des pleuri- 
tischen Ergusses sei. Ist zu gleicher Zeit mit der Ego- 
phonie der Ton beim Anschlage matt und das Geräusch 
der Lungenexpansion nur schwächer als auf der gesun- 
den Seite, aber ohne Beimischung von Knisterrasseln hör- 
bar, so kann man sicher sein, dafs es eine Pleuritis, keine 
Pneumonie ist, mit der man es zu thun hat^ ist hingegen 
mit einem sehr matten Tone und einem meckernden Wie- 
derhalle der Stimme eine gänzliche Abwesenheit des re- 
spiratorischen Geräusches verbunden, oder wird das letz- 
tere durch das Bronchial -Athmen ersetzt, so ist es un- 
möglich nach diesen Zeichen allein zu entscheiden, ob 
Pleuritis oder Entzündung des Parenehyms der Lunge 
vorhanden sei. 

Noch anderer Umstände haben wir im allgemeinen 
Theile gedacht, die den Werth des Meckerhalls als pa- 
thognomonischen Zeichens der Pleuritis herabsetzen; na- 
mentlich, dafs bei tiefer, männlicher Stimme dieser Wie- 
derhat! sich nie, dafs dagegen auch im gesunden Zustande 
bei alten Frauen derselbe sich oft erzeugt etc. 

Das Geräusch der auf- und absteigenden Rei- 
bung (bruit de froUement ascendant et descendant) ist 
von Reynaud, als ein Zeichen der trockenen Pleuritis, 
wobei die sich berührenden Flächen des Brustfells rauh 
und uneben sind, erkannt werden. Um" es zu hören, mufs 
man den Kranken sich auf den Bauch legen lassen. Ob- 
gleich dieses Zeichen gewifs nur sehr selten vorkommt, So 
haben doch Andral und Meriadec Laifmec dasselbe be- 
stättigt. Andere geübte Beobachter, unter denen wir nur 
Piorry nennen, nabeln qs nie gehört. 



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216 

b) Zeichen, die die Mensuration der Brost, 
das Auflegen der Hand auf dieselbe, die 
Palpation der Zwischenrippenräume ge- 
währen. 
Nicht blofs in der chronischen Pleuritis, auch in der 
acuten giebt die vergleichsweise Messung heider Brusthälf- 
ten oft ein sehr gutes Zeichen. Lainnec hat schon 3 Stun- 
den nach dem ersten Auftreten des Seitenstechens die 
kranke Seite erweitert gesehen. Um su genauen Resulta- 
ten su gelangen, wird man nach dem CAomef sehen Ver- 
fahren die Messung vornehmen. Wenn nicht in allen Fäl- 
len von pleuritischem Ergüsse die entsprechende Seite des 
Thorax sich erweitert, so ist der Grund davon, dafs bei 
manchen Personen das Zwergfell eher geneigt ist nachzu- 
geben, als die Brustwand; bei andern findet das Umge- 
kehrte statt; bei nicht beträchtlichem Ergüsse geschieht 
die Ansammlung von Flüssigkeit allein auf Unkosten der 
Lungen. Auch die vergleichsweise Messung der Zwischen« 
rippenräume gewährt zuweilen ein nützliches Resultat} 
bei sehr bedeutendem Ergüsse sind diese Räume an der 
gesunden Seite viel breiter als an der kranken, besonders 
am mittleren Seitentheile der Brust. 

Wir haben oben gesehen, dafs die durch die Stimme 
den Brustwänden mitgetheilte Erschütterung aufhört der 
Hand fühlbar zu sein, wenn in Folge irgend einer 
Krankheit die Lunge nicht mehr für die Luft 
durchgängig, oder von den Brustwänden durch 
eine ergossene Flüssigkeit getrennt ist Reywtud 
hat versucht aus dieser Beobachtung für die Diagnose der 
Pleuritis Yortheil zu ziehen. Hier seine eigenen .Wörter 
„Die mehr oder minder vollständige Abwesenheit der Vi- 
brationen der Brustwandungen, wenn man die Hand auf 
sie legt, während der Kranke spricht, ist ein sicheres An- 
zeichen, im Falle sie nur auf einer Seite stattfindet, daft 
ein mehr oder weniger bedeutender pieuritischer Ergufs 



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2ä7 

auf dieser Seite seinen Sit* hat Diese Exploration erfor- 
dert nicht, dafs der Kranke sitze oder entblöfst sei. Die 
Würdigung der Verschiedenheit, die in dieser Beziehung 
zwischen beiden Seiten sich vorfindet, läfst die Quantität 
des Ergossenen schätzen; und wenn man diese Verschie- 
denheit in. verschiedenen Niveau's der kranken Seite selbst 
auffafrt, so kann man 1 oft daraus ersehen, bis wie weit 
sich das Exsudat nach oben verbreitet" 

Ob die Palpation der Zwischenrippenräume, nach der 
von Tarral vorgeschriebenen Methode ausgeübt, in man* 
eben Fällen die Fluctuation hervorrufe, läfst sich hei der 
geringen Zahl der hierüber bis jetzt bekannt gewordenen 
Untersuchungen noch nicht sagen« 
Zusatz 1. Die Benennungen Egophonie, Bronchopho- 
nie und Pectoriloquie sind nur drei -verschiedene Be- 
nennungen für ein und dasselbe Phaenomen, näm- 
lich die Resonanz (des Hustens und) der Stimme in 
den Bronchial -Aesten, und die Uebertragung dersel- 
ben auf das Ohr des Beobachters durch ein für die 
Luft undurchgängig gewordenes Lungengewebe. 

Die Egophonie ist nichts als eine Bronchopho- 
nie, die in Absätzen, in StöTsen gehört wirft, die 
Pectoriloquie nichts als eine Bronchophonie, wobei 
die Resonanz gegen die Wände einer Höhle statt 
hat So wie die Meckerstimme auch im 2ten Sta- 
dium der Pneumonie, so wird die Höhlenstimme 
auch in der Pneumonie mit Induration gehört. 
Znsatz 2. Von noch gröfserer .Bedeutung als in der 
acuten sind die physicalischen Zeichen in der chro- 
nischen Pleuritis. Hier fehlen häufig die Sei- 
tenschmerzen und das Fieber, die Kranken sind 
nicht bettlägerig, glauben sich nur unwohl und ge- 
hen ihren Beschäftigungen nach. Die schnelle Ab- 
magerung, die Entstellung der Gesichtszüge, die 
Kälte der Extremitäten im Gegensätze zu der Hitze 



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218 



einzelner Körpertheile, die Beschleunigung des Pul- 
ses bei der geringsten Aufregung, und das Aufser- 
athemkommen bei Bewegungen, die Appetitlosigkeit, 
die schwere und von Fieber , begleitete Verdauung, 
die nächtlichen Paroxysmal, alles das sind Symp- 
tome, die so ziemlieh allen hectischen Krankheiten 
zukommen. Aber der außerordentlich matte Ton, 
Tanquam percussi femoris, bei der Pereussion 
vom Schlüsselbeine bis zur Basis der Brust, das 
gänzliche Fehlen des Athmungsgeräusches und des 
Wiederhalls der Stimme, mit Ausnahme hinten an der 
Wirbelsäule, an der der Theilung der Bronchien 
entsprechenden Stelle, wo die Bronchialstimme sich 
hören littst, die Erweiterung der einen Brusthälfte, 
die besonders hier hervortritt und vor einer Ver- 
wechselung mit der chron. Pneumonie schützt, dieses 

» sind Zeichen, die im Vereine mit den genannten 
Symptomen selten die Krankheit verkennen lassen. 
Zusatz 3. Die partiellen Pleuresien haben mehr Inter- 
esse in pathologisch -anatomischer als in dinischer 
Beziehung, denn in der grofsen Mehrzahl der Fälle 
ist, wenn man die Pleuritis diaphragmatica 

, ausnimmt, ihre Diagnose ganz unmöglich. Dies gilt 
namentlich von der Pleuritis interlobularis, 
deren Ausgänge so häufig mit Lungenabscessen ver- 
wechselt werden, von der Pleuritis mediastina, 
der partiellen Pleuritis costo-pulmonalis etc. 
Geben sich «diese insidiösen Formen zu erkennen, 
so geschieht es minder durch physicaliscbe Zeichen 
als durch Fnnctionsstörungen, Interessant' ist in 
dieser Beziehung die Pleuritis diaphragmatica, 

* dieParaphrenesia der Alten. Es können als fast 
beständige Symptome derselben genannt werden: 

1) ein mehr oder minder lebhafter Schmerz 
längs des knorpligen Randes der falschen Rippen, 



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219 

der durch Druck, Athmen und jede Bewegung 
xunimmt. 

2) Die vollständig^ Unbewegüchkeit des Zwerg- 
fell« bei der Inspiration. 

3) Eine auffallende Aengstlichkeit, die sich be- 
sonders in der schnellen Veränderung der Gesichts- 
züge kund giebt 

4) Orthopnoe mit Neigung des Stammes 
nach vorn. Der Singultus kommt hei weitem 
nicht immer, und das sardonische Lächeln fast 
nie vor. 

. §• 4. 

Differentielle Diagnose der Pleuritis rucksichllich der physika- 
lischen Zeichen. 

Die acute Pleuritis wird am häufigsten mit der Pleu- 
rodynie und der acuten Pneumonie verwechselt. Auch 
bei der Pleurodynie ist der Ton auf der leidenden Seite oft 
matter in Folge der Contraction der Muskeln, das Ath- 
mungsgeräusch schwächer als auf der gesunden Seite, 
weil die Schmerzen den Kranken veraqlassen, die Lunge 
jener Seite nicht in dem Grade zu expandiren, wie die der 
gesunden. Aber nie fehlt das Athmungsgeräusch ganz 
wie bei der Pleuritis mit starkem Ergüsse, nie verändert 
der matte Ton mit der Lage des Kranken seine Stelle, 
nie hört man den Meckerhall der Stimme, wie dies bei 
mäfsigem Ergüsse der Fall ist, oder die Bronchöpho- 
nie. Dafs die Pleurodynie immer fieberlos sei, ist ganz 
gegen die Erfahrung* ebenso dafs ihr n^e Frost vor- 
angehe. 

Bei einer Pneumonie, wenn man sie von Beginn an 
verfolgt hat, wird das Knisterrasseln hörbar geworden 
sein; aueh im 2ten Stadium, wo das Respirationsgeräusch 
ganz fehlt, wird jenes Rasseln noch in der Umgebung der 



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220 

hepatisirten Stelle hie und da lieb kund geben. Die Matt- 
heit des Tones hei der Percuslion nimmt hier nur sehr 
allmlhlig zu, wahrend hei der Pleuritis sie mit dem Er- 
güsse auftritt Diese Mattheit ist immer nur umschrieben, 
sie ist nie wandelbar; die Modillcation der Stimme, die 
mit dem Namen des Meckerhalls belegt worden, kommt 
im Ganzen doch nur ausnahmsweise bei der Pneumonie 
vor, während, die Bronchialstimme selten fehlt; von Er- 
weiterung einer Brusthälfte kann bei der Pneumonie nicht 
die Rede sein. Abgesehen von den phjsicaUschen Zeichen 
giebt es auch einige charakteristische Symptome, die die 
Pneumonie von der Pleuritis unterscheiden lassen, nament- 
lich die mit Blut vermischten, viscösen, halbdurchsichti- 
gen Sputa etc. 

Wie sicher man durch den Verein der physicalischen 
Zeichen mit den Symptomen in der grofsen Mehrzahl der 
Fälle eine Pleuritis zu erkennen im Stande ist, kann man 
schon daraus ersehen, dafs Cruveilhier mehrere Fälle mit- 
theilt, wo er am Cadaver einen Ergufs in der Pleura 
diagnosticirt hat. 

§. 5. 

Ausgänge der Pleuritis t»Be%ug auf die physicalischen 
Zeichen» 

Es ist hier zugleich der Ort, kurz der Ausgänge 
der Pleuritis zu erwähnen, insofern sich dieselben zum 
Theil durch physicalische Zeichen erkennen lassen. 

Eine acute Pleuritis kann mit dem Tode enden, und 
- dieser kann dann durch Asphyxie erfolgen« Dieser Aus- 
gang ist bei weilem nicht so häufig als in der Pneumonie, 
ja er ist selbst selten. Die gewöhnlichsten Ausgange der 
acuten Pleuritis sind 1) in Zertheilung* 2) in eirie chro- 
nische Pleuritis. Die Zertheilung ist eine vollständige oder 
eine unvollständige. Bei der vollständigen werden sowohl 



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231 

die ergossenen Flüssigkeiten als auch die Pseudomembra- 
nen resorbirt, die Adbaerenzen bleiben als alleinige (Spur 
der Krankheit zurück, die Lunge kann wieder zu ihrem 
früheren Volumen zurückkehren; bei der unvollständigen 
Zertheilnng wird nur die Flüssigkeit resorbirt, die Pseu- 
domembranen organisiren sich und bilden eine mehr oder 
minder dicke Schicht zwischen Rippen- und Pulmonal- 
Pleura. Im letzteren Falle bleibt, mit einer mehr 
oder minder .beträchtlichen Verengerung einer 
Seite der Brust, während des ganzen Lebens der 
Ton beim Anschlage gegen diese Seite matt. 
Die chronische Pleuritis hat verschiedene Ausgange: 
1) In Heilung und zwar auf verschiedenen Wegen. 
. A. Durch allmählige*Resorbtion der ergosse- 
nen Flüssigkeit und der Pseudomembranen, oder 
durch Organisation dieserPseudomembranen. Die- 
ser sehr gewöhnliche Ausgang läfst sich, durch die all- 
mählige Abnahme des matten Tons und durch die 
Wiederkehr des Respirationsgeräusches erken- 
nen. Er wird meistenteils auch von einer Depression 
der entsprechenden Brusthälfte begleitet Selten erlangt 
eine Lunge, die eine geraume Zeit durch einen Ergufs in 
die Pleura comprimirt worden war, die vollkommene Frei- 
heit in der Ausübung ihrer Functionen wieder. Cruveilkier 
kennt mehrere ganz gesunde Menschen, die in Folge chro- 
nischer Pleuresien mit der seitlichen Eindrückung des 
Thorax auch eine ganz merkbare Mattigkeit des untern 
Drittbeils dieser Höhle auf der entsprechenden Seite zu- 
rückbehalten haben, und die pathologische Anatomie hat 
die Ursache dieser Mattigkeit aufgedeckt, die bald das Re- 
sultat organisirter Pseudomembranen von fibrösem, knorp- 
ligem, knochigem Baue ist, deren Dicke 1 zuweilen bis 
zu einem Zolle beträgt, bald von einer dem Anscheine 
nach tuberculösen, gallertartigen, in einem Sacke einge- 



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222 

achlossenen, oder von einer käsigen, kreideartigen Hasse 
herrührt, einer Hasse, deren Ursprung so oft falsch ge- 
deutet worden ist. 

B. Heilung der chronischen Pleuritis durch 
Entleerung der Flüssigkeit nach Aufsen. Diese 
Entleerung kann durch die Bronchien oder durch eine 
künstliche oder natürliche Oeffiiung im Thorax vor 
sich gehen. 

a) Durch die Bronchien. 

Dies ist ein ziemlich häufiger Ausgang. Cruveilhier 
hat ihn einmal den Tod durch Asphyxie hervorrufen se- 
hen hei einem Kranken, dessen Kräfte nicht mehr aus- 
reichten, um die die Bronchialäste < füllende Flüssigkeit 
auszustoßen. Der Kranke trank gerade auf seinem Bette, 
sitzend eine Tasse Chocolade, als der Durchbrach statt« 
fand. Aber in der Hehrzahl der Fälle dringt die Flüssig- 
keit nicht so auf einmal in die Luftwege, die exspiratori- 
sehen Kräfte von gewaltsamen Anfällen der Expectoration, 
häufig auch des Erbrechens, unterstützt, können dieselbe 
austreiben. Han sagt dann, der Kranke habe seine Vo- 
rn! ca von sich gegeben. Diese Tom icae sind mehien- 
theils nicht Abscesse in den Lungen, sondern , wie Cayol 
nachgewiesen bat, Fälle von umschriebenen Pleuresien, in 
denen die Flüssigkeit sich Bahn nach den Luftwegen ge- 
brochen hat. Daa Rasselgeräusch läfst sich in solchen 
Fällen in einer Stärke hören, wie es nur in der Agone" 
stattfindet 

4) Durch spontane Perforation der Brust- 
wände. 

Dieser Ausgang ist nicht häufig, obgleich auch nicht 
ganz selten. Die vorangegangene Entzündung des Zell- 
gewebes unter der Pleura, die diese Haut an die Brust- 
wand befestigt, scheint dazu eine nothwendige Bedingung 
sein zu müssen. 

Ein höchst merkwürdiger Umstand bei diesen freiwil- 



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223 

ligen Perforationen ist der, dafs dieselbe*! nie am ab- 
schüssigsten Orte des Thorax, sondeirn immer in 
dem Zwischenräume zwischen der 3ten und 5ten 
Rippe und zwa* meistentheils am vorderen oder 
knorpligen Theile dieser beiden Räume vor sich 
gehen. Daraus kann man mit Laännec schlief sen, dato 
die Vorsichtsmafsregeln, die die Chirurgen nehmen, um 
das Empyem am abschüssigsten Theile des Thorax zu 
operiren, ganz unnütz und die Folge einer falschen Theo« 
rie sind; denn der abschüssigste Ort wäre hinten in der 
Rinne, die die letzten Rippen und das Zwergfell bilden. 
Worauf es allein beim Empyeme ankommt, das ist, der 
Flüssigkeit einen Ausweg zu verschaffen; an welcher 
Stelle des Thorax auch immer dieser Ausweg sei, wäre 
er im Niveau mit der Spitze der Lqngen, wäre er über 
dem Schlüsselbeine, wie Cruveilhier davon ein Beispiel 
gesehen hat, immer würde bei der Exspiration die Flüs- 
sigkeit durch denselben treten. 

Die Tendenz einer Flüssigkeit, sich nach Aufsen durch 
die Brustwand einen Weg zu bahnen, giebt sich durch ein 
schmerzhaftes Oedem zu erkennen, auf das bald eine zu- 
gespitzte, fiuetuirende Geschwulst folgt, deren Volumen 
und schnelle Entstehung hinlänglich zeigt, daft sich der 
Eiter nicht an diesem Orte selbst gebildet hat. Die ent- 
standenen Oeffnungen vernarben nach einer längeren* oder 
kürzeren Zeit. Cruveilhier hat zwei Fälle Von Pleural- 
fisteln gesehen, die zwei Jahre zu ihrer Vernarbung be- 
durften. Zuweilen ist die Vemarbung nur temporär und 
die Wunde öffnet sich Von Zeit zu Zeit in Folge einer 
phlegmonösen Entzündung. Seiten aber bleibt eine Fistel 
der Pleura das ganze Leben hindurch. 

2) Die chronische Entzündung endet mit dem Tode, 
und zwar geschieht dies in der Mehrzahl der Fälle mit- 
ten im höchsten Verfalle und Marasmus, der zu glei- 
cher Zeit eine Folge der unzulänglichen Haematose bei 



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224 

der gänzlichen Unthätigkeit einer Longe, und de* Beste- 
hens einer chronischen Entzündung ist, die Tim copiöser 
Eiterung und Bildung von Afterprodueten begleitet wird. 
Oder es erfolgt der Tod in anderen Fällen dadurch, dafs 
eine Pleuritis, nachdem sie viele Monate chronisch verlief, 
plötzlich unter dem Einflüsse mehr oder minder bekannter 
Ursachen in den acuten Zustand zurückkehrt Oder et 
erfolgt endlieh der Tod durch Entleerung der Flüssigkeit 
nach Aufsen, sei es durch die Bronchien, sei es durch eine 
freiwillige Oeflhung in der Brnstwand. 



Zweiter Abschnitt. 
\±n «lern Catarrli «ler I*uigen. 

§.i. 

Von der Diagnose des Lungeneafarrhs vor der Entdeckung der 
AnseuJtaUon und Percutsion. 

Ton allen Krankheiten kommt der Catarrh ohne Zwei- 
fel am häufigsten vor. Auf einer niedrigen Stufe der In- 
dividualität stehend, beherrscht er die übrigen Krankheiten, 
indem er ihnen seineil Stempel aufdrückt, indem er sich 
ihnen gleichsam aufdringt Der Genius morborum catar- 
rhalis herrscht ganze Jahre hindurch. Von der anderen 
Seite sind die anatomischen Charaktere dieser Krankheit 
so einfach, und der vorzüglichste unter ihnen, nämlich die 
veränderte Absonderung auf der befallenen Schleimhaut, ist 
so in die Augen springend (indem er schon während des 
Lebens erkannt wird), dafs man hiernach glauben sollte, 
es könne dabei von Schwierigkeiten in der Diagnose -gar 
nicht die Rede sein, es sei gar nicht denkbar, dafs phy- 
sicaliache Zeichen zur bessern Erkenntnifs der Catarrhe 
und speciell des Lungencatarrhs irgend etwas beigetragen 



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225 

hätten. Und doch ist dem so , und doch hat das grofse 
Fachwerk mit der Aufschrift, Asthma, das früher so bis 
zum Bersten gefüllt war, durch Lc&ttntc** Untersuchung 
gen über diese Krahkheitefemilie, einen litiht minder gra- 
usen TheH seines Inhalts verloren, ate >dureh das sorgfältig 
gere Studium der Herzkrankheiten;; Besonders ist der 
trockene Catarrh Laäünec'* früher ganz, verkannt, oder 
für eins mit) der nervösen Dyspnoe. gehalten worden. Die 
Abschnitte im La&nnec, über den «trockenen Catarrh, 
über das Emphysem der Lunge und über die ner~ 
vöse Dyspnoe gehören zu den originalsten, und haben, 
wie der verdienstvolle Forbes schon bemerkte, mehr licht 
über die wahrhafte Natur des Asthina's verbreitet, als alle 
die bändereichen Werke, . die wir über- diese Krankheit 
besitzen. 
Zusatz. Die physiealischen Zeichen, die. den Catarrh 
charakterisiren, namentlich die der Auseultation, sind 
pathognomoniseher für diese ISrahkheitaklasSe, wenn 
es erlaubt ist, skh so auszudrüefcen, als alle ande- 
ren physiealischen Zeichen es für die Krankheiten 
der Brostorgaue sind, denen sie angehören. Zu glei- 
cher Zeit sind dieselben aber auch fafslicher, als 
alle anderen. Das Schleim-, das Sonore- und Pfei- 
fende -Rasseln sind viel leichter zu hären als selbst 
das einfache AthmungsgeriuSch* Wir rathen daher 
allen Tironen in der Auseultation, an Catarrhkran- 
ken ihre »Studien zu beginnen. ' 

§. 2. 

Anatomische Charaktere des Lungencatarrhs f insofern sie die 
physiealischen Zeichen erklären. 

Der acute Catarrh hinterläßt als Sjiur seines Daseins 
eine mehr oder minder lebhafte Röihung und höchstens 
eine leichte Verdickung der inneren Haut der Bronchien. 

15 



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226 

In diesen findet man noch eine gewisse Menge FttssSg- 
ktit, der Ähnlich, die der Kranke expeetoriric. In der 
grolsen Mehrzahl-der Fälle ist der Gfltarrh aar partiell; 
sehr selten findet sieh, die Röfthe und. die Aufteeibung au| 
der ganzen Schleimhaut einer, noch viel seltener beider 
Lungen. Gewöhnlich haben die gertthetdn nnd aufgetrie* 
benen Parthien der Ifusosa . eine gröfsere CJonsistenz, doch 
kommen auch Fälle vor, wo sie erweicht sind, z. B< bei 
Catarrben, die die schweren Fieber' begleiten. Mit dem 
Beginne des Catariiis verändert sieh auch die Secretion 
der Bronehial -* Schleimhaut auf eine merkbare Weise. 
Zuerst wird weniger als im normalen Zustandet, 
oder gar nichts abgesondert; auf dieser Stufe der 
Entwicklung stehen bleibend, kann der €atarrh chro- 
nisch werden, und stellt dann den trockenen Gatarrh 
Laä*nec y * dar. , Geht aber die Bntwitkeiung ihren Lauf, 
So klimmt die abgesonderte Flüssigkeit bald an Menge zu, 
wird dünn, durchsichtig, von scharfem, salzigen 
Geechmaeke. tluch in dieser 2ten Periode kann der 
Catarrb chronisch' werden? er bildet dann die Species, die 
Latnnec Catarrh* pitaiUux genannt hat, nnd die sieb 
durch die Absonderung einer 'reichlichen, Wäasrigen Flüs- 
sigkeit charakterishrt. . Gewöhnlich w e r d en aber gegen 
das Ende dieser zweiten Periode,« besonder« wenn dieselbe 
«fange Tage angehalten hat, die. Sputa dicker, etwas 
zäher, orhne doch von ihrer D.u neulich tigkeit zu 
verlieren. Endlich verdunkeln sie sich, nehmen 
eine weifsliche, gelbe oder gräuliche Farbe und 
mehr Consistenz an, obgleich sie zähe bleiben. In die- 
sem Zustande verstopfen sie nun mehr oder weniger die 
Bronchialzweige, besonders die der kleinen und mittleren 
Aeste, so dafs die Luft nicht ohne Mühe und ohne ein 
Rasseln hervorzubringen, einen Weg duiteh sie beini Ein- 
und Ausathmen nioh zu bahntin im Stande. ist Bas A4K* 
men ist natürlich in den. Theüen>der Lunge unteifcrocbcn, 



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337 

wo sieb diese Aeste vertheilen, big durch Hustenanfälle 
oder Räuspern de* Schleim aus ihnen entleert ist. Die 
Mehrzahl der aeuten Catärrhe, die nicht unmittelbar in 
Genesung übergehen, .werden erst in dieser Periode chro- 
nisch, und bilden dann den gewöhnlichen Schleim- 
cotarrh La€nnec' > &, der sich durch einen congistenten, 
schleimigen Auswurf in hmrekhender oder übermässiger 
Quantität auszeichnet 

Ganz dieselben anatomischen Charaktere bietet der 
chronische Catarrh dar, so dafs es nicht möglich wäre, 
am Cadaver beide Formen von einander zu unterscheiden. 
Daffe die Schleimhaut in der aeuten so wie in der chroni- 
schen Form in einer grösseren oder geringeren Ausdeh- 
nung ergriffen, o>fs die Aufwulstung, die Verdickung oder 
die /Erweichung derselben bei beiden Formen unendlich 
verschiedene Nnancirungen darbieten kann, bedarf kaum 
der Erwähnung. Bei dem trockenen Catarrh La^nnec's 
z, B. ist die Aufwulstnag der inneren Haut der Bronchien 
im Vereine, mit der. dunklen oder violetten Röthe sehr be- 
merkenswert, Sie findet sieh, nämlich vorzugsweise in 
den kleinen <Zweigen* die dadurch. gänzlich verstopft wer- 
den. Sind sie es nicht vollständig, so erschwert doch eine 
höchst zähe, kleisterähniiche, in Kügelchcn von der Gröfse, 
der Hanfsaamen abgelagerte Masse sehr den freien Ein- 
tritt der Ladt in dieselben. Im Allgemeinen bat bei allen 
chronischen Catarrhen die Aufwulstaing der Schleimhaut 
besonders in den »kleineren Verzweigungen ihren 
Sitz; doch kommen auch Fülle .vor, wo die Schleimhaut 
eines bedeutenderen Bronchus, in der Ausdehnung von ei- 
nigen Linien so aufgelockert gefunden wird, dafs der 
Luftdurchtritt gänzlich gehemmt ist, obwohl in den klei- 
neren Aesten dieses Bronchus die Mucosa viel weniger 
geschwollen erscheint. - Andrßi theilt zwei Fälle der 
Art mit. 

15* 



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228 



Zusatz. Man mag die Alterationen der Bronchial* 
Schleimhaut, oder die Expecforation, ode^ die Symp- 
tome, oder endlich den Verlauf der Krankheit zum 
Eintheilungaprinzipe wählen, immer wird die Eintei- 
lung in den acuten und den chronischen Catarrh die 
hauptsächlichste, die practischete bleiben. Dieser 
ist auch Laitmec in der ersten Ausgabe seines 
Werkes gefolgt. In der spätem bat er, aus Furcht, 
die Entrundung eine zu grofse Rolle spielen zu las- 
sen, diese Eiutheilung aufgegeben und sich dadurch 
in 1 zahlreiche Widersprüche und Wiederbolungm 
gestürzt, auf die der treffliche Miriadec Laitmec 
selbst aufmerksam macht. 

Hingegen lifet sich nichts gegen die Art ein- 
wenden, wie Laitmec den chronischen Catarrh un- 
terschied, je nachdem die Schleimhaut der Luftwege 
sich entweder in einem trockenen Zustande befindet 
(caiarrhe sec), oder eine reichliche, wisstige Flüs- 
sigkeit absondert {catarrhe pihriteux)> oder endlich 
einen eonsisteriten, sehleimigen Auswurf in hinrei- 
chender oder überm&fziger Quantität darbietet (co- 
tarrhe nmqueux.) Laitmec betraebtet sehr passend 
diese drei Formen des chronischen Catarrhs als den 
drei Stadien des acuten Catarrhs entsprechend, und 
gewfssermafsen als Aborthrformen des Catarrhs, in- 
sofern es die beiden Stadien betrifft; nämlich den 
trockenen Catarrh als Permanenz des ersten Sta- 
diums, wo die Schleimabsonderung unterdrückt ist, 
den pituitösen Catarrh als Verharren im zweiten 
Stadium, dem der wissrigen Ergieftung, und den 
Schleimcatarrh als Fortdauer des Catarrhs in seinem 
dritten Stadium, wo nie Schleimabsonderung wie- 
der, hergestellt ist, und in rei c hli c hem MaaCte 
stattfindet 



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229 



§, 3. 
Physicalische Zeichen des Catorrhs. 

Die physieaiischen Zeichen des Catarrbs tragen den 
Charakter der. Wandelbarkeit in* höherem Grade au sich, 
als die irgend einer anderen Brustkrankheit, denn sie hänr 
gen nicht von den Stadien der Krankheit allein, sondern 
auch mehr als alle anderen von der Reaction ab, die in 
jedem Augenblicke eine andere , bald den die Bronchien 
füllenden Schleim durch Husten ausstöfst, bald denselben 
an einem anderen Orte sich wieder ansammeln, bald die 
gereitzte Schleimhaut sich aufwulsten, und das Lumen des 
Astes verengern, bald wieder sie zu ihrer normalen Be- 
schaffenheit zurückkehren läfst. Gerade diese Wandelbar- 
keit ist aber so höchst pathognomonisch. 

Welcher Art auch immer emCatarrh der Lungen sein 
mag, wenn er nur einfach, nicht durch andere Krankheits- 
formen complicirt ist, so giebt die Brust in ihrer ganzen 
Ausdehnung bei der Percussion eine natürliche Resonanz» 

Ganz anders verhält es sich bei der Auscultation. 
Vom ersten Beginne der Krankheit an bis zu ihrem voll- 
ständigen Ablauf wird das Geräusch der Lungenexpansion 
von Rasselgeräuschen begleitet oder durch sie ersetzt 
piese Rasselgeräusche des Catarrhs sind dreierlei Art: 
das Sonore-Rasseln, das Pfeifen- Rasseln und das 
Schleim -Rasseln. 

Die beiden erstgenannten Arten der Rasselgeräusche 
kommen,' mit Ausnahme des Lungenödems, als Folge von 
Herzkrankheiten, wo ieh sie oft auf eine für die Auscul- 
tation des Herzens störende Weise gehört habe, so viel 
mir bewufst ist, nur in den catarrhalischen Affectionen 
der Lungen und deren Nachkrankheiten (Emphysem) vor. 
Anders ist es mit dem letztgenannten. Das Schleimras- 
seln steht, wie wir schon oben ausführlich dargethan 



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A 



230 

haben, in der Mitte zwischen dem Knister- Rasseln und 
dem Gurgel -Rasseln. Es unterscheidet sich von dem er* 
steren oft nnr durch die gröfseren, minder zahlreichen, 
isolirteren, von dem zweiten durch die kleineren Blasen. 
Es werden daher Nuancen des ScMeimrasselns vorkom- 
men, die selbst das geübteste Ohr nicht von dem «inen 
oder dem andern der genannten Geräusche wird zu un- 
terscheiden im Stande sein, und umgekehrt Nuancen des 
Knister- und. Gurgel -Rasseins, die sich eben so in Bezug 
auf das Schleimrassehi verhalten. Daher denn die vielen 
Pneumonien, die vielen Tuberkel -Excavationen-, wo Statt 
des knister-, statt des Gurgel -Rasseins nur das Schleim- 
rasseln vorgefunden wird. 

Zu welchen Veränderungen in der Textur oder Abson- 
derung der Bronchial -Schleimhaut steht nun aber im Ca- 
tarrh jedes dieser Geräusche besonders in Beziehung? 
Im Allgemeinen läfst sich hierüber Folgendes sagen: Fast 
in allen Catarrhen trifft man alle drei Rasselgeräusche 
gleichzeitig an; doch herrschen die beiden ersteren in 
allen den Fällen vor, wo die Auflockerung der Bronchial- 
Schleimhaut mehr oder weniger stark ist, ohne 1 oder fast 
ohne Zunahme der Secretion; das Schleimrasseln im Ge- 
gentheil wird überall da die Oberhand haben, wo eine 
reichliche Absonderung die Luftröhrenäste m|t schleimiger 
Flüssigkeit gefüllt hat, also im Stadium des acuten Ca- 
tarrhs und in der chronischen Form, die diesem Stadium 
entspricht, nämlich im gewöhnlichen, chronischen Schleim- 
catarrh. Der ersten und zweiten Periode des acuten Ca. 
tarrbs, so wie dem trockenen, und dem wässrigen Catarrh 
kommt dagegen taehr das Sonore- und das Pfeifende -Ras- 
seln zu. Doch ist dies nieht so gemeint, als kämen nicht 
alle drei Geräusche untermischt vor; dieses findet sogar in 
der Mehrzahl der Fälle statt; kaum dafs man eine Minute 
lang ein Geräusch hört, so wird es schon durch ein an- 
deres ersetzt. 



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231 

Hat das sonore, üe-fe Raspeln in einem der Obern 
fläche der Lunge, nahe liegenden Bronekialaste seinen Sitz, 
so empfindet die anf die entsprechende Brustwand aufge- 
legte Hand oft >*in. £e£ühl von Erschütterung, deni ähn- 
lich, wenn ma* die Band auf A die Brust eines im tiefsten 
Basse Sprechende« legt, oder wen» eine gespannte Saite 
vibrirt Es ist wir- häufig Jbegegnet, die^e Erschütterung 
mit dem Katzenach wirren bei Herzkranken zu verweeh-* 
sein, und dieses ist um so Jeichter möglich, da die Klap- 
penkrankbeiten, denen das Jetztgenannte Zeichen vorzüg- 
lich angehe**, so oft von Oedem der Lunge begleitet sind, 
das sieh gerade durch das Sonore -Rasselgeräusch zu er- 
kennen giebt Ist das Sonore -Rasseln so stark, dafs es 
dem Tone gleicht, den ein gedehnter Bogenstrich auf einer 
dicken Cellosaite hervorruft, so findet man, nach Laännec^ 
gewöhnlich an der Bifurcation eines der Hauptbronchien 
die Schleimhaut roth und aufgewulfttet. Unter diesen Um- 
ständen gleicht auch das Sonore «Rasseln zuweilen dem 
(Girren der Turteltauben; so habe ich es erst jetzt 
Wieder bei einem phthisischen Knaben gehört, auf den ich ' 
noch zurückkommen werde, 

.Welches Rasseigerausch man auch in einem Catarrhe 
hört, immer ist es nur auf den Ort beschränkt, der affi- 
cirt ist. Von der Ausdehnung, in der es vernommen wird, 
schliefst man auf die Ausdehnung, und somit auch auf 
den Grad der Krankheit. Wird das, Rasselgeräusch, in 
der Ausdehnung einer ganzen Lunge oder gar beider Lun- 
gen gehört, so ntufs man den Fall immer als einen bedeu- 
tenden ansehen. Ist unter dieser Bedingung der Catarrh 
acut, so werden die Reactionssymptome heftig sein, ist er 
chronisch, so fehlen Dyspnoe, grofse Hinfälligkeit, etc., 
nie, und sind um so bedeutender, je weiter das Indivi- 
duum an Alter vorgerückt ist. 

Ein anderes pathognomonisches Zeichen des Catarrhs 
ist die periodische Suspension des Athmungs- 



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283 

geräusehes an den von der Krankheit befallenen Stellen 
der Longe. Eben hat man et erst gehört, und in dem 
Momente darauf forscht man vergeblieh darnach, obgleich 
ein Paar Hnstenstöfse und die Expectoration einer gewis- 
sen Menge Schleims es alsobald wiederkehren lassen. Der 
Grund dieser Erscheinung ist in der Verstopfung eines 
Bronchienastes durch Stäben ScbleiA zu suchen; ist die- 
ses Hindernifs durch den Husten und den Auswurf besei- 
tigt, so kann die Luft wieder frei durchgehen. 

Die hlofse Verminderung des Athmnngsgeräusches 
im Catarrh scheint durch die Anschwellung der Schleim- 
haut, die die kleinen Bronchien auskleidet, veranlafst zu 
werden. Auch sie ist fast immer nur partiell und' ge- 
wöhnlich von der puerilen Respiration in den Theilen der 
Lunge begleitet, wo die Schleimhaut gesund geblieben ist. 
Zusatz 1. Das Schleimrasseln ist das am häufigsten/ 
vorkommende Rasselgeräusch des Catarrhs; sehr 
selten ist es ganz rein, gewöhnlich sind das Pfei- 
fende- und das Sonore -Rasseln ihm beigemischt 

Der trockene Cafarrh giebt sich vorzüglich 
durch die Verminderung oder gänzliche Aufhebung 
des Athmungsgeräusches zu erkennen, welche Auf- 
hebung oder Verminderung aber jeden Augenblick 
ihren Ort wechseln und mit einem kräftigem, ob- 
wohl noch nicht puerilen Athemgeräusche aiterni- 
ren kann. Dabei ist die Resonanz der Brust durch- 
aus unverändert. Nicht selten kommt auch bei die- 
ser Varietät eine eigne Art von Pfeifengeräusch vor, 
das von LaSnnec mit dem Geklapper eines klei- 
nen Ventils verglichen worden ist. 
Zusatz 2. Die Wandelbarkeit der Symptome im Ver- 
ein mit der unveränderten Resonanz der Brust bei 
der Percussion lassen sehr selten den Catarrh mit 
einer anderen Affection der Lungen verwechseln. 
Nur mit dem Emphysem der Lunge ist eineVer- 



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238 

wechselung möglich, oft sogar unvermeidlich, da in 
der Mehrzahl der Falle diese Krankheit nur die 
Folge eines ehren. Catarrhs, namentlich des trocke- 
nen, ist. Der lange Aufenthalt von Schleim in den 
Lungenzetten veranlafst eine Erweiterung derselben 
mit Hypertrophie oder Atrophie ihrer Scheidewände, 
obgleich es wahrscheinlich ist, dafg aufser dem Ca- 
tarrh noch andere Verhältnisse, namentlich ein ho- 
hes Alter, dieselbe Wirkung hervorzubringen ver- 
mögen. In der erstgenannten Varietät des Lun- 
genemphysems, wo die Scheidewände der Zellen hy- 
pertrophisch sind, findet man, wenn die getrockne- 
ten Lungen scheibenweise durchschnitten werden, 
einesteils Höhlen, die viel gröfser, anderenteils 
Wandungen, die viel dicker sind als im Normalzu- 
stande. Die Dilation einer gewissen Anzahl von 
Luftzellen mit Hypertrophie ihrer Wandungen mufs 
aber sehr häufig die Verminderung der Capacität 
oder selbst die gänzliche Obliteration anderer Höh- 
len bedingen, deren Wände auf Unkosten der Höh- 
len, die sie umsehreiben, verdickt sind, gerade auf 
eben die Weise, wie die Hypertrophie der Herz- 
wandungen bald die Dilation, bald die Verengerung 
ihrer entsprechenden Höhlen veranlassen ')• Be * 
der zweiten Varietät des Lungenemphysems, wo die 
Scheidewände verdünnt sind, findet man an den be- 
theiligten Stellen zwar auch statt der eapillarförmi- 
gen Bronchien und der kleinen Lungenbläschen 
mehr oder minder grofse Zellen, die durch unvoll- 
kommene Scheidewände, oder durch blofse Fila- 
mente von einander getrennt werden, aber hier ist 
die Vergröfserung nur eine Folge der Zerreifsung 



*) Andral,Prea0 d' Anatomie Pathologique. Tom. 2. H. Partie. 
Pag. 516. 



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93* 



der Zwischenwände ond der dnreh sie bedingten 
Extra vasatien von. Luft Dieses itt das eigentlich 
sogenannte interlobuläre Emphysem, tos den 
Begriff der Extravasaten v*ü Luft in akh trägt 
Das vesiculär,e Emphyafcmlrfi&imo'a, was in der 
blofs mechanischen Dilatation der LufthBischen be- 
stehen soll, gebort nadb Andral *ur Hypertrophie 
.der Lungen. ' '••• • 

Wir haben also hfcr ein Beispiel, daft ihrer 
Natur nach so gans entgegengesetzte Prozesse, wie 
die Hypertrophie einerseits und die Atrophie ande- 
rerseits, identische Wirkungen in der Lunge her- 
vorzurufen vermögen. 

Auch im Emphysem also wird, wie beim tro6k- 
nen Catarrh , das Athmungsgerinsch in dem gröfsten 
Theile der Lunge nicht gehört ; wo es aber noch ge- 
Jbört wird, erscheint es sehr ach wach; wich hier, 
wie beim Catarrh, gfcßbt die Percussion den norma- 
len Lungenton $ auch hier läfst sich, wie im trocke- 
nen Catarrfc} von Zeit zu Zeit ein Pfeifen -Rasseln, 
dem Geklapper eine« Ventils ähnlich, vernehmen, 
und zeugt von der Ortsveränderung des Schleims 
in den Bronchien* 

Die physicalischen Zeichen allein würden also 
beide Krankheiten nicht können von einander un- 
terscheiden lassen; die Symptome müssen in zwei- 
felhaften «Fällen den ^Ausschlag geben; das Alter der 
Krankheit, die Intensität der habituellen Dyspnoe 
und der Anfälle von Asthma, die von Zeit zu Zeit 
den Kranken heimsuchen, die Rundung, die zuwei- 
len die Brust im Lungenemphysem annimmt, ent- 
scheiden für die letztgenannte Kränkelt. Ist end- 
lich das Lungen -Emphysem sehr entwickelt, so er- 
kennt man es an einem ihm ganz eigentümlichen 
Zeichen; wir meinen das Geräusch, das wir im er- 



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steil Theile unter der Benennung des trocke- 
neu Kniste*rasselns mit grefsen Blasen be* 
schrieben haben. Dieses Geräusch, da* heim Ein» 
aihmen und Husten gehört wird, ist dem ähnlich, 
wenn man in ein halb getrocknetes Zellgewebe Luft 
einblälst; • Von dem einfachen Knisterrasseln unter* 
geneidet easfch theils durch das Gefühl von Trocken- 
heit, theils durch die gröfsereo und ungleichen, Bla- 
sen. Daraus v dafs dieses Zeichen sehr selten Vor*» 
kommt, dafe die Kranken zhvralen ein Gefühl von 
Bersten oder 4Flatzen an dem Ort« haben, wo ei 
gebort: wird* und dafs in sehr' seltenen Fällen man 
beim blofsen Druck mit dem Finger, während der 
Kianke einathmet oder hustet, dieses Knistern fühlt, 
schliefst man mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit, 
dafs das trockene Knisterrasseln nur in 
dem Augenblicke stattfindet, wo die Lun- 
genbfasen reifsen und die Luft in das 
sie vereinigende Zellgewebe extravasiren 
lassen. 



Dritter Abschnitt. 
Vom der Pneumonie. 

§. 1. 

Diagnose der Pneumonie vor der Anwendung der physicalischen 
Exploratiorismethoden. * 

Es ist schon in der Einleitung gesagt worden, dafs 
die Pneumonie zu den am häufigsten vorkommenden, aber 
auch zu den gefahrvollsten Krankheiten gehört, deren 
Heilbarkeit grofsentheils von der mehr oder minder früh- 
zeitigen Erkenntnis abhängt, Es sind zwar viele Fälle 



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von Pneumonie bekannt) wo der Arzt den Sieg daVon 
trag, obgleich er erst spit, an Wen, ja am 9ten Tage der 
Krankheit dazu kam, aber diese Füle find eben der Merk- 
würdigkeit halber oder alt Beweise ärztlicher Bravour 
angeführt; die gewi« unendlich zahlreicheren Falle von 
traurigem Ausgange bei zu spätem Erkennen der Krank- 
heit, wie dies bei den sogenannten latenten Pneumonien, 
bei denjenigen, die im Verlaufe anderer Krankheiten, z. B. 
typhöser Fieber, aeuter Ausschläge etc. sieh ausbilden, so 
häufig vorkommt, entziehen sieh der öffentlichen Mitthei- 
lung, um so mehr, da sieht immer die Leichenöffnung auf 
diesen Ausgang folgt, und der Arzt seinen Irrfhum nicht 
gewahr werden kann, wenn er auch bereit wäre, densel- 
ben einzugestehen« Je mörderischer also von der einen 
Seite die Krankheit, und je mehr von der anderen Seite 
die Heilung derselben von einer frühzeitigen und genauen 
Diagnose abhängt, um so höher müssen wir hier den 
Werth derjenigen Mittel anschlagen, durch welche die 
Diagnose vervollständigt, geschärft, zu eitlem gewissen 
Grade der Evidenz, der mathematischen Gewifsheit ge- 
bracht wird. Wir wagen aber zu behaupten, dafs, einige 
Formen von Herzübeln abgerechnet, die Auscultation und 
diePercussion bei keiner anderen Krankeit in demMaafse 
und auf eine so glänzende, in die Augen springende Weise 
diefees Resultat herbeigeführt haben, als in der Pneumonie. 

Durch die Zeichen, die uns diese Explorationsmetho- 
den gewähren, vermögen allein wir den Sitz und die 
Ausbreitung der Krankheit zu bestimmen, die in so ge- 
nauem Verhältnisse zu dem Grade ihrer Gefährlichkeit ste- 
hen, vermögen allein wir sie auf alle möglichen Stufen 
ihres Vor- und Zurückschreit ens zu verfolgen, zu be- 
gleiten, vermögen allein wir sie aus ihren oft mannig- 
fachen Compiicationen und Combinationen herauszufinden, 
vermögen allein wir endlich die Pneumonie der Kin- 
der, die von der Geburt an und noch vor der Geburt bis 



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J3T 

sunt 16ten Jahre dieselben in dem Maafse trifft, dafs sie 
eine der mächtigsten Ursachen ihrer grofsen Mortalität 
darstellt, sind wir allein vermögend, die Pneumonie der 
Rinder zu erkennen, bei denen die Haupt Symptome, wie 
Expeetoration, Sehmerz, Husten, Dyspnoe, Fieber in so 
hohem Grade unzuverlässig sind. 
Zusatz. Wirft man einen Blick auf die Gruppe von 
Symptomen, die in dem Gefolge der Pneumonie auf- 
zutreten pflegen, so witfd die Wahrheit unserer Be- 
hauptalgen bald ans Licht treten, selbst wenn man, 
von den latenten Pneumonien abstrahirend, allein 
die reine, normale Form berücksichtigt. 

Der Schmerz kommt bei der Pneumonie nur 
vor, wenn eine Pleuritis sie begleitet, fräs aller- 
dings 'in der Mehrzahl der Falle stattfindet; ohne 
Pleuritis kein Schmerz, oft aber auch kein Schmerz, 
obgleich bei der Section Spuren einer Entzündung 
dar Pleura gefunden' werden. Aber wie verschie- 
denartig ist nicht der Schmerz seiner Intensität nach 
bei der Pleuropneumonie, wie wenig steht er im 
YerhSltnifs zu der Zunahme der Krankheit Am 
lebhaftesten im Beginne derselben wird er nach und 
. - nach schwächer, und hat schon lange vorher auf- 
gehört, ehe noch der Exankheitsprozefs abgelaufen 
ist; zuweilen jedoch überlebt er denselben, zuwei- 
len 'macht er unerklärbare Intermissionen, indem er 
paroxysmenweise wiederkehrt 

Ganz im Beginne der Krankheit, wo noch we- 
der Fieber, noch Husten, noch Dyspnoe* ihn heglei- 
ten, ist es. unmöglich ihn von dem Schmerze der 
Pleurodynie oder dem einfachen rheumatischen zu 
unterscheiden. Ist die Pleura nicht zu gleicher Zeit 
mit der Lunge ergriffen, so haben die Kranken nur 
ein Gefühl von. Zwang oder Druck in der leidenden 
Seite, ein mehr oder weniger lastendes Gewicht, 



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238 



eine empfindliche Wime, eher ketz*n ejgmtKchesi 
Schmerz. Sehr treffend bemerkten daher die Alte* 
von der Pneumonie: Affert plus perictoü.qnam 
doloris. Bei Kindern füllt dieses Symptom ganz weg. 
Der Grad der. Dyspnoe steht gewöhnlich in 
geradem Verhältnisse zu der Intensität und der Ver- 
hreUong der Pneumonie; vielleicht übt aluch der 
Sita der Krankheit. einigen Einfiuls auf denselben 
aus., denn man will bemerkt, haben, dafs die Ent- 
zündung, wenn sie in den oberen Kappen der Lunge 
ihren Site hat, zu einem näheren Grade vpn Dys- 
pnoe* Veranlassung giebt, als. wem die unteren Lap- 
pen ergriffen sirid. Aber bei- weitem nicht in allen 
Füllen ist die Beschwerde beim Athmen ein treuer 
Abdruck der Verbreitung und des Grades der Ent- 
zündung. Es gifebt Individuen, bei denen, in Folge 
einer unerklärharen Idtosyncrasie, ' sdiön die Ent- 
zündung eines sehr kleinen Theils des. Lungenge- 
webes, und zwar .schon der erste Grad derselben, 
die Freiheit der Respiration auf das allerbedeutend- 
ste beeinträchtigt, wahrend bei anderen «in viel 
gröfserer Tbeil der Lunge, im zweiten und im dril- 
lten Grade entzündet, einen' viel geringeres Grad 
. von Dyspnoe zur Feig» hat Auf die -Auslage der 
Kranken darf, man sich in dieser Beziehung nicht 
verlassen, denn Viele wollen von keiner Oppression 
auf der Brust etwas vrisson, obgleich ihr Gesicht, 
das Spiel ihrer Nasenflügel etc. sie Lügen straft. 
Uebrigens ist die Dyspnoe ein fast allen Brustkrank- 
heiten gemeinsamea Symptom, und, absolut- betrach- 
tet, nicht von, grejje» diagnostischen Werthe. Leute, 
die fortwährend asthmatischen Berschwerden, in 
Folge von Herzkrankheit* oder Taberkfeldntwicke- 
lung.in den Lungen, oder selbst aus nervaler An- 
lage, unterworfen sind, kommen, wenn sie intercur- 



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83» 

reut von einer Lungenentzündung befallen werden, 
manchmal gar* nicht zum Bewufstsein ihrer Krank- 
heit, weil der Grad der Dyspnoe dadurch nicht eben 
sehr gesteigert wird; der Schmerz ist hier das ein- 
sige Symptom, wodurch man aufmerksam wird, 
denn selbst das Fieber tritt in so cotaplieirten Fäl- 
len nkh( in dem Grade hervor, wie bei der reinen 
Pneumonie« Gilt dies für die acute Pneumonie, so 
findet es in noch <viel höherem Grade bei der chro- 
nischen, eonsecutiven Form seine Anwendung, die 
so häufig das die Tuberkeln umgebende Lungenpar- 
enchym befällt. Keine Dyspnoe, keine charakte- 
ristische Expectoratiotf, kein Schmers, überhaupt 
nichts, mit Ausnahme der physicalischen Zeichen, 
läfst hier das Dasein der Krankheit erkennen. Die 
Beschaffenheit der Sputa gewahrt allerdings 
einen sichereren Anhaltspunkt für die Diagnose der 
Pneumonie* als die bisher genannten Zeichen. * Durch- 
sichtige, rostfarbene, zn einer, gaüertartigeta, zittern- * 
dtinJMasse ßich vereinigende Sputa^ die in dem Grade 
zähe sind, dafs das, sie enthaltende Gefaßt umgekehrt 
und stark geschüttelt werden kann, ohne dafs sie sich 
Ton den Wänden «tosseihen trennen, »ao gestaltete, 
und beschaffene Sputa kommen « allerdings nur in 
der Pneumonie vor; Aber wie sehr wird diese Be- 
schaffenheit durch die verschiedenen Stadien modi- 
ficirt, die die Krankheit zu durchlaufen hat! wie 
viele Fälle von Pneumonie, wo die Sputa nie so 
waren, wie viele, wo gar keine, oder höchstens "eine 
catarrhalische Expectoration, vorkommt! In den Fäl- 
len, wo die .Pneumonie mit anderen Krankheiten 
complictrt oder combinirt ist, in der chronischen 
Pneumonie,, «in den Pheumanien der Kinder ist auf 
den Charakter der Expectoration *gar nichts zu geben« 
Sollen wir 'noch; auf eben die Weise des Husten* 



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240 



erwähnen, sollen wir noch von de« Reaotionser- 
scheinungen sprechen, die so häufig in gar keinem 
Verhältnisse zu der Ausbreitung und dem Grade 
des örtlichen Leidens stehen, die im frühen Kindes- 
und im Greisenalter so schwer sn würdigen sind, 
die hei der chronischen Form ganz fehlen? Wahr- 
lich, dem ist .die Wissenschaft ein leeres Wort, der 
hier noch auf die Frage, was haben die Methoden 
der physicalischen Exploration auf die Therapie für 
einen Einflufs, auf diese seichteste aller Tragen zu- 
rückkommt Aber lassen wir seihst solch eine Frage 
xu, die Beantwortung derselben wird uns keinen 
Augenblick verlegen machen. Nur einen Punkt 
wollen wir herausheben, weil der Gegenstand zn 
stofireich ist, um ihn durch und durch zu discuti- 
ren. Nachdem die allgemeinen und örtlichen Reae- 
tionserscheinungen, nachdem Fieber, Dyspnoe*, Hus- 
ten, Expektoration etc. schon langst verschwunden 
sind, wenn man, diesen Symptomen nach zu urthei- 
len, die Krankheit für vollkommen getilgt hält, be- 
steht oft das Enister- oder Halbknister- Rasseln 
noch lange Zeit fort, giebt zu erkennen, dafs der 
Theil der Lunge, der entzündet war, noch nicht 
ganz zu seiner früheren Beschaffenheit zurückge- 
kehrt ist und lafst den. Arzt gegen Rückfälle auf 
seiner Hut sein, die hier leider so häufig und so 
gefahrvoll sind. 



Anatomische Charaktere der Lungenent%ündung mit besonderer 
Berücksichtigung der physicalischen Zeichen. 

Die Frage, die hier zunächst liegt, ist die, wo hat die 
Pneumonie ihren Sitzt Ist es in den Lungenbläschen 
selbst, ist es in dem zwischenlieganden Zeilgewebe, oder 



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,241 

ist es ia beiden Theilen su gleicher Zeit? Lattmec he* 
gnugt eich damit, zu sagen, da(V die Pneumonie die Ent- 
Zündung des Lungengewebea sei (An pneumonie e*t 
fi/nßammation du titeu puimenaire). In Betracht, da (Vi 
das Knisterraaselp des lstcn Gradf s der Pneumonie in den 
Lungenzellen seinen Sitz bat, ist Andral ») geneigt zu 
glauben, dafs das Wesen der Pneumonie in der Entzün« ( 
düng dieser Zellen besteht, deren innere Fläche ein zuerst 
blutig- schleimiges* dann eiteriges Secret ausscheidet ; diese 
Meinung theilt auch, Bromsai* *)* Wahrscheinlich ist es, 
dato, in der Mehrzahl der Fälle, zu der primitiven Ent- 
zündung der Ifungenaellen die Entzündung des iutervesi- 
eulären Zellgewebes sich hinzugesellt Wir -sehen also 
hier die Anscultation dazu beitragen, einen wesentlichen 
Punkt der pathologischen Anatomie zu entscheiden; selbst 
das Messer ist in diesem Falle nicht im Stande die nö- 
thige Aufklärung *u geben, wie Andral eingestellt 
Acute Pneumonie. 
Die anatomischen Charaktere der acuten Pneumonie 
bieten, nach den verschiedenen Perioden, 'die diese Krank* 
heit durchlaufen kann, grofse Verschiedenheit dar; oder 
vielmehr diese Verschiedenheiten sind so auffallend, dafs 
»an darnach die Perioden der Krankheit bestimmt bat 
Lainnec. und Andral nehmen 3 Gattungen von Verände- 
rungen an, die das von Entzündung befallene lungenge- 
webe erleiden, kann; der erstere bezeichnet sie mit den 
Npmen der Blutüberfftllung {Engouemtni) , der He- 
patisation (//e>aJt*«ti*») und der Eiterinfiltration 
(Iqfillration purulcnte); der letztere, darauf Rücksicht 
nehmend, dafs die Lunge im 2ten und Sten Stadium der 
acuten Entzündung zwar härter als die gesunde Lunge, 



f ) Antrat, Cliniqne medlcale. Tom. I. Pag. 603. Zweite 
Ausgabs. 

*) J i re a s ffr , Histoire des Phlegmasia* rhroaiqoes. 

16 



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142 

aber doch bei weitem leichter terreifcbar, matschiger* 
»ehr Flüssigkeit enthaltend 1 , daher der normalen Leber 
nicht zu vergleichen stei, hezeichnet die genannten Sta- 
dien mit dem Namen der rothen und grauen Erwei- 
chung (Ramolissement rOHge ei gris). Die Erhärtung 
(Endurcissement) kommt nach ihm nur bei der chroni- 
schen Pneumonie tror und giebt sich gleichfalls als rothe 
oder graue Erhärtung zu erkennen. 

Erstes Stadium/ oder Stadiute der Blutüber- 
füllung, der Splenisation. 
Gans im Beginne der Krankheit ist die entzündete 
Lunge nur weniger schlüpfrig, weniger elastisch als im 
gesunden Zustande; wenn man 'sie drückt crepitirt sie 
noch, aber weniger als sie eigentlich sollte; schneidet 
man sie ein, so Hieltet aus der Schnittfläche ein mehr oder 
weniger mit Serum vermischtes mehr oder weniger schäu- 
miges Blut; das Gewebe llfst sich noch drücken und zer- 
ren, ohne zu zerreifsen, die Farbe desselben ist röther als 
im normalen Zustande. Im weiteren Verlaufe der Krank- 
heit verhält sich die Lunge beim Drucke in Bezug auf 
das Knistern, wie die Lunge eines Foetus, der noch nicht 
geathmet hat, das Rothe 'wird zum Braun und bildet einen 
lebhaften Gegensatz gegen das Grau oder blasse Rosa der 
gesunden Theile des Organs, die Consistenz vermindert 
sich, so dafs man die Lunge mit derselben Leichtigkeit 
zerreifst, wie die Milz, der sie auch dann in anderen Be- 
siehungen noch gleicht, weshalb man diesen Grad der 
Pneumonie mit dem Namen Splenisation, Vtrmilzung 
bezeichnet hat. 

. Mach Lallemand ist die Verminderung der Cohaesion des 
Lungengewebes das einzige Merkmal, vermittelst dessen 
man die oft so betrachtliche Blutüberfüllung, die in den 
letzten Augenblicken des Lebens in den Lungen statt hat, 
von der zu unterscheiden im Stande ist, die einer Ehtzün- - 
düng angehört, welch« nur einige Tage gedauert bat. 



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243 

Anärai pflichtet ihm darin in der ersten Ausgabe seiner 
CUnique midicale bei: „Läfst sich nur, sagt er, eine grös- 
sere Zerreifsbarkeit des Lungengewebes nachweisen ? so 
mufs dasselbe als entzündet betrachtet werden." Aber in 
der zweiten Ausgabe des genannten Werkes gesteht die- 
ser in so hohem Grade kritische Schriftsteller ein, dafs, 
nach neuerdings von ihm angestellten Untersuchungen, 
eine gröfsere Zerreifsbarkeit des Lungengewebes eben so 
gut die Folge einer 'einfachen, entweder während des Le- 
bens oder nach dem Tode stattgehabten Anhäufung und 
Stockung von Blut in jenem Organe, als das Resultat der 
Entzündung sein könne. Auf jeden Fall ist dieser Punkt 
ein noch zu lösendes Problem der pathologischen Anatomie. 
Zweites Stadium, Hepatisation (La&rmec), 
rothe Erweichung (Andraf). 
Ton der einfachen Blutüberfiillung und der darauf 
folgenden beginnenden Erweichung geht die entzündete 
Lunge allmählig in einen anderen Grad über, in dem sie 
auf den ersten Anblick das Aussehen einer Leber hat, die, 
mit Blut getränkt, gleichmäfsig roth gefärbt ist Sie cre- 
pitirt dann beim Drucke gar nicht mehr und sinkt im 
Wasser zu Boden. Wird sie eingeschnitten, oder besser 
noch eingerissen, so zeigt die Schnitt- oder Rifsfläche 
unter der Loupe eine unzählbare Menge rother Granula- 
tionen, die sich leicht unter dem Finger zerreiben lassen. 
Die Zerreifsbarkeit, oder besser die matschige Beschaffen- 
heit des Lungengewebes hat einen so hoben Grad erreich^ 
dafs es nur des leisesten Anfassens bedarf, um dasselbe ' 
zu zerstören, in eine Art von rofhem Brei umzuwandeln. 
Durch den Druck wird eine geringere Menge Flüssigkeit 
ausgepreist, als im erstell Stadium, auch ist dieselbe nicht 
mehr so schäumig; sie gleicht gewissermaßen den Wein- 
hefen. Das Volumen der Lunge erscheint in diesem Sta- 
dium der Pneumonie so wie in dem folgenden merkbar 
yergröfoert; diese Vergröfserung-ist aber nur scheinbar, 

16* 



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244 

und rührt nach htUhmee und Amdrat davon her, dafs die 
Longe, die keine Lnll mehr in nick schliefet, in de« Au- 
genblicke, wo man ^e Brusthöhle öffnet, nicht zusam- 
mensinkt, wie dies mit der Lunge der Fall ist, die noch 
Luft enthftlt. 

Drittes Stadium, Stadium der Eiterinfiltra- 
tion (LaSimec), der granen Erweichung 
(Antrat). 
In dieser Periode der Pneumonie, wie in der vor* 
hergehenden, ist das Lungenge wehe fest, compact, dicht, 
für die Luft undurchdringlich, daher nicht crepitirend; es 
ist, wo möglich, noch zerreifsbarer und eben so körnig 
auf den Schnittflächen ; aber statt der rothen Färburig hat 
es eine graulich -weirse angenommen; es enthalt eine Flüs- 
sigkeit, die von dem reinen Eiter sich nur dadurch unter- 
scheidet, dafs ihr an manchen Stellen Blut beigemischt ist. 
Dieser mehr oder minder aschgraue Eiter oder Jauche 
fliefst in grofser Menge ab, wenn man, nachdem die Lunge 
eingeschnitten oder eingerissen ist, dieselbe comprimirt» 
Je mehr solcher Flüssigkeit die Lunge enthalt, desto leich- 
ter serreifsbar, desto matschiger ist sie. 16 Folge dieses 
hohen Grades von Zerreifsbarkeit braucht man nur leicht 
den Finger in das Parenchym einzudrücken, um eine 
kleine Eilerhöhle au bilden, die leicht für einen Abscefs 
frischerer Bildung genommen werden kann. 

So häufig diese diffuse Eiterung, diese Infiltration 
des Lungengewebes mit Eiter als Ausgang der Pneumo- 
nie beobachtet wird, so selten ist die Bildung eines Ei- 
terheerdes, eines Abseesses in Folge dieser Krank- 
heit. Ehe noch die Leistungen der französischen Schule 
des 19ten Jahrhunderts die pathologische Anatomie jene 
Riesenfortschritte hatten machen lassen, sah man die Bil- 
dung Ton Abscessen in der Lunge in Folge der acuten 
oder chronischen Entzündung dieses Organs als ein sehr 
gewöhnliches Factum an. Heut in Tage ist es erwiesen, 



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84S 

/m*mtß 

dal* die Alten theÜs Ergösse in der. Pleura, welch« die 
Lappen des Tilge mit einander verbindet (in Folge einer 
Pleuritis wterlobularis), theils erweichte Tuberkelmassen 
f&r Absoesee genommen haben. Auch glaubten die Alten, 
daf* die Pneumonie oftmals ihren Ausgang in Heilung 
durch die freiwillige Entleerang solcher rorgehlichen 
Abeeesse mache, die sie mit dem Namen Vomicae beleg- 
ten. Heute weifs man, dafs diese Vomieae das Resultat 
ganz anderer Organen -Veränderungen sind, als die Ab- 
«cesse in den Lungen; bald ist er ein grofser Tuberkel, 
der sieh erweicht hat, und mm sich plötzlich durch die 
Bronchien entleert, bald ist es Eiter, der yon der Pleura 
kommt und, nachdem er die Lunge durchbohrt hat, jetzt 
mit einem Male expectorirt wird, zuweilen endlich ist es 
nichts als eine copföse, plötzlich eintretende Eiterseeretion 
der Bronchialschleimhant. In dem Laufe seines an Er- 
fahrungen der Art so. reichen ärztlichen Lebens hat La€o- 
nee nur 5 — 8 Mal höchstens die Pneumonie durch Ab- 
scefsbildung sich endigen sehen; Andral weUs nur i Fälle 
der Art auf zuzählen. Man mufs aber nicht die Ahseesse, 
Von denen wir eben gesprochen haben, mit den Eiterde- 
yots verwechseln, die man ziemlich oft in den Lungen, 
so wie in anderen Organen, in der Leber, der Milz, dem 
Ctehirn antrifft, npch grofsen chirurgischen Operationen, 
oder in Folge, bedeutender, innerer oder änfserer suppu- 
rafiver Entzündungen. Die Eiteransanunlungen dieser letz- 
teren Cathegorie haben gewöhnlich an der Oberfläche der 
Lange ihren Sitz, sind zerstreut liegend, vielfältig, und 
entwickeln sich nicht wie jene inmitten eines hepatisirten 
Lungenlappens. Sie sind nach den Untersuchungen von 
Bance, Martchai und Cruvtiikier das Resultat entweder 
des einfachen Absatzes des resorbirten Eiters an einem 
mehr oder weniger entfernten Punkte oder, was wahr- 
scheinlicher ist, das Resultat einer Phlebitis puhnonalis 
bei Individuen, deren Blut durch die Gegenwart einer mahr 



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246 

oder minder beträchtlichen Menge Euer in Folge der Phle- 
bitis anderer Theile, namentlich der GUeämafsen, des Ute- 
rus, etc., inficirt worden ist. 

Eben so selten als der Ausgang in Abaeefsbildung, 
wird der in Brand bei der Pneumonie wahrgenommen. 
Andral hat nur 3 Fälle davon gesehen. Bekanntlich wa- 
ren die Alten sehr geneigt, überall da Brand anzunehmen, 
wo sie ein Organ braun oder schwarz gefärbt antrafen; 
ihre Beobachtungen 1 von Brand der Lungen, der Leber, 
,&&* Gehirns, der Eingeweide, etc., sind in grofser, Zahl 
vorhanden, und doch giebt es nichts selteneres als eine 
wahrhafte Gangrän dieser Organe. Es scheint übrigens 
ein primitiver, idop atischer Sphacelhnmgsprozefs, der von 
der Entzündung ganz unabhängig ist, in der Lunge statt- 
finden zu können, doch gehört das nicht hierher. . 

Dies sind die organischen Veränderungen, die die ver- 
schiedenen Grade der acuten Entzündung der Lunge cha- 
rakterisiren. 

Chronische Pneumonie. 

Die chronische Pneumonie entwickelt «ich auf 2 Ar- 
ten, die wohl zu unterscheiden sind; einmal kann sie den 
Ausgang einer acuten Pneumonie bilden, dann kann sie 
primitiv sich entwickeln. Bedenkt man, wie unendlich 
häufig die^acute Pneumonie vorkommt, tfo wird man Mühe 
haben zu begreifen, was die Schriftsteller von der Selten- 
heit der chronischen Pneumonie in letzterem Sinne sagten. 
Laennec beginnt den Abschnitt über die chronische Pneu- 
monie mit der Frage: kennt man überhaupt chro- 
nisch« Pneumonien*! „Nur den Aerütta , meint er, 
die sich gar nicht mit pathologischer Anatomie beschäf- 
tigt haben, kann diese Frage seltsam klingen» Ich, fährt 
er fort, kenne nur sehr wenige Fälle, die als Beispiele 
der chronischen Pneumonie dienen können/' 

„Die Schriftsteller, sagt Andral, scheinen uns nicht 
hinlänglich ihre Aufmerksamkeit auf das ausserordentlich 



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247 

seltene Vwfcmmm der* chronischen t Pnetmtnie ohne 
Complicaticm .ypo Tuberkeln od^r; JiolAnpse gerichtet #u 
haben. In einem Zätmmiinyppvfi'tfvfatm h&m, wir 
in 4er Chartte nur «ehr -wenige^. Beispiele von rother 
•der grauer Hepatisation,* der sljungg .gesehe?, die eine 
längere als zwriiÄOwatUeMiDiww gehabt hatten, So un- 
endlich selten man afcer auch eine von Complicationen 
freie, chronische Pneumonie .antrifft v so gewöhnlich ist 
es., die TheHe der Lungen in Einern, Zustande der chroni- 
schen Entzündung zu finden», ;die. erweichte t Xufterkeln 
umgeben. Hier ist .das (uf£sejgg$w<e)>e hfu^.JBuhd* Luft 
undurchgängig, graulifb, mM Eiter infiltrirt, pro, in einem 
Worte, wie. es pioh im ; dritten Grafle der. Pneumonie dar- 
stellt, obgleich wir nicht diflse EiterfctUtratioqmit der tu- 
berculösen Inftltration verwech^ejii, die Xa^f»«dc.,ßo gut 

beschrieben hat ^ 

Die grofse Frage, die Lebensfrage über .die Identität 
oder Nicht - Identität des TuherquUsations - Processes in der 
^Lunge mit de* chronischen* in Eiterung ausgehenden, Pneu- 
monie, deren IXiscuBsien s£ch hier yon selbst darbietet, 
müssen wir uns auf das fepUel über die Phtbisis auf- 
sparen. > • 
f Welcher Art nun auch die chronische Pneumonie sein 
mag, so werden in ihr dieselben, Abstufungen der orga- 
nischen Veränderung wahrgenommen, wie in der acuten; 
aufserdem findet man aber noch 2 andere £us(ände in der- 
toelben, die nur ftx engehQr*n, und in denen das Lungen- 
gewebe, Statt mtt JFlüssjgkeUejp getränkt und erweicht zu 
sein, sieh hart und trocken darstellt; dabat behält es 
übrigens bald seine hlafsrothe Farbe, bald, und das ist 
der g6wehnUch*te Fall, is$ es -g* w gefärbt, so wie wir 
also eine mibe und eine graue Erweichung angekommen 
haben, so werden war auch eine rotbe und eine grano 
Erhärtung (mduraüon roage ci grüte) annehmen müs- 
sen. Witt man, nach Andral, die Melanosis dar Lunge 



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248 

at* fein* BrMhHttng 4m' L*«ge«gewe1ye* betrachte«, oo 

tonte taten äo<* et ne dritte Art ''der Induration hitanfugei», 

«fttnlieti die schwärme Induration. 
Xusatz 1. Sehr gfew$hft1kh ist es, in iiner und der- 
selben Longe die & versch i ede n e « tgrade der fetale» 
Pneumonie (die Ueberfftlhmg > die Hepatisation md 
die Eiter inflltration) Vereint anzutreffen, mag dieses 
daher rühren r dafs die Entzündung nicht mit glei- 
cher Schnelligkeit auf feilen Punkten, die sie ergrfe?- 

r : lim hat, fertgeseirittdh ist, oder defs sie dieselbe« 
'nur nach und «aeft befalle« bat. 

Die Pneumonie 'kann beider Langen sn gleicher 
ZWf, oder sie kann nur ein«- derselbe« sieh be- 
nrfcfitigen; daher die Bezeichnung der doppelte« 
und der einfachen Pneumonie. In einer Lange 
wurzelnd, hat die Entzündung dieselbe kl ihrer To- 
talität« oder nur theftweise ergriffen; lohAre Pneu- 
monie wird' sie genannt, wenn eh* oder mehrere 
Lappen der Lunge, lobuläre, Wenn in größerer 
oder geringerer Anzahl die Läppchen entzündet 
sind, durch deren Vereinigung der Lbbus gebildet 
wird. In Bezug auf den Sitz glaubte man früher, 
dafs die tobäre Pneumonie fast immer die unteren 
' Lappen befiele 5 neuere Uutersufehufcge« haben ge- 
lehrt, dafe man gar nicht selten afteh die oberen 
Lappen entzündet findet. 

Unter 86 Fällen Ten Pneumonie* bat Anärmi 
47 Mal den unteren Lappen, 39 Hai den oberen und 
11 Hai die Lunge in ihrer Totalität entzündet 
gefunden. 

Die Entzündung der rechten Long* «st Mnfigelr 

als .die der linken; Von 216 Pneumonien waren 121 

* auf der rechten, 58 auf der Unken, 2& auf beide« 

Seiten-, bei den 19 anderen neft sieh der Sit« nickt 

oestimmen* 



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449 

>Wn§ Äe lehnWre Pneumonie anbelangt, s& tn- 
det sie «IÄ besonders Mi Kindern Ter; deeh ist 
sie «ueh bei Erwachsenen «fcfct so selten, als tiian 
• - wobt glaubt* möchte. Diese Form der Pneumonie 
ist es, die oft, besonders hei Kindern, die »outen 
' ' Airtsehfo^kraiikheiten, namentlich die Masern ^ be- 
gleitet. tWe- tobttre Pneumonie wird sehr oft, die 
lofcntäre immer ron Bronchitis begleitet Ueber die 
Cemplicalion der Pneumonie mit -der Pleuritis ha» 
ben wir schon im Capitel aber die PlewrÜi«' ge- 
sprochen. 
Zusatz 2. Bomlfawd will bemerkt haben, dafs bei Er* 
weebsenen äie Expectoretäon «fiter tthrigens "gletV 
eben Verhältnissen schwerer reu statten zu geben 
oder hanfiger fcn fehlen pflegt, wenn die Pneumonie 
im oberen Läpp en der Lange, als wenn sie In den 
unteren ihren Sit« hat. Würde diese Beobachtung 
dunen Thatsacben bekräftigt, so könnte man leicht 
die Erklärung das* finden. ' Es ist nämlich gewif», 
dafs dfo l&peetöratfan nur durch Bewegttn&e* «od 
Stöfte von stalten geht, in Folge w ei eher die 4h 
den LvajgeJteelfett oder Bronchien enthaltenen Fiutda 
steh lesmaefeen; «her diese Slftfse und diese Bewe* 
ganzen erschüttern viel weniger die Spitze der 
Lungen als die unteren Lappen. Wie dem auch 
sein mag, se sind die sogenannten trdckenen 
Paeiamonie* hei Erwachsenen sehr «eilen» Unter 
-3fr Fällen von Lungertentaatedung, die Botrilland 
beobachtet hafte, warben* einer ohne Expoctoration. 

Physicalische Zeichen der Pneumonie. 

Perbntoritche Xeiehen. In dem ersten Grad* der 
Pneumonie (Ueberfüllung, Splenisatien) gieht steh neah 



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250 

keine Mattigkeit ab den der entzündeten Longe entspre- 
chenden Steilen 4er Brustwand in erkennen; dock merkt 
man bald, dafs an tiefen Stellen die Resonanz geringer 
ist als im Normalzustände, und das beste Mittel, diese 
Verminderung der Sonorität hervortreten zu lassen, be- 
steht darin, abwechselnd die gesunde und die kranke 
Seite zu percntiren* Wird auf diese Weise pereutirt, so 
tritt die Verschiedenheit des Tons selbst für ein noch nicht 
sehr geübtes Ohr bald hervor. Sind aber beide Seiten 
krankhaft ergriffen, so giebt diese vergleichende Per- 
cussion kein Resultat. Es sind aber auch noch andere 
Fälle vorhanden, wo die Percnssien für die Diagnostic 
der Pneumonie verloren geht; wir sprechen von den Pneu- 
monien, die im Centrum, oder an der Wursel der Lunge 
ihren Sitz haben, und von denjenigen, die man der Form 
nach mit dem Namen der lobulären bezeichnet Diese Be- 
merkung gut übrigens für das erste Stadium, so* wie für 
die folgenden beiden. Der Grund, warum in den ge- 
nannten .Füllen die vollständige oder unvollständige Mat- 
tigkeit verborgen bleibt, liegt zu klar am Tage, um noch 
näher entwickelt zu werden. Der 2te und 3te Grad der 
acuten Pneumonie (Hepatisation und EUeriufiltration) ist 
immer, die genannten Fälle ausgenommen, von efaper voll- 
standigen Mattigkeit an den der Befetisation etc., ent- 
sprechenden Stellen der .Brust begleitet. \. 
Auscultatorische Zeichen« , 
Zn derselben Zeit, wo Schmerz und Dyspnoe* zuerst 
sich kund geben, maust das Ohr eine, auffallende Modifi- 
cajion in dem Geräusche wahr, das bei jeder inspiratori- 
schen Bewegung hörbar wird. In dem Grade als die Pneu- 
monie fortschreitet, lassen sich neue Modificationen ent- 
decken, die auf eine mehr oder minder bestimmte Weise 
dem Sitze, der Ausbreitung, dem Grade der Lungenentzün- 
dung entsprechen So wie das Athjnwgjge^äflfteh» «o wird 
auch die Summe modificnrt. 



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251 

Wird die Brust vom ersten Beginne der Entzündung 
an auscuHirt, so geben in der Mehrzahl der Fälle folgende ' 
Erscheinungen sieh zu erkennen. Auf der Seite, wo der 
Schmerz empfänden wird, verliert das natürliche Zellen* 
athmen seine Reinheit und Bestimmtheit, es ist demselben 
in einer mehr oder minder grofsen Ausdehnung das Knister- 
Rasseln (vergl. Seite 166) beigemischt. Andral fand das 
Knister- Rasseln häufig dem Geräusche ähnlich, das ent- 
steht, wenn man ein Stück Pergament reibt oder zerknüllt 

In der ersten Zeit seines Bestehens verändert und 
verdunkelt dieses Geräusch wohl das natürliche Zellen- 
athmen, aber es maskirt dasselbe nicht vollständig. In 
dem Maafse als die Entzündung fortschreitet wird das Ras- 
seln immer stärker, bis es endlieh das Athmungsg&lusch 
ganz verdeckt. 

Das Knister«Rasseln gehört der Ueberf üllung der Lunge 
an; so lange es noch hörbar ist, bat die Entzündung nicht 
den ersten Grad überschritten. Aber aus seiner grösseren 
oder geringeren Intensität, der mehr oder minder starken 
Beimischung des Zellenathmens kann man schliefsen, wie 
weit dieses erste Stadium vorgeschritten ist, ob es sclion 
mit dem 2ten Stadium verbunden besteht. So lange noch 
das natürliche Respirationsgeräusch vorwaltet, kann man 
annehmen, dafs die Entzündung noch sehr unbedeutend, 
-dafs sie nur erst im Anfluge vorhanden ist Wird sei- 
nerseits das Knister- Rasseln über das ZeUenathmen prä- 
dominirend, fängt es an das letztere ganz zu maskiren, 
so ist das ein Beweis, dafs die Entzündung Fortschritte 
gemacht hat, dafs sie zum zweiten Stadium binüberneigt. 
Sterben die Kranken in dieser Periode und bei dieser Be- 
schaffenheit des Knister- Rasseins, so findet man gewöhn- 
lich die Lupge nicht mehr blofs einfach überfüllt, son- 
dern, obgleich noch für die Luft durchgängig, ist ihr Ge- 
webe doeji schon erweicht und leicht serreifsbar. Hört 
nun im Verlaufe der Krankheit das Knister -Rasseln ganz 



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m 

auf Ute m tein, •© tind swei FiUe atfgUeli: ent- 
weder stellt dat Respirttiontgeriusch tiefe in dein M aalte 
wieder eis alt das Knitter -Ratteln abnimmt, oder das- 
•eibe keiirt nicht wieder zurück, nnd in diesem Fall 
hftrt man entweder gar nichts, oder dat Enitter-Batteln 
wird dareh ein änderet Pbaenomen craetst, Tendern gleich 
die Rede tein toll. 

Wir wiederholen feter niefct, wat wir im aHgemeinen 
Theü iber dat Knister-9aatein (Seite 68 Znsatz) to aun- 
fthrlich getagt bähen. Nur dtraaf machen wir autaerk- 
eam, dafs dat Knitter- Ratteln nnr teilen to rein ausge- 
tproefeen vorkommt, wie wir et eben beschrieben haben, 
dafs et häufig mit Schleim- Ratteln varuMScht, oder diesem 
tehr ähnlich ist, dafs et alt in der Bronchitis gehftrt 
wurde, wo die Section keine Spur von Pneumonie oder 
Oedem der Lnnge nachsu weiten im Stande war, to wie 
noch in dem acuten und eferonitehen Lnugencatarrh. 

Ist eine Lunge theilweise oder in ihrer Totalität tut 
dem Zustande der Blutöberfüllung in den der Hepatisation 
tibergegangen, so haben die Gertatehe, die normalen nnd 
pathologischen, die in den Langenteilen ihren Sitz haben,'' 
aufgehört an den der Hepatieetioa entsprechenden Stellen 
der Brnttwand hörbar zu tein. Zellen -Athmen und Zelleu- 
Rntteln (hier tpeciell Knister- Rasseln) sind verschwun- 
den, denn die Lull findet sn den Lungenteilen keinen Zu* 
tritt mehr. Die Athembewegungen tind dann entweder 
von gar keinem Geräusche, weder von dem natürlichen 
noch von einem anormalen, begleitet, und dieser Fall 
kommt häufiger vor, alt man gewöhnKcli tu glauben ge- 
neigt itt, oder dat Bronchial- Athmen tritt in gröberer 
*der geringerer Starke auf. Häufig ist das Bronchial- 
Athmen so stark, dafs et nnt vorkommt, alt Mate ein 
unserem Ohre nahe stehender Mensch in ein Rohr. Wir 
haben schon oben (Seite W) gesagt, dafs dieses Zeichen, 
wenn et tiefe to darstellt, mit dem Namen des Röhren-, 



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des Bronchial -Bissens belegt wird. Diese Vermeh- 
rung des Geräusches, das normaler Weise den, Durchgang 
der Luft durch grofse Bronchien begleitet, hat in zwei 
Umständen ihren Grund: 1) darin, dafs die Luftsäule, weil 
sie sich nicht mehr in den Lungenzellen vertbeilen kann, 
stärker gegen die Wände der Bronchien anschlägt, 2) darin, 
dafs die hepatisirte Lunge, die in Folge ihrer Verdichtung 
eine bessere Leiterin des Tons geworden, das Bronchial* 
athinen besser fortpflanzt In Folge des letztgenannten 
Grundes ist es auch, dafs man in diesem Stadium der 
Krankheit jenen besonderen Wiederhall der Stimme wahr- 
nimmt, den wir unter dem Namen der Bronchialstimme 
beschrieben haben. Die BronehialsUmme in der Pneurao- 
monie ist zuweilen so hart, so herb, spröde und metal* 
lisch, dafs sie gleichsam das Ohr zerreifst, das sie hört. 
Wir haben schon oben (Seite 78) gesagt, dafs sich nach 
Latinnec die Bronchialstimme von der Meckerstimme da- 
durch unterscheiden soll, dafs sie nioht stofs weise, nicht 
gebrochen, nicht zitternd wie dieM ist Doch ist nichts 
so häufig, als eine Resonanz der Stimme anzutreffen, die 
2H gleicher Zeit etwas von der Bronchophonte und von' 
der Egophonie an sicfc foat, und die Bouiüaud in seinen 
Vorlesungen mit dem Namen der Broncho -Egophonie zu 
benennen pflegt. Die Häufigkeit dieser Erscheinung kann 
übrigens nicht in Erstaunen setzen, wenn man bedenkt, 
dafs in der unendlichen. Mehrzahl der Fälle die Pneumo- 
nie von einer Pleuritis mit schwachem Ergüsse beglei- 
tet wird. 

Die Orte, wo, im Fall dafs eine Lunge in ihrer To- 
talität hepaibirt ist, die Bronchialstimme in dem Maximum 
ihrer Stärke gehört wird, sind, der innere Rand und der 
untere Winkel der Schulterblätter, die Fossae supra- und 
infraspinosae. 

In manchen fällen von Hepatisation der Lunge ist 
die Respiration nicht bronchial, sondern ganz natürlich, 



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254 

ohne Beimischung irgend einet fremden, eines Rasteige- 
ritufehes, nnr um Vielet intensiver als auf der gesundem 
Seite. Ist man auf diese Fille nicht vorbereitet, nimmt 
man dabei die Percuision nicht zu Hülfe, to hält man die 
kranke Lunge für die geaunde und umgekehrt 

Dafs metstentheils die gesunde Lunge in der Pneu- ' 
monie ein pueriles Zellenathmen hören lasse, habe ich 
nicht in dem Grade bestätigt gefunden, wie es ge- 
wöhnlich von den Schriftstellern angenommen wird. Un- 
ter 14 Fallen von Pneumonie, wo ich auf dieses Zeichen 
besonders aufmerksam war, sind nur 5, die es darboten. 

In der , dritten Periode der Pneumonie, in der der 
grauen Hepatisation oder der Eiterinfiltration bleiben {las 
Bronchialathmen, die Bronchialstimme und das Fehlen des 
Athmungsgerlusches auf der matt klingenden Seite die 
Hauptseichen, wie in dem 2ten Stadium. 

Geht die Pneumonie ihrer Zertheilung entgegen und 
kehrt sie aus dem 3ten oder 2ten Stadium in das erste 
wieder zurück, so lifst sich das Zellen -Rasseln von neuem, 
meistens unter der Form des Halbknister-Rasselns hören. 
Zu gleicher Zeit verliert das Bronchialathmen seine eigen- 
tümliche Intensität, der Wiederha^ der Stimme tritt zu- 
rück; auch das Knitter -Rasseln nimmt allmfthlig ab und 
räumt dem Geräusche, das die Expansion der Lunge nor- 
maler Weise begleitet/ seinen Platz ein. 

Hiufig aber, wie Andral bemerkt, besteht auf einsei- 
nen Punkten oder selbst in einer ziemlich grofsen Aus- 
dehnung der Lunge das Knister -Rasseln noch fort, lange 
Zeit, nachdem schon alle anderen Symptome der Pneumo- 
nie verschwunden sind und jede Fieberbewegung, aufge- 
hört hat. Auscultirt man nicht, so 'hau man die Pneu- 
monie für vollkommen zertheilt; der schwache Husten, 
der noch vorhanden ist, scheint keine ernstliche Aufmerk- 
samkeit zu verdienen, und dennoch ist es gewifs, 4afs, so 
lange sieh dieses Geräusch noch hören läfst, die Entzfin«» 



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255 

dang nicht vollständig zerth*ilt ist and man entweder* 
einen Rückfall der Krankheit oder das Persistiren eines 
latenten Entxündungkerns befürchten mute, der früher 
oder später zu Desorganisation der Lunge Veranlassung 
geben könnte. 

^So wie nach dem Tode man oft aHe 3 Grade der Pneu- 
monie vereinigt in der Lunge vorfindet, so beobachtet 
man oft an einem Individuum zu gleicher Zeit die v«v ~ 
sebiedenen Zeichen der Auseultation, die das gleichzeitige 
Vorhandensein dieser verschiedenen Grade beurkunden. 
An einem Punkte hört man das Kntster- Rasseln allein 
oder dem Zellenathmen beigemischt, an einem anderen ist 
die Respiration bronchial, an- einem dritten hdrt man end- 
lich weder Rasselgeräusch , noch Bronchialathmen, noch 
Resonanz der Stimme. 

'. Nicht selten, wie wir schon bemerkt haben, ist die 
Kasse des in den Bronchien angesammelten Schleims so 
bedeutend, dafs das dadurch bedingte Bronchial - Rasseln 
(Schleim -Rasseln) alle anderen Geräusche maskirt und 
es unmöglich macht, den Zustand des Lungenparenchyms 
auscultatorisch zu erforschen. 

Nicht selten endlich vernimmt das an die Brust ge- 
legte Ohr überall das natürliche, doch über die Norm hin- 
aus intensive Geräusch der Lungenexpansion, obgleich die 
Lunge Sitz einer Entzündung ist. Dieses findet statt, 
wenn nur ein umschriebener und von der Peripherie ent- 
fernter Theil des Lungengewebes, namentlich an der Ba- 
sis, der Wurzel oder dem Centrum der Lunge entzündet, 
ist; dieses findet vorzugsweis in derjenigen Form der 
Pneumonie statt, die man mit dem Namen der lobulären, 
der hypostatischen Pneumonie bezeichnet hat Doch wol- x 
len wir nicht vergessen, dafs in vielen Fällen der letzt- 
genannten Art man zu oft es vernachlässigt, die Brust 
genau zu untersuchen! weil man an andere Krankheiten % 
denkt, denen jene Pneumonien nur zufällig sich beigesellt 



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wie dieses s. B. bei den V mmmm tat im Verlauf* 
»caler Ausschlagskrankheiteu «4er nervöser Fieber 4er 
Falt ift. Diese» Umstände bei welle« «ehr als der Ex- 
fdoratiettsmethode rauf« mu die Irrthnmer beimessen, die 
•ich so oft in die Diagnose einschleichen. „Ich kann ver- 
liehe™, sagt Lsirmec, dafs, wenn man de» Kranken vom 
Beginne der Pneumonie an untersucht, in der Mehrzahl 
der Falle die centralen Entzündungen, die sogenannten lo- 
bularen sehr leicht «ich erkennen lassen, und dafs nur 
dann ein gewisser 8rad der Aufmerksamkeit erfordert 
wird, wenn die entzündeten Punkte sehr klein an Um- 
fang sML" 

Drei Pille haken wir also kennen gelernt, wo in der 
Pneumonie das Zellenatkmen an Intensität zugenommen 
hatte. In dem ersten Fall war es an der Stelle seihst, 
die matt beim PercuJiren klangt wo diese grdlsere In- 
tensität stattfand; in dem »weilen Fall war es ebenfalls 
auf der kranken Seite, aber' nur an den Theilen des Pa- 
renchjms, die gesund geblieben sind und das kranke Ge- 
webe umgeben; in dem dritten Fall endlich war es auf 
der Seite der gesunden Lunge. 
Zusatz 1. So unerlifslieh es ist, die beiden Explora- 
tionsmetheden der Aueeultation und der Pereasaiett 
su gleicher Zeit bei den Krankheiten der Brusfer- 
gane in Anwendung su ziehen, so ist es doch ge- 
wifs, dafs, was den resp*ctiven ©rad ihrer Nütz- 
lichkeit in Bezug auf die Pneumonie anbelangt, die 
Auseultation es der Fereusston zuvertbut. Eine 
grofee Zahl von Pneumonien des ersten Graden 
kommen tot, in denen die Resonanz der Brust- 
1 Wandung gar keine Verminderung erführt, während 
im Gegenthtile die Auscultation in diesen Fällen 
vortreffliche Fingerzeige giebt In allen Pneumo- 
nien wird der Ton erst gegen den zweiten und drit- 
ten Tag matt, oft esst spater; auch hiev ah* gehen 



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257 

die Zeichen d«r Auskultation tiefte* der Percussion 
/ voran; schon im Beginne der Krankheit läfst jene 
den Sit» des Uebels erkennen. Gegen das Ende der 
Krankheit endlich/ wenn schon die Mattigkeit ver- 
schwunden ist, und die Percussion gar keinen anor- 
malen Zustand meto» kund gieht, zeigen oft 'die aus- 
v dilatorischen Zeichen, dafs die Zertheilung der Ent- 
zündung noch nicht vollständig stattgefunden hat. 
Es versteht sich von selbst, dafs bei tiefliegenden 
oder lobulären Pneumonien^ die Percnssion ebenso 
wenig und noch viel weniger ein Resultat für die 
Diagnose gewähren kann, als die Auscultation. 

Bei den doppelten Pneumonien, wo beide Brust- 
hälften gleich matt klingen, kann, wenn diese Mat- 
tigkeit der beiden Seiten nicht sehr bedeutend ist, 
dieser Zustand für den normalen gehalten werden; 
denn die Resonanz der Brust bei dem verschiedenen 
Menschen ist (Seite 21, Zusatz) aufserordentlich ver» 
schieden:, und oll trifft man ganz gesunde Indivi- 
duen, deren Brust beim Ansehläge einen dunkeien 

' Ton gieht. 

- Dafs die. Leber recht» und die Mihi zur linken 
Seite auf die Resonanz der »unteren Lappen der 
Lunge einen grofoen Einflufs ausüben, bedarf kaum 

.der Erwähnung; , . 

Zusatz 2. Auch die' Pleuritii hat ein Stadium, wo der 
Ton bei der Percu&dton maft und das Zellenathmen 

, wie im 2ten und. 3ten Stadium der Pneumonie gänz- 
lich verschwunden ist. Es wäre also hier eine Ver- 
wechselung möglich. Aber das Knister - Rasseln ging 
in der Pneumonie vorher, auch wiederhallt in der 
Pleuritis die Stimme meckerartig, stofs weise, wenn 
das Exsudat nicht zu beträchtlich ist; aufserdem ist 
in der entfachen Pleuritis der Auswurf nie so cha- 
rakteristisch wie in der Pneumonie, während in die- 

17 



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5Ö8 

i»r.der.S«U<wc]MM»iJmräf^ €b^ eirekht, wie 
ib det acuten PlwiriitU, ,',.; ( 

* Wai.diÄ;Cv»WB^ivn 4^i? jPaflunMIftiei jyit der 

Pleuritis anbelangt , ein*- Qoinfeinatie** y di# : fcei wei- 

., : tem häufiger, vorkommt;, aJ* die einfache fjieumo- 

.. ,nie, ,sß, sind ihre e b a gaklj riatfccfaen y . sie., vpn der 

Pneumonie und der Plwrttte untetttibeidenden Zei- 

che^derSeiteAwn»»i»mttderBronchonSe^onie. 

. .... §. 4. . ' , . •:.: .v 
Einige Fälle von Pneumonie. 

" No»l. Pn«um«-iiie im. elrsien. Grade: (Udberfüilung). 
Freu £., Wäscherin, empfindet, nach einer starken 
Anstrengung beim Waschen/ am 28eten und in der : darauf 
folgenden Nacht; *om;äe»*en:*nr*n:2isteir Mai- 1834, zu 
-welcher Zeit al«s rQüeeksttbtr .. im Rtatüntt* sckcn Ther- 
mometer oll auf 20»$rad «lieg, Schtaefra unter '«Um rech- 
tet Basen, afcwecsttfclncfcrFrust und» Mitae, ütier den gan- 
seil Körper, Beacliwierite- beim AUwmihcdeny : » Kopfschmerz, 
Abgeschlagenheit. Am Morgen des 21stdsi Mali fand ich 
am in tolgeHdeinZaslaÄdei^Knisfeer-ÄassJtlnihiaten an der 
Basis der rechte* BrusihiHft©, am uhtefe* Winkel des 
rechten. Schulterblattes 1 und noch: fiist^ ifc&er demselben; 
starkes und reines Zellenatbmen airaUe* übrigen' Stellen 
der Brust; vollkoswie»* Sönoriffifr dieser Stellen; und der 
ganzen Brust hüftebei- ;der Percussfon^ Sehmerz unter 
dem; rechten: Busen;, durch . die Perkussion t das ' Athemho- 
len; den Husten, das in die Höhe ^ Heben de* rechten 
Arms zunehmend;' kurze, beschleunigte Respiration, ziem- 
lich hoher Grad Ton Dyspnoev Thetlnabme der Nasenflü- 
gel an der Athembewegung; mit Blut tingfrte, durchsich- 
tige, noch nicht sehr zähe Sputa, schmerzhafter Husten; 
frequenter, voller Puls, heifse, trockene Haut. Diagnose. 
Entzündung des unteren Lappens der rechten Lunge im 



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859 

ersten Grafle; (£efcecÄlhmg> (Ad.erlafs , voa 12 ÜJir 
fceu^uach d^m, Aderlass^S^ltttio** v.oa T«rt4 st#b, 
gr. v in Aq. <leaUU<;5iv, 2stü*^ii;eb eineÄEfslaffel.) 
• Am Afeerifl dßßselbßii. TÄges r 0r^fseffB Verb>*eUuqg de* 
Knister-Ras8em$,vdenl abdiv an dein meisten i St eilen noch 
des KeUehaJ&tsfcnxibeigft^ sie«? 

kcares Fieber.; da&am; Morgen 4*ttf ogene Blut ist mitRUier 
dicken, festen* aa dem Rändern abgeworfene» Crusta«J*?- 
dbekt; der Tarä'Slxbt Kat*€f,iiicht^ TiTie. tr* Soll t^, Brechen > 
wokl : aber *iel#i?w&«srigß Stühle, v*^anlaf^t (£ weites 
Aderlals. von! 12 Un*en, Vermehrung d\es. Breche 
weinsteins/um, einen €htan, :als0, gr, v in Aq..4e^ 
ÄtiU-Sy gdöst f 2 stündlich einend föLötfel, löÄluk 
Qgiel unttr ätü rechnen Busen«) <?j/>. .; j /l ,i;oii, * 
Am Morgen des 22sten, also, anraten; T$ge der>Kcank T 
beit, -NacMfefe aller Krankheitserscheinungen; > achwäche- 
ved* lauf einen kleineren .Baum Jtescbräuktes^ : überall 
miti iZeHenaUimen durchmischtes Kni&er.rJtagsj&i;, freie, 
«lniieraloBe< AtÄBmhewegnogen, iwbhrertfloäenj flutten 'mi* 
reiehlfebem^ aähöaa ,. nicht nith« :T0«lia r ffcÄneft;iAM&^Urfey 
▼oller, docki&mde^ frequobter Pu^i vYdchß^iBaut, Gefühl 
von ■ aHgemeinam Jföohlbeluig«!^ in FrOlge* desfcefti dfs? Krsmfa» 
den* Wunsch ; ausspricht, saud demt'Beföfe/ steige #Ui diov? 
feA*. Auf döu ;Tarl. etib. ' war in der JSftebt 9roa)iges , JSgy. 
bi^clieä-trfolgt (\Vrglas3ung, ftlLewi Ar^fiqi; Piä^' 
sobleimi'gc* T :erw«ic^ejides v laflH^af^e^rGue+r^nfc^i 
. Am Abend diesem Tagds, kei$eVVerjind$£gkng( > *n dfi#k 
Zustande der iKrsn^eri, kaum eine nnbejfoaftende ßivmhw* 
in der Temperatur der Haut, copiöfer;, Auswurf , 'etwasr 
Schneiden beim Uriniren. Schlaf , in de* folgen^n.tNacJfet» 
anhaltend und ru^ig, mit starkem, über* <ten gaase^ Körf 

per verbreiteten Schwetls.i; ,,..'•: 

Am Morgen de« 2&Jten Mar, (vierter Tag der Krank- 
heit) früh 7 Uhr, war die Kranke aufgestanden un4 ; hatte 
einen 'Eimer mit unreinem Wasser, auf dem Keller, den 

17* 



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S60 

sie bewohnte, die Trepp e herauf nach dem Hefe getra- 
gen; hier von einem Schmerze befiülcn, ab ob tausend 
Messer ihr in die Brust gestalten würden, Stinte sie zu 
Boden und wurde bewufstlos hinab ins Bett getragen. 
Um 11 Uhr fand ich sie in folgendem Zustande: Knitter* 
und Schleim -Rasteln über den ganxep hinteren Theo der 
rechten Brusthälfte verbreitet, das normale Geräusch der 
Lnngenexpansion ganz übertönend, in einer Intensität, wie 
man es selten hört, Ton bei der Pereiission unverändert, 
hoher Grad von Dyspnoe, stechender Schmers heim Atbem- 
holen, Rückenlage, TodfenMässe des Gesichte, grofse Apa- 
thie, keine Antwort auf meine Fragen, kleiner, unter- 
drückter Puls von 108 Schiigen. (Aderlafs von 12 
Unzen, Tart stib. gr. vj in Aq. destiti. Jitf gelöst, 
2*tündlich 1 Efslöffel.) 

Nachmittags i Uhr war die Kranke für den, der sie 
am Morgen gesehen hatte, kaum erkennbar. Bis auf daa 
Knitter- Rasseln, das, obwohl in verminderter Stärket 
doch noch überall gehört wurde, waren die so drohenden 
örtlichen und allgemeinen Symptome, die Dyspnoe, der 
stechende Schmers, die Apathie vcrtclnrunden, die Haut 
war weich, duftend* eine nahe Crisis andeutend, der Aus- 
wurf reichlich. (Abkochung der Eibisch wursel mit Oxymel 
simpl. lauwarm zum Getränk.) Von da an lief die Krank* 
heit unter örtlichen und allgemeinen Criteu durch Haut 
und Harn regelmäfsig ab. Das Knitter «Rasseln -verlor 
zwar von Tag zu Tag an Stärke, war aber nichts- 
destoweniger noch am 28sten Hai (neunter Tag der 
Krankheit) *ü hören; später konnte ich et nicht mehr 
entdecken, und das Xellenathmen war auf der kranken 
Seite durchaus nicht anders als auf der gesunden. 
Zusatz. Bei dieser Kranken seheint die Pneumonie 
nicht den ersten Grad überschritten zu haben; wäre 
schon Hepatisation zugegen gewesen, so würde der 
Ton beim Percnt£ren matt geworden sein. Von wie 



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261 

größtem Nutzem für die Diagnose und Prognose war 
aber nicht die Auscuttation in diesem Falle! würde 
man ohne diese Methode wohl in dem Grades die 
verschiedenen Perioden der Ab* und Zunahme der 
Entzündung haben verfolgen können 1 würde man 
mit solcher Ausdauer bei einer Methode der Be- 
handlung su bleiben gewagt habenl 
Ho. 2. Pneumonie im 2ten Grade; Tod. (AndraJ 
Clinique m&licale 2me. edit. pag. 291.) 
Ein Maurer, 26 Jahr alt, von plethorischer Beschaf- 
fenheit, wurde in dem Laufe des Juli -Monats 1822 van 
den Masern befallen. Von jener Zeit an bis zum Monate 
September hörte er nicht auf su husten, was übrigens 
sein Wohlsein nicht sehr störte, und ihn nicht verhin- 
derte, sich seinen Beschäftigungen hinsugeben. Den öten 
September, 8 Uhr Morgens, wird er plötzlich von einem 
Sehmerze unter der linken, Brustwarze ergriffen, der von 
Frösteln begleitet warf zu gleicher Zeit brach er sein 

Frühstück aus. Den 6te» und 7ten währte der Schmers 

» 

fort, der gewöhnliche Husten nahm zu, die Haut war be» 
i ständig mit Schweifs bedeckt. Der Kranke blieb im Bette 
und trank Glühwein. Am 4ten Tage der Krankheit trat 
- er ins Hospital ein, und es wurde ihm zur Ader gelassen. 
Das gelassene Blut zeigte eine dicke Kruste, die einen 
kleinen und dichten, von vielem Serum umgebenen Blut- 
kuchen bedeckte, Am Morgen des 5ten Tages bot der 
Kranke folgende Erscheinungen dar« 

Kurze, beschleunigte Respiration, die; aber der Kranke 
nicht für beschwerlich erklärte; häufiger Husten mit Aus- 
wurf; die Sputa waren seit 2 Tagen rostfarben, durchsich- 
tig, ziemlich zähe; Schmerz in der Seit» nur bei tiefen 
Inspirationen und bei starkem Drucke auf die Zwischen- 
rippeuräiime; Knister- Rasseln in der ganzen Ausdehnung 
des unteren Lappens der linken Lunge; vollkommene So- 
norität der Brustwände; Rückenlage} frequenter, voll« 



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263 

Pols; allgemeine* Schweift, weiCsliche Zuge, Durst, Ver- 
stopfung. (Aderlafs von 12 Unzen,: erweichende 
Getränke.) Das Blut war nicht verschieden von dem 
des ersten Aderlasses. -Während des Tages nah«, trotz 
der beiden schon vollzogenen Aderlässe, die Beschwerde 
beim Respiriren bedeutend zu. 

Sechster Tag; die Dyspnoft ist viel bedeutender als 
am Tage vorher; dieselbe Beschaffenheit der Sputa ; Knister- 
Rasseln in der ganzen Ausdehnung der linken Lunge; 
auch rechts ist dieses Rasselgeräusch an. einzelnen Punk- 
ten des unteren Läppen* zu hören, in dem- übrigen Theile 
dieser Lunge giebt skh das Zellenathmen auf eine höchst 
energische Weise zu «erkennen; 'der Ton heim Perculirett 
ist nirgends matt; Puls stark, voll und frecruent, so dafs 
man ihn kaum zählen Itann; copiöser Schweifs, den gan- 
zen Körper bedeckend« Es «war augenscheinlich, dafs seit 
24 Stunden^ die Entzündung über einen weit grösseren 
Theii des Lungcngeweties verbreitet worden war; übri- 
gens aber bestand sie überall noch im Ist en Grade. Ein 
drittes Aderlars von 12 Unzen wird gemacht ; das Blut ist 
mit einer Crusta bedeckt, wie- bei den vorangegangenen» * 

Siebenter Tag; ganz eWselbe Zustand« (6 Blutegel 
a-n jede Seite derBrus-k) 

Achter Tag; Dyspnoe bedeutender als jemals; der 
Kranke in halb störender Lage, und noch voller Kraft 
konnte kaum einige Worte' keuchend hervorbringen; «ein 
rothes und mit Schweife bedecktes Gesteht trug den Ans» 
druck der höchsten Angst ^ t diei Auscultation liefs -Überall 
das Knister» Rasseln vernehmen, ausgenommen an der rech« 
ten Seite oben, in dem Rattme zwischen ; der Clavicuia 
und der Brustwarze, * wo- das Zeilenajhmen *1(ri anfseror* 
deutlicher Starke gehört wurde. Man zögerte nicht, ; zum 
4t*n Mile die Vene zu «ffhen; der Kuchen war* eben so 
refchiieh, die 'Crusta eben* so dick, als bei den früheren 
*de*Misseri. Dennoeh nahm die Dyspnoe von Tag zu Tag 



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W3 

in» Am Morgen * des 9ten , Xagcg» • kfenntfe der Kranke im 
eigentlichen Sinne des Worts nieht ihehr athmen; in sei« 
nem Bette sitzend, contrfrbirte : er ;mit der gröfsten An-* 
strengung alle seine Muskeln, «nr den Thorax in erwei- 
tern 5 an die Stelle der lebhaften Röihev, die an den vor- 
angegangenen Tagdn sein Gesiebt- dargeboten hatte, war« 
ftne livide Färbung getreten. ' 4Me • Ursache dieses Zustan* 
des von wahrhaft -beginnender Asphyxie lief» sich erken- 
nen, wenn das Ohr an die Brust angelegt 'Wurde; man 
hörte dann: ein sehr starkes Khfeter ^Rasseln in der gan- 
zen Ausdehnung: der Lungenr Eine fünfte Venaesection, 
die auf der Stelle rorgenoninien wurde, verschaffte eine 
momentane Erleichterung; aber bald nahm die Jßrstickungs- 
gefahr wieder überhand, und der' Kranke : starb in der 
folgenden Nacht während eines .solchen- Anfalls. •■ 
• Leicheiröf£nung. \a*i ■•- . ■ f . 
Eine grofse Menge * rother, «schaumiger Flüssigkeit 
strömte aus beiden Lungen hervor, wto man dieselben -auch 
einschnitt. Das Lungenge webe- War 'roth, doch. Sehr con- 
sistent, über dem Wasser bleibend?- die Schleimhaut der 
Bronchien zeigte in ihrer ganzen Ausbreitung eine vio<- 
lettc Rdthe; grdfse, schwarze Bist klumpen dehnten die. 
rechten Herzhöhlen aus 5 aUelTnterieibseingeweide waren 
mit Blut übeff&llt. , /( ; ; , 



Andral macht zu dieser Krankheitsgeschichte folgende 
Bemerkung: •■ -^ •• . ;•■/ • 

„T*le doppelte Pneumonie, die hier den Kranken dem 
Grabe zuführte, war weniger unheilsvoll durch ihre In* 
tensHät als durch ihre grofse Ausdehnung. . Ueberall zwar 
bestand sie nur "im ersten Grade (Blutüherfüllang), aber 
da dieser erste Grad die Totalität beider Lungen befallen 
hätte, so war sie • von grösserer Bedeutung, als wenn nnr 
eine Lunge bepalisirt gewesen wäre. Vermittelst der Aus- 
eultation konnten wir mit grofser Genauigkeit den Fort- 



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284 

•dritten der Entzündung . folgen; anfangs nur amf den 
unteren Lappen der linken Lunge beschränkt, sehen wir 
sie/ mit einer Schrecken erregenden Schnelligkeit sich anf 
den oberen Lappen derselben Lange fortpflanzen, dann 
auf eben dieselbe Weise, von unten nach oben, die rechte 
Lunge ergreifen. Eine sehr eingreifende antiphlogistische 
Behandlung konnte dem Fortschreiten dieser Entzündung 
keinen Damm entgegensetzen. Der Kranke starb ganz 
mechanisch, wenn man so sagen darf, als wire er erwürgt 
oder erstickt worden. Sehr merkwürdig ist noch, dafs 
bei einem solchen Grade von Entzündung die Haut fort- 
während mit copiosem Schweifse bedeckt war. " - 

Die Lungenentzündungen sind, wie wir schon in der 
Einleitung zu bemerken Gelegenheit hatten, aufserordent- 
lieh häufig bei Kindern. Uippokratea sagt zwar von die- 
ser Krankheit: hi morbi ante pubertatem non fiunt, 
doch ist heute gerade das Gegentheil anzunehmen. Guer- 
tent versichert, dafs die Hälfte der Kinder, die im Höpi- 
tal des Enfans malades sterben, an Entzündung der 
Lunge zu Grunde gehen. In diesem Hospitale geht die 
Lungenentzündung nie aus; sie wird zu allen Zeiten des 
Jahres und unter allen Formen beobachtet. Bald ist sie 
^manifest, unter dem Einflüsse atmosphärischer Ursachen 
entstehend, und charakterisirt sich durch einen lebhaften 
Schmers in einer oder in beiden Brusthälften, mit hefti- 
gem Fieber und blutigem Auswurfe (so kommt sie vor- 
züglich bei Kindern vor, die sich dem Alter der Puber- 
tät nähern), bald ist es diejenige Form, die die Alten mit 
dem Namen der latenten Pneumonie belegten, deren An- 
fang versteckt, deren Verlauf langsam ist, und die sich 
besonders nach Masern, Keuchhusten, oder nach einer ein- 
fachen Bronchitis einfindet, welche schon ein Monat, oder 
noch länger gedauert hat. In ihrem Gefolge finden sich 
nicht die Symptome, die die freie Pneumonie ehaeakteri- 



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265 

siren, nur vermittelst der Auscultatlon und der Percussion 
kann sie diagnosticirt werden. 

Wir theilen ans der Guersenfschen Kinderklinik, die 
wir während unseres Aufenthaltes in Paris mit eben so vie- 
lem Nutzen als Vergnügen besucht haben , zwei interessante 
Fälle von Pneumonie im 2ten Grade mit. Im ersten Falle, 
wo die Krankheit atsobald erbannt wurde, erfolgte die 
Heilung schnell unter der Anwendung von Blutentziehun« 
gen und Revulsiv- Mitteln, im zweiten Falle, wo Symp- 
tome von Gehirnleiden die Krankheit der Lunge maskir- 
ten, trat der Tod trotz der angewandten Hülfe ein. 
No. 3. Plenropneumonie der linken Lunge; An- 
wendung von Blutentziehungen und Revul-' 
sivmitteln; schnelle Heilung. 

Der Knabe Livrot, 8 Jahfr alt, wird «m ISten August 
1832 ins Hospital aufgenommen; er ist noch nicht vacci- 
nirt, hat weder Masern noch Stickhusten gehabt. Seine 
Gesundheit war immer gut; 4 Tage vor seinem Eintritte 
wurde er, ohne bekannte Ursache, von Fieber, Husten und 
Schmerz befallen, der im linken Hypochondrium seinen 
Sitz hatte; nichtsdestoweniger nahm er noch Speise zu 
sieb, die aber unmittelbar darauf bald wieder weggebrochen 
wurde. Zu gleicher Zeit trat etwas Diarrhöe ein, die 
2 Tage anhielt; zu diesen Symptomen kam noch ein in- 
tensiver Kopfschmerz, grofse Unruhe und Schlaflosigkeit 
in der Nacht hinzu; keine aclive Behandlung war einge- 
leitet worden; am Abend des 18ten, Tag seines Eintritts, 
schlug der Puls 128 Mal in der Minute. 

Den löten; der Kranke liegt nur auf der linken Seite; 
starke Dyspnoe, trockener, frequenter Husten; lebhafter 
Schmerz unter, der linken Brustwarze, durch den Hus- 
ten, die Pecoussion und tiefe Inspirationen zunehmend; 
Beschleunigung der Herz- und Inspiration* • Bewegun- 
gen, 112* Pulsschläge, 36 Inspirationen; matter Ton der 
2 unteren Drittheile der Unken Seite des Thorax; in 



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2*6 

derselben Gegend nach hinten Egopfconie, BAhrenblasen 
(Bronchialathmen), einige Blasen roin Knister- Rätseln 
gegen . den Winkel des Schulterblatts; die Resonanz der 
gesunden Seite war normal; die Zunge roth an der Spitze, 
in. der Mitte mit einem weifslichen Ueberzuge bedeckt, 
starker Durst ( Bauehbedeckungen bei der Berührung 
schmerzlos; Verstopfung seit 2 Tagen. (12 Blutegel an 
die linke Brusthälfte, 6 an den vorderen und 6 
an den hinteren Theil, Oelemulsien, zum Getr&nk 
versüfste Malvenabkochung.) 

Den. 20sten, keine Veränderung in den örtlichen Sym- 
ptomen, Verschlimmerung der allgemeinen; täftBulstfchläge, 
84 Inspirationen; (2 blutige Schröpf köpfe an den linken 
Brusttheil.) 

Den 21steo, der Puls fallt auf 60 Schiige in der Mi- 
nute, doch ist er von Zeit au Zeit aussetzend ; »52 Inspi* 
rationeu. Der Ton ist immer noch dunkel an den beiden 
unteren Djrittbeiten der linken Seite, aber statt de* 
Bronehialathmenshört man ein Knister - Rasseln 
mit grofsen Blasen; am Abend dieses Tages 66 Pnls- 
schläge, 36 Inspirationen; (Vesicatorium an die linke 
Seite.) 

Den 22sten, der Kranke hat den gröfsten Thcil des 
Morgens geschlafen? während der Nacht schlug der Puls 
84 Mal in der Minute^ bei der Auscultation giebt sieh' das 
ZeUenathmen xwar noch schwächer auf der linken als auf 
der fechten Seite zu. erkennen, aber es wird Überall ge- 
hört; der Thorax giebt auf beiden Seiten einen gleich so- 
noren Ton; statt des* Knistergeräusches:, Schleim - Rasseln 
an einzelnen Punkten der linken Brusthälfte 5 .Zunge nor-* 
mal, Durst unbedeutend 5 ein wenig Appetit. Einige Speise 
wird bewilligt Bei der Abendvisite findet man «den Kran- 
ken eingeschlummert, -48 Inspiratiöns- Bewegungen in der 
Minute; hetfee, dock duftende flaut, 92 Pulsschläge. (Milch 
und Bouillon.) . Mi" 1 r . 



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2Ö7 

1 ♦ 

Den 23steii, feü'ohte Haut, feuchter flu« tot», schleimir 
ger, nicht; copiöser Auswurf $ Sonorität üet Brust auf 
allen der Lunge entsprechenden «Funkten» Diti Expansion 
der: Brust beim. Athemhdlcn. geht immer noch ein wenig 
minder frei auf der linken als. auf der rechten« Seile von 
Blatten. (Die Menge der Speisen wird vermehrt.) 

Den 27stm verläfst das Kind vollständig geheilt das 
Hospital. 

Obgleich diese Krankheit schwer War, obgleich eine 
der Lungen feutn Tkeil schon in dem Zustande der Hepa* 
tisation sich befand, wie die Zeichen der Auaculratton und 
der Percussion dartfaaten, so führte doch eine schnell und 
in dem rechten Maafse angewandte antiphlogistische Be* 
handlang bald' zum Ziele. In der Beobachtung, die jetzt 
folgen wird, scheiterte dieselbe Art der Behandlung auf 
das Vollständigste. Aber . in diesem Falle war auch die 
Krankheit von vorn herein durch Symptome von Gehirn- 
leiden /bezeichnet, die die' Diagnosto sehr Verdunkeltem 
Die Aerzte, die das Kind behandelten, verloren über .die 
Erscheinungen, die vom Kopfe ausgingen r das Bru&ieiden 
aus den Augen, obwohl dieses das hauptsächlichste' wai% 
Die* Krankheit schritt fort, .ergriff bald beide Langen/ und 
zu der Zeit, da das Kind in das Hospital kam, lag*, das 
üebel schon ausserhalb des Bereiches einer jeden Künste 
hülfe. Nkht genug. kann man die Aerzte auffordern, in 
deir Kinderptaxis • die * Auicultaiidn . und die Percussioä 
überall da in Anwendung aju ziehen,: wa; derJPtfls und die 
Af heinbewegungen . beschleunigt sind* In tnoer^-groflien 
ZaM von Fällen reichen dieser Explosionsm erb öden h|p, «die 
sogenannten latenten Pubumonfen zu enthÄWehV die darcü 
Gehirn* oder 1 Abdetamälsymptome maskirt werdet». In 
dem eben erwaÄnten Fälle liefs schon die grosse Beschleus 
nigung der Inspiration«- Bewegungen die Idee an ein iüio* 
pathisches Leiden des Gehirns nicht aufliomfljen^ denn 
wenn die ttespiration bei ^ehirnkranfcheiten hinsichtlich 



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268 

ihrer Frequenz Störungen erleidet, so bestehen diese eher 
in einer Verlangsamerung derselben, als in Beschleunigung. 
No. 4. Pleuropneumonie durch Symptome von 
Gehirnleiden maskirt; Erfolglosigkeit der 
Blutentziehungen, die an den Zitzenfort- 
sitzen des Schläfenbeins und. am After vorge- 
nommen werden; Tod; partielle Hepatisation 
beider Lungen. 

Ein Findelkind, 28 Monat alt, blond, lymphatisch, sehr 
gut genährt, war bis auf einen leichten Husten, der tob 
Zeit zu Zeit seine Anfälle machte, immer gesund gewesen. 

Den lOten Mai 1832 wird es, ohne daß eine Veran- 
lassung aufzufinden war, von Fieber, Dyspnoe* und Er- 
brechen befallen; der gewöhnliche Husten verschlimmerte 
sich; diese Symptome halten zwei Tage an; man läfst 
6 Blutegel an den After setzen. 

In der Nacht des 4ten Tages stellte sich Delirium ein; 
(Blutegel hinter die Ohren); an den folgenden Ta- 
gen Schläfrigkeit, halb soporftser Zustand, der bis zum 
17ten Mai anhält, an welchem Tage das Kind in das Hos- 
pital tritt. 

Bei der Morgenvisite untersucht, bietet es folgende 
Symptome dar: bleiches Gesicht mit dem Ausdrucke des 
Leidens; erweiterte Pupillen $ oft wiederkehrende Husten- 
anfälle; beschleunigte Respiration; die Zunge war breit, 
feucht, mit einem weißlichen Ueberzuge bedeckt; der - 
Leih weich und indolent, Verstopfung seit mehreren Ta- 
gen; frequenter, regelmäßiger, harter Puls; 144 Puls- 
schläge und 56 Inspirationen in der Minute. Die auffal- 
lende Beschleunigung der Circulation und Respiration ver- 
anlagten Guer&en* mit der grdTsten Sorgfalt die Brustor- 
gane zu untersuchen. Percutirt gab die Brust unten nqd 
hinten einen matten Ton, auf der rechten, so wie auf der 
linken Seite; indessen war die Mattigkeit rechts doch noch 
grdfser, und hier ließ die Auscuttation ein sehr markirtei 



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Röhrenblasea hären, da* von dem unteren Winkel des 
Schulterblattes bis zur Basis der Brust sieb erstreckte; 
auf der linken Seite, Halb-Knister-Rasseln im Niveau de* 
unteren Lungenlappens; Bronehophonie wurde nicbt ent- 
deckt; bedeutende Athtnungsbesch werde; das Kind lag in 
einem somoolenten Zustande, mit geschlossenen Augenlie* 
dem; keine convulsivische Bewegungen der fvtiedniafsen, 
keine Paralysis, weder des Empfindungs- noch des Bewe- 
gungsvermogens. (Zwei blutige Schröpfköpfe hin* 
ten an die Brust; Malveuabkochung zum Getränk; 
sinapisirte Cataplasmen an die unteren Extremi- 
täten; Lavement von Honig und; Milch). 

Den 18ten: Der Puls ist auf 112 Schläge gesunken; 
Dyspnoe weniger grofa; Husten häufiger, feuchter als den 
Tag zuvor, doch keine Expeetoration; das Lavement war 
bei dem Kranken .genlieben; kein Stuhlgang; mehrmaliges 
Urinlassen. (Noch ein blutiger Schröpfkopf an die 
rechte Seite der Brust; Oelemulaion; Lavement 
von zwei Unzen: mercurialisir ten Honigs.) . 

Am Abend merkbare Verschlimmerung; 140 Puls- 
schlage, 72 Inspirationen. 

Den löten: Trotz der OelemuJsion und des, Lavements 
k^in .Stuhlgang; fortwährende Somnoleriz, geschlossene 
Augenlieder, Rückenlage; 136 Pulsscbläge; Dyspnoe ; der 
Bauch seheint schmerzhaft .bei der Berührung; Röhren- 
blasen hinten und an der Saite derBrustf zu beiden Seiten 
Seh leim rasseln, das sich dem Halb-Knister-Rasseln nähert, 
je mehr man nach unten hinabsteigt (Vier Gran Calo- 
mel; Lavement von,einer Drachme Senna mit ei- 
ner Unze mercurialiairten Honig; Sinapismen an 
die unteren Extremitäten.) 

Nachmittags erkennt das Kind seine Aeltern, die eil 
besuchen. 

Den 20s ten: Dieselbe Pulsfrequenz; 136 Schlüge in 
der Minute, 64 Inspirationen; heftige Djspnoc; drei Stühle 



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«70 , 

waren erfolgt; trockene brennende Haut» (Lauwarmes 
Bad, und nach awei blutige Schröp f köpfe a& di4 
Brust.) • , ...... 

~ .Am Abend: Von neuem Verschlimmerung . des.gan* 
sen Auslandes; 150 Pulsschläge, SS Inspirationen, in defe 

Minute. ' \ :;" ■"*•■. 

Am 21sten: Fortwährender, in kleinen, gleichsam er* 
stickten Anfallen wiederkehrender Husten; größte Beklem« 
mung; abdominale Respiration; .48 Inspirationen in. der. 
Minute; sehr, frequenter Pub. /(Zwei Vesacatora :an 

die Waden.) 

Abends $ Vhtt » Inspirationen, kleiner , fsdfenfäritn- 

ger Pul* r 144 maHii der. Minute schlagend;* -starre, trübe 

Augen.; Flocken lesen ; ..Tradieal-Rasseln* ,Tod in der 

Naeht. •:.::..>* ;. .: . . . 

Leichenöffnung ^zw$tC<St^nden nach dem 

ni:> .:>: . Tode.;!/ . •■■ ^; -.:■• i: — /■ v . 

;;; >Kop£ . Der. Sinns. ttogstudinaliaufiaperior i enthält' ei» 
sehr umfangsraiehestF^sePsib^er inpo si^;^c<afse. der JÖe* 
btriihfiut* -stark injioirt; die* Höhlender Arächdoidea- ent- 
hält ungefähr drei Efslöffel seröser Flüssigkeit; übrigens 
isttidiese .Membran vollkommen ^durchsichtig, fefst und nir- 
gends der Qberflebhe der Cireonvotatfoncn .adhaerirend; 
Rütfen«ubsta*z:bjafe; Markeübstaqz stärk punclirt ; die 
Ventrikel «pd.die.OentrÄllbeile bieten niehts Anormales 
dar; die. Goftsjatejm . der .Gehirnmasse., ist die natürliche; 
Rückenmark ganz gesund. ... s 

r . Brust : Ein eiterärtiger Schleim kleidet das Innerei 
des Larynx, der Trachea und der Bronchien aasy deren* 
Membrana mueosa . eine leishte Rosafärbung zeigt; Die 
Bronchial -Ganglien enthalten Tuberkeln in grofeer £ahfy 
die beiden Lunten sind 1 frei, ohne irgendwo A^haerenzen, 
weder alte noch frische, darzubieten; die Höhlen der Pleura 
enthalten' keine Flüssigkeit; die beiden Oberen Lappen der 
rechten Lunge enthalten mehrere Gentin hepatisirten Lun- 



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271 

gengewebes, von der Gflöfse eines Korns »bis zu der einer 
Hasekliifs; d*r ünterö Lappen ist vollkommen undurch* 
gängig 'für die Luflij-erizeigfi die-heldsn, Grade, der rojtheg. 
und grauen. Hepatisation^ im Wasser sfnKt er «u Bödern; 
der obere Lappe> 'der linken Lungen listganz^^gesnaA 5 der 
mUtiere ist ätf seinen bunteren drei Yiertheilen ida er- 
ste« Grade, entzündet?; nur «in Tuberkel wird* in' dem 
oberen Lappen der*, rectoen Jiuiigo *g«fiMiden. 

Bauch. Die Mucosa gastrica ist 4m Fundus de^Jf»* 
geäs* in der Ausdehnung eines Fünf- Francs Stücks lebhaft 
gerät het;; der. DörmkanaV zeigt keine nJcrkbar« Verende« 
rung>; P^eri^beDHw^nJx^^^orepnngehd/dotb bliebt i«- 
jieirt:; die Ganglien des: Jfeseht er iums gesund; alle marteren 
Eingteweide im Normalzugtande. . - ■ ;..... ,,\\\ ■ •;,.:; :*j-: 



- Der grpfse Ruf y den sieh La&ryiec m der Erkenhtnifs 
der " ^Brustkrankheiten erworben' hotte-, ; zog • eiae: - .größte 
£ahL vou lud&idüeri, :d& veto tieften Krankbeitai' beulten 
vrareny vorzügs^ise- ribeb desn Jgo^pitai'iNe^ke^blri^des^ 
ßhvt Arfct er «fruit; »och beute ^er, ob^eieh sehonümefc 
retB Jahre seit ^dem. Tode! JJääaaec^M verflossen Ssind^ jjwm 
fcen arme Kranke der Art de» Aufenthalt .im Hospital 
Necker bei weitem dem in anderen Hospitälern vor, well 
sie glauben,; da€s ihre Krankbeitlhier besser gebeilt werde. 
Deshalb, bat IfrtcAeiMtä, der jetzt diesem Krankenhause 
vorsteht, so vielfach. Gelegenheit, La$fmec'& Beöbaöhtim* 
gen in diagnostischer und therapeutischer Beziehung .%ü. 
prüfen. Wh- theilen einen Fall mit, den cwitiü seinen Sä* 
Üb zu jverfblgeii Gelegenheit ha^tenJ > ' > ; a. : Vv £ 
■ No» 1 $. Biliöse Pneumonie? Behandlung dnreli 
Tartstih. in, grofs;ettD-ose;n$ Heilung., vi .■* 
Joseph \ Ar nndel, 51 Jahr alt, in Paris aosäfs ig, vos* 
. zarter Constitution utid> cholerischem Temperamente } #hk 
Leben voller Mühe und körperlicher Anstrengungen füji* 
rend $ wivd am. 25sten November v!883 «Jon- allgemeinem 



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S72 

Unwohlsein, ron Fieber und lEopfrchmcrz befallen; wäh- 
read des Tages halte er noch viele, sehr flüssige Stuhl- 
gänge, Erbrechen, Schmers in der epigastrischen Gegend 
und im Bauche, Blähungen, Husten, Schwerathmigkeit, 
Expektoration in geringer Menge von .hJutgefärbten Sputis, 
Hau lief« dem Kranken 10 bis 12 Unsen Blut, und legte 
ihm 10 Blutegel an das Epigastrium, 15 Stück an den 
Unterleib. Dieae Blutentziehungen gewährten dem Kranken 
keine Erleichterung, 

Den 26sten trat er ins Hospital ein mit folgenden 
Sjmptomen: trockene, an der Spitze rothe, in der Mitte 
nut einem gelblichen Uebersuge bedeckte Zunge; livide 
Färbung der Wangen; tief in die Orbita eingezogenes 
.Auge; injicirte, fast schwarze Augenlieder; obere und un- 
tere Extremitäten eiskalt, violet; Schmerzen im Unterleibe, 
Durchfall, Erbrechen grünlicher Materien; frequenter Hu- 
sten, unregelrnfsiger, kleiner und fast unfühibarer Pols. 
Da der wachthabende Eleve die Brust des Kranken nicht 
auscuitfrte, und überhaupt mär auf die Symptome im Unr 
terleibe Rücksicht nahm,. so machte er folgende Verord- 
nung: kalte Limonade zum Getränk, 15 Blutegel an das 
Epigastrium, Cataplasmen auf den Leib, Lavement mit 
10 gtt Laudanum. 

Den 27, bei dem Morgenbesuche, fanden wir den 
Kranken in einem außerordentlichen Schwächezustande; 
Pnls klein, schwach und erbärmlich; Zunge roth an der 
Spitze und den Räudern, in der Mitte mit einem dicken, 
gelblichen Ueberzuge bedeckt; übertriebene Empfindlich- 
keit im Epigastrium; dumpfer Schmerz in der linken Brust«* 
hälfte; matter Ton bei der Percussion des hinteren Theils 
dieser Seite, Bronchial- Athmen, votlsiäirägate Abwesen- 
heit des normalen Geräusches der Lungenexpanston; kur- 
zer, schwacher, kaum hörbarer Husten; Expectoration we- 
niger, mit Blutstreifen vermischter Sputa. Der hehe Grad 
ron Schwäche schien Brickrteau hinreichend, den Aderiaft 



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275 

4n contrafodiciren; er verordnete daher, trotz der Sym- 
ptome, die an eine Reitzung der Magen-Darm-Sehleimbaut 
bitten glauben lassen können, den Tart stib. zu 8 Gran 
anf 4 Unzen. : 

Den 28sten: Das Mittel hatte weder Stuhlgang 
noch Brechen bewirkt; der Kranke, der den Tag vorher 
«ich nicht 'aufzurichten im Stande war , erhebt sieb ganz 
leieht in seinem Bette;' die linke Brusthälfte ist sonor ge- 
worden; das Zeüenathmen läfst sieh schon auf vielen 
Punkten hören, wo es den Tag vorher nicht zu entdecken 
war; die Zunge ist feucht und fangt an sich zu reini- 
gen; die Empfindlichkeit der epigastrischen Oegend ist 
fast ganz verschwunden. (Die Dosis des Tart. stib. wird 
um 2 Gran, vermindert.) 

Den 29aten< und die folgenden Tage schreitet <Jie Bei- 
aerung rasch fort; der Tart. stib. wird in immer, gröfff- 
rer Verdünnung gegeben; das Zellenathmeni hat überall 
an der rechten Brusthälfte sich wieder eingefunden, wenn- 
gleich es auch noch etwas schwächer als auf der gebun- 
den Seite ist; alle Functionen gehen regelmöfsig von Stat- 
ten, Efslust stellt sich ein. 

Am fiten December, also nach einem zehntägigen Auf- 
enthalte verläfst der Kranke, vollkommen geheilt, das 
Hospital. 

Um nun mit einer Pneumonie des dritten Grades deujfe- 
«ehlufs zu machen, führen wir noch folgende, äufserst lehr- 
reiche Krankheitsgeschiehte ans der Clinique m£dfeal$ ron 
)Andral (2te Ausgabe, Tom 1. pag. 354) an. L ti ,,- 

Ein Fayance- Arbeiter, 60 Jahre alt, verrichtet seine 
gewöhnlichen Arbeiten am 23sten Februar d$n ganzen 
Vag über. Frisch und munter legi er sieh des Abends nie- 
der ; mitten i* der Naeht erwacht er unter heftigem Froste, 
darauf befällt ihn bannende Hitze, und zu derselben Zelt 
ein starker Sehmerz , der den ganzen unteren Seitentheil 
des rechten Thorax, in der Ausdehnung der sechs lctztepi 

18 



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274 

Rippen einnimmt und durch Druck, Husten, tiefes Inspi- 
riren stärker wird. Dieser Schmerz wahrt am 24s ten fort; 
der Kranke hustet' ohne Auswurf, und ist in Halbschlaf 
versenkt. Am 25sten fSngt er an einen wenig durchsichti- 
gen, kaum rostfarbenen Schleim auszuwerfen; am Abend 
desselben Tages tritt er in das Hospital ein. 

Den 26sten (dritter Tag der Krankheit) hei dem Mor- 
genbesuche bietet er folgende Erscheinungen dar: 

Keine Veränderung in den Gesichtszügen, freie Bewe- 
gung, guter Kr&ftezustand. Der Kranke versichert, nicht 
die mindeste Beklemmung zu verspüren; dennoch ist die 
Respiration offenbar beschleunigt; die Inspirationen sind 
kurz, häufig; Sprache ein wenig intereoupirt. Bei der 
Percussion giebt die Brust einen matten Ton rechts nach 
hinten, in der ganzen Ausdehnung, die gewöhnlich der 
mittlere und untere Lappen der Lunge dieser Seite ein- 
nimmt; an denselben Stellen hört man ein sehr deutliches 
Kmster-Rasseln; überall sonst ist das Zellenathmen rein 
und hell, «lieSonorität vollkommen gut; fr equenter Husten 
mit Expektoration zäher, durchsichtiger, zu einer gallert- 
artigen Masse sich vereinigender Sputa, die aber doch 
noch nicht adhaeriren, und kaum die Farbe des Eisenrostes 
haben. Der Seitenschmerz ist seit dem ersten Aderlasse 
viel weniger heftig; Zunge feucht und roth; Durst, Ap- 
petitlosigkeit; zwei oder drei flüssige Stuhlgänge jeden 
Tag seit dem23sten. (Auf der Stelle Aderlafs von 16 
Unzen; nach drei Stunden ein zweites Aderlafs 
von 12 Unzen.) Das Blut der beiden Aderhisse ist mit 
einer Crusta bedeckt; das vom Aderlasse des Tages vor- 
her war es nicht. Diese zweilache Blutentziehung wurde 
sehr gut ertragen. Am Nachmittage war der Puls von 
einer merkwürdigen Unregelmäßigkeit; in der Nacht 
schlief der Kranke gut; kein Schweift». 

Den 27sten, (4ter Tag) Morgens, war die Qeschafien* 
heit der Respiration noch fast eben so, wie am Tage vor* 



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375 

her; die AurfcSÜtetion und di* HÄcurfiio* gabe»»diewlben 
Resultate; Spute ein Wenige zäher, nicht iqobr mit Blut 
gefärbt; Schmerz fast gau* ?wäg; iPnls frequeqt, doch 
leicht au oomprifnirenf Haut, vdn fast üoctfaleiv Tempera- 
tur, aber noch eben ao.troekan; leichter Dnrchfett» CAideTr 
lefs von 8 Unsen.) <fv vjm 

Den 88aten: Der Kranke *flheint viel schwächer, als 
an den vorigen Tagen, doch watf es ihiünoch l&ichfc, sich 
aufzurichten.' Die kurzen^fa^enteolnspiraUonen geschah 
hen zu gleicher Zeit durch lern starke» Hebe» de* Jlippen 
und Senken des ÄWergfeUs^r ein schwaches Knister-Ras- 
sein, ohne , Beimischung . . vfon ÄespiratiaBflgeFäußcb ^ liefs 
•ich rechts im Niveau des : Mittleren Lungenlappens hören 5 
mehr nach tofcftea spürte das: an ,clif Brost ,gß\<$&e Ohr 
wohl das Sich- Heben und Senken: des Rippm, rce»ajw 
aber kein Zellen-Athmen; mfoh der Ten beim Aerlhttiren 
war an diesen Stellen viel mötter als > am Tage zuvor, 
Links, sowohl vorn als hinten y )Ufld auf, de* lachte« Seite 
vorn war das Athmungsgerä*«b bell untfjjan einejf 1 auf- 
fallenden Stärk«; tue Sputa, waren 5 wie ani iRag^Äwor, 
wenig zähe und kaum rostfarben; fu^urilischer Schmer« 
ganz versehwunden; kleiner, ;unrcgelmäfjttgier Puls. (Zwei 
Vesicatore an die Beinah 4 €*an Kernte*. in: einer 
Gummi-Auflösung; rTisan«*) ,. i »• . 

Den 29sten, auffallende EnUtellung der. Gesichtszüge* 
matte Äugen, violette* Färbung der Lippen. Die Respira- 
tion geschnh nur vernnttelst kleiner:, in einander überge- 
hender in- und expiratorischer Bcwe^ünge*; iaerkwür- 
dige Veränderung der Sputa; nie waren in eine emtige" 
flüssige Masse, ähnlich, einet dunklen Gummi -AuflÄfung, 
vereinigt, in der sich eine färbende, fahlsothe Masse, die 
auf einigen Punkten in das Braune spielte,, aufgelöst be- 
fand. Diese Art derEspectoratfon schien; uns von schlech- 
ter Vorbedeutung . zu , sein. Die AuscuHaüon liefs in der 
ganzen Ausdehnung des oberen und mittleren Lappens 

18* 



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*?6 

dt* rechten Long« Am Bronchial- Athme» hören. Dieses 
Gerauften unterschied tick auf eine sehr ausgezeichnete 
Wehe ven dem «ehr starken Zellenathmea, da» »an im 
dran übrigen* Theile der Lunge hörte. Der Ton auf der 
rechten Seite war immer matt; der Kranke, im Bette 
sitzend, bewegte sich noch ziemlich leicht, der Puls «ehr 
klein, Tiel frequenter als 'Mtyer; trockene Heut,* weifslich 
belegte Zunge; leichter Durchfall* Nach der.Beschaffetf- 
heit der Sputa kündigte Lenmmer den dritten Orad der 
Pneumonie an. Der anfeeretdentlieh hohe Grad von Dys- 
pnoe* machte die Prognosis noch zweifelhafter. 

Als wir nach swei Stunden den Kranken wiedersa- 
hen, hatte Allee sich verschlimmert; der Zustand war 
Wahrhaft der der Asphyxie; Besicht imfgtftiriebeäv und vio- 
letf E*tremit*tcn> kalt; IntelMgenx noch unverletzt; Pute 
tmxMhlba£ Bei der Anscultatieii der Brust Uefa aich über- 
aU nur ein sehr starkes Gurgel-Rasseln, als Felge der An- 
häufung' Von Schleim in den Bronchien vernehmen. Die- 
ses Bronebiai-Rasseln wurde bald tracheal (so dafs man 
er mfco* iu grofaer Entfernung hören konnte) und der 
Kranke starb während des Tages. 
Leichenöffnung. 

De» -untere Lappen der fechten Lunge, von weichem 
und leicht serreifsbarem Ctowebe, verwandelte sich durch 
schwachen Druck in einen grauen Brei, aus dem eine ei- 
terartige Flüssigkeit von derselben Farbe flöte; in dem 
mittleren Lappen fand- sich eine Vermischung dieser Eiter- 
infiltration oder der grauen Hepatisation mit der rothen He- 
patisation, und nur auf eiser kleinen Anzahl von Punkten 
die Blütüherfullung des ersten Grades« Der obere Lap- 
pen war gesund, so wie die linke Lunge, die nur hinten 
die eadaverdseBlutüberfUlung darbot Pseudomembranen 
befanden sieh swischen dem mittleren und unteren Lap- 
pen der rechten- Lunge. Die rechten Hershöhlen waren 
mit schwarxem Bhtte ttberfttüt. 



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Der Magen o»s£t*-a*f deiner : hmerjarHfcfefe geaftn den 
-Fundus bin; rin dir^Ausä^ntisj&;T*H imgfef^ drei bis 
vier FiBgerfeeitt« «kie WAaft« Rälh«; Aö difeser, Stelle 
war die ScUesn*a«4 selbst i»Üi V i«nd l^cbUnMeireiöfrör 
Isis an andern Ort«». Das < Ilfetite, wo m m ti** Maecum 
1lb*rgeat r uiul äresci leUtere td*«t ^WPtn injUurk ielWr 
mit Bta* unerfüllt, ^ :n;«-::\:. .-, 4 i - : ':-..,;... 

, ■* Y .!'• i .-. .1 /,' l^rttrTT^rv V r 't -V *.:; . *;; 

^W^ bemerkt darasocfc;^ 
Solution, darbot, waren am ö4en tind &m T*gMftT#rajuk- 
Jieit niebt .dieselben. 3»«rsi beft sieh die» wwrollsÄndige 
.Hepatisation- des jnittferAi Juappens, der rechten* Lunge 
.durch eta sdswackes Kon^e^»^^!^ ohÄe B^wü«chUi% 
▼on Ä«lUn-Athn*en eifceiii^ 

des untern Lappens kündigt« aioh : du&h/f da* gänftUob* 
Fehlen jeder Art de» respiratorischen Geräusches an. Am 
«tan Tage aber stettte sicfcdaaPBaü«toal*jUhmen(fiöh- 
YenMaaen) «hx.;^ *• .■• ;r»- ' : ■•*{•;?!. ^i7f loio^aif fti.;dr.*J 

l ' ■•' • .*jL/m r \ 3 > ,-; ■ ' i ..•■ /,>^;- r -I f ,:f> v.v i I 

• . . . I * "' **••:! •/. !?»... «. 4 j ?.. ."';:: >«, 

-de..-! ,., * .,«..; nTic'ter Abs^bn^*., .„ , . _, , :! 



Fe» ifcr Fhihteü pulmonum im ^Aflgem^men^ «?<*r. i?ay /e> «*d 
Loennec'B Leistungen. 

Bedenkt man, daft diePhthisis der Lungen eine jgrös- 
sere Geifsel für das Menschengeschlecht ist, als fast alle 
übrigen Krankheiten zusammengenommen , ' bedenkt man, 
dafs diese Geifsel ihre mörderische Wirksamkeit schon 
seit Jahrtausenden fühlen läfst, dafs sie selbst auf den 
Thieren lastet, die der Mensch in seine unmittelbare Nabe 
und Abhängigkeit zu bringen gewulst hat, sa .wird es 



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wahrtteh: nktrf et sCiwti i mmtk tescfcl#*v dg», meftr als 
Jede nftdertyidieM KrroWwit ^^UenJBeiUm dteAuffaerk- 
ß*iike*t de* AmfetliUbtftnUH genbmm^fcwm Scharf. 
bimk mehriaU Jetef and«fc< Stottfergslntofefefcfc 
Müi^MtMdbeMWMÜier möchte ei T scteiitiny idals,. trete 
dfesdr sfr Jeng*<fs#tgefc*±ien B4m^ cum 

Anfange des neunzehnten Jahrhunderts:** Wenig Licht 
über die Krankheit ve rb r eitet, w orden ist. Vergebens 
-soAt isanin den^SctaifUrf nrtmrä^^ 
-toiv *#«A/^ Ä*#*^r| Mm$*t,JtMc**r,J Starke Duprt- 
'Btitott^loMmMk de-lm €ha**agne r » Jttsgvr., iJtfomy, 

m*L+rt*QtiAs&*u €h»Whic4le «der Ptehisis^ '«i döreil Be- 
handlung doch* die >gaitie M*£eria jnediea auf .eine *o ec- 
Mglose Weise vertamdetwfcrd^ ist ► ;. .*•► . 

- D«r>poiitiFeb»kbtai#, d* dieJÄeteere ifrai^sÄische 
Schule unserer Wissenschaft gegeben hat, nfcr danke* al- 
lein wir die Fortschritt e T die seit dem Anfange dieses 
Jahrhunderts unsere Kenntnifs von der Lungenschwind- 
sucht^ so wie von so vielen anderen Krankheiten der 
Brustorgane gemacht u ll^ d/ l)äif ' icha'rf und treu beob- 
achtende BdjftßüpUd* den -erstwaOwmdstoior zu dem Ge- 
bäude, dessen grofsartige Ausführung dem Genie La&n- 
nec's ») vorbehalten war, und jlas Seit der Zeit durch den 
Fleifs Louises ») erweitert, durch den kritischen Sinn An- 
drats 4 ) noch fester ges tu t^t * worden isfe Äichfedestowe- 
niger würden wir uns selbst tauscnen, Veün wir nicht ge- 

') Bayle (4r. L.) Rccherches sur la phthisie pulmonaire in 8. 

" *)Ö. c. s/ ' f,,[r ' ir?: *'*" r '' - : ■"'' : ' ? " ;::? ' ' : ' J 

s ) Recherches lui&tofoieo - patfcologiquri? «tut la Phthisie. 

Paris 1825. - ) '>;:i'.» . a ..,-*.. . - " -•> , : T 

^ *)<>.€. : : .. . • ,- . , .. , ' ' . d . Lu; 



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279 

stehen woHten, dafi* unter Wisse*, selbst übet dfe Wmpt- 
sächlichsten Punkte, über den Sita, über die Entstehung 
4er Krankheit, über die Art wie, und die Bedingimgen, 
unter, welchen sie sieb plötzlich ausbildet, noch höchst 
mastfelhaftkt 

: Was uns nun besonders angeht, die Diagnostic der 
Krankheit, so bat, wie dieses nicht anders der Fall sein 
kann, satt- , der, Erweiterung unserer Kentnisse -von der 
anatomische^ Geschichte der Phthms, und nyt der un- 
schätzbaren jhreMfceritug . unserer Mittel zur Expiration 
durch' die: Auscultatiott Und die Pereussion dieselbe voll- 
koinmen gleichen Schritt gehalten. Im vorgerückteren 
Stadium, wenn selten die Tuberkeln erweicht sind, ist es 
beiarBttteerksame» Beobachlen fest nicht mehr möglich 
die. Krankheit zu/ verkennen, ja man kann mit mathemati- 
scher Gewifshe& ihren Sit«, ihre Ausdehnung angeben, 
ob die Höhlen mit Flüssigkeit gefüllt oder leer, ob sie 
von gesundem oder von verhärtetem Lungenparenchym 
umgehen, oh sie im Vernarbungsprocesse begriffen sind, 
ob sie nur "und 'auf Welche .Weise sio- mit den Bron- 
chien, oder; ob sie auch mit der Pleura eo&muiuciren. 
Aber salbst ftn ersten Stadium gelingt es nicht selten bei 
genauer Erwägung der Fitoctignsstörungen im Verein mit 
den physlcalischcn Zeichen, das Dasein der Tuberkeln zu 
entdecken. Sehr su statten kommt Ulis dabei die Sphäre, 
Üe sich die Kraoikheit in dem; Organe vorzugsweise zu 
wählen pflegt, ein Punkt, auf den wir noch später zurück- 
kommen werden. . Die Explorationstnethode», mit denen 
wir uns in diesem Werke beschäftig* haben, ßind ? <*** 
vergesse man nicht, noch im ersten Entstehen; sie haben 
noch nicht die «weite* Generation erreicht $ der Grad der 
Vervollkommnung^ :■ dessen sie fähig sind, iaft* sich gar 
niebrt absehen^ lunmöjsiicsi aber darf und in der Medizin 
nichts scheinen, denn was bin unmöglichsten schien (man 
denke nw an die Lithbtritle, an die Bildung einer künst- 



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380 

Hohe» PttpHe etc.), ha* sieh reallskt Hoflen wir aber, 
dafs eine Äeit kommen werde, wo Schädel-, Brost- und 
Bauchhfllle aufgehört haben, lästige Vorhänge zu sein, 
die uns den Blick in« AUerheiligste der Krankheit venu» 
gen, hoffen wir auf eine Zeit, wo wir in diefccr Beziehung 
die Chirurgie und Augenheilkunde um nichts sehr zu be- 
neiden haben. 
Zusatz 1. Wenn wir hier von der Lungenschwindsucht 
sprechen, so verstehen wir danmter ättejn die t** 
berkulöse, weil diese allein «fie organische Yem 
• Änderung der Lunge herbeiführt, die durch alle Ab- 
stufungen des körperlichen Verfalls und mit allen 
Symptomen, die äw Schwindsucht angehören, zum 
Tode Ähren kann. Wir müssen mit. Lmümec mh 
' gen, dafs das Vorhandensein von Tuberkeln 
in den Lungen die Ursache und>dea spect fi- 
schen Charakter der Phthisis darstellt K* 
ben der tuberkulösen kann man heut zu Tage nicht 
noch eine granulöse, eaheeröse, m^lanoti* 
sehe, steinige und geschwürige Schwindsucht 
der Lunge annehmen,' wie es Bayte Chat. : 
Zusatz 2. Werfen wir einen flüchtigen BJielLfuf die 
Hauptsymptome der Phthisis/. so wird steh bald er- 
geben, wie mangelhaft die Diagnose ohne Zuziehung 
der Auscultation' und der Pcrcussion «ein mu&. o 
Ein mehr oder weniger leUorfter und »amer 
hartnäckiger Husten,* der gewöhnlich des Abettde 
trocken, am Morgen von Auswurf begleitet ristf J 
Sputa, die im Anfange oft sckleimkht, oft aber 
auch vom Beginne der Krankheit an, dick, wie 4h 
des Catarrhs, häufig mit Blut gestreift, eiteraftig, 
übrigens an Farbe,' Consistenz und JHangartneliB .ver- 
schieden sind 5 inehr oder minder starker; mehr jede« 
minder oft sich .wiederholender Lungenbluts tur fc; 
Schwere thmigkeit, Beklemmung, jtosonders 



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281 

am Abcnd^ vorttf)ergehende, hfiuftg wiederkehrende 

3 Seh merzen an verschiedenen Stellen der Brust, 

»<"•" besonders zwischen den Schultern* wo sie sich 

zuweilen flxiren^ klebrige, fette Schyeifse, he* 

. sonders gegen Morien ausbrechend, zuweilen abetr 

auch wiederkehrend, so oft, der Kranke eingescbk*- 

fen tot, g0*4faafkh auf dfe Brfast, den Hai*, dm 

Kopf und dte Arme beschrankt; manchmal jedoch 

•' - den ganzen Körper überziehend} öiarrh&e; Apho* 

> nie; endlich Hitze und Trockenheit der Haut, 

nur Zeit, wo der Kranke nicht schwitzt; immer 

ziemlich gro&c, des Abends noch? zunehmende Pu4tf* 

freqaenz; dieses sind ungefihr die Symptome, die 

die Pfethisis pulmonum zu begleiten gflegtn. Würde 

; man diese Symptome immer so vereint antreÄenjso 

wäre es/ auch ohne aafs physicalbche deichen hin* 

zukommen, schon ziemlich leicht, die Longenschwind- 

> sucht zu erkennen; aber w^eit davon entfernt, giebt 

es unter diesen Symptomen nicht ein einziges, selbst 

den Husten nicht ausgenommen, dafs man nicht 

auch hätte fehlen sehen bei Personen, deren £un« 

gen nach dem Tode mit Tuberkeln in allen Stadien 

; > ' hesftet gwfcinden wurden; aeNurt davon abgesehen, 

u .;: dafe mshrae (terftelben einzelnen Stadien derKrank- 

-v» ; heit ausschliefglich angehören, z. B. die Schweifte; 

die Diarrhoe dem eollifttaUre* Stadium. . : 

-. ' • * • ■*','. : .'' '**,'■ r . v:.. ' ■ • / - u\ 

:.:,■:; •:•-.' ..-.•■• ■ •§.- -'fc " '' ( '"' " ' ' '" ' •'■ 

Anatomische beschichte der Lungenschwindsucht , mit besonderer 
RucJcsicht auf die physicalischen Zeichen. 

■ - . Das Krahkheitsprodukt, dem man den Namen Tuber* 
kein beigelegt hat, und dessen Vorhandensein im Lungen- 
parenchym die Symptome der Phthisis hervorruft* be- 
steht aus Körpern von metotantheils runder Gestalt, von 



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dem Umfange eines Himkesna-bis zu dertetner gewöhn- 
lichen Orange, die gelblieh und imdnrchaiehtig, sehr leicht 
zerreibhar und an Coosiatanz d» festeste* Käsearten 
gleichkommend sind, oljie S^W xenitogenfimtion oder 
Textur (man bebalte immer den U n t ersch ied zwischen 
organischen und or.gauisirten KÄrJuar» im Auge), ein- 
seht ausgestreut oder zu mehr. oder »«der gfoften Mae- 
gen vereinigt Fest, nach einigen Schriftstellern, von dem 
ersten* Beginne itaer Bildung an,* <gan& im Anfange nach 
Anderen flu^&,oh#s schnell sieh verfestigend, erweichen* 
diese. Körper nach, einem längeren oder, kürzeren Zeit- 
räume, verwandeln.; sich nach und nach in eine käsige, 
dann- in eine miUbrthmartige Blasse* der so gebildete Ei- 
ten;,Terschafit sieh durch, die Bronchien leinen Ausweg, 
und an der Stelle, die die Toberkela. einnahmen^ bleiben 
leeAerRlume, bleiben B&Hüralioneh, ,die im Verhältnisse 
£u dem Umlange und dem Volume» der Tuberkel stehen, 
die' teolirt liegen oder tntt einander* conanunicitea, oder in 
Otuftuder übergeben , um eine eimtfga mehr, <*der weniger 
beträchtliche Höhle tu bilden.. Dietae Rettuuganfe mate- 
rieller Veränderung ist es, die den. Tedauf der Krankheit 
leitet, die- die verschiedenen Perioden derselben bestimmt. 

Betrachten wir: ateft nach emanderi: die Art, Wie die 
Tuberkeln entstehen, wie sie steh weiter Entwickeln und 
erweichen, wie der Euer, der durch ihre Sehmelsüng er- 
zeugt wird, akb nach Anisen einen WegJbahnt, und wie 
in Folge dieser Transformationen das Lungengewebe aus- 
gehöhlt wird. Alle diese Punkte sind zum Verstandnifs 
der physicalischen Zeichen von der aufsersten Wichtigkeit, 

Sitz der Tuberkeln. Der Sitz, den die Tuberkeln 
in der Lunge einnehmen, ist noch heute ein Gegenstand 
des Streites unter den Aeräten. BrtqtBäads l ) verlegt sie 



'- 1 f ) Histoire des pbiegmasies ftn inflamnkations chrontques. 
feto. Itttion,. 3 Vol in Ä Paris 1884' * '- • 



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288 

lfc : dle GangUpn ort ly«phft4i«rtw GeUlfise aer Jainge; 
Mmgmäie wriL.CmtmiMm?): in. die JUmgenzeUclien. Um 
das Unhaltbare dieser letzteren Zusieht darzutbun, bat 
BMA angeführt* dafs eine JLun#j i« 4«»- ftrade i»U Tpber- 
kein ftngefiiüt f ej» kaon^ dafs sie w» ^n Drittkeil schwe- 
rer ist, als in Normalsuateiade, otuodals-sie desheV» w&> 
hörte r ffcr die Luft permeabel au seinfc wenn, uur das die 
Tuberkeln uwgeben.de Parenchym gesund bleibt. Anüral*) 
ist der BKeiliuug, dafs (UöiTubertte^ ununterschiedlicl^ so- 
lirabl t» den : luögeubläPcben: als au^ i* d<?m jnascbig*» 
2ellsta£e zTwisebou ihnen sieb bilden können. Endlieh 
hat Lombard *) aus Gen* seit dej* ^«ÄP*. 18*7 die Ansteht 
awuD fcerachettdeu gamebt* daft .der Sttx der Tuberhski 
vonugsw^ise a»eg uknU/iaussfhj fr Wiflh in o^ interW**- 
JfiseB.ZsHgftTOb* acs> dajfe siesicl^uch zuweilen,. in 4m 
XnlpgenbWsqb(^, ^Sufig , besopdens bei Kindern, jn deul$W 
flfttiaihe*: G*ng)itn büden könnten,. ^ ,,; , -ivi.v, 

; Primitive Beschaff e^Ue-it der Tp^^rkelp., Nicht 
weniger abweichend sisd die Meinungen üljer die prinji- 
4ite;B«schaffeÄheit ^ler TubsrKeJp, rMf& Wvgewlie Mfr 
«Ddeui sieb di#«U^n^ ; #fee ; sie ^chiftk, fast* Massen und 
mit, den Chj«aJtteÄeu,rd^ WW ibu^ij phsn ..beigelegt har 
hen, 4*rstellep, ,in> flUisjge* . fluM^de, sind Eiter, und 
wttden »ur fest 4u <Jfo*te«i d^ > 41ftprptj#n . U^er dünnsten 
.Theifeu CrweüM*rnWi ^ndtcai ,sfad n»eh einander dte- 
ser; Meinung hei^ej^fip. [ Wa^h /^e>^^ traten sie zuerst 
als kWaej tfpKctokbUöS. gga^-oder fast farblose Körwr 

* '*)' B&ermination da siege prtcls, des ti&fer<tales pirimonai- 
res in 8. Paris 1821; Note pour «errir a rhufotre des.ttiberou- 
£es£ in der NouveUe Bibliotheque möd^cale^.Septcmbreet No- 
vembre 1826; und Anatomie pathologique du corps houmain, 
Paris 1830, livraisons 3, 11, 1. "' * l ' ' * " ' 

: ' '' *Y ^). e. ' 2 * *' ** ;>l *' : - '"*' : **- titii irm:: o.r ,ji .• ; - . 

■''•" s ) Lombtof/' Bttftd snr h le# faberculesj, these de ltt fadflte 
-de Mddicine de Paris US?. . ... 



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auf, ron der Grfcfee eines Hirsekorns Ms xu der eines Hau f- 
Bamens, so dafs er ihnen aneh dm Namen derHirsekorii» 
Granulationen {grmnuimtions miHuire*) beigelegt hah 
fcitr Unterstützung diese* Meinung, die Viele Aerite theBen, 
fahrt er an, dafs weÄ selbst die^ Granulationen, am mei* 
ntea durchschimmernd und ganz farblos seinen, einige ron 
ihnen doch einen dunklen Wiedersehe!«, oder einen An- 
strich von graner Färbung darböten, der es unufflgtteii 
mache, in ihnen etwas anderes als die gcWflbnt iehen graute 
Tuberkeln au sehen 5 dafs man beim Einschneiden oft in 
ihnen* einen gelben, dunklen Punkt tfntrenVy eto Aftzeidhen 
ihrer baldigem Transformation in gelb« Tuberkeln; dalfc 
Man oft in der Lungfe gelbe und Aankel* Tubertotn ?**£• 
finde, dfe denselben ^hrad ron Kleinheit *nd fasi^tttfSelbe 
«feiehbett im Volumen haben, wie die Hirsekorn -£r*nu<- 
fetionen, die aueh manehmal schon : erweieiit shid; dafo 
meistentheils die Lunge, in der diese Granulationen hriefc 
befinden, auch su gleieher Zeit *scb*n Tuberkeln enthalte, 
deren Charakter nicht zweifelhaft kt;-dtffs, wie die Tu- 
berkeln, sie »erstreut oder *u mehr ode* inroder betr8eh& 
liehen Massen' vereinigt Vorkommen^ e nd li c h dalfe man in 
der Pleura, in dem Peritonueuiö, in den Öarnigesehwürem 
4er Phthisiier dieselben Granulationen mit denselben Va*- 
rietüen der Färbung und der TraWsparemr antreffe« Die- 
sen Gründen fügt Louis noch den hin*«, daft er die Gra- 
nulationen um so dicker, zahlreiche*; gelber ^n Mittel» 
punkte und undurchsichtiger angetroffen hahe^ je mehr sie 
der Spitze der Lunge nahe lagen, welches der gewöhn- 
liche Sitz, der, Tuberkeln i«t Andral weisjt nun diese Art 
-zu uriheilen durchaus ron der (landJ : .. 

„Stellten, sagt er, die Hirsekorn -Granulationen deti 
ersten Grad der Tuberkeln dar, so müfste man sie überafi 
da antreffen, wo man diese findet; aber das ist nicht der 
paü; nie hat man sie an eutqn^andpigQ Orte, als in den 
Lungen beobachtet." Nach Andeäl werden nun -die nti- 



ligitized toy v. 



Google 



185 

Maren Granulationen durch indurirte and hypertro- 
prhirte Lira gen zeuch eil gebildet und sind eine Von 
den anatomkichen» Formen der Pneumonie; die Granulation 
nen auf den serösen Häuten sind nichts als Rudiment« 
von Pseudomembranen, und die auf den Schleimaluten 
niHits als hyperirophirte Folliculi. Wir können nicht 
aües : das wiedergehen , was. gegen 1 diese Ansicht AndraPa 
angeführt worden' ist ^ nur das spricht sehr gegen ihn, dafs 
allernings die. Coexistenz der Tuberkeln, und der Granu« 
latienen in den Lungen, so wie/ die offenbare Transforma- 
tion dieser in jene ein unurastöTaliches, durch kein Arg»* 
ment zu Vernichtendes Factum ist 

Da nun aher die La&nnecfaehe nnd^4#»eVaf sehe Theo* 
rien auf gleich unbestreitbare Thatsachen gegründet sind, 
uäd sich daher nicht wechselsweise Ausschliefen kennen, 
ab mnfs man annehmen, dafs beide etwas von der Wahrheit 
enthalten. So sagt denn Boche »): zu derselben Zdt, dafs 
die Tuberkehnaterie in das masenige #eUge webe zwischen 
den Lungenbläschen, starker abgesetzt wird v henutebfige* 
sich zuweilen die Hypertrophie' tirid die kiduration einer 
gewissen Anzahl, der letzteren, und uAter dem Einflüsse 
des Tuberkulisations-Prozesses,. der lim sie her: von statten 
geht, verwandeln sieh die erhärteten Lüngenzellchen in 
Tuberkeln:, so wie, unter dem Eiriftusse der tuberculösen 
Diathese, dieses auch mi t. den Hirsekorn -Grannlationen in 
anderen Geweben des Körpers der Fall ist; Die Mei- 
nung AndraVn über die Natur dar Hirsekorn -Granulatio- 
nen seheint uns also gegründet in dam Sinne, dafs dieses 
nicht radmentäre Tuherkeln sind, ühd daft in der Lunge 
sie wahrscheinlich durch indnrirte Irnftblaschen: geMdet 
werden; aber er hat Unrecht, zu leugnen, dafs sie sich in 
Tuberkeln verwandeln können. Von der anderen Seite 



Dictionnaire de Mtäecine et de €himrgie pratiques. Tom. 
XHlme. Art. Phthisie. ~\l 



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288 

geht LaSpneo %n Mek, wenn er behauptet, dafs Intm6* 
und noth wendiger weite die Tuberkeln zuerst als öfä- 
mlatieaen sieh zeigen MÜTsten; obwohl die letzteren oll 
Keime zu den Tuberkeln *ind." 

Eine noch neuere, aber weniger gekannte Meinung Ober 
den Primitivznstand der Tuberkeln ist di* von RockouJt >). 

Dieser -Ar«! will durch anatomische Untersuchungen 
gefunden haben, dafs der graue Tuberkel, oder die graue, 
die Hirsekorn -Granulation Laitmec'i nicht der erstsütrad 
der Krankheit sdi^ noch vor seiner Entstehung soll man 
an der Stelle, die er einnehmen wird, einen kleinen Kör« 
per, ein Viertel so groA oder höchstens von der Gräfte 
eines Hirsekorns finden; der eine röthlieh- gelbe Färbung, 
etwas von dem Schimmer, der manchen albuminftsen Blut- 
cencretionen eigen ist,' und ziemtiohe Festigkeit hat, ob- 
wohl er sich mit dem Nagel senfeiben oder vielmehr sieh 
plattdrücken läftty ohne dafs ihm Flüssigkeit dabei ab- 
geht 5 : endlich ist er vermittelst einer Menge cellnlöser oder 
vaaculöser Filajnentey die ihn umgeben, und gleichsam eine 
Art von 'Netz mm ihn bilden, mit dem Gewebe des Organs 
vereinigt Diese kleinen Körper betrachtet Rochoux als 
die ersten Rudimente der Tuberkulisation. Miriadec Late- 
nte hat das Vorhandensein derselben constatirt. 

Endlich müssen -wir noch eine letzte*, obwohl schon 
fast in Vergessenheit gerdtheue, Hypothese über die Ge- 
nesis der Tuberkeln erwähnen, nämlich, die des Englän- 
ders Bitron J ), der-dä behauptet, dals die Tuberkeln immer 
aus Hydatiten entspringen, Schon längst habet genauere 
Untersuchung die Nkhti^keit dieser Behauptung für die 
grofse Mehrzahl der Fälle nachgewiesen. ' 



«) Bulletin des sciences medicale« de ÜT. de FJrtusac. Aoftt 
1829. Note sur les tuber cules. 

*) J t Baren Beeheaches snr le ^veloppcment naturel des 
maladies tuberculeuses, traduit par Mme. Boivm. Paris 1825. 



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Ä87 

Entwiekelung und Fortbildung der Tuberkeln. 

-lieber den Waehsthum der Tnberkeln Bind zwei Hy* 
pothe'gen im Umlawfe: in der einen, nämlich in der älte- 
ren, der von Ifayfö,' die auch LaSnnec angekommen hat, 
wird der Tuberkel 'einem Keimer verglichen 5 man legi ihm 
die Fähigkeit hei, sich durch eine innere, spontane Kraft; in 
einem Worte durch Intussusception, nach Art der on- 
ganischen und lebenden Körper, zu entwickeln. Aber das 
Fehlen einer jeden Spur von Organisation kr den 'Tuber- 
keln, läfst die Möglichkeit einer solchen Art derEntwicke» 
lung durchaus nicht zu, und diese' 'Theorie ist fast allge- 
mein aufgegeben worden. Dennoch aber läfst sich, «ob* 
giefch diese Erklärung* weise uhgegründet ist, die That- 
sache nicht in Abrede stellen, dafs zuweilen die Tuber- 
keln vom Centruin aus nach der Peripherie Wachsen, 'und 
wir werden später sehen/ wie man dieses auffassen urafs. 
In der anderen Hypothese nimmt man an, dafs der Tuber* 
kel, als ein nicht orgartisirter und nicht lebender Körper, 
nur nach Art der anorganischen KÖVper, d. h. durch: Jux* 
tapositiön oder Aggregation' wachsen könne. Da die 
Ursache, die die erste Formation des Tuberkels bedingte, 
fortwirkt, da dieser Körper außerdem eine gewisse Reit- 
zung in den Nachbargeweben unterhält, ' so häufen sieh 
immer neue Molecules von Tuberkelmaferie an, agglome*- 
riren sich um ihn Und Vermehre« sein Volumen. Aus der 
Vereinigung, aus der Verschmelzung mehrerer Tuberkelh 
entstehen die grofsen Tuberkeftmassen. Jeder Tuberkel,- sagt 
Anäraly dem diese Theorie angehört, findet sich also in- 
mitten der Gewebe inflltrirt. Bald, fügt er hinzu, erkennt 
man noch mitten in der Tuberkelmasse Spuren dieser Ge- 
webes (so z. B. gehören demselben die Gefäfte an, die 
zuweilen den Tuberkel durchfurchen), bald wie einge- 
kerkert und in immer höherem Grade comprimirt, hören 
diese Gewebe auf Hein erkbar zu sei»; man findet nur. noch 
eine homogene Tuberkelmaterie. ' Es kommen Fälle vor, 



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wo diese Masse da« Baireben hat* «l«h immer mehr und 
mehr von den lebenden TheOen au isoliren, die sie um- 
geben, wo eine Hülle sich um sie, wie um ehte Eiteran- 
aammlung oder tun einen fremden K&rper bildet, Dieee 
Alt, die Entwicklung der Tubeikeln aufsuftusen, ist all- 
gemein angenommen? sie ist wahr für die Mehrxahl 
derFille. 

In dem Maafte, aU sie sich entwickeln, deprimiren 
die Tuberkeln die aie umgebenden Gewebe; die Zellen des 
masehigen Zellstoffs sinken «Mammen; die Blutgef&fse 
nehmen an Caüber ab, bis aie endlieb gans obliterireu; 
die Langt ist folglieb weniger permeabel für da« 
Blnt um die Tuberkelmassen, wie Einspritzungen 
am Cadaver sehr leicht darthun. Wahraeheinlieh ist es, 
dais aueh mehrere Lufthlttchen durch Druck «erstört 
werden. Endlich, wenn man der Meinung Laimme*n über 
4ea PriuritWanstand der Tuberkeln beitritt, so erleiden 
diene Meinen Kdrper suersl folgende Transformation: in- 
dem sie gräfter werden, verlieren sie ihre theüweise 
Durchsichtigkeit und die graue Farbe, die sie im Zustande 
. ihrer Entstehung ausseiebnete; man. sieht in ihrem Cenr 
trnm einen gelhliehweiften und dunklen Punkt erscheinen* 
der, Ton hier aua nach der Peripherie fortschreitend, aie 
endlich gana und gut in iene homogenen Massen ver* 
wandelt, die die rohen Tuberkeln dar Schriftsteller 
darstellen. 

Nach einer an Dauer sehr verschiedenen Zeit fangen 
die Tuberkeln an, sieh au erweichen. Die Erweichung 
nimmt gewöhnlich den Weg vom Centrum nach der Peri- 
pherie, doch bat man sie auf jedwedem Punkte der Tu- 
herkelmasse und besonders auch «n der Peripherie begin- 
nen sehen. Die Tuberkelmatetie wird also mehr und 
mejtir weich und feucht, nimmt da« Ansehen von weichem 
Elise, endlich alle Charaktere des Eiters an. Zuweilen 
findet man statt dea Eiters eine farblose, «ehr dünnflüssige 



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ikmäkewVt WMMn ii drahte Min* 1«hA 'ebiiitorte*l& 
Brücken der «id»e*#li»ateitWii feöhwinhnwi^ ?<mr'*im*\i§M 
^Ä«e 4kt ^owtoiien iMIIcfci w4ir ÖlnÄidli öfeHt, in <ä& 
-»dch FraffrtWte ( yon>iWW»toff iurf^rtdli* *rtn*> "-;; ; -mi 
^::i^brt: dtei SchPlflsttner, die ibwt «ftle^nistr*» int 
-Statte t &u l nirf rten -»unkte öiit«rle*^liWirtrff ^Waretti, w*ir 
nfoa'viMiiid^r^bxiiti.B^Ttf^'auf ^'di<i t 4iiiiiitf»lbl^e r ^iw 
>?tftr,!fii«räi^ii|r/ifc^ und alte 

Aerol* leite* Söhwto.Ische^^ 

JteAdb» tfn j sieh wrtbe t die ÜTiaf hl* Jhr^b BrWefcrfiiiftg i & 
i#i« SW«HIE«tÄdeiidno§ fagm;^*bwiM*M* sfcfc daräbt* 
jui ktioem Oi-te . featoekieAen tasf^jpimlreir ba* wÄrowit 
*M*!^drjJtoi#ftA^4<> «eb«^iii: de^' BT4r^hmi^f^^Äte 

•wirtanfr dlef;fÄ^ Trferfcelti nmgdksdäeü f£nif^gfctato& 
km MvMeKnWmtytito&khNk < die Emwwehimff *h»> > Itofe¥. 
%«M witlcUn Cawed- lUr,-«!!!!^,! ^««:^er ®rkl«rfattg«w^e 
iBtoy&v und AnAtttA^aiifr lin eine* et*rf)dnnUtaiiMte?, 
Ittitnetin^lieilW tJUkmbu*d\ au# fienf ^lanWI tirflicbv *»A 
^;ffaberkani,*ti< fr«wk* KWpert «pftdie liaehbwgfcblNte 
-Wfa^nvndl^s ^^d kwi fc cii reitzenua* tfte* BlfantofaiMg 
«nmg/rTeimliMsen^dtelaüf oiira mecttamtoM Wdäo«dto>3fUL 
kdrbehn*»* v^i *a— 1\ aoflftft «jMhii hrt dtefeertlftfotfitg 
tteinttretenilisiei isti för vieJe, rieifeiebt für die «efette 
Bättewabryi deek gemtoUathtlM* H\& Mari denke wt* 
«nf.clfte» ( fÄeJ,'. wo n die Er*teithdB0,,vo* dem Gentaun -de« 
^ahärfeelsii-ads^ebf v vw8 es^lsoonjckfe derjrotrden ün%«^ 
iihitteCWJ>iUe»lib^a»«ertHSjlcff se^kä», d*r sfc «sft- 
i*kt w «49 21. Ai ^#WeJRbeji r di«lTtifc«rto^ des Mesenf e*i*iw 
motanmf die :&isi*cpH*pto! Weitet ^ 
jQFhkerfeel»; der <>?eitfdbMenen: Organe; nicht verc&fedeue 
Ifriaehdnidert EnwscÄun&geÖeri. n ■>«;; -> !-. j ;: 

ii* •* .' Bft*a eiorinil dieTillerkein «krweklt, so! sucht sich der 
Biter .«inen. Ausweg tfd bannen? er zarfrifst und serttfrt 
dm Lnn^eg yr w d t yM i , mit >äem er in Bernhrung hl? 4i* 

19 



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JBrondutliUUlHM »ideralefiert nfcki. langer 
njagsproeeese, -und- baM änddt tt»!< 
gen dtrselban in der Flüssigkeit, cUV einen Ufehte» Dnrek- 
gang gewitarih »fcd der Exyoc to ratioit gestalten, des fid- 
ler naek Aufaen au ;fi>rdtirn< Jnfe "der >8ehntel«ori£Heiner 
grofsen Tuberkeutusse, odtr mehrerer agglmtettaen Tß- 
ferkeln, in Folgend«» AnfreesM»#sH nirih¥e«»«h*f**ja^ 
froeesses, dte'das.iLiiilfel9*reD4h7|»iVteiaMiwBn 9 .äbrdBiia^ 
monioetion, die .sich swisefce* toehrerifn :seleb*r Beenfe 
bildet, endlieh der Entleejmng der eüvei«Mem Tnkeritet 
messe naek Atafett*. entstehen die ^ogfcnttmttnHfrfclenin 
den Lunge* («oötf«bo*r de* jtotfeo*»). Diese Httleo, 
«die »weilen: »ehrfkck und; daad von gradier; nAasdsfc» 
am)g,M wette* nur einfaefc, unat ämdfeajra FäW g*ftröfca> 
lieh kleiner sind, beben in ihrekriümgeUtag '»las* ü*aier 
Toberkel* von. aeotmdirer oW fwtSfre*Ma*n&!43h4 im 
gelben oder grauen 'anstände, dfe,jiiach «nd iiaeh: «ick! er- 
weichend!^ in -diese Höhlen siektfäBen, nnd aadurehudth 
Umfang derselben sehr tfergräAmnV Min bat Lungen, die 
emf diese' Weisel ansgebÄbJt waresiy fckeiciMtfa». Hefe Jiock 
SAeUA, niii* noch Hüllen ron fcwfcfcn ekigtn Lini<yi Dicke 
hiMeniaeken/ So fanden wir 1« B. I>ebdem oben e rwflt n i r 
len (SMIe 148) Tön He#rn Boetor JEamaeVJmlmndeMccto 
diridamm die rechte Lnkge,- da wo stob m ihr die /a^isti 
grefse Aushöhlung befand, stellenweise taet nur membitf» 
nds. Das Innere der grofrän Ercavalionen sieBt"ge«töhn*> 
Heb Krümmungen/ dar, die den Beweis! ufteten, ''defraft 
aas der Vereinigung mehrerer Bseawdtios»i '■ eatstakdwfc 
sind; Verlängerungen oder bandartige Streifin, Beete de* 
der Zerstörung entgangenen Ltfngcnparenchjiie,' duiriair- 
hen dieselben in verschiedenen RMrtnngen^ >zvireHeri.MI 
nur ein Ende derselben^befestigt; indem das (andere fr« 
in die Flüssigkeit hineinhangt Düse Streifen enthalten 
oft grofse GefaTse mit verdickferi Wan4eny;*berumit rer* 
mindertem CaUber, so dafireje nur einen sck^nehoaBkuV 



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«91 

strahl durthMsetij rirwette* viodiste ^laoWiterirt, oder 
«Je werden^*» Einigen ►seltenen* Fällen* *iangeffes*en^oftS»n* 
* stehend gefunden, nachdem sie einen Blutergufa in die 
Höhte, od»r>ei»e schnell fcödtli*b gewordene Haemorrhagie 
Verbatst haben; wwllieh si«d sie aach xuweilen in gan- 
gränösem Zustande' gefunden worden.: Die; innere Fläche 
der ErcavaHoBÜeh: zeiglfc die-LungensÄbstenz verhärtet, ro*h 
und <mß ToheilLei^»8s^1rifllfci&t^j«Bhr; häufig ist dieselbe 
mit eliter: Ar*, von Pseudomembran bekleidet, die weifs* 
lieh, bald dünn r Ufceich, zemeitebar «nd durch Schaben 
mit dem Scalpeifcwft leicht jui ontfenien,< bald aber wen!» 
g« zerreifshar und mehrj adhaerireud Ist, und in mehrern 
Schichten steh ^erlegen lafst. Hier und da bemerkt man 
Oeffnongen eihige'r Bronchialst am me v die bei ihrem Ein* 
tritt** in die Ekcävatiou kujrz abgeschnitten zu sein scheu- 
nen, man steht gr*?se €tefaTse verlaufen, von denen .einige 
Ihr Cajiber behalten haben, andere enger geworden* noch 
andere vollständig obliterirt sind. »li*'>>\ 

., ■ Diese. HSWen, die i» seltenen Fallen gana leer sind, 
enthalte» geWÖhnJicÄ e4be weifsliche oder ins Gelbe spie- 
lende, od^r aschgrau* FlüSÄt^keit roninidem Gerüche, in 
deren Mitte feste und weiche Ittümpchen von derselbe* 
Farbe schlteBMm, ^urfm/ vergleicht sehr passend diess 
Flüssigkeit dem Eiter, den kalte, scrophulose- Abscesse 
absondern. Der Absonderung stehen allein die Wände der 
Bähte vor: B*y& ist d»r Meinung, dafs der grpfste Theü 
/des Ahgesonderten und Ekpectorirfce» von der Pseudomem- 
bran komme. : Ohne dieses g«tx inAbrede zu stellen, glaubt 
ddeh» fiaSfmec, dafs die Sputa der Phthiwher gröfsten* 
Aeils; t der ^cfetioÄ der Bnjnchials^leinihaut, die einer 
fartwahsenden Reitzung ansgesetatisei, zugeschrieben wer- 
den müsse. Endlich ist da^ Lunge^gewehe um die Exca« 
tionen iranier veWkhtet, uhaugSngfibh für die Luft in 
«ner größeren oder geringeren Ausdehnung. Dieser Zu- 
stand voll rötker ^der grauer Erfiartung oder von chroni- 

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eeber Pneumonie »fM»t 4«r Bmh « tgnhaÜ )ddrJfcuft mi 
des. Zellgewebe nm alfci Ct i#hJ wrflie; ^ i Ufc ^i i ae<: l i l ii lat 

„ In einigen^ tfng*^irt*mdii»,,aehr f sdkuma Fille* 
vernarben, die Lungen« xe>v**ae*,lPetm «MMsto afeh feber 
dar *ie atMkleidMdemPsendomAntiNfi hie* *n« de ßhifrie 
dder knorplige FttUdmy diesi& ycc^^ 
de* uhtegeheftund enflüchdtft W aninngf n *eüinlpaig:ühcr- 
■iefcen. In dem Jfeafs* jde.diaaa* JtaotefeifcrtecfereiM, verr 
mindert sidi die Se*r«didn, wsd hört bald ganShuft' Mit dtir 
Zeit wird die Böble immer enger; n*d radlirh tferschwiar 
det sie gann, so dafa man: aa der: Steilere asarnngaom»; 
■au h*t, put noch die nid verfügbaren £purafe der 'Ksfefe 
dankembran findet, die die Narbe bildet ^ru^baifc 4#T 
Lange, der .einet: NteheMteti^Uy hehitt Üomtnokm 
füllen Jttr immer dktfidpreaafaUii iinddKe$tadUafaag>(d^ 
Im «barahten^rte^r als .er. die nrefedumüfc WÜndnttfr einet 
Höhle darstellte. *.- - *;Mo -J:. t ii:r. :•>;,/ -.r. :.,!-, 

Wir brauche«! knaan.m^ bemerken , 4sft die Heilung 
nur unter den, ftpeflich/nkht oft entladenden», jBedingting 
rollstfodig und: daaarhA:i^i]ri0i^r4^iini«bv^^^ 
keine aüdeae Tahdr^elnBitfe ftich/vqiiwdd^ ala;dh, durah 
tatnrfidunfliHag Äfi Emcatatitta entM^y^A! «t r di* 
sieh vernarbt h^t; denn totnn nuek tftejfiftcatfatfga siift 
geschlossen half *e ist da^nnek mwt* Mhesna^at die» 
ier günstig* Abgang *p*hi ttt d* rtck^^ndtn, geWUh. 
Gewöhnlich gkuht nm« r .de&. difi Rhtbieh «ud«* diene* 
leisten Stadlnm dar lAHigettex^vali^nen^hrtlbar^ und daÄ 
die Büminaiitm Öe* rohe* Tuherktf» anf dem Wege der 
Reaorptfon «indaCkän&BSiismf wkiweadenoabeii soglewA 
sehen, daTs auqb im eratfcni SU^oa ^M.Nattui .uuveile^ 
ein« Weg der Heila W finscUägt .:":,.; 

Zuweilen geht dfe :Xrfmaformnttdnl'det Xnheifceki anf 
eine gani and^i*:Weise/voivsiflhv :^ rth wir * eben, gaser 
hm haben. Statt sn eindeidhen, werden eie härter, v er- 



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wandeln si* «rrcb iü kreideartige, steinigfe tmd inochig« 
fflafeeit* I>»faer Mit Bayfo «einte «tgeri* Gattung derPhthl* 

Aber diese Concretionen scheinen nichts anderes- «d'»teh^ 
«M T^berk^nkte^j^diyi^irröh rife R^orptiwf ilirer flüs- 
«rigeft *?nd ÜM-er ai^rflschen Bestand^ 
1*& Wenigste*»' bat die vergfeiHie*^ Ah^yse der Tu- 
frterfcelmaterie Tföd dieser Cmvcretfoneu mwhgetriesen, üafr 
die letatereaMÖiefeelbe^ Elemente wie dfe ersterey i»* int 
timg^kehrtien .V«rbäl#nisse^ «ftthaitefe,' ninllicti, : *uf 16$ 
96 salwischebad Ö Wr4iänltiia«wAer'M?heHb4 *»gl«feii 
tttnt Ii*&vnke die*e Meldung bekämpft hfc^ s» i&sieidocft 
fcfettt-m Tage die* allgemein angemB^erny und T inm kann 
die kreidearligen, steinigen und knochigen Conoffetabifoa 
in der' Longe ate #m \Au<^ang derPMhtsis ini.Helliing 
»irteben, die Ah Föi^d dor ( Resorption der flüggen B>e- 
«ttfttithelie 'de* T«bertteln (und «ich* in Folge ; der Säe*r*t 
♦km einer gHtfsetenJJenge saUnidoher Tiwlle) vor «rc£ 
gegangen fetr ^.b!r «<!-f;. i.Mii« ; 1 .* %:•:'; •>;*,.. .mit 
•- Die Tulirerkoltniittrie stallt gfch iUat&La&nh'ec y ntäit 
nttehf unter* de* Pdrin v*n atfgregirten Körpern dar,- die 
sifeh fcwsichen £i4 Ma&che* fle# < Gewebes rfchiebeh,mdas 
ihnew glefehsani jm^eWrt, sie inffltrirt feich luweilett, 
tHtd duN*d*ing« xlie Lunge, wie ungefähr Waste* .«änon 
«chwartmi durchdringt ©er ihflHfirte Tuberkel \ isagtuM- 
dh*/, verhä»! weh 2r» dem Tuberiiel h* Mtose, wie eine Efc 
«ttinfiltraFttev am eirtem EiferbeeroV Jjminnpc nimriit 2 £*► 
^ der TaberkelinfMration anf 

*) Graue Tubefkeliiifiltratton {Infiltration fttbervk* 
hm§ grtee); ,/Dae verstopfte Langengewebe ist dicht, 
feucht, durchaus undurchgängtich für die Luft, von grauer, 
mehr oder mhid«r dönkler Farbe. Schneidet man einzelne 
Planten heraus^ so sind diese fcart wie Knorpel, haben 
eine glattey potirte OborflÄefce und ein» homogene Textur, 
-te det kette ßftir Von Luftwdlolfttot sieh mehr eWAeckcn 



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2M 

VLW Diese Art der Intftrattatjoll soweilen in Lxmr 
#en verkommen, die *ooh . keine Tuberkel* enthalten, 
fruit sott sie torsugsWeiscr dio\ TiiJ**rlLe*a*cavatten<ni 
jungencn* *• •;.*»» : * 

2) GtlkrtaHige Trt«rkeüöfiHrali#ti {Infiitra*** #*- 
fartwfcatfe g ihMAtfm m*).< ;,Matt fltiM *w«*eben ^en mi- 
liaren Tuberkeln da» Infiltration von: mejsteflftheHs onr 
geringer AusdebAung, die von einer: ,eher «Ar feucht« 
als Aussigen, favMoee» odejv leicM btatrolhe* Masse ge- 
bildet wird, welche, dos* Aetsehtit nach «her einer ach*- 
Am Getee alt einer ftertaailrflteatgkejt gleicht. Man un- 
terscheidet in derselben ; g«f nicht ,odor :fa#t gar nkht 
mehr die LuftzeUeta», die in Gallerte^ verwandelt zu sei* 
acheinen. V . — '.■•• 

Obgleich A*dr*l y Wie wir angeflahrt haben, tie Tu- 
berk^UnfiHratie* annimmt, so glaubt er doch, dtfs die eben 
benesmebenen awei Attest von anatomischen Veränderun- 
gen in der Iri*ngevsiek ganz und gan daraftf nicht belie- 
hen. Die erste Art ist nach ihm nichts als eine chro- 
nische Pneumonie; die zweite aber, eine Secretion sui 
£en,eris, die aber gar, nichts mit' der Tuberkelmasse ge- 
nant thal. Auch hier liegt die. Wahrheit wieder in der 
Kitte.' Es: ist schwer in dar grauen Iadaratfon usm die 
äftsberkelexcavationen eine chronische Pneumonie zu se- 
hen, obgleich diese Infiltration nicht ausschliesslich durch 
«ine Tuber kelinlUfration erzeugt su sein braucht. Was aber 
die gallertartige Infiltration anbelangt, so wird sie, mit 
Ausnahme Andrar*, von Allen anerkannt Auf jeden FaH 
aber ist es oft sehr schwer, den ersten dieser beiden Zu- 
stände, zuweilen sogar den zweiten von der chronischen 
Pneumonie su unterscheiden. 

Sind die Tuberkeln noch im Stadium der Cruditit, so 
Ist meistenteils das Lungengewehe in ihrer Umgehung 
jioch gesund) 5 erweichen sie sich aber, oder sind gar schon 
Aushöhlungen vorhanden, so befindet siph dasselbe gfl- 



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w*fan&eh in eineih vbn den Znstantkn der Infiltration, die 
Mrir eben beschrieben bähen; Zuweilen is&ein hoher Grad 
^Entzündung um 'did Tübeikeimassen nicht zu verken- 
t; dann ist darf Farenchjfm.der Lunge kart, reib, kör-_ 
ipgL^Jeichi <zensei£töar* Entlieh findet man anjch. noch 
ziemlich häufig um Tuberkelmassen oder Excavationen 
darf Lnogengewebe emphysemates. 

.v.lEm itftiernei^füffcdie^IMagnaaQ der Fkfhisis durch pbysi- 
oaHsdhe-^eichtenihicihiüni^ichti^^ züwnistn, dafezn gleicher 
2bit.nit den fuberjtejri oder de* . Excavhtionön in den 
£nn^en auch Qpnren der Eötiffiodüng in *len Bronchien, 
der Trachea und demljarynx 'an^trofietf rwerden^ näm- 
lich Vendtcfcung, Ulceration ihrer Schleimhaut, die selbst 
häufig Mit Tuberkeln besetzt ftetri kann ')* . 

- Zusatz L* Nach cbnMetiEunorpheseh, die die anatomi- 

. ..sehen Charaktere der Krankheit albnählig erleiden, 

- -:/ kann man schon .a priori die Stadien derselben fest- 

setzen, namlieh das Stadium der Oruditat der Tu- 
' l berkeiö, »das Stadium, ihrer. Erweichung und das 
Stadium de« Uicerafioti. In Bezug auf die physica- 
: tischen' Midien giebt es aber sur zwei Stadien, 
."- nämlich das'. Stadium jer der Erweichung und das 
Stadium nach der Erweichung, der Tuberkeln. Man 
glaube auch nicht, dafs in allen FäUlen die Krank- 
heit, selbst Wenn man sie von Beginn an beobach- 
te^ mit Symptomen des ersten Stadiums zuerst auf- 
treten müsse. Häufig hat sie keine erste Periode, 
sie beginnt gieich mit der zweiten, dann die Tu- 
berkeln, so lang? sie im Zustande de** Grudität oder 
.' sogar der ErWeichüng bestanden, waren von gar 
• keinem Symptom« begleitet Im Gegen theÜe kommen 



f ) Wir haben die anatomische Geschichte der Phthisis gros- 
sentheils nach der schönen Zusammenstellung ron Roche in dem 
Dictiomnaire de Mödccine et de Chirurgie pratique* bearbeitet. 



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uih ntHedtf* Fillrf» ™rf^*e^te letatft F*riod*If«bÄ v '#* 

:■ ( :. dfe Krankte» «der erste» au ftrtmdU gehen, bald 

• - in Folge ifer.ifeftigfctitKae* feiabm *dc* äatJätm* 

"4 ürftat dtr entojiBdlidim »Abfall« ,..ttaW in Folge lehnr 

> r :: edpi6se«HaetaMi|*ytJsj;lMaa ei^üeb *as-Emhhfofuay 

•",i dnroh exceasive Diarrhöen :T tu» ;•...;;';. J-;i..-.i\ 

Zusatz 2. Die Entwickeln^ d«r Tubarfceftq tn de* 

v' fttonge aSaa<IÜ£lt:oir0inga^iir)*o* bhen .aachi «ateu, 

• »in der Art^ida&näie fgp*te VSubMkUiu «k'idercllelfeK) 

•"'> nzahtdet EäHelndtai ofc^ Lun£p*l«£pGBy oder nee& 

: besUmavi^t'tiin^.dieu^iMn tdfenlwa^in abgelagert 

.i sindl Wälrätodldfttw *kh fcfrtbttderi^mn d±»4Tycim> 

I ! diu» (ibMlbielUb^nyMäadetaMgfefd 4f»efcb*maeluai^ 

kommen n^üeiJSackjtfedbe^ nhdi^aiiL^!» pahvi 

»achfcntitn^siia^ data die «OPii. 

♦berkeln «»'^eb fl|d l i i flerLun^ri im d fi> r aar weiter 

" aUta ao%i bÜ d et aittd; Dqlitr fi d defa iananii»! einer 

■ • '? lUanfce ««h* •Uta* tomr^ Exkavationen ; . «gewöhnlich 

^ md Äg*«^*ZeH auehaW« 

iT^beHtrtB^aia^iTi&eraieito in! alte* Retibdän vor- 
: • > Iranden; -Aa£ di4< Vwrli«be i^ep TübÄrkdii lör die 
ober* Spkaere der i fangen v(<wafceiidi doalrdie Ent- 
'- ztindasjy 'HrordugfWfAao /AÜe u*te4en.jLapp«AOdteses 
Org«ans b*Tallt>v!/eiiier)40if. u^ ihäu^ere ^kom- 
men der Rhfhiais. hti dtaa weiblich«*, als J.adi dem 
männlicbm .^schlechte* {wähnend diese« dem Ent- 
aundun#ett »der Lang© mehr preisgcgüte* iat als je- 
nes) stütz* äck zim Theil dAgefttg» &ch*le, die 
nach Bayh 'vnd Lritnnöc leugnet} da fs die Entzün- 
dung in der Fathagenie, der Tuberkeln irgend eine 
Rolle' spielen könne» CAo«ä* hM JLauis sind heu- 
tigen Tages die Hauptrepräsentanten dieser Ansicht 
Ton der anderen Seite ist Broussais das H^upt der- 
jenigen Schule, die die EntzÜÄ^upg als : daa erste;. 
Ageas bei der Prodaettan der Tuberkel* betoaabi«L 



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. ' i IM* *^mi»^!»K*J»irlf ward »Wie l«iilit von 

* »» ■ iff^omUäod, Magmdiei, €rimeUkkr :nnd Aädral ge- 

<?>? - U»llfc Wir höunenv obne die Gre«ron a>sei Wer- 

: :k«)»i f#fe»öhreiteii T nidit m die Entwitfkelung 

-: difete* rast diegan^P>atUol6gie umfassende», and 

■: mit so «tegeseiehaetem Talent» von befdsn-i Seiten 

igefiUurtto >Slreifet eingehen. Es sei geniig <zu be- 

-:•).• meiioenv' data die Wahrhtett in beiden .Meinungen 

liegt* 7 nbd . daU sie sieb keineswegs gegenseitig 

. . »anisofeäiefeeh. ' ; f ; ,.:.,., ;\: ::":*: 

- Zusat* &-' Nur sbhr selten öfhet taiaU Leichname 

• v ▼wudWriÄHifce^n, bei denen sich, aufser den Tu- 

. jherkehj ks den ^Lungen ^nkbt: noch <Sjftire|t ande- 

ver acuten eibr chronischen Affectiondn sowohl im 

Resptraü(Mis> als anekln andere» Organenapparaten 

i'i'i.-,:i vorfinden sollten: Wir wollen hier in der Kürze 

• } inurt der cotistantesten Erscheinungen der Art geden- 

: Man, die in den Athnuragsorganen und dem Herzen 

i: .'.;. sich dasbteten; denn rieh* Kranke werden mehr 

;,::... a^h fflese Complicaiione» als 4arch die Vnberkeln 

w ; . . selbst frflßigeitig den Grabe zugeführt, ob wofcl diese 

r M - 4iMri»Ucationen, einmal ; erkannt, zum Theil sich 

u:. , lekhb bekämpfe» lassen. Nur bei «ine* aehr geringen 

Anzahl von Phthisikern findet man dir Schleimhaut 

• des Larjmx v der Trachea. und der Bronchien nicht 

ik amehr oder minder hohe« Grade eofeftndet Bei 

den Phthisikern, deren Stimme seit langer Zeit alte- 

.*: rirt war, fand Andrmt Rätbe, die sieh auf den Grund 

der Ventrikel des Lsrynx beschrankt*. Bei Vielen 

ist die Schleimhaut des Laryux aufteilend erweicht, 

oft in -bo bobeaa Grade, dafs die Ligament* thyro- 

arytenoidea r welche die eigentlichen iStinmaibänder 

dar^teOen^ nur noch von einer Art **en flüssigem 

Brei, an <Ur «teil» der Schleimhaut y bedeckt sind; 

*..:•!• Blanche» Fiale« endh^ fct tu* «esftsnlett mehr 



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; mmntrofen nnÄdie ■ihumhlnmji Hegen gtm* blofs. 
Aber auch T*ru4ckt findet inun die SeMtfashaut des 
- 1 ■ . . / jjarjrnxj und starac bei gleichseitige! Verhärtung, oder 
yuifolHkwMkwmg oder '.bei Dstürlieher'CJttrtirfeiis dersel- 
f..* r Mit; dieses gilt besonders von. des 1 : Schleimhaut 
. . det ' EjkififloMis. Ausserdem kann die Schleimhaut 
-des Larynx aoch aufgewulstet, ihre^Obnrfieche mit 
- Jtangositaten, Vegetationen , ßeseb*ülsiett von ver- 
.schiedener. flröfse, endlich auch naeat toh Pseudo- 
membranen, ganz denen vergleichbar, die im. Croup 
Vorgefunden* werden, bedeckt setn< Die mattwetts- 
•:" (.Heben, .von- dtnen» rotberi Hofe msgebeaenvund Vor- 
V: springe bildende* Flecke, die man sd häufig auf 
* : der Schleimhaut des 'Larynx antrifft, sind nseh An- 
• Ural nichts anderes aü entsendete Schleim -Folliculi. 

Aber die^ Entzündung dieser Folliculi kann auch 
-, .; kleine Abseesse, oder kleine, tbs&te»uud runde An» 
Schwellungen* die man fälschlich für Tuberkeln 
njgftmt^ veranlassen, durch derenrMetämörphose nach 
.. und nach di&Ukerationesi »entstehen. Es gtebt keine 
Stell* des Larynx, an der man nicht diese <Ulcera- 
i ; itidnen angetroffen hatte, die gans oberfliehlkh sein, 
w ; ' aber auch 4m «tief gehen kennen, dafs sie das Organ ' 
•;;•'■. fcerforiren$ selbst die Murfkeln des Larynx hat man 
im Zustande defc Atrophie r und. die Knorpefmaterie 
in Folge der Krankheit mit Knöehen^unktcn be- 
setzt gefunden.' Wie sehr in allen diesen Füllen die 
Stimme leidet, braucht kaum bemerkt su werden. * 

Die chronische Laryngitis kann,, wie die acute, 
idiopathisch vorkommen, aber nur sehr selten ver- 
- , anlafst sie allein die Symptome der Consumption. 
, W* Phtbisis laryngea ist eine nicht gewöhnliche 
.Krankheit In den FaHen aber, wo die Symptome 
der Phtbisis eihe Affeetion' des Larynx begleiten, 
müssen diese Symptome Tuberkeln : augeschrieben 



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werden, die in 4er Lun^.fiohvealwkfceU haben, 
m&gen nun diese.'Tuberkeln der Laryngitis vorauf- 
gegangen sein, odefr erst in Folge derselben sich ge- 
hHdet. haben; Ute Affectiven -des; Laryux. .bei der 
Phthisis . vergleicht Andml sehr passend mit der 
Krankheit der .Nasenhöhlen bej, Pferden, die unter 
dem Name» de« Rotzes allgemein . bekannt ist. Auch 
hier wenden die Lungen immer mehr oder weniger 
mit Tuberkeb* besetzt gefunden. 

Von -der chronischen Pneumonie, die das Ge- 
webe um die, Tuberkeln und Excavationen befallen 
kann; ist sqbon die Rede gewesen. Sie ist nur ver- 
mitteist der Atfscultstion und der Perkussion zu 
diaguesticiren, und auch durch diese Mittel nicht 
in. dem Falle, wo das Lungenparenchym um die 
Tuberkeln «ich im Stadium der Blutüberfüiluug be- 
findet; denn dann ist der Ton bei der Percussion 
noch nicht matt; das Knister- Rasseln: allein ist aber 
ein zweifelhaftes Zeichen, weil 6s sich unmerklich 
mit dem Schleim -Rasseln vermischt, was hei jeder 
ejftfa$hen Rfouihitis gehört wird, r Aber auch acute 
Pneumonien kommen interkurrent, im Verlaufe" der 
Krankheit vor« Andral hat Fälle gesehen, wo die- 
selben 10 Mal in längeren oder kürzeren Intervallen 
•ich einstellten. Oft ist es leicht, sie zu erkennen, 
vorzüglich an den auf einen Schlag ihre Charaktere 
verändernden, rostfarben, zäbe, durchsichtig wer- 
denden Sputis; oft im Gegentheile halt dieses sehr 
schwer; die Sputa bleiben vor wie nach, die # einer 
• chronischen Bronchitis, und auch die Resultate der 
Auscultation sind nul, wegen der Rasselgeräusche, 
die schon vorher in den. Bronchien öder Höhlen 
vorbanden waren. . . \ • 

Noch häufiger als das - Parenchym der Lunge 
selbst bietet die Pleura der Phtbisiker verschiedene 



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m 



o <gn i ri s ^ Ve * l nd ai nn gen darV von denen der grös- 
sere Tbi&tt Folge der Muten o*r «Aronischen Ent- 
attnd n ng dieser Membran Ist Fast in aiien Flllen, 
wo die länge Tuberkeln tnAiilt, vereinigen fette 
! Adfraerennen'iu einer mehr oder weniger grölten 
Autdehnang die Lungen- mit derRifctpelipleura, and 
diese Adhaerenaen stehen in geradem Verhältnisse 
tu der Xähl der Tuberkel», und ft» dem mehr oder 
minder hohen Grade von entsÄndHeher Erhärtung 
de» luugeftgewebes um die Tuberkeln. Erst beute 
(den 21sten Oetober 1Ä3&) habe Ich «r Bamberg 
«Ad In dessen Beisein den Leiefcnent -eines an der 
Sekrändstfeht verstorbenen Knaben geftibet, dessen 
rechte Lunge, die wie cUVMnlf* mit Tuberkeln in 
allen tirftden der fintwiekelung übersät war, in ihrer 
gansefr Ausdehnung so fest der flippeuwandung 
anklebte, *däfs eine Trennung ebne Verleitung der 
longo nitb^nifegtkb wer. Ohne dafe Adhärenzen 
Stattfinden* iit suweilen die IMppeupleura allein, 
stellenweise $ da wo sie dem tobereiritteeii Lungen- 
gewebe entspricht oder, in ihrer Tetstiftt mit Pseu- 
domembranen bedeckt, ans deren Mitte heraus sieh 
sehr oft Tuberkeln entwickeln v eo Wie überhaupt 
die Entttndimg der serösen Hoate hei Phthisikern 
große tfeigntig hat, sich mit der Tuberkelbildung 
•mt eotfnpiietwt*. - * 

Aueb die öroncjiialdrüse* erleiden frei der Phthi- 
tit immer mehr oder weniger Veränderungen in 
ihrer Organisation $ dostt da hierbei oioht von Dia- 
gnose die Rede sein- kann, so gehen wir ohne wei- 
teres darüber hinweg. 

* Was efedlisfe die Krankhaften des' Cirsnlations- 
apparats anbetrifft, die die PfeftfeiSi* tik der Art com- 
ptieirOtt, deft sie etoen' we*e^Ufefcen Tbeil der Ge- 
eehleht* diese* Krankheit bilden, so findet man nur 



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tot 

hei dfcm drittel* TktoHmimto, Mtit&dmJftmsm* 

sehwindsnebt sterben, das Heu; ui/ seinem natürii- 

cbea AisU*d«> bei »den Uki%eÄ sivreLÖrittheiten ist 

es krank. B^iiiiua^Sndet mati; dieses Organ 

.; *c1*Mtar$ ,*d«fei^UiiSh, eine» gräftejeiL *J«*a^ 

, : ejaaehwrtn^ Wd-wt 4s Meiner*!* ^ewWnttafa^ittl» 

... webl die Wllnde meriftiU dtttwennad <eonbeiit*i»eM 

.; Byptfvtt^hfe?; s° fiy^en wk dendkik»' Veehikel 

. : bei. denv ohe*erwttn*ftn Knaben)*, bald eridiitb i*t 

- > f e# wahrbaft atrophisch, d. h/ v veh g Tiogerm ^ Un*» 

- . . tage *ls iü ph^lkdodUelen 4nalafcfa bei vettfftMk» 

->\ ,y» W«adoJ%ea. iBtaerkegrirfr .jeddebyi daW dto 

t v> - sriÄero y*rb*ctalg dtoe< flea^dflagesy die wo» 

. ;v -i , bt«Pb4bUitePtt ^torbeny^, niAfcinJraeränearK*«!*: 

.;. r r beJUsnsland im Qgfeaie<anfceigfr afendewraefc btoHg 

nw die* Feige roüi dein beftsciiefr XeMan^vertitttgrö 

ei«* i * *dea Indiiriffcm^Lnnse*]^ .1*»* «w" 

/."'.!-;;'.: 1:' n;-.../.'>JiM «>1 «»!» '«* -n-i ,it'ifttirnl •!'*:■ aibi!T 
;.:.....»...,• ■ '.:?'* «;*• -.IT *ft?*,**8[!» -j'ixtißr '"M. * is" **nvr.!*v/ 

'Physicaliircne Zeichen ' der tuber Jcutoien ' Lungenscftw^dspchL a< 

- r j Die «ttUclto S^*ptoaK,r^^ 

«Maien, das aiftd dk Hitte^ du«tL!dfe wir diöPhÄifeis 
atttdttgaosliriimifL'deäSt^^^ Aber")M*l* 

örtlichen Symptome, so wk dfeAesuftat* der AwcttHatfott 
mÜ iäm> PeMtaite;;itttt4enei* Äri w aikebi bi^pfBu Ihun 
brinonv sinÄ «ach rdfei» V ersthye e H naii» ig dreeden dei" Ätfffrtfc« 
halt #eb* veradtfedenr Di*»i? müeJear wit<> de«» aalbh'til 
dtagQ04Uscbc«^:fi««Mttiiig ^w<i StMieo feslhaKt«: l)-da4 
gktöitml tor de* BU«*g diri Ex«T«rtwie» und i) dös 
Stfcdhunder fhmttoto : :-.-.!f iJtn»! 

?.;i.. :' — m "f-; •••♦r'.-M ü:i':*.;?.* r. .. ',1.; !( ! .7 . . : '?*>!;,* '>'fn : ;j 
t) ScbeUl^rist die Att ( der ZüafJmje de» Herj^H»'ft# 
Umfang, wo der rechte Ventrikel .in Folge .des gestörten Blut- 
frar^bgangefc durch die Lungen Aiatirf ist, ohne Verdickung 



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JOi 

:, -firste* Periode der Phwrisis (¥er 4er Kling der 

■• Exeawtionen). 
Die Mattigkeit des Ton» bei der Perkussion, 
ni^d das Fehlen des Zellenathtaens,» dieses sind die 
beiden ^einzigen- physiealiseben Eeidien , Sie diese Periode 
ctWakterisfren Mbnen* Sie hingen in dinssr Periode de* 
Krankbeit von zwei verschiedenen Bedingungen ab, nim- 
lieh von dem Vorhandensein; einer niehl wbetritbtlichen 
Tuherkelmatse in den. Langem oder * ▼ori der Verhärtung 
dee , Lnngejipaf f«i^tyms> um die 7uberke4ri in einer be- 
stsmaiten Annafrhnnng. Beide «eigen. a», defe 'die Luft 
nfoht mehr dabip dringt, wohin sie im natürlfehen Zn- 
stende iinmer gelängen nmlfc. IseRrtTen jedem anderen 
Symptome der Phtiiiala, ktanen diese Zeichen leicht irre 
kfttant A eies auch der chponiscfrdn Pn onm a ni s mit Hepa- 
tisatton und dar .Pleuritis : mil) Brgufs , WgeMren. Aber 
wenn man diese beides ^eieben-vereint^ W dem oberen 
Theile der Lungen, unter den Schlüsselbeinen antrifft, 
während in dem ganzen übrigen Tbeile ihrer Ausdehnung 
die Brüst einen normalen Ton giebt und die Lungen überall 
/ für die Luft permeabel sind, so reicht; dieses schon bin, 
un*rTttb«tlieln: dia£pu»Ucrr*n r su legest, oM?i wie wir ge- 
SifttfMftab&i,iäde sich in diesem Tbeile des Organs -'im* 
sn^w^iie entwiekda, wthUiwl dt» Pneumonie gewShs*» 
lieh die unteren La^e» bcfillL n ?v < / »•• : i - 

<+ : FindeMman also in idseser eretenPcribde ma feinem ün- 
dhwkloni »den trackenen,. längere oder kürtosm Zeit dauern» ; 
d«t H»stf», detasew Edlstehsmg nxdsteritbeits keiner ihn* 
kmotmUrSacfte fcamia^rieibenxis^:fliidH:iw»i belle, <Jem 
fiiunii*jsebl*intf».jtttfe^^ auf den 'Sei* 

tentheilen der Brust oder im Bfielm*,' Haemoptjnis liitffife* 
ginne oder im Verlaufe des Hustens, Mattigkeit des, Tons 
nutenden Scblüsscibeinen ünÖ ScttWäcIle 'Äes Re8bira!ions T 
geräusches oder irgend cjuie andere Al^eraüoi^ desselben 
(Schleim- Rasseln oder sonores Hasseln^ *>£ie eudh nicht 



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«RenntoiMönafett^ an* etten'dtn, Pmdcteav' ^ihoeid[>ter 
ttrige T^«H **> Brns* sich ihi natürlichen Zustände be- 
findet, so itaria möttaiifLdasiDabciÄ voii rohen Tuberfcefy 

• ■ Die O^spo^e, ^€ir JWangel wii Appeift, d«s Mi^erwe^ 
dea r di^ Em pöndU^&feeit gegen Kult«, das Frösteln etc^ 
cUcf sieb «rfch ja; dieser Periode einfinden, btstttfigea dre, 
Diagnose, kftnn«* 4b abdr' aliein nicht begründen, Ivan» 
cfei«teiitier^ilB^enit&^^l0tiuß fenleu. - .<• *; . I , .^ \ 

Abe* wie ttrVHUraieteÄAie^ 
FqUI ftviet oft tollen nicht jianieirflichi jenebeidfri physii 
c*lis«h'en Zeidheti , -derert Gegenwart •& eftidäs, : rread ntn? 
IFerÄÄhnng: ist^/zuh €rb*if^belt ;maeht! ' W*mi die Tu* 
betkehl; sehr, z^stteuiiiiegBttiind &cfirvkJei& 4in<V*<*"H*M 
das Lüngeng*vrehti turi sie gewöhnlich fite tfe Luft dntah* 
gtagig? i iiini die , ßonorifat der. Rrnst iafci dann , um&irfdei*} 
a»?wfe?atoM>*s[AJiBntt^^ 

glefcb*ETÖßrice göbört wifd.;t. -i) gisundl •■»,,.,[.;,; * >*I 
r>Zusa4^<.;rAuohi i* dtr^zwetten ;RdKoifo frieri ^Srafikbeft 
«hi .. ü ifindenrnsiebt d^6ivbey«Qn^bfttr/ti^abhtini f^ysi^a 
•i <\ Jii*h«i^Zet«hett vor v iW^^ 

f *i: i träte ^.»ntiAe'tEx^ÄVatienai^h dem < ÄMirf*ndej<äeT 

:: ) : Verdichtung. .istN Sushi !BmdkdiäBit noch &ndeBe>d*n 

' Bohlen, selh^ aAgeb^tig« ^pbf sicaKaohe ZBick««:rot^ 

y-> banden'} die eine Värwefe^seluH^^i* b,eidäh Pen*} 

uV.'j:} den di* :Kf^rnkbeit Arßht:Äh*fcen4,I> .. *ih'*p?>^JJ s**>ft 

.. . » Zweite Peränte, Periode: der ExcaraAmhen in 1 de* 

*i-r» '»■'" JkÄfenvi-Ml't v% -: :W * - ■/!, -/m:>:?. 2 r !# 

« Das HÄhlenathmenvId^äi-ßrifgfelv-iRdsateLn^Idie 

H«blei^timitte/die^bAT^s«fah^i jedes TöJisioÄelJ 

die übertrieben ^rpfsL^ Sonor* t*t der Bruntwaüd 

h»d fdi«cr»ineta41h9ch)e/ 1 K'lingy^n^ dieses eind die toten*. 

t)der minder weitbvollea Zeicbejn, die Hdhfcin jn>4enLntil 

gen d&gfiasticiittnr lassen können. Alle ieugen -itai* der 

Gegenwart einb^mdh» oddr minder g^often JKengg loift 



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atfCfaften*: wohhrAm** slsMlaeale KIrpt*>awr>4fa< 
utändb dto ttinrtm YtrtheUnnfc, oder Wobsa tir <gar ateft* 
(*»an detfks W detv Saefc ider PleoM^.igsiaugem astttati 
Von jedem dieser Zeichen haben .wir bfaaaadary inidwrt.eg* 
■tof-iAjblfceihribg. ge sa ftdebe s i y yon; fledeta, aesyejfrto» hhben 
wi» natdigftiHess*, d^^s#ärt beto^ki«^ Ä«äh«iw«*» 
gtor afe iMoreatheiid ist, i um fixtavatioa*nr in den lauge* 
csfeeniien »hustn,: Da» Bohlen athin*a kornn*, , wie 
wir gesehen haben, mUtthtt n di# e tfsn^ -)hbir/<Bhii ifa des fe 
Watteau Er«^tahuigea derBracWe* vä$ Jm fldtir^el- 
% R*f sel»iJnben:wir: oft in- dar pMtuneäie;, atrcb hlufi£<$* 
i» :cluK«itdM: CatarrWa g«W*rtj die Htihidnatiiari«) 
**a 4er ;amaV beUauytot flit*>, <daft siexTpfe! allenUcs«*** 
4 «toWatvuglieaste -iserj Üf*/»ch, sei bs***TPS*Hunnn#«steel 
Bfastandev dodfe offl ssVadswer tov der BibnetoffA^nsief m#* 
tiisahsfcdeirjT dtaJklrtaesenUife de^i»HMifÜt'>itetfhtigOTi^t 
dtreuJ JGnMldidited.#eyt Bmstwganey ''*a\d< aercM^der awteai 
Periode der Phthisis eigen;, dier £wtt%erm$lBfeu9teiai% 
•*4>!B*mtrtan&;iUlen Hsir^anrii a^apJtapbgaaeamider 
Ikw g e anydf htaiafc ftaeüanftharato »(tot fr ddsUn*e4«41ische 
H^i«ga»?endlictt?itla*d»^^^ einer 

MbeihelUnenil dwf€«^Otd»iP*Arv«h«tWrterisirt, 
IsIbei^K'Bnlserofdi^lltlfuwltdna^ ZaiaTitpu * Als* anr die 
QMsbsaatfw iMes^> vg y #qh^ tw»n ^khto^uwd dtf Sym- 
p4M»^, Jh^> gb^^^9^4BRW^R^ctifeireii^ dftelBaiHigung 
des Umstände«, dafo-dW:£rMilifceit in den ob*sw Theilen 
de* toga in i a a er aai mfete» rorgeschWateni ist, Manen 
der Diagnose dieser Periode der PhthisiS'.jtamh Grad dar 
ntthemalirelitt^ewifrteifc gaben? dedseim sie! IdlderWirk- 
ttelfceit . «lug ist. ?. SeUri der grodslm ötdaekoog der* .Aus* 
«dtatioBturid deftr IWieuasieft ttdgt a)iet latente Sshwmä^ 
srfebt der Iniagm/ao wfedte latenten (Ptfeunooaan fuad 
PUnJresien < an aift jedem . Tag* seltener dtoiwerdtav •■ « •» > J; ■ 
" Unter weltben! i Bedingungen ;1a** ' nun' ein jede« des 
eben genannte« äe^enbesanders aaJM Sehen tfir «adfit* 



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305 

wie es sich damit in den gewöhnlichsten, d. h. am häu- 
figsten vorkommenden Fällen verhält. 

Auch in der 2t en Periode der Phthisis sind die Re- 
sultate der Percussion nicht weniger entscheidend als in 
der ersten. Man findet bei dem 3ten Theile der Phthisi- 
ker den obern Lappen der einen oder der andern Lunge 
in seiner ganzen Ausdehnung in Tuberkeln, graue Masse 
und Excavationen verwandelt, die stufen weise voll der 
Spitze der Lunge nach der Basis immer kleiner werden. * 
Demgemäfs giebt auch in diesen Fallen der ganze, dem 
oberen Lappen der Lung* entsprechende Theil der Brost 
bei der Percussion einen matten Ton, während an allen 
übrigen Stellen die Brust gnt resenirt. Diese Thatsaehe 
im Vereine mit einer grofsen Abmagerung und dem schon 
langen Sich -Hinschleppen der Krankheit ist oft allein 
schon hinreichend, die Phthisis in ..dieser Periode erken- 
nen zu lassen. Zu derselben Zeit, wo der Auswurf dicker 
und mit gelben Linien gestreift«' zu werden anlangt, wird 
die Respiration unter den Schlüsselbeinen stark, grob, 
wenn man so sagen darf, mehr oder weniger tracheal, am 
meisten auf den Punkten, die den Stellen entsprechen, 
wo man nach dem Tode die gröfsten Excavationen an- 
trifft. Dazu gesellt sich oft ein sehr grobes Knister- Ras- 
seln, ähnlich dem Geräusche einer gut getrockneten Le- 
dersohle, oder ein wirkliches Gurgel -Rasseln. Bald hallt 
auch, die Stimme wieder, und endlich stellt sieb an den« 
selben. Orten die Höhlenstinune ein. Der Raum, auf den 
anfangs diese verschiedenen ^Symptome beschrankt sind, 
ist unbedeutend; von Tag zu Tag nimmt er aber an Um- 
fang zu, und in manchen Fallen, wo der ganze obere Lap* 
pen der Lunge mit zahlreichen .Excavationen besetzt ist, 
hört man die raube, tracbeale oder cavemfise Respiration 
auf allen Punkten, die demselben entsprechen. Das Gurgel- 
Rasseln, so wie die verschiedenen anderen Rasselgeräusche, 
von denen wir eben gesprochen, haben, kommen an deur 

20 



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906 

selben Orten vor, aber Are Charaktere, so. wie die des 
Vracheal- oder Höhlenathmens ve r w i s ch en sack in dem 
Maafse, als man sich von dem 6cMusselbeine entfernt, 
d. h. in der Ordnung, wie die Tnberkeln sich entwickeln 
und die Entleerung der Tnberkelmasse von stallen geht. 
Diese verschiedenen N ua n ce n in den Charakteren dar 
Rasselgeräusche und des Tracbcalathmens üi dem Grad«, 
als 'man das Ohr von der Spitze der Lunge nach deren 
Basis gierten läfit, sind, wir kennen es niekt oft genug 
wiederholen, von der höchsten Bödenlang für die 60« 
nanigkett der Diagnose; man nmfs sio immer gans vor* 
riglich berücksichtigen. Denn wenn auch die ft&hlen- 
etinune, das Höhienathmen und das Gurgel -Ras« ein hin- 
reichen, nm das Dasein einer Excavatien in der Lunge 
erkennen zu lassen, so geben dock diese Zeichen nicht an, 
welcher Natur dieselbe sei, und findet ein frrthnm auch 
nicht häufig statt, so ist er dock möglich, wenn man von 
diesen Zeichen allein auf das Vorhandensein einer tuber- 
onldsea Excavatfon und der Phthisis schüefsen wilL 

Folgende buchst nwrkwurdig* Beobachtung XeamVs 
mag als Beleg IBr diese Behauptung dienen: 

Bin Afanosenemffteger, 59 Jahr all, von mittlerem 
Wüchse und nicht starker Constilntion, IHt seil seiner 
Kindheit an Dyspnoe, die mit dem Eintritte eines Lungen- 
Catarrhs, der jetzt schon 10 Jahre lang bestand, noch 
mehr zunahm* Dieser Gatarrh liefe wahrend des Som- 
mere nach, war aber sehr lästig im Winter, wo auch die 
Abmagerung immer einen hohen Grad erreichte. In den 
4 letalen Wochen war dieEMust vollkommen verschwun- 
den, der Husum, die Sehwiche halten beträchtlich zuge- 
nommen; der Kranke hotte jede Art von Arbeit aufgege- 
ben. Schmerzen in der Brust und Haemoftysis waren nie 
vorhanden. 

Den Sten November 188*, Tag nach seiner Aufnahme 
in die Charit*, befand er sich in folgendem Znstande: 



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307 

Bleiches GesieM, kiehfe InfiUrfltbfti 4er untere» fittednaa- 
sen, mtth onotter» langsamer Gang* nftfrig starker Bunte»; 
undurchsichtige, grunlkh* Spul» dhü gelte Streifen 9 R*. 
spfcaltio» fast vollkommen trackenl; grobes Bnister-Ba** 
sein unter der reeklen C&avieula, und auf derselben Seile 
hinten, in derselben Möheu Starker WiederkeH der SÜmsrc, 
unvollkommene Hohlanalininour auf denselben Punkten; 
Brost wnor auf allen Punkten. Pute wenig beschleunigt. 
Zunge an de» Bandern normal, in der Mitte von der Farn« 
dea Caftts mit Mikk; afarker Durst; vollkommene Asw-r 
roxie, vetaaunöser, bei der Palnation schwach fluctniren« 
der Bauch. DnfekfaU und nächtliche Schweife* seil UTagen. 

Bii zum löten November, den Tage, an den der 
Kranke starb, nahm die Schwach» immer mehr am, die 
»jrannue wurde immer bnhtichtliohar; die Sputa in. den 
Muten Tagen glich** einer grünliche» Püree. Bio Besue* 
täte der Amenttatkn auf derselben Seit* Uteken dieselben. 
D*i»7te» Urte man neuer der linken ClaVicum cinScMeim- 
rasseln, den mit Öurgei-Raaapki untetmisekt war? hinten 
war auf da* entopreekende»JPnnkten> dee ntkmungs- Ge- 
räusch »ehr stärkend der Wiederhall der SJfanmebcdeutend* 
In den ktzküü Tagen gafc sieh ein sehr starker Röcheln 
in der ganseu Ausdehnung der Brust an erkennen. 
; LekfcauÄffnung, «f Stunden nach dem: Tote. 

Bruet. Bio Lungen adkaerirten m ihrem ganzen 
Umfange der Coatednjemn, Vermittelst einer retohlicbcn 
Bdtatofik Dae rechte aehien an ihrer Spitze, m der Aue- 
dehnung von 2 ZeU r in ein* gfcofre Anxuhl sackartiger 
H&M« (Kjatea), reu dam UmJhngc einer Brbse bis zu 
den» einer grölten Haeekmfs verwundest Diese vergeb- 
lichen Höhlen, die nichts! anderes waren, alr eben an riete 
Erweiterungen der Btnmbaen r ssnhielten eine sthJeinvige, 
rutblioho, oder eine truhe, gelbBehe, «ehr oder weniger 
dicke Materie; sie lehnten, skh an einander, und waren durch 
eine dünne, der Semesmhau* dee Colons vergleichbare, 

20* 



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308 " 

ein wenig rotte, sehr feite und in die der Bronchien 
übergehende Schleimmembrau gebildet; die Bronchien wa- 
ren in ihrer ganzen übrigen Ausdehnung vollkommen ge- 
eund. Dieteiba organische Verlnderung fand man in der 
Spitze der linken Lunge, hier aber weniger beträchtlich 
und nur in der Ausdehnung von 1} Zell. Tuberkeln 
"oder Tuberkelmaterie fand man nirgends. 

In diesem Falle diagnosticirte L*uia, der von allen 
lebenden Aerzten vielleicht am meisten das Feld derBrust- 
krankheiten bearbeitet hat, eine Phtbisis von höchst chro- 
nischem Verlaufe. Die vollkommene Sonoritit der Brust 
unter den Schlüsselbeinen liefe ihn zuerst schwanken, aber 
da die Auscultation auf denselben Punkten das Dasein 
einer Excavation zu erkennen gab, so konnte er nicht 
umhin an glauben, dafs diese in Folge der Schmelzung 
einiger Tuberkeln entstanden sei; der Husten, die Dyspnoe** 
die Sputa und vorzüglich der Ort, wo die Excavation sich 
befand, mnfsteh ihn in diesem Glauben bekräftigen. Den- 
noch tauschte er sich und würde sieh, wie er selbst sagt, 
vielleicht noch einmal tauschen, wenn ein ähnlicher Fall 
ihm wieder vorkäme. Dieser Kranke liefert also einen 
Beweia, wie schwer oft die Diagnose selbst in scheinbar 
ganz leichten Fällen ist, und von wie anfserordentlicher 
Wichtigkeit einige Artlichen Symptome, namentlich aber 
die der Percüssion sind. Lairmec hat zwar schon be- 
merkt,, dafs die Verhärtung des Lungengewebes um tober- 
euläse Excavatiohen nicht in allen Fallen die Sonorität 
der entsprechenden Brnatwand beeinträchtige, und dafs 
dieses besonders bei Höhlen von sehr großem Umfange 
nicht stattfinde; aber in dem vorliegenden Falle hatte eine 
tuberkulöse Affection von lujihriger Dauer doch wohl 
die €onsistenz des Lungenparenchyms in dem Grade ver- 
andern müssen, dafs der Ton beim Percutireö dadurch 
mehr oder minder matt geworden wfire. Wir können 
also mit vollkommener Bestimmtheit sagen, dafs die Höh» 



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lenstimme, in einem begrenzten Räume gehört, 
bei einem Äfenseben mit chronischem Lungencatarrh, des- 
sen Sputa undurchsichtig, grünlich, eiterarartig und ge- 
rundef sind, nicht hinreichend ist, um mit absoluter €Je- 
-wifsheit eine Phthisis am diagnosiieiren 5 dafs, um dieses 
ku können, den oben erwähnten Symptomen noch andere, 
x. B. Haemoptysis, Schmerzen in der Brust, namentlich 
aber verminderte Resonanz der Brust um die Stellen, wo 
die Exeavation sieh befindet, beigefügt sein müssen. 

Die Höhlenstimme kommt nicht immer im Niveau tu- 
berculöser Excavationen vor, selbst wenn diese auch mit 
Bronchien* die an Gröfse ihnen entsprechen, communieiren 
und selbst ziemlich grofs sind. Wir haben schon in dem 
allgemeinen Theile (Seite 77) ausführlich die Bedingun- 
gen angegeben, unter denen dieses Pbaenomen bei Exca- 
vationen auftritt und wieder verschwindet. Hier bemer- 
ken wir nur, dafs, wenn die Höhlenstimme ganz fehlt, oder 
sich verliert, nachdem sie eine Zeit lang hörbar war, auf 
denselben Punkten dann gewöhnlich statt ihrer das Gurgel- 
Rasseln und das Tracbeale- oder HÖhlenathmeh sich ein- 
findet, so da&, wenn diese beiden Zeichen vorhaftden sind, 
besonders unmittelbar unter den Schlüsselbeinen, da wo 
die grofsen Excavationen sich befinden, dieselben eben 
den Werth haben wie die Peetoriloquie, und ebenso wie 
diese Excavationen anzeigen. 

Das metallische Klingen gesellt sich zuweilen den 
eben erwähnten Zeichen bei Louis bestättigt vollkom- 
men, was LaSnncc über dieses Phaenomen gesagt hat, 
dafs man es nämlich bei sehr grofsen Excavationen an- 
treffe, die mit Luft und. Flüssigkeit gefüllt sfed, und mit 
den Bronchien communieiren. Aber es kommt auch noch bei- 
der Perforation des Lungenparenchyms in Folge der Ent- 
leerung geschmolzener Tuberkelmassen in die Pleurasäcke 
vor; doch sind beide Fälle leicht zu unterscheiden; denn 
hat das metallische Klingen in einer Tuberkelhöhle statt, 



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310 

00 ist es inner rom der Peetovlofuie nid der Traehealen- 
oder ■öfcfen-Iteepiratio» begleitet , was unter der feiste- 
ren Bedingung niemals der Fall ist. unter beiden Uat- 
ständen jedoch, also 1) bei sehr grefsen Tuberkel -Exet* 
▼ationen, mit dornen Wandungen, die Luft wnd Fttsssig- 
keil tu gieicber Zeit enthalten, und' 2) bei den Pneumo- 
thorax in Folge der Entleerang einer Tuberkesadble in die 
Pleura, iet die SonorMt an dm en Upi ec h ende n Steilen 
der Brustweud neck grftfser dt hu normalen Zustande. 

Erläutern wir nun dm «ber dat neMütebe Otogen 
gesagte durch einige edatante KreakbefcsIlHe. 

1) Metallisches Bingen in Felge tekr grolber, Lnft 
tmd Flüssigkeit enthaltender TuberkeUrtMen. 

Ein Madeheu »), » *hr alt, Ten sarter Constitution, 
aber meisteätbetts gnten Befinden, tritt den Malen August 
1824 in die Charit« ein. Sie war noch knner in Wach- 
ten, und kalte 8 Monate rorher eine giftekliehe Entbin- 
dung gehabt. Einige Schmerzen in Epigastrtum abge- 
rechnet, über die tie aeben wühlend der Schwangerschaft 
loch tu beklagen hatte, betend tie tieh in den ersten 2 Mo- 
naten nach ihrer Niederkunft Tottkonnen wohl; nach die- 
ser Seit aber traten Symptome der Phthim auf. Anten 
und Autwurf «teilten sich ein, und wurden seit 2 Mona- 
ten «och lästiger. Zu dieten 2 Hauptsymptomen hatte 
sich eine ttarke Beklemmung, Schmerlen awttehen dei* 
Schultern und im mittleren Theile dea Stermnns Idniuge- 
sellt. Blutungen aua den Lungen nur unbedeutend. IHe 
Stimme, seit 14 Tagen inmer schwächer werdend, war 
jetzt ganx erloschen. Die Efslust, seit dem Beginne der 
Krankheit in stetem Wechsel, war bald schwach, bald 
sehr stark; hlufig wiederkehrende Uebelkeiten, mehr oder 
minder empfindlicher Leib; seit 24 Tagen erbrach sich 
die Kranke von Zeit zu Zeit Seit den 4 leisten Monaten 



«) LomU o. e. pag. 14; premiere Observation. 



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811 

fortwährender Durchfall, starke Kitze, copi&se Nacht- 
whw«fw, immer zunehmende Abmagerung. Frostanfijlle 
hatten «ich beim ersten Beginne der Krankheit eingestellt, 
und wiederholten «ich seit der Zeit täglich. 

Ben 26sten AprU, bleiches und abgespanntes Gesicht, 
unbedeutender Kopfschmerz, Schlaflosigkeit wie seit drei. 
Monaten; Integrität der Verstandeskräfte. — Mäfsjg ftre- 

, quenter Hasten; grünliche, unvollkommen geballte, nicht 
copföse, wie der Athem übelriechende Sputa; schwache,' 
ziemlich akerirte Stiahne; sonore Percussion unter 
den beiden Schlüsselbeinen; Höhlenstimme, me- 

• tallisches Klingen während des Hustens, der In- 
und Exspiration, unter der davicuja "der rechten 
Seite. — Zange in natürlichen Zustande; keine gänzliche 
Appetitlosigkeit; Schwere im Epigastrium unmittelbar nacji 
dem Genüsse von Speisen; den Tag vorher 3 Stuhlgänge 
unter P Coliksehmerzen. — Kleiner, schwacher, sehr be- 
schleunigter Puls; nicht sehr vermehrte Temperatur der 
Haut; JNachtschweifse. — Ausserordentliche Schwäche, 
äußerster Grad des Marasmus» tage auf der linken Seite. 
Pen 17ten Mai klagte die Kranke über ziemlich hef- 
tigen Schmerz in der rechten Seite d.er Brust, den 18ten 
3 Uhr Nachmittags starb sie fast ohne. Agonie bei voll- 
kommenem Bewnfstsein. 

Leichenöffnung, 40 Stunden nach dem Tode. 
Die rechte Lunge adhaerirte ziemlich stark an ihrer 
Spitze und hinten in dem gröfsten Theile ihrer Ausdeh- 
nung an die Costalpleura vermittelst, einer festen und ziem- 
lich dicken Pseudomembran. Ihre aufsere Fläche, statt 
convex zu sein, wie im natürlichen Znstande, zeigte eine 
breite und tiefe Concavitat, die Folge einer ungeheuren 
Excavation, die wir. auf } oder f des Total volumens der 
Lunge schätzten. Sie erstreckte sich von der Spitze nach 
der Basis des Organs, und endete f Zoll vor der letzte- 
ren; sie erstreckte sich ferner, von dem hinteren Rande 



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312 

bis ungefähr \ Zoll vor dem vorderen. AngefINt war sie 
mit einer trüben, ziemlich dicken, gräulichen und bräun- 
lieben Matte, von aashaftem Gerüche, gleich dem von ani- 
malischen Substanzen, die teit mehreren Tagen sieb in 
Maceration befinden. Ihre Wände waren aofserordentlich 
krummgingig, zeigten* an verschiedenen Stellen Lappen 
von sehr verluderter Lungensubstanz, auf dem Punkte 
sich von ihnen zu trennen $ keine Pseudomembran über« 
sog sie; nach Aufsen hatten sie an vielen Stellen nur 1 
bis 3 Linien Dicke. Ioi Niveau der Interlobularspalte war 
die Excavation in 2 ungleiche Theile getheilt, vermittelst 
einer von mehreren breiten Oeffnungen durchbrochenen 
Scheidewand,* die von einer grauen, oft bläulichen und 
halbdurchsichtigen, mit Tuberkeln besetsten Hasse gebil- 
det wurde. Der rechte Bronchus Äffnete sieb fast unmit- 
telbar nach seinem Eintritte in die Lunge und nach einem 
Laufe von \ Zoll in diese enorme Excavation; er war viel 
weiter als der der linken Seite. Der übrige Theil des 
v Organs enthielt viele graue Granulationen und Tuberkeln, 
so dafs der für die Luft permeabele Theil kaum ^ des Total- 
volumens einnahm. Die Spitze der linken Lunge, schwach 
an die Oostalpleura adhaerirend, zeigte eine kleine Höhle, 
fihig, eine Nofa aufzunehmen, und war von grauer Masse 
und Tuberkeln umgeben. Darunter enthielt der obere Lap- 
pen viele grauen, halbdurchsichtigen, in kleine Hassen 
vereinigte Granulationen, von denen mehrere der Pleura 
sehr nahe lagen und äufserMch sehr starke Hervorragun- 
gen bildeten. — Der untere Lappen enthielt sehr wenig.'— 
Das Herz war gesund, die Aorta roth in ihrer ganzen 
Ausdehnung, und diese Rötbe, immer schwächer werdend, 
ging in die Oarotiden und in die Pemoralarterie über. 
Die Dicke und die Consistenz der Arterienhlute war nicht 
sehr vermehrt 



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313 

Die Sonoritüt der Brust unter der rechten Clavicula, 
die Pectoriloquie, das metallische Klingen auf denselben 
Punkten, Alles zeigte hier eine grofse mit Luft und Flüs- 
sigkeit angefüllte Höhle an. 

. 2) Metallisches Klingen in Folge von Pneumothorax 
nach Entleerung einer Exkavation in die Pleurahöhle. 

In einer mehr oder minder Vorgerückten Periode der 
Phthisis stellt sich plötzlich in einer der Brusthälften ein 
heftiger, gewöhnlich von sehr starker Dyspnoe und un- 
sagbarer Angst begleiteter Schmerz und die allgemeinen 
Symptome der acuten Pleuritis zugleich mit dem metalli- 
schen Klingen ein, und halten bis zum Tode an, der län- 
* gere oder kürzere Zeit darauf (24 Stunden bis 36 Tage) 
erfolgt In diesen Fällen fand man immer bei der Lei- 
chenöffnung eine mehr oder minder beträchtliche Menge 
Luft, Eiter und blutgefärbter Serosität in der Seite der 
Brust, wo diese Symptome sich kund gaben; zu gleicher 
Zeit aber auch eine Perforation des Parenchyms der ent- 
sprechenden Lunge, in Folge des Sicb-Oeffnens einer Tu- 
berkel -Excavation in die Höhle der Pleura. Die Bezie- 
hung dieser Syraptorrie zu dem Zustande der Lunge nach 
dem Tode ist so in die- Augen springend , dafs man nur 
die Thatsachen anzuführen braucht, um ihre gegenseitige 
Abhängigkeit von einander zu beweisen. -Der Schmerz 
wird durch den plötzlichen Einbruch der Tuberkelmaterie 
in die Pleura veranlagst, während die Erstickungsgefahr 
und die Angst die Folgen des nicht minder schnellen Er- 
gusses von Luft und Flüssigkeit in die Pleura sind. Wenn 
also bei einem Phthisiker plötzlich das metallische Klin- 
gen mit Schmerzen in ehier Seite der Brust, grofser 
Angst und Beklemmung und allen Zeichen einer acuten 
Pleuritis eintritt, so kann man sicher auf Perforation des 
Lungenparenchyms schliefsen. Es versteht sich, dafs in 
Bezug auf das metallische Klingen hier nur von den Ex- 
cavationen die Rede sein kann, die mit den Bronchien 



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314 

communicireu; es versteht sich, auch, dais oft Perforatio- 
neu der Art in den Lungen vorkommen, wo das metalli- 
sche Klingen fehlt 

Führen wir nun auch für diene zweite Gattung de« 
metallischen Klingens ein Beispiel an: 

Eine Fran >), 26 Jahr all, van schwächlicher Conati- 
tntion und grofter Sensibilität, wird den loten November 
1823 in die Charit* anfj^enommen ; seit langer ala 2 Jah- 
ren abmagernd, achrieb aie ihren traurigen Zustand einem 
tiefen Kummer zu» Obwohl selten an Catanrhen ladend, 
hustete sie doch ununterbrochen seit 6 Monaten mit Ana* 
wurf ; in den ersten 14 Tagen ihres BrueÜeidens hatte sie 
Fieber, Kopfschmerz, Beklemmung, die Sputa waren manch- 
mal blutig; später hatten diese Zufälle nachgelassen. Seit 
6 Wochen vollkommene Appetitlosigkeit, häufig wieder- 
kehrende Colikachmerstn, Frösteln während der Nacht, 
von Hitze und Schweife gefolgt. 

Den löten November, ziemlich belebte Züge ; außeror- 
dentliche Seh wiche, zweiter Grad des Marasmus; seh wache, 
verhüllte Stimme, wie seit 2 Monaten; viel Husten, grün- 
liche, vollkommen geballte Sputa; Athmungsgeräusch 
schwächer in der oberen Hälfte der linken Seite der Brust, 
als rechts auf den entsprechenden Stellen; sonst war die 
Respiration überall natürlich, nirgends WiederhaU der 
Stimme oder Pectoriloquie; keine grofse Hitze der Haut, 
100 Pulsschläge in der Minute, am Tage variier wie an 
den früheren Tagen, um 11 ühr Frösteln mit nachfolgen- 
der Hitze. — Zunge ein wenig roth an den Rändern, zot- 
tig und gelblick in der Mitte; Mangel an Appetit, weiches 
Eptgastrium, Spannung im rechten Hypoehondrium, ohne 
bemerkbare Geschwulst, regelmässige Stühle. (Brustti- 
sane zum Getränk, Liebenabkochung, | Portion.) 

Da die Fieberanfälle die Kranke sehr belästigten, so 



*) Louis o. c pag. 460; Observation XIX 



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315 

versuchte man, sie vermittelst de* schwefelsauren Chinins 
eu unterdrücken; aber in Folge ded Uebelbeundens, der 
SciiwindeLzufälle, de« Summen* vor den Ohren, der Sehmer- 
sen im Epftgaetrium etc., die auf den Gebrauch folgten, 
nralfete man diesem Plane entsagen. Die FrostanfiUe Wie- 
boiweg, aher die Hitze kehrte um dieselbe Stunde wieder. 

Den '4ten Deeember, tracheale Respiration unter der 
Unken Clavieola, Verstopfung, vollständigste Appetitlosig- 
keit, Wiederkehr der Frestanfälle. Während, der folgen- 
den Tage Erbrechen nach den Bustenanf allen , cppiöser 
Durchfall. 

In der ff acht vom Isten auf den 2ten Januar hatte die 
Kranke plötzlich, in der linken Seite der Brust, eine Empfin- 
dung bekonuneu, ähnlich der, die ein Gas hervorgebracht 
haben würde, das in diesem Tbeile der Brust von nuten 
nach oben streicht; zugleich traten Aufserordentlich grofse 
Beklemmung, Halbohnmachten und sehr lebhafter Schmerz 
fakiter der linken Brustwarae ein. Am Morgen währte 
dieser Schmerz noch fort, er war tief; Respiration be- 
aefrleanigter als gewohnlieb, Lage 'nur auf der rechtem 
S^ite möglich, die Empfindung, als ob ein Gas in der lin- 
ken Brusthälfte eireulirte, war nicht mehr vorhanden. 
Links gab die Brust einen Ton, wie wenn man auf eine 
Trommel sehlägt; weder Respimtionsgeräusch noch me- 
tallisches Klingen liefe sich hören; bleiehes Gesicht, er- 
loschene Stimme, entfärbte Lippen; drohende Ohnmacht, 
*# wie sich die Kranke aufzurichten bemühte; kleiner, 
schwacher, 116 Mal in der Minute schlagender Puls. 

Die Respiration wurde bis zum 16 Januar genau un- 
tersucht und man bemerkte folgendes: 

Den 4ten, nahe an der linken Achselhöhle, sehr 
schwaches Zellenathmen und unter dem Schlüsselbeine der- 
selben Seite ein wenig Schteimrasseln. 

Den fiten, 2 Zoll unter demselben Knochen, metalli- 
sches Klingen während des Sprechens. 



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316 

Den 7tcn und die folgenden Tage war dieses metal- 
lische Klingen in noch gröfserer Ausdehnung sowohl heut 
Sprechen als auch bei der Inspiration hörbar; zunehmen- 
der Schmerz, der am Abend de* lOten einen so hohen 
Grad erreichte, daft man Btytegel anzulegen genöthigt war. 
Am anderen Tage, Oppression noch bedeutender, Respi- 
ration sehr beschleunigt, Schmerz minder heftig; das me- 
tallische Klingen wird, wie an den früheren Tagen, in 
den unteren drei Viertheilen der Brust gehört, die sehr 
sonor klingt; das Geräusch des Zellenathmens. fehlt an 
den am meisten tönenden Stellen der Brüst So blieb der 
Zustand bis zum 16ten« Am l?ten nahm die Dyspnoe um 
Vieles zu, die linke Seite gab einen sehr hellen Ton. 
Die Kranke starb am töten ohne Agonie, nachdem sie ei- 
nige Minuten zuvor dem Professor Chomel gesagt hatte, 
dafs ihr Schlaf Noth thue. 

Von dem Augenblicke > an, wo der Pneumothorax eon- 
statirt war, lag sie immer nur auf der rechten Seite, die 
Aphonie verschwand nur auf Momente; der Husten kam 
nicht häufig, die Sputa waren grünlich, geballt, der Puls 
klein, schwach und frequent 

Leichenöffnung, 23 Stunden nach dem Tode. 

Brust Die linke Seite, die nur an ihrem vorderen 
Theile gut resonnirte, enthielt kohlensaures Gas, dem Vo- 
lumen nach 100 und einige C tibi kzoll betragend; der' übrige 
Theil, d. h. ungefähr } dieser Brust, war fast ganz" mit 
einer trüben und grünlichen Flüssigkeit gefüllt Die linke 
Lunge hatte kaum den Umfang von 2 Fäusten und adhae- 
rirte an der Spitze in der Ausdehnung von 2 Zoll der 
Costalpleura; unmittelbar unter dieser Adhaerenz nach 
hinten fand man eine runde 2| Linien im Durchmesser 
betragende Oeffiiung mit dünnen Rändern und mit einer 
Höhle communicirend, in der ein Apfel von mittlerer 
Gröfse Platz haben konnte; diese war krummgängig und 
von einer Art von tuberculösem Breie bekleidet, unter dem 



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317 

sich die Pseudomembran befand; mehrere Bronchien mün- 
deten fn x sie ein. Unter der Exkavation fänden sich meh- 
rere gelbe Flecke, die erweichten Tuberkeln entsprachen, 
welche auf dem Punkte waren, sich in die Pleura zu ent- 
leeren. Der übrige Theil der Lunge war weich, keine 
Luft enthaltend; die Tuberkeln nahmen um so mehr ab, 
je mehr man sich der Basis näherte. Die Pleura war in 
ihrer ganzen Ausdehnung mit einer dünnen, an ihrem obe- 
ren Theile ziemlich festen Pseudomembran bedeckt, und 
*auf dem Zwergmuskel fand man eine grünliche Masse, 
von der Consistenz der Gallerte, die wohl ein Bierglas 
IQllen mochte. Die rechte Lunge zeigte einige Adhaesion, 
ekie kleine Excsvation und Tuberkeln an ihrer Spitze. 
Kleines Herz, vollkommen gesunde Aorta. 



In diesem Falle, wie in allen ähnlichen, erlangt die 
Diagnose einen höheren Grad der Sicherheit durch die 
combinirten Resultate der Auscultation und der Percus- 
sion; denn wenn man die leidende Seite unmittelbar nach 
äem Eintritte der Oppression, des Schmerzes und Angst- 
gefühls percutirt, so ist der Ton sehr' hell, viel heller 
noch als auf der gesunden Seite, während das Ohr, auf 
eben die Punkte applkhrt, die so hell klangen , das Ge- 
räusch des Zellenathmens entweder gar nicht, oder in sel- 
tenen Fällen nur in grofser Entfernung, auf kurze Zeit, 
und in anormaler Weise hört. Dieses doppelte Zeichen 
verkündet, wie schon LaBnnec nachgewiesen hat, die Ge- 
genwart einer Quantität Luft zwischen den Lungen und 
der Costalpleura ; und da dieser Zustand (Pneumothorax) 
eine der unmittelbarsten Wirkungen der Perforation der 
Lungen ist, so kann man mit um so gröfserer Sicherheit 
diese Perforation diagaostieiren, wenn auch, die rationel- 
len Symptome dafür sprechen. Es leuchtet aber auch ein, 
dafr, in Abwesenheit dieser Symptome, die Diagnose des 
Pneumothorax/ rücksichtltch seiner Entstehungsweise in 



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31» 

Folgt der Entleerung einer Tuberkel* BxcavaÜon in die 
Pleura, viel dunkler sein muft, da auch unabhängig toä 
einer Perforation^ der Langen der Pneumothorax fiorkeua- 
men kann. Hört man nun, nachdem früher oder «pa le t 
eine gewisse Menge von eitetartiger Flüssigkeit sich der 
schon itt der Pleura enthal t enen elastischen heigese ll t hat, 
das metaHisdie Klingen, während der Kranke inapfan-t, 
exapirirt oder spricht, so ist dann festlich, seüms wena 
auch jene erwähnten Symptome fehlen, die Perforation» 
der Lnnge in Folge einer mit den Bronchien communis*» 
renden Exkavation anfser Zweifel gestellt; aber leider 
findet dasse Vereinigung vonümstlnden nicht immer W«lt; 
zuweilen communieiren auch die in 4ie Pleura «ich ftflaan- 
den Tuberkelhdhlen nioht aus den Bsoamfaien, und dann 
fehlt das metallische Klingen; suweilen wird, wenn auch 
diese Communicatmn Yorhmaden Ist, das »etattische Klin- 
gen ana dem Gründe nicht vernonmen, weil nur erstens, 
eher noch keine tropfbare Flüssigkeit In die Pleura er- 
gossen ist, ao dafs also die Auseultatiou tUem in keinem 
Falte eine Perforation unmittelbar nach ihrer Entstehung 
erkennen lassen kann» 

Die 7 Beobaehtwagen, von Pncaspothorax in Folge dar 
Entleerung tnbereulftser Exeavattenen in die Pleum, djh 
Lema in seinem Werke. m*Uhaüt, tieften sieh aus seh»* 
allein dorch die Symptome, ohne Betttckaicbtigung dar 
Anscnltatiom und der Percuasion erkennen« Niehtadeato- 
weniger findet dieses nicht nasrar statt; die 3 Falle, die 
Lainnee vorkamen, holen diese Symptome durchaus nicht 
dar, und nur rermUtetsf der physkaUachen Seichen wur- 
den sie. entdeckt 

Es bleibt Jetst nur noch ttbrig, von der übergros- 
sen Sonoritit der Brustwand in dieser «weiten Pfcriede, 
der Pkthisis an sprechen. Abgesehen vom Pneumothorax 
nach Entleerung einer TnherhelMUa in diePlettfa, kommt 
diesen* auch noch bei groften Tuberkel- Kaen^atmncfli 



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' 310 

vor, deren Winde sei» dünn sind, die wenig Flüssigkeit 
enthalten und der Oberfläche der Lunge ziemlich nahe lie- 
gen. Durch die Vereinigung mit anderen Zeichen und 
Symptomen wird dieses Phaenomen oft sehr werthvoll 
für die Diagnose der tuberculosen Exeavationen. 
Zusatz. Um nicht die Grenzen dieses gegen unsern 
Willen schon «u sehr anwachsenden Werkes noch 
weiter hinansznrüeken, müssen wir uns auf das 
über die Diagnosis der Lungenschwindsucht Gesagte 
beschränken. Die anderen und wegen des über sie 
ausgebreiteten Dunkels last noch interessanteren 
Punkte, die die Ursachen und die Natur der 
, Phthisis, die, Prägen, ob sie erblich oder nicht erb- 
lich, eentagfös oder nicht contagiös, heilbar und un- 
ter welchen Umständen, oder nicht heilbar sei, berück- 
sichtigen, die ihr Verhältnifs zu anderen Krankhei- 
ten, ihre geographische Verbreitung etc., beleuchten, 
alle diese Punkte müssqp wir Me* unbeachtet lassen. 



Cäpitel IL 

Krankheiten des Herzens. 



Erster Abschnitt. 

Allgemeine Betrachtungen Ober eile Dlagnone 

der Herzkrankheiten durch pltynlcallnche 

ZeleHen« 

Die Feststellung der Zeiche«, rermittelst welcher Ha» 
die so TerschiedenartigiBn Krankheiten erkennt, denen da* 
Hers unterworfen ist, bietet ein Prahlern dar» dessen Lö- 
sung bei desa hantigen Wände unserer Kenntnisse nur« 



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$20 

iheüweise und unvollkommen gegeben werden kann« Das 
Reich der Herzkrankheiten, wenn wir uns so ausdrücken 
dürfen, ist noch ein jugendliches; in der Gegenwart allein 
wurzelnd, sieht es ans ihr allein die Quellen seines Lebens, 
seines Daseins; die Zeit, dieses nichtigste der Reagentien, 
hat ihre zersetzende Kraft noch nicht daran prüfen kön- 
nen; viele Pfeiler desselben werden rielleicht frühzeitig 
ermorschen , yiele aber werden ausdauern und als Ehren- 
denkmale unserer Zeit für die späteren Jahrhunderte fort- 
bestehen. 

Die Quelle, aus der wir die physiologischen Charak- 
tere und die Krankheitszeichen des Herzens schöpfen, ist 
eine zwiefache, und sie giebt uns 2 Hauptreihen von Er- 
scheinungen, die örtlichen und die allgemeinen, sym- 
pathischen oder Reactionserscheinungen. Dem 
Zwecke dieses Werkes nach haben wir uns nur mit den 
ersteren zu beschäftigen. 

- Unbestreitbar nehmen die Auscultation und die 
Percussion den ersten Rang unter den Methoden ein, 
vermittelst welcher man die örtlichen Erscheinungen, die 
das Herz im physiologischen und pathologischen Zustande 
darbietet, aufzufassen vermag; auf sie folgen erst die Pal- 
pation und die Inspection. Da die Zeichen, die wir 
auf diese Weise erhalten, in der innigsten und direktesten 
Beziehung zu den physicalischen, anatomischen, zu den mate- 
riellen Charakteren des Herzens stehen, so haben sie einen 
unschätzbaren Werth für die absolute und differentielle 
Diagnose der so zahlreichen Krankheiten dieses Organs; 
im Vereine mit den allgemeinen oderReactionssymptomen 
und mit der Kenntnifs von den pathogenetischen Verhält- 
nissen dieser Krankheiten lassen sie uns in vielen Fällen 
mehr erkennen, als nur die anatomischen Veränderungen 
des Organs, lassen sie uns einen Sehritt von der anato- 
mischen zur medicinischen Diagnose thun. Die ver- 
schiedenen Elemente, aus denen die Geschichte vieler 



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33t 

Krankkeiten den Benenn besteht/ verhallen sieh so zn 
einander, dafs, wenn nur einige- gegeben sind,, dadurch 
allein schon die Kerintaifs der anderen bedingt wird. Igt 
ä. B, mit allen anatomischen' Elementen die Y«r- 
eagesung esnes H*rzori4äuflM gegeben, so läfst flieh be- 
stimmen, welches die eonstanten ! und firundratodifieationen 
in den Funktionen des Circulationsapflarats gewesen sein 
müssen % die diese Verengerung: begleitet haben; nnd um- 
gekehrt, .wenn das Blasebalg* , das Rasselgeräusch-, das 
Kätz4nsehwirren in der Praecordialgegend, wefch Unre- 
geUnatiugkeit: der Qerzbewegungen, . Kleinheit' und Unre- 
pelmälsigkeit des Pulses,: allgemein* seröse und venöse^ 
Congestiouen' passiver Art, Ityspnöö, bei der geringsten 
IrörperJidhen Anstrengung zunehmend, etc«, gegeben sind, 
so kann man daraus mit fast ^thematischer Sicherheit 
folgern, dafe irgend ein Hinderriifs dem freien fturehstr£~ 
men des Blnts durch die Her zorificien entgegensteht* Dtin- 
noch glaube man: nicht, dafs alle ■ensente in: der Art 
vorhanden aalen y dafs man»' sie aar > zu combiniren oder 
sn analyskeni braucht* um sieh einte AnssAt * in /die Na* 
tur der Krankheit zu eröffnen. Wären in aUan. Krank- 
heiten anatomische Charaktere nachweisbar, nnd- liefsen 
sich in allen i die, nothwendigen und wechselsweiäen Be- 
aietengen entdecken,' .die .zwischen, diesen Charakteren; .und 
den physiologischen, bestehen .mästen, hätten unsere Kennt- 
nisse von; d^t^emisiA^ituiniVylrjsicalifliBlien Eigenschaf- 
ten dea Organiairtus im > ntnrmalcn;iundrpathai0^isehen Zu- 
stande nur etnigdn Umfang, danü wurden sich allerdings 
auch Beziehungen zwischen! den^ aimtoinisch- physiologi- 
schen nnd .den phjskaUich-^etorilk^en Veränderungen 
euerseits, und den Störungen dervitaäett, der organischen 
Acüen andererseits auffinden lassen, die doch allein über 
die Natur der Krankheiten Lieht so geben vermögen. Dem 
ist aber leider nicht so, weder kn Allgemeinen noch im 
Specieilen, Was die Henaffectionen anbetrifft Finden wir 

21 



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dach bei einer grofccn ZaM von Krankheiten nachdem Ted* 
nicht einmal sinnlich wahrocmbai* Vcrandenuigen,, an die 
ikh die während des Lebens *tatta>hahten Fiuetaaestöriin- 
gen knüpfen lassen, md nmgrtahrt^raisjeh. in den Ofcgs* 
nen, deren Besiehnng an dem Sjrmpton len is* lieben ihm 
ewig dunkel bleibt, und doch scfehtadaose Dinge aar 
erst die Propaedentik, die Ajimiigsgi^de *a der Diagnose 
ausxemachen, freilich nicht so der Diagnc ee im gewöhn*» 
Kernen Sinne dee Worts, wobei der ArÜ hnmeraur dem 
sehnsuchtsvollen Btick nach der afehandhnig, nach der 
Curart gerichtet hat, sondern nach jener Diagnose, die 
allein des Namens der aaedkinischen würdig ist. Was 
riefe unbekannte, wie viele X giebt em hier! eine . wie 
groXse und mühsame Strecke ist noch swichseiegen, auf 
dem Wage, den man den anatomisch -physiologi- 
schen oder den organischen nennen. Junik,; ehe man 
wieder der Spekulation sieh hingiebt. Wie riel Belehrung 
versprich* uns niehl allein die Entwackeiuag des gleiche 
san tranacendentakn Theüa des AnatcÖBkj den Crm**Mier 
so güeklüdt die moLecuIire Anatomie, ist Gegensätze 
sn der Anatomie den Scalpeia, genannt heil 

Die Kxplorasioasiiethoden, dnreh die wir die. loeaksi 
Ertcheinnagcn.hei. denflegtannh heften artaithesn, nndma* 
mentlich die Auseulmtion und die Pennsaion, gewähren 
mir Resultate, wenn man sie auf die: soagfiOtiget» und 
ansdanerndste Weise sa^bi v iiacheVin n^nduaeh lang* 
jihrige Uchnng gau:Miiier Herr geworden ist^ Was wir 
so oft in Besug auf die Lungcnkrankheiisti wiederholt 
nahen, gilt in noch riet höherei» Grade von den Her» 
kraakboiten; die gröbsten Irrtbumer sind emTOunekHich, 
wenn man der Untersuchung nicht den Ernst, die Zeit 
nnd die Muhe widmet, die sie erheischt und ve rdien te 
Nach einmaligem Anlegen de* Kopfes, noch einmaligem 
Percntiren über die Diagnose einer Herzkrankheit sich 
aussprechen, heilst mit jenen Methoden vollkommen na« 



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32$ 

bekannt sein. Aber die mediciniseh* Erziehung mnfs, wie 
schon der treffliche Corpuwi betnerkt, unsren Sinnen 
früh sä Theil werden; im reiferen Alter ist es schwer, 
das in diäter Begehung Versäumte nachzuholen. Wir 
wissen AUe/ wie grosser Uebung es bedarf, um durch den 
Mikroskop s* geben, wie grofser Uebung, um in der Tief« 
des Auges Veränderungen wahrzunehmen, die der Oph- 
tjuümoiog auf den ersten Mick: erkennt, und wir zweifeln 
daran, da/s es eben so schwer sei, hören und fühlen itt 
lernen! Oft ist es uns begegnet^ daf s ein Ton, der; nnse* 
Fem Obre war, was die Schatiaohfarbe nur immer für 
des Auge. sein kann, z. B. ein Bleflebalggeröusch des Her? 
sens, von einen* Ungeübten in dem Grade ubgrhfot wurde, 
dato er darüber an dem Facüacben dar ganzen Methode 
zu zweifeln; anfing, Deshalb kommt bei den; .Resultaten 
der A «Beult atiou, besonders wenn sie negativer Art 'sind* 
so riet auf die Subjektivität dessen an,: der ; sie mittheilt, 
deshalb Jtfrmen wir dem Gehöre Latmee'a und dem Qe? 
rUhle Pi+rry'M so auXserordtmtturiies zutrauen. 

S$hüefsen wir nun . diese aUgemeinen Betrachtung«« 
Ober die JWagno** der Herzkrankheiten m&emtm Httphr 
tigen Blieke auf die zweite Reihe von Ereehcinungen, die 
sieb in ihrem Gefolge befinden, auf die allgremeimen oder , 
ReaeUoasersebeinungen. 

Das Band v das die verschiedenen Systeme in untrem 
Organismus an einander bindet, ist so eng geknüpft, dal* 
die leiseste Erschütterung anf, einem Punkte gleich die 
ganse Jfaaabtae ;j* Bewegung wt»t. Diese Wahrheit wird 
gajas heft0n*er* stark henrottaeten, wen» die Joeale Er- 
ssbutternng ein Organ trifft, den, wie: da« Hers, eine der 
a Statten .darstellt, auf denen unsepl^bens- Breitete ruht 
Die Arten dar -Reaction, die das kranke Rata hervorrufen 
kann, aiad mannigfaltig, wie die pathalagisxhen Zustände 
des Organs selbst; doch lassen sieh zwei Hauptarteh ntf- 
tencheiden: bald nämlich ist diese Reaction eine sein 

21* 



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m 

physische oder mechanische, in dem Falle z. B., wo 
ein tu umfangsreiches Herz die Lange verdringt, sie com* 
primirt, etc., wo die Induration der Yaiveln und die Ver- 
engerung der Oriflcien, in Folge der Hindernisse, die sie 
dem freien Durchgange des Muts in den Weg setzen, pas- 
sive Congestionen nach einer Menge tob Organen veran- 
lassen, etc.; hald imOegentheü ist diese Reaction, wie man 
zu sagen pflegt, sympathisch/ vital, «o z.B. hei den 
fieberhaften Bntzündungen-der verschiedenen Geweb* des 
Hertens. • In diesem letzteren Falle ist, wie Botällowd he* 
merkt, die Reaction gewisBermaafsen eine vielfache, denn 
zu gleicher Zeit mit der vitalen ReaeÜen kann aoeh In 
Folge der' Biterung dasr Blut inficirt werden, kann -auch 
.das Organ mechanisch in der freien Ausübung semer Funo» 
Hohen durch das nicht resbrbtrte Product der Entzündung, 
welcher Art es ftudrseirt «lag, Beeinträchtigung erfoiiete" 

•Wir enthalten uns, Über die vitale Reaction zu spre- 
chen; in Bezug auf die mechanische ist zu bemerken, dafs 
die sogenannten organischen Krankheiten des Herzens, so 
Wie auf die Cireulätion im Allgemeinen, so vorzugsweise 
auf die der Lungen, der Leber, des Gehirns und der Milz 
von dem grdfsten El iriusse sind. Sie seeundären - Krank- 
heiten dieWr Organe , die fa Folge davon entstehen, wer- 
den leider nur zu oft für primäre, jo wae noch schlimmer 
ist, für rein nervös* gehalten. Wem fallt hier nicht jenes 
nervöse Asthma einj das »vor Qorvitart einen so unge- 
heuren Platz in unsrer Pathologie einnahm! '• • ! ^ ' *»i 

Ich habe jetzt eine Frau mit KlappenfSBhlern -des Her- 
zens in der Behandlung, bei der man sich 1 & Jahre lafng 
ohne Erfolg bemüht hat, die consecütfve Wassersucht und 
die sogenannten Infiarctus viscerum abdominalem Zu curi- 
ren. Hotte man hier von Anfang an nur die Hand auf 
das Herz gelegt, mit wie ganz anderen Augen würde man 
den Fall beurtheüt haben! Die seeundären» Zusttedever- 
balUn sich in Bezug auf ihren Sitz oder ihre Legalisation 



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325 

verschieden, je iMchdem das Primärübel in der einen octer 
der anderen' Höhle des Herten» seinen Sitz hat Dieses 
ist ganz einleuchtend , wenn man die anatomischen und 
physiologische Beziehungen der linken und redten Herz- 
hafte in Erwähnung zieht Ist z. B. d<ör linke Ventrikel 
stark hypertrophirt, so ist das Gesicht im Allgemeinen 
roth, belebt, die Augen glänzen, Zufälle von Betäubung 
stellen sich ein; hat die Reaetion den höchsten Grad er- 
reicht, so kommt oft starkes Nasenbluten, ja nicht selten 
selbst eine Haemorrhagie des Gehirns hinzu. Ist im' Ge- 
gentheil der rechte Ventrikel stark hypertrophirt, was 
v^el weniger häufig stattfindet, so tritt nicht selten leich- 
tes Blutspeien, in manchen äuüsersten Fällen sogar eitie 
schnell wie der Blitz treffende Apoplexie der Lungen ein. 
Die Erklärung dieser Verschiedenheit ergiebt sich von 
selbst Trifft das Blut bei seinem Durchgange durch die 
Höhlen und Orificien ein mächtiges Hindernifs an, wie 
z. B. bei der Induration der Klappen < mit starker Veren- 
gerung der Orificien, denen sie angehören,, so wird, wek 
efees auch der Sitz dieses Hindernisses sein mag> sicher- 
lieh eine bemerkeöswerthe Störung in der arteriellen , ve- 
nösen und capOlären Circulation sich immer kundgeben. 
Aber diese Störung, und die Umstände, welche sieb daran 
knüpfen, werden Verschiedenheiten darbieten, je nachdem 
das Hindernifs in dem rechten oder in dem linken Herzen 
residirt. Besteht es in dem linken Herzen, so geben die 
ersten Wirkungen davon in dem System der Puleaonal- 
Venen und folglich auch in den Lungen selbst sich zu 
erkennen , nach und nach werden auch die- rechten Höh- 
len , die Venen , welche sich in den rechten, Aurikel ein- 
münden, die Leber etc. etc., in das Leiden hineingezogen» 
Ist es dagegen das rechte Herz, wo > das Hindernifs seinen 
Sitz hat, so «überfüllen sich, wenn man so sagen darf, die 
obere und untere Hohlvene, die Venen der Leber, der 
Milz, des Gehirns, des Gesichts mit N Blut, daher dp pas> 



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826 

siven Congestionen nach diesen verschiedenen r Thcilen. 
Diese Congestionen gehören nicht ausschtiefolich den Krank- 
heiten der rechten Herzhöhlen an, denn, wie wir eben 
gesehen haben, kommen sie auch im weiteren Vorlaufe 
derer vor, die die linke Hüfte dieses Organs hefallen; 
doch ist es keinem Zweifel unterworfen, dar* sie schnel- 
ler und hi einem höherem Grade in dem ersteren als in 
dem letzteren Falle eintreten, während hingegen die pas- 
sive Blutüberfuihmg der Lunge nicht eine so nothwendige 
Folge von Klappenfehlern in den rechten, als von solchen 
Fehlern in den linken Hohlen zu sein pflegt. 

Es versteht sich von selbst, dafs nicht mechanische 
Hindernisse, die sich dem Durchgänge des Bluts durch 
die Orificien in den Weg stellen, allem es sind, die die 
Cfrculation auf diese Weise beeinträchtigen können; die 
Dilatation, die Hypertrophie und die Erweichung des Her- 
zens bringen ebenfalls diese Wirkung hervor. 

Es geht ans dem Wenigen, was wir gesagt haben, 
zur Genüge hervor, wie unentbehrlich genaue physiolo- 
gische Kenntnisse bei der Diagnose der Herzkrankheiten 
Sind« „Es ist nicht genug, ruft Corvisart ans, dafs der 
Art* alle Hebel und Federwerke 4^n menschlichen Körpers, 
ihrem Namen, ihrer Form, ihrem Orte, ihren Lagen Ver- 
hältnissen und, wenn es angeht, ihrem Principe nach 
kenne, er mufs auch mit seinem Geiste alle Räderwerke 
dieser so erstaunenswerthen Maschine beleben, er muffe 
unaufhörlich am lebenden Menschen alle Erscheinungen stu- 
dieren, die die Action der Theile begleiten; er raufs fort- 
während diese dem Leben und der Gesundheit eines jeden 
Organs eigentümlichen Erscheinungen mit den Störungen 
vergleichen, die bei dem Kranksein dieser Organe ein- 
treten, ete." 

Sehr selten kommt eine Herzkrankheit einfach, ohne 
Complicationen vor; von den gleichsam notwendigen 
€ompücaHonen ist eben gesprochen worden; wir wollen 



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887 

mir deren mit einigen Worte© gedenken j die früher zum 
Theil übersehen werden sind, bis in den neuesten- Zeiten 
MwäUaud auf sie die Airfh*erfcsamkeit der Aerzte gelenkt . 
hat. Bemerken wir jedoch dabin, dafs Bmriüawd Sehr ge- 
neigt ist, die Entzündung übentt wie grofse Rolle stielen 
zu lassen. 

1) Die Entzündung (die actrte sowohl als die chro- 
nische) der aufselren Holte des Heraens ist sehr häufig 
von der Entzündung der inneren Haut des Herzens be- 
gleitet; das umgekehrte scheint nicht so häufig zu sein. 
Erst seit 2 Jahren hat sich Bouillaud auf eine positive 
Weise von dieser Wahrheit überzeugt. Diese Complica- 
tion ist sehr natürlich, wenn mau bedenkt > dafs beide 
Membranen ihrer Natur nach identisch sind (beide von 
sero- fibröser Textur), und dafs sie an manchen Stellen 
so nahe an einander liegen, dafs ihre aufseren Flächen 
sich fast berühren (an den Auriculo - Ventricular - Orifi- 
cien, etc.). Das Zell- und Muskelgewebe des Herzens 
nehmen häufig aueh Theil an diesen zweifachen Entzün- 
dungen der fibrös -serösen Membranen. 

2) Die Entzündung der unteren und Aufseren Mem- 
bran des Herzens isl in eitier sehr größten Zahl von 
Fällen von einer Entzündung der Pleura und der Lungen, 
oder von einer Entzündung der sero -fibrösen Gewebe der 
Articulfttfonen begleitet (acuter Gelenk -Rheumatismus). 

3) Die rein nervösen Affectionen des Herzens, die 
PalpitaÜonen besonders, sind gewöhnlich von Krankhei- 
ten derselben Natur in anderen Organen, namentlich im 
TAttgeA, den Eingeweiden, den Lungen,, den änfseren Sin- 
neswerkzengen und selbst dem Gehirne begleitet, wodurch 
Mich die nervösen Palpitationen von denen unterschieden 
werden können, die den organischen Krankheiten des Her- 
zens angehören. S$ne andere Art von Compücationen, die 
steh eng an die ebengenannte anschhefst, wird durch die 
Cöexistaii* der Palpitationen mit der Anettiie und der 



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328 

Chlorosis bedingt Auch bei diesen PalpHationen werden 
noch häufiger als bei den enteren das Teufelsger Husch, 
oder das musicaüsehe Pfeifen In der Carotis und Sub- 
clavia als bestandige Begleiter gehört 

Dafs die Affectionen des Herzens häufig tou Krank- 
heiten der Hauptarterienstamme und namentlich der Aorta 
begleitet werden, ist. eint so allgemein bekannte Sache, 
dafs wir kaum davon zu sprechen mHhig haben. 



Zweiter. Abschnitt, 
1Ta>m der Ferlc»rditia. 

Von der Diagnose der FericorditU vor nneerer Zeit. 

Bis auf unsere Tage wurde die Diagnose dar Pericar« 
ditts für aufserordentlich schwierig, in manchen Fällen, - 
wo eine andere Krankheit', namentlich eine Pleuritis oder 
ein acuter Gelenk -Rheumatismus die Entzündung des Herz- 
beutels maskirte, für unmöglich gehalten. Latwiec glaubt, 
dafs sehr häufig die Krankheit eher errathen als er- 
kannt werde, denn man könne sich des letzteren Wortes 
nicht bedienen, wenn man keine bestimmte Zeichen habe, 
und eben so häufig sich täusche als das Richtige treffe. 
Er tritt in dieser Beziehung ganz der Meinung Cotvufarf* 
über das Erkennen dieser Krankheit bei. 

In seiner schönen Denkschrift über die Periearditis 
hat nun vor einigen Jahren der treffliche Lome, nachge- 
wiesen, dafs diese Krankheit keineswegs immer so schwer 
zu erkennen sei, und dafs in den Fallen, wo man darauf 
beschränkt war, sie zu errathen, dieses mehr an der Un- 
Yollkommenheit der Untersuchung als an der Krankheit 
selbst gelegen habe« So viel die Arbeit Louis" z zur Auf* 



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329 

hellung des über die Pericarditis verbreiteten Dunkels 
auch beigetragen hat, so erhellte sie doch den Gegen- 
stand nicht ganz; sie ist besonders unvollständig in der 
Art, als sie die Anwendung der Auscultation von der Dia- 
gnose dieser Krankheit ganz ausschliefst, obgleich diese 
Methode hier nicht weniger reiche Resultate liefert, als 
die Percussion. Bouiilaud und Hofe haben auch hier 
sieh die gröfsten Verdienste erworben. 4 

Die anatomische Geschichte der Pericarditis ist von 
LaSrmec so vortrefflich bearbeitet worden, dafs es nicht 
möglich war, seit der Zeit etwas von nur einiger Bedeu- 
tung hinzuzufügen./ Wir können da^er, auf ihn, auf Louis 
und Bouiilaud verweisend, ganz darüber hinweggehen. 
Die zwei Hauptperioden der Krankheit entspringen unmit- 
telbar aus der Betrachtung der anatomischen Verände* 
rang, die das Organ in der Pericarditis darbietet, und sie 
müssen bei der Darstellung der fchysicalischen Zeichen 
vorzüglich berücksichtigt werden* Es sind dieses: 1) Die 
Periode der entzündlichen Congestion und der Secretion 
von Pseudomembranen oder von Eiter (der acuten Peri- 
carditis angehörend); 2) Die Periode der definitiven Or- 
ganisation der Pseudomembranen und ihrer verschieden- 
artigen Transformationen (Periode der chronischen Pe- 
ricarditis). 
Zusatz. So lange bei der Diagnose der Pericarditis 
nur die funktionellen, die Reactionserscheinungen 
berücksichtigt wurden, muüsten diaHächwierigkeiten 
dabei unübersteigbar sein, schon, allein deshalb, weil 
hier die örtlichen und allgemeinen Symptome sich 
vermischen, in einander überschwimmen, wie bei 
allen acuten Krankheiten des Herzens. Wo giebt 
es eine Krankheit eines Organs, die nicht auf den 
Puls, auf die Herzthatigkeit Reaction hervorbrächte? 
woran soll man aber erkennen, dafs diese allge- 
meinsten aller Reactionserscheinungen, an die wir 



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830 



zuerst bei dem Werte Fieber denken müssen, in 
dem einen Falle örtliche Erscheinungen sind, d. h^ 
in unmittelbarer Begebung zu dem Centralotgane 
der Cireuletion stehen, in luderen Fallen aber mü- 
den allgemeinsten Ausdruck, eines Leiden« darstel- 
len, da» an jedem Orte fcdrt «ein kann? 

. Abatrabirt man aber salbet von der, wenn man 
so sagen darf, zwe ide u tig en Rolle, die hier die 
hauptsächlichsten Reactkmscrschcinnngen spielen, so 
mufs man doch gestehen, dato die Unbeständigkeit, 
die Versobiedenartigktit dieser , Erscheinungen in 
keiner Krankheit grttfser sein kämen als in der 
Perfeardis. Bald ist z. & In der acnten Pferiear- 
ditis der Pols frequent, toII, stark, regelmässig, die 
Baut fceifs, schwitzend; bald hn Gegcntbeü ist der 
Pah klein, unterdrückt, ungleich, unregelmafssg, 
sehr beschtamigt, und die Hant heifs, bei dem koch- 
sten drade von Trockenheit So ist es mit der 
Dyspnoe, so ist es mit dem S ch m erle« Beide kön- 
nen bei nicht bedeutender Entsendung sich auf* 
höchste steigern, nnd dem Kranken einen tausend- 
fachen Tod bereiten; beide können fehlen, wo nach 
dem Tode das Hers zolldick mit Pseudomembranen 
besetzt gefunden wird. So ist es auch nrit den 
Ohnmächten. 

Ob mm Torzugsweise diese Erscheinungen in 
den FaÜen henrortreten, wo die Pericarditis durch 
eine EntzAndang der Pleura, und namentlich des 
das Zwergfell aberziehenden Tbeite derselben com- 
plicirt wird, wie B owämud behauptet, ist noch 
nicht erwiesen. 



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831 



§2. 

Physicalische Zeichen der Pericardüie. 

I. Di* Herzschläge sind starker und frequenter ab 
Im- Nöfmatztistande, zuweilen regehnliffcig, zuweilen unre» . 
gelmäfstg, ungleich, ktüriBisch, intermittJreud und Mehr 
oder minder heftige Palpilationen darstellend. Die auf 
die Praecordialgegend ruhende Hand unterscheidet in 
mandhen Ffillen die Sehläge vottkonimen gut; zuweilen 
sind sie sogar dem blefsen Auge sichtbar (in der Prae- 
cordialgegend); doeh sind, im tiegentheil, die Falle nicht 
selten, wo sie dem Ctosichte so wie dem Oef&hle verbor- 
gen bleiben (Bouitkmd). ich habe noch keinen Fall von 
PerfearäKis gesehen, wo dieses letztere permanent und 
länge Zeit hindurch stattgefunden hltte, wohl aber sind 
mir Kranke vorgekommnn, wo, nach einem oder mehre- 
ren fühl- und sichtbaren Schlägen, das Herz so zu nagen 
mehrere Tempos hindurch für die Hand wegblieb, wie 
bei Klappenfehlem. In diesen Fällen ist immer die Hasse 
der in den Herzbeutel ergossenen Flüssigkeit sehr be- 
trächtlich; in diesen Ffillen sind auch die Contractfonen 
de* Herzens nicht stärker als im Normalzustände, sondern 
Schwächer, wenigstens dem Scheine nach. 

Bomllauä will beobachtet haben, dafs in der Periode 
der Pericarditts, wo die Organisation der Pseudomembra- 
nen beginnt, nachdem die Entzündung abgelaufen ist, zu- 
weilen die Sie Herzbewegung, auf eine höchst sonderbare 
Weise, gleichsam in 2 Tempos isftd mit einem Gefühl von 
Plätzen vor sich gehe. 

H&cnst auffeilend Ist es mir, dafs das ht atzen* 
schwlrrien' noch von keinem Autor als Zeichen der Pe- 
rikarditis angeführt worden ist. Ich habe es mehrere 
Male auf eine höchst ausgesprochene Weise wahrgenom- 
men. In einem Falle, hei einer Frau Vielbock, die an 



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333 

einer acuten Harzbeutelentzündoqg litt, machte ich ab- 
sichtlich Romberg auf dieies Phaenomen besonders auf- 
merksam, um mich auf ihn berufen zu können; die Frau 
starb unter entsetzlichen Leiden in der Charit^; bei der 
8ection fand man aMc Spuren einer den ganzen Herzbeu- 
tel umfassenden Periearditis, Pseudomembranen auf allen 
Stufen der Ent Wickelung, und viel ergossene Serositft 
Ich glaube sogar , auch in der chronischen Periearditis 
das Katsenachwirren beobachtet zu haben. 

II. Auf den Vorsprung oder die Wölbung der 
Praecordialgegend bei der Periearditis hat Louis zuerst 
anftnerksam gemacht Bowjhud belegt diese Beobach- 
tung durch mehrere Krankheitsfälle. 

IIL Die Percussion der Herzgegend giebt einen 
matten Ton, dessen Verbreitung in directer Beziehung zu 
der Quantität der ergossenen Flüssigkeit und der entzünd- 
lichen Anschwellung des Herzens selbst steht Zuweilen 
bestehr die Mattigkeit in dem unteren Drittheil, zuweilen 
selbst in der ganzen unteren Hälfte des vordem und äus- 
sern Theils der linken Brust Nur wenn die Quantität 
des Exsudats im Herzbeutel schon bedeutend ist, tritt 
diese« Zeichen hervor. Die sogenannte trockene Peri- 
earditio, bei der nur -eine sehr geringe Menge pseudomem- 
branöser Flüssigkeit abgesondert wird, giebt nur dann 
an dieser Erscheinung Veranlassung, wenn dabei eine 
entsftndlicbe Anschwellung und Aufwulstung des Herzens 
in. hohem Grade stattfindet (Bou&aud). Est ist mir noch 
niqht geglückt, das Niveau der Mattigkeit durch verschie- 
dene Lagen und Stellungen des Kranken zu verändern, 
obgleich am Cadaver, wenn man den Herzbeutel vollge- 
pwnpt hat, dieses immer gelingt Ist das Exsudat nicht 
sehr bedeutend, so giebt es sich bei der gewöhnlichen 
Lage des Kranken, die .dip Bückenlage ist, aus einem 
sehr einfachen Grunde nicht durch den matten Ton zu 
erkennen. Es bedarf auch kaum der Erwähnung, daft 



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338 

4 

dieses Zeichen mir erst im Verein mit anderen, und na- 
mentlich mit den auscultatorischen Zeichen, werthvoll für 
dl» Diagnose der Pericarditis wird ) denn wie viele andere 
Krankheitszustande», aufser der Pericarditis, können nicht 
«inen matten Ton in* einer grofsen Ausdehnung def Brust 
Heranlassen! . ; , . ^ 

IV. Bie Anseultation hat erst in den allerneue- 
steil Zeiten Resultat für flie Erkenhtnirs &4r Herzbeutel- 
entzündung geliefert. Die Geräusche, die diese Krankheit 
efcarakterisireri, haben wir ün Allgemeinen Theil (Seite 
151 und 152) unter den Bezeichnungen •*&*& rauschen- 
den Her* beut elgferS tisch es, des Geräusches von 
neuem Leder, 4es &oh v ab<egeraufiches.und des Bla- 
s eb alggeröusches ausführlich besprochen. Wir haben 
schon dort darauf* aufmerksam genutehti, dafo das rau- 
schende HerzbeutetgeräubehJiii dem Grade häufig ist, als 
das Geräusch Ten: neuem Leder selten, vorkömmt; wir ha- 
b^ äii? defr Uhtertehzeü zwischen diesem Geräusche und 
fem i Geräusche/ der auf- und absteigend«* Reibung bei 
der Pleuritis hingewiesen, Ein reines: Biasebalggeräusch 
haben wir selbst in zwei Fallen von Pericarditis aufs 
deutlichste gehört; auch Laihain, Hope und Stockes, so 
wie mehrere franz. Beobachter, haben ^es vernommen. 

Abgesehen von^ den Aftergeräuschen, so ertönen auch 
die normalen Herzgeräusche, bei bedeutendem Ergüsse in 
den Herzbeutel, dumpfer,, tiefer, wegen ihrer gröfseren 
Entfernung vom Ohre. 

Es bedarf auch kaum der Erwähnung, dafs die Aus- 
cultatioh, so wie di*l!alpati«n uikl das Auflegen; der Hand, 
uns die Störungen im Rhythmus der BcrxliiäUgkeit erkeri- 
nen: lassen, die so. oft die Pericarditis begleiten. , 

Zusatz. Auf den Schmerz in der Herzgegend, als Sym- 
ptom der Pericarditis, hat man früher grofsen Werth 
gelegt; doch kann es nichts Unbeständigeres geben 
-als dieses Symptom. Bomäaud hat in der neuesten 



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384 



Zeit sie* bemftbt, ei« Gesetz I» ter Äegetteeifr 
keit des Sebeierzee bei der Parieardftk zu an** 
decken, und tkeHt folgende Resultate teuer Beob- 
achtungen hierüber mit: 

1) Je einfacher eine Perkarditts ist, nn ie 
eber feblt der Schmerz ganz und gar, od«*, wenn 
er vorbanden wlre, so ist er na se unbedeutender. 
Daher hat Lm ir m tc mit Recftt gegen, Cort>*t«tf he» 
banntet, dafc r von alten Arten der Entzündungen 
des Herzbeutels» die ohne CeauHiifcation die Ute*? 
testen seien. 

2) Auch die, rhenmatUch* Perkarditts ist 
häufig ganz; schtoersUtfy ©der doch seht wenig 
sehniershaft, wenn keine FlswittiA sie begleitet* 

. 3) Bd der€onpliealSen derReska^dh^ mä 
letztgenannten Kmnkheit aber ist der Schnurz nrttr 
stenthetts, obwohl nicht beständig zugegen, heseub 
ders wenn die Unke Pleura: leides? nie aber ist cbe4 
ser SehuMfrs lebhafter, als wem*, de* buk*, Tauet 
der 2wwj»öllaplenra entzündet ist >); 



Ux liier A*rs«fc*|tt> 
Wfr pm* ttw»lfc* e ' efcat 



"* 1 '' 7 

Allgemeine Bemerkungen über die Hypertrophie des Herzens. 

Obgleich jdU Gewebe, ans detien das Herz besteht, 
sich hypevtropuiren können , so sprechen wir doch hier 
speciell nur von der Hypertrophie der Mußkehrabitanz 



*) Wir müssen leider darauf vewkJtfe% einzelne belehrende 
und erläuternde Krankengeschichten hier so wie im Folgenden 
mitzutheilen: Der einmal vorgeschriebene umfang und Preis 
des Werke* setsen uns imfibewchreitbare Grenien. 



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3S5 

des Hertens. Diese KrmüÄeitsform, die üeberettÄ^rung 
der Ftoisehsubstanz des Herzens* ist, erst seil l^Ugehö* 
rig gekannt und gewürdigt. Vor dieser Zeit warf man 
sie theils mit der Heterotröphie des Herzens zusammen* 
(und that nicht so Unrecht, da beide auslände so häufig 
coexistiren und sich ursachlich bedingen) , theils subordt* 
nkte man sie durchaus der Erweiterung (Corvisari), und 
machte jene so tief in unserer Wissenschaft eingewurzelte 
Unterscheidung in actives und passives Anevrysma 
des Herzens. Drei Memoiren ronBerän r der Aeademie 
royale des scwncci im Jahre 1811 überreicht, gewan- 
nen der Hypertrophie, ihre Selbstständigkeit wieder, indem 
sie dm-tlttten, daft diese Krankhsitsfprm nicht immer mit 
Erweiterung yerbnnden sein müsse, sondern auch ohne 
dieselbe existire, indem nämlich dto Höhle des Herzens 
entweder ihre normale Größte dabei behalte, oder sogar 
kleine* würde. An die Stolle der von- Corvitari einge- 
fahrton ungenauen Unterscheidung trat nun eine neue Ein* 
theilung und Benennung. 

Berücksichtigt, man den Zustand der. HftUe» deren 
Wände hypertrophisch sind, so ergehen sieb drei sehr un- 
terschiedene Formen der Hypertrophie. 

1) Einfache Hypertrophie, Verdickung der Wan- 
dungen, bei natftrüeher jüapaoitftt der Hffhle. 

2) Hypertrophie mit Erweiterung (excentrisefae* 
anevrysmatische Hypertrophie von Her/m). Die Wände 
brauchen hier nicht immer verdickt zuseht? nur ihrem*-* 
male Dicke brauchen Sie hehalten:zu nahen, um eine Hy» 
pertoophie . zu veranlassen, die. zu. der- Vermehrung - der 
Oapaeitfit der Hohlen in Verhältnis steht. Daher sind hiev 
zwiei Unterarten zu bemerken« . 

o) Hypertophie mit Erweiterung bei verdickten 

Wandungen, 
*) Hypertrophie mit Erweiterung ohne Verdickung 

der Wandungen. 



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836 

8)üHypertrophie mit Verengerung (eoncentrisehe 
Hypertrophie von Bertm), besteht iu der Verdickung der 
Wandungen «üf Unkeeten der CapaciUt der Höhle. 

Bedient man sieh der eben genannten Bezeichnungen, 
so deutet man damit. das Vorwalten- der Hypertrophie vor 
der Dilatation an, wenigstens den Symptomen nach. Prae- 
domiuirt umgekehrt die Erweiterung (vergleiche Ab- 
schnitt Erweiterung), so sagt man Erweiterung mit 
Verdickung, etc. 

. Am häufigsten kommt von den Hypertrophien die Hy* 
pertrophie mit Erweiterung vor. Viel* seltener ist schon 
die Hypertrophie mit Verengung, von d« ßpuülaud he« 
hnuptet, dafs sie öfte* und in höherem Graule des rechten 
als den linken Ventrikel befalle. Am seltensten findet sieh 
ohne Zweifel die einCache Hypertrophie vor, besonder» in 
so fern es den rechten Ventrikel betrifft . 
' Die Erweiterung kann so bedeutend sein, dafs ein 
Ginseei in der Höht* des Ventrikels Hatz hat; im Gegen- 
theil kann die Capaeität der Höhle im dem -Grad* ahge-t 
Murinen haben, dafs, wie JLoms fand, dfcr Unk* Ventrikel 
kaum den ersten Phalanx des Daumens su beherbergen, im 
Stande ist :•' 

-, . Das Gewicht des. Organs kann bei der Hypertrophie 
bis um das Dreifache das normale Gewicht übersteigen. 
Die Varietäten, die. Bouülaud hinskäits de* Gewicht« bei 
der Hypertrophie gdbnden hat, liegen zwischen 22 Uni. 
(maxünum) und 12 Uns. (minununi); Die Dicke der 
Winde des linken. Ventrikels vatrhrt von 7 bis 14 Linien, 
die des rechten gewöhnlich von 3 bis 5 Linien , doch l|at 
Böuitiaud . auch Verdickungen der Wände der rechten 
Hershöhle gesehen, die 1 Zoll, 11 y ja 16 Linien beteiligen. 

Der Umfang der Basis des Herzens steigt In der Hy- 
pertrophie oft auf 12 Zoll und drüber; der Longitudinal- 
Durchmesser betrug in einigen Fallen 5 Zoll, der trans- 



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«37 

versale 8Zt>UL Mitt hat hypertrophische Hejjzen die Hälfte 
4er Jansen virileren. Brustwand 'einnehmen sehen. > 

Von den Veränderungen, die die Hypertrophie in,. 4«? 
Form, dar. L«g*e> der Richtung des Heizens und in 
seinen Reziehuj^enjzu de« Na:obb^rorga,Ben her* 
beigefübrt, i*t aejwm gesp«K*e^ !warde*<p^ S7 y 8d, 9$ 
&I). Wir wiederholen nur noch ejnfnftl: l) 4a& in den 
grofeen Hypertrophien mit Enreitemi^ der Trans ver«ftl r 
Ifetrchmesäer es- bei vMtem- übertuen Vertieften und üher 
den Durchmesser von vom nueft hmtm, *4*von tr%t, so 
dar«, wie schon Jhßgwßc gut bemerkte, 4a« Herz in #te- 
sfcn Fällen: d#a t ;Form einet P*trontasche ^annimmt; 
2) .dafs d&s hyper^ropbig^be Rerai in Fo%« seiner grtffse- 
ren Schwere und der Nachgiebigkeit d&s Zwergfells tle£er 
hinabsteigt, so dafs es in der epigasiriscben Gegend pul- 
sirt. (Nur wenn bei bedeutender VergrPfserung dee Her- 
zens der Herzbeutel gleichzeitig verwachsen ist, wird fas 
Herz durch die Anfceftungspunkte de^Perieardiums in einer 
höheren Lage erhalten, als seine Schwere es sonst zuiiefse, 
und veranlagst dadurch, dafs es nun zwischen der Wirbel- 
säule und den vorderen Wandungen der Brust eingeklemmt 
liegt, leicht ei« ungewöhnlich starkes Hervortreten 
4er Praeeordjalge#end« JPies* vortreffliche Bemerr 
kung von Hope bafee ich oftmals bestätigt gefunden.) - 

3) Dafs wenn des reehte Ventrikel allein hypertro- 
phisch ist, er tiefer hinabsteigt ah der link^, und die 
Spitze des Herzens bildet. . 

4) Dafs die Hypertrophie der Ventricular-Scheidewand 
gewöhnlich auf Unkosten der rechten Herzhöhle Statt 
findet 

f 5) Dafs in fler einfachen Hypertrophie und in der 
mit Erweiterung die Dicke der Wandungen im Allgemeinen 
von der Spitze des Herzens nach der Basis hin zunimmt, 
wie im Nonualzusfande, während hei der Hypertrophie 
mit Verengerung die DJc^e oft an allen Stellen gleich ist, 

22 



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SM 

#as besondere dem Urnen Jen© rumie, kugelige Form 
giebt, Ten der wir schon Im allgemeinen Tbeile gespro- 
chen haben. 

Die Bfushelsubstim* Mi bei de* Hypertroph** gewöhn- 
lich fetler und rtither ah» im normalen Znstande, doch 
ist die» nicbt Immer der FtAL BrrtfeM fcidetseu diese 
Festigkeit einen hoben Örad, so Wird *ie mu- Verhär- 
tung. Die Verdickung eher, bei der die ttusketsubstauz 
des Herzens verhärtet oder erweicht oder leicht serreUs- 
bar Ist, darf durchaus nicht ndt «fer rein hypertr o phis chen 
TenHtkung sneanftmengeworffcn werden. ' I» der letzteren 
ist nur die Quarititit des Organs beehmftchtigt, wib- 
rend in den erstgenannten AÄectienen die Qualität so wie 
filtt Quantität leiden. 

Bouiliaud behauptet, daft die Hypertrophie des Mus- 
kelgewebes des Hertens inimer Tereint mit den chronischen 
Zustfttden angetroffen werde, die als Ausginge einer chro- 
nischen Pericardfti* oder Endocardttts sin betrachten sind, 
und dafs Ausnahmen Ton "dieser 1 Regel nicht blutig vor- 
kommen. Diese Behauptung bedarf noch In hohem Grade 
ftfer Bestätigung. 

Die Unke Kammer ist mehr als -die rechte geneigt, 
sich 2ü hypertro^hiren. Es ist gewöhnlich die Hypertro- 
phie nüt Erweiterung, die sie heimsucht 

Anch die Hypertrophie der Vorkammer« die Glicht sel- 
ten die der entsprechenden Kammer begleitet, Ist meist 
eine Hypertrophie mit Erweiterung. 

..... §i - v . 

Fhyeicmlieche Zeichen der Hypertrophie den Her%ene im Allge- 
meinen. . 

I. Bei bedeutender Hypertrophie sind Xt Herzschlage 
in einer grofsen Ausdehnung der linken Seite der Brust 
nnd gegen äie Magengruben nittitbrt, w6 sie einen anf- 



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ttleikleh Sttfs n&d. einer tiefe Erechn^erräg veranlassen. 
Dte SpMae dea Hetz ens, tiefer und; mehr link» liegend, 
hebt de» Wen, den 7teu, oft den» 8ten Zwisehemrippenraum 
ettpor, wÜmmÄdiV Bewegungen de» Baste dem 3ten 7 oft 
*dk«t den 2ten Äwiechenrippenraume entsprechen. 

IL Der Impuls, der 7 dem Stetboscope in der reinen 
Hypertrophie mhgetheiit wird, ist sehr stark, oll unange- 
nehm stark für de* Kopf des Beobachters, der dadurch m 
die H*he geschleudert wird. Je stärker die Hypertrophie 
ist, devto Uinger dauert da* Tempo der Kammereontractkn; 
k bei einem hohen Grade des üebels geht es ganz alto&htig 
vor sieh, so dafs es uns vorkommt, als schwelle das Herz 
an, tmd lege, sieh zuerst nrit einem einzigen Punkte, dann 
mit «ine* gmmen*Merficlie an 4 die Wandnnge* der Brost. 
Ofk Rttckstof* ist am bervortrettiwteteB *m der Hypertro- 
phie mit Erweiterung; dock ist er auch bei der einfachen 
Hypertrophie oft sehr betrlcMlieh. Bei der Hypertrophie 
mit Verengerimg habe ich ihn no*h nicht beobachtet, ob- 
gleich, nach Hope, bei einem beträchtlichen Grade dersel- 
ben er ebenfalls rorkonmen soM. 

. Mit Ausnahme der Paroxysmen, wo sie sieh zu Pal- 
yttationen steigern, sind die Herzsehlage in der Hypertro- 
phie niekt frequeHter als im normalen Zustande, ja sie 
sind bei starken Hypertrophien langsamer, wohl in Folge 
dar längeren Dauer der gleichsam sieh hinspinnenden 
€*nträetionen: Auch ist der* Rhythmus nicht getrübt, 
wenn nicht Klappenfehler die Hypertroph!« eomplicireAv 

HL Die Gero w& che des Herzens bei der Hypertro- 
phie aind nach der Form derselben Verschieden. Dicke 
Wandungen sind natürlich wenig geeignet 1 , den Ton zu 
verpflanzen 5 planer werden bei einem honen' Grade von 
Verdickung (12 bis lfr Linien und mfchr, BouiUäkd), wenn 
gleichzeitig die- Höhle ihre normale Capadtät verloren hat, 
die Geräusche dumpf, matt, gleichsam erstickt tönen. 
Ist aber^lie Verdickung keine sehr bedeutende, hat dabei 

22* 



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340 

die Hoble an Lumen nicht verloren, oder ist sie' 
erweitert, so sind die Geröusefae stärket, «onorer, 
heller, und lauen neb in einer großen Ausdehnung de* 
Brusthöhle, selbst an der hinteren Wand derselben ver* 
nehmen. Zuweilen läfet sieh dann auch das metallische 
Klingen bei jeder Systole der Ventrikel Urem, 

Bei der einlachen Hypertrophie kommt selten das Bla- 
sebalggerfiuicb und dann nnr sa •>* Patisecjrsmen var 
Dagegen habe ich es zuweilen bei der %pertrophie mit 
Dilatation gehört, wewv aneh ketae*UppenfcWer zugegen 

waren. •..-'■'• 

Bei einfacher Hypertrophie ist das erste Geritaseh, je 
beachtlicher die Hypertrophie ist* um s* matter nnd ger 
dehnt er nnd geht gewöhnlich ohne Pause. tu daa zweite 
«her. Hat die Krankheit in dieses Feim einen «ehr hohen 
Grad erreicht, so erlischt das erste Geräusch .fast ganz. 
Das zweite Geräusch ist seh* kurz nnd matt, bei sehr be* 
trichtlieher Hypertrophie kaum vernehmbar. Die Pause 
ist kürzer als gewöhnlich, weil das erste Garinsch länger 
ist. Bei der Hypertrophie mit Verengerung findet* dieses 
noch in viel höherem Grade statt. In einem Falle der Art, 
den ich jetzt vor mir habe, hört man das zweite Geräusch 
fast gar nicht nnd, das erste kaum Ober die Traeoerdisi- 
gegend hinaus. 

Die Behauptung Jüfape'*, : dafs der fiersimpnls bei der 
Hypertrophie mit Erweiterung Schnellend sei, wie 
bei dem rein nervösen Herzklopfen, während bei der rei- 
nen und starken Hypertrophie die Kammer* sich ihrer gan- 
zen Länge nach an der Brust wand hinaufzusehen, scheint, 
habe ich durchaus nicht bewährt gefunden. 

Während des Paroxysmus hören, selbst M sehr her 
deutender Hypertrophie, der Impuls und die Geräusche 
oft ganz auf, oder werden auffallend seh wicher, daher 
die Untersuchung unter diesen Umständen kein Resul- 
tat giebt. 



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8li 

«•h»'I¥v®er ^T6* bdirn Percutlren der Praecordialffc- 
^e^islifcex derQ^r^trai^i^ mtit^iii einem Umfangender 
zaxda*. Ausdehnung des -Herzens ;und der Verdickung der 
Wände in genauem Verhältnisse steht;. Am Lebenden, so 
wie 4wA ^^fedrtverjr'lifol fek)h das. VaUimen des Herzejis mit 
Issl^eeincttrJAfbMr ^enanigkeil .bestimmen; 
,<>?♦ V. Die Wölbung, das Hervortreten der Praecor- 
dialgefendiist ein vortreffliches und gar nicht selten vor- 
Moutmendesi Zei&ett der Hypertrophie, besonders der mit 
Dilatation» •/ . ' ! . , 

- I! - Dieses sind die phytiealischen Zeichen* die- die Hyper> 
tfajriüe des Herzens im Allgemeinen charakterlsiren. 

ii„i^>-. * x. §. 3. ■ 

1 Physikalische Zeichen, die der Hypertrophie einer jeden Höhle 
des Herzens im Besonderen eigen sind» 

- ■ So. nöthig es ist, «dieicFImctionssymptoflie: bei der 
Diagnose 4er Hypertrophie, des Herzens im Allgemeinen 
zu Rafbe in ziehen, so ist dies noch viel unentbehrlicher, 
wenn «s darauf ankommt, die Hohle zu bestimmen, die 
-von der Krankheit befallen ist. 

Es ist nicht möglich, Zeichen anzugeben, wonach sich 
die Hypertrophie der Atrien im Allgemeinen, und noch 
viel weniger die eines jeden derselben im Besonderen er- 
kennen liefse. Doch werden sie, wie schon gesagt, mei- 
stenteils mit der Hypertrophie ihrer entsprechenden Ven- 
. trikel ebenfall* hypertrophisch. 

Was aber die Ventrikel anbetrifft, so giebt es allerdings 
Zeichen, die mit ziemlicher^ Gewifsheit andeuten, welcher 
von beiden, hypertrophisch sei. 

1) Hypertrophie des linken Ventrikels. 

Die Hersschläge sind vorzugsweise in der Gegend des 
5ten, 6ten, 7ten oder selbst 8ten Rippenknorpels fühlbar; 
hier haben auck die Mattigkeit des Tons, und die Wölbung 



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341 

der rt a e cf dialgogemi ihre grPfrte latii— HM. » <*B& Puls 
ist kriNg* gespMMt, Wbrürcud, An €>esi*t rotb, dieAmje« 
belebt gllnsend; pm^ysmc uw ets c iafsart »feil (Bekniadai, 
Betiubung, Ohrens au se n, N a se nbl ut en, et«. 

3) Hypertrophie de» rechten Ventrikel* - « 

Herzschlage vorzugsweise an unters» find* >dee. Stert 

uns föhlber; ebenso die Mattigkeit de* Tons. Ief der 

Unke Ventrikel nkkt ebenmlls kr p ci to öp hls ck, wfricec 

mefetoutbeile der Fell ist, ee ist der Puls nickt so stark 

und ribrirend; aethro Congestionen nach denldtngeiij BlhU 

speten. Die Flucfuation der Jugalarvenen ist kehminoth- 

wendige Bedingung der Hypertrophie den rechten Vemtei» 

keif; kommt eie dennoch bei dieser Afiection vor, so pflegt 

ein Leiden des rechten Auricjüo- Ventricular-Orifietuins damit 

in Verbindung zu stehen. 

Zusatz. Von dem Einflüsse der Hypertrophie der Hers« 

kammern auf die Haemorrbagien im Allgemeinen, 

; tmd *otf dem des Unken Ventrikels anf die Haemor- 

rkagie des fiakims im Besonderen, ist es uns~ ans 

dem ecken angefahrten «runde, nickt ertaubt, aus* 

«Üffiiek, wie wir gern wdllfe», »sprechen. Wir 

mfissen uns begnügen, die Tbatsaeke als- aokfce -an* 



Vierter Abschnitt. 



§. I. 

Allgemeine Bemerkungen über die Dilatation der UernhoKlen. 

ftte Erweiterung der BcrnMhlcn kann dreierlei Art 
«ein: 
1) Erweiterung mit Verdickung, derjenige Äu- 



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m 

stand, ***,&* S^W« «?Fe¥»rt und die W^dungejn 

■ verdicW find. . , . , 

%) Einfache Erweiterung, jnro %Jiötyle ^rweiterj; 
ist, die Wandungen, aber ihre norjnale Dicke haben. 

3). Erweit^u^g jait Verdün^un^ w^i #e Jäp^e 
,. erweitert un^d je ^an^ungen-^^ 

Die eifte upd die zweite jUt f^len inü der im pori- 
ge«? Abschnitte ffcge^dejfcteu fljjipjrtr^p^ie jpit Er- 
weiterung, und der Hypertrophie vBrmÄgegrtffse- 
ren Umfongp ojrne Aeuderu;nrg |n der JM>rnjai/8,n 
Picfce 4er W^Mnngeq lufapinvya. ^ 

Jüan bedient , ßich der letztgenannt Namen, w^p 
inan das Vorwalten 4#r Hypertrophie, dagegen der erstge- 
pajpnten, wenn man 4$* Praedointnjren der. jftilaUJipn be- 
zeichnen will Wir .haben alp^o Wer »W- *e JlrweH^- 
ruÄg mit Verdünnung *mn geg e nstän d e, ; Wfc FW6 
man nach «bor die«* Form /weif*, lehrt, ein BUifc:^f^i# 
grofse Werk BoMittuu&u, wo apf einagei* Seiten, dieses 
Capitel sp^Mch und ^Äger^Jigcrfian^Wt, wird. Belßbrenr 
der is\ noefc, was #oj/* un* hierüber mijWjejJt, doch ge- 
nügt euch das nichi, . Djte fcfig*» ;pb überhaupt diese Fornpi 
je ohne Coinplication^ je prpnär yorkoranie, oder ob sie 
Webt immer init p«^ Hindernisse . co'in«idire, das sieb 
•dem freien Umlaufe de^ Blutes entgegenstellt, mag dieses 
nun im Herzen sejb^t, o^er, in dem Gefaxt y^teine oder in 
den Lungen £ein#n §itz bähen, tritt un* yo«, Tag zu T^g 
jnehr in den Weg und yerwirrjt y so feng$ fje noch unbcr 
antwortet bleibt, unsere begriffe «$$? die fe Weiterung .der 
Höhlen ^ über das passive Anevr.jrs.pfc 4e,s fler«en|. 
4)ewifs ist es, dafs alle functionellen Symptom e^ die kt wir 
der letztgenannten A^Tection beilegen y nicht ihr, fpndern 
jenen Störungen in der Ciftulfttion zuzuschreiben sind 
(die, nach dem Verhältnisse des lViderjtandes zur aus- 
dehnenden Kraft, in dfm einen Falle Hypertbrophie, in 
dem andere* Dotation da» Herzens veranließen), gewtfs 



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ist ei , dafs in Bezug auf dfe E^mpteme der ErVeHerung, 
man, wie Aerti* vortrefflich bemerkt, oft Wr : Wirkung 
Äer leisteten nahte, 'was nur alsProduct derselben Ur- 
sache betrachtet werden darf. Wehri Hope s&gt, -daJTs der 
Ittuek der Blutiäule aerf das HerzV detf doc* als erste Ur- 
sache einer jeüen 'Erweiterimg 1 ungesehen werden muft, 
nicht grade immer von einem Hindernisse in der Circula- 
tion, sondern aäcb von mangelnder fctaft des Herzens he*-» 
rühren kftnne, wie dies namentüch bei denen der Fall ist, 
4rWlche, als ahgebornenBikhingsfebler, ein im Verhältnisse 
mr Gröfse des Körpers dünnes Hers höben, so scheint 
tos das* im Grunde genommen doch nur mit dem zusam- 
menzufallen;, vtm Berit* sagte; denn sind nicht Stagna- 
tionen des Muts in den Lungen öder in arideren Organen 
die erWe und' unmittelbarste Folge eines solchen Schwache*- 
Zustandes des Herzens? luftert er-rielr nicht am häufige 
«W durch Anfalle von AprtöeY durch Ohninaehteil! ' 

tyäh* aber 1 Wl* die* BettWptnng JftpeV, dafs ein Mir 
dfeütiich : au*gesprotoeh«k JtfudernKs, zVB. die .Verenge- 
itafcg' einer 'Klappe, 'Vtif Erweiterung der Aorfa oft Jahre 
lang bestehen ktfftfti, Öhn* irgend wesenfliehe Symptome 
'des gehemmten Kreislaufes zu veranlassen, dafs dieselben 
«her tn einer aehr ausgeprägten Form auftreten, sobald 
Erweiterung des Herzens sieh hinzugesellt Wenn Hope 
zahlreiche Falle beobachtet hat, wo alle Erscheinungen 
«Ines gehemmten Blntumlauftes Mos durch die Erweiterung 
hervorgerufen wurden, wo man wenigstens auf dem gan- 
zen Wege des Kreislaufes kein Hindernis entdecken 
könnte, durch welches sie sich hätten erklären lassen, so 
"kanri ich meinestbeils versichern, obgleich meine Erfah- 
rungen hierüber keineswegs denen von iJope an die Seite 
gesetzt zu werden verdienen, dafs in den Fällen von Di- 
latatiön des Herzens > wekhe ich sah, immer seich ein 
Hindernifs, als welches ich aber auch tuberculöse Lungen, 
Induration der Leber, etc., betrechte, sich entdecken lief«. 



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816 

> BfcvBweUc^g init Ve^öm «alten taut 

eine Kammer. Die Abimige™^^f-*aia Aelsulwla«nP k»*ii 
dabei oft einen uirghlubficli hottet Orad evMuMnt Hope 
tfilfätvtn Einern F*Vte{ w* *\n T***V d«t>HenwpiUc^arar 
tm8 den inneWttiid^ilufeem Membranen bestand!, tmftche 
4wr«h dn« AllageinMg'TranpfastisolrcttiSiotfd 4*i 4er* Auf* 
senseite einige Festigkeit erhielten. Die rechte VentrHriei 
ist mehr diese» Cfrade der Verdünnung ausgesetzt, als die 
Hiike. Wie die Hypertroph« so folgt anch die ErweiW- 
rang mehr dem Quer- als dorn Lttngendurctime^aer* der 
Kammern; das Hen wird dadurch irund, und nahe an.l&e* 
Spitzer eben 4to weit als an «kr Baais, die Spitze selbst äst 
datin ganr rerwiwflit. >An { 'dieser' » Pontirtrinde^Fong er- 
kennt man selbbl einen unbeWleirtUtWn: Grad der Er- 
weitemiig> '*** • *?•:.,.'» * /,<k*;V;.: :.- > ,: .: • .7 ,;\ 
( ; Sind Kammer und Vorkammer zu gleicher Zeit erwei- 
tert,* so ÄÄikt man »iohtseUeo das coUprechehde Aüriculo- 
.YenttieriNff-iOrifiphiin ebenfalls ^iHvritert, und die Klappe 
in de» Anstand« der Unzulänglichkeit. 
' "■ ' Rupturen "dds Hertens \ 'finden: Sohne . Zweifel manchmal 
1h Folge der ErweJtemng des Heroen« statte nat so mehr, 
da diese fast immer . mit Erweiee*tng «der Wätode' verbun- 
den ist. r : 

Wie sich die" Erweiternng von der bloJ» mechani- 
schen Ausdehnung der Höhlen unterscheidet, ist schon im 
ttBgemeinen Theile gesagt werden. 



§2. 

Diagnose der Erweiterung durch pfyeicalische Zeichen und 
durch Symptome, 

Wir nehmen hier an, dafs es eine primäre Erweiterung 
der Herzhöhlen geben könne, und dafs die Wirkungen de* 
Ursache, welche der Erweiterung zu Grunde liegt, nur 
Wirkungen dar Erweiterung selbst sind, und folglifcb, in 



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SM 

* 

to fern sie J* die Bsnefcilngng traten, eteSyjaptoaie der 
klitem anffrcflhrt werden köaaesj; 

I. Seharaeke, »torMAfe, Je nach dem firad* des 
Hebels, mehr oder waadger beaa^pUgeadePalpitatioaea, 
die liier häufige* rorkommen and mager aalftUaa: ajs in an- 
deren Hcrzkranhhaiirn Weicher, schwacher, oft aach 
kleiner Pul*. 

& Erschwerte Hospitation, frther oder später 
Hasten mit rechlichem , dünnen j seröSrseMeimigen Aus- 
würfe; Oedem des Laagenaellgawebee, dk Dyepneö var- 
mehrand« -Als Folge, davon: 

M>Setdee UtfitreUsB, »»erst der «HedmAdn, den* 
auch: v e r m e hrt e. Exhaletion auf .d**:scr*scn Jfemhr*- 
Ben, HydroparirntdttisvAscKaa, Hydro4horax> . 

2) Veränderte Gesichtsfarbe, je nachdem sie früher blä- 
hend, Mach oder Mais war, Jetat d»n*cLcoth, riolet 
«dar leichenblelch; Ideite^sncr Rls^ ism die Augen. 

3) Congestionen nach demfiehtm, s^aforjgsfaVhaiiira, 
gewöhnlich lanfts der graten Ss^> Stumpfheit der 
Geisteskräfte, nicht selten Sopor. Oft hingen diese 
Zafaato mehr von den serösen Ergte&aagea in. di* 

1 Oehimhante, als van Cangeaftsanan ah* 

4) Passive Blatflüsse, ans den Lungen, der Nase* dem 
den Därmen; atoahle Farbe das ergoafcenen 



5) Vergrößerung, Anftreibang der Leber in Felge dar 
Blutftberfullung, 

Alle diese Symptome sind an sich sehr zweifelhaft, 
.sie gehören auch den Klappenkrankheiten (besonders cU* 
linken Herzens) an; doch gehen sie im Vereine mit den 
physicalischen Zeichen dennoch der Diagnose einen gewis- 
sen 6rad von. Sic h erhe it Ist dieOyspnoö. sehr bedeutend, 
da* Siatspeien sehr häufig, die Anlage aar Wassersucht 
ausgeprägt, gabt die Farbe des Seskhts in das Danket- 
violette über, so seil man, nach Geraasart, eine Brarei- 



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819 

t««nff dt«rn»ktenr¥f4WMchi kiit V«TÄnirang fall atcfee* 
kmü&wgm ;täBäm*< Doeh bexeiehtoet» jene Synpieaifc 
■küt «usaehKffalich iHeae Förin^aie gefcoiieä adcki der 
itypevUtop feie' infe Ujrwciterung : 4er jtamlichen Kaihmer ; und 
dato KlappenTerengerüngen- ab !dev tinM«a £«U des Hei«» 

i' ' i b ' Ate das: conatanteeie .und cbaraktamstis chsteunter v den 
äsfehton. der därweitotung ät* rechten Bttile Mit. .fiepe 
igfcdkifrift«* litte pa^man^nteiTurgfenMazt 'dertlnari», 
sfoTsctn Jngularireneh, okne merklich* PUsMtiotf ) -eine 
^■geacenz^dse ;a*|eh::niclit;fre£a«li windet r wann martdfe 
tfenfemm.DbdvefetXheile de* Halses compritoirt ' ■:■ *■.;» ,_ 
jh iODU ©er Unguis de« Berseps ist bei dieser Foon 
werdwodert^Teai ifttrm Heben der a^pcfegton Band a«frr?des 
Oiutatt ^ei nicht die Biede? da*«flerz ünddlirt meto, 
arte ich* neb awaVüdken möchte, ala ea «chltgt $lahch* 
inal fühlt jmd unter mehreren Schlagen, die man kört, 
mir eMen. " ;,- - 

. > IV. Die Benrlhtthmg der. fieräuache hei der Erwei- 
terung: mit Venttnnimg mufe besonders, auf die Vergib 
$h«hg das e^atonifierdgerauäcbes .uiit deaa zweiten ',-, hiaV 
sicbtlicb seiner Dauer and «eines mehr oder mtndereii 
AeHfonens siehibeaiehen. Bei der «infachen Verdünnung 
derWattduijgen <tae Erweiterung ist das Geransqh dar 
Kammersystolt las^, kürzer und schreiende* akin^Nor- 
gftalmetande; «s nühert sich dem Jftunmerdiastdicgerflnsche. 
BeT Erweiterung mit Verdünnung ist daa «rate ßerlusch, 
selbst in Beaug auf seine Intensität, gans dem zweiten 
€teräus«be Äbnüeb. Ist die Erweiterung sehr bettichtÜch, 
ae> lassen -«Wh beider Geräusche nur noch dadurch unter* 
«eheiden, dafs.das crafere mit derii Arterieripulse aynchro- 
nisch ist, das zweite jrichi. 

Je lauter die Geräusche sind, in desto -gröfserer Aus- 
dehnung lassen sie sich an der Brust hören. Die Reibe- 
folge der Verbreitung der Geräusche, die Latrmec ange- 



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J48 



hat v um Oarnacn Je») OMi dWBih*eitevung<!ttnd 

V M ^n.i1i g >H, oohi taetey haben. Mr imia%imek^ Ifrefl 

«Mrt^t. Wir hafcengeieigVv«* *^ 
»hitze«: diese Ärihefotge ist ,B«1: Äa^ot.ßobJtcte^ ^UH 
2n»ite» taii'ft€b[«i^>SraM,,^i.i^«i}^ Jita.tnm.ttie fi* 
ratische weil hinaus über die Cremen, die Laitmec xmi, 
Hope angeben; man, hört sie :in de* Mehrzahl 'de* /Falle 
noch unter dt» rechten SehnUerJaktte; eben so wA'm 
breiten sie sieb- bei der Hypertrophie mit Erweiterung* 
Wie die Verbreitfing der Geräusche . des: Hernen* dnrek 
ttectificatiencn in dem Le fa mg sV ennogen 4er NachberoE- 
gane modifleto werde, ist sxton »iriehifaehi: in, < diesem 
Werke zu* Sprache gekommen. Wik* müssen jedttdh in 
Bex*#«*f die «e^fasphe bemerken., da* «w ober ihren 
Charakter bei der ©ilatalio» knit Verduhnnng des Seesens 
«oeb gas nuJtt im KUren^ieL tfioht immer sind sie bei 
dieser Form lauter alte gewtthnlibh; bei Hypertrophie mit 
Erweiterung bebe ich sie oft riel lauter gehört?» bei der 
Crweichungi desHernens imd: kurz ror dem Tode sind die 
berausche sehwach, warum soHten sie es nicht sein, wenn 
-das 1 Hera in Folge ttbenntfsiger Ausdehnung zu krafties 
äst, nm sich lebhaft zusammerfztniehenfC 

. . V* Der Ton bei der Fereussion witd natürlich in ei- 
-mm gröJseren Umfange der Brust matt* sein^; das, erwei- 
terte Hera liegt aueh tiefer, al» das normale. 
; Pnysicalisehe JSeiehenv die grädete: die Erweiterung 
der Vorkammern andeuten, besitzen wir bis jetzt neck 
nicht 

.:. Zusatz. Bei diesem- and dem Torigen Anschnitte T*r- 
.! . . gleiche man, was wir im allgemeinen Theil (pag.140) 

gesagt haben, über die Möglichkeit, an erkennen, 

welche Herzhöhle erkrankt sei 



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.349 

Fünfter Abschnitt. .. 
Ton den HJappeitkranlUteiten de« Herzens. 

Allgemeine Bemerkungen über die Klappenkrankheiten desHerxen*. 

Die Klappen? des Herzens , bestehen 1 am einem zwischen 
einer Verdoppelung der innern M etnbcam des Herzens be- 
findlichen faserigen Gewebe.- Die* innere? Haut des Hersenf 
ist,- wie wir gesehen! haben*, eine serosa; die Textur , der 
Klappen ist also serös -fibröser Art/ Diesem Gewebe, )m$ 
«anders .: dem : fibrösen 1 Elemente, desselben, ist die k&or 
eilige und knorplige Entartung, gan*, efg*n}htia>licb, 
mögen wir dieselbe nun in allen Falten, als. Ausgang der 
Entzündung und* zwar der Endocartirf, wie eB.Bovillautf 
4but, eder auch als Folge noeh anderer Processc betrach- 
ten, in denen sich tiefere, constitutionelle Uebel ^cfiecUr 
ren. Die Basis und der freie Rand der Klappen/ aber dfo 
mehr fibrösen St eilen, sind es vorzuglich, wo man dies* 
•Ablagerungen von knorpligen, knochigen und kalkartigen 
Massen findet; die -seröse Haut, dtinn und durchsichtig 
wie im normalen Zustande, bedeckt sie und lälst sieh ge- 
wöhnlich von ihnen abziehen. 

Die Kfappenkrankheiien kommen weit seltener im 
rechten als im linken Herten vor; finden sie sich im rech- 
ten Herzen, so sind sie (n der Mehrzahl der Fälle auch 
mit Klappenfehlern der anderen Herzhälfte complicirt, 
Auf fünf Klappenfehlern an der linken Seite ist vielleicht 
nur einer an der reebten Seite anzutreffen (Uope). Den 
Grund dieses häufigeren Vorkommens der Klappenfehler 
im linken Herzen haben einige in dem mehr fibrösen Baue 
der Klappen dieser Herzhälfte, andere in der verschiedenen 
Natur des Blutes der beiden Seiten, noeh' andere in der 
gröfseren Energie gesucht, mit welcher die linke. Kamine* 



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SM 

•ich contrahirt, in so fern die Anstrengung der Etappen 
dadurch um so grdfser wird. 

Die Verhärtung der rechten oder Yenösen Klappen ist 
fast immer nur knorplig oder faserknorplig, auch 
leidet die Tricuspidalklappe hlu%er da die Klappe der 
Lungenarterie. Die knochige Entartung gehört mehr 
den linken Klappen an, doch bildet auch sie sich meisten- 
theils erst ans der knorpeiartigwi Verhärtung hetans. Die 
katkartige Verhärtung, die wesent&eb Ton den ebenge- 
nannten Arten abweicht, ers ch e int nm& Bope m eist ens 
unter der Form kleiner glatter, golbBchor, undurchsichti- 
ger K#rnch4n, die sich in Massen von vsrsshfc deher Grüfte 
und Form an einander re ih en , bald als Hafte Punkte er- 
scheinen, bald den Umfang einer Bohne erreiche» . - 

Auch wariige Auswüchse, die ihrer Fora nach 
den' veneris chen Auswüchsen dieser Art an den Ga- 
aehlecfatstheHen sehr ähnlich sind, kommen an den öap- 
pen des Herzens vor. Aneh sie stehen entweder eftnxefo, 
in* Trauben oder In btamcnkohlfirtlg eng an einander- ge- 
häuften Büscheln, bald In sehr geringer Zahl, bald Aber 
nie gansen Klappen, die sehnigen Fäden und einan grefaan 
Theil der Vorkammern verbreitet Sie sind Von fleischi- 
gem, we%lg durchsichtigem Gewebe, welches dem einer, 
su üppigen Granulation fungüser Geschwüre sehr ähnlich 
ist (Hop*). Audi für die Bildung dieser wattige* After- 
produete ist die Bastt und der freie Rand der Klappen 
besonders geeignet } namentlich bilden sie an dem letzteren 
oft eine ganse Reihe, und ve*engern, je nach ihrer Zahl 
und Griffst, die Oeflhung der Klappe mehr oder minder. 

Haben nun die an ge führten Veränderungen in dem 
Baue der Klappen den Grad der Entwlekelnng erreicht, 
dafs sie eine merkbare Verengerung der entsprechenden 
Otfificlen des Herzens veranlassen, oder daft ihr Vermö- 
gen, "diese Orineien wechselweise- an schließen und ah 
»ffit**v mehr oder minder dadurch teektriehtigt isi*** 



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851 

geben sfch Ertehei&QBgen kund,, welehe den mit dieser 
Klasse v*n Krankheiten Yertrauten Atz* in den Stand 
setxcn, mit fast absoluter €tewilfcheit,äfelüapp6nlmuikheit 
an «Bagnostfcireii. 

PhysicaliscTie Zeiche» der KlappenJcranJcheiten. 

L Die Inspectien der Brust giebt ans kein direktes 
Zeichen bei Klappenkrankheiten; nnr insofern dieselben 
, in der Mehrzahl der Fülle mit Hypertrophie und Unreife*» 
rang einer- e&el* der anderen Herzhftble comptioirt sind, 
Minnen wir dadurch die Stfi^ke, die Verbreitung, den 
Rhythmus der Berskchlage würdigen, können wir heurv 
theilen, ob das Organ in der epigastrisehen Gegend pul- 
sirt, ob eine Wölbung, eine Hervortretang- der Bippen in 
der Praecordiaigegend vorbanden ist, etc. 

II. Das Auflegen der Hand belehrt uns noeb ge- 
nauer über die Modifikationen, die der Rhythmus der 
Herzschläge durch Klappenkrankbeiten erleidet, besondere 
Wenn diese im linken Herten ihren Site haben. Ausführ- 
lich haben wir hierüber im allgemeinen Theil gesprochen* 
Der ititernuttirende, der unregelmäßige und, die Verein* 
gnng beider, der delirirende Puls, findet sieh bei keine* 
anderen Erankheitsfbrm so eonstant vor als hier. Das 
Katzen- oder ribratorische Sehwirren, das selten 
fehlt, suraal wenn die Klappen des linken Herzehs leiden; 
giebt sieb eben/falls durch diese Methode der Exploration 
*u erkennen. Beide Zeiehen, wenn sie Vereint Vorkom- 
men, sind vöö uüsehfitebarem Berthe für die Diagnose 
der Klappeflkraflkbeiten. Unter den Anomalien in dem 
Rhythmus' 4er Herzschläge bei Verengerung der Herzbri- 
fielen, igt jene dreifache, ja selbst rierTaeue Bewegung de$ 
Herzens, Ton der wir im allgemeinen Theile gesprochen 
haben, als eine der merkwürdigsten zu betrachten. 



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SM 

ID. Die Percussion ginnt ebea so wenig als die b** 
■peetton dirccte Resultat* bei denKlafttenkrankaeiten de« 
Hers*»*; nur indeul Üe di<^ Hypertrophie uai die DÜatar 
tion des Organs erkennen läfst, die so oll jene Krankhei- 
ten compliciren, kann sie auf indirecte Weise uns nütz- 
lich werden. 

IV. Von allen Explorationsmethoden gewährt uns die 
Auscultation die schätzbarsten und constan testen Zei- 
chen für die Diagnose der Klappenkrankbeiten. Ihr ver- 
danken wir die ßltit balg- , Säge- und Feil enger in» 
•ehe, die wahrend der Actton des Herzens Mtabar wer- 
den« Diese Gerdusche, wie schon gesagt ist, begleiten 
oder ersetzen nur eins, otfer .sie begleiten oder ersetzen 
beide Herzgeräuschn. Zuweilen traten diese Geräusche 
nur eis Nachklang, als Echo der normalen Geräusche auf« 
In Bezug auf Daner und Intensität bieten die Aftergeräa- 
sche viele Verschiedenheiten dar. Zuweilen kommen sie 
ruckweise, plötzlich, zuweilen ziehen sie sich hin, sind 
sie gedehnt, gesponnen. Oft so stark, dafs man sie sehen 
in einiger Entfernung von der Brust bort, seheinen in an- 
deren Fällen sie ans einer solchen Tiefe emporzusteigen, 
daft das geübteste Ohr Mühe bat, sie zu erkennen.: Un- 
ter manchen Umständen geben sie auch, !wjewfir angeführt 
haben, in ein rmusikoUcbea Pfeifen über. 

Die Aftergeräusche, wir wiederholen es noch einmal, 
sind als die sichersten, constanteeten Zeichen der Veren- 
gerung der Herzorificien in Folge von Klappenfehlern zu 
betrechten. Unter hundert Fällen der Art, die Bouillaud 
beobachtet bat, befand sieh nur ein einziger, wo sie nicht 
hörbar waren. In dem Felle, wo bei Verengerung der 
Hef^orifiojen mit Induration der Klappen jene oben er« 
wähnte drei- oder vierfache Herzbewegong vork0mmt, 
hört man auch drei oder vier, statt der zwei Geräusche, 
Läfst sich also bei. einem Kranken ein permanentes Bla- 
sebalg-, Raspel- und Feil enger ftaseh in, 4er Praetor» 



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353 

diälgegend hören, ist zu gleicher Zelt das Katzenschwir- 
reu* fühlbar, und die Herzschlage tumultuarisch, intermif* 
tirend, unregelmlfsig, gleichsam deürirend, besteht dabei 
die Krankheit schon seit längerer Zeit, so kann man fast 
mit Sicherheit auf Induration der Klappen mit Verenge- 
. rung eines oder mehrerer Oriflcien schliefsen. Den höch- 
sten Grad erreicht die Sicherheit, wenn zu diesen örtli- 
chen Zeichen noch ^allgemeine Symptome kommen, die 
das Resultat von dem Einflüsse sind, den auf andere Or- 
gane das Hindernift ausübt, das die Verhärtung der Klap- 
pen dem freien Durchgänge des Muts durch die Herzori- 
ficien in den Weg stellt Diese allgemeinen Symptome 
fidlen aber (vergl. Abschnitt Dilatation) mit denen der 
Dilatation der Herzhöhlen zusammen, oder vielmehr es 
sind Wirkungen einer und derselben, beiden Krankheiten 
zu Grunde liegenden Ursache. 

§• 3. 

Differe^tielle Diagnose der Verengerung der vereehiedenen 
Her%orificien. 

Wir haben in der ersten Abtheüung dieses Werkes 
gesehen, dafs es »nicht immer leicht ist, zu bestimmen, ob 
eine Hypertrophie raty Dilation oder eine Erweiterung mit 
Verdickung oder Verdünnung der Wände in der einen 
oder in der anderen Herzhälfte ihren Sitz hat. In Bezug 
auf die Verengerung der Herzoriflden durch Klappen- 
krankheiten ist dieses leichter. LaSnnec war in seinen 
Untersuchungen über diesen Punkt zu folgenden Resul- 
taten gekommen (die er in der lsteu Ausgabe seines Wer- 
kes mittheilt): 

l) | Der Isochronismus des Blasebalg-, Raspel- und 
Feßengeräusches mit dem Pulse und der Systole der Ven~ 
trikel zeigt an, dafs die Verengerung in einem arteriellen 
Orificium Aren Sitz hat 

2) Der Isochronem» derselben Geritesche mit der 
Systole der Vorkammern (also mit dnr Diastole der Kam> 

23 



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t 

354 

Aftern nach unseren Begriffen) ist ein Beweis für den Sitz 
der Krankheit in den Aurieulo-Ventricular- Mündungen. 

3) Die grftfsere Stärke dieser Geräusche in der Ge- 
gend der 5ten, 6ten und 7ten Rippenknorpel spricht für 
eine Verengerung der Orificien des linken Hertens; ihre 
gröfsere Stärke an dem unteren Theüe des Sternums da- 
gegen läfst auf eine Verengerung der Orifleien des rech- 
ten Herzens schliefen. 

Nach dem heutigen Standpunkte unseres Wissens läfst 
sieh hierüber folgendes sagen: 

1) Was den Isoehronismus der Raspel-, Feilen- und 
Sägegeräusche mit der Systole oder Diastole der Ventri- 
kel anbelangt, so ist derselbe durchaus von gar keiner 
diagnostischen Bedeutung; denn diese Gerinsehe lassen 
sich oft während der doppelten Bewegung des Herzens 
hören, ersetzen also das TR-Tae des Herzens, Dieses, 
leuchtet ein, wenn man bedenkt, dafs in Folge des per- 
manenten Offenstehens derjenigen Orificien, deren 
Klappen unfähig geworden sind, die normalen Bewegun- 
gen auszuführen, eine gewisse Menge Bluts durch die 
Mündung zurückfliegen (während der Diastole wenn die 
arteriellen, und während der Systole der Kammern, wenn 
die Auriculo- Ventrieular - faücieu offenstehen) und auf 
diese Weise ebenfalls ein Blasebalggeräusch hervorbrin- 
gen kann. 

2) Im Allgemeinen werden die Aftergeräusche an der 
Stelle der Praecordialgegend in ihrer gröisten Intensität 
gehört, die dem verengerten Orificinm entspricht; dieser 
Punkt ist 4S vorzugsweise, auf den wir unsere Diagnose, 
hinsichts der Herzhälfte, die afficirt ist, begründen. Da 
aber das arterielle Orificium, zumal auf der linken Seite, 
dem entsprechenden Auriculo -Ventricnlar-Orificfum sehr 
nahe liegt, so kommen Fälle tot, bei denen sich nicht auf 
eine unzweifelhafte Weise angeben läfst, ob die -eine oder 
die andere dieser Mündungen verengert ist. Die Beschaf- 
fenheit des Pulses gkht bei den Verengerungen der linken 



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365 

Herzorifieien kostbare Aufschlüsse. Gewöhnlich igt er un- 
regelmäfsiger, kleiner, ungleicher, intermitlirendcr bei der 
einfachen Verengerung des Aortenoftfieiums, als bei [der 
Verengerung des linken Auriculo-Ventricular-Orificiums. 
In dem ersten Falle ist es auch, wo man vorzugsweise 
das vihratorisehe Schwirren der Arterien beobachtet, von 
dem Corvisari zuerst uns Kunde gegeben hat. Endlich 
ist auch das Katzenschwirren an dem Punkte der Prae- 
eordydgegend in seiner gröfsten «Intensität fühlbar, der 
dem verengerten Herzorificium mitspricht * 

3) Die Verengerungen der rechten Orificien, viel sei- , 
teuer vorkommend, als die der linken, sind im Allgemei- 
nen auch viel schwerer zu erkennen. Dies wäre nicht' 
der Fall, wenn man, wie Coreimrt sieh so geistreich aus- 
drückt, die Pulsationen der Arteria pulmonalis «eben so 
untersuchen könnte, wie die der Aorta und ihrer Zweige. 
Das Bestehen einer solchen Verengerung kann, man aber 
mit einiger Sicherheit vermuthen, wenn das Katzenschwir- 
ren im Maximum seiner Intensität auf den den rechten 
Herzorißcien entsprechenden Punkten fühlbar ist, und zu 
gleicher Zeit ein venöser Puls in den Jugularvenen, so 
wie die Zeichen einer beträchtlichen Hypertrophie des 
rechten Ventrikels sich zu erkennen geben. 

Alles bisher Gesagte bezieht sieh aber nur auf einen 
schon hohen Grad der 'Verengerung der Orificien. Es 
v bedarf einer ungeheuren Hebung, um solch eine Verenge- 
rung schon im Entstehen zu diagnosticiren. 

Wenn eine hypertrophische Verdickung die Klappen 
trifft, ohne dafs diese sonst eine Difformität darbieten, 
und ohne dals die entsprechenden Mündungen verengert 
sind, so nimmt dadurch die Intensität der Herzgeräusche 
gewöhnlich auf eine merkbare Weise zu. Diese Geräusche 
tönen dann in der Wirklichkeit, wie das Klappen starker 
Ventile, oder wie das Geräusch, das man durch das plötz-^. 
liehe Aneinanderbringen zweier Pergamentblätter erzeugt 
(brmis parckemmis). Am ausgesprochensten ist dieses 



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86« 

Phaenomen, wenn die Mitralklappe, die atlrkate von allen 
Klappen des Herzens, auf diese Weise verdickt ist 
Zusatz. Von der Unzulänglichkeit der Klappen 
des Herzens. 

Die anormalen Herzgeräusehe werden, wie wir 
gesehen haben, durch verschiedene Ursachen her- 
vorgebracht Unter diesen ist die eonstanteete ein 
gewisses Milsvcrhaltails zwischen den Höhlen und 
den Oriflden. Da nun aber solch ein Mifiver- 
hSltnifs am auffallendsten bei einer Verengerung 
der Oriflden herv ertri tt, so wird auch dieser Zu- 
stand am öftersten die krankhaften Gerlusche er- 
zeugen. 

Die Hersklappen sind da, um das Blut an ver- 
hindern, dafs es nicht in die Höhlen lurftckiHefre, 
aus der es gestofseu wurde. Können sie, in Felge 
irgend eines Krankhettsanstandes , diesen Dienst 
nicht mehr leisten, oder, mit anderen Worten, be- 
finden sie sieh in dem Zustande der Unzuläng- 
lichkeit, so strömt das Mut doch zurück, aber 
es strömt zugleich dnreh ein verengertes 
Orlflcium zurück, und erzeugt deshalb im Zu* 
rückströmen ein Aftergerlusch. Ist also z. B. die 
Mitralklappe in dem Zustande der Unzulznglic hkeit, 
so wird bei der Systole der Kammern das Blut des 
linken Ventrikels, anstatt Mofa in der Aorta, auch 
in die linke Vorkammer geschleudert werden; es 
wird also neben, oder an der Stelle dea lsten Herz- 
geruusehes ein anormales Geräusch vernommen wer- 
den. Wenn man also von einem anormalen, der 
Systole der Kammern entsprechendem Geransehe 
des Herzens weifs*, dal* es der linken Hälfte dea 
Herzens angehört, so kann es entweder dnreh eine 
Verengerung des Aortenorifleiums oder dnreh Un- 
zulänglichkeit der Mitralklappe bedingt sein; ebenso, 
wenn es der Diastole der Kammern entspricht, iat 



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857 

»das Orifikiuuv der MifraHtlappe rerengert oder die 
Aortenklappe befindet sichln dem Zustande derUn- 

' • ioläifgiicbkeit. • : • < Gans dasselbe . VptMltnifs findet 
heim regten Herzen statt; Das Aftergeräusch in 
diesen. Fällen* ist immer ein Blasebalggeräuseh, und 

; «war ein anferst intensives. Corrigan in England 
hat das grofae Verdienst, zuerst diesen Krankheits- 
zustand der Klappen (für die halbmondförmigen 
ITalteln); eemtatirt zu fcafeefe Iib Jähre 1834 hat 
Atiiiide Ouyoi (de la Guerche) als « Inaugural- 
J Dissertation uns eine schöne Abhandlung über die 
Unzulänglichkeit der Aortenklappe geliefert. Seit 
der Zeit haben die Beobachtungen hierüber sich 
sehr verrielfältigt, und es giefct keine Klappe des 
Herzens, für die der Zustand der Unzulänglichkeit 
nicht duifch Krankheitsfälle- erwiesen, wäre. 

Welches sind nun die Bedingungen, in Folge 
welcher die Klappen des Herzens: unfähig werden, 

• ihre Fteottioiim • auszuüben! h Verdi* kling:, und Er- 
irirtuäg der Klappen, jnögeh sny mm «fibrösknorpli- 
ger, reinknorpliger, knochige!? tad ; kalkartiger Be- 

' scbafienbeit: i sei», smd tso. allen Beobachtern als 
die häufigste und die alh> Klaj^en ohne Unter- 
»ehied treffende Bedingungi der Unzulänglichkeit an- 
geführt, worden.»* Noch' andere Bedingungen, die 
aber bisjetzt nur Ar' i die Aarienkläppev nachgewie- 
sen worden/ sind: - 

1) Fartiele Zerstörung der **»«* Ränder und 
»* ' ' der Flachen dieser KJappen. 

2) Zerreifsung demselben. 

3) Erweiteimg der Aorta; bis su ^hrem Ursprünge 
im Herzen, sodafe dfo-Yahreln, an sich zwar 

'nortnaL, den Kanal nicht zusehliefsen vermögen. 
" Botmlktud JmI noch eine andere Bedingung für 
die Mitralklappe aufgefunden, die aber immer mit 
einer Verdickung und Erhärtung derselben coinci- 

24 

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356 



dirt; wir meinen die Adhaercnz dieser Klappe 
an den Wandungen de« Herzens. 

Die Symptome in allen diesen FiUen beben die 
gröfete Analogie mit denen, die dt* Verengerung 
derHersorificien char akter isiren: et afaid dieses vorr 
sfigfich Palpitationen, Blasebalggeräusch, Eatsen- 
sehwirren, Dyspnoe 1 , YenSseCongestiotte», Ansamm- 
lungen von Serum passiver Art etc. Diese Ana- 
logie ist sehr einleuchtend, wenn man bedenkt, dafs 
in dem einen wie in dem anderen. Falle ein mecha- 
nisches Hindernifs sich dem Durchgange des Blutes 
durch das Hers in den Weg stellt. . 

AU Seiehen, die der Unzulänglichkeit der Aor- 
tenklappen spedeU angehören, nennt Qwgot folgende : 
1)' Fehlen des 2ten Kerstans, und statt dessen 
ein im* Hersen selber, der ansteigenden Aorta, 
den Carotiden und der Subclavia sehr deutlich 
wahrnehmbarer Blasebalgton. 
2) Hupfen oder sehr sichtbares Pulsiren der Ar- 
terien des Halses, des Kopfes und der oberen 
Extremitäten. 
, 3) Ein starker, kantiger und vihrirfauder Puls. 

Es gtebi Fllle, wo die .Aortenklappen so mit 
Ejdkmasse versetzt sind* dafs sie sich dann nicht 
mehr bei der Systole heben können, sondern eine 
unbeweglich* Leiste bilden, zwischen denen eine 
enge Spalte offen bleibt, durch die das Blut strömen 
kann. In diesem Falle beobachtet man niemals die 
angegebenen Erscheinungen. Belegen findet man 
dieselbe in allen den Fällen, wo die Aortenklappe 
den Reflux dea Blutes während der Diastole zwar 
auch gestattet, aber, sobald der Ventrikel sich con- 
trahirt, in einem gewissen Grade sich bis zur Aor- 
tenwanderung zurückzuwenden, und , so dem Blute 
, einen freien Durchgang zu gewähren im Stande ist 



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Fiff. i, a. 



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Füf: 2 




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1. 31 742 




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